LIVE: MARSEN JULES TRIO
Die Christuskirche Bochum ist Austragungsort für eine regelmäßig stattfindende Konzertreihe unter dem Motto “Urban Urtyp – Konzerte aus dem Zentrum der Stadt”. Letzten Sonntag war das Marsen Jules Trio zu Gast und hat seine orchestralen Ambientsounds präsentiert.
Marsen Jules, eigentlich Martin Juhls aus Dortmund, veröffentlicht seit nun mehr als acht Jahren Platten unter seinem Künstlernamen und hat es mit Alben wie “Yara” geschafft, weltweit die Aufmerksamkeit der Kritiker auf sich zu ziehen. Letzten Sonntag also ein Heimspiel im Revier.
Für Urban Urtyp verwandelt sich der Altarraum der Christuskirche regelmäßig in einen Bühnenkubus, der aus Gerüsten und transparenten Vorhängen besteht. Innerhalb dieses Kastens die Bühne, Stühle und Sitzkissen und direkt dahinter die Bänke des Kirchenraums. Voll ist es da vorne, voller Impressionen und als Marsen Jules und die Brüder Anwar und Jan-Philipp Alam auf die Bühne kommen, weiß man gar nicht, wohin man schauen soll. Der eine Bruder mit der Geige, der andere am Flügel und Marsen Jules mittig vor dem Altar, an seinem eigenen Altar. Laptop mit leuchtendem Apfelmotiv, Weingläser, Geigenbögen, Percussion, Mikro und was da sonst noch alles liegt.
Der Blick von der Bühne ins Publikum ist dagegen übersichtlich, denn es haben nicht viele den Weg in die Kirche gewagt, an diesem wirklich kalten Sonntagabend. Das Publikum ist gemischt; Ältere, die sich fein rausgeputzt haben für die Kirche, Jüngere, die gekommen sind, weil das bestimmt cool ist was da auf der Bühne passiert, und die Leute, die Marsen Jules mögen. Schön auch der Moment während des Konzerts, als bei einer sehr ruhigen Ambientpassage von Jules eine ältere Dame ans Telefon geht und “Hallo?…ja jetzt wäre Tatort” ins Telefon schreit.
Das Set des Trios besteht aus zwei 45minütigen Parts, das größtenteils von der Harfenistin Meike Rath begleitet wird. Marsen Jules ist der digitale Dirigent, der alle Sounds der Musiker durch seinen Rechner jagt und mit Hall versetzt oder loopt oder sonst was damit macht. Er selber spielt die Percussionbecken mit einem Geigenbogen, erzeugt Feedbacklandschaften mit dem Mikro oder lässt den Sound von Weinglasrändern in die Musik einfließen. Fragile und klassische Ambientgeflechte, die sich durch den Kirchenraum in die Ohren schleichen. Nach dem ersten Part verlassen viele die Kirche und nur ein kleiner Kreis vor der Bühne lässt sich auf den zweiten experimentelleren Part ein. Eine Klassik und Ambient Hochzeit vom Feinsten. Spannender Sonntagabend … ohne Tatort.