LIVEBERICHT: KRAFTWERK IM K20

Während andere Bands durch Städte touren, touren Kraftwerk in ihrer Heimatstadt Düsseldorf durch acht ihrer Alben. Und Location ist auch noch ein Museum, nicht irgendeins, sondern das K20 im Herzen der Altstadt. Da haben wir nicht lang überlegt und uns direkt mal Tickets gesichert. Unglaublicherweise waren die Konzerte innerhalb von Minuten ausverkauft. Wir haben noch Tickets für das “Techno Pop” Konzert ergattern können.

Im K20 angekommen sind wir zunächst positiv überrascht, was für eine gemischte Truppe an Zuschauern das Konzert besucht. Da wären auf der einen Seite die typischen D´dorf Schnösel und auf der anderen Seite die lässigen jüngeren Leute, die auch vom Outfit her nicht aus der musikalischen Welt zu stammen scheinen, in der sich Kraftwerk bewegen. Es ist verdammt voll und die Halle im K20 füllt sich schnell mit Menschen, die weiße 3D-Brillen tragen. Denn Kraftwerk sind heute 3D, also die Musiker sowieso, aber auch das was hinter ihnen an der Leinwand zu sehen ist. Wie versprochen wird zunächst das gesamte “Techno Pop” Album gespielt, das in den 80ern unter dem Namen “Electric Café” veröffentlicht wurde. “Boing Boom Tschak” und “Musique Non Stop” lassen Kindheitserinnerungen aufkommen. Vor dem Kassettenrecorder sitzend, auf WDR 1 läuft die Schlagerrally, der Finger liegt auf der roten Recordtaste um ja keine Sekunde zu verpassen, wenn die Sounds mit den lustigen Vocals anfangen…

Kraftwerk klingen massiv und die Beats klingen in den Liveversionen sehr modern. Die Halle tut alles, um den Sound perfekt zu transportieren. Stellt man sich seitwärts hin kann man dank der langgestreckten Architektur im hinteren teil der Halle die Beats als Ping-Pong-Hall hören, interessant. Das Album wird abgefeiert und anschließend geht es weiter mit Hits. Autobahn wird begleitet von einer Videoinstallation, in der alte deutsche Autos, wie der Käfer, der Kadett, die Ur-S-Klasse von Mercedes, ein VW-Bus etc. durch die Autobahnlandschaft der ursprünglichen Albumcovers von Autobahn fahren. Sehr cool. “Radioaktivität” geht mit der Zeit und aus Hiroshima wird Fukushima. “Das Model” darf natürlich auch nicht fehlen. Ralf Hütter singt alle Vocals live ein und klingt irgendwie besser als früher. Lustig anzuschauen, wie reifere Männer im Anzug plötzlich anfangen abzutanzen, während sie versuchen ihr Lieblingslied mit dem Smartphone mitzufilmen. Das ist die Magie von Musik. Da hat man doch keine Angst alt zu werden.

Wer die Chance hat diese Band mal live zu sehen, der sollte sie auf jeden Fall nutzen. Und wer denkt, was Kraftwerk mit experimenteller Musik aus den Bereichen wie Drone, Ambient und Shoegaze zu tun hat, der sollte sich mal durch die Kraftwerk Diskografie arbeiten und sich unbedingt die ersten beiden Alben von 1970 und 1972 anhören.

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