GENERAL LEE

Posted in Musik, Release on November 28th, 2010 by M.H.

Die Franzosen General Lee haben sich mit ihrem Sludge/Post-Metal klar in der Tradition von Bands wie Cult of Luna positioniert. Die Parallelen zu den Schweden, mit denen sie in der Vergangenheit auch schon mal gemeinsam auf Tour waren, sind nicht zu überhören. Jedoch sorgen sie speziell auf ihrem aktuellen Album “Roads”, das diesen Monat beim französischen Label HipHipHip erschienen ist, für die nötige Portion Eigenständigkeit, indem sie verstärkt balladeske Elemente und erstmals cleane, melodische Vocals in ihren Sound einbauen.

Den ruhigen Momenten, die auch auf dem Erstling “Hannibal Ante Portas” bereits ihren festen Platz hatten, wurde noch mehr Raum gewährt, was dem Sextett bestens zu Gesicht steht. Am deutlichsten offenbart sich diese dezente Neuausrichtung in dem Song “Hunted (Ashes By The Dawn)”, der Erinnerungen an das “Afterlife” Experiment von Amenra weckt.

Bisher haben General Lee für die nächsten Monate nur Konzerte in Frankreich und Belgien angekündigt. Sobald Termine für den deutschsprachigen Raum feststehen, werdet ihr sie bei uns finden. Bis dahin solltet ihr die beiden Alben der Band mal antesten. Hörproben liefern wie üblich MySpace und LastFM.

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DREI AUS…

Posted in Serie on November 28th, 2010 by D.K.

…SÜDAFRIKA

Jetzt, wo der Hype um den diesjährigen Austragungsort der Fußball-WM nachgelassen hat, dachten wir uns mal einen Blick auf die dortige Instrumentalmusikszene zu werfen, um euch eine andere Seite von Südafrike zu zeigen. Drei Trios wollen wir euch an dieser Stelle etwas näher vorstellen.

EYES LIKE MIRRORS

eyes like mirrors

Den Anfang machen Eyes Like Mirrors aus Johannesburg. Hinter diesem Bandnamen verbirgt sich ein junges Post-Rock-Trio, das bisher nur zwei Demosongs ins Netz gestellt hat, aber genügend Potenzial hat, eine Platte aufzunehmen. Die Songs sind abwechslungsreich und überzeugen nicht nur durch typische Laut-Leise-Momente, sondern auch durch intelligenten Songaufbau. Ihr könnt euch die Songs auf LastFM kostenlos runterladen und euch selbst ein Bild machen.
Im Gegensatz zur europäischen und amerikanischen Szene ist Post-Rock eine eher unbekannte Musikrichtung in Südafrika und eignet sich gerade dort als politisches und gesellschaftskritisches Sprachrohr. Auch die Wahl des Bandnamens spiegelt die Einstellung wider, Gesehenes und Erlebtes zu hinterfragen.


ALBINOBEACH

albinobeach

Albinobeach ist ebenfalls ein Trio aus Johannesburg. Die drei Musiker vereinen in ihrem Instrumentalsound Elemente aus Prog-, Art-, Alternative- und Post-Rock zu einer schwer nach Mittneunziger Alternativerock klingenden Mischung. Melancholie ist hier eher nicht angesagt, denn die Songs treiben ständig voran. Mal schneller, mal langsamer, mal verstärkt oder mal akustisch. Die selbstbetitelte Debüt-EP ist vor zwei Jahren über Forgotten Empire Records erschienen und hat mittlerweile eine kleine Fanbase überzeugen können. Dieses Jahr sollte eigentlich das erste Album der Band erscheinen, dessen Veröffentlichungstermin aber auf nächstes Jahr verlegt wurde. Heißt also abwarten und EP weiterhören. Drei Songs der EP sind auf Facebook kostenlos verfügbar.


BENGUELA

benguela

Benguela sind drei Musiker aus Kapstadt, die mit hauptsächlichem Einsatz von Gitarre, Kontrabass und Drums eine beeindruckende Mischung aus zugänglichen Rocksounds und experimentellen Jazz- und Noisesounds schaffen. Lässt man den Soundcloudplayer auf der Bandseite mal laufen, kommen einem beim Hören Wörter wie “fett”, “verrückt” oder “genial” in den Sinn. Wer grad in der Laune ist, sich auf was ungwöhnliches einzulassen, sollte hier unbedingt reinhören.
Benguela bestehen schon seit über 13 Jahren und haben sich in unregelmässigen Abständen zusammengefunden um gemeinsam zu improvisieren, denn das ist die Grundlage ihrer Songs, wie sie auch auf dem aktuellen Album “Black Southeaster” zu hören sind, das über Jaunted Haunts Press erschienen ist.

Nehmt euch Zeit und hört euch die drei südafrikanischen Bands mal an.

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LIVE: BOHREN & DER CLUB OF GORE

Posted in ontheroad on November 28th, 2010 by C.C.

Wenn Bohren & der Club of Gore in Mülheim spielen, so wie gestern, dann ist dies quasi ein Pflichttermin. Spät, aber nach angenehm kurzer Wartezeit öffnen sich im Ringlokschuppen die Türen zur dunklen, eingenebelten Halle. Die Stühle sind kaum warm gesessen, als das Licht endgütig aus geht.

bohren und der club of gore @ ringlokschuppen

Die vier Musiker betreten die Bühne und verschmelzen in ihren schwarzen Anzügen mit der Dunkelheit, sobald die Taschenlampen erlöschen. Das Zentrum der Bühne bildet die überdimensionale, beleuchtete Bassdrum, auf welcher der Bandname prangt und um die herum Spots aufgebaut sind. Im Wechselspiel der Farben werden mal die Konturen eines Gesichtes eingefangen, mal reflektiert eine Glatze. Meist tauchen Instrumente aus dem Dunkeln auf – der Hals eines fünfsaitigen Basses oder die Rundungen des Saxophons. Der Rest der Bühne ist genauso rabenschwarz wie der Humor der Musiker, der in den Ansagen von Christoph Clöser zum Tragen kommt. Richtungweisend auch die Begrüßung: „Guten Abend, Freunde der ereignisarmen Musik“.

Durch die eingeschränkten optischen Eindrücke kann die Musik sich noch besser entfalten, auch wenn das unruhige Publikum die Atmosphäre stört. Wo man sonst gerne weite Klanglandschaften oder massive Mauern bemüht, tut sich bei Bohren ein Abgrund auf, in den sich nur selten Sonnenstrahlen verirren. Die Musik wälzt sich träge, aber unaufhaltsam in die Ohren der Zuhörer. Die Drums kommen im Zeitlupentempo zum Einsatz, das Fender Rhodes sorgt für einen Soundteppich, auf dem der Bass Akzente setzt. Hinzu kommen die charakteristischen Klänge des Saxophons, das auch mal gegen einen zweiten Bass oder Tasten eingetauscht wird.

Nach der – wie immer angekündigten und abgesprochenen – Zugabe ist das Saallicht viel zu hell. Man braucht einen Moment, um wieder in der Wirklichkeit anzukommen.

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PRETTY HATE MACHINE IM NEUEN GEWAND

Posted in Release on November 25th, 2010 by D.K.

nin - pretty hate machine - 2010

Nach 21 Jahren kommt morgen das Debüt Album von Trent Reznors Nine Inch Nails komplett überarbeitet wieder in den Handel. “Pretty Hate Machine” hat nicht nur ein neues Artwork bekommen, für das Rob Sheridan verantwortlich ist, sondern ist auch erstmalig soundtechnisch überarbeitet worden. Endlich, denn die damalige Qualität der Aufnahmen und der CD (AAD Qualität) hat doch im Laufe der Jahre stark nachgelassen. Das alte Artwork ist definitiv verbesserungswürdig gewesen. Mein Exemplar schmückt nicht nur das damalige TVT Zeichen und die Island Palme, sondern auch der schicke überdimensionale “Compact Disc Digital Audio” Schriftzug. Nostalgietechnisch eine feine Sache, das wars dann aber auch.

Die Reissue aus dem Hause Bicycle Music und Null Corporation dagegen präsentiert das wegweisende Industrial-Metal-Synthie-Werk nicht nur hörtechnisch greifbarer, sondern gibt der Ummantelung eine moderne schlichte Note, die das Album neben den neueren Nine Inch Nails Alben im Regal auch gut aussehen lässt. Als kleines Extra ist das Queen Cover “Get Down Make Love”, das ursprünglich als B-Seite erschienen war, als elfter Track auf dem Album mitverewigt.

nin artwork

Ab morgen ist die CD erhältlich. Vinyl Liebhaber dürfen sich auch freuen, müssen sich aber noch bis Dezember gedulden.

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LIVE: AIDAN BAKER, NOVELLER & UNFACT

Posted in ontheroad on November 21st, 2010 by D.K.

Im Rahmen ihrer aktuellen Europa Tour haben Aidan Baker, Noveller und unFact letzten Montag auch das Ruhrgebiet besucht, denn es stand der Auftritt an dem wohl außergewöhnlichsten Austragungsort der Tour an. Die Christuskirche Bochum, im zweiten Weltkrieg bis auf den Turm zerbombt, wieder aufgebaut und nun ein Denkmal für den europäischen Frieden.

Sichtlich begeistert betreten Aidan Baker, Sarah Lipstate und David Sims vor dem Konzertabend den Kirchensaal und erkunden die Räumlichkeiten. Der Soundcheck steht an. Jeder Musiker hat sein eigenes Effektboard dabei und richtet sich vor dem Altar ein. Die drei teilen sich einen Fender Bassverstärker, der ohne Anschluss ans Soundboard der einzige Klangträger des Abends sein wird. Aidan Baker nimmt sich einen Stuhl, setzt sich,  arrangiert seine Effekte und baut mit seiner Kramer Gitarre ein paar Loops auf. Mit neugierigem Gesichtsausdruck steht er auf und geht langsam durch den Kirchenraum, die Neugier wandelt sich in einen zufriedenen Blick.

unfact christuskirche bochum

Kurz nach acht sind die ersten Reihen vor dem Altar gut gefüllt. Der Altar ist in rotes Licht getaucht. David Sims alias unFact betritt die Bühne, nimmt sich seinen Bass und eröffnet den Abend mit seinen verzerrten Sounds. Der Sound verteilt sich sofort im ganzen Kirchenraum. Sicherlich ungewöhnlich für den Jesus Lizard Bassisten, ganz alleine vor dem großen Altar zu stehen und die Kirche mit seinem Bass zu beschallen. Neben den experimentelleren Stücken von der Dead Wasp Single, spielt unFact auch das Jesus Lizard Cover “Valentine”, die Bassmelodien ohne elektronische Effekte hallen in der Christuskirche leicht nach und erhalten so ganz natürliche Raumeffekte, die das Lied zum intimsten Moment des unFact Auftritts machen.

noveller christuskirche bochum

Sarah Lipstate alias Noveller lässt nicht lange auf sich warten. Die filigraneren Gitarrensounds fühlen sich im Kirchenraum noch besser an. Der hellhörige Saal trägt jeden erzeugten Sound direkt weiter. Bei “Almost Alright” von Novellers aktuellem Album “Desert Fires” kommt zum ersten Mal an diesem Abend Gänsehautfeeling auf, als in der zweiten Hälfte des Songs der Eboweinsatz auf einer tiefen Saite kommt. Der tiefe Sound baut sich immer stärker auf und durchdringt nicht nur das Kirchenschiff sondern auch den ganzen Körper. Im roten Licht erscheint plötzlich ein kleiner Schatten, unglaublich aber wahr, eine kleine Fledermaus hat sich in die Kirche verirrt. Während Noveller spielt flattert der kleine Gast über den Altar und gibt dem bereits ungwöhnlichen Gesamtbild in der Kirche einen mysteriösen Touch. Lipstate bespielt die Gitarrensaiten mit einer Schere, mit Glöckchen, mit einem Bogen und mit Luftpolsterfolie und erzeugt so ungewöhnliche und beeindruckende Sounds. Zum Abschluss wird es laut. Effekte und Feedback geben sich die Hand, bis die Kirche wieder verstummt. Die Gäste sind erstaunlich ruhig, was die durch die Musik erzeugte Stimmung zwischen den Auftritten aufrecht erhält.

aidan baker christuskirche bochum

Aidan Baker gehört der restliche Abend. Er betritt die Bühne, nimmt Platz auf dem Holzstuhl, der neben dem Verstärker steht, und beginnt sein Set, das aus einem 40minütigen improvisierten Stück besteht. Es fängt sehr leise an, aber dank der hellhörigen Kirche kann man alles hören. Nachdem er einen kleinen sphärischen Soundwald aufgebaut hat, klemmt er sein Schweizer Messer zwischen die Saiten und baut ein paar frickelige Sounds ein. Es ist ein ganz intimes Bild, das sich da auf der Bühne zeigt. Aidan Baker sitzt mit seinem Kopf über der Gitarre gebeugt und es wirkt wie eine innige Umarmung. Irgendwann zieht er dann auch noch seine Schuhe aus, was das Gesamtbild noch persönlicher wirken lässt.
Der Sound baut sich immer weiter auf zu einem Soundgebirge. Eine Soundidee wird über die nächste gelegt und immer wenn das Gefühl aufkommt, das Lied gehe zu Ende, kommt der nächste Sound ins Spiel. Nach einer halben Stunde greift Baker zum Cellobogen und baut damit das finale Stück seines Sets auf. Tiefe Sounds paaren sich mit hohen Tönen und bauen sich zu eine Dronewand auf, die vom Altar aus die ganze Kirche einnimmt und dann verstummt der Raum von jetzt auf gleich. Das Aidan Baker Set ist vorbei und ein gemischtes Gefühl aus Zufriedenheit, Angespanntheit und Enttäuschung über die Kürze des Auftritts macht sich breit. Knapp fünf Tage später hat sich aber das Gefühl in die Gewissheit gewandelt, ein einmaliges Aidan Baker Set an einem einmaligen Ort miterlebt zu haben.

Die restlichen Bilder vom Abend in der Christuskirche Bochum findet ihr auf unserer PHOTOS Seite.

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FILMTIPP: WALHALLA RISING

Posted in Aktuell, Musikfilm on November 17th, 2010 by D.K.

WalhallaRising

Wer sich jetzt fragt, warum wir hier einen historischen Schlachtenfilm vorstellen, in dem sich ein paar Wikinger bekriegen, dem sei gesagt, dass Walhalla Rising genau das nicht ist. Regiesseur Nicolas Winding Refn nimmt den Zuschauer mit auf die mysteriöse Reise des noch mysteriöseren Kriegers ohne Namen, gespielt von Mads Mikkelsen, und bietet dem Zuschauer neben der beeindruckend langsam und minimalistisch erzählten Geschichte ein passendes Hörerlebnis. Der Score der beiden Dänen Peter-Peter (The Bleeder Group) und Peter Kyed (Svartbag) mit seinen Ambient und Drone Kompositionen ist genau wie der Film, langsam und minimalistisch. Diese Kombination ist einzigartig und verleiht dem Film und der Musik neue Facetten und beeinflußt die Wahrnehmung beider Medien auf eine kaum beschreibbare geheimnisvolle Art.

Kauft euch die DVD oder Bluray, zündet eine Kerze an, macht das Licht aus und stellt den Volumepegel des Fernsehers auf Laut und lasst euch auf eine 89minütige Wikingerdronereise mitnehmen.

WalhallaRising

Einen Score zum Film gibt es bisher noch nicht zu kaufen, abwarten.

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HOUSE OF LOW CULTURE

Posted in Release on November 17th, 2010 by D.K.

house of low culture - housing tracts

Unter dem Pseudonym House Of Low Culture veröffentlicht Aaron Turner (Isis) seit mittlerweile einem Jahrzehnt experimentelle Aufnahmen, die mal mehr in die Ambientrichtung gehen, aber auch sehr dronelastig sein können. Unter Beihilfe von anderen Musikern wie James Plotkin (Produzent), Jeff Caxide (Isis) oder Luke Scarola (Old Man Gloom) sind bisher mehrere Platten, beispielsweise über Robotic Empire oder Neurot Recordings, erschienen. In den letzten drei Jahren wurde es, nachdem zwei extrem limitierte EPs Namens “Hollywood Squalls” und “Chinatown Squalls” veröffentlicht wurden, etwas ruhig um das Projekt.

Mittlerweile hat Aaron Turner zusammen mit seiner Frau Faith Coloccia das Label Sige Records gegründet, über das nach langem Warten die Raritätensammlung “Housing Tracts” digital erschienen ist. Ihr könnt das Album im MP3 Format oder als soundtechnisch hochwertigeres FLAC Format für wenig Dollar direkt über Turners Blog runterladen. Es lohnt sich auf jeden Fall, denn neben seltenen Compilation-Beiträgen und Remixen gibt es auch bisher unveröffentlichte Songs. Die einzigen, die diese Platte nicht brauchen, sind die 25 Leute, die dieses Album 2007 als CD-R auf einer House Of Low Culture Show kaufen konnten.

house of low culture / mamiffer split

Aber diese 25 Musikfreunde können sich neben allen anderen Aaron Turner Fans und Liebhabern von Soundwänden auf die bald erscheinende Split von House Of Low Culture und Mamiffer (Faith Coloccia) freuen. Die Split erscheint Ende November als CD über Utech Records und auf Vinyl über Sige Records. Wie das Artwork des norwegischen Künstlers Are Mokkelbost verschiedene filigrane Elemente in einer Art Strudel vereint, verhält es sich auch mit den beiden Songs der Split. Schicht um Schicht bauen sich die Songs auf. Wer aufmerksam zuhört, hört auch die filigranen Veränderungen in den enstehenden Soundlandschaften und wer sich beim Hören fallen lässt, wird vom Sog des Dronestrudels in die von den Musikern erschaffene Welt entführt.

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LIVE: SHRINEBUILDER

Posted in ontheroad on November 14th, 2010 by D.K.

Donnerstag war es nach langem Warten und gecancellten Shows im Frühjahr endlich so weit. Shrinebuilder live im Gebäude 9 in Köln.

scott kelly

Erstaunlicher Weise ist das Gebäude 9 nicht ausverkauft, was aber nicht schlimm ist, denn ein bisschen mehr Platz zum Stehen schadet nicht. Um 21 Uhr geht es los mit den Planks aus Mannheim. Das Trio gibt schonmal die Marschrichtung des Abends an, laut und mächtig ist das Soundmotto. Danach folgt eine flotte Umbaupause, in der sich die vier Schreinbaumeister nach und nach auf der Bühne zeigen. Da wird einem erst klar was da einen an diesem Abend erwartet. Vier Musiker, die Vorbilder für fast jeden sein dürften, der auf handgemachte schwerfällige Musik steht.

al cisneros

Basslastige Ambientsounds beschallen die alte Fabrikhalle, die Lichter gehen aus, die Bühne ist dezent angestrahlt. Dale Crover (Melvins), AL Cisneros (Sleep, OM), Scott Kelly (Neurosis) und Wino Weinrich (Saint Vitus) betreten die Bühne und legen los. Was da aus den Verstärkern tönt ist laut, sehr laut. Besonders Al Cisneros Bass übertönt fast alles andere und durchdringt den ganzen Körper. Die Band ist aufeinander eingespielt und zeigt sich spielfreudig. Einmal angefangen scheint Dale Crover unaufhaltsam sein Drumset zu bearbeiten. Die beiden Gitarristen Scott und Wino stehen an den beiden Bühnenseiten und sorgen für die passende Untermalung der Rhythmusfraktion Al und Dale.

dale crover

Der Sound wird allmählich besser und die Gitarren kommen besser durch, nur der Gesang ist zu leise und geht im Instrumentensound unter. Trotzdem ist diese Zusammenkunft auf der Bühne genial. Shrinebuilder vereinen die Sounds ihrer eigenen Bands und präsentieren ihre gelungene Mischung aus schwer treibendem Metal und ruhigeren Psychedelicsounds. Dale Crover könnte das neue Maskottchen einer gewißen Batteriemarke werden. Fast pausenlos haut er auf sein Schlagzeug ein und so wundert es auch nicht, dass er zwischen zwei Songs ein Drumsolo einbaut. Neben den fünf Songs des Debüt Albums präsentieren Shrinebuilder ein Cover (ich bin mir nicht sicher, wer hat es erkannt?) und ein Instrumentalstück, das den Abschlusstrack “Pyramid Of The Moon” einleitet, den die Band besonders lang zelebriert, bevor sie unter gebührendem Applaus die Bühne verlässt.

Diese Vier kann nur ein Vulkan aufhalten.

Noch mehr Bilder findet ihr auf unserer PHOTOS Seite.

wino

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LIVETAGEBUCH: MICROPHONICS & N

Posted in ontheroad on November 8th, 2010 by D.K.

N_slowboy

Unser erster Versuch Microphonics (Dirk Serries) und N (Hellmut Neidhardt) in Düsseldorf im Slowboy zu sehen, wurde leider durch einen fiesen Stau und eine noch fiesere Parksituation vor Ort fast zu Grabe getragen. Beim Parkplatzsuchen haben wir Dirk spielen sehen, denn das Slowboy – Plattenladen, Druckerei und Kunstgallerie in Einem – hat zur Straße hin ein großes Schaufenster. Wirklich mitbekommen haben wir dann aber nur das Ende vom N Auftritt. Für uns war klar, dass wir Microphonics und N in Duisburg „nochmal“ sehen müssen. Gestern war es soweit, Tourabschluss im Djäzz. Pünktlich sind wir diesmal, überpünktlich. Dirk Serries und Hellmut Neidhardt legen grad letzte Hand an, die Instrumente und Verstärker stehen mitten im Raum, davor und dahinter gibt’s Sitzgelegenheiten. Nach einer Weile wird klar, dass heute nicht mehr als zehn Leute zu Gast sein werden.

dirk serries microphonics @ djaezz duisburg

Um kurz nach neun beginnt Dirk Serries mit seinem Microphonics Set. Alle sind leise, die ersten Töne erklingen, Serries legt mit seiner Les Paul einen Sound über den nächsten, baut mit Ebow-Einsatz Soundlandschaften, legt klassisch gespielte Melodien darüber, die den atmosphärischen Songs eine dezente Struktur verleihen. So langsam verschwindet der Alltag aus den Gedanken und die Fantasie formt Bilder von Landschaften aus der Vogelperspektive. Leise schleicht sich nach gut 25 Minuten N auf die Bühne und greift sich seine Gitarre. Serries blendet die letzten Töne langsam aus, N fängt leise an. Hier entstehen die Dronesounds aus einer Delay-Loop-Laut-Leise-Fusion. Wie eine Hammond B3 Orgel in Zeitlupe klingen die bedrohlich walzenden Sounds, die N mit seiner speziellen Volume-Pedal Spielweise erzeugt. Die Fantasien, die hier im Kopf entstehen sind, eindeutig düsterer als bei Microphonics.

microphonics + N @ djaezz duisburg

Kennt jemand das Gefühl, das man in dem kurzen Moment hat, wenn man im Traum fällt und dabei aufwacht? So fühlt es sich auch teilweise während des Konzertes im wachen Zustand an. Unglaubliches Gefühl.

N spielt ähnlich lang wie Dirk Serries, es folgt eine kleine Pause und der zweite Teil, den diesmal N beginnt. Die Sinne sind nach einer knappen Stunde Droneklänge sensibilisiert und so geht der leise eingeleitete Song, der zu einem lauten Soundberg mutiert, direkt unter die Haut. Ein Marshall Verstärker von N trägt nur noch den Schriftzug „shall“, was, wenn es Zufall ist, sehr passend ist. N hat das Djäzz mit seiner passend lauten Beschallung fest im Griff, bis er nach mehreren Minuten den Sound seiner Gitarre immer leiser werdend ausklingen lässt und Dirk Serries die Bühne überlässt. Die Sinnesreise geht weiter mit einem weiteren Microphonics Stück, bei dem Serries bildlich anzusehen ist, dass er seine Musik lebt. Sein Oberkörper windet sich um die Gitarre, er wendet sich dem Verstärker zu, wendet sich wieder ab und verändert dabei den Sound seiner Drones. Es ist ein einzigartiges Wechselspiel von Instrument, Musiker und dem restlichem Equipment. Es ist kurz nach elf, die letzten Sounds verhallen im Raum. Erstmal sitzen bleiben und alles gerade erlebte wirken lassen.

N_djaezz

Schön zu sehen, dass es Musiker gibt, die ihre Musik so leben wie Hellmut Neidhardt und Dirk Serries.

Wir machen die Tür auf, verlassen das Djäzz und sind zurück im Alltag, aber wir nehmen eine musikalische Erinnerung mit, die uns niemand mehr nehmen kann.

Die restlichen Bilder aus Düsseldorf und Duisburg findet ihr auf unserer PHOTOS Seite.

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AIDAN BAKER IN VERSCHIEDENEN FORMATEN

Posted in ontheroad, Release on November 7th, 2010 by D.K.

aidan baker - broken and remade lp

Aidan Baker, Gründer des kanadischen Drone-Doom-Doppelgespanns Nadja, ist einer der produktivsten Solokünstler im Bereich Ambient und Drone, denn er hat seit 2000 weit über 60 Alben unter seinem Namen veröffentlicht. Revolvermann Records haben eines seiner ungwöhnlichsten Alben namens “Broken and Remade” Ende Oktober erstmalig auf Vinyl wiederveröffentlicht. Das Album ist erstmalig 2007 über Volubilis Records auf CD erschienen. Der Albumtitel ist auch Motto, denn auf “Broken and Remade” sind nicht nur die Titel der Lieder Anagramme des Albumtitels, sondern auch die Musik. Genauer gesagt bestehen die Songs aus 4-8 Sekunden langen Samples von Sounds, die Aidan Baker (Gitarre, Bass Flöte, Gesang) zusammen mit Richard Baker (Drums), Lukas Baker (Trompete) und Sarah Glaedow (Violine, Gesang) aufgenommen hat. Mit diesem limitierten Konzept sind sehr experimentelle und jazzige Tracks, aber auch ungewöhnlich zugängliche Stücke entstanden, die die Verwendung der kurzen Samples nicht vermuten lassen. Ein einzigartiges Dokument aus der so umfangreichen Aidan Baker Diskografie.

Die 12inch könnt ihr direkt über Revolvermann Records bestellen. Die babyblaue Version, wie auf dem Foto zu sehen, ist übrigens auf 100 Stück limitiert.

aidan baker - the shape of snakes

Und wo doch grad die Rede ist vom hochproduktiven Herrn Baker, gleich noch ein Investitionstipp. “The Shape of Snakes” nennt sich die allerneueste Veröffentlichung und ist das vierte Buch, das Aidan Baker herausbringt. Als Co-Release zwischen Aidan Bakers und Leah Buckareffs neuem Label Broken Spine Productions und dem Berliner Verlag A.Verse Publishing ist seit dieser Woche das Buch im 7inch Format erhältlich. Aidan Baker schreibt von imaginären Reisen in die Schattenwelt des nordischen Weltenbaums Yggdrasil, in dessen Wurzelwerk unzählige Schlangen leben, von diversen Religionen und Mythen und von Weisheiten der australischen Aborigines. Also von Allem und von Nichts, denn bei Poesie ist es ja wie bei Musik, jeder hat seine ganz eigene Vorstellung von dem was er liest und hört. Begleitet wird das Geschriebene von Pflanzen- und Tier-Illustrationen und natürlich darf die Musik nicht fehlen. Wer schnell genug ist, kann eine der limitierten Versionen erwerben, der eine 7inch beiliegt. Jede Platte kommt mit selbstgenähter Hülle aus den Händen von Leah Buckareff, der anderen Hälfte von Nadja.

Bestellen könnt ihr das Buch direkt über A.Verse Publishing.

Nicht vergessen: Aidan Baker ist zurzeit zusammen mit Noveller und unFact auf Tour durch Europa, unter anderem in der Christuskirche Bochum, und wird auch ein paar Exemplare der oben vorgestellten Veröffentlichungen dabei haben. Die genauen Tourdaten findet ihr in unserer ONTHEROAD Rubrik.

aidan baker christuskirche bochum

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TO BURY A GHOST – THE HURT KINGDOM

Posted in Release on November 2nd, 2010 by D.K.

To Bury A Ghost - The Hurt Kingdom

To Bury A Ghost ist eine junge Band aus England. Das Trio aus East Midlands veröffentlicht diese Tage seine Debüt EP “The Hurt Kingdom”, auf der die drei Musiker mit Einsatz von Drums, Bass, Piano und Gitarre eine gelungene melancholische Mischung aus Alternative und zugänglichem Art-Rock präsentieren. Dank Jonathan Stolbers Stimme liegen Bezüge zu Muse nahe. Wären Muse nicht zu einer Stadionband mutiert, würden sie wahrscheinlich so klingen wie To Bury A Ghost. Das eher ruhige Album hat Russ Russell, sonst für Bands wie Dimmu Borgir oder Napalm Death im Studio tätig, aufgenommen und produziert.

“The Hurt Kingdom” könnt ihr direkt über den Onlineshop von To Bury A Ghost bestellen.

MOGWAI UND DAS LIED FÜR DIE EMSCHER TEIL II

Posted in Kunst on November 1st, 2010 by D.K.

lauschangriff auf felsen

Gestern haben wir die letzte Chance genutzt und sind zum Kunstwerk „Monument For A Forgotten Future“ gepilgert, um uns den 26minütigen Song „The Singing Mountain“ von Mogwai anzuhören, der gestern letztmalig aus dem für die Kunstinstallation künstlich angelegten Felsen ertönte. Das Kunstwerk ist im Rahmen von Emscherkunst 2010 in Zusammenarbeit des Bildhauers Olaf Nicolai, des Konzeptkünstlers Douglas Gordon und der fünf Schotten von Mogwai entstanden. Wir haben bereits hier darüber berichtet.

monument for a forgotten future

Zunächst mussten wir den Ausstellungsort auf der “Wilden Insel” finden, der irgendwo auf Höhe Gelsenkirchen an der Emscher liegt. Vorbei an einer in Nebel gehüllten Schleuse und einer beeindruckenden Industriekulisse standen wir plötzlich vor dem mehrere Meter hohen Felsen. Vögel zwitschern, Hasen rascheln im Gebüsch, im Hintergrund der Industrielärm, aber keine Musik. Doch! Leise erklingt der Mogwai Song aus kleinen Löchern im Felsen. Geniales Gefühl, mitten im Ruhrgebiet irgendwo im Wald zu stehen und ein bisher nie gehörtes Mogwai Lied zu hören. „The Singing Mountain“ ist ein langsamer, ruhiger und epischer Titel, der durch seine Schlichtheit überzeugt. Die Melodie ist simpel, aber der Song wächst mit Einsatz von Bass, Gitarre, Streichern, Bläsern, Glockenspiel und  Klavier zum Ende hin zu einem Gänsehaut erzeugenden Instrumentalmonster, das sich immer lauter werdend den Weg in die Aussenwelt bahnt. Lehnt man sich beim Hören an den Felsen, durchfließt einen der Bass und verstärkt das Hörgefühl und die Wirkung des Ausbruchversuchs. Ein unvergleichbares Post-Rock-Monument. Hoffen wir, dass dieses Kunstwerk nicht aus dem Ruhrgebiet verschwindet, sondern, wo auch immer aufgestellt, weiterhin erhalten und erlebbar bleibt. Es wird dunkel, Zeit für die Heimreise.

monument for a forgotten future

“The Singing Mountain” erscheint nächstes Jahr als Bonus-CD zur Limited Edition des neuen Mogwai Albums „Hardcore Will Never Die, But You Will“, das im Februar bei uns über Rock Action Records und in Amerika über Sub Pop erscheinen wird.

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