
Ein großer tibetischer Tempel, in der Mitte sitzen ein paar betende Mönche. Ihr Gebetsgesang legt sich hallend in den Raum, als sich plötzlich aus allen Ecken des Tempels dämonenhaftes Geschrei dazugesellt… So könnte man die ersten zwei Minuten des gemeinsamen Albums von Locrian & Mamiffer am besten beschreiben.
“Bless Them That Curse You” beginnt also schon passend zum Titel mit der Gegenüberstellung von Segen und Fluch, zumindest im Kopfkino zu “In Fulminic Blaze”, das im weiteren Verlauf mit akustischer Gitarre, Piano, diversen Soundflächen und kraftvollen Drums weiter überzeugen kann und genau im Moment als man denkt, der Song hätte seinen Höhepunkt erreicht, legen die sieben Musiker noch eine Schippe drauf.




Im Anschluss folgt der Titeltrack “Bless Them That Curse You”, der überraschender Weise sehr zurückhaltend minimalistisch ausfällt. Was ihn um so interessanter macht, denn im Noise-Drone-Geflecht, das Locrian & Mamiffer aufbauen, sind so viele einzelne Sounds integriert, dass besonders das Hören über Kopfhörer hier Entdeckungspotenzial en masse birgt. “Corpus Luteum” setzt den Fokus auf die Gegenüberstellung von Klavier und Soundflächen, also Klassik und Moderne oder besser Segen und Fluch. “Second Burial” ist das experimentellste Stück der Platte und bietet dem Hörer eine spannende Gegenüberstellung von Freigeist und Konzept. Improvisation und Komposition in einem Song vereint. “Lechatelierite” nimmt wieder jegliche entstandene Spannung raus und lässt den Hörer mit dem Klavier alleine, fast zumindest, denn im Hintergrund treiben Field Recordings ihr Unwesen. Das 19minütige “Metis – Amaranthine – The Emperor” greift die Stimmung von “Lechatelierite” auf und setzt mit langsamen druckvollen Tastentönen ein. Das Klavier legt eine melancholische Note und Faith Collocia setzt mit den Vocals ein. Der Gesang ist so langsam und filigran vorgetragen, dass er direkt unter die Haut geht. Allmählich gesellen sich auch weitere Sounds zum Gesang und dem Klavier. Verzerrter wortloser Gesang im Hintergrund, Gitarren und Drums (die seit dem Opener verstummt waren) stimmen sich ein, bis nach neun Minuten ein Noisegewitter ausbricht und wohl den zweiten Part “Amaranthine” vom ersten trennt. Basslastige Elektronik und Feedbackgitarren nehmen den Song ein. Der letzte Teil “The Emperor” wird von Aaron Turners Gewaltvocals und Steven Hess Drums eingeleitet. Aaron schreit sich die Seele aus dem Leib, Steven beweist mal wieder, dass er ein Größe im improvisierten Trommelspiel ist, und Locrian & Mamiffer setzen sich selbst ein Denkmal.



Kommen wir zu den personellen und technischen Details, um allen denen, die bis zu diesem Zeitpunkt Zweifel haben, ob sich eine Investition in Locrian & Mamiffer lohnt, diese Zweifel endgültig zu nehmen. Locrian sind in der altbekannten Studiobesetzung der letzen eigenen Platten mit Terence Hannum, Andre Foisy und Steven Hess und Mamiffer als Viergespann Faith Coloccia, Aaron Turner, Travis Rommereim, Alex Barnett vertreten. Das Werk dieses siebenköpfigen Ungetüms hat Greg Norman festgehalten und Randall Dunn hat sich mal wieder eindrucksvoll um den letzten Mix gekümmert. “Bless Them That Curse You” ist in Kooperation von Sige Records mit Profound Lore, Land of Decay und Utech Records auf allen Formaten, die der Hörer braucht, erschienen. Wer jetzt noch nicht auf der Suche nach seiner Tape-, CD- oder Vinyl-Kopie von “Bless Them That Curse You” ist, ist selbst Schuld.
Die Portraits stammen alle von Rik Garrett.