MAMIFFER – STATU NASCENDI

Posted in Release on October 26th, 2014 by D.K.

Mamiffer melden sich mit “Statu Nascendi” (Geburtszustand) zurück und liefern den Nachfolger zum 2011er “Mare Decendrii”. Das Lineup der Platte besteht nur aus den beiden Hauptakteuren Faith Coloccia und Aaron Turner, produziert wurde das Ganze von Randall Dunn, der bereits die Regler für Earth und Sunn O))) im Studio drehen durfte.

Die minimalistische Bandbesetzung bestehend aus der Bandgründerin und ihrem Gatten zeichnet sich auch in der musikalischen Ausgestaltung der Platte aus. Wo vorher groß komponiert wurde und epochale Werke entstanden, scheint hier alles spontaner und improvisierter festgehalten zu sein. Allein das Artwork, das auch von Faith Coloccia stammt, unterscheidet sich stark von den bisherigen Motiven. Abstrakte Gemälde weichen für eine Fotografie.

Caelestis Partus

Eine warme Fläche von minimalistischen Sounds, begleitet  von Gitarre und Orgel, eröffnet den Song. Akzentuierte Percussion und der fragile Gesang von Coloccia vervollständigen den Opener. Nach fünf Minuten bleibt ein droniger Orgelsound und bereitet für die nächste Minute den Übergang zum kommenden Track.

Enantiodromia

Es geht weiter mit einem Duett aus dröhnender Orgel und verzerrter Gitarre, das in den ersten vier Minuten des viertelstündigen Tracks eine Basis legt, um dann fast zu verstummen, bevor auf ein Neues die Orgel lauter wird und die Gitarre mit massivem Hall massive Akzente setzt. Der Track ist umgeben von einer mystischen Aura, die sich auch in dem merkwürdigen Titel spiegelt, der soviel wie “Einzweiwege” heisst und eine Begrifflichkeit aus der griechischen Antike ist, die das Gegeneinanderwirken von Kräften umschreibt. Coloccias Vocals setzen ein und obwohl sie nicht viel singt, fällt es schwer zu verstehen was sie singt, was den Track noch mysteriöser wirken lässt. Turners Gitarre nimmt Fahrt auf und es kommt zu kleinen House Of Low Culture Momenten. Eine geladene Atmosphäre umgibt den Hörer. Gut und Böse. Laut und Leise. Enantiodromia halt.

Mercy

Da ist es endlich, wird wohl der Fan von Klavier getragenen Mamifferstücken denken, denn “Mercy” beginnt mit einer Klaviermelodie, die im Hintergrund von maltretierten Gitarrensaiten gestört wird, bis diese auch verstummen und ein intimer Moment entsteht, als nur das Klavier und die äußerst emotional hoch gesungenen Vocals von Coloccia bleiben. Dann setzt die Gitarre wieder ein. Verzerrt und raumeinnehmend.

Flower Of The Field

Der Abschlusstrack erinnert vom Gitarrenspiel stark an Jodis. Hier stampft die verzerrte Gitarre hallend durch den Track. Der eingängige Gesang gibt dem Titel eine Wiedererkennungsnote und macht ihn schon nach dem Ersthören zu einem Ohrwurm. Fliessend, stampfend, rhythmisch, melodisch, rauh, weich… Sehr gelungener Abschluss.

“Statu Nascendi” erscheint im November auf Vinyl via Sige Records und auf CD via Daymare Recordings.

Und ein Video gibt es auch schon:

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A NEW WAVE OF JAZZ

Posted in Label, Release on August 3rd, 2014 by D.K.

A New Wave Of Jazz, so nennt sich das nun zweite Unterlabel von Tonefloat, das unter der künstlerischen Leitung von Dirk Serries geführt wird. Abgesehen von der Frage, ob man noch ein Unterlabel benötigt, klingt das Ganze doch sehr interessant. Dirk Serries als Dronevater mit Hang zum Blues begibt sich in die Hände des Jazz.

New Wave Of Jazz ist mit zwei Veröffentlichungen gestartet. Auf der einen Seite Yodok III, auf der anderen Seite The Void Of Expansion, zwei 12inch Alben in exakt der gleichen Aufmachung. Grauer, matter Karton mit eingestanztem Labeldruck, ein schwarzer Aufkleber, der den Griff zur Platte versperrt und angerissen werden muss. Die Platte schwarz mit weißen Labels und Schreibmaschinendruck. Das soweit die Gemeinsamkeit der physischen Produkte. Auch das hörbare Produkt weist Gemeinsamkeiten auf, denn auf beiden Platten sind Dirk Serries und Tomas Järmyr vertreten.

Yodok III landet als erstes auf dem Plattenteller. Als Fortführung der beiden ersten Yodok Platten, werden hier Tomas Järmyr an den Drums und Kristoffer Lo an der Tuba durch Dirk Serries unterstützt, der die Einladung der beiden Künstler nicht ausschlagen konnte, ein gemeinsames Album aufzunehmen und gemeinsame Shows zu spielen. Die Platte beginnt überraschend Dirk Serries-lastig. Die Gitarre baut eine filigrane Wand aus Drones auf, so wie man es von Microphonics oder Fear Falls Burning gewohnt ist. Die Drums gesellen sich ebenfalls filigran dazu und erst nach 11 Minuten kann man die Tuba wahrnehmen. Dann geht alles sehr schnell, was das Zusammenspiel angeht. Die drei Instrumente winden sich, verwirbeln sich, gelegentliche Aufschreie einzelner Instrumente sind zu vernehmen, alles auf dem Weg zu einem Höhepunkt, der sich anmeldet, der der Spannung den Vortritt lässt, ein Höhepunkt, der schüchtern ist, ein Höhepunkt, der nie kommen wird, weil der Song nach 23 Minuten verstummt, ein Höhepunkt, der nie da war und trotzdem stattfindet.

The Void Of Expansion ist aus der Yodok III Vereinigung entstanden. Kein Nebenprodukt, sondern mehr eine logische Mutation. Gitarre und Drums mit einem Ziel, das wohl beiden Musikern bei Einspielung des Albums nicht bekannt war. Dort wo Yodok III musikalisch aufeinander zugehen, gehen hier die beiden Instrumente scheinbar ein Battle ein. Serries treibt aus seiner Gitarre die noisigsten Drones seiner Karriere hervor und Järmyr steht dem Ganzen in keinster Weise nach und trommelt scheinbar um sein Leben. Dass man hier automatisch an den haarigen lauten Typen aus der Puppensendung denken muss, ist vorprogrammiert.

 

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MINOT

Posted in Musik on August 3rd, 2014 by D.K.

“Equal / Opposite” nennt sich das Debüt des amerikanischen Trios, dessen Mitglieder aus verschiedenen Bands stammen (u.a. From Monument To Masses). Die Rede ist von Minot. Das Album ist als Co-Release von Mylene Sheath und Golden Antenna Records erschienen und weiß durch seinen intensiven instrumentalen Charme zu überzeugen.

Die drei Musiker an Bass, Gitarre und Drums geben hier viel, wenn nicht schon alles was sie geben können, um den Sound auf ein Maximum zu bringen, was die Dichte und Dynamik angeht. So einen Sound habe ich zuletzt in den Neunzigern gehört, als Grunge und Co angesagt waren. Man könnte jetzt weit ausholen und die Platte im Detail beschreiben, aber hört euch einfach den Opener “Allostatic Load” an, denn dieser rotzig-noisige Song umfasst die ganze Aura des Albums.

Wenn euch dieser Track gefällt, dann gibt es nur eine Option: Platte kaufen. Es lohnt sich.

Das Album ist hier erhältlich.

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TARA JANE O`NEIL

Posted in Release on August 3rd, 2014 by M F

Von ihren wilden, teils lärmigen Anfängen in Bands wie Rodan, Retsin und Sonora Pine hat sich Tara Jane O’Neil mittlerweile recht weit entfernt. Zwar hat sie keine Angst, ihre elektrische Gitarre auch mal in die Dissonanz driften zu lassen, doch widmet sie sich auf ihren eigenen Alben vor allem einer Erkundung der Stille. Als Songschreiberin arbeitet O’Neil gerne mit Lücken und Auslassungen, die sie melodisch zu feinen Gewebeskizzen verspinnt.

Nun also “Where Shine New Lights”. Auf ihren bisherigen Home-Recordings neigte die Multi-Instrumentalistin eher zu schwelgerischen Arrangements. Neuerdings arbeitet sie eher sparsam, beinahe karg, und vermeidet Überlängen. Gesang und Gitarre dominieren, doch im engen Zusammenspiel mit Geigen, Vibraphon, Perkussion oder elektrischem Klavier. Gerade die mehrfach übereinander gesungenen Gesangsspuren fallen auf. Nun hat TJO, wie sie sich selber gerne nennt, keine aufregende Gesangsstimme, doch kennt sie ihre Schwächen und weiß, durch Beifügung und Weglassung Atmosphäre entstehen zu lassen. Als ganzes wirkt dieses Album wie eine Reihe von Schattenzeichnungen von Bäumen in Wind.

“Where Shine New Lights” ist über Kranky erschienen.

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O (KREIS) UND DIE VERSTEINERTEN PFLANZEN

Posted in Release on June 10th, 2014 by D.K.

O haben nach einem sehr überzeugendem Demo vor einiger Zeit ihr Debüt “Black See Of Trees” veröffentlicht, das sich sehr an gängigen Post Rock Schemata orientiert hat. Jetzt steht der Nachfolger “When Plants Turn Into Stones” in den Plattenregalen und ist ganz anders als erwartet.

Der Opener “Entstanden im Schatten wie Wasser” ist ein sehr minimalistisches Stück. Mehr Ambient als alles andere was man bisher von O kannte. Es geht zurückgenommen weiter, im zweiten Stück kommen mehr greifbare Sounds hinzu, leider auch ein O-Ton von einem ständig schwatzenden Kind (muss man mögen, ich mag es nicht). “Lack Of Interest In Things They Used To Do” an dritter Stelle, ist der erste Song, der auch nach Band klingt, aber auch hier hält sich die Band diszipliniert zurück. Auch in “When Plants Turn Into Stones” und “Sometimes I Forget To Breathe” spielt die Band introvertiert und akzentuiert. Stilistisch entfernen sich O vom Post Rock, hin zu soundtrackähnlichen Kompositionen. “I Offer My Hands To The Shades” als Abschluss ist monumentaler und präsenter als alle anderen Tracks des Albums, bleibt aber dem Stil der Platte treu und nimmt sich genau an den Stellen zurück, an denen man einen noisigen Ausbruch erwarten würde.

Ein Album auf dem ein riesiges Aufgebot an Intstrumenten verwendet wird, das so minimalistisch klingt wie auf “When Plants Turn Into Stones”, ist ein Pflichtkauf für jeden der sich gerne Zeit nimmt fürs Musikhören.

Einkaufen könnt ihr bei Golden Antenna Records.

O live erleben ist übrigens auch eine feine Sache. Termin findet ihr hier…

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[ B O L T ] + EWALDT

Posted in Tapes on June 10th, 2014 by D.K.

[ B O L T ] haben sich in letzter Zeit auf die Kollaboration mit anderen Musikern konzentriert, was zu so einigen höhrenswerten Ergebnissen geführt hat. Eines ist das Kollaborationstape mit dem Elektrokünstler Ewaldt.

Ein Tape, zwei Bässe, Elektronik, drei Titel, 40 Minuten massiver Lauschangriff. Es geht seicht und zugänglich los, wie bei einem poppigen Jesu Track. Verzerrte flächige Basssounds und ein uninspirierter Beat. Wer aber diese paar Minuten durchhält (oder ein paar mehr), wird belohnt mit einem Track, der auf einmal beginnt zu atmen. Die Bässe klingen wie Orgeln und der Beat passt sich dem Saitensound an und bekommt eine eigene Note. Track II ist die Fortsetzung des Ersten (trennen muss man hier eigentlich nicht). Der Beat mutiert zu einer Art Soundsog, der alle Sounds anzieht, um sie im nächsten Moment wieder loszulassen. Genial. Track III gibt den Saiteninstrumenten Raum zur Entfaltung. Erst nach 10 Minuten kommt ein hörbarer Beat hinzu und die Elektronik klingt zunächst wie weiblicher Gesang (irritierend schön). Ab der dreizehnten Minute wird es wieder “jesu-ig”. Hier aber im Gengensatz zu den ersten Minuten des Tapes kriecht der Sound von Bass und tribalähnlichen Drums direkt ins Ohr und ins Unterbewusstsein. Es wird lauter und noisiger und noch lauter und noisiger. Gut so!

Ein Tape, das in keiner Sammlung fehlen darf, in der Drone, Noise und Elektronik nebeneinander steht.

Das Tape gibt es bei Wolves & Vibrancy Records.

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DIE FLAMME VON ERIK K SKODVIN

Posted in Release on June 9th, 2014 by D.K.

Erik K Sodvikn, eine Hälfte von Deaf Center und sonst Solo als Svarte Greiner unterwegs, lässt zum zweiten Mal alle Hüllen fallen und liefert nach “Flare”, dem ersten Album unter seinem echten Namen, jetzt den Nachfolger “Flame”.

Natürlich hat sich wie beim ersten Album das kleine Berliner Label Sonic Pieces dieser Veröffentlichung angenommen und der Musik ein passendes Drumherum verpasst. Kommen wir aber zunächst zum Hörbaren.

“Flame” vereint neun Stücke des Norwegers, die den Musiker von einer neuen Seite zeigen (oder gleich mehreren neuen Seiten). “Shining, Burning” lässt ein Klavier erklingen. Ein Klatsch-Takt kommt aus dem Hintergrund, Gitarrenfeedbacks bauen einen Soundnebel auf, Drumakzente kommen hinzu. So viele Instrumente hat man wohl noch nie gehört bei Herrn Skodvin. Und hat man sich eingegrooved entschwindet der Track auch wieder. “Moving Mistake” klingt nicht nur vom Titel negativ, sondern zieht die Stimmung auch direkt runter, wenn die lauten Drums einem entgegenpumpen und Saiteninstrumente im Hintergrund düstere Flächen aufbereiten. “Reflecting” mit seinem Klavierklimpern und den Streichersounds ist ähnlich düster, aber auch sehr offen zugleich. Bei “Flames” steht die Gitarre im Vordergrund. Ausnahmsweise mal nicht mit Effektgeräten und Werkzeugen bearbeitet. Eine Minute später wabert schon der nächste Track “Red Box Curves” durch die Boxen. Was hier alles wellenartig durch die Boxen gejagt wird ist eigentlich egal, es klingt betörend schön. Ein experimentelles rhythmisches Klangfest. “Corrin Den” wartet mit den Klarinettenklängen von Gareth Davies auf. Field Recordings im Hintergrund, wunderschön verstimmte Gitarrensaiten, bassige Drones, Drums. “Black & Bronze” nimmt sich Zeit und baut Spannung auf, bis nach einer Minute ein Klangteppich aus Klarinette und Drones aufgebaut ist, der von massiven aber minimalistischen Drums geleitet wird. “Cypress Reverb” klingt wie ein Orchester, das nach neuen Grenzen sucht. Der Song verdichtet sich immer weiter, wird lauter, lässt dann wieder los und nach drei Minuten setzt ein seicht hämmernder Percussionsound ein. Monumental. “Drowning, Whistling” schließt das Album mit einem gleitenden Drone ab.

Ein sehr offenes und direktes Album, das nicht nur wegen dem Einsatz verschiedener Instrumente überrascht, sondern auch viele Stile vereint, die man hier nicht erwartet hätte. Das Mastering von Nils Frahm ist hier sehr direkt, so dass man als Hörer mittendrin ist.

“Flame” erscheint auf Sonic Pieces als CD in zwei verschiedenen Versionen und als Doppel Vinyl inklusive dem Erstwerk “Flare”. Die 350 Vinylexemplare sind bereits ausverkauft. Wer ein Exemplar haben möchte, sollte sich also schnell auf die Suche machen und alle bekannten Mailorder und Shops durchsuchen.

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SHIVERS

Posted in Release on June 9th, 2014 by D.K.

Shivers nennt sich die neue Experimentalsupergruppe, die aus Gareth Davis an der Bassklarinette, Leo Fabriek an den Drums und Rutger Zuydervelt an der Elektronik besteht.

Das selbstbetitelte Debüt, das nach einem Meilenstein von David Cronenberg benannt wurde, ist eine intensive Reise durch die düsteren Welten des Unterbewusstseins, nicht nur weil Cronenberg als Inspiration diente.

“Ash” beginnt wie ein harmloser Jazzsong, um dann binnen Sekunden sein wahres Ich zu zeigen. Ein Ungetüm aus ausbrechenden Sounds und vertrackten Drums. Die Klarinette dient hier als Basis für ein elektronisches Verfremdungsfeuerwerk ohne Gleichen. Wie ein Ungetüm, das in Fesseln liegt und immer wieder versucht auszubrechen und dabei die Wärter verletzt. “Otomo” greift diese Atmosphäre auf, ist aber in sich eher jazzig als noisig. “Rabid” fängt mit einem Noisegewitter an, um sich dann in einen sehr coolen Balkan-Groover zu verwandeln. Das kurze “Brood” überrascht mit seinen klaren Synthiedrones. “Spacek” nimmt die Synthiethematik auf und baut sich langsam zu einem Tribaltrack auf. Der einzige Song, bei dem die Gedanken auch mal schwinden können. “Replicant” vereint das, was die vorherigen Tracks gezeigt haben: Noise, Jazz, Powerelectronics und Synthiesounds mit einer dicken Prise europäischer Folklore.

Ein absolut biestiges und kreatives Muss-Album, das Nils Frahm in Berlin mastern durfte. Erscheint passenderweise auf Miasmah Records und gesellt sich dort in eine Diskografie ein, die nur so vor experimenteller Energie trotzt.

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VIDEO: N (30) + [ B O L T ]

Posted in Video on May 8th, 2014 by D.K.

N(30) + [ B O L T ] haben ihr erstes Video veröffentlicht. Interessanter Kontrast aus bunten Bildern, melancholischen Droneklängen und kryptischen Botschaften. Einfach mal reinschauen…

Das Debüt von N(30) + [ B O L T ] ist via Midira Records auf Vinyl erschienen und mittlerweile ausverkauft. Mit ein wenig Glück gibt es noch bei Denovali oder Aentitainment ein Exemplar zu ergattern.

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EIN KLANGTRIPTYCHON

Posted in Redaktion on April 27th, 2014 by D.K.

Vor zwei Jahren haben wir euch A-Sun Amissa und Aidan Baker mit Maik Erdas in der Christuskirche Bochum präsentiert. Der Abend hatte einige Überraschungen zu bieten. Neben dem komplett improvisierten Set von Aidan und Maik haben sich zum Abschluss des Abend alle Musiker zusammengetan, um eine gemeinsame Improvisation darzubieten.

Die Aufnahmen dieses Abends sind von Midira Records in Zusammenarbeit mit den Künstlern überarbeitet worden und in einer Serie von drei verschiedenen Releases veröffentlicht worden.

A-Sun Amissa machen den Anfang mit der digitalen EP “Christuskirche Bochum 17.02.12″, die es als kostenlosen Download gibt. Das Set des Trios bestand aus den Tracks ihres Debütalbums und dokumentiert einen der ersten Live-Auftritte der Band. Der erhabene Charakter der langsamen Tracks wird hier durch den Kirchenraumsound weiter untermalt und zeigt wie gut Ambient, Modern Classic und Blues zusammenpassen.

“Cameo” nennt sich das Vermächtnis von Aidan Baker und Maik Erdas. Die Herausforderung, an einem Abend aufeinander zu treffen, einen Soundcheck zu machen und danach eine Stunde gemeinsam mit Gitarre und Drums zu improvisieren, haben die beiden Musiker mit Freude angenommen. “Cameo” ist eine zweiteilige Veröffentlichung. Auf der Vinylversion sind zwei Stücke zu hören, die den Anfang und das Ende des Sets dokumentieren, auf der CD ist das ganze dreigeteilte Liveset zu hören. Der Sound dieses Zusammentreffens wandert zwischen Ambient, Drone, Doom, Kraut- und Spacerock und steigert sich immer weiter zu einer massiven Soundwolke, die auch während des Liveauftrittes die Kirche komplett eingehüllt hat, um dann mit den letzen Drumsounds zu verstummen. “Cameo” ist als LP/CD Set in einer Auflage von 250 Stück erschienen und hier erhältlich.

Digital, Vinyl und CD hatten wir schon, fehlt nur noch ein Tape. Das gibt es von A-Sun Amissa und Aidan Baker. Sie müssen sich sehr wohl gefühlt haben, in der Kirche, auf der Bühne, vor dem Altar, so dass es dazu kam, dass alle Musiker des Abends sich zusammengetan haben, um gemeinsam zu improvisieren. Das Ergebnis ist auf dem selbstbetitelten Tape zu hören. Ein 20minütiges Set, in dem sich minimalistische Streichersounds, Drums und drei Gitarren so grazil vermengen, dass eine ständig anhaltende Spannung entsteht, die dieses Stück ausmacht. Als Bonus gibt es auf der B-Seite ein Set für eine französiche Radioshow von A-Sun Amissa und Aidan Baker. Erschienen in einer Auflage von 99 handnummerierten Tapes in drei verschiedenen Coverfarben.

Ein Klangtriptychon, das sehr zu empfehlen ist.

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HER NAME IS CALLA NAVIGIEREN

Posted in Release on April 27th, 2014 by D.K.

Her Name Is Calla haben endlich ein neues Album im Gepäck. Nachdem 2010 “The Quiet Lamb” via Denovali veröffentlicht und hoch gelobt wurde, wurde es in letzter Zeit sehr still um die Band. Einzig Sänger Tom Morris gab einige musikalische Lebenszeichen mit seinen Soloplatten. Nun steht “Navigator” ab dem 5. Mai in den Plattenregalen.

Die Band hat sich nicht nur besetzungstechnisch verändert, sondern präsentiert sich auf “Navigator” vielseitig melancholisch und sehr viel ruhiger als bisher. Das neue Album entfernt sich stilistisch von den Vorgängerveröffentlichungen, was die energetischen Momente im Sound der Band angeht. Das ist schade für diejenigen, die genau diese Energieausbrüche mochten.

“I was on the Back of a Nightingale” eröffent das Album folkig, dann folgt der Bruch mit dem Synthiesound-Track “The Roots Run Deep”. Die Songs erinnern stark an die Soloveröffentlichungen von Morris, auch schon wegen der minimalen Instrumentierung. Erst bei “Ragman Roll” kommt ein Bandgefühl rüber. Der Titeltrack “Navigator” ist der erste Track der Platte, der richtig packt und zum aufmerksamen Zuhören mahnt. Das folgende “Burial” überzeugt durch seine empathischen Vocals. “It Was Flood” ist ein sehr schön ruhig treibender Track, der mit seinem instrumentalen zweiten Part durch die Hörgänge fliesst. Das epische “Dreamlands” beginnt als Akustiktrack, verwandelt sich nach drei Minuten in einen Drone-Track, um sich dann nochmal in einen choralen Track zu verwandeln, der in einer Noisewolke verstummt, um dann wieder ein Akustiktrack zu werden. Schade, dass danach noch ein weiterer Track kommt und hier nicht schon das Finale zelebriert wird.

“Navigator” ist ein melancholisches Winteralbum, das seine Wirkung jetzt kurz vor dem echten Sommer nicht richtig entfalten kann. Man muss sich mit der Platte intensiv befassen, beiläufiges Hören geht nicht, gut drauf sein geht auch nicht…

“Navigator” gibt es via Function Records als CD / LP und als Bonus gibt es noch eine digitale Remix EP dazu, wenn man sich für die Preorder entscheidet.

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WIEDERGEBURTEN

Posted in Release on March 29th, 2014 by D.K.

thisquietarmy war in letzter Zeit sehr fleissig, was das Veröffentlichen und Touren angeht. Eine Nebenerscheinung dieser scheinbaren Überarbeitung ist “Rebirths”, das neue Album des kanadischen Ein-Mann-Drone-Monsters.

rebirths cd

Über die letzten Jahre hat Eric Quach alias thisquietarmy einige Songs geschrieben, die einen sehr starken Wiedererkennungswert haben, Ohrwürmer sozusagen. Das geht nämlich bei experimenteller Musik. Live kommen diese Tracks natürlich auch sehr gut an und wurden daher das ein oder andere Mal gespielt. Resultat ist, dass sich diese Tracks durch das wiederholte Livespiel verändert haben. Anlass genug für Quach, sich ins Heimstudio zu setzen und die Songs in den neuen Versionen nochmal neu einzuspielen.

Aphorismes MMXIV
Ursprünglich auf der Split/Kollaborationsplatte mit Year Of No Light via Consouling Sounds erschienen, nimmt sich thisquietarmy in dieser Version Zeit für das Wesentliche. Auf über 13 Minuten breitet sich eine Dronemelodie aus, die von Drummachine und noisigen Gitarren untermalt wird. Gleichwertig gut, wie das Original. Und überhaupt einer der hervorstechendsten Tracks des Künstlers.

The Pacific Theater MMXIV
Im Original auf “Vessels” via Aurora Borealis erschienen. In der neuen Version noisiger mit großem Fokus auf die Wirkung der wuchtigen Drumsounds. Noisig und rockig zugleich. Hier mag man sich nicht entscheiden, welche Version besser gefallen möchte.

Revival MMXIV
Auf “Resurgence” via Denovali Records schon eine Besonderheit, weil hier ein Basslauf samt fetzigen Drums den Song in eine Art New-Wave-Drone verwandelt. Auch in der neuen Version darf dieses markante Merkmal nicht fehlen. Der Song fällt einfach generell aus dem Rahmen, so auch hier.

The Black Sea MMXIV
Ebenfalls aus dem Vessels Repertoire und ähnlich hervorstechend wie der Opener dieses Albums, zelebriert thisquietarmy auf “The Black Sea” seine Noise-Drone-Landschaften auf über 13 Minuten und unterstreicht, dass er zu den wichtigsten Künstlern dieses Genres gehört. Die neue Version ist eindeutig rauher und ungehaltener. Ein Fest.

Stealth Drone I (Bonus Track)
Auf der japanischen CD Version des Albums via Tokyo Jupiter Records gibt es noch den obligatorischen Bonustrack. Keine Neuaufnahme,  dafür aber sehr passend als Abschluss des Albums, denn hier hat der Hörer Zeit wieder runterzukommen. Es brummt, vibriert, gleitet in den Ohren, einfach nur schön dronig.

“Rebirths” gibt es auf CD via Tokyo Jupiter Records und auf LP via thisquietarmy Records.

Natürlich ist thisquietarmy wieder auf Tour und hat die LP dabei. Hier findet ihr alle Informationen…

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KERRETTA AUF 7INCH

Posted in Release on March 29th, 2014 by D.K.

Die Frickel-Rocker aus Neuseeland melden sich zurück. Kerretta kündigen ihr neues Album mit der Vorabsingle “His Streets of Honey, Her Mouth of Gold” an, die via Golden Antenna Records erscheint.

Der Titeltrack lebt von den verspielten Gitarreneffektfrickeleien, die mittlerweile zum Wiedererkennungsmerkmal für Kerretta geworden sind. Der Track hat nur ein Ziel: Geradeaus, vorantreiben, rocken…

Die B-Seite “Denizen” gibt den Drums und dem voluminös klingenden Bass mehr Raum, treibt ähnlich voran und stellt mal wieder unter Beweis, dass Rock aus Neuseeland einfach anders ist, einfach besser.

Und während wir alle sehnsüchtig auf das neue Album der Landsmänner von Jakob warten, lohnt sich die Anschaffung dieser feinen 7inch allemal, denn Kerretta sind mindestens genau so beeindruckend.

Ach ja, Kerretta sind auf Tour. Auf keinen Fall verpassen:

12.04. Karlsruhe (GER), Dude Festival @ Jubez
13.04. Freiburg (GER), KTS
14.04. Detmold (GER), Alte Pauline
15.04. Bochum (GER), Trompete
16.04. Zwolle (NL), Eureka
17.04. Köln (GER), AZ
18.04. Berlin (GER), Scherer 8
19.04. Hannover (GER), Stumpf
20.04. Zottegem (B), Dunk! Festival
22.04. Brussels (B), DNA
23.04. Aarau (CH), Kiff
24.04. Chemnitz (GER), AC 17
26.04. Mainz (GER), Haus Mainusch

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JON PORRAS TEILT DAS LICHT

Posted in Musik on March 9th, 2014 by D.K.

Mit seiner Band Barn Owl hat sich Jon Porras zuletzt in elektronische Gebiete gewagt. Auf “Light Divide” traut er sich einen weiteren Schritt und veröffentlicht sein erstes Soloalbum, das so garnicht auf Gitarrensounds setzt.

Auf fünf etwas längeren Stücken präsentiert Porras einen Sound, der zwischen Ambient und Dark Ambient schwebt. Der Opener “Apeiron” wird von einem unterschwelligen Beat getragen und spielt mit tiefen und hohen Tönen. “Recollection” führt den Sound fort um in eine Art seichtem Drone zu münden. “Divide” und “New Monument” sind umgeben von einer Art positiver Soundwolke, die die Tracks nicht so düster rüberkommen lässt. “Pleiades” ist das pulsierenste Stück der Platte und gibt eine Dynamik an den Hörer weiter, die optimistisch stimmt.

Im großen Ganzen ist man als Jon Porras Fan enttäuscht, wenn man die Platte zum ersten Mal hört. Wer aber Zeit investiert und sich darauf einstellt, dass Porras neue Wege geht, der dürfte auch an dieser Platte Gefallen finden.

Das Album erscheint Ende März auf CD und Vinyl via Thrill Jockey.

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ERIC THIELEMANS

Posted in Release on March 9th, 2014 by D.K.

Miasmah Records. Düstere Sounds. Einblicke in die dunklen Seelen von Musikern. Halt! Jetzt kommt “Sprang”, das neue Album des belgischen Percussionisten Eric Thielemans und alles ist anders?

“Sprang” ist in der Diskografie des Labels wie ein Funke, ein Schimmern, ein kleines Lächeln, denn hier geht es vor allem um Spass am Trommeln. Trommeln auf Allem was die Percussion- und Drumwelt so hergibt. Klimpern, stossen, schlagen, streichen, reiben… All das – und nicht mehr – ist dabei und macht dieses Album zu etwas Besonderem, weil eben die typischen Instrumente fehlen, beziehungsweise klanglich ersetzt werden. Die Platte wird von Minute zu Minute experimenteller und undurchsichtiger und lässt dann doch durchschimmern, warum sie es in den Miasmah Kosmos geschafft hat.

Thielemans ist übrigens kein Neuzugang in der Miasmah Familie, denn er hat bereits die Drums für das Debüt Album von Kreng beigesteuert.

“Sprang” erscheint im April.

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