INDIGNANT SENILITY

Die Büchse der Pandora. Es gibt bestimmt nicht zu viele Platten, die beim Hören fast Angst erzeugen können. Und es ist eigentlich auch schwer vorzustellen, wie eine solche Musik sein sollte, die eben das kann. Gerade die, die mit diesem Ziel antritt, ist ja oft nichts als eine mehr oder weniger offensichtliche Ode in Düsternis, basierend auf ebensolchen, bekannten Versatzstücken. Und löst gerade bei denen, die derartiges gewohnt sind, sowieso viel eher wohlige als ängstliche Schauer aus. Wohlfühlmusik, nur eben ein bisschen anders.

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Indignant Senility aka Pat Maherr ist da ein definitiv anderes Kaliber. Ich weis nicht, mit welcher Absicht Indignant Senility auf „Consecration Of The Whipstain“ angetreten ist oder ob es da überhaupt eine vorangestellte Absicht im gewohnten Sinne gab; was von der ersten Sekunde des Starts von „Waking Extirpation“ in hervorragender Masteringqualität aus den Rillen des qualitativ hervorragenden Vinyls quillt, ist so etwas wie der Gesang (nicht Geschrei, hier herrscht kein „Noise“) der Dämonen, die in immer engeren Kreisen um dein Versteck streichen; kalt und unbarmherzig in ihrer Konsequenz, wenn nicht noch schlimmer. Im Ernst, ich kann mich nicht erinnern, ein solches Unwesen aus Musik in dieser Eindrücklichkeit zuvor gehört zu haben. Wie genau Pat Maherr das zustande gebracht hat (irgendwo war zu lesen, dass alle Sounds direkt durch Gitarrenverstärker geschickt wurden; die raue, mittenbetonte Ästhetik spricht in jedem Fall dafür) ist dabei eigentlich völlig nebensächlich, wichtig ist allein dieses Pandämonium aus sich windenden, geradezu gequält schreienden Flächen; diese Musik und ein Film, der, ebenfalls ohne die bekannten Klischees, einen gleichermaßen visuellen Horror vermitteln könnte; diese Kombination wäre (mindestens knapp vor) tödlich (zumindest für die meisten unter uns…).
„Color Absolution“, das zweite der jeweils eine Seite langen Stücke dieses 4-Trackers, zieht sich ein wenig von der Rolle der offensiven Bedrohung zurück; in den inneren Bewegungen langsamer, lässt es auch (wenn auch nur im Vergleich zu dem Terror zuvor) „harmonischere“ Wendungen zu; als wenn der Vampir so etwas wie Mitgefühl zeigen würde, fast gegen seinen eigenen Willen… bis die Geräuschinterventionen wieder von einem Handeln zeugen, das sich (zum Glück!) seiner Identifizierbarkeit entzieht.
„No One (Elapsed)“ kontrolliert und konzentriert sich tatsächlich noch weiter, der Gesang der Dämonen wird einem einzigen von ihnen überlassen aber auch dieser weis die Möglichkeit zu schätzen, dir falsche Fährten vorzuspielen. „I Work For The Whip“: nach all dem nihilistischen Muskelspiel; ein Blick zurück? Der Dämon geht? Vielleicht sogar das. Die Warnung aber bleibt. Und wieder, wie schon drei mal zuvor, das beiläufige wie unverhoffte aus…

Braunrot, wie geronnenes Blut gefärbtes Vinyl in einem rotbraun geronnenen Cover… Auf der Rückseite der verschwommene Schatten eines Hakens… Musik für Zenobiten? Und: macht es einen Unterschied? Würde es das? In jedem Fall: Musik, die Dinge berührt, bei denen man(n und Frau) nicht sicher sein können, ob sie berührt werden sollten. Und deshalb eine Platte für den richtigen Moment… Wenn die Tür offen ist…

Auf Type Records erschienen.

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