DIE FLAMME VON ERIK K SKODVIN

Posted in Release on June 9th, 2014 by D.K.

Erik K Sodvikn, eine Hälfte von Deaf Center und sonst Solo als Svarte Greiner unterwegs, lässt zum zweiten Mal alle Hüllen fallen und liefert nach “Flare”, dem ersten Album unter seinem echten Namen, jetzt den Nachfolger “Flame”.

Natürlich hat sich wie beim ersten Album das kleine Berliner Label Sonic Pieces dieser Veröffentlichung angenommen und der Musik ein passendes Drumherum verpasst. Kommen wir aber zunächst zum Hörbaren.

“Flame” vereint neun Stücke des Norwegers, die den Musiker von einer neuen Seite zeigen (oder gleich mehreren neuen Seiten). “Shining, Burning” lässt ein Klavier erklingen. Ein Klatsch-Takt kommt aus dem Hintergrund, Gitarrenfeedbacks bauen einen Soundnebel auf, Drumakzente kommen hinzu. So viele Instrumente hat man wohl noch nie gehört bei Herrn Skodvin. Und hat man sich eingegrooved entschwindet der Track auch wieder. “Moving Mistake” klingt nicht nur vom Titel negativ, sondern zieht die Stimmung auch direkt runter, wenn die lauten Drums einem entgegenpumpen und Saiteninstrumente im Hintergrund düstere Flächen aufbereiten. “Reflecting” mit seinem Klavierklimpern und den Streichersounds ist ähnlich düster, aber auch sehr offen zugleich. Bei “Flames” steht die Gitarre im Vordergrund. Ausnahmsweise mal nicht mit Effektgeräten und Werkzeugen bearbeitet. Eine Minute später wabert schon der nächste Track “Red Box Curves” durch die Boxen. Was hier alles wellenartig durch die Boxen gejagt wird ist eigentlich egal, es klingt betörend schön. Ein experimentelles rhythmisches Klangfest. “Corrin Den” wartet mit den Klarinettenklängen von Gareth Davies auf. Field Recordings im Hintergrund, wunderschön verstimmte Gitarrensaiten, bassige Drones, Drums. “Black & Bronze” nimmt sich Zeit und baut Spannung auf, bis nach einer Minute ein Klangteppich aus Klarinette und Drones aufgebaut ist, der von massiven aber minimalistischen Drums geleitet wird. “Cypress Reverb” klingt wie ein Orchester, das nach neuen Grenzen sucht. Der Song verdichtet sich immer weiter, wird lauter, lässt dann wieder los und nach drei Minuten setzt ein seicht hämmernder Percussionsound ein. Monumental. “Drowning, Whistling” schließt das Album mit einem gleitenden Drone ab.

Ein sehr offenes und direktes Album, das nicht nur wegen dem Einsatz verschiedener Instrumente überrascht, sondern auch viele Stile vereint, die man hier nicht erwartet hätte. Das Mastering von Nils Frahm ist hier sehr direkt, so dass man als Hörer mittendrin ist.

“Flame” erscheint auf Sonic Pieces als CD in zwei verschiedenen Versionen und als Doppel Vinyl inklusive dem Erstwerk “Flare”. Die 350 Vinylexemplare sind bereits ausverkauft. Wer ein Exemplar haben möchte, sollte sich also schnell auf die Suche machen und alle bekannten Mailorder und Shops durchsuchen.

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SHIVERS

Posted in Release on June 9th, 2014 by D.K.

Shivers nennt sich die neue Experimentalsupergruppe, die aus Gareth Davis an der Bassklarinette, Leo Fabriek an den Drums und Rutger Zuydervelt an der Elektronik besteht.

Das selbstbetitelte Debüt, das nach einem Meilenstein von David Cronenberg benannt wurde, ist eine intensive Reise durch die düsteren Welten des Unterbewusstseins, nicht nur weil Cronenberg als Inspiration diente.

“Ash” beginnt wie ein harmloser Jazzsong, um dann binnen Sekunden sein wahres Ich zu zeigen. Ein Ungetüm aus ausbrechenden Sounds und vertrackten Drums. Die Klarinette dient hier als Basis für ein elektronisches Verfremdungsfeuerwerk ohne Gleichen. Wie ein Ungetüm, das in Fesseln liegt und immer wieder versucht auszubrechen und dabei die Wärter verletzt. “Otomo” greift diese Atmosphäre auf, ist aber in sich eher jazzig als noisig. “Rabid” fängt mit einem Noisegewitter an, um sich dann in einen sehr coolen Balkan-Groover zu verwandeln. Das kurze “Brood” überrascht mit seinen klaren Synthiedrones. “Spacek” nimmt die Synthiethematik auf und baut sich langsam zu einem Tribaltrack auf. Der einzige Song, bei dem die Gedanken auch mal schwinden können. “Replicant” vereint das, was die vorherigen Tracks gezeigt haben: Noise, Jazz, Powerelectronics und Synthiesounds mit einer dicken Prise europäischer Folklore.

Ein absolut biestiges und kreatives Muss-Album, das Nils Frahm in Berlin mastern durfte. Erscheint passenderweise auf Miasmah Records und gesellt sich dort in eine Diskografie ein, die nur so vor experimenteller Energie trotzt.

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HER NAME IS CALLA NAVIGIEREN

Posted in Release on April 27th, 2014 by D.K.

Her Name Is Calla haben endlich ein neues Album im Gepäck. Nachdem 2010 “The Quiet Lamb” via Denovali veröffentlicht und hoch gelobt wurde, wurde es in letzter Zeit sehr still um die Band. Einzig Sänger Tom Morris gab einige musikalische Lebenszeichen mit seinen Soloplatten. Nun steht “Navigator” ab dem 5. Mai in den Plattenregalen.

Die Band hat sich nicht nur besetzungstechnisch verändert, sondern präsentiert sich auf “Navigator” vielseitig melancholisch und sehr viel ruhiger als bisher. Das neue Album entfernt sich stilistisch von den Vorgängerveröffentlichungen, was die energetischen Momente im Sound der Band angeht. Das ist schade für diejenigen, die genau diese Energieausbrüche mochten.

“I was on the Back of a Nightingale” eröffent das Album folkig, dann folgt der Bruch mit dem Synthiesound-Track “The Roots Run Deep”. Die Songs erinnern stark an die Soloveröffentlichungen von Morris, auch schon wegen der minimalen Instrumentierung. Erst bei “Ragman Roll” kommt ein Bandgefühl rüber. Der Titeltrack “Navigator” ist der erste Track der Platte, der richtig packt und zum aufmerksamen Zuhören mahnt. Das folgende “Burial” überzeugt durch seine empathischen Vocals. “It Was Flood” ist ein sehr schön ruhig treibender Track, der mit seinem instrumentalen zweiten Part durch die Hörgänge fliesst. Das epische “Dreamlands” beginnt als Akustiktrack, verwandelt sich nach drei Minuten in einen Drone-Track, um sich dann nochmal in einen choralen Track zu verwandeln, der in einer Noisewolke verstummt, um dann wieder ein Akustiktrack zu werden. Schade, dass danach noch ein weiterer Track kommt und hier nicht schon das Finale zelebriert wird.

“Navigator” ist ein melancholisches Winteralbum, das seine Wirkung jetzt kurz vor dem echten Sommer nicht richtig entfalten kann. Man muss sich mit der Platte intensiv befassen, beiläufiges Hören geht nicht, gut drauf sein geht auch nicht…

“Navigator” gibt es via Function Records als CD / LP und als Bonus gibt es noch eine digitale Remix EP dazu, wenn man sich für die Preorder entscheidet.

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WIEDERGEBURTEN

Posted in Release on March 29th, 2014 by D.K.

thisquietarmy war in letzter Zeit sehr fleissig, was das Veröffentlichen und Touren angeht. Eine Nebenerscheinung dieser scheinbaren Überarbeitung ist “Rebirths”, das neue Album des kanadischen Ein-Mann-Drone-Monsters.

rebirths cd

Über die letzten Jahre hat Eric Quach alias thisquietarmy einige Songs geschrieben, die einen sehr starken Wiedererkennungswert haben, Ohrwürmer sozusagen. Das geht nämlich bei experimenteller Musik. Live kommen diese Tracks natürlich auch sehr gut an und wurden daher das ein oder andere Mal gespielt. Resultat ist, dass sich diese Tracks durch das wiederholte Livespiel verändert haben. Anlass genug für Quach, sich ins Heimstudio zu setzen und die Songs in den neuen Versionen nochmal neu einzuspielen.

Aphorismes MMXIV
Ursprünglich auf der Split/Kollaborationsplatte mit Year Of No Light via Consouling Sounds erschienen, nimmt sich thisquietarmy in dieser Version Zeit für das Wesentliche. Auf über 13 Minuten breitet sich eine Dronemelodie aus, die von Drummachine und noisigen Gitarren untermalt wird. Gleichwertig gut, wie das Original. Und überhaupt einer der hervorstechendsten Tracks des Künstlers.

The Pacific Theater MMXIV
Im Original auf “Vessels” via Aurora Borealis erschienen. In der neuen Version noisiger mit großem Fokus auf die Wirkung der wuchtigen Drumsounds. Noisig und rockig zugleich. Hier mag man sich nicht entscheiden, welche Version besser gefallen möchte.

Revival MMXIV
Auf “Resurgence” via Denovali Records schon eine Besonderheit, weil hier ein Basslauf samt fetzigen Drums den Song in eine Art New-Wave-Drone verwandelt. Auch in der neuen Version darf dieses markante Merkmal nicht fehlen. Der Song fällt einfach generell aus dem Rahmen, so auch hier.

The Black Sea MMXIV
Ebenfalls aus dem Vessels Repertoire und ähnlich hervorstechend wie der Opener dieses Albums, zelebriert thisquietarmy auf “The Black Sea” seine Noise-Drone-Landschaften auf über 13 Minuten und unterstreicht, dass er zu den wichtigsten Künstlern dieses Genres gehört. Die neue Version ist eindeutig rauher und ungehaltener. Ein Fest.

Stealth Drone I (Bonus Track)
Auf der japanischen CD Version des Albums via Tokyo Jupiter Records gibt es noch den obligatorischen Bonustrack. Keine Neuaufnahme,  dafür aber sehr passend als Abschluss des Albums, denn hier hat der Hörer Zeit wieder runterzukommen. Es brummt, vibriert, gleitet in den Ohren, einfach nur schön dronig.

“Rebirths” gibt es auf CD via Tokyo Jupiter Records und auf LP via thisquietarmy Records.

Natürlich ist thisquietarmy wieder auf Tour und hat die LP dabei. Hier findet ihr alle Informationen…

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KERRETTA AUF 7INCH

Posted in Release on March 29th, 2014 by D.K.

Die Frickel-Rocker aus Neuseeland melden sich zurück. Kerretta kündigen ihr neues Album mit der Vorabsingle “His Streets of Honey, Her Mouth of Gold” an, die via Golden Antenna Records erscheint.

Der Titeltrack lebt von den verspielten Gitarreneffektfrickeleien, die mittlerweile zum Wiedererkennungsmerkmal für Kerretta geworden sind. Der Track hat nur ein Ziel: Geradeaus, vorantreiben, rocken…

Die B-Seite “Denizen” gibt den Drums und dem voluminös klingenden Bass mehr Raum, treibt ähnlich voran und stellt mal wieder unter Beweis, dass Rock aus Neuseeland einfach anders ist, einfach besser.

Und während wir alle sehnsüchtig auf das neue Album der Landsmänner von Jakob warten, lohnt sich die Anschaffung dieser feinen 7inch allemal, denn Kerretta sind mindestens genau so beeindruckend.

Ach ja, Kerretta sind auf Tour. Auf keinen Fall verpassen:

12.04. Karlsruhe (GER), Dude Festival @ Jubez
13.04. Freiburg (GER), KTS
14.04. Detmold (GER), Alte Pauline
15.04. Bochum (GER), Trompete
16.04. Zwolle (NL), Eureka
17.04. Köln (GER), AZ
18.04. Berlin (GER), Scherer 8
19.04. Hannover (GER), Stumpf
20.04. Zottegem (B), Dunk! Festival
22.04. Brussels (B), DNA
23.04. Aarau (CH), Kiff
24.04. Chemnitz (GER), AC 17
26.04. Mainz (GER), Haus Mainusch

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ERIC THIELEMANS

Posted in Release on March 9th, 2014 by D.K.

Miasmah Records. Düstere Sounds. Einblicke in die dunklen Seelen von Musikern. Halt! Jetzt kommt “Sprang”, das neue Album des belgischen Percussionisten Eric Thielemans und alles ist anders?

“Sprang” ist in der Diskografie des Labels wie ein Funke, ein Schimmern, ein kleines Lächeln, denn hier geht es vor allem um Spass am Trommeln. Trommeln auf Allem was die Percussion- und Drumwelt so hergibt. Klimpern, stossen, schlagen, streichen, reiben… All das – und nicht mehr – ist dabei und macht dieses Album zu etwas Besonderem, weil eben die typischen Instrumente fehlen, beziehungsweise klanglich ersetzt werden. Die Platte wird von Minute zu Minute experimenteller und undurchsichtiger und lässt dann doch durchschimmern, warum sie es in den Miasmah Kosmos geschafft hat.

Thielemans ist übrigens kein Neuzugang in der Miasmah Familie, denn er hat bereits die Drums für das Debüt Album von Kreng beigesteuert.

“Sprang” erscheint im April.

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BROKEN.HEART.COLLECTOR

Posted in Release on March 9th, 2014 by M F

Bassklarinette in einer Rockband, das hört man nicht alle Tage, und dazu noch in einer Rockband aus Wien! Broken.Heart.Collector heißen sie, und sie verbinden Rock mit Jazz, ohne deshalb übertrieben fingerfertigen Fusion-Rock zu machen. Ganz im Gegenteil, ihre morbid wirkende, monothematische Rockmusik widmet sich eher einer Entdeckung der Langsamkeit und kann einen Hang zum Pop haben, ist aber vom Grundgefühl her eher Noise und Jazz, der immer wieder von flächigen Improvisationen unterbrochen wird.

broken.heart.collector

Ergänzend muss noch hinzugeführt werden, dass die australische Videokünstlerin Billy Roisz, die mit ihren abstrakt-graphischen, doch sehr unruhigen Farbfilmen eher zum minimalen Techno hin tendiert, ein Stück von Broken.Heart.Collector als Filmmusik für einen ihrer Filme benutzt hat. Diese Wahl scheint wirklich ungewöhnlich, doch ist umso treffender, wenn man das Debüt von Broken.Heart.Collector als ganzes durchhört. Die Wiener vermengen einerseits epische Melodiebögen mit nervösem, rhythmischen Gepoltere, andererseits auch Bass-getriebene geradlinige Songs mit Pop-Appeal, die in flächige, nach innen treibende, schwebende  Klangimprovisationen abbrechen. So passt ihr Sound ganz gut zur Bilderwelt von Billy Roisz, deren Arbeiten sehr häufig auf Grund von improvisatorischen Strategien entstehen.

Broken.Heart.Collector haben weder Angst vor Melodien, noch vor Nicht-Melodien. Sie sind eine Band, die Zwischenräume erforscht und vielschichtige Brücken zwischen Rock, Jazz und freier Improvisation baut. Vom Temperament her ist dieses Quintett eher kratzig, weiß allerdings, genaue Akzente zu setzen und Stolperfallen zu umgehen. Da bleiben kaum Wünsche offen. Well done!

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PLURALS UND DAS BIENENGEDRÖHNE

Posted in Release on March 9th, 2014 by D.K.

Die britischen Plurals haben im letzten Jahr ihren Bekanntheitsgrad erhöht, nachdem sie mit Aidan Baker zusammen eine Latitudes Session eingespielt haben. Jetzt folgt mit “Bugenès Melissae” ihr neues Album, das über Oaken Palace Records erschienen ist. Wer mit dem Label noch nicht vertraut sein sollte, kann hier was zu den Beweggründen nachlesen…

“Bugenès Melissae” ist Bienen und Hummeln gewidmet und alle Gewinne aus dem Verkauf gehen an die Organisation Bumblebee Conservation Trust. Das Album kommt in einer Auflage von 500 knallorangen 12inch Platten und beinhaltet zwei epische Tracks, die die Band von verschiedenen Seiten zeigen. Experimentell, krautrockig, dronig, spacig, rockig… Im Prinzip machen Plurals das, was am meisten Spass macht: Ins Studio gehen, spielen und gucken was daraus wird. Das Ergebnis sind zwei epische, warme und optimistische Aufnahmen, die auch gerne mal sinnbildlich für einen ereignisreichen Arbeitstag einer Biene oder Hummel verstanden werden können.

Die ersten 100 Exemplare kommen mit einem Paket extra bienenfreundlichen Oaken Palace Blumensamen. Einkaufen könnt ihr hier…

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THE GREAT SAUNITES & ATTILIO NOVELLINO

Posted in Release on March 2nd, 2014 by D.K.

The Great Saunites und Attilio Novellino haben wir euch vor einiger Zeit vorgestellt. Jetzt haben sich die beiden italienischen Acts zusammengetan und eine gemeinsame 12inch veröffentlicht.

“Radicalisme Mècanique” nennt sich das 12minütige Ergebnis. Ein sich auftürmendes experimentelles Stück, mit trockenen Drums, brodelndem Bass, umgeben von einer Soundwolke, aus der immer wieder neue Klänge hervorschauen. Das Ganze gemastert von James Plotkin. Mehr nicht. Mehr braucht es auch nicht.

Die Platte ist auf gelbem Vinyl mit schwarzem Siebdruck als Co-Release der beiden italienischen Label Manza Nera und Discreet Records erhältlich. Sucht euch ein Label aus und schafft euch diese Platte an.

Mehr zu The Great Saunites…
Mehr zu Attilio Novellino…

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THISQUIETARMY & SYNDROME

Posted in Release on February 16th, 2014 by D.K.

Manchmal denkt man sich aus, wie es klingen würde, wenn zwei geschätzte Solokünstler sich zusammentun würden. In diesem Fall hat sich der Wunschgedanke bewahrheitet, zumindest was die Künstler angeht: Consouling Sounds veröffentlichen die Kollaboration von thisquietarmy & Syndrome.

“The Lonely Planet” heißt das gemeinsame Werk der beiden Experimentalmusiker und überrascht mit einer sehr minimalistischen Zusammenkunft, die genau daraus auch ihre Kraft schöpft. Wo sonst Melodien bei Syndrome auftauchen oder die Drummachine bei thisquietarmy den Takt angibt, ist auf diesem Album der Fokus auf dem Auftürmen von minimalistischen Gitarrensounds.

Der Opener “The Cold Valley” tastet sich langsam heran. Ein seichtes Treiben im Ambienttal. “A River That Never Ends” setzt die Reise fort und tatsächlich lassen die Songtitel Bilder im Kopf entstehen. Der Fluss hat seine Tücken, Strömungen, kleine Wasserfälle, Stellen an denen Boote zerschellen können. Es brodelt, es gibt eine Gefahr, eine unsichtbare Gefahr, die sich nie zeigt, deren Anwesenheit aber zu spüren ist. “A Black Breath Blows In The Sky” führt nicht nur im Titel den Fokus von der Ebene in den Himmel. Ein stark hallender Feedbackloop eröffnet den Track und wird von einem Klangteppich aus dem Hintergrund ummantelt. Ein pulsierendes Soundungetüm. Als Bonus gibt es noch den gemeinsamen Liveauftritt (mit interessantem Publikumsgequatsche), der die Zusammenarbeit für dieses Album iniziiert hat.

Ein sehr gelungenes Album, das mal wieder zeigt, dass Kollaborationen das Spektrum von Künstlern erweitern und der Fanschar immer wieder neue Ansichten aus dem experimentellen Klangkosmos bieten.

Das Album gibt es als Preorder zusammen mit der Split-Vinyl von Syndrome & Black Mare im Consouling Sounds Shop zu kaufen.

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ADRIAN ANIOL – OBSCURA

Posted in Release on February 16th, 2014 by D.K.

Adrian Aniol ist ein polnischer Soundtüftler, der sich auf düstere Inszenierungen konzentriert und mit “Obscura” einen Soundtrack geschrieben hat, der dem Hörer so einiges abverlangt.

obscura

Das Theaterstück ist mir nicht bekannt, für das Aniol “Obscura” geschrieben hat, und ehrlich gesagt wäre mir auch mulmig dabei, das Stück zu besuchen, denn der Score verspricht nichts Gutes. 22 kurze Stücke geben dem Hörer das Gefühl des Kontrollverlustes. Denn Aniol spielt mit Gegensätzen von Schönheit und Hässlichkeit, von Melodie und Dissonanz, von Kälte und Wärme.

Neben gewöhnlichen Streichinstrumenten kommt hier auch das Daxophon zum Einsatz. Ein skurril aussehendes und klingendes Instrument, das ebenfalls mit einem Bogen gespielt wird. Aniol paart Dark Ambient Landschaften mit Sounds von Streichinstrumenten und schafft eine Art Klangreise, in der der Ambientsound die Konstante ist, die Hauptrolle sozusagen, und die anderen Instrumente wie Nebenrollen im Verlauf auftauchen und wieder verschwinden. Was bleibt ist der düstere verstörende Eindruck dieses Albums.

Eine sehr zu empfehlende Klangreise.

Mehr zu Adrian Aniol…

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N (22) – GOOR

Posted in Release on February 16th, 2014 by D.K.

N, Idee Nummer 22, Titel Goor, vier Tracks auf jeweils einer Seite einer 12inch Vinyl, für 100 Musikliebhaber, Drones für die Ewigkeit. So ungefähr lässt sich das neue N Album kurz umschreiben. Aber dabei wollen wir es natürlich nicht belassen. N (22) – “Goor” ist, nach einer langen Durststrecke, das erste Soloalbum des Dronemusikers seit “Gager” und eine Art Dokumentation einer musikalischen Weiterentwicklung.

Goor

Das aus vier Songs bestehende Album tritt das Erbe des N Klassikers “Prora” an und beschäftigt sich mit den N Stücken, die die Grenzen von Noise, Ambient und Drone aufbrechen und alles miteinander vermengen und zu etwas umformen, was sonst niemand so hinbekommt.

Goor
Der Titeltrack, benannt nach einem Ort in den Niederlanden, der für N und manch einen Anderen für Freundschaft steht, beginnt mit nichts geringerem als einem massiven Drone. Keine Einführung, kein Herantasten. Stellt euch vor, ihr wollt in eine Kirche eintreten und macht das Tor auf, während in der Kirche zehn Orgeln den selben Ton spielen. So in etwa fühlt es sich an, wenn die Nadel Seite A ertönen lässt. 23 Minuten Gedröhne, fast, denn nach einer Viertelstunde überrascht N mit etwas sehr Seltenem. Hörbar angespielte Saiten.

Wehle
Der zweieiige Zwillingsbruder von Goor hält sich ebenfalls nicht zurück, was die Klanglandschaft angeht. Im Hintergrund baut sich hier überraschenderweise eine Art Black-Metal-Gitarrensoundflechte auf, die in Verbindung mit dem Hauptgedröhne des Tracks eine Leichtigkeit einbringt, die den Song schweben lässt.

Blauort
Blauort gibt dem Hörer die Möglichkeit, die Ohren vom vorherigen Rauschen zu entspannen. 10 Minuten glasklare Drones. Entspannen und von den Sounds treiben lassen.

Suedfall
Suedfall ist als Abschluss des Albums perfekt platziert. Denn hier arbeitet N mit melodischen Drones und vibrierenden Sounds, die von tiefem Gedröhne in ein lautes verzerrtes Getose münden, um dann zum Schluss seicht auszuklingen. Da wo N sonst an Wiedererkennungsmelodien spart, ist hier ein Sound zu hören, der nicht nur unter die Haut geht, in die Seele, sondern auch potentiellen Ohrwurmcharakter hat. Natürlich nicht im Sinne eines Popsongs. Einer der besten Tracks als Abschluss des vielleicht besten N Albums seit “Prora”.

Die Tracks sind allesamt aus dem bisherigen Liverepertoire von N und wurden am Stück ohne weitere Bearbeitung (außer dem Mastering von Fear Falls Burning) im Studio neu aufgenommen. “Goor” ist auf Doppelvinyl und digital via Denovali Records erhältlich. Wer vor dem Preis der Platte zurückschreckt, sollte bedenken, dass es sich hierbei um eine limitierte Auflage von 100 Stück handelt. Das Artwork ist wie bei allen anderen N Releases auf hochwertiger, dicker rauher Pappe gedruckt.

N ist übrigens im März zusammen mit [ B O L T ] auf Tour, um u.a. die gemeinsamen Tracks des Kollaborationsalbums live zu präsentieren, das im November auf Midira Records in einer 100er Auflage erschienen und fast ausverkauft ist.

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Otto A Totland – Pinô

Posted in Release on January 26th, 2014 by C.C.

Sonic Pieces hätten für die Veröffentlichung von “Pinô” keinen besseren Zeitpunkt wählen können als den Januar. Die kalte Luft riecht nach Schnee, kahle Bäume strecken ihre Äste in den milchigen Himmel und der Boden ist gefroren. Der Hörer jedoch sitzt im Innern, umgeben von Wärme und weichem Licht – und der Musik von Otto A Totland.

Totland dürfte den meisten als eine Hälfte von Deaf Center bekannt sein, dem Duo, in dem er mit Erik K Skodvin dunkle Ambient Drones erzeugt. In seinem Solodebut fehlen diese düsteren und unheimlichen Töne, sie werden ersetzt durch eine allgegenwärtige Melancholie, die sich mehr oder minder offensichtlich entfaltet. Wie Bodennebel an einem Januarmorgen. Vordergründiger ist jedoch die Wärme seiner Musik, eine Zartheit, die in den Anschlägen der Tasten beginnt und sich in den Melodien wiederfindet.

“open” eröffnet das Album als zaghafte Annäherung, die aus sanften Anschlägen und im Raum verklingenden Tönen besteht. Dem von Pausen getragenen Stück schließt sich “steps” nahtlos an, das tatsächlich den Eindruck forscher Schritte vermittelt. Eine Kaskade von Tönen, voller Zuversicht. Was folgt sind Geschichten, die der Norweger mit Hilfe seines Pianos erzählt, und Gefühle, die er in Musik kleidet. Die Stücke folgen einem eigenen Spannungsbogen: mal spielt Totland eine aufstrebende, fast beschwingte Melodie wie im titelgebenden “pinô”, dann wiederum nimmt er das Tempo zurück wie im zögerlich vorgetragenen “seveen”. Er nutzt Pausen, um Tönen Gewicht zu geben, fügt Zäsuren ein, überrascht mit Dissonanzen und spielt sprudelnde Arpeggios. In “solêr” bildet die Melodie einen Dialog, der zwischen Trauer und Trost wechselt. “north way” beschwört Bilder einer norwegischen Landschaft herauf, schroff und sanft zugleich. “jonas” bildet einen Bruch in der Gesamtheit des Albums, der dumpfe Klang steht im Kontrast zu der hüpfenden Melodie, die an ein Karussell oder eine Spieluhr denken lässt. “closer” hingegen vereint erneut  Melancholie und Hoffnung und bildet einen wunderbaren Abschluss des Albums. Die letzten verklingenden Töne entlassen den Hörer mit positiven Assoziationen.

Mir fällt es schwer, einzelne Favoriten herauszupicken, denn das Album wirkt am besten in seiner Gesamtheit. Die im Berliner Durton Studio von Nils Frahm entstandene Aufnahme zeichnet sich obendrein durch eine intime Atmosphäre aus. Man hört die Anschläge der Tasten, das Treten der Pedale und wie Hämmerchen gegen Saiten schlagen, was teilweise einen perkussiven, fast hypnotischen Effekt hat. Hinzu kommen vereinzelt Hintergundgeräusche.

Dieses sehr persönliche Album von Otto A Totland, das Sonic Pieces im gewohnten Textilcover herausbringt, limitiert auf 450 CDs und 350LPs, ist im labeleigenen Shop jedoch schon ausverkauft. Wer nicht auf die digitale Variante ausweichen möchte, sollte schnell auf die Jagd gehen.

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LIEBESTOD

Posted in Release on December 22nd, 2013 by D.K.

Wagner würde sich bestimmt freuen, wenn er ein Highlander oder Vampir wäre, noch leben würde und mitbekäme, dass das neue Album des polnischen Experimentalmusikers und Komponisten Stefan Wesolowski mit “Liebestod” betitelt wurde.

Als letzte Rezension des Jahres wollen wir euch dieses Album, das über Important Records erscheint, ans Herz legen. Auf “Liebestod” bringt Wesolowski Sounds zusammen, die zusammen gehören. Field Recordings treffen auf Elektronik, Elektronik trifft auf Klassik und alles vereint sich zu dieser unter die Haut gehenden Symbiose. “Ostinato” fängt den Hörer mit sich wiederholenden Streichermotiven auf. Es gesellen sich immer mehr Instrumente dazu, die aber nichts Neues miteinbringen, sondern stringent die Vielfältigkeit des Minimalistischen zelebrieren. Man möchte zum Ende hin einfach wieder die 1 drücken, anstatt das Album weiterzuhören. Aber das Weiterhören lohnt sich. Klavier, knisternde Field Recordings (was auch immer das ist), Streicher, Bläser – auch “What The Thunder Said” hinterlässt Gänsehaut. Die Aufnahmen an sich sind auch sehr liebevoll, denn man kann sogar das Luftschnappen der Bläser hören. “Route” überrascht mit einem elektronischen Beat, der als Untermalung für die Brassklänge dient, und sobald das Klavier im gleichen Takt einsetzt, wirkt der Beat plötzlich nicht mehr elektronisch, sondern wie ein Teil des Klassikensembles. Der Titeltrack hat eine unheimliche Aura, die durch einen sehr präsenten Streichersound und gesprochene Vocals (deutsch – aber mit sehr coolem Akzent) getragen wird. “Tacet” hat von der ersten Sekunde an eine Stimmung, die dem Hörer sagt: “Es ist ernst – hör zu – schlimmes könnte passieren”. Das Klavier klingt wie von Geisterhand gespielt, eine Noisewand aus – weiß der Geier was – baut sich auf, Hörner sorgen für den Bass. Keine Hoffnung. Der Liebestod ist die Lösung? “Hand im Haar” schließt das Sounderlebnis ab und wendet nochmal die Stimmung. Fast erschöpft wirken die Instrumente in dem Track, aber es schimmert Hoffnung durch den Sound.

Das Album wurde im alten Rathaus von Danzig aufgenommen. Mit Holz verkleidete Wände und hohe Decken werden ein Teil des Sounderlebnisses, werden ein Teil der Musik. An dieser Stelle kann ich nur sagen: Kaufen!

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AIDAN BAKER UND DIE GEREMIXTEN NYMPHEN

Posted in Release on December 22nd, 2013 by D.K.

Anfang des Jahres ist “Already Drowning” über Gizeh Records erschienen. Ein Album auf dem Aidan Baker Songs vereint hat, für die er sich weibliche Stimmunterstützung eingeholt hat. Unser Interview zu jedem einzelnen Song könnt ihr hier nochmal nachlesen.

Jetzt gibt es mit “Tout Juste Sous La Surface, Je Guette & Selected Remixes from Already Drowning” eine digitale EP als Ergänzung, die schon im nicht grad kurzen Titel alle notwendigen Informationen enthält. Neben einem Track des Albums gibt es vier Remixe von Tracks des Albums. Der Titeltrack des Albums ist von thisquietarmy überarbeitet worden und kommt zunächst reduziert aufs Nötigste durch die Boxen, um nach hinten raus breitbeinig zu überraschen. “30 Days / 30 Nights (A.R.C. Soundtracks Remix)”, minimiert auf die klassischen Parts des Tracks gepaart mit tiefen Basssounds und sich wiederholenden Phrasen, ist betörend magisch. Schneider TM macht aus “Melusine” eine Art Elektroloop mit Nymphengesang oben drauf. Der “AB Heartbeats Remix” von “Ice” stammt aus der Feder des Hauptkünstlers und hat wirklich einen Beat und ist fast schon ein tanzbarer Track.

Die digitale EP gibt es für einen kleinen Beitrag via Gizeh Records.

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