INTERVIEW: MOUNTAIN WITCH

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Die Berghexe jetzt zu dritt. Und verpackt ihre rau-kehligen Zaubersprüche mit einer Klammer archaischen Ambients, eingespielt auf einem Harmonium in einer alten Hütte im Bergwald; Musik, die verhindern soll, dass die Geräusche von draußen die Ohren der drinnen erreichen; Schutzzauber? Coolerweise lässt sich die Hexe davon kaum beeindrucken und mischt mit lakonischer Haltung ihre knochentrockenen Ingredienzien zu ebensolchen Veitztänzen: rhythmisch vertrackt ohne den Groove zu verlieren, gerade so, dass es immer wieder neu klingt; anders. Die Saiteninstrumente extrem nah, bröckelig rauer Sound, genau so aufgenommen, wie es aus den Verstärkern kommt “recorded on cheap equipment but fine instruments”, dieser Back-Cover Hinweis passt. Wobei hier nichts “cheap” klingt, sondern einfach dreckig. Die Arrangements mit Tief-Riffing auf Einzelsaiten und sexy Stops und doch wieder “go”, dann gern auch schneller. (Text: N)

Die selbstbetitelte Mountain Witch 12inch EP ist über Droehnhaus erschienen und im Droehnhaus Shop erhältlich.

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Wir haben uns mit Gitarrist René Sitte über Musik, Film und Natur unterhalten…aber lest selbst:

Eure neue Platte ist genau wie die Erste bei Droehnhaus erschienen. Wie haben Mountain Witch und Droehnhaus zusammengefunden?

Das ist eine ganz klassische Geschichte. 2009 hat uns Alwin über unsere Myspaceseite kontaktiert und gefragt ob wir nicht bei ihm eine 7″ rausbringen wollen. Meine Antwort war, dass unsere Songs länger sind als auf eine 7″ raufpasst und somit kam Anfang 2010 die 12″ “Scythe & Dead Horse” dabei heraus.

Was hat sich bei euch zwischen den beiden Droehnhaus Platten getan? Ihr seid experimenteller und instrumental geworden. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Das Experimentelle sollte eigentlich schon immer Bestandteil der Band sein, nur hat man das auf der ersten LP noch nicht richtig umsetzen können. Instrumental sind wir geworden weil Roggmann als Schlagzeuger nicht mehr singen wollte, was ich auch nur unterstützen kann. Das geht immer zu Lasten des Spielens.

Die neue “selftitled” Ep sollte eine Hommage an die 70ies sein. Das ist uns hoffentlich auch gelungen. Mit dem Intro und dem Outro ist sie eine “runde” abgeschlossene Sache geworden.

Die erste LP sehen wir mittlerweile eher als Demo an. Für die Zukunft wollen wir drei Songs davon noch einmal in besser Qualität aufnehmen. Man darf also gespannt sein. Das neue Material wird wieder eine ecke “doomiger” und mehr “wizard”.

Heißt das, dass ihr eine Full-Length Platte plant, auf der auch alte Songs vertreten sein werden?

Im Moment reden wir darüber unser aktuelles Liveset in Studioquallität aufzunehmen. Das beinhaltet auch drei Songs von der ersten LP. Wir kriegen immer wieder die Rückmeldung das wir live noch mal eine andere Nummer sind als auf Platte. Da steht aber noch nichts 100% fest. Außerdem sind die Songs zu schade um sie für alle Ewigkeit in dem Proberaumsound zu belassen.

Eure Musik ist ganz offensichtlich im psychedelischen Doom der 60er/70er verwurzelt. Welche Bands aus dieser Zeit würdet ihr als eure Haupteinflüsse bezeichnen?

Aus dieser Zeit ist das wohl, wie bei fast allen, Black Sabbath. Ansonsten sind wir sehr viel mehr von Kraut und experimenteller Synthmusik aus dieser Zeit beeinflusst bzw. dann eher von “neueren” Bands. Ein Prise Black Metal darf natürlich auch nicht fehlen.

Welches Black Sabbath Album ist denn eurer Meinung nach das Beste?

Die ersten vier Alben – ganz klare Sache.
(Anmerkung der Redaktion: Yeah!)

Auf eurer aktuellen EP finden sich einige Passagen, die ohne Weiteres auch als Film-Soundtrack verwendet werden könnten. Zudem benennt ihr auf eurer Internetseite „old and forgotten movies“ aIs eine Inspirationsquelle. Welche Filme haben euch denn konkret beeinflusst?

Mich persönlich haben vor allem die Filme von Ingmar Bergman aus der Zeit ’57-’69 beeinflusst. Auf jeden Fall muss man aber auch noch Tarkowski nennen.

Dann noch die üblichen Verdächtigen aus den 70ies: Jess Franco, Jean Rollin etc.

Was für ein imaginärer Film ist denn die neue Platte?

Das Ziel ist erreicht, wenn jeder Hörer sich seinen eigenen kleinen Film im Kopf zusammenbastelt während die Ep läuft. Als Beispiel könnte das ein Bergfilm sein mit Kinski in der Hauptrolle und als Regisseur war Tarkowski zugange.

Ihr kommt aus Hamburg. Welche Bands aus der Hamburger Stoner/Doom Underground Szene könnt ihr uns empfehlen?

Ich beantworte das lieber auf die deutsche Szene bezogen.

Man sollte sich Orcus Chylde aus Aschaffenburg anhören sowie Obelyskkh, die bald ihre erste LP bei Droehnhaus rausbringen. Unsere Kumpels Kodiak sowieso und ich fand auf dem DRONEBURG Festival hier in Hamburg auch die Blckwvs richtig gut. In Göttingen gibt’s die Jungs von Head of the Taurus.

Was hört ihr zurzeit für Musik?

Bei mir läuft grad Ruth White, der Stalker Soundtrack und die letzten Ramesses Scheiben.

Bei Roggmann grad viel Surf und Darkthrone. Nicht zu vergessen die unzähligen Libraryscheiben.

Tobert wie immer Wolf Eyes, Eagle Twin & Yob.

„Wald tut gut!“ steht auf dem Coverrücken. Wie kommt eine Band aus Hamburg auf so ein Motto?

Roggmann und ich sind im Wald aufgewachsen. Das ist in einem verwurzelt. Wir sind gerne in der Natur und genießen die Orte, wo kaum noch ein Mensch anzutreffen ist. Wenn Du in einer Großstadt wohnst, bist Du über jede Minute froh, in der Du Deine Ruhe hast. “Wald tut gut”

Eure neue EP endet mit einem ruhigen von Harmoniumsound getragenem Stück. Ein mutiges Ende! Wie kam es dazu?

Das Harmonium und das Mellotron sind zwei Instrumente mit sehr eigenem Charakter und viel Charme. In den 60ies und 70ies wussten die Leute diese Instrumente zu schätzen. Heute benutzt das kaum noch wer.

Das musste also auf die Platte rauf. Nichts kann besser eine Geschichte erzählen, wie das Mellotron. Wir haben viel über diese Idee mit dem langen Intro & Outro gesprochen. Es sollte wie ein Buch mit Anfang, Kapiteln und einem Ende sein. Roggmann hat das dann letztlich umgesetzt und mit Samples verfeinert.

Euer neuer Bassist kommt ja von einer ganz anderen Ecke (Turbostaat), wie kam es dazu und hat er was an eurem Songwriting verändert?

Christian Smukal von Rückkopplung hat Tobert irgendwann vor nem halben Jahr ein Foto von meinem Matamp und dem Sunn Amp gezeigt und von unserer Band erzählt. Einen Tag später habe ich mich Tobert getroffen, weil er unbedingt ein Mountain Witch Shirt für die Turbostaattour haben wollte.

Kurze Zeit später, nachdem man gemerkt hat, wie gut man menschlich miteinander auskommt, haben wir ihn gefragt, ob er nicht den Bass bei uns übernehmen möchte. So kam er in die Band und es ist eine Bereicherung in allen Belangen. Er hat das gleiche Faible für alte Verstärker und Instrumente und es ist schon fast unheimlich wie gut das alles harmoniert.

Unser Songwriting hat sich dahingehend verändert, als dass wir uns nun mit Riffs ergänzen und ich nicht mehr ganz alleine damit bin. Arrangieren tun wir alle drei.

Was dürfen wir als Nächstes von Mountain Witch erwarten?

Hoffentlich gute Musik die sich etwas von der aktuellen Masse der aufkommenden Bands aus diesem Bereich abhebt.

Ansonsten wie weiter oben schon gesagt sprechen wir grad über das Aufnehmen des Livesets, was auch einige Songs beinhaltet, die wir bis dato noch nicht aufgenommen haben.

Vielen Dank für das Interview und die Unterstützung. Viel Erfolg Euch weiterhin.

Dito!

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