LOCRIAN UND SICH UNENDLICH AUFLÖSENDE SOUNDS

Posted in Release on July 24th, 2015 by D.K.

Locrian sind zurück. “Infinite Dissolution” heisst das Werk, das heute erschienen ist. Als vor einigen Wochen das Cover veröffentlicht wurde, hatte ich zunächst Bedenken, denn stilistisch passt das kalte, extrem grafische Kunstwerk von David Altmejd nicht so richtig in die bisherige Diskografie. Der Verdacht lag nah, dass auch die Musik irgendwie in eine andere, nicht so gute Richtung abschweifen könnte. Dann kamen die Hörproben und eine ganzkörperliche Entspannung breitete sich in mir aus, als ich mir die Tracks anhörte.

Natürlich stehen Locrian stilistisch nicht still und packen auch diemal wieder eine Schippe drauf. Was genau den Unterschied zu den Vorgängeralben ausmacht, kann man aber trotzdem nicht genau sagen. Der Sound ist weiterhin ein Monster aus Black-Metal, Synthie, Noise, Power-Electronics und Rock-n-Roll in seiner abstraktesten Art. Allein die Zutatenliste von Soundtüftler Terence Hannum ist beeindruckend: Moog Little Phatty, Moog Minitaur, Moog Source, MicroKorg, Arp Avatar, EDP Wasp und Mellotron M400, um mal das zu benennen, was namentlich benannt werden kann. Hinzu kommen noch diverse Samples und Vocals. Gitarrist Andre Foisy spielt sich mal wieder die Finger wund und springt zwischen Geschrammel und Fingertapping hin und her. Steven Hess ist an den Drums unberechenbar und unnachahmbar, wie eh und je.

Gäste gibt es diesmal auch. Dana Schechter bringt etwas Lap Steel auf “Arc of Extinction” und  “An Index of Air” mit ein und Frau Hannum ergänzt auf dem selben Track und auf “The Great Dying” das Geschrei des Gatten mit harmonischen Vocals. Eine neue “Elegy” Folge gibt es auf dieser Platte leider nicht, dafür gibt es das dreiteilige “KXL I – III”, das über das ganze Album verstreut ist. Die größte Überraschung ist “Heavy Water”, das für Locrian Verhältnisse als Ballade durchgehen kann und synthielastig stark in Richtung der Soloplatten von Hannum geht.

Also hier gibt es nichts zu überlegen. Kaufen und zwar auf Vinyl!

 

 

 

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DIE DUNKLE SEITE VON CAUDAL

Posted in Release on July 19th, 2015 by D.K.

Bestehend aus Aidan Baker, Gareth Sweeney und Felipe Salazar macht das in Berlin gegründete Trio Caudal seit einigen Jahren gemeinsame Sache. Caudal haben mit “Forever in Another World” und “Ascension” zwei Alben veröffentlicht, die sich zwischen instrumentalem Space- und Post-Rock bewegen. Leicht bekömmliche experimentelle Instrumentalmusik, die von der Band selbst auch gerne als Trancepunk bezeichnet wird.

Caudal

Mit “Murk” ist jetzt eine 12inch EP erschienen, die die Band von einer weiteren Seite zeigt. “Murk” ist zwar immer noch smooth, aber düster zugleich. Salazar trägt hier ein faszinierend bedrohliches Schlagzeugspiel vor, das man auf den bisherigen Platten vermisst. Ein stoischer Basslauf von Sweeney begleitet den Track und Aidan Baker baut Gitarrenwände auf, die kurz davor sind, wie die von Nadja zu klingen.

Die B-Seite trägt den Titel “Krum” und ist sozusagen das Spiegelbild der Ersten. “Krum” ist “Murk”, aber mit dem großen Unterschied, dass Aidan Bakers Gitarrenwände zu Beginn schon da sind und im Verlauf des Tracks immer weiter abgebaut werden. Also das genaue Gegenteil zur erstgehörten Seite. Geniale Atmosphäre, denn der Hörer bekommt eine 30minütige Klimaxpyramide zu hören. Fast 15 Minuten Auftürmen und dann wieder knapp 15 Minuten Abbauen, bis der letzte ruhige Ton ins finale Kratzen der Vinylseite übergeht.

Wer auf Nadja oder die “düsteren” Aidan Baker Soloplatten steht, der sollte sich eine der wenigen (125 Stück) “Murk” Platten zulegen, die bei Midira Records erschienen sind. Das Vinyl kommt in einem intensiven Braunton, leicht transparent mit kleinen Farb-Äderchen, die erst gegen das Licht gehalten sichtbar werden. Sehr cool.

Hier geht es zum Midira Shop.

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TECUMSEH – SEVEN

Posted in Release on May 6th, 2015 by D.K.

Wow! Ich dachte schon sowas gibt es nicht mehr. Vor ein paar Jahren hatte ich dieses Gefühl beim ersten Hören von „Orthodoxe Caveman“ von Sunn o))) und bei „Ouroboros Is Broken“ von Earth. Jetzt fühlt es sich wieder so an: Beim Hören von „Seven“.

„Seven“ ist das neue Album der Nordamerikaner von Tecumseh. Ein Trio, das auf minimalistische Drones setzt, die gleichzeitig massiv und fragil sind. Die fünf Stücke der Platte schweben förmlich dank einem gezielten Einsatz von E-Bow Flächen, so dass man sich als Hörer so fühlt wie im Moment eines Traums in dem man denkt zu fallen und dann aufwacht. Die Band erfindet nichts neu, kombiniert aber stilistische Elemente aus Drone und Ambient und schafft so dieses dünne Netz aus Sounds, das trotzdem alles aufhält was sich darin verfängt. Ich als Hörer bin schon im Netz gelandet und kann mich nicht mehr befreien. Ein absolutes Highlight.

Die Aufnahmen zum Album sind in den letzten Jahren entstanden. Niemand geringeres als Mell Dettmer (auch beteiligt an Platten, der zu Beginn genannten Bands) hat die Songs aufgenommen. Das Mastering wurde in die Hände von James Plotkin gegeben, der einen sehr cleanen warmen Sound festgehalten hat, der auf CD sehr gut rüberkommt.

„Seven“ ist via Midira Records erschienen.

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[ B O L T ] – (03)

Posted in Release on May 6th, 2015 by D.K.

[ B O L T ] haben ihr drittes Album fertiggestellt. Wer die Band kennt, der weiß, dass das Duo seit jeher an einer Nummern+Klammer-Systematik festhält, die beschreibt um welches Lied und um welches Album es sich handelt. Also jetzt „(03)“.

Das Hauptinstrumentarium der Band sind weiterhin zwei Bässe. Aber diese beiden Bässe sind in den letzten Jahren etwas umhergezogen und haben sich in der experimentellen Musikszene Freunde gemacht. So gab es neben einer Split mit Petrels (Denovali Records) ein Kollaborationsalbum mit N, das bei Midira Records erschienen ist und in kürzestzer Zeit ausverkauft war. Teil zwei folgt dieses Jahr. Mit Ninemiles ist dann noch ein Soloprojekt entstanden, das sich auf elektronische Sounds konzentriert.

All das hat dazu geführt, dass [ B O L T ] sich weiterentwickelt haben. So dass auf Platte Nummer 3 (mit runder Klammer) 7 Tracks [mit eckiger Klammer] gelandet sind, die eine Band in Höchstform zeigen. Neben Gastauftritten anderer Musiker konzentrieren sich die beiden Ruhrpottdroner darauf ein Geflecht aus Noise, Drone, Doom, Black Metal, Ambient und Noise zu schaffen, ohne einem dieser Stile den Vorrang zu lassen. Wer auf schwerfällige Saitensounds steht, der ist hier genau richtig. Wer auf komplexe aber eingängige Soundlandschaften steht, der ist hier ebenso genau richtig.

Das recht minimalistische Artwork mit mattem schwarzen Cover und einem Hochglanz [ B O L T ] Logo mit Waldblick reicht gerade eben aus um mit dem mitzuhalten, was die Nadel aus den Rillen erklingen lässt. Hierfür wurde übrigens James Plotkin verpflichtet, der dem trockenen schwerfälligem Sound der beiden Bässe das passende Mastering verpasst hat.

Übrigens ist „(03)“ das erste Album von [ B O L T ], das auch auf CD erhältlich ist. Hier sogar mit Bonustrack, der beim Vinylexemplar als Download beiliegt.

Aentitainment Records lädt zum Einkauf ein.

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TAKAAKIRA ‘TAKA’ GOTO AUF SOLOWEGEN

Posted in Release on May 6th, 2015 by D.K.

Takaakira “Taka” Goto ist der Lead-Gitarrist der japanischen Post-Rock-Band Mono, die in den letzten Jahren einen Kultstatus in der Szene erreicht hat und sich erst letztens mit einem Doppelalbum zurückgemeldet hat, das endlich wieder alte Stärken der Band aufgreift und die orchestrale Überproduktion der letzten Alben bei Seite legt.

„Classical Punk & Echoes Under the Beauty“ ist das erste Soloalbum des Gitarristen, das er bereits 2003 geschrieben und aufgenommen hatte. Erst jetzt 12 Jahre später fühlte es sich für den Japaner richtig an, die Songs in ihrer rauhen Struktur zu mastern und eine Veröffentlichung anzustreben.

Wer ein Inferno aus schnell angespielten Gitarrensaiten a la Mono erwartet, der muss leider enttäuscht werden. Dieses Album zeigt eher, wer in der Band wohl für den klassischen Touch zu verantworten ist. Die Platte ist eine Mischung aus rauher Elektronik, leichten Gitarreneinschüben und einer Prise Modern Classic Sounds. Ehrlich gesagt, merkt man der Platte ihr Alter an, was ihr nicht gut tut. Es ist kein Paukenschlagalbum, mehr eine Sammlung von Audioideen. Auch nach einigen Durchläufen werde ich nicht warm mit der Platte. Mag sein, dass ich ihr unrecht tue, aber derzeit werden wir keine Freunde.

Macht euch selbst ein Bild. Die Platte gibt es bei Pelagic Records.

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EVAN CAMINITI – MERIDIAN

Posted in Release on May 6th, 2015 by D.K.

Evan Caminiti hat sich selbst und seine Band Barn Owl in eine Art Kokon gepackt. Ausgehend von einer Dark Americana Drone Raupe ist in den letzten Jahren ein experimenteller droniger Synthieschmetterling entstanden, der immer weiter wächst.

„Meridian“ ist die Fortführung des Synthieschritts, den Evan Caminiti begonnen hat. Die letzten beiden Soloalben haben schon gezeigt, dass sich der Amerikaner aus San Francisco an den Reglern sehr wohlfühlt und seine Gitarre anscheinend nicht vermisst. Wir vermissen sie ehrlich gesagt schon, trotzdem ist „Meridian“ im Vergleich zu allen anderen Elektroscheiben der Barn Owl Familie sehr homogen und die neun Stücke haben eine magische Struktur, die den Hörer fesselt. Eine Paarung aus schrilleren Tönen und tiefen Bassläufen macht das Album zu einem Soundtrack für die bevorstehende Zerstörung San Franciscos, auf die Wissenschaftler seit Jahren warten.

Die Aufnahmen sind in den letzten beiden Jahren in San Francisco und New York entstanden und basieren auf Livestücken. Eine kleine Tour ist auch geplant, ob es nach Europa geht, steht noch nicht fest.

„Meridian“ erscheint bei Thrill Jockey Records.

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JAMES WELBURN – HOLD

Posted in Release on April 6th, 2015 by M F

Bedrohlich wälzt sich ein pulsierender, stoischer Basslauf durch Naught, dem ersten Stück von James Welburns erstem Soloalbum “Hold”. Immer neue Frequenzen kommen hinzu und bauen sich zu einer Welle auf, die sich aufstaut, wieder verebbt, und wieder anschwillt, um den Hörer vollkommen gefangen zu nehmen.

Welburn ist ein Londoner, der zwischen Berlin und Norwegen hin und her pendelt, so ähnlich, wie er sich auf Hold zwischen den Eckpfeilern von Drone und Noise bewegt. Sein druckvolles und hypnotisches Bassspiel prägt alle Stücke auf diesem Album, bei dem teilweise vom Schlagzeuger Tony Buck, in dessen Band ‚Transmit’ Welburn auch Bass spielt, unterstützt wird. Der minimale, doch pausenlos nach vorne drängende Vibe auf Hold entwickelt einen geradezu psychedelischen Klang. Welburn ist ein Handarbeiter mit Magie in seinen Fingern, der bereits bei zahllosen Bands und Projekten mitgemischt hat.

Auf dem wunderbaren, hierzulande zu wenig gewürdigtem Label Miasmah Records des norwegischen Allroundtalents Erik Skodvin, der auch für die grafische Gestaltung des Albums verantwortlich zeichnet, veröffentlicht, stellt Hold etwas vollkommen Neues dar: Drone-Musik, die zur Unruhe hin tendiert, zum nervösen Fußwippen. Musik aus einer Höhle, in der die Lava bedrohlich pulsiert.

“Hold” erscheint im Mai via Miasmah Records. Eine erste Hörprobe gibt es hier.

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MOVING NOISES II COMPILATION

Posted in MOVING NOISES FESTIVAL, ontheroad, Release on February 14th, 2015 by D.K.

Das zweite Moving Noises Festival steht in einer Wochen an. Als kleinen Appetithappen haben Midira Records die zweite Festival begleitende Compilation veröffentlicht. Genau wie bei der ersten Compilation haben alle Künstler des Festivals einen bisher unveröffentlichten Track oder eine neue Live Version eines bekannten Tracks beigesteuert.

Die Compilation gibt es auf Bandcamp zum Selbstentscheidenwievieleuchdaswertist-Preis.

Hier ist unser Track für Track Eindruck:

Dirk Serries – Microphonics XXVI Deconstruction Faith

Serries steuert einen neuen Track seiner Microphonics Reihe bei und überrascht hier mit einem sehr minimalistischen Track, der von einem Dronesynthieteppich getragen wird. Ein massiver Opener, der mehr als nur die Ohren freispült.

RM 74 – Let Go Of The Earth

Reto Mäders Soloprojekt ist im Vergleich zu Sum Of R und Ural Umbo sehr viel intimer. Dieser neue Track, begleitet von einer Pianistin, ist ein Beispiel für die intime und fragile Atmosphäre der RM 74 Welt. Laut oder leise gehört, ein absolutes Gänsehauterlebnis.

Piiptsjilling – Rein

Langsam sich steigernde Ambientflächen eröffnen den Track. Im Moment, in dem man sich komplett auf den Sound eingelassen hat, kommen die friesischen Vocals hinzu. Gruselig und zutraulich zugleich.

Mohammad – Vildblomma (Live)

Die drei Athener wissen was es heißt, Basssounds zu erzeugen. Man spürt, wie die Cellobögen über die Saiten gleiten und zerstörerisch durch die Lautsprecher auf einen zurollen. Weder Klassik, noch Drone, aber doch irgendwie. Einfach genial.

Silver Graves – Urquell

Die zwei Berliner fallen etwas aus dem Rahmen und überraschen mit einer Noisefläche, durch die eine Surfrockgitarre versucht, sich ihren Weg zu bahnen. Zunächst denkt man, es passe nicht zusammen, doch nach einigen Hörmomenten spielt sich alles ein und man möchte mehr hören.

Tape Measure Kid – Fissure (Live)

Jim Campbell und N sind ein ungleiches Paar. N mag seine noisige Gitarre, Jim seine blinkenden Regler. Keine Ahnung wie die beiden zusammengefunden haben, aber was die beiden zusammenschmelzen lassen ist eine perfekte Noisewand aus Elektronik und Gitarrensounds. Zurecht hat das Rock-A-Rolla Magazin den Vergleich mit Herrn Tim Hecker gezogen.

Nadja – Icelight (Live)

“Icelight” stammt von der gemeinsamen Platte mit Vampilla. Hier in der aktuellsten „Nadja Alleine Live Version“, aufgenommen im Dezember 2014. Ein episches Doomstück, das in 22 Minuten alles niederdröhnt, was sich ihm in den Weg stellt.

Machinefabriek – Op

Den Abschluss macht das wunderschön introvertierte “Op”. Einfach laufen lassen, Augen schließen, auf sich wirken lassen. Ein Muss für jeden Rutger Zuydervelt Fan. Ein Muss für jeden, der minimalistische Musik schätzt.

Übrigens gibt es im Midira Shop noch Restbestände der ersten Moving Noises Compilation, die auf CD bei Midira Records erschienen ist. Unter anderem mit Tracks von Aidan Baker, Svarte Greiner, Fabio Orsi, N, Duane Pitre und thisquietarmy.

Sichert euch die günstigen Vorverkaufstickets für das nächste Moving Noises Festival am 21. Februar 2015. Es lohnt sich.

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OLD MAN GLOOM STIFTEN UNRUHE

Posted in Release on December 14th, 2014 by D.K.

Ja, das tun die Herrschaften. Old Man Gloom und ihr “The Ape Of God” Album sind in aller Munde und selbst die großen Magazine listen diese Veröffentlichung ganz hoch.

Schön zu sehen, dass die alten Promotionstricks in dieser modernen schnelllebigen Promowelt immer noch funktionieren. Denn die Band hat dieses Album gleich in mehrfacher Ausführung auf die Menschheit losgelassen. Promoversion nicht gleich Albumversion nicht gleich Albumversion. Schön irritierend.

Abgesehen vom Affengetrubel um diese Promoaktion, haben Old Man Gloom mal wieder Songs geschrieben, die sich vieler Stile bedienen. Noise, Ambient, Sludge, Doom, Punk und weiß Affengott was noch, sind hier vermengt zu einem Album (ehm… zu zwei Alben) das sich hören lassen kann.

Natürlich macht die eine Version ohne die Andere keinen Sinn. Version 1 (8 Tracks) konzentriert sich mehr auf die kürzeren Stücke, Version 2 (4 Tracks) glänzt vor allem wegen dem epischen “Arrows To Our Hearts”. Mehr Worte bedarf es zu dieser Platte nicht. Hört sie euch einfach an und entscheidet selbst.

Profound Lore und Sige Records haben sich für diese Veröffentlichung zusammengetan. Wer das Artwork von Aaron Turner richtig wirken lassen möchte, muss sich unbedingt die Vinylversion zulegen.

 

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GÜNTER SCHICKERT & PHAROAH CROMIUM – OXTLR

Posted in Release on December 14th, 2014 by M F

Günter Schickert ist einer von diesen Außenseitern der deutschen Musik, der immer sein Ding gemacht hat, doch erst jetzt, mit 65 Jahren, langsam wahrgenommen wird. Als Gitarrist nahm er zu Beginn der siebziger Jahre seine Stücke mit zwei Tonbandgeräten in seinem Schlafzimmer auf und veröffentlichte damals zwei Alben. Eine Band, in der er damals spielte, zerbrach, bevor sie ins Studio gehen konnten. Schließlich führten seine immensen Erfahrungen, die er mit der Aufnahme seiner eigenen Musik gemacht hatte, zu einer Existenz als viel gefragter Tonmensch und Produzent, der mehr im Verborgenen arbeitete.

Doch in den vergangenen Jahren werden seine alten Platten wieder veröffentlicht und er gerät mehr und mehr ins Rampenlicht. Schickert sagt selber, er schaue nicht zurück, sondern will Neues machen, Neues erkunden. So auch mit OXTLR, ein CD-Doppelalbum, das er allein unter der Mitwirkung von Pharoah Chromium eingespielt hat.

Seine gewaltige Erfahrung als Klangtüftler an der Gitarre ist diesem Album anzumerken. Doch sind die minimalistischen Gitarrenfiguren, über die er in den siebziger Jahren improvisierte, verschwunden, und verschachtelte Walls-of-Noises stehen im Vordergrund. Trotzdem, hier wird nicht gefriemelt bis die Finger bluten, sondern improvisiert, sich selber zugehört, verändert, und ergänzt, reduziert, bis ein zarter Glanz zum Vorschein kommt. Das Brachiale liegt ihm nicht. Schickert ist Klangbastler, dem es auf Fassetten ankommt in den dichten Strukturen, die er mit seiner elektrischen Gitarre aufbaut. Nicht selten klingt OXTLR wie Hubschraubergeräusche, die von weit her übers Meer heran wehen und die Weite des Meeres noch weiter erscheinen lässt.

Das Album ist bei Grautag Records erschienen.

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JAKOB – SINES

Posted in Release on November 9th, 2014 by D.K.

Jetzt hat es fast ein Jahrzehnt gedauert bis die drei Neuseeländer von Jakob ihr neues Album veröffentlicht haben. Aber es gibt Bands, da lohnt sich das Warten, so auch hier. “Sines” nennt sich das neue Schmuckstück.

Jakob erfinden das Rad des instrumentalen emotionalen Rocks nicht neu und das ist ganz wichtig, denn der Versuch dies zu tun ist schon so mancher Postrockband zum Verhängnis geworden. Die Hauptrezeptur aus massiven Drumsounds, verzerrtem Bass und der typischen lautleise Gitarre mit Wahwahmomenten, haben Jakob beibehalten und setzen genau da an, wo sie vor acht Jahren aufgehört haben.

YouTube Preview Image

Überraschungen gibt es trotzdem, so wie bei “Emergent”, wo die Saiteninstrumente im Einklang mit Cellosounds in melancholischen Wellenbewegungen sowas wie einen Modern Classic Ambient Ohrwurm produzieren. Auch der introvertierte Titeltrack, der nicht aus sich kommen mag und deshalb so magisch bleibt, überrascht als Albumabschluss.

The Mylene Sheath haben “Sines” als CD und LP im Repertoire. Wer kein Hartformat mag, kann auch direkt auf der bandeigenen Bandcamp Seite das digitale Format seiner Wahl runterladen (was wir für alle Freunde anderer kommerzieller Downloadplattformen an dieser Stelle, mit einem Augenzwinkern, betonen wollen).

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MAMIFFER – STATU NASCENDI

Posted in Release on October 26th, 2014 by D.K.

Mamiffer melden sich mit “Statu Nascendi” (Geburtszustand) zurück und liefern den Nachfolger zum 2011er “Mare Decendrii”. Das Lineup der Platte besteht nur aus den beiden Hauptakteuren Faith Coloccia und Aaron Turner, produziert wurde das Ganze von Randall Dunn, der bereits die Regler für Earth und Sunn O))) im Studio drehen durfte.

Die minimalistische Bandbesetzung bestehend aus der Bandgründerin und ihrem Gatten zeichnet sich auch in der musikalischen Ausgestaltung der Platte aus. Wo vorher groß komponiert wurde und epochale Werke entstanden, scheint hier alles spontaner und improvisierter festgehalten zu sein. Allein das Artwork, das auch von Faith Coloccia stammt, unterscheidet sich stark von den bisherigen Motiven. Abstrakte Gemälde weichen für eine Fotografie.

Caelestis Partus

Eine warme Fläche von minimalistischen Sounds, begleitet  von Gitarre und Orgel, eröffnet den Song. Akzentuierte Percussion und der fragile Gesang von Coloccia vervollständigen den Opener. Nach fünf Minuten bleibt ein droniger Orgelsound und bereitet für die nächste Minute den Übergang zum kommenden Track.

Enantiodromia

Es geht weiter mit einem Duett aus dröhnender Orgel und verzerrter Gitarre, das in den ersten vier Minuten des viertelstündigen Tracks eine Basis legt, um dann fast zu verstummen, bevor auf ein Neues die Orgel lauter wird und die Gitarre mit massivem Hall massive Akzente setzt. Der Track ist umgeben von einer mystischen Aura, die sich auch in dem merkwürdigen Titel spiegelt, der soviel wie “Einzweiwege” heisst und eine Begrifflichkeit aus der griechischen Antike ist, die das Gegeneinanderwirken von Kräften umschreibt. Coloccias Vocals setzen ein und obwohl sie nicht viel singt, fällt es schwer zu verstehen was sie singt, was den Track noch mysteriöser wirken lässt. Turners Gitarre nimmt Fahrt auf und es kommt zu kleinen House Of Low Culture Momenten. Eine geladene Atmosphäre umgibt den Hörer. Gut und Böse. Laut und Leise. Enantiodromia halt.

Mercy

Da ist es endlich, wird wohl der Fan von Klavier getragenen Mamifferstücken denken, denn “Mercy” beginnt mit einer Klaviermelodie, die im Hintergrund von maltretierten Gitarrensaiten gestört wird, bis diese auch verstummen und ein intimer Moment entsteht, als nur das Klavier und die äußerst emotional hoch gesungenen Vocals von Coloccia bleiben. Dann setzt die Gitarre wieder ein. Verzerrt und raumeinnehmend.

Flower Of The Field

Der Abschlusstrack erinnert vom Gitarrenspiel stark an Jodis. Hier stampft die verzerrte Gitarre hallend durch den Track. Der eingängige Gesang gibt dem Titel eine Wiedererkennungsnote und macht ihn schon nach dem Ersthören zu einem Ohrwurm. Fliessend, stampfend, rhythmisch, melodisch, rauh, weich… Sehr gelungener Abschluss.

“Statu Nascendi” erscheint im November auf Vinyl via Sige Records und auf CD via Daymare Recordings.

Und ein Video gibt es auch schon:

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A NEW WAVE OF JAZZ

Posted in Label, Release on August 3rd, 2014 by D.K.

A New Wave Of Jazz, so nennt sich das nun zweite Unterlabel von Tonefloat, das unter der künstlerischen Leitung von Dirk Serries geführt wird. Abgesehen von der Frage, ob man noch ein Unterlabel benötigt, klingt das Ganze doch sehr interessant. Dirk Serries als Dronevater mit Hang zum Blues begibt sich in die Hände des Jazz.

New Wave Of Jazz ist mit zwei Veröffentlichungen gestartet. Auf der einen Seite Yodok III, auf der anderen Seite The Void Of Expansion, zwei 12inch Alben in exakt der gleichen Aufmachung. Grauer, matter Karton mit eingestanztem Labeldruck, ein schwarzer Aufkleber, der den Griff zur Platte versperrt und angerissen werden muss. Die Platte schwarz mit weißen Labels und Schreibmaschinendruck. Das soweit die Gemeinsamkeit der physischen Produkte. Auch das hörbare Produkt weist Gemeinsamkeiten auf, denn auf beiden Platten sind Dirk Serries und Tomas Järmyr vertreten.

Yodok III landet als erstes auf dem Plattenteller. Als Fortführung der beiden ersten Yodok Platten, werden hier Tomas Järmyr an den Drums und Kristoffer Lo an der Tuba durch Dirk Serries unterstützt, der die Einladung der beiden Künstler nicht ausschlagen konnte, ein gemeinsames Album aufzunehmen und gemeinsame Shows zu spielen. Die Platte beginnt überraschend Dirk Serries-lastig. Die Gitarre baut eine filigrane Wand aus Drones auf, so wie man es von Microphonics oder Fear Falls Burning gewohnt ist. Die Drums gesellen sich ebenfalls filigran dazu und erst nach 11 Minuten kann man die Tuba wahrnehmen. Dann geht alles sehr schnell, was das Zusammenspiel angeht. Die drei Instrumente winden sich, verwirbeln sich, gelegentliche Aufschreie einzelner Instrumente sind zu vernehmen, alles auf dem Weg zu einem Höhepunkt, der sich anmeldet, der der Spannung den Vortritt lässt, ein Höhepunkt, der schüchtern ist, ein Höhepunkt, der nie kommen wird, weil der Song nach 23 Minuten verstummt, ein Höhepunkt, der nie da war und trotzdem stattfindet.

The Void Of Expansion ist aus der Yodok III Vereinigung entstanden. Kein Nebenprodukt, sondern mehr eine logische Mutation. Gitarre und Drums mit einem Ziel, das wohl beiden Musikern bei Einspielung des Albums nicht bekannt war. Dort wo Yodok III musikalisch aufeinander zugehen, gehen hier die beiden Instrumente scheinbar ein Battle ein. Serries treibt aus seiner Gitarre die noisigsten Drones seiner Karriere hervor und Järmyr steht dem Ganzen in keinster Weise nach und trommelt scheinbar um sein Leben. Dass man hier automatisch an den haarigen lauten Typen aus der Puppensendung denken muss, ist vorprogrammiert.

 

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TARA JANE O`NEIL

Posted in Release on August 3rd, 2014 by M F

Von ihren wilden, teils lärmigen Anfängen in Bands wie Rodan, Retsin und Sonora Pine hat sich Tara Jane O’Neil mittlerweile recht weit entfernt. Zwar hat sie keine Angst, ihre elektrische Gitarre auch mal in die Dissonanz driften zu lassen, doch widmet sie sich auf ihren eigenen Alben vor allem einer Erkundung der Stille. Als Songschreiberin arbeitet O’Neil gerne mit Lücken und Auslassungen, die sie melodisch zu feinen Gewebeskizzen verspinnt.

Nun also “Where Shine New Lights”. Auf ihren bisherigen Home-Recordings neigte die Multi-Instrumentalistin eher zu schwelgerischen Arrangements. Neuerdings arbeitet sie eher sparsam, beinahe karg, und vermeidet Überlängen. Gesang und Gitarre dominieren, doch im engen Zusammenspiel mit Geigen, Vibraphon, Perkussion oder elektrischem Klavier. Gerade die mehrfach übereinander gesungenen Gesangsspuren fallen auf. Nun hat TJO, wie sie sich selber gerne nennt, keine aufregende Gesangsstimme, doch kennt sie ihre Schwächen und weiß, durch Beifügung und Weglassung Atmosphäre entstehen zu lassen. Als ganzes wirkt dieses Album wie eine Reihe von Schattenzeichnungen von Bäumen in Wind.

“Where Shine New Lights” ist über Kranky erschienen.

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O (KREIS) UND DIE VERSTEINERTEN PFLANZEN

Posted in Release on June 10th, 2014 by D.K.

O haben nach einem sehr überzeugendem Demo vor einiger Zeit ihr Debüt “Black See Of Trees” veröffentlicht, das sich sehr an gängigen Post Rock Schemata orientiert hat. Jetzt steht der Nachfolger “When Plants Turn Into Stones” in den Plattenregalen und ist ganz anders als erwartet.

Der Opener “Entstanden im Schatten wie Wasser” ist ein sehr minimalistisches Stück. Mehr Ambient als alles andere was man bisher von O kannte. Es geht zurückgenommen weiter, im zweiten Stück kommen mehr greifbare Sounds hinzu, leider auch ein O-Ton von einem ständig schwatzenden Kind (muss man mögen, ich mag es nicht). “Lack Of Interest In Things They Used To Do” an dritter Stelle, ist der erste Song, der auch nach Band klingt, aber auch hier hält sich die Band diszipliniert zurück. Auch in “When Plants Turn Into Stones” und “Sometimes I Forget To Breathe” spielt die Band introvertiert und akzentuiert. Stilistisch entfernen sich O vom Post Rock, hin zu soundtrackähnlichen Kompositionen. “I Offer My Hands To The Shades” als Abschluss ist monumentaler und präsenter als alle anderen Tracks des Albums, bleibt aber dem Stil der Platte treu und nimmt sich genau an den Stellen zurück, an denen man einen noisigen Ausbruch erwarten würde.

Ein Album auf dem ein riesiges Aufgebot an Intstrumenten verwendet wird, das so minimalistisch klingt wie auf “When Plants Turn Into Stones”, ist ein Pflichtkauf für jeden der sich gerne Zeit nimmt fürs Musikhören.

Einkaufen könnt ihr bei Golden Antenna Records.

O live erleben ist übrigens auch eine feine Sache. Termin findet ihr hier…

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