JON MUELLER & JAMES PLOTKIN

Wenn zwei schwer beschäftigte Musiker zusammentreffen, um in kürzester Zeit gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, dann passieren manchmal magische Dinge. So im Fall von Jon Mueller und James Plotkin. Jon Mueller ist studierter Drummer und fleißig damit beschäftigt, seine Gabe in Workshops, Studien, Konzerten und natürlich Plattenveröffentlichungen weiterzugeben und zu präsentieren. James Plotkin ist sowohl als Musiker als auch als der Mann bekannt, der gelungenen Platten noch den letzten Mastering Schliff verpasst, um sie noch gelungener klingen zu lassen. In letzte Zeit hat sich Plotkin auch eher auf Letzteres konzentriert, um so erfreulicher ist nun die Veröffentlichung von “Terminal Velocity” über Taiga Records.

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Vor einem Jahr wurden Jon Mueller und James Plotkin von Keith Utech eingeladen, auf dessen erstem Utech Records Festival zu spielen. Die beiden Musiker kannten sich schon von einer früheren Zusammenarbeit für Jon Muellers Album “Physical Changes” und haben sich, um für den gemeinsamen Auftritt zu proben, wenige Tage vorher getroffen. Das Ergebnis ist nicht nur ein imposanter Auftritt auf dem Festival, sondern auch die Aufnahmen zum ersten gemeinsamen Full Length Album “Terminal Velocity”.

“Terminal Velocity” ist die Dokumentation eines fragilen aber intensiven Zusammenspiels von Drums, Percussion, Gitarre und Elektronik. Eröffnet wird das Album von “Vestibular Apparatus”, einem vor sich herfliessenden Stück mit Gongsounds und flirrenden Soundflächen. Hat man sich einmal eingehört ist die Empörung groß, dass nach neun Minuten der Song vorbei ist und einem viel kürzer vorkommt. “Hypnagogia” tritt weiter in den Vordergrund und die Elektro und Gitarrensounds von Plotkin pressen sich auf das Drumset von Mueller und bringen dieses in Schwingung, bis Mueller dann Akzente setzt und die Drums “bewusst” spielt. Der Song steigert sich immer weiter und weiter und weiter ohne den Anspruch zu erheben, ausbrechen zu wollen oder zu müssen. “Eigenlicht” greift die Ästhetik des Openers auf und bereitet “Anthipnyc” den Weg in eine weitere minimalistische Traumwelt aus Rhythmusakzenten und Melodieandeutungen. “Praedormitium” trägt den Hörer wie auf einer Welle, wie auf einer Windböe und bringt in sanft zum episch langen “Subvocal”. Experimentell und zurückhaltend noisig lassen die beiden Musiker ihre Sounds zusammenkommen. Ein Stück, das bezwungen werden muss vom Hörer, die Musiker leben sich hier vollkommen in ihrer Welt aus. Mir kommen Bilder von Godzilla und Spacegodzilla in den Sinn. So klingen die beiden nach fast 15 Minuten Soundertüftelung. Noise, Noise und nochmal Noise. Nach diesem Ausflug in andere Gefilde, nimmt “Microsleep” den Pfad des restlichen Albums auf und befördert den Hörer mit anhaltenden überlappenden Tönen und sich hintergründig aufbauenden Drums in eine Art siebenminütigen Tagtraum.

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“Terminal Velocity” ist ein experimentelles Album für die Ewigkeit. Macht Platz in eurem Plattenregal und investiert in dieses Schmuckstück. Das Artwork besteht aus Graphitzeichnungen von Karlynn Holland und bietet Unterschlupf für zwei 200 Gramm schwere Vinylplatten, die es in einer 500er Auflage in drei verschiedenen Farben via Taiga Records gibt. Kostet zwar etwas mehr, ist aber seinen Preis wert.

Und zum Schluß gibt es noch einen exklusiven Track zum reinhören:

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