LIEBESTOD

Wagner würde sich bestimmt freuen, wenn er ein Highlander oder Vampir wäre, noch leben würde und mitbekäme, dass das neue Album des polnischen Experimentalmusikers und Komponisten Stefan Wesolowski mit “Liebestod” betitelt wurde.

Als letzte Rezension des Jahres wollen wir euch dieses Album, das über Important Records erscheint, ans Herz legen. Auf “Liebestod” bringt Wesolowski Sounds zusammen, die zusammen gehören. Field Recordings treffen auf Elektronik, Elektronik trifft auf Klassik und alles vereint sich zu dieser unter die Haut gehenden Symbiose. “Ostinato” fängt den Hörer mit sich wiederholenden Streichermotiven auf. Es gesellen sich immer mehr Instrumente dazu, die aber nichts Neues miteinbringen, sondern stringent die Vielfältigkeit des Minimalistischen zelebrieren. Man möchte zum Ende hin einfach wieder die 1 drücken, anstatt das Album weiterzuhören. Aber das Weiterhören lohnt sich. Klavier, knisternde Field Recordings (was auch immer das ist), Streicher, Bläser – auch “What The Thunder Said” hinterlässt Gänsehaut. Die Aufnahmen an sich sind auch sehr liebevoll, denn man kann sogar das Luftschnappen der Bläser hören. “Route” überrascht mit einem elektronischen Beat, der als Untermalung für die Brassklänge dient, und sobald das Klavier im gleichen Takt einsetzt, wirkt der Beat plötzlich nicht mehr elektronisch, sondern wie ein Teil des Klassikensembles. Der Titeltrack hat eine unheimliche Aura, die durch einen sehr präsenten Streichersound und gesprochene Vocals (deutsch – aber mit sehr coolem Akzent) getragen wird. “Tacet” hat von der ersten Sekunde an eine Stimmung, die dem Hörer sagt: “Es ist ernst – hör zu – schlimmes könnte passieren”. Das Klavier klingt wie von Geisterhand gespielt, eine Noisewand aus – weiß der Geier was – baut sich auf, Hörner sorgen für den Bass. Keine Hoffnung. Der Liebestod ist die Lösung? “Hand im Haar” schließt das Sounderlebnis ab und wendet nochmal die Stimmung. Fast erschöpft wirken die Instrumente in dem Track, aber es schimmert Hoffnung durch den Sound.

Das Album wurde im alten Rathaus von Danzig aufgenommen. Mit Holz verkleidete Wände und hohe Decken werden ein Teil des Sounderlebnisses, werden ein Teil der Musik. An dieser Stelle kann ich nur sagen: Kaufen!

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2 Responses to “LIEBESTOD”

  1. Marc Says:

    Wo kann man das Album kaufen. Auf der Labelseite finde ich nichts.

  2. D.K. Says:

    Hi,
    ja auf der Labeseite ist noch nichts gepostet, laut Wesolowskis Facebook Seite soll es die CD schon geben…
    Abwarten 😉

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