LIVE: ROADBURN FESTIVAL 2011

Posted in ontheroad, Roadburn on April 30th, 2011 by M.H.

Ein Jahr ungeduldigen Wartens ist überstanden und wir sitzen endlich wieder auf der Terrasse des bewährten Brabant Hotels in Hilvaarenbeek. Die Vorfreude hat ihren Maximalwert längst erreicht, das erste Bier in der niederländischen Frühlingssonne schmeckt bestens und wir warten nur noch auf den Bus, der uns ins zwanzig Minuten entfernte Tilburg fahren soll. Auch in diesem Jahr finden sich hier gleichgesinnte Menschen aus allen Winkeln der Welt (44 Nationen sind in diesem Jahr vertreten) ein, um an einem langen Wochenende im April das Popcentrum 013, das auch 2011 als Heimat des Roadburn Festivals fungiert, und nicht zuletzt die Bars und Kneipen der Flaniermeile Tilburgs, zu bevölkern.

 

Donnerstag, 14. April

Da wir unsere Eintrittskarten bereits mittags, gleich nach der Ankunft am Hbf in Tilburg, gegen Festival-Bändchen eingetauscht haben, können wir die Warteschlange vorm 013 getrost ignorieren. Unser erster Weg führt uns direkt in den Green Room, in dem Year Of No Light das 16. Roadburn Festival standesgemäß eröffnen. Mit ihren zwei Drummern und drei Gitarristen geben die Franzosen ein beeindruckendes Bild ab. Neben dem visuellen Aspekt wissen sie dabei jedoch musikalisch ebenso zu überzeugen, machen ordentlich Druck und setzen den Schwerpunkt auf ihr aktuelles Album “Ausserwelt”. Wer instrumentalen Post-Metal/Sludge mit Shoegaze und Black-Metal Einflüssen mag, kommt an dieser Band nicht vorbei.

Wesentlich reduzierter in jeglicher Hinsicht präsentieren sich Acid King auf der Main Stage. Einziges Showelement sind die Backdrop Projektionen in Form von Biker-Filmsequenzen und das ist gut so, da alles andere nur vom exquisiten Stoner/Doom des Trios aus San Francisco ablenken würde.

Auch 2011 ist das Midi Theatre wieder als zusätzlicher Spielort vertreten, was neben der optischen Attraktivität des Gebäudes den Vorteil mit sich bringt, dass sich nicht alles einzig auf das 013 konzentriert. Erstmalig betreten wir das Theater am frühen Donnerstagabend, da Alia O’Brien zu einer einstündigen Reise durch die Hits der beiden bisherigen Blood Ceremony Alben geladen hat. Wie zu erwarten dominiert die Dame sowohl die Bühne, als auch den Prog und Doom getränkten Hardrock der Kanadier und sorgt mit ihren Orgel- und Querflöten-Einsätzen für die besonderen Akzente.

Zur Prime Time betreten die Doom-Metal-Pioniere Pentagram die Hauptbühne. Ihr Auftritt bedarf nur weniger Worte, die Publikumsreaktionen sprechen für sich. Die Band, allen voran Bobby Liebling, darf sich von Beginn an der Sympathien aller Anwesenden sicher sein und macht genau das, was jeder von ihr erwartet, nämlich alles richtig, was zur Folge hat, dass auch der Teil des Publikums auf seine Kosten kommt, der mit ihrer umfangreichen Diskografie nicht allumfassend vertraut ist.

Von Today Is The Day bekommen wir im Green Room nur noch die Hälfte des letzten Songs vom Balkon aus mit. Dem abschließenden Applaus nach zu urteilen, haben wir wohl was verpasst.

Dafür gibt es im Anschluss The Atomic Bitchwax, die aktuell mit den ebenfalls in Tilburg vertretenen Naam und Quest For Fire unter dem “Up In Smoke – Vol. II”-Banner durch Europa touren, in voller Länge. Dass wir dadurch Godflesh zum Großteil verpassen, die parallel die Main Stage mit ihrem “Streatcleaner” Album und in Originalbesetzung in Schutt und Asche legen, können wir problemlos verschmerzen, da TAB den Jamsession-Faktor, der ihrer aktuellen Platte innewohnt, auf der Roadburn Bühne nochmals erhöhen und uns und die übrigen Anwesenden mit ihrem psychedelischen 70er Prog Rock in der knappen Stunde, die ihnen zur Verfügung steht, bestens unterhalten.

Bevor wir den langen Tag in der Metal-Disco ausklingen lassen, statten wir Soilent Green und Count Raven noch einen kurzen Besuch ab, denen es zu später Stunde augenscheinlich spielend gelingt, die letzten Kräfte der Anwesenden zu mobilisieren.

 

Freitag, 15. April

Wie der gestrige Tag, beginnt auch der heutige mit Year Of No Light, die zu früher Stunde im Midi Theatre mit einem sehr speziellen Ereignis aufwarten. Sie spielen live einen eigens komponierten Soundtrack zu dem deutschen Horrorfilm Klassiker “Vampyr – Der Traum des Allan Grey” des dänischen Regisseurs Carl Theodor Dreyer. Die Band selbst hat sich zu beiden Seiten der Bühne postiert, um den Blick auf den Film freizugeben, der auf das Backdrop projiziert wird. Obwohl wir relativ weit hinten stehen, ist das Schauspiel beeindruckend. Schwere Gitarren, Synthesizer- und orchestrale Schlagzeugsounds, mal laut, mal leise intoniert, bilden die Grundzutaten dieser perfekt arrangierten 70 Minuten. Zusätzlich werden immer wieder bekannte “Ausserwelt”-Passagen eingestreut, die sich absolut homogen einfügen. Ein frühes, finsteres Highlight des Tages. Entsprechend surreal mutet es an, anschließend wieder in die grelle Sonne Tilburgs hinaus zu treten.

Extrem schade ist, dass wir Mamiffer, das Projekt von Aaron Turner und seiner Frau Faith Coloccia, verpassen, da der Bat Cave, wie häufig an diesem Wochenende, bereits einige Zeit vor Konzertbeginn aus allen Nähten platzt. Wer sich hier eine Band anschauen möchte, sollte sich frühzeitig in dem kleinen Saal einfinden.

So beschließen wir, uns wieder ins Midi Theatre zu begeben, wo kurze Zeit später der Auftritt der Psychedelic-Okkult-Rocker Sabbath Assembly ansteht. Jessica Thoth, die wir schon vor einem Jahr an gleicher Stelle mit Jex Thoth erleben durften, liefert ihre gewohnt extravagante Bühnenshow, während die Band das groovende Fundament für die Songs des “Restored To One” Albums  liefert. Einzig die doch recht penetrante spirituelle Ausrichtung des Textkonzepts strengt auf die Dauer etwas an.

Als Teil des heute von den Kuratoren SUNN O))) zusammengestellten Programms treten Corrosion Of Conformity auf der Main Stage im klassischen 3-Mann-”Animosity”-Lineup ohne Pepper Keenan auf und lassen es mit einer Melange aus Thrash, Hardcore und Punk ordentlich krachen.

Kurze Zeit nachdem C.O.C. das Feld geräumt haben, wartet die nun hoffnungslos überfüllte Halle darauf, dass endlich der schwere schwarze Vorhang fällt und den Blick freigibt auf Greg Anderson und Stephen O’Malley. Nach einer gefühlten Ewigkeit ist es dann soweit: Wie üblich in Mönchskutten gewandet, tauchen SUNN O))) die Bühne und die gesamte Halle innerhalb weniger Augenblicke in ein Meer aus Nebel und blauem Licht und lassen das gesamte 013 in den folgenden knapp 90 Minuten sprichwörtlich erbeben. SUNN O))) sprechen nicht, wie gemeinhin üblich, zwei menschliche Sinne an, vielmehr wird der gesamte Körper Teil einer Darbietung, die sich schwerlich nur in Worte fassen lässt. Von Musik im herkömmlichen Sinne, geschweige denn von klassischen Songstrukturen, ist dieser Auftritt jedenfalls Lichtjahre entfernt.

 

Samstag, 16. April

Der zweieinhalbstündige Monster-Eröffnungs-Slot am Samstag Nachmittag wurde exklusiv für die schwedische Doom Legende Candlemass reserviert, die im letzten Jahr der Vulkanasche zum Opfer fiel. Zum Warmspielen gibt es eine Handvoll Songs mit dem aktuellen Sänger Robert Lowe, bevor, nach einem kleinen Zaubertrick, Originalsänger Johan Längqvist bereitsteht, das Debütalbum “Epicus Doomicus Metallicus” in seiner Gesamtheit zu präsentieren. Entspannt bei einem kühlen Bier von der Tribüne aus genossen, der perfekte Einstieg in den vorletzten Festivaltag. Gegen Ende gibt es dann wohl noch ein Duett beider Frontmänner (u.a. mit “Don’t Fear The Reaper” von Blue Oyster Cult), das wir jedoch nicht mehr live miterleben, da wir noch vor Ende der Candlemass Show die Main Stage verlassen, um im Green Room dem Auftritt der New Yorker White Hills beizuwohnen.

Eine gnadenlos groovende Einheit aus Bass, Schlagzeug und psychedelischen Synthies, darüber eine nahezu permanent solierende Fuzz-Lead-Gitarre – so einfach und dabei so effektiv ist das Rezept der Spacerocker(innen). Blickfang ist Bassistin Ego Sensation, die mit ihren dezent unterkühlten Posen, keine Miene verziehend und die Augen geschlossen, den Gegenpol zu Gitarrist Dave W. bildet, der sein Instrument permanent malträtiert und abgeht, als gäbe es kein Morgen.

Wenig später geben sich auf der Main Stage die Kanadier Voivod rund um Sänger und Ober-Sympath Snake bereits zum zweiten Mal an diesem Wochenende die Ehre. Nach ihrem umjubelten Auftritt im Midi Theatre am Vorabend, haben sie ihren Set leicht variiert und auch heute fressen ihnen die Anwesenden begierig aus der Hand.

Gegen halb zehn ist es Zeit für den mit Spannung erwarteten Auftritt der Band, die vier der größten Persönlichkeiten der gesamten Stoner-/Doom-Szene in sich vereint. Durchaus imposant wirken die vier Shrinebuilder vor dem übergroßen Josh Graham Albumcover, das als Backdrop dient. Sie verzichten also bewusst auf bewegte Bilder, auf die ansonsten nahezu alle Bands zurückgreifen. Nichts soll hier von der Musik ablenken. Und musikalisch gibt es auch am heutigen Abend erwartungsgemäß keinerlei Ansatzpunkte für Kritik. Allein der doch sehr undifferenzierte Sound, in dem der Gesang etwas untergeht, schmälert den Gesamteindruck ein wenig. Zudem lässt die Band, im direkten Vergleich zum Auftritt im November in Köln, die gelöste, ungezwungene Stimmung vermissen. Die Kommunikation, untereinander und mit dem Publikum, im Gebäude 9 noch fester Bestandteil der Show, wird heute auf das nötigste reduziert und eine latente Anspannung liegt in der Luft. Trotz allem ist es auch diesmal wieder ein Genuss, diese vier Titanen in Aktion zu beobachten.

Der experimentellen Swans Performance ziehen wir zu später Stunde eine eingängige Classic-Doom-Vorstellung des Indianapolis-Trios Gates Of Slumber im Green Room vor.

Abschluss des dritten Tages ist, wie üblich, die Metal Disco im Midi Theatre, die heute stimmungstechnisch erstmalig ansatzweise mit Ben Ward und seiner Orange Goblin Metal Disco mithalten kann.

 

Sonntag, 17. April

Nach drei Tagen Festival lassen es die meisten Besucher auf dem Afterburner, der sonntäglichen Roadburn Abschlussveranstaltung, etwas ruhiger angehen. Bei einem abgespeckten Programm auf nur zwei Bühnen fällt dies auch gar nicht schwer.

Wir beschränken uns heute auf drei Bands, beginnend mit den Blood Farmers aus New York, die seit 16 Jahren kein Album mehr veröffentlicht haben und in Europa erstmalig auf Tour sind. Ungeachtet dessen liefern sie eine imposante Blaupause für klassischen, rifflastigen Doom.

Dead Meadow warten gleich mit zwei speziellen Gimmicks auf: Mr. Roadburn himself Walter Hoeijmakers hat für sie eine maßgeschneiderte Videoshow konzipiert und ein armer Mensch im Bigfoot-Kostüm leistet der Band phasenweise auf der Bühne Gesellschaft. Von allem um sie herum unbeeindruckt liefern die Kalifornier mit ihrem gewohnt relaxten Psychedelia getränkten 70er Jahre Hardrock den perfekten Soundtrack, um an einem Sonntagnachmittag auf der Empore des 013 bei einem kühlen Dommelsch die Gedanken schweifen zu lassen.

Den Abschluss des Festivals bilden für uns Black Pyramid im Green Room. Von einem gemächlichen Ausklang kann allerdings keinesfalls die Rede sein. Mit einer massiven Portion Aggressivität werden den Anwesenden die Hits des selbstbetitelten Debüts um die Ohren gehauen. Als Psychedelic War Metal beschreibt das Trio aus Northampton, Massachusetts selbst seinen Stil, was es wohl ganz gut trifft. Ein würdiges Finale ist es allemal.

Als Fazit bleibt nicht viel zu sagen. Die Eindrücke, die man hier in vier Tagen sammelt, werden wohl auf ewig in Erinnerung bleiben. Alles vermeintlich Wichtige lässt sich komplett ausblenden, der Alltag gerät temporär in Vergessenheit. Der Fokus richtet sich einzig auf die Musik und man taucht ein in die Roadburn Parallelwelt.

Wieder aufgetaucht und einigermaßen zurück in der Realität, freuen wir uns auf das nächste Roadburn Festival, das vom 12. – 15. April 2012 stattfinden wird.

Weitere Schnappschüsse aus Tilburg findet ihr in unserer PHOTOS Rubrik.

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

LIVE IM FKT BOCHUM: AIDAN BAKER & THISQUIETARMY

Posted in ontheroad on April 26th, 2011 by D.K.

Konzertflyer

In Zusammenarbeit mit dem Freies Kunst Territorium (FKT) in Bochum präsentieren wir euch am Freitag den 27.05. einen Ambient-Shoegazer-Drone-Abend mit Aidan Baker und Thisquietarmy.

unab23.JPG

Aidan Baker und sein kanadischer Landsmann Eric Quach alias Thisquietarmy starten in Bochum ihre Europatour. Anlass der Tour ist die Reissue des ersten gemeinsamen Albums “Orange”, das im Mai bei Lunasylum Records auf CD und bei Orange Milk Records auf LP als Extended Version wiederveröffentlicht wird.

tqa.jpg

Beide Musiker erzeugen allein durch Einsatz ihrer Gitarren und einer Reihe an Effektgeräten und diverser anderer Hilfsmittel Ambient- und Dronelandschaften, die durch Aufschichten von Loops zu Soundgebirgen anwachsen, um dann wieder im Nichts zu verklingen. Das Ganze präsentieren Aidan Baker und Thisquietarmy im FKT in Bochum.

Das Konzert sollte ursprünglich in der K.Gallery stattfinden.

Ort: Freies Kunst Territorium, Bessemerstr. 30, 44793 Bochum (altes Versicherungsgebäude neben der Feuerwehr)
Datum: 27.05.2011
Einlass: 20:00 Uhr
Beginn: 21:00 Uhr

Bei gutem Wetter findet das Ganze Open Air statt.

Wer mehr Infos braucht, kann uns gerne anschreiben.

Tags: , , , , , , , ,

ENDLICH NEUES CAVE IN ALBUM

Posted in Aktuell, Release on April 25th, 2011 by D.K.

cave_in_white_silence

Nachdem Cave In vor zwei Jahren ihre mehrjährige Pause mit der “Planets Of Old” EP beendet haben, folgt Ende Mai das neue Full-Length Album “White Silence”. Die einzelnen Bandmitglieder haben sich in den letzten Jahren Solo oder mit Bands wie Zozobra oder Pet Genuis ausgetobt. Nun folgen neun neue hauptsächlich druckvolle Songs, mit denen Cave In mal wieder beweisen, dass harmonische Melodien sehr gut mit brachialen Passagen gepaart werden können.

Einen ersten Höreindruck bietet das achtminütige “Sing My Loves”, in feinster “Beatles treffen auf Metal” Manier.

“White Silence” erscheint über Hydra Head Records und ist als LP und CD erhältlich.

cave in

Tags: , ,

NADJA & GALENA – KONSTRUKTION

Posted in Release on April 22nd, 2011 by D.K.

Kollaborationen sind dann besonders interessant, wenn man beim Ergebnis weder die eine Band noch die andere dominant raushört, sondern ein komplett neuer Sound entsteht, und wenn man eine der Bands vorher nicht kannte. Bei “Konstruktion” von Nadja & Galena trifft das alles zu.

konstruktion

Das kanadische Duo Nadja dürfte Liebhabern von Drone, Shoegaze und Ambient ein Begriff sein, das Duo Galena aus Oakland ist da eher ein unbeschriebenes Blatt. Galenas Musik ist beeinflußt von experimentellen Klängen, Noise und Black Metal, was in der dargebotenen Mischung zu einem eindringlichen Sound mutiert.

Nach einem Ideenaustausch zwischen Berlin, der derzeitigen Heimat von Nadja, und Oakland haben die vier Musiker sieben Songs zusammengestellt. Auf der ersten Seite der Platte sind sechs kürzere Songs vertreten, die angefangen bei minimalistischen Ambientsounds über experimentelle Deformierungen von Gitarren, Bass und Synthiesounds bis hin zu sehr sehr subtilem Black Metal, eine große Bandbreite an Konstruktionen präsentieren. Das zweieinhalbminütige “Tears” mit seinem Rückwärtsbass und den dezenten Gitarrenflächen ist einer der Höhepunkte der Platte. Die zweite Seite gehört dem 22minütigen “High Sea & Turbulence / Coda 2″, das sich wie ein Drone-Shoegazer-Mantra in die Gehörgänge fräst. Die Musik wird durch das mysteriöse Artwork von Galenas Billy Sprague ergänzt. Sehr empfehlenswert.

“Konstruktion” ist auf ADAGIO830 als limitiertes Vinyl erschienen und bei Bis Auf´s Messer erhältlich.

Tags: , , , , ,

LIVETAGEBUCH: MAMIFFER

Posted in ontheroad on April 22nd, 2011 by D.K.

Mamiffer sind auf Tour, das ist gut , Mamiffer sind auf Europatour, das ist sehr gut, Mamiffer kommen zwei Mal nach NRW, das ist genial.

mamiffer.JPG

 

Erstes Mamiffer Konzert für uns ist das Konzert im Duisburger Steinbruch. Mamiffer spielen als Support für Black Math Horseman, dem Stoner Doom Quintett. Schon das Bühnenbild ist bezeichnend. Links ein Roland Keyboard mit Klavierhocker, es folgen nach rechts diverse Amps, das riesig wirkende Drumset, in der Mitte der Bühne ein weiterer Klavierhocker, der vor einer Reihe von Effektgeräten platziert ist, und auf der rechten Seite ein Koffer voller Gerümpel, Trödel und Schrott.

mamiffer

Die Band betritt die Bühne. Faith Coloccia an den Tasten, Caleb Collins und Tyler Semrick-Palmateer (von der leider nicht mehr musizierenden Hydra Head Band Mare) am Bass und den Drums, Aaron Turner an der Gitarre und den Effekten und Travis Rommeriem bezieht Stellung vor dem ominösen Koffer voller Krempel. Dieser Koffer eröffnet auch das Konzert. Rommeriem kratzt, streicht, klopft und bewegt diverseste  Gegenstände, die er aus dem Koffer zaubert, und erzeugt somit eine Art Live-Field-Recordings, das Klavier (bzw. der Klaviersound aus dem Roland) setzt ein, es folgt die Gitarre. „Iron Water“, der Albumabschluss heute als Opener. Schnell wird klar, dass diese Band ihre Musik lebt. Die Musiker sind aufeinander eingespielt, Faith’s Klavier ist der musikalische Mittelpunkt, an dem sich alle orientieren, gemeinsame Einsätze übernimmt Aaron mit Zählen durch Headbangen. Die Musiker fühlen die Musik, schließen ganz oft die Augen zum Spielen. Alles ist in rotes Licht getaucht. Im Mittelpunkt des Sets steht das neue Album „Mare Decendrii“, das live weniger orchestral, sondern wuchtiger und rauer klingt. Ein gemeinsamer Acapellapart schließt die überzeugende Mamifferpräsentation ab.

Das zweite Mamiffer Konzert steht in Köln an. Schauplatz ist das MTC mitten auf der Zülpicherstraße. Halbe Stunde Parkplatz suchen, volle Straßen, Stress. Dann untertauchen ins MTC, wörtlich, denn es geht eine Treppe runter in einen Keller und der Lärm des abendlichen Kölns erlischt im Sound des MTC. Es läuft ein Mixtape von Aaron Turner, genau wie in Duisburg.

house of low culture

Mamiffer sind heute Headliner. Doch vorab beginnt der Abend mit einem Liveset von House Of Low Culture, dem langjährigen Aaron Turner Projekt, mit ständig wechselnden Kollaboratoren, heute ist es seine Frau Faith Coloccia. Aaron Turner nimmt Platz auf einem Hocker mitten auf der Bühne. Faith setzt sich an den linken Bühnenrand und greift zur Gitarre. Zwei Volumenpedale, ein Loopeffektgerät, ein Modulator und ein Mikro liegen direkt vor Aarons Füßen, der Rest der Effektgeräte ist daneben aufgebaut. Das Set beginnt mit einem fast ohrenbetäubenden hohen Geräusch, das Aaron mit Hilfe von Effekten und einem an einen Verstärker gehaltenen Mikro erzeugt. „Perverted Scripture“ heißt das Stück, das auch auf der Tour-Cassette von Mamiffer und HOLC vertreten ist. Schnell ist klar, dass es Aaron heute nicht um Harmonien geht. Die Gitarre von Aaron dient nur kurz als Instrument für Akkorde, die meiste Zeit dient sie als Grundlage für ein noisiges Gedröhne, das sich durch den ganzen Körper, durch das ganze MTC erstreckt. Immer wieder Noiseausbrüche, Faith legt dezente Akzente mit abstrakten Gitarrenflächen, Aaron greift zum Mikro und untermalt den Sound mit hallendem Gebrülle. Nach einer Viertelstunde dann der Höhepunkt des Sets an einem Punkt, wo alle erzeugten Sounds zusammenfließen, Aaron auf dem Boden hockt, ins Mikro brüllt, sich über die Effekte beugt, er zittert für kurze Momente am ganzen Körper. Aaron lebt und fühlt seine Musik. Gänsehautmomente. Was House Of Low Culture an diesem Abend machen, gleicht der Arbeit eines Steinbildhauers. Während andere Steine nehmen um Häuser zu bauen, erschafft der Steinbildhauer Skulpturen aus eben diesem Stein. So präsentieren auch HOLC keinen Song durch klassisches Spielen von Instrumenten, sondern erschaffen mit Hilfe der Instrumente Klangskulpturen. Live ein echtes Erlebnis.

mamifferk

Dann steht der Auftritt von Mamiffer an. Das Bühnenbild gleicht fast dem in Duisburg. Einziger Unterschied ist, dass das Drumset diesmal am rechten Bühnenrand positioniert ist. Mamiffer spielen das gleiche Set, sind ausgelassen und lassen sich auch nicht vom Gegröle eines besoffenen Gastes irritieren. Während des Sets treffen sich die Blicke von Faith und Aaron, was beide zu einem fetten Grinsen verleitet. Die restliche Zeit sind die Musiker im Mamifferuniversum versunken und bieten den wenigen Gästen, die an diesem Abend ins MTC gefunden haben, eine unvergessliche Stunde.
mamiffer

Tags: , , , , , ,

PLEQ

Posted in Musik on April 17th, 2011 by N

Extrem subtile Veröffentlichung,  Abstraktion und Konkretheit, Askese und Wärme, Ton und Geräusch, Instrumente und Nichtinstrumente…das ist das was Bartosz Dziadosz alias Pleq aus Polen hier erschafft.

pleq

“Absorbed By Resonance” stellt sich selbst an keiner Stelle in den Vordergrund, drängt sich nicht auf; betont die eigene Anwesenheit mehr durch die Stille, die das Ganze ausstrahlt, umgibt, vermittelt, als durch die schon fast zurückhaltend subtile Musik selbst; Musik wie Mikromelodien in einem leicht abgedunkelten Raum. Erstaunlich dabei die Momente, in denen Pleq die Lautstärke anzieht: zuerst fast wie ein kleines Versehen, eine Nachlässigkeit in der Abmischung der Lautstärke zwischen den verschiedenen Tracks wirkend; in der Auswirkung aufgrund der fragilen Gesamtstimmung aber fast brutal beim Hörer ankommend (dabei jedoch stets kurz vor zu viel gekonnt abgefedert, keine Angst), ein hintergründiger Ansatz, Hörgewohnheit zu konterkarieren…

Pleq_absorbed_by_resonance

Loops (aus Samples? Selbst eingespielt? Gitarren?), aufgenommene und / oder gesamplete Geräusche, und zurückhaltende Elektronik bilden die Zutaten, aus denen Pleq vordergründig loopartig statische, in Wirklichkeit höchst lebendige, sich selbst im Detail immer wieder variierende Miniaturen schafft; dies ist, für den der Vergleiche mag, so etwas wie eine Fortsetzung des typischen Mille-Plateaux Sounds; mit der Betonung auf Fortsetzung: die Klangästhetik mit einem Focus auf Wärme und Geschlossenheit; als kleine Haken gesetzte Störgeräusche; extrem zurückhaltende Rhythmik, weit mehr Ambient als bewegt. Ein Zusammenklang aus Geräusch und Ton; auch dann, wenn dieser in seiner Umkehrung der Gewichtung eigentlich paradox zusammengesetzt ist; immer unter dem Deckmantel, die durchgehende Stille nicht zu brechen, die subtile Atmosphäre nicht zu stören; z.b. beim sechsten Track, der einen geräuschhaften Loop in den Vordergrund stellt, wie der Klang einer Auslaufrille einer alten Vinylplatte und erst ganz weit dahinter die Musik, ebenfalls geloopt, eine warme, sich drehende Fläche und einige wenige, bis vorn durchbrechende Sprengsel aus hochfrequenter Elektronik.

Sehr schöne Veröffentlichung, die gerade auch wegen der ihr eigenen Charakteristik schnell übersehen werden könnte; eigentlich ein Fall für ein Vinyl-Release, wobei: das Artwork dieser Digitalversion des japanischen Labels Matter ist durchaus gelungen; auf seine Art.

Tags: , ,

LIVE: NADJA & GALENA

Posted in ontheroad on April 17th, 2011 by D.K.

Nadja & Galena machen auf ihrer gemeinsamen Tour halt im AZ Mülheim. Riesengroße alte Fabrikhallen mit hohen Decken, verwinkelten Räume und einem Konzertsaal, dessen alte Funktion schwer erkennbar ist. Ein stählerner Pfahl mitten im Raum, Stahlringe an den Wänden, Kopfsteinpflasterboden und Ziegelwände. Die Bühne ist hoch und im Raum sind alte Polstermöbel platziert.

GALENA

Die lokale Band Moloch eröffnet den Abend mit Ambientgebrumme und Beamerprojektionen. Dann folgt der mit Spannung erwartetet Auftritt von Galena aus Oakland. Ein Mann an den Reglern, der andere an der Gitarre. Was hektisch beginnt entpuppt sich im Verlauf des Sets zu einer gelungenen Mischung aus Noise, Black Metal und experimentellem Drone. Galena schaffen es immer nah der Grenze zum extrem experimentellen Sound Spannung und Druck aufzubauen und halten somit die Aufmerksamkeit der Zuhörer, die vor der Bühne oder auf den Sofas sitzen. Der Applaus am Ende zeigt, dass Galena überzeugen konnten.

NADJA

Nadja folgen wenig später. Sie platzieren sich in der dunkelsten Ecke der Bühne. Leah Buckareff mit dem Rücken zum Publikum, Aidan Baker dem Publikum zugewandt. Aidan trommelt auf dem Gitarrenkörper und legt einen wummernden Sound als Basis, dann setzt das Gitarrenspiel ein und der Bass walzt sich durch den Hintergrund. Nadja nehmen das Publikum mit auf eine Dronereise. Genau wie einen Monat zuvor in Bochum spielen Nadja ein zusammenhängendes Set, in dem ein Song in den nächsten Song übergeht. Gegen Ende kommen Cellobogen zum Einsatz, die dem Set eine weitere Soundvariation verleihen. Es wird lauter, ein Soundloop legt sich über den nächsten, bis sich irgendwann der Berg aus Tönen zu einem ruhigen Tal wandelt und in Stille übergeht. Diese Reise treten wir gerne wieder an.

Tags: , , , , ,

BARN OWL & JEFRE CANTU-LEDESMA – IN DER CHRISTUSKIRCHE BOCHUM

Posted in ontheroad on April 11th, 2011 by D.K.

In Zusammenarbeit mit der Christuskirche Bochum präsentieren wir euch drei Gäste aus San Francisco. Barn Owl und Jefre Cantu-Ledesma kommen am 17.05. nach Bochum um ihre Sounds im Kirchenraum zu präsentieren.

Barn Owl

Was wir zu Barn Owl zu sagen haben, findet ihr hier.

Was andere zu Barn Owl sagen:

“Opulente Drone- und Ambientfresken” Vice Magazin

“Eine Stimmung zwischen Black-Metal-Ruhe vor dem Sturm und Shoegaze im Stillstand” Visions

“Barn Owl [...] streifen die Klangsphären von Brian Eno und Caspar Brötzmann” Westzeit

“Entrückt dröhnende [] Instrumental-Kompositionen” Classic Rock

“Barn Owl verbinden Drone [...] mit psychedelischem Kriechgang und weichen Soundteppichen” Rockhard

“Ihre Musik ist einfach da, wie die Eule stundenlang wartet, sie bewegt sich kaum, atmet aber doch, und strahlt dabei etwas Majestätisches aus” Ox-Fanzine

jefre cantu-ledesma

Jefre Cantu-Ledesma kommt nicht nur aus der gleichen Stadt wie Barn Owl, er stammt auch aus der gleichen musikalischen Ecke und ist auch der Mann hinter dem Label Root Strata, über das Barn Owl bereits zwei Platten veröffentlicht haben. Die Soloarbeiten von Cantu-Ledesma bewegen sich zwischen minimalistischen Gitarrendrones bis hin zu noisigen Shoegazeausbrüchen. Der optimale Support für Barn Owl. Mehr Infos zu Jefre Cantu-Ledesma findet ihr hier.

Wer sich vom Livesound der drei Musiker in der Christuskirche Bochum überzeugen möchte, sollte sich folgenden Termin nicht entgehen lassen:

Dienstag 17.05.2011
Beginn: 20 Uhr
Einlass: 19:30 Uhr
Tickets: nrw-ticket.de und andere Vorverkaufsstellen

Last.FM Event Seite.

Tags: , , , ,

MULTER – BERGE IM BUNKER

Posted in Kunst, Release on April 10th, 2011 by D.K.

[Multer], das sind Hellmut Neidhardt und Mal Hoeschen aus Dortmund. Multer gibt es seit Ende der 90er Jahre, schon immer zu zweit, zwischendurch auch mal zu dritt. [Multer] bewegen sich in den Zwischenwelten von Elektronik und Ambient und zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich nie auf einen typischen Sound festlegen. Experimentierfreudigkeit, ohne den Faden zu verlieren, ist hier das Motto.

multer artwork

Lange war es ruhig um [Multer], Mal Hoeschen hat zwischenzeitlich das Label Genesungswerk, das zusammen mit [Multer] ins Leben gerufen wurde, weitergeführt und Hellmut Neidhardt ist seit einigen Jahren mit seinen epischen Gitarren-Drones unter dem Künstlernamen N unterwegs.

bergeimbunker

Mit „Berge im Bunker“ geben [Multer] endlich wieder ein Lebenszeichen. Zunächst einmal das Eindruck schindende Artwork. Zwei dicke graue Pappen, an drei Seiten aneinandergetackert, und dazwischen ein Silberling mit zwei Songs. Ursprünglich als musikalische Untermalung eines Ausstellungsraumes der Ausstellung „Berge im Bunker“ von Barbara Meisner geschrieben, haben [Multer] sich des 18minütigen Songmaterials angenommen und es für das 36minütige Album überarbeitet.

multer artwork

Eine Gitarrenmelodie erklingt im ersten Song “Pionierpflanzen”, um direkt wieder im Nichts zu verklingen. Sekundenlang passiert nichts. Dann erneut dieselben Gitarrenklänge. Nach jeder Wiederholung weitet sich der Hall zum Ende der Melodie aus und nach einigen Wiederholungen ist man als Hörer an den Rhythmus gewöhnt und wird immer weiter in die Soundwelt von Multer entführt. Ein Gongton gesellt sich zur Gitarre, dann Minuten später auch Fieldrecordings aus dem Strassenverkehr. [Multer] haben Zeit, [Multer] lassen sich Zeit, [Multer] geben uns Zeit, die Musik zu hören, zu spüren, zu erfahren. “Pionierpflanzen” geht in “Erinnerungsflöze” fließend über, ist sozusagen ein Song, der in zwei Segmente unterteilt ist. Jetzt setzt auch ein minimalistischer Orgelton ein, der die bisherigen Soundcollagen untermalt. Eine dramaturgische Steigerung erfährt “Erinnerungsflöze” durch immer lauter werdende Fieldrecordings von industriellem Gehämmer. Am Ende bleibt das, womit das Album begonnen hat. Der im Nichts verhallende Gitarrenton.

multer artwork

Berge im Bunker ist in einer Auflage von 200 Silberlingen auf dem belgischen Label Consouling Sounds erschienen.

Tags: , , , , , ,

BLOCK! ANTONIUS BLOCK!

Posted in Musik on April 10th, 2011 by D.K.

Block! Antonius Block! ist ein Trio aus Mailand und hat mit seinem Dabütalbum “The Tyranny Of Small Decisions” einen Platz in der Bandriege des italienischen Independet Labels Frohike Records gefunden.

block! antonius block!

Das Trio zeigt sich auf der Platte spielfreudig und energiegeladen. Mit Einsatz von Bass, Gitarre, Drums und einigen weiteren Elementen, wie gelegentlichen Vocals, präsentiert sich die Band mit bissig bis provokativ kritischen Songtiteln wie “Business Class Fall”, einem aus drei roten Dreiecken bestehenden Bandlogo und hangemachtem Artwork, samt Motto “With your hands you can change the world”.

block! antonius block! artwork

Die Platte ist staubtrocken produziert und lässt auch ohne Vocals und Songtitel erahnen, dass die Band sehr direkt unterwegs ist. Der Sound ordnet sich irgendwo zischen Post-Hardcore und Post-Rock ein. Hier überzeugt kein innovatives Songwriting, sondern die musikalische Präsenz der Band. Der fast viertelstündige Abschlusssong “Metaphysics Of Action Illustrated” mit einem polemischen Bill Hicks O-Ton am Ende, ist auch gleichzeitig der Höhepunkt des 43minütigen Debüts von Block! Antonius Block!.

block! antonius block! artwork

Das Album ist in einer aufwendig handgemachten Auflage von 300 Pappmaschee-Exemplaren bei Frohike Records erschienen

Tags: , ,

MAMIFFER – MARE DECENDRII

Posted in ontheroad, Release on April 10th, 2011 by D.K.

mamiffer

Mamiffer haben diesen Monat ihr zweites Album “Mare Decendrii” über Conspiracy Records veröffentlicht und unterstreichen nach ihrem ersten Full-Length Album “Hirror Enniffer”, dass sie eine außergewöhnliche Band mit ausgefallenen Ideen sind. Treibende Kraft hinter Mamiffer ist Faith Coloccia (Everlovely Lightningheart), die zusammen mit diversen Kollaborateuren schon seit einigen Jahren Songs schreibt und in eher kleineren Pressungen veröffentlicht. Mit der Veröffentlichung von “Hirror Enniffer” über Hydra Head Records wurde dann glücklicherweise eine größere Hörerschaft erreicht. Nun steht “Mare Decendrii” in den Plattenläden und bietet dem interessierten Hörer eine Reise durch die Welt experimenteller Musikrichtungen aus aller Welt mit einer großen Bandbreite an Instrumenten. Kernstück der Songs ist das klassisch gespielte Klavier von Faith Coloccia, das hauptsächlich von schweren Gitarrendrones von Aaron Turner (Isis) begleitet wird. Um dieses Basisgerüst bauen sich dann die bis zu 20 Minuten langen Songs zu epischen Akten auf, in denen Drone, Klassik, Weltmusik und irgendwie auch Progrock zusammenfinden. Das Ergebnis ist ein individueller Sound, der seinesgleichen sucht.

Während das erste Album eher klassischen Songstrukturen mit wiederkehrenden Melodien gefolgt ist, setzt “Mare Decendrii” zwar genau da an, ist aber im großen Ganzen viel experimenteller und offener für Improvisationen. Der Opener “As Freedom Rings” lässt sich zu Beginn Zeit und baut sich innerhalb der ersten vier Minuten von einem Ambientstück zu einem 14minütigen Epos auf, genau da setzt auch das 20minütige “We Speak In The Dark” an. Untermalt von Streicherarrangements von Eyvind Kang und bereichert durch verschiedenste fremdsprachige Vocals wie die von Mika Rättö und Parvaneh Daneshvar. Das minimalistische “Blanket Of Ash” als kleine Verschnaufpause an dritter Stelle. “Eating Our Bodies” ist das direkteste Stück des Albums und setzt einen Stimmungshöhepunkt, um zum Ende hin mit einem ruigen Pianopart auszuklingen. Abschluss ist “Iron Water”, das aufbauend auf eine Klaviermelodie, zusammen mit dezentem Percussioneinsatz, einem düsterem Cellogebrumme und rauher Gitarre wie ein Mantra vor sich hin fliesst bis die Instrumente ausklingen und einem gruseligem weiblichen Gesang den Vorrang lassen. Ein undeutlicher, seuseliger Gesang, der im Hall verstummt und das Album nach gut einer Stunde enden lässt. Gänsehaut garantiert.

mare_decendrii_cover

Ein Jahr haben die Aufnahmen gedauert, deren Regie Randall Dunn übernommen hat, und einige weitere Monate, bis “Mare Decendrii” veröffentlicht wurde. Wer sich das Album anhört, wird sehr schnell feststellen, wieviel Arbeit investiert wurde, um dem Hörer eine Inszenierung zu bieten, wie man sie beispielsweise von den ganz frühen Genesis oder King Crimson gewohnt war, ohne nach den eben genannten Herrschaften zu klingen.

Mamiffer sind zurzeit auf  Tour, um ihr neues Album zu präsentieren. Derzeitiges Live-Lineup sind Faith Coloccia, Aaron Turner, Travis Rommeriem und die beiden Ex-Mare Bandmitglieder Caleb Collins and Tyler Semrick-Palmateer. Die Tourdaten findet ihr auf unserer ONTHEROAD Seite.

Tags: , , , , , ,

UTECH RECORDS MUSIC FESTIVAL SAMPLER

Posted in Release, Sampler on April 9th, 2011 by D.K.

utech poster

Das amerikanische Label Utech Records, bekannt für seine experimentellen Gitarrenkünstler, veranstaltet diese Jahr das erste Label Festival. Vertreten sind Labelbands wie Locrian, Horseback, Mamiffer oder Ural Umbo. Schade, dass das Ganze so weit weg ist.

Als kleinen Trost gibt es anlässlich des Festivals aber einen Label Sampler zum freien Download. Neben bereits veröffentlichten Songs aus dem Utech Kader, sind vier bisher unveröffentlichte Songs von Utech Bands wie zum Beispiel den Schweizern Ural Umbo vertreten. Als besonderer Appetithappen ist auch ein Song von der neuen Locrian/Horseback Platte auf dem Sampler verewigt.

Tags: , , ,

PREMONITION 13

Posted in Release on April 4th, 2011 by M.H.

Auf Scott “Wino” Weinrich ist eben einfach Verlass. Nach seinem geschmackssicheren Singer/Songwriter Exkurs “Adrift” und seinen viel beachteten Arbeiten mit Shrinebuilder, kehrt er nun zum Sound seines ersten Soloalbums und seiner Bands Spirit Caravan und The Hidden Hand zurück. Zusammen mit Jim Karow (Gitarre) und Matthew Clark (Schlagzeug) hat er das Power-Trio Premonition 13 aus der Taufe gehoben.

Erstes Ergebnis dieser Kollaboration sind zwei Songs, die auf einer 7inch verewigt wurden. Das schleppend groovende, mit fettem Doom-Riff und Chören versehene “Switchhouse”, sowie das kurz und knackig vorpreschende, rein instrumental gehaltene “Crossthreaded”, welches Spontanität und Jam-Flair versprüht, kommen auf eine Gesamtspielzeit von gut acht Minuten und zeichnen sich durch unverfälschte Spielfreude aus, die fraglos Lust auf mehr macht.

Erhältlich ist das gute Stück über Volcom Entertainment. Dort ist es im Rahmen des VOLCOM ENTERTAINMENT VINYL CLUB erschienen. Auf dieser Webseite findet ihr nicht nur die beiden Songs im Stream, sondern auch weitere interessante 7inch Veröffentlichungen und ein verlockendes Abo-Angebot.

Tags: , , , , , ,

LIVE: HER NAME IS CALLA & BIRDS OF PASSAGE

Posted in ontheroad on April 3rd, 2011 by D.K.

Es ist ja schon wieder Freitag… fällt mir grad ein. In letzter Zeit gehen wir immer freitags auf gute Konzerte. Diesmal auch?

Her Name Is Calla und Birds Of Passage aus dem Hause Denovali Records stehen heute an. Das Druckluft in Oberhausen ist Austragungsort, netter Laden mit leichtem Industriecharme. Nette Leute haben sich zusammengefunden, eher jünger als alt, um den Konzertabend zu erleben.

birds_of_passage

Kurz nach Neun geht es los mit Birds Of Passage alias Alicia Merz. Die Australierin ist zum ersten Mal in Deutschland, in Europa, überhaupt auf Tour, um ihr Album „Without The World“ zu supporten. Diese Tatsache ist ihr auch anzusehen, denn eine gewisse Anspannung kann sie nicht verbergen. Doch mit den ersten Tönen auf dem Keyboard versetzt sich Alicia Merz in ihre eigene musikalische Fantasiewelt. Vorbei die Anspannung, der ruhige Gesang setzt ein und legt sich mit seinem weichen Sound wie ein weiteres Instrument über das Keyboard. Schnell fühlt man sich in die fragil anmutende Welt von Birds of Passage versetzt. Das aber nur bis ein Song endet. Alicia ist zwischen den Songs immer wieder nervös und macht Sachen, die sympathisch tollpatschig sind. Gegen Ende des Sets kann Alicia dann auch selbst drüber lachen.

her_name_is_calla

Kurze Umbaupause und dann geht es auch weiter mit Her Name Is Calla. Calla sind heute nur zu viert, Sophie an der Geige ist aus familiären Gründen kurzfristig nicht dabei. Eine Herausforderung für die Band, die Songs auch ohne Streichinstrument zu präsentieren, und eine interessante Variation für alle Fans der Band, die sie bisher als Quintett kannten. Die Band ist auf jeden Fall hochmotiviert und energiegeladen. Je länger sie spielen, desto lockerer werden sie. Heute sind alle lauten langen Songs dabei; „Condor and River“, „The Union“ und „Motherfucker“ mit besonders noisigen Parts hauen einen fast um. „Nylon“, „New England“ und „Pour More Oil“ dagegen gehen voll unter die Haut. Die Band ist sehr gesprächig und Sänger Tom unternimmt einige Kontaktversuche mit dem Publikum, lässt sogar das Publikum wählen, was als Nächstes gespielt werden soll. Aber irgendwie sind wir doch alle ganz zufrieden mit dem Set, so dass kein Wunsch geäußert wird. Her Name Is Calla sind eindeutig eine Live-Band, die Songs wirken lebendig, gerade bei den lauten Songs ist die improvisierte Spielfreudigkeit groß. Laut und überzeugend ist auch „Mew“, einer der drei Songs der neuen 10inch Tour EP, die Denovali Records für die aktuelle Tour gepresst haben, den die Band auch an diesem Abend live präsentiert. Zum Ende des Konzertes fordert Sänger Tom die Gäste auf, nach der Show noch zu bleiben und mit der Band ein Bierchen zu trinken. Wer der Einladung gefolgt ist, hat vier sympathische Engländer erleben können. Calla sind cool und – ja – es stimmt schon wieder… freitags gehen wir immer auf gute Konzerte.

Tags: , , , ,

AN EMERALD CITY

Posted in Release on April 3rd, 2011 by D.K.

An Emerald City sind so was wie die neuseeländischen Grails, oder besser gesagt, sie sind es bis zu ihrem Debüt „Circa Scaria“ gewesen. Vor einigen Monaten ist die Band nach Berlin gezogen und lebt seitdem ihre Kreativität auf europäischem Boden aus, und das hört man auch. Ihr zweiter Longplayer „The Fourth“ ist ein Hybrid aus Retro-Psychedelictönen, Synthiesounds und modernem, treibendem und instrumentalem Progrock.

the_fourth artwork

Für das Debüt hatte sich die Band in eine neuseeländische Küstenhöhle begeben, diesmal hat es die Musiker in die Räumlichkeiten eines alten DDR Radiosenders in Berlin verschlagen. An Emerald City führen ihren Stil nicht fort, sondern gehen den mutigen Weg und erweitern das Spektrum ihrer Songs um krautrockige Einlagen mit gut portioniertem Synthieeinsatz. Sie sind sehr spielfreudig und das ist den Songs auch anzuhören. Jeder Track treibt voran, selbst die ruhigen Passagen wirken energiegeladen.

Die Platte fängt mit “B31″ lustig an mit einem billigen Orgelsound, der dann aber in einen fetten basslastigen Orgelsound übergeht. Drums setzen ein, Gitarre folgt, Percussion… ja, und so geht es auch weiter. Langweilig wird einem beim Hören nicht. “Seizuretron” und “Circa Scaria” sind zwei alte Songs, die für das neue Album neu aufgenommen wurden. Passend an vierter Stelle auf der Tracklist kommt “The Fourth”, der Titeltrack. Hier vereinen An Emerald City ihre verschieden Talente und führen die verschiedensten Stile zusammen (egal, ob Ethno, Synthie oder Postrock) und formen sie um zu einem zehnminütigen Rockmonolithen. Die Band selber umschreibt ihre Musik als “Acid Eastern Experimental Psychedelic Post Rock”. Mit “Key To The Kingdom” verewigt die Band auch einen eher nicht ernst gemeinte Jamsession auf ihrem Zweitwerk, passt aber gut rein in dieses vielfältige Album. Die restlichen drei Songs des Albums geben nochmal richtig Gas und halten die Spannung bis zum Ende. Die perfekte Platte zur Einstimmung auf die wärmeren Jahreszeiten.

an emerald city

Ihr könnt “The Fourth” hier digital erwerben. Es gibt noch keine physikalischen Europa Release, wer trotzdem die CD haben möchte kann diese hier bestellen.

Tags: , , ,