LIVEBERICHT: DER SAMSTAG VOM DENOVALI SWINGFEST 2011

Der Freitag hat schon die Messlatte hoch angesetzt, also ist die Vorfreude auf Tag Zwo sehr groß gewesen. Also auf in die Weststadthalle, unserem Drei-Tage-Ersatzwohnzimmer.

Petrels aus England eröffnet den Denovali Swingfest Samstag. Eingesprungen für Crëvecœur und uns nicht bekannt, lassen wir uns überraschen. Nach den ersten Tönen, die aus seinem Laptop schallen und die live auf der Bühne manipuliert werden, ist klar, der kann was. Als Petrels dann „Concrete“ spielt, springt der Funke endgültig über. Ein englischer Männerchor im Loop, untermalt mit Ambientflächen, die sich langsam steigern. Genial.

Nadja @ Denovali Swingfest 2011

Dann kommt wieder ein skurriler Moment, als vor dem Nadja Auftritt einige Leute sich Stühle schnappen und direkt vor der Bühne drei Stuhlreihen aufbauen. Drone-Doom im Sitzen, so so, na ja! Nadja betreten die Bühne und platzieren sich in ihrer typischen Haltung um den Effektgerätetisch. Aidan zum Publikum, Leah dem Publikum abgewandt. Nadja bauen ihre Sounds langsam auf und füllen die Halle mit ihrem speziellen Doomsound aus. Laut sind sie und sie werden immer lauter. Der Abschluß mit „Bungled and Botched“ ist mein Gänsehautmoment des Festivals. Um eine eingängige Melodie herum bauen Nadja ein Gewitter aus Drones und Noiseelementen auf, das wirklich beeindruckend ist. Danach hab ich keine Lust, mir die gut gelaunten Polen von Contemporary Noise Sextet anzuschauen und leg mich auf die Wiese vor der Halle. Waren gut, ist nach dem Konzert überall zu hören.

contemporary noise sextet @ denovali swingfest 2011

Dale Cooper Quartet and The Dictaphones sind als nächste dran. Die vier Franzosen, also genauer gesagt die drei Franzosen und ihr irischer Gastsänger, machen es sich auf der Bühne gemütlich und rücken ganz nah zum Publikum hin. Sounds und Beats aus dem Kasten werden mit zwei Gitarren untermalt, Christophe bearbeitet seine Gitarre eher experimentell mit Werkzeug, Cellobogen und sonst was, Yannick dagegen sorgt für die Struktur der Songs. Düstere improvisierte Musik zwischen Jazz und Rock. Die Vocals im 80er Wavestil passen gut zur Musik und machen die Vorfreude auf das bald erscheinende zweite Album noch größer.

dale cooper quartet @ denovali swingfest 2011

Jefre Cantu-Ledesma und Paul Clipson (nur in Form seines Videos anwesend) gestalten den Abend zur Primetime mit einer gelungenen Mischung aus Noise und Ambient und den besten Visuals des Festivals. Clipsons Film zeigt Stillleben, in denen Licht und Schatten eine große Rolle spielen. Das Set ist kurz, aber in Erinnerung bleibend.

Die Swingfestveteranen von Omega Massif legen wie erwartet ein trockenes, lautes Doom-Sludge-Brett hin und präsentieren neben den gewohnten Songs wie „Unter Null“ auch neue Songs von „Karpatia“. Die erste Reihe füllt sich schnell mit langhaarigen Kopfwacklern und der Rest in der Halle steht auch nicht still. Kultaktion bei Omega Massif Swingfestauftritten sind natürlich auch die prolligen Zwischenrufe, die auch dieses Jahr nicht fehlen dürfen.

omega massif @ denovali swingfest 2011

Der Samstagabend wird von The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble beendet. Die Band mit den meisten Bandmitgliedern des Swingfestes sieht auf der Bühne schon ziemlich beeindruckend aus. Das Darkjazzset wird mit zwei Projektionen untermalt, die Schwarzweißausschnitte von Filmen zeigen. Besonders die Songs, in denen auch gesungen wird, hinterlassen einen Wow-Eindruck. Posaune, Cello, Gitarre und Elektronik schaffen eine ganz eigene Atmosphäre. Die Niederländer überzeugen dieses Jahr auf jeden Fall mehr als im Jahr zuvor und entlassen uns zufrieden in die Nacht.

Fazit zum Samstag: Obwohl ich Nadja schon öfter gesehen habe, ist das kanadische Duo der absolute Höhepunkt des Tages, weil Lautstärke, Sound und Licht hier ein wirklich optimales Gesamterlebnis geboten haben. An dieser Stelle noch ein Riesenlob an Christoph von „The ´79 Sound”, der für den Swingfestsound zuständig war.

kilimanjaro darkjazz ensemble @ denovali swingfest 2011

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3 Responses to “LIVEBERICHT: DER SAMSTAG VOM DENOVALI SWINGFEST 2011”

  1. Tommy Says:

    Nadja waren mein absolutes Highlight des diesjährigen Swingfest, sogar noch vor sunn o))). Brauchte ein wenig, bis ich mich wieder bewegen konnte. Grandios.

  2. DexterF Says:

    Das “Contemporary Noise Sextet” mit “waren gut” abzuhandeln grenzt an einen Affront!
    Selten eine Band gesehen/gehört, die soviel Hurra unter der Fontanelle macht, die so energetisch und technisch bemerkenswert ist und dabei nicht komplex um des Selbstzwecks Willen ist.

  3. tim4tw Says:

    lol, einfach mal so eine der besten Bands verpasst

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