NEUE LONG DISTANCE CALLING

Posted in Release on January 30th, 2011 by M.H.

Das Münster/Dortmund/Berlin-Quintett Long Distance Calling hat sich wohl endgültig des "Post-" Labels entledigt und eine vollständige Hinwendung zum puren, ursprünglichen Instrumentalrock vollzogen. In diesem Genre spielen sie in Deutschland fraglos in einer eigenen Liga, sowohl kommerziell als auch qualitativ, und brauchen auch den internationalen Vergleich in keiner Weise zu scheuen. Nach einem Demo, zwei Alben und einer Split-LP mit Leech, gehen sie nun mit ihrem neusten Werk "Long Distance Calling" an den Start.

Der erste Eindruck offenbart keine Revolution. Bei genauerem Hinhören eröffnen sich jedoch Sounds, die noch breitwandiger daherkommen als bisher und eine erhöhte Riff-Orientierung, die Songs, wie das vorab veröffentlichte "The Figrin D’an Boogie", teilweise gar in dezent psychedelisch spacige Stoner Gefilde driften lässt und Parallelen zu den Eidgenossen Monkey3 offenlegt. Nicht neu, aber immer wieder beachtlich, ist die hohe Songorientierung und die daraus resultierende Eingängigkeit der Kompositionen. Hier hat jede kleine Spielerei, jeder Schlenker und jede Wendung ihre Berechtigung und Bedeutung – die Progressivität ist nicht Selbstzweck, sie ist Teil des großen Ganzen.

Überdies kommt auch Longplayer Nummer drei erwartungsgemäß nicht ohne die bekannten und bewährten Grundzutaten einer jeden LDC Platte aus. Die Band bedient sich im reichen Fundus der Musikgeschichte und fügt das Beste aus den Welten Metal, Rock, Prog und Alternative auf ihre ganz eigene Art neu zusammen. Die elegischen, raumgreifenden Gitarrenmelodien und nicht zuletzt die glasklare Produktion lassen ein vieldimensionales Gesamtbild entstehen, in dem auch kraftvolle Drums und schwere Metal Gitarren wie selbstverständlich ihren Platz finden.

Apropos Metal – nach Peter Dolving (The Haunted) auf "Sattelite Bay" und Jonas Renkse (Katatonia) auf "Avoid The Light" gibt es auch diesmal wieder ein Vokalexperiment mit einem namhaften Metal Shouter. Der Armored Saint und Ex-Anthrax Sänger John Bush bekommt die Gelegenheit, sich mit "Middleville" auf völlig neuem Terrain zu profilieren und macht seine Sache, wie auch schon seine beiden Vorgänger, ausgezeichnet. Gut zu wissen, dass Long Distance Calling auch mit Gesang funktionieren, noch besser zu wissen, dass sie ansonsten ausschließlich ihre Instrumente sprechen lassen, denn das beherrschen sie wie nur wenige andere Bands.

Produziert wurde das Album im Horus Sound Studio in Hannover in Zusammenarbeit mit Benjamin Schäfer. Veröffentlicht wird "Long Distance Calling" als Doppel-LP, CD oder Digitaler Download am 21.02.2011 via Superball Music. Die Limited Edition ist als Bonus mit einer "Live at Roadburn 2010" CD bestückt. Rund um den Veröffentlichungtermin hat die Band einige Livetermine angesetzt, die genauen Daten findet ihr ONTHEROAD.

Tags: , , , , , , , , , , , , ,

BENELUX FESTIVALS

Posted in ontheroad on January 30th, 2011 by D.K.

Während bei uns erst um Pfingsten die Festivalsaison beginnt, gibt es in den Niederlanden und Belgien bereits ab Februar so einiges Sehenswertes.

Los geht’s am 27. Februar mit dem Tonefloat Festival des gleichnamigen niederländischen Labels. Zum Jubiläum der hundertsten Veröffentlichung treten einige Labelkünstler im Paradox in Tilburg auf. Darunter auch die Livepremiere von The Sleep of Reason, dem gemeinsamen Ambient Projekt von Dirk Serries (Fear Falls Burning) und Jon Attwood (Yellow 6). Die hundertste Veröffentlichung erscheint auch genau an dem Festivaltag und ist ein Doppelalbum mit 70s angehauchten Songs, die Labelmusiker wie Steven Wilson (Porcupine Tree), Theo Travis und Dirk Serries gemeinsam eingespielt haben.

aidan baker

Weiter geht es mit dem belgischen Antwerp Live Looping Festival, das am 5. März mit Künstlern wie Aidan Baker (Nadja), Theo Travis und Yellow 6 wieder mal den Loop zelebrieren wird. Ambient und Drone Fans sind hier genau richtig, denn hier geht es um die Liebe zu langanhaltenden Soundlandschaften, die Schicht um Schicht wachsen und den Hörer in eine andere Welt versetzen.

Roadburn-2011

Das Roadburn Festival in Tilburg wartet diesmal ab dem 14. April mit Schwergewichten auf. Ufomammut, Year Of No Light, Pentagram, Sunn o))) und Voivod um mal einige zu nennen. Wer hin möchte und noch kein Ticket hat, sollte schleunigst versuchen über Tauschbörsen oder Versteigerungsportale eines der (innerhalb von 15 Minuten ausverkauften) Tickets zu ergattern.

junius live

Etwas leichter ist das Dunk!Festival im belgischen Zottegem, das am 22. April startet. Hier liegt der Schwerpunkt auf Postrock und Alternative Rock. Neben bekannteren Bands wie Junius, Caspian, Her Name Is Calla und God Is An Astronaut, treten auch eher unbekannte Bands wie Thot, Überkitsch und The Shaking Sensation auf.

Wer in der Nähe wohnt, sollte zumindest eines der vier Festivals besuchen. Es lohnt sich.

EX-WISEHEADS

Posted in Release on January 30th, 2011 by N

Ein vielgestaltiges Etwas, das seine wahre Identiät nicht sofort preisgeben möchte… vielleicht sogar gar nicht. …zumindest, was die Details betrifft. So scheint „Heliosphere“, der Opener von “Celestial Disclosure”, dem neuen Ex-Wiseheads Album,  zunächst in atmosphärisch ambienten Räumen zweifelhafter Zuordnung zu verweilen, in einer Art von Erwartung der Ankunft einer Entwicklung in Richtung Aufbruch ins dunkle Erdinnere, wird dann aber unvermittelt (und unvorhersehbar) aufgeweckt; durch Perkussion und einen immer forscher voran tastenden Bass, schüttelt so nach rund der Hälfte seiner gut 17 minütigen Spielzeit auch noch den letzten Rest flächenhaft verhallter Unwägbarkeit ab und lädt schließlich Bläser ein, die Rhythmusgruppe zu ebensolchem zu verführen. Aber, ein nicht unbekanntes Phänomen, die Dunkelheit lässt sich nichts befehlen und so begleitet sie als (nichtsdestotrotz unerwarteter) Widergänger den Ausklang ins nichts… Die Entwicklung des mehr als 20 minütigen „Solar Mass“ ist, in struktureller Sicht, durchaus vergleichbar; die Atmosphäre, die Sounds und  der auf einen einzigen, kurzen Moment der Kraft beschränkte Ausbruch lassen das Stück aber im Gegensatz zu „Heliosphere“ auf nunmehr fast ganzer Länge in einer tückischen Zwischenwelt verharren; versprechend, aber nie erklärend.

Ex_Wiseheads_Celestial_Disclosure

Die sparsamen Akkorde und Läufe der Akustikgitarre am Beginn von „Manikarnika“, in ihrer konkreten Öffnung zum Hörer, scheinen da fast den Anker zu werfen (oder zumindest werfen zu wollen): hin zu einer stärkeren Erdung, nicht nur durch den Sound, auch durch eine Komposition, die wesentlich stärker als zuvor, auf Wiederholung von Motiven und Themen setzt. Wenn diese Erdung auch sofort wieder von einer Melodieführung konterkariert wird, die den Hörer aus einem unbekannten und fernen (arabischen) Land zu grüßen scheint… ein Spiel mit Erwartungen und Überraschungen, selbst hier.

Das Cover ein weiteres Mal von Carl Glover mit einer (nur für mich?) ungewohnten Farbenflut; auch diese nicht ohne hintergründige Fallstricke…catch me if you can?

“Celestial Disclosure” ist beim niederländischen Label Tonefloat Records erschienen.

Tags: , ,

AIDAN BAKER IM LABYRINTH

Posted in Release on January 24th, 2011 by D.K.

aidan baker - lost in the rat maze

Das neue Jahr ist noch nicht mal einen Monat alt, da steht schon das erste Album von Aidan Baker für 2011 vor der Tür. “Lost In The Rat Maze” heisst der Silberling, der bei den Belgiern von Consouling Sounds im Februar erscheinen wird.

Aidan Baker überrascht hier mit besonders extrovertierten Arrangements und einer Vielfalt an Stimmungen. Außer einigen Drumeinlagen von ARC Bandkollegen Richard Baker hat Aidan Baker mal wieder alles selbst eingespielt. Alles ist in diesem Fall Gitarre, Bass, Flöte, Tasten, Tapeloops und elektronische Drums. Die Aufnahmen zum Album sind zwischen 2006 und 2007 in Toronto entstanden und sind noch aus der Zeit, in der Aidan Baker nicht über den Rechner, sondern analog über einen 4-Spur-Rekorder aufgenommen hat.

Mit “Prelude” holt Aidan Baker den Hörer zurückhaltend ab, um ihn dann beim Titeltrack “Lost In The Rat Maze” ins Ambientdroneshoegazelabyrinth zu schicken. Hier harmonisieren alle Instrumente und elektronischen Beiwerke und legen die Grundlage für die folgenden Songs, die bis zum sechsten Titel namens “Breakbeat” immer ruhiger und atmosphärischer werden. Das 12minütige “Corridors of Funk”, das auf elektronischen Beats basierend zu einer Art Beatsog mit Gitarrenuntermalung mutiert, ist der wohl ungewöhnlichste Moment des Albums. Das abschließende “Feathery Fingers” mit geloopten Vocals, aufschimmernden Drumschnipseln und dem typisch bakerschen Gitarrenspiel entlässt den Hörer wieder versöhnlich aus dem Labyrinth.

aidan baker photo by constantly-consuming.com

Ihr könnt euch das Album auf der Broken Spine Bandcamp Seite komplett im Stream anhören und bei Consouling Sounds vorbestellen. Ihr habt die Wahl zwischen Limited Edition im Großformat und Paket mit Limited Edition und normaler Version.


Tags: , , ,

NETHERWORLD

Posted in Release on January 20th, 2011 by N

Alessandro Tedeschi aka Netherworld und auch Labelchef von Glacial Movements Records, ist zweifach zuhause: in Italien, seiner physischen Homebase und irgendwo viel weiter nördlich, vielleicht (geistig) an dem Ort, dem er “Over The Summit” widmet: in Hyperborea, einem mystischen Nordland. Deshalb hat sein Label seinen Namen, deshalb seine Faszination für diese Art von Ambient, die, reduziert auf wenige klare Elemente, mit jedem Ton wie allein für sich steht und so gleichzeitig eisige Einsamkeit und rufende Verlockung hervorrufen kann.

Netherworld_Over_The_Summit

„Over The Summit“ benutzt Klänge, indiziert durch Nordlicht (wo immer diese auch entstehen und wie auch immer diese auch aufzunehmen sind), sonstige Fieldrecordings und nicht weiter spezifizierte „gefundene Klänge“; als einziges traditionelles Instrument wird die Violine genannt (und diese ist nicht wirklich herauszuhören). Netherworld webt daraus ein rund 58 minütiges Werk, das in allen Facetten in sich ruht ohne dabei Entwicklung und Spannungsbogen zu vernachlässigen: von dem ruhigen Auftakt des Titelstücks mit seinen verwehten, windartigen Flächenfragmenten, die bei aller vordergründigen Harmonie ihre eingebetteten Widerspenstigkeiten nie verhehlen (wollen) über das runde „Aurora performs its last Show“ mit den Botschaften der Polarstation und dem schärferen „Iceblink“ zu „Crystallized Words“, umsponnen mit für diese Veröffentlichung fast untypischen, tieferen Flächen. „Thoughts locked in Ice“ und „Iperborea“ nehmen diese Stimmungen auf und besonders letzteres kehrt zurück zu dem sparsamen Minimalismus des Beginns von „Over the Summit“, schwingt sich dabei aber, vor dem letzten Ausklang, noch ein letztes mal auf.

netherworld

Das betörende an der Veröffentlichung ist ihre Ruhe und die Stringenz der Klangauswahl; Stimmung und Klangcharakteristik bauen aufeinander auf und lassen die sechs Stücke wie in einem Fluss ineinander greifen, ohne dabei die einzelne Geschichte zu verwischen; die Konzentration auf ein Klangbild windartiger Indirektheit mit nur wenigen, sparsam (aber um so treffender) gesetzten Bassakzenten lässt eine Atmosphäre packender, geisterhafter Stimmung entstehen: es scheint keinerlei versteckten Bedrohungen zu geben, das licht ist hell, die vor uns liegende Landschaft leer und überschaubar, klar und rein. Aber sie käme auch ohne uns aus; und das ist es, was nicht unterschätzt werden darf und „Over The Summit“ seine tiefe verleiht.

Hörproben gibt es auf Soundcloud. Bestellen könnt ihr hier.

Tags: ,

INTERVIEW: ABSENT WITHOUT LEAVE

Posted in INTERVIEWS, Release on January 16th, 2011 by D.K.

Mit “Faded Photographs” liefert der Athener George Mastrokostas alias Absent Without Leave sein bisher ambitioniertestes Album, mit acht ausgefeilten Instrumentalstücken, die sich mal postrockig, mal shoegazig oder zurückhaltend ambientig ins Unterbewusstsein schleichen und einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

absent without leave

Für die Fertigstellung des neuen Albums “Faded Photographs” hat sich Absent Without Leave die Hilfe einiger befreundeter Musiker eingeholt. Genauer gesagt wirken zehn weitere Musiker aus insgesamt acht Ländern mit, unter anderem Port-Royal aus Italien, Alexandr Vatagin (Tupolev) aus Wien und Olafur Josephsson (Stafreann Hakon) aus Reykjavik. Port-Royal durften sogar letzte Hand anlegen und sind fürs Mastering verantwortlich.

Das Album ist über Sound in Silence, dem eigenen Label von Mastrokostas, auf CD erschienen und in einer Auflage von 500 Stück, in einem sehenswerten 4-Panel-Digipack mit individuellen Covern, hier erhältlich. Hörproben gibt es auf Soundcloud.

absent_without_leave___faded_photographs

Wir haben uns  mit George Mastrokostas unterhalten und Interessantes zu den Arbeiten an “Faded Photographs” und einigen weiteren Themen erfahren:

How did you come up with the idea to record an album with the help of different other musicians?
I know all the guys who contributed to the album for years now and with about half of them we had collaborated again in the past for releases or gigs. I always wanted to collaborate with them again, or for the first time with some of them, so when I started working on my new album I thought it was a good idea to call all of them to contribute something to it. It was a pleasant surprise for me that all of them liked this idea and were willing to help me with this album.

Most of your previous releases are written and arranged by yourself. How did you work this time?
This time I recorded the first ideas for each track and then I sent them to the other musicians, telling them how I imagine the track and what I want them to add on it or just letting free to add whatever they like. After they recorded their parts, they sent me back the files and I added the final touches and did the mixing of the album. It was a really creative process to work this way and the contribution of each musician is so valuable for the final result. Each one has added his trademark sound on the tracks he plays without disturbing the overall sound of the album that is still Absent Without Leave and this is because we all have the same aesthetics.

The album is mastered by Port-Royal. What did the guys say to you after listening to the completed tracks?
Port-Royal are really good friends and great musicians too so it’s always a pleasure to work with them. Though they didn’t had so much free time because their tour and other jobs they were still so kind to accept not only to play on two tracks of Faded Photographs but also to do the mastering of it. They enjoyed the completed tracks and I think they are absolutely satisfied with the final result as all the other musicians too.

Tell us a little bit about being an alternative musician in Greece.
It’s not very easy to be an alternative musician of shoegaze/post-rock/ambient in Greece as the people who like that kind of music here are very few and even fewer are the independent record labels, venues, magazines etc.
That’s the main reason I always work with foreign labels for my releases.

Is there any Greek band or musician, you like to introduce to our readers?
You should check Coti K., in my opinion one of the best composers and producers in Greece.
I really enjoyed his latest album called Onda.

Obviously, you are a very creative person, what´s up next?
Sometime in next months I will release a new ep which will be out exclusively on 12” vinyl by Three:Four Records.

Hopefully soon I will record some music as my contribution to the next Wixel album, called Musical Soup, including many other artists like Peter Broderick (Efterklang), Boris Snauwaert (Haruki), Pieter Van Dessel (Plastic Operator) and more. Moreover sometime in 2011 I will start working on a collaboration ep, that has been a thought for years now, with my friend Anne of Building Castles Out Of Matchsticks and I’m also planning some more eps (solo, collaborations, splits…) so any offers from labels for future releases are always welcomed.

What about touring? Will you come to Germany?
I’m planning to book a tour around Europe in April-May so I hope that I will manage to come to Germany too. If anyone is interested in booking an Absent Without Leave show or can help out in any way, please get in touch at geezertek@yahoo.gr

Tags: , , ,

N & MIRKO UHLIG

Posted in Release on January 14th, 2011 by D.K.

nuhlig gerontology

Nachdem sich N (Hellmut Neidhardt) und Mirko Uhlig brüderlich den Platz auf einer 7inch (gibt es bei ExOvo Records) geteilt haben, folgt endlich die erste Gemeinschaftsarbeit “Gerontology”.

Die auf Denovali Records erscheinende Kollaboration der beiden nordrheinwestfälischen Musiker vereint fünf minimalistische, filigrane Stücke, die trotz ihres introvertierten Charakters sehr einnehmend sind. Grundlage von G1 bis G7 sind von N eingespielte Gitarrenparts, die Mirko Uhlig im Nachhinein überarbeitet hat. Fragil bauen sich die Töne auf, zurückhaltende Elektronik untermalt die Gitarre. Was schon leise ist, wird noch leiser, die Hand am Lautstärkeregler und der Gedanke daran, wie diese Platte gehört werden möchte. G6&7 sind zusammengefasst und der passende Abschluß für diese Platte. Hier tritt Uhligs Überarbeitung weiter in den Vordergrund, ohne jedoch Überhand zu gewinnen. Dieses Lied hat mit gut neun Minuten viel Zeit zum Wachsen. Das ist auch das einzige Manko an Gerontology, denn mit knapp 20 Minuten ist die Platte sehr kurz und G2,3 und 4 hätten Potenzial zum lang sein. Trotzdem ein musikalisches Zusammentreffen, das in der guten Ambientsammlung nicht fehlen darf. Soviel zur Musik.

Edward_Hopper___Rooms_By_The_Sea

Da wäre noch das mysteriöse Gegenspiel von Artwork und Albumtitel. Hier trifft der in voller Blütenpracht stehende Kirschbaum auf die Gerontologie, die Wissenschaft vom Altern. Witz oder Bedeutung? Möge jeder selbst entscheiden.
Und dann noch Mirko Uhligs Aussage, er sei beim Überarbeiten der N Gitarrenparts von zwei Edward Hopper Bildern inspiriert worden. Die beiden Spätwerke “Rooms By The Sea” und “People In The Sun” wirken ruhig, strahlen eine gewisse Wärme aus und haben eine mysteriöse Atmosphäre. Das trifft ja auch auf die Musik zu. Gut gemacht.

Edward_Hopper___People_In_The_Sun

Tags: , , ,

MOGWAI SIND HARDCORE

Posted in Release on January 12th, 2011 by D.K.

mogwai_hardcore_will_never_die_but_you_will

„Hardcore Will Never Die, But You Will“ so der Albumtitel und die weise Voraussage von Mogwai. Wer die Band kennt, weiß, dass der Titel nicht wirklich auf die Musik schließen lässt. So auch diesmal, denn die fünf Schotten, die als Vorreiter des Post-Rock (mittlerweile leider ein Schimpfwort für jede Band, die alternative Instrumentalmusik macht) gelten, durchwandern auf den zehn Titeln ihres im Februar erscheinenden Albums so einige Rock-Stationen, aber halt gehüllt in den mittlerweile unverkennbaren Mogwaimantel.

Es fängt harmlos an mit „White Noise“, einem Song, der nahtlos an die Titel der Vorgängeralbums anknüpft. Dann direkt der Bruch und die wohl größte Überraschung mit „Mexican Grand Prix“. Ein Beat, ein Basslauf, die Drums und dann der ganze Rest ergeben in der Summe einen hitverdächtigen, tanzbaren Song, der mit leicht verzerrten Vocals erst mal wie ein poppiges Brett vorm Kopf durch die Boxen halt, aber im Verlauf überzeugt. Zack dann direkt der Bruch mit der Single „Rano Pano“ und diesem verdammt fiesen Dronegitarrenanfang, die typische böse Nummer wie „Batcat“ vom Vorgänger… und die Reise geht weiter, laute Songs, ruhige Songs, schnelle Songs und langsame Songs geben sich die Hand. Dann die beiden „Unterdiehautgeher“ „Too Raging To Cheers“ und „You´re Lionel Richie“ als Abschluss. „Too Raging To Cheers“ mit kriechender Elektronik und überraschendem dronigem Bläsereinsatz  im zweiten Teil. Der absolute Höhepunkt „You´re Lionel Richie“ mit der typisch einfachen Mogwai-Melodie, die ständig wiederholt wird und am Ende lautstark im Nichts verhallt. Ja, ich bin Lionel Richie.


mogwai_rano_pano_hasenheide

Als Vorbote erscheint zunächst die Single „Rano Pano“ über Sub Pop, der neuen amerikanischen Heimat von Mogwai, samt der vielversprechenden B-Seite „Hasenheide“ und dem unverkennbaren Oldschoolartwork. In Europa kommt “Mexican Grand Prix” als Singlevorbote, samt B-Seite “Slight Domestic”, über Rock Action Records in den Handel. Dann geht es Mitte Februar los mit der Qual der Wahl. „Hardcore Will Never Die, But You Will“ erscheint in Europa ebenfalls über Rock Action Records in den verschiedensten Formaten, mit den verschiedensten Extras und Bonustracks. Der Mammuttrack “Music For A Forgotten Future” von Emscherkunst 2010, worüber wir bereits hier berichtet haben, kommt als Bonussilberling zur normalen CD raus. Hardcoresammlern sei auch die Japan Version von Hostess empfohlen, dort kommt das Album inklusive der beiden eben angesprochenen B-Seiten raus. Japaner haben es ja nicht so mit Singles.

An alle, die die Platte beim ersten Hören nicht mögen werden: Hört sie euch mehrmals an, sie wächst!

Mogwai sind Hardcore und wir sind Lionel Richie.

Tags: , , ,

EARTH

Posted in Release on January 12th, 2011 by D.K.

dylan_carlson

Schneller als erwartet steht der Nachfolger von “The Bees Made Honey In The Lions Skull”, dem Dark Americana Monolithen von Earth, in den Startlöchern.

“Angels Of Darkness, Demons Of Light 1″ schließt auch genau da an, wo Earth aufgehört haben. Es ist langsam und erhaben, das was Dylan Carlson und seine Mitstreiter da spielen, und das ist gut so, denn das können Earth sehr gut. Die wohl wegweisendste Band der 90er, was das Genre Drone betrifft, hat vor einigen Jahren mit dem Album “Hex; Or Printing In The Infernal Method” den Verzerrer ausgestöpselt und eine neue Richtung eingeschlagen. Dark Americana nennen manche diese Mischung aus minimalistischem Psychedelic und Folk und es passt und es ist genau so einzigartig, wie die Dronephase Anfang der 90er.

Tief gestimmte Gitarre, intuitiv gespielte Drums, brodelnder Bass und Cello. Das sind die Zutaten, mit denen das neue Album entstanden ist. Der größte Unterschied zum Vorgänger ist der Celloeinsatz von Lori Goldston, der Dame, die bereits bei Nirvana MTV Unplugged Show am Cello saß. Der Einstieg mit dem facettenreichen “Old Black” überrascht erstmal, denn man erwartet zunächst das Zelebrieren eines Riffs, was ja auch nicht lange auf sich warten lässt. Die folgenden Songs gleiten durch die Hörgänge und geben dem Hörer Zeitlupenbilder vom Sieg des kleinen Dämonen über den größeren Gegner, der sich grad im Fall befindet. Der 20minütige Titelsong vereint am Ende der Platte alle Themen des Albums und schließt die Geschichte, die uns Earth wortlos erzählen, krönend ab.

earth_angels of darkness artwork

Bereits erschienen ist “A Bureaucratic Desire For Extra-Capsulare Extraction”. Hier sind die ersten Aufnahmesessions von Earth aus dem Jahr 1990 erstmals auf einer Platte vereint. Bisher nur als “Extra Capsular Extractions” und “Sunn Amps and Smashed Guitars” erhältlich, sind jetzt die Songs wie der grimmige 18minüter “Ouroboros Is Broken” oder das rotzige “Divine & Bright” mit den Gastvocals von Kurt Cobain endlich da, wo sie hingehören, auf einer Vinylplatte.

earth_extra_capsulare

Beide Veröffentlichungen kommen aus der Southern Lord Records Schmiede. Die Reissue ist bereits erhältlich, “Angels Of Darkness, Demons Of Light 1″ kommt Anfang Februar in den Handel.

Tags: , , ,

TRANSMIT ACOUSTIC ABSTRACTION

Posted in Release on January 9th, 2011 by N

„A special thank you to those who pre-ordered these a long time ago in a galaxy far away.“ So ein Teil der Linernotes zu der Bonus-CDr („Transmit Acoustic Abstraction 1/2“), die überraschend neben den beiden dann eben doch noch irgendwann erschienenen LPs „Transmit Acoustic Abstraction One“ und „Transmit Acoustic Abstraction Two“ von Armchair Migraine Journey, einmal als Split mit Nadja, einmal als Split mit Edward Ka-Spel auftauchte. Zwei Lps, deren Ankündigung mindestens ein Jahr zurückliegt, die zumindest zeitweise gar nicht als LP, sondern 10inch gedacht waren, mit einem Coverartwork, das, will man den früheren Bildern im Netz glauben, schon einmal völlig anders gedacht war, als es jetzt vorliegt: nun die sequelartig gestaltete Skullthematik, silberfarbener Siebdruck auf Schwarz anstatt der bunten Psychedelik, brettdicke Pappe, buchbindermäßig ausgeführtes Verarbeitung, bedrucktes und nummeriertes Inlay. Und natürlich 220 Gramm Vinyl (das allerdings nur schwer zwischen die Coverdeckel passt). Und dann jetzt auch noch diese Cdr (mit 2x Armchair Migraine Journey und je einmal Edward Ka-Spel, Orbit Service und Nadja), in einem mit genau so viel Aufwand gestaltetem Aufklappcover als Entschädigung für die lange Wartezeit.

1_armchair_migraine_Journey_1.jpg

Das klingt nach mysteriösen Problemen bei der Produktion und Fertigung, das klingt mysteriös insgesamt und genau so mysteriös bleibt es bei der Frage, wer den Armchair Migraine Journey ist oder sind, die hier ja den Rahmen des Ganzen bilden: Bisher hat AMJ 2 Veröffentlichungen auf Beta-Lactam Ring Records als Azetat Platten und eine dritte auf einem ebenso hergestellten Sampler; Auflagenhöhe zwischen 5 und 30. Weltweit. Keine Website, keine Infos. Das Stück „Rock Paper Scissor 2“ (von „Transmit Acoustic Abstraction Two“) in einer anderen Form(?) auch schon auf einer dieser Azetat Platten. Die Musik experimentell collagenhaft, fast abstrakter als die der Gäste (zumindest bezogen auf die Beiträge von Nadja und Orbit Service), dabei den internen Fluss nie verlierend, der „Naughty Acoustic Dream P1“ im „Muff Fuzz Mix“ mit Gastgitarrist Niko Pontocnjack (daher das „P“; vielleicht) genau so klingend, sehr gitarrenorientiert, feedbackgetrieben umherkriechend, „Piano Mash Milk“ im Anschluss das Hinuntersteigen in Hall-Höhlen, verloren…, „Rock Paper Scissor 2“ wiederum ein unstet/träge umherwandernder Moloch, an den Gehörgängen raspelnd, „Naughty Acoustic Dream 2“ dann wirklich naughty, mit „Anonymous Porno Movie Samples“; „Naughty Acoustic Dream 1 (First Version)“, auf der Cdr, wie erwartet völlig anders als die „Muff Fuzz Mix“ Variante, geisterhafter, dabei in einer Mischung aus Frequenzstörung und Schritte im Schnee vorangehend, „Naughty Acoustic Dream 6 (Prophet Whisper Mix)“, auch von der Cdr, eigentlich in der Balance schwebend und dann plötzlich durch Fieldrecordings in ganz andere Richtungen gestoßen.

armchair_migraine_Journey

„Skywriting“ ist dann einer der Nadja Tracks, die leicht ätherisch (auf Nadja Art) über eine ganze Seite Vinyl in Richtung Unendlichkeit driften, eine Art freie Melodie als Aufhänger, mit unterirdisch schiebenden rhythmischen Strukturen, die ich so in diesem Kontext selten gehört habe, die dann gegen Ende plötzlich gerade werden und: Auflösung. Wie ein Sonnenuntergang im Sommer. Der Cdr Track „Stays Demons (Live in Hamburg)“, im Original von der „Touched“ dann das wälzende Monster wie die Original Studioversion, vielleicht sogar noch etwas träger/bösartiger…
Edward Ka-Spel
erwartungsgemäß skurriler, schrulliger, fast dadaistisch; „A toxic Kiss from Cancun“ mit einer Dekonstruktion von Fanfare und dann die Abfahrt auf einem klapprigen Irgendwas Richtung irgendwo; wohl zu weiten Teilen Fieldrecording basiert, vielleicht solche aus Cancun? Der Übergang zu Stück zwei, „1973“, ist kaum zu bemerken, so gut passt es; auch dieses Stück beginnt, vergleichbar zu der Fanfare vorher, mit der Vorstellung eines solitären Themas. Im weiteren mit immer stärker steigendem Mysteriösitätslevel und geheimnisvoller Spannung; „1973“ als eine Art intimere Spiegelung Ka-Spel’scher Denkwelten? Mindestens genau so skurril „Yam with Babe“ von der Cdr… ist das jetzt ein Baby oder ein Katzenkind oder wird ersteres in der Bearbeitung durch Edward Ka-Spel zu letzterem?
Orbit Service
(nur auf der Cdr) fallen da auf den ersten Eindruck hin fast ein wenig heraus mit „Ghost (Asylum Version)“, eine Art haunting Gesangsstück, das durch Instrumentierung und Soundwahl aber eigentlich ganz perfekt passt; allein die Harmonie (im Sinne der Stimmung) erscheint zunächst ungewohnt.

Bleibt immer noch die Frage, wer hinter Armchair Migraine Journey denn nun wirklich steckt… …vielleicht ist es ja jemand, der/die dem Label sehr nahesteht. Oder sogar jemand, der dort mitarbeitet? Wer weiß. Allerdings finden sich am Ende von „Naughty Acoustic Dream 6 (Prophet Whisper Mix)“ auch irgendwelche niederländischen Anmerkungen; ob das aber etwas über die Identität von AMJ aussagt, ob diese überhaupt von AMJ stammen…?

Die beiden Teile von Transmit Acoustic Abstraction sind bei Beta-Lactam Ring Records erschienen.

Tags: , , , ,

THE MIRE – VOLUME II

Posted in Release on January 8th, 2011 by M.H.

The Mire aus Brighton melden sich mit ihrem Debüt Mini-Album zurück und bleiben dabei sich und ihrer Linie treu. Auf "Volume II" werden die bereits vom Demo bekannten Trademarks aufgegriffen und fortgeführt. Das Demo "Volume I" markierte das erste Lebenszeichen der Band, die sich im Sommer 2009 zusammengefunden hat und aus Musikern von Centurion und den aufgelösten Bossk besteht.

Kraftvolle, bombastische Breitwandsounds kennzeichnen die progressive Post-Metal-Interpretation der beiden neuen Songs "Shadows" und "The Rift", die von einem ruhigen Intro und einem ebensolchen Interlude umschlossen werden, bei denen Piano und Streicher für eine relaxte Atmosphäre und die sprichwörtliche Ruhe vor/nach dem Sturm sorgen. Die dominierenden Hardcore Shouts werden flankiert von melodischen, teilweise mehrstimmigen Harmoniegesängen. Den Abschluss bilden die beiden bereits vom Demo bekannten Songs "Fears" und "Wheelwalker".

"Volume II" könnt ihr exklusiv bei iTunes downloaden oder klassisch über den Webstore der Band in einem speziellen, auf 50 Stück limitierten, "Anti-Christmas" Package ordern, wobei wir, in Anbetracht des ansprechenden Artworks, den Erwerb der physikalischen Variante empfehlen. "Volume I" steht hier übrigens nach wie vor zum kostenlosen Download bereit und eignet sich somit perfekt für einen ersten Höreindruck, falls euch The Mire bisher gänzlich entgangen sein sollten.

Tags: , , , , , , , , , , , , , ,

FINAL

Posted in Release on January 5th, 2011 by N

Justin K. Broadrick gehört zu der Gruppe der sehr Produktiven und die zwei Säulen dieser Produktivität sind (neben einer Vielzahl anderer Kollaborationen etc.) Jesu und Final. Gerade mit letzterem alter Ego ist er dann, allein, in seiner ganz eigenen, minimalistischen Klangwelt unterwegs, die oft fadenhafte Klangstränge mit sehr präsenter, manchmal abstrakt noisiger Präsenz entwickelt.

final_the_apple_never_falls_far_from_the_tree

Hier, auf „the Apple never falls far from the Tree“ zeigt sich Final im Sound deutlich hintergründiger und vielschichtiger; tiefer. Und dabei kompositorisch gleichzeitig ausgefeilter als, im direkten Vergleich, auf einem weiten Teil seiner bisherigen Veröffentlichungen, deren Stücke dagegen teilweise fast skizzenhaften Charakter besitzen und trotzdem, durch die unendliche Wiederholung des jeweiligen Themas, dadurch paradoxerweise wie ein in Stein gemeißelter Aufruf ihr unumstößliches Selbst zu behaupten scheinen. Das hat seinen Reiz, keine Frage; die einzelnen Stücke wirken dadurch aber auch oft sehr solitär, brauchen Abstand (voneinander / zum Hörer?), wollen für sich stehen. Auf Tonträger ist das dann unter Umständen etwas anstrengend. Und hier ist dies nun tatsächlich anders…

…und dies alles, ohne den Trademark-Sound zu verleugnen: es ist die Arbeit am Detail, die Entwicklung im einzelnen Stück und die daraus entstehende Spannungskurve sowie, eng damit verbunden, die Dynamik, die diese Platte von Final herausragen lässt. Zudem greift Justin K. Broadrick in den einzelnen (diesmal ohne Titel bleibenden) Tracks auch auf im Kontext „Final“ weniger bekannte (bzw. erwartete) Sounds zurück; erweitert die Palette so um Flächenhaftes, um konkrete Gitarrenapreggios, um Akustikgitarren etc.

justin k broadrick

Und noch einmal Dynamik: Final versteht es auf „the Apple never falls far from the Tree“ nicht nur, jedem einzelnen Stück die passende Entwicklung, Länge und Dynamik zu geben, die 13 Stücke bilden in der hier vorgestellten Reihenfolge mit ihren unterschiedlichen Längen, Betonungen und Stimmungen zudem ein homogenes Werk; atmosphärisch aufbauend, mit einem Schwerpunkt auf der C und der Seite D als Coda. Perfekt. Eine der besten, wenn nicht sogar die beste Final bisher. Auf transparent grünem Vinyl in einem Gatefold, bei Tonefloat Records erhältlich, gestaltet von Tonefloat Hausdesigner Carl Glover von Aleph-Studio. Mit einem Bild hintergründiger Morbidität (und vielleicht sogar subtil religiösem Bezug). Selten so deutlich: je öfter gehört, desto mehr Welten öffnen sich.

Tags: , ,

DROEHNHAUS – ZWEITER TEIL

Posted in Label on January 1st, 2011 by M.H.

DAS LAUTE DROEHNHAUS

Im ersten Teil unseres Droehnhaus Label Specials haben wir euch einige Werke vorgestellt, die das leise Spektrum des breitgefächerten Droehnhaus Katalogs repräsentieren. Teil zwei beschäftigt sich nun mit Künstlern, die für das lautere Dröhnen zuständig sind.

Den Anfang machen Ufesas aus Canelones in Uruguay, die 2009 ihre 7inch “The Black Ride”, den Nachfolger ihrer selbstbetitelten Debüt EP aus 2008, in einer Gesamtauflage von 300 Stück vorgelegt haben. Sie verbinden straighte Rock Gitarren, hypnotischen Gesang und treibende Drums zu kompakten, psychedelischen Stoner Rock Songs. Die A-Seite bietet den titelgebenden Song und die B-Seite mit “The Destroyer” einen Track, bei dem die Band auch mal ihre lateinamerikanischen Wurzeln dezent durchschimmern lässt. “The Black Ride” versprüht rauhen Charme und vermittelt ein Gefühl von Weite und Freiheit. Der positive Gesamteindruck wird durch ein gelungenes Artwork abgerundet, das den Psychedelic Charakter der Aufnahmen widerspiegelt. Sollte es ihnen gelingen, diese Qualitäten auch auf der Langdistanz umzusetzen, darf man von dem für 2011 in Aussicht gestellten ersten Longplayer so einiges erwarten.

Die veröffentlichungstechnisch äußerst aktiven Niederländer Wolfsduister sind gleichermaßen mit einer 7inch am Start, die auf den Namen “Altaar” hört. Auf musikalischer Ebene haben sie jedoch wenig mit ihren Labelkollegen Ufesas gemein. Auf ihrer Webseite geben die Rotterdamer die Marschroute unmissverständlich vor: “Wolfsduister is Ritualistic Ambient in the name of the Unholy master, Lucifer”. Erwartet finstersten Ambient mit Black Metal Hintergrund, der eine unheilvolle misanthropisch-nihilistische Atmosphäre aufziehen lässt. Die auf 100 Stück limitierte EP, enthält zwei jeweils sechsminütige Songs, ist 2009 erschienen und visuell stilsicher verpackt.

altaar

Die dritte Band im Bunde sind Head Of The Taurus, ein Doom/Sludge Instrumental Trio aus Göttingen. Sie setzen mit ihrer 2010er 7inch “Calamity/Perdition” ein rifforientiertes Ausrufezeichen aus schweren Gitarren und repetitiven Drums. Die betont einfach gehaltenen Songs bewegen sich über weite Strecken im Reich des Downtempo und der Monotonie, jedoch versteht sich das Trio darauf, stets im rechten Moment vorübergehend Fahrt aufzunehmen oder neuartige Details einfließen zu lassen, die das Gesamtbild auflockern. Auch Head Of The Taurus werden im nächsten Jahr mit einer Langspielplatte an den Start gehen, auch hier dürfen wir mit Spannung auf das Ergebnis warten.

Bei einem Special über das Droehnhaus Label darf natürlich ein Künstler auf keinen Fall fehlen: Hellmut Neidhardt alias N, den wir euch an dieser Stelle schon einmal ausführlich vorgestellt haben. Der Dortmunder liefert mal wieder vertonten Minimalismus, der dabei in seiner Schlichtheit eine ungemeine Intensität entwickelt und den Hörer auf seine ganz eigene Art zu packen weiss. Die 12inch “N(13) – prora” ist mit 2 Songs bestückt und widmet sich, wie alle vorherigen N Veröffentlichungen auch, in Verbindung mit dem Artwork, für das der Künstler wie immer höchstselbst verantwortlich zeichnet, einem ganz besonderen Ort. Diesmal ist es das Seebad Prora auf der Insel Rügen, welches in den 1930er Jahren von den Nationalsozialisten erbaut, jedoch nie fertiggestellt wurde und heute als “Koloss von Prora” bekannt ist – eine 4,5 Kilometer lange Aneinanderreihung baugleicher Häuserblocks, die zusehends verfallen und deren zukünftige Nutzung ungewiss ist. Bedauerlicherweise ist die LP bereits ausverkauft, aber möglicherweise erfährt sie ja irgendwann mal eine Wiederveröffentlichung. Wünschenswert wäre es jedenfalls.

Wir hoffen, mit den von uns vorgestellten Platten, Bands und Künstlern, euer Interesse an dem kleinen, sympathischen Plattenlabel geweckt zu haben. Schaut doch einfach mal auf der Webseite vorbei. Dort gibt es noch vieles mehr zu entdecken und zudem von den meisten Veröffentlichungen kostenlose MP3 Happen zum Download. Mit Sicherheit werden wir zukünftig noch einiges zu hören bekommen aus dem Droehnhaus.

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,