LIVE: DENOVALI SWINGFEST SAMSTAG

Okay, wie fasst man zwei Tage hochkarätiges Festival, was das Denovali Swingfest defintiv war, in einem übersichtlichen Artikel zusammen? Ich weiß es nicht, ich schreib einfach mal drauf los…fangen wir doch erstmal mit dem Samstag an.

Pünktlich zur angegeben Beginnzeit stehen wir zusammen mit allen anderen Besuchern vor dem JZE und warten der Dinge, die kommen mögen. Am Eingang steht, dass der Einlass sich verzögert, egal, Freude ist trotzdem da. Auch als der Einlass dann beginnt und die Schlange nur langsam kürzer wird, bleibt die Stimmung gut. Dann endlich drin wird erst mal die Lage gecheckt. Ein großer breiter Saal ist Schauplatz für die Konzerte, ein kleines Kino ist zum Ambient Cinema verwandelt, in dem laute Ambientsounds zu stummen Filmaufnahmen laufen. Im Untergeschoss sind die Merchstände aufgebaut und für Speise und Trank ist auch gesorgt. Mit kleiner Verspätung eröffnen die vier Norweger von The Samuel Jackson Five das Swingfest. Die schwierige Aufgabe als Opener das Publikum zu packen meistern sie aber sehr gut. Die vier Musiker tragen rote Shirts mit jeweils vier englischen Begriffen, die „leise“ bedeuten, aber das was auf der Bühne passiert ist nicht leise, sondern eine laute Post-Rock-Psychedelic-Kraut-Rock-Hochzeit vom Feinsten.

the eye of time @ denovali swingfest

Was folgt ist ein kleiner Farbwechsel, denn was die Franzosen von Eye Of Time auf der Bühne erschaffen ist düster und destruktiv. Marc Euvrie spielt Kontrabass und Gitarre und wird von Breakbeats und Samples aus dem Laptop begleitet. Die Gäste liegen und sitzen mit leichtem Abstand zur Bühne und lassen die Sounds direkt aus dem kalten Boden in ihre Körper eindringen, gruselig aber gut. Contemporary Noise Sextet aus Polen sind der erste Jazzbeitrag des Swingfests. Wenig Rock, sehr viel Blasinstrumenteinsatz, aber das Publikum ist angetan, denn die Polen verbreiten mit ihrer Musik und ihrem Auftreten gute Laune.

Es folgt Farbwechsel Nr.4 mit dem schwedischen Doom-Metal-Duo Switchblade. Eine Gitarre und ein Drumset zerstören jeden optimistischen Höreindruck der vorherigen Band und tauchen die Gäste in eine Welt, die geprägt ist von Lärm, Zerstörung und Dunkelheit. Genau das ist auch das was auf den Projektionen während der Show zu sehen ist. Doom in minimalistischer Perfektion. Her Name Is Calla aus England nehmen die Stimmung von Switchblade auf und tragen ihre melancholischen Alternative Songs kraftvoll und überzeugend laut vor. Die Band ist in noisiger Laune und spielt ein sehr wütendes, emotionsgeladenes Set. Gesangstechnisch der Höhepunkt des Abends. Gänsehaut pur. Yndi Halda, ebenfalls aus England, übernehmen die Bühne. Die „wie grad aus der Schule gekommen“ wirkenden Musiker haben eine große Fanbase im Publikum und geben neben einem Klassiker ihres Debüts auch zwei neue epische Songs mit Vocals zum besten. Sympathische Typen.

switchblade @ denovali swingfest

Wir haben mittlerweile Sonntag, denn die Uhr zeigt schon vier Nullen. Die Verspätung vom frühen Nachmittag ist also heimlich angewachsen. Die Würzburger Doomrocker von Omega Massif bauen ihr Set auf. Wie auch im letzten Jahr dürfen die blauen Bodenleuchten nicht fehlen. Letztes Jahr war die Band mit dem Sound unzufrieden, der Soundcheck zeigt diesmal schon, dass der Sound fett und laut ist. Die Omegas haben sogar Verstärkung in Form eines Akkordeonspielers mitgebracht. Kurz nach zwölf geht es los. Die Projektionen von einem Gang durch einen Wald werden an die Wand geworfen und die Band legt los. Alles ist in blaues Licht getaucht, der Bass drückt sich in die Magengrube, die Gitarrensounds pressen sich in die Ohren. Nur kurz spielt die Band auch etwas leiser, genau da kommt dann auch das Akkordeon zum Einsatz. Mit „Unter Null“ schließen Omega Massif ihr knapp einstündiges Set ab und lassen uns mal wieder staunend stehen.

omega massif @ denovali swingfest 2010

Mittlerweile ist es so 01:30 Uhr, einige liegen im Raum verteilt auf dem Boden, manche freiwillig und im vollsten Bewusstsein, manche eher nicht. An der Getränkeausgabe steigt der Cafekonsum, das Ambientcinema ist mittlerweile zum Ambientschlafsaal mutiert, die Wiese vor dem JZE ist auch liegefreundlich. Ein paar Swingfestler schaffen es jedoch doch noch vor die Bühne, um sich den letzten Auftritt des ersten Tages anzuschauen. Wäre ja auch zu schade den ersten gemeinsamen Auftritt von The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble und Alter Ego Band The Mount Fuji Doomjazz Corporation zu verpassen. Um kurz nach zwei haben die Niederländer alles aufgebaut. Die handvoll Laptops auf der Bühne zwischen klassischen Instrumenten wie Kontrabass, Jazzgitarre und Trompete sieht ziemlich beeindruckend aus. Leicht ermüdet, angetrunken und vom Stehen erschöpft lauschen wir den Tönen der Doomjazzer. Die Mischung aus Drumcomputer vermengt mit Blasinstrumentgebrumme und Bass- und Gitarrenuntermalung gepaart mit der späten Uhrzeit versetzt einen sofort in eine surreale Gedankenwelt. Düster, jazzig, genial. Trotzdem halten wir nur bis um 03:00 Uhr aus und machen uns auf den Weg ins Bettchen. Ich glaub, Kilimanjaro haben bis um 03:30 Uhr gespielt und dann war auch im JZE Schicht.

Mehr Bilder vom Denovali Swingfest findet ihr auf unserer PHOTOS Seite.

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