BERICHT: ONLY LOVERS LEFT ALIVE PREMIERE

Posted in Kunst, Musikfilm, Release on December 22nd, 2013 by D.K.

Zu Weihnachten kommt Only Lovers Left Alive ins Kino. Sehr passend, denn der neue Film von Jim Jarmusch erzählt die Geschichte von drei Vampiren, die unter uns Menschen leben und uns als Zombies sehen. Einzig unseren Wissenschaftlern und Musikern gilt ihr Respekt.

only lovers left alive

Anfang Dezember feierte der Film seine Weltpremiere in Köln, wo er auch in Teilen produziert wurde. Zur Feier des Tages gab es neben dem Film auch einen anschließenden Konzertabend mit Künstlern des Soundtracks. So kam es dann auch, dass Filmfreaks auf Musikfreaks trafen, was das Erlebnis nochmal interessanter machte. Ja ja, Vorurteile, aber es stimmt ja wirklich, manchmal. Filmstudenten und die, die sich für welche halten, sind manchmal doch etwas auffälliger in ihrer Ausdrucksweise. Wahrscheinlich sagen die das Gleiche über uns Liebhaber experimenteller Musik. Doch da kommt Jarmusch ins Spiel. In seinem Vampirfilm geht es halt nicht nur um den Film, sondern auch um die Liebe zur experimentellen Musik und darum, dass ein guter Musiker nicht unbedingt ein Weltstar sein muss. Jim Jarmusch hat ja vor einiger Zeit “Blut geleckt”, als er begann für Soundtracks zur Gitarre zu greifen und dann letztendlich sogar zusammen mit Josef van Wissem Platten aufgenommen hat (siehe Review). Für OLLA hat Jarmusch seine Band aus dem “The Limits Of Control” Soundtrack wiederbelebt und von Bad Rabbit in Sqürl umbenannt. Experimentelle folkige Dronesounds stehen hier im Mittelpunkt und werden auch im Film mehr als zelebriert.

Ich wette, dass die mürrischen Sounds und das Gelächter im Publikum nicht von Musikfans kamen, aber wer weiß… Jarmusch setzt in OLLA einfach mal alles um, worauf er grad Lust hat. Vampire, Musik und Wortwitz.

Nachdem der Film gezeigt wurde, wurden die Gäste in einen benachbarten Club geführt. Grablichter leiteten uns zum Ort des Geschehens. In der Konzertvenue gab es als Überraschung einen Auszug aus dem bald erscheinenden Soundtrack auf schwarzem 180 Gramm Vinyl mit schwarzem Cover ohne Text (Spoiler: direkter Bezug zu einer Filmszene). Der Laden ist natürlich voll, denn die Premiere ist ausverkauft. Jozef van Wissem eröffnet den Abend mit seiner Laute, was ein ziemlich skurriles Bild ergibt, denn er und seine Laute kommen nicht gegen die gefühlt 500 quatschenden Premieregäste an (da wären wir wieder beim Thema Film- vs. Musikfan). White Hills sind lauter, gequatscht wird trotzdem. Sind wohl alle gekommen, weil Sqürl mit Jim Jarmusch spielen werden…

Ein sehr skurriler Abend, passend zur Welt, die von Jim Jarmusch präsentiert wurde.

Ein Kinobesuch und Kauf des Soundtracks lohnt sich auf jeden Fall.

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PREMIERE: ONLY LOVERS LEFT ALIVE

Posted in Aktuell, Kunst, ontheroad on November 30th, 2013 by D.K.

Das Poster spricht für sich, hingehen lohnt sich:

Tickets gibt es hier…

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LAWRENCE ENGLISH – FOR / NOT FOR JOHN CAGE

Posted in Kunst, Release on October 28th, 2012 by D.K.

Lawrence English gehört zu den interessantesten Ambientmusikern und Künstlern Australiens und hat schon mehrere hochgelobte Platten veröffentlicht. “For / Not For John Cage” heißt sein neues beeindruckend introvertiertes Album.

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2011 hatte Lawrence English die Idee, das Werk von John Cage mit einer Art Homage zu ehren und stieß bei seinen Recherchen auf den einzigen Film, den Cage gedreht hat. “One11” ist ein 90minütiger Schwarz-Weiss-Film, der sich auf das Lichtspiel von Schweinwerferprojektionen in Verbindung mit einer Musikaufführung beschränkt. Hier setzte Lawrence English an und schuf zusammen mit dem Videokünstler Scott Morrison “One11 (refocused)”. Im Zuge der Arbeiten an dieser Neuinszenierung der John Cage Idee, sind einige weitere Songs entstanden. Die einen direkt, die anderen indirekt von der Arbeit John Cages beeinflusst.

Das Ergebnis sind acht subtile Ambienttracks, die so unnahbar wie ein Geist erscheinen. Trotzdem versprühen sie alle eine angenehme Wärme und erzeugen durch diese Vermengung unterschiedlicher Eindrücke eine intensive Anziehungskraft. Wer diese Platte auflegt, der muss sich Zeit nehmen zuzuhören. Die Belohnung folgt unmittelbar…

“For / Not For John Cage” ist in einer 500er Auflage über L-NE erschienen. Wer die CD oder den Lossless Download direkt über L_NE Shop bestellt erhält einen 15minütigen Bonustrack… und auch der lohnt sich.

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TALES OF THE BODILESS

Posted in Aktuell, Kunst, KURZ GESAGT, ontheroad on April 11th, 2012 by D.K.

tales of the bodiless

Was?
Wer?
Wo?

Ach ja, Droneburg II Festivalbesucher bekommen die Karten zu einem speziellen Kurs…

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MOMENTAUFNAHMEN VON TOBALO.DE

Posted in Kunst on March 3rd, 2012 by D.K.

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Auf unserer PHOTOS Seite könnt ihr euch ein paar Momentaufnahmen vom Konzertabend mit Aidan Baker, Maik von Kodiak und A-Sun Amissa in der Christuskirche Bochum anschauen. Die Fotos stammen alle aus der Linse von Cristobal Marquez.

RE-INTER-VIEW: AIDAN BAKER – THE SPECTRUM OF DISTRACTION

Posted in INTERVIEWS, Kunst, Release on December 10th, 2011 by D.K.

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Aidan Baker hat uns dieses Jahr nicht nur mehrfach mit Konzerten, sondern auch mit einigen Soloplatten beglückt, was im nächsten Jahr nicht anders sein soll. Im Januar veröffentlichen Robotic Empire das Doppelalbum “The Spectrum Of Distraction”. Darauf vertreten sind 96 Tracks, an denen 18 Drummer beteiligt sind. Schon alleine diese Info ist etwas, wo man zweimal hinschaut, um zu realisieren das es stimmt, was die Augen da gelesen haben.

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Kommen wir zu den Details dieses zweistündigen Werks, für das Aidan Baker befreundete Drummer aus aller Welt gefragt hat, ob sie Interesse hätten, ihm Drum- und Percussiontracks zu schicken, die er für sein Album verwenden kann. An dieser Stelle ist ein munteres Namedropping sicherlich angebracht. So finden sich neben den Drumkünsten von Aidan Baker selbst noch folgende 17 Drummer auf den beiden Platten wieder:

Richard Baker (ARC), Andrew Crawshaw (The Silent Ones), Alessandro Curvaia (Shora), Bruno Dorella (OvO), David Dunnett (Man Meets Bear), Thor Harris (Swans), Steven Hess (Locrian, Ural Umbo), Kevin Micka (Animal Hospital), Mac McNeilly (The Jesus Lizard), Ted Parsons (Godflesh, Jesu, Killing Joke), Phil Petrocelli (Jesu), Simon Scott (Slowdive), Geoff Summers (Batillus), Jakob Thiesen (Nadja, Whisper Room), Brandon Miguel Valdivia (Picastro), Victor Cirone (Solokünstler) und Hamish Walker (Kerretta).

Aidan Baker hat den erhaltenen Tracks seine Gitarren- und Bassspuren hinzugefügt und hatte am Ende genug Material für weitaus mehr als zwei Alben. Hier kommt das Xenochrony-Verfahren ins Spiel, das Frank Zappa geprägt hat. Dabei werden instrumentale Parts aus einem Track in einem anderen verarbeitet und so hat Aidan Baker seine Sets in 96 Versatzstücke aufgeteilt und auf zwei CDs verewigt. Der Hörer kann selbst entscheiden, ob er die beiden Platten durchhört oder auf “Shuffle” oder “Random” klickt oder die beiden Platten in digitaler Form zusammenmischt. Egal für welche Hörart man sich entscheidet, die Klangreise ist höhrenswert. Viele Gitarrenparts klingen typisch Baker-isch, die meisten Songs jedoch zeigen Aidan Baker von ganz neuen Seiten. Mal mit jazzigem Bass, mal mit eingängig postrockigen Gitarrenmelodien, mal mit Metalriffs, mal psychedelisch, mal bluesig, mal synthiekrautrockig, ja sogar poppig klingt er auch mal zwischendurch. Und das Gute ist, man kann sich seine Lieblingspassagen des Albums als Song-Mutanten selbst zusammenstellen, indem man die Tracks einprogrammiert, die einem besonders gut gefallen. Die Tracks sind zwischen 10 Sekunden und 7 Minuten lang und von James Plotkin so abgemischt, dass die Übergänge sauber ineinander greifen (vorausgesetzt die Heimanlage macht das ganze mit, ansonsten funktioniert es in digitaler Form auf alle Fälle).

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Bei so einer Albumidee sind bei uns Fragen aufgekommen. Grund genug mit Aidan Baker ein kleines Interview zu führen:

Aidan, tell us about the very beginning of the idea creating „The Spectrum of Distraction“ with recordings from 18 different drummers.

I wanted to try something big — a large scale project — that would take advantage, challenge, and/or make fun of technology (ipods, random/shuffle feature) and the way people now listen to music.

When did you decide to split the tracks and how did you approach to split them?

Some times there were obvious beginning/end points within the tracks — other times the edits were quite random. This also depended on what the various drummers gave me to work with; sometimes I received just short loops, while others sent more flowing tracks that were more shapeable into songs.

Can you give us your own definition about „Xenochrony“?

Random juxtaposition of independently recorded tracks. I had initially intended The Spectrum of Distraction to strictly adhere to this, but as I received material from the various drummers, I thought it would be more interesting (or perhaps just listenable) to approach randomness within the album/songs itself, rather than the instrumentation.

Was there a special release of Frank Zappa that inspired you to use the xenochrony-technique?

“Rubber Shirt” on Sheik Yerbouti is a specific example of xenochrony that I always liked. I more specifically took inspiration from Shut Up ‘N’ Play Yer Guitar, though, which is an album made up of guitar solos edited out from other songs and performances. I’ve never really been a big fan of Zappa’s songs and silly lyrics, but I do like his instrumental work.

How did you write your guitar and bass parts. Did you first listen to the received Drumtracks or did you already have sounds that fitted with the drumparts?

I listened to the drum tracks and recorded parts along with them. Again depending on what I received from the drummer in question, this could either be abstract, improvisational material or more structured song-like material.

Which Drumtrack was the most difficult to play guitar and bass to it?

Perhaps Brandon Valdivia’s or Victor Cirone’s drums. Both their contributions were quite dense and free-form in a sort of abstract jazz kind of way, which made finding patterns or specific rhythms to play along to challenging.

What about the artwork of Matt Smith. Which information did you give to Matt for creating the artwork?

The only information I gave Matt was that the song titles took their names from the “Choose Your Own Adventure” book series. I don’t know if these were published in Europe, but they were a children’s book series that had alternate storylines and endings, depending on which pages you chose to read. Matt was also a fan of these books and familiar with their fairly specific design and aesthetic, so used that as something of a template for his artwork.

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“The Spectrum Of Distraction” erscheint Mitte Januar über Robotic Empire und wird einen Downloadcode für die kompletten uneditierten Sessions/Songs beinhalten.

Und um nochmal auf den Anfang des Artikels zurückzukommen, auch im nächsten Jahr geht Aidan Baker auf Tour. Wir präsentieren euch die Show am 17. Februar in der Christuskirche Bochum, bei der Aidan Baker einen Special Guest auf der Bühne haben wird…

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FILMTIPP: 22 MEI

Posted in Kunst, Musikfilm on December 10th, 2011 by D.K.

Koen Mortiers “22 Mei” (oder “22. Mai” in der deutschen Fassung) ist ein fast 90minütiges Monument des Gewissens, das in sich bewegenden Bildern verewigt ist und von der Musik von Mike Gallagher alias M.G.R. untermalt wird.

22. MAI

In den ersten sechs Minuten des Films ist zu sehen, wie ein Mann morgens im Feinrippunterhemd aufwacht, sich ein langweiliges Butterbrot schmiert, seine Wohnung in tristen Einheitsbreihochhausviertel verlässt, zur Arbeit fährt, seinen Job als Sicherheitsmann im öden Einkaufszentrum macht, indem er am Eingang steht und Löcher in die Luft starrt, und plötzlich das Einkaufszentrum in die Luft fliegt. Das wars, alle tot, jetzt wird der Film interessant…

Nachdem Koen Mortier für seinen hochgelobten Film “Ex-Drummer” Isis-Songs benutzt hatte, bat er diesmal Mike Gallagher, Gitarrist von Isis, einen Score zu seinem Film zu schreiben. Das Resultat ist ein minimalistisch intensives Album, das größtenteils nur aus clean gespielten Gitarrenthemen besteht, die die gezeigten Bilder Mortiers in ihrer Wirkung verstärken. Da im Film eher die Bilder als die Worte regieren, nimmt die Musik eine große Rolle ein und macht den Film grad für unsere Leserschaft so interessant.

Neugierig geworden? Das solltet ihr auch. Der Score von M.G.R. ist als Album bereits Ende 2010 über Conspiracy Records erschienen. Die deutsche DVD und Blu-Ray Fassung des Films ist seit ein paar Wochen im gut sortierten Videohandel erhältlich. Sehr zu empfehlen ist die limitierte 3-Disc-Collector´s-Edition mit DVD, Blu-Ray und Soundtrack-CD in einem Paket.

MGR

 

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DENOVALI SWINGFEST MOMENTAUFNAHMEN

Posted in Kunst, ontheroad, Redaktion on November 6th, 2011 by C.C.

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Es hat zwar etwas gedauert, aber unsere Momentaufnahmen vom Denovali Swingfest 2011 sind jetzt auf unserer PHOTOS Seite.

Hier gehts zu den Fotos vom Freitag… Samstag… und Sonntag…

 

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WENN DIE KÜNSTE ZUSAMMENTREFFEN

Posted in Kunst on August 28th, 2011 by D.K.

Nachdem Aidan Baker und Thisquietarmy Ende Mai ihr erstes Konzert der letzten Europatour im Bochumer FKT gespielt haben, hatte der dort ansässige Fotograf Cristóbal Marquez alias Tobalo die Idee, mit den beiden Musikern eine Fotosession zu machen. Also haben wir die beiden Musiker am nächsten Tag nach dem Frühstück und vor der Abreise zum nächsten Konzert in Frankreich gefragt, ob Sie Interesse hätten. Mit einem fragenden Grinsen im Gesicht stimmten Aidan und Eric zu und kurze Zeit später fanden wir uns im Stadtpark Bochum wieder.

tobalo

Cristóbal hat für die Aufnahmen eine alte Großformatkamera benutzt und für die Motive die beiden Musiker im Stehen, Sitzen und Liegen durch den Park gescheucht. Das Ergebnis sind eine Hand voll Bilder, die vor allem im Original überzeugen. Besonders die obige Aufnahme vereint die Liebe zum Instrument und zur Fotografie zu einem bleibenden Moment. Weitere Eindrücke findet ihr hier.

Wer sich die Fotografien mal in echt anschauen möchte (und das ist besonders zu empfehlen), sollte unbedingt das Atelier von Tobalo im FKT besuchen. Auch eine Investition in verschieden große Abzüge ist möglich, schreibt Tobalo einfach eine Mail für weitere Informationen.

tobalo@work

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MULTER – BERGE IM BUNKER

Posted in Kunst, Release on April 10th, 2011 by D.K.

[Multer], das sind Hellmut Neidhardt und Mal Hoeschen aus Dortmund. Multer gibt es seit Ende der 90er Jahre, schon immer zu zweit, zwischendurch auch mal zu dritt. [Multer] bewegen sich in den Zwischenwelten von Elektronik und Ambient und zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich nie auf einen typischen Sound festlegen. Experimentierfreudigkeit, ohne den Faden zu verlieren, ist hier das Motto.

multer artwork

Lange war es ruhig um [Multer], Mal Hoeschen hat zwischenzeitlich das Label Genesungswerk, das zusammen mit [Multer] ins Leben gerufen wurde, weitergeführt und Hellmut Neidhardt ist seit einigen Jahren mit seinen epischen Gitarren-Drones unter dem Künstlernamen N unterwegs.

bergeimbunker

Mit „Berge im Bunker“ geben [Multer] endlich wieder ein Lebenszeichen. Zunächst einmal das Eindruck schindende Artwork. Zwei dicke graue Pappen, an drei Seiten aneinandergetackert, und dazwischen ein Silberling mit zwei Songs. Ursprünglich als musikalische Untermalung eines Ausstellungsraumes der Ausstellung „Berge im Bunker“ von Barbara Meisner geschrieben, haben [Multer] sich des 18minütigen Songmaterials angenommen und es für das 36minütige Album überarbeitet.

multer artwork

Eine Gitarrenmelodie erklingt im ersten Song “Pionierpflanzen”, um direkt wieder im Nichts zu verklingen. Sekundenlang passiert nichts. Dann erneut dieselben Gitarrenklänge. Nach jeder Wiederholung weitet sich der Hall zum Ende der Melodie aus und nach einigen Wiederholungen ist man als Hörer an den Rhythmus gewöhnt und wird immer weiter in die Soundwelt von Multer entführt. Ein Gongton gesellt sich zur Gitarre, dann Minuten später auch Fieldrecordings aus dem Strassenverkehr. [Multer] haben Zeit, [Multer] lassen sich Zeit, [Multer] geben uns Zeit, die Musik zu hören, zu spüren, zu erfahren. “Pionierpflanzen” geht in “Erinnerungsflöze” fließend über, ist sozusagen ein Song, der in zwei Segmente unterteilt ist. Jetzt setzt auch ein minimalistischer Orgelton ein, der die bisherigen Soundcollagen untermalt. Eine dramaturgische Steigerung erfährt “Erinnerungsflöze” durch immer lauter werdende Fieldrecordings von industriellem Gehämmer. Am Ende bleibt das, womit das Album begonnen hat. Der im Nichts verhallende Gitarrenton.

multer artwork

Berge im Bunker ist in einer Auflage von 200 Silberlingen auf dem belgischen Label Consouling Sounds erschienen.

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THIS IS HOW YOU WILL DISAPPEAR

Posted in Kunst on March 2nd, 2011 by D.K.

this is how you will disappear by seldon hunt

Die bildende Künstlerin und Theatererschafferin Gisèle Vienne hat mit “This Is How You Will Disappear” ein Theaterstück geschaffen, für das Stephen O`Malley (Sunn o))) ) und Peter Rehberg (PITA), gemeinsam besser bekannt als KTL, die Musik beisteuern. Peter Rehberg begleitet so gut wie jedes Projekt von Gisèle Vienne, O`Malley hat bereits für das Projekt Kindertotenlieder mit der Künstlerin zusammengearbeitet. Dieses gemeinsame Werk ist jedoch außergewöhnlich.

Das besondere dabei ist, dass die Inszenierung im wahrsten Sinne des Wortes lebendig ist. Das Bühnenbild ist ein Wald, der aus echten Bäumen und echtem Waldboden besteht, in dem sich neben den Schauspielern auch echte Vögel aufhalten. Passenderweise spielen Rehberg und O`Malley den experimentellen Drone-Score zur Theaterdarbietung live während der Aufführung.

Mit diesem Gesamtkunstwerk bestehend aus bildender Kunst, Musik und Theater, mit Texten von Dennis Cooper, erzählt Gisèle Vienne eine Geschichte, die sich mit der “Ambivalenz des Schönen und Unheimlichen” beschäftigt. Verstörende Bilder treffen auf verstörende Töne, versöhnliche Töne treffen auf ästhetische Tanzdarbietungen.

“This Is How You Will Disappear” ist zur Zeit auf Europatour und macht nächstes Wochenende halt in Hamburg bei Kampnagel. Wer sich auf diese künstlerische Zusammenkunft einlassen möchte und am Wochenende in der Hansestadt ist, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.

rehberg_o malley by dennis cooper

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DAVID LYNCH UND DIE MUSIK

Posted in Kunst, Release on December 5th, 2010 by D.K.

Genau so surreal wie die Filme, Fotografien und Gemälde von Kultregiesseur David Lynch sind, genau so surreal war die Meldung, dass er eine Popsingle veröffentlichen wird. Seit einigen Tagen steht die Single “Good Day Today” zum download bereit und erscheint im Januar auf Vinyl.

david lynch - good day today - artwork

“Good Day Today” besteht aus einem einfachen Beat, unterlegt mit Synthiesounds und den Vocodervocals von David Lynch und hat so rein gar nichts mit den bisherigen musikalischen Werken von Lynch zu tun, die sich eher in Bereich von minimalistischem Ambient und Jazz bewegen. Wäre “Good Day Today” nicht von Lynch, würde es in den tiefsten Abgründen der Popgeschichte verschwinden. Es ist aber nun mal von ihm und deswegen nicht rein als Popsong abstempelbar. Setzt man diesen Song in den Kontext seiner anderen Arbeiten, so öffnen sich ganz andere Sichtweisen. “So tired of fire, so tired of smoke” singt Lynch am Anfang des Songs, zwei Elemente, die in irgendwie jedem seiner Filme auftauchen. Was das alles zu bedeuten hat, weiß nur David Lynch selbst, aber jeder, der sich mit seiner Arbeit beschäftigt, hat sicherlich einen ganz individuellen Interpretationsansatz. Das ist auch gut so, denn das macht die Person David Lynch ja so interessant.

david lynch

“Good Day Today” erscheint im Januar über Sunday Best Records und ist über The Vinyl Factory in der Doppel Vinyl Deluxe Edition vorbestellbar. Neben “Good Day Today” ist auch der Song “I Know” vertreten, der eher wie ein trippiger Tom Waits Song klingt, als nach Elektropop. Auf der zweiten LP werden Remixes diverser anderer Künstler vertreten sein. Das Deluxe Paket enthält noch eine CD mit allen Songs und Kunstdrucke vom Artworkverantwortlichen Vaughan Oliver, der bereits für die Pixies, This Mortal Coil oder Dead Can Dance gearbeitet hat.

Falls jemand Lust hat das passende Video zu den beiden Songs zu drehen und damit an einem Gewinnspiel teilzunehmen, bei dem David Lynch in der Jury sitzt, der sollte unbedingt mal Genero.tv besuchen.

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MOGWAI UND DAS LIED FÜR DIE EMSCHER TEIL II

Posted in Kunst on November 1st, 2010 by D.K.

lauschangriff auf felsen

Gestern haben wir die letzte Chance genutzt und sind zum Kunstwerk „Monument For A Forgotten Future“ gepilgert, um uns den 26minütigen Song „The Singing Mountain“ von Mogwai anzuhören, der gestern letztmalig aus dem für die Kunstinstallation künstlich angelegten Felsen ertönte. Das Kunstwerk ist im Rahmen von Emscherkunst 2010 in Zusammenarbeit des Bildhauers Olaf Nicolai, des Konzeptkünstlers Douglas Gordon und der fünf Schotten von Mogwai entstanden. Wir haben bereits hier darüber berichtet.

monument for a forgotten future

Zunächst mussten wir den Ausstellungsort auf der “Wilden Insel” finden, der irgendwo auf Höhe Gelsenkirchen an der Emscher liegt. Vorbei an einer in Nebel gehüllten Schleuse und einer beeindruckenden Industriekulisse standen wir plötzlich vor dem mehrere Meter hohen Felsen. Vögel zwitschern, Hasen rascheln im Gebüsch, im Hintergrund der Industrielärm, aber keine Musik. Doch! Leise erklingt der Mogwai Song aus kleinen Löchern im Felsen. Geniales Gefühl, mitten im Ruhrgebiet irgendwo im Wald zu stehen und ein bisher nie gehörtes Mogwai Lied zu hören. „The Singing Mountain“ ist ein langsamer, ruhiger und epischer Titel, der durch seine Schlichtheit überzeugt. Die Melodie ist simpel, aber der Song wächst mit Einsatz von Bass, Gitarre, Streichern, Bläsern, Glockenspiel und  Klavier zum Ende hin zu einem Gänsehaut erzeugenden Instrumentalmonster, das sich immer lauter werdend den Weg in die Aussenwelt bahnt. Lehnt man sich beim Hören an den Felsen, durchfließt einen der Bass und verstärkt das Hörgefühl und die Wirkung des Ausbruchversuchs. Ein unvergleichbares Post-Rock-Monument. Hoffen wir, dass dieses Kunstwerk nicht aus dem Ruhrgebiet verschwindet, sondern, wo auch immer aufgestellt, weiterhin erhalten und erlebbar bleibt. Es wird dunkel, Zeit für die Heimreise.

monument for a forgotten future

“The Singing Mountain” erscheint nächstes Jahr als Bonus-CD zur Limited Edition des neuen Mogwai Albums „Hardcore Will Never Die, But You Will“, das im Februar bei uns über Rock Action Records und in Amerika über Sub Pop erscheinen wird.

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JOSH GRAHAM ARTWORK FÜR SOUNDGARDEN

Posted in Kunst, Release on August 21st, 2010 by D.K.

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Für ihr Comeback-Best-Of-Album “Telephantasm”, das Ende September erscheint, haben Soundgarden nicht nur tief in die Schubladen ihrer Diskografie gegriffen, sondern sich auch tiefergehend mit der Gestaltung des Boxsets beschäftigt. Die Kultband aus Seattle hat niemanden geringeres als Josh Graham, sechster Mann bei Neurosis und Frontmann von A Storm Of Light, für die Gestaltung des Artworks verpflichten können. Josh Grahams neuere Plattenartworks zeichnen sich durch modern umgesetzte Collagen verschiedenster Motive aus, die meist zu apokalyptischen Szenarien zusammengesetzt werden. Grahams bekannteste Arbeiten sind die Plattencover für Alben von Neurosis wie “Given To The Rising” oder “The Eye Of Every Storm”. Für Neurosis sitzt Graham auch im Hintergrund und visualisiert die Konzerte der Band mit Videos. Weitere Bands und Musiker für die Josh Graham gearbeitet hat sind unter anderen Steve Von Tills Harvestman, Red Sparowes, Battle Of Mice und Shrinebuilder.

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“Telephantasm” ist zwar nur eine Best-Of Platte von Soundgarden, doch ein Kauf lohnt sich nicht nur wegen des aufwendigen Artworks. Wer mehr als nur in die Single-CD-Version investiert, bekommt ein Boxset mit 2 CDs, auf denen alle Singles der Band sowie der bisher unveröffentlichte Song “Black Rain” enthalten sind. Der Badmotorfinger Song “Room A Thousand Years Wide” ist in der 7inch Version und “Blow Up The Upside World” in der Live Version von der MTV Live ´N` Loud Session erstmalig auf CD verewigt. Zusätzlich zu den beiden CDs liegt noch eine DVD bei, auf der alle Videos samt Alternativ-Versionen zusammengestellt sind. Also werft eure alten MTV Mitschnitte auf VHS weg und kauft euch “Telephantasm”.

soundgarden 2010

Der bisher unveröffentlichte Track “Black Rain”, der von der Badmotorfinger Session stammt, steht auf der Bandseite zum anhören bereit und ist auch bei den gängigen Downloadanbietern käuflich zu erwerben.

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ISEA 2010 RUHR

Posted in Aktuell, Kunst, ontheroad on July 17th, 2010 by D.K.

Die ISEA, International Symposium on Electronic Art, findet diese Jahr im Rahmen der Ruhr.2010 zum ersten Mal in Deutschland statt. Austragungsorte des sechszehnten Symposiums sind die Ruhrgebietsstädte Essen, Duisburg und Dortmund. Hauptthema aller Veranstaltungen ist die Präsentation von Entwicklungen im Bereich der elektronischen Kunst.

Das Konzerthaus Dortmund ist im Rahmen des Festivals Austragungsort einiger sehr seltener musikalischer Beiträge. Zwei Abende wollen wir euch besonders empfehlen:

hildur live

Am 24. August treten die Isländerin Hildur Guðnadóttir und der Japaner Keiichiro Shibuyas auf. Hildur Guðnadóttir tritt mit einem Halldorophon auf, das auf einem Violoncello basiert, aber seine Töne durch ein elektroakustisches Feedbacksystem generiert. Guðnadóttir hat letzes Jahr neben der Veröffentlichung ihres zweiten Soloalbums “Without Sinking” auch am letzten Album von Múm und dem bei Conspiracy Records erschienenen Droneprojekt “Strings Of Conciousness & Angel” mitgewirkt. Keiichiro Shibuyas wird hingegen Flügelklänge mit Hilfe von Elektronik live verfremden, im Mittelpunkt steht dabei die Präsentation seines Albums “For Maria”. Der Abend endet mit einem gemeinsamen Auftritt.

fennesz

Am 26. August treten Mudboy aus den USA und Fennesz aus Österreich auf. Letztgenannter darf bei so einem Festival nicht fehlen, denn Christian Fennesz ist schon seit Jahren in der Welt der elektronischen Musik unterwegs. Die Verfremdung von akustischen und elektronischen Gitarrensounds ist eines der Markenzeichen des Wieners. Neben seinen eigenen Platten, wie auf dem letzten Longplayer “Black Sea”, hat Fennesz auch zahlreiche Songs geremixt, unter anderem Tracks von Isis und Nine Inch Nails. Mudboy arbeitet auch mit elektronisch neu zusammengesetzten Instrumenttönen und ist vor allem für das Verfremden von Kirchenorgelsounds bekannt. Er is seit 2000 aktiv und hat diverse Alben zum Beispiel bei Hundebiss Records und Digitalis veröffentlicht.

isea 2010 ruhr

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