LIVEBERICHT: BARN OWL IN KÖLN
Posted in ontheroad on November 28th, 2011 by D.K.Montag vor einer Woche. Krass kalt. Köln. Irgendeine Seitenstraße am Ring. Hier steht die Christuskirche. Ein alter evangelischer Kirchenturm und ein unspektakulärer Neubau als Kirchenraum. Der äußere Eindruck bestätigt sich im Innenraum. Ein spartanischer Betonklotz, der eher einer Fabrikhalle ähnelt, als einem Kirchenraum. Ein großes Kreuz an der Wand gegenüber dem Eingang deutet den Altar an. Davor zwei Gitarrenverstärker, Effektgeräte, zwei in Koffer ruhende Gitarren. Das ist die Bühne für das bevorstehende Barn Owl Konzert. Um die angedeutete Bühne sind ein paar Stühle drapiert. Wir nehmen Platz. Krass kalt, immer noch.
Jon Porras und Evan Caminiti betreten ganz in schwarz gekleidet die Bühne, greifen zu ihren Gitarren und beginnen ihr Set. Das Gitarrenspiel wird von diversen Videoprojektionen begleitet, die bis auf einen schwach leuchtenden blauen Strahler die einzige Lichtquelle sind. Die Kälte entschwindet aus dem Körper, denn was Barn Owl da aus ihren Gitarren zaubern klingt so warm, dass es einem ein warmes Gefühl vermittelt. Magisch. Das Set beginnt leise und bluesig-folkig und wird immer experimenteller, droniger und schwerfälliger. Earth und Sunn O))) Fans im Publikum dürften sich gleichermaßen gefreut haben. Besonders das laute Gedröhne entfaltet seine Wirkung in dem hohen klobigen Kirchenraum am besten. Das Publikum, das vor dem Konzert auffällig viel zu bequatschen hatte, schweigt nun bedächtig. Augen schließen und die Dronesounds in sich fließen lassen, oder Projektionen anschauen und die Gitarrensounds zu einem Soundtrack werden lassen. Egal wie man Barn Owl wahrnimmt, die Wirkung ist berauschend. Am Ende wird noch begeistert der Merchstand leergekauft.

Die Aufnahme des Albums erfolgte live im Studio und klingt entsprechend roh, ursprünglich und dadurch eben auch erfreulich frisch und unverbraucht. Das 3-D-Covermotiv, das einen Ausschnitt aus Dürers Apokalyptischen Reitern zeigt, darf durchaus als Verweis auf die Musik verstanden werden, die den bildhaften Vergleich mit einer alles niedertrampelnden Herde Wildpferde nicht zu scheuen braucht. Allerdings geschieht dies zumeist nicht im zügigen Galopp, sondern vielmehr in den gemäßigteren Gangarten, die vereinzelt gar zum nahezu völligen Stillstand tendieren, was die Kompositionen dynamisch und mächtig erscheinen lässt. Beim Gesang setzt das Quintett über weite Strecken auf die leicht heisere Schreivariante, gerne aber auch mal auf das gesprochene Wort oder die harmonische Melodievariante. Abgerundet wird “I” durch überlegt platzierte Soundsamples/-effekte.



























