DALE COOPER QUARTET – METAMANOIR

Dale Cooper Quartet and The Dictaphones aus Brest haben vor fünf Jahren einen Dark Jazz Meilenstein namens “Parole de Navarre” veröffentlicht, den Denovali Records letztes Jahr wiederveröffentlicht haben. Im November steht endlich die Veröffentlichung des Nachfolgers “Metamanoir” an.

Wer sich Brest auf der Landkarte anschaut, stellt schnell fest, dass es so die einzige größere Stadt im Nordwesten Frankreichs ist. Gründungsmitglied Christophe Mevel (Gitarre und Effekte) beschreibt seine Heimatstadt als Ort, an dem man nie eben so vorbeikommt, wenn man auf Frankreichs Straßen unterwegs ist. Man muss Brest schon als Ziel haben, um dort mal hinzukommen. So bleiben die Bewohner dieser Stadt am Atlantik meistens unter sich und verarbeiten ihre Gefühle und Gemütszustände gegenüber ihrer Stadt im Idealfall in ihrer Musik, wie es bei Dale Cooper Quartet and The Dictaphones der Fall ist.

DaleCooperQuartetAndTheDictaphones_Metamanoir.jpg

“Metamanoir” startet mit dem smoothen “Une Petit Cellier”, das von Saxophon- und verfremdeten Gitarrensounds getragen wird. Schwerfälliges Atmen einer Frau im Hintergrund und zum Schluß erklingt aus dem Dictaphone eine Frauenstimme “…run away…”, willkommen im düsteren Dark Jazz Kabarett aus Brest. Das 11minütige “Eux Exquis Acrostole” entführt den Hörer weiter in die Welt des Dale Cooper Quartet. Ein schwerfälliger Basslauf, Orgelsounds, Saxophon und zwei Gitarren – die eine klassisch 50er Jahre Noirfilm mäßig, die andere verzerrt und experimentell – und nach vier Minuten setzt männlicher Gesang ein. Auch hier geht es wieder ums Fortlaufen, dann weiblicher Gesang “…you better leave…”, trotz Warnung möchte man bleiben. “Ma Insaisissable Abri”, erneut mit weiblichem Gesang, setzt auf die Kontraste von heller Singstimme und den tiefen, dunklen Blasinstrumentsounds, aus dem Dictaphone erklingen arabisch klingende Gesänge, Maschinengewehrschüsse und Hubschrauberrotoren, politisch(?), gesellschaftskritisch(?), warum nicht. “Le Implacable Gentilhommière” mit seinem Paukenrhythmus und männlichen Vocals, die von einer vom Leben geprägten Frau erzählen… das Ende einer Party wird thematisiert. “Elle Agréable Rendez-Vous de Chasse” mit wortlosen Dam-Dam-Dam-Vocals und gitarrenlastiger Instrumentierung wirkt wie ein hoffnungsvolles Bindeglied in der Geschichte, die das Album erzählt. Es folgt das 13minütige “Mon Tragique Chartreuse”, das mit einer Art Dubbeat überrascht. Der Song wirkt wütend, kurz vor dem Wutausbruch, der nicht stattfindet. Gitarrenschleier kreuzen den Beat, hallender weiblicher Gesang im Hintergrund. Das Ende der Party scheint wohl ein Alptraum zu sein, denn dieses Stück drückt die Stimmung gekonnt runter. Die Gitarrenimprovisationen nehmen zu und es wir noisiger, verstörender, genialer. Der gespenstische Gesang gleitet in den Vordergrund und das Gänsehautfeeling setzt ein. Auf jeden Fall ein Highlight. Mit “La Terrible Palais” kehrt etwas Ruhe und Entspannung ein. Aus einem Ambientstück wächst eine Art Ballade und die Worte “…continue on, alone…” lassen vermuten, das in der erzählten Geschichte nicht alle Beteiligten einem Happy End entgegen gehen. Der Abschluss “Il Mélodieux Manoir” ist ein weißes Rauschen aus dem leise hallend Gesänge und Gitarren erklingen. Distanziert und unnahbar verabschiedet sich die Erzählung vom Hörer… und man wird neugierig auf diese Stadt und ihre Menschen im Nordwesten Frankreichs.

dale cooper quartet & the dictaphones

“Metamanoir” von Dale Cooper Quartet and The Dictaphones erscheint Mitte November über Denovali Records und ist auf CD und hochwertig aufgemachtem Vinyl vorbestellbar.

Die erste Single mit zwei Tracks vom Album könnt ihr hier (via Beko DSL) kostenlos runterladen.

Tags: , , , ,

Leave a Reply