LIVEBERICHT: KYUSS LIVES!

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Kyuss, die Desertrocklegende aus den 90er Jahren, wiedervereint zu Kyuss Lives, um durch die Welt zu touren und die Musikgemeinde daran zu erinnern, wer den tiefgestimmten Bluesmetalsound salonfähig gemacht hat. Ich weiß noch genau, wie ich auf Kyuss gestoßen bin: Es war eine Sendung namens “Wah Wah” auf dem ersten deutschen Musiksender, der ebenfalls in den Neunzigern ins Leben gerufen wurde. Da lief dann dieses braunstichige, mysteriöse Video von “Demon Cleaner”, in dem eine tiefe Soundwalze auf den filigranen Gesang von John Garcia traf. Ab in den Plattenladen, damals noch ein gut sortierter Teil im bergischen Elektonikmarkt, und sofort “Sky Valley” gekauft. Nach dem ersten Hören war klar, dass “Demon Cleaner” nicht der repräsentativste Song der Band war, denn markantes Merkmal des Kyusssounds waren nicht nur die basslastigen Saiteninstrumentklänge, sondern auch Garcias Reibeisenstimme. Ein Album später war plötzlich Schluss und was einem blieb, waren vier Alben und eine sehr gelungene Raritätenbestofplatte. Viele, viele Jahre später spielten dann Brant Bjork und Nick Olivieri ihre Solosets in der Bochumer Matrix und überraschten das Publikum mit einer gemeinsamen Zugabe, bei der sie Kyusssongs im neuen Gewand präsentierten. Da ging mir durch den Kopf, dass die Herrschaften doch eigentlich mal wieder mit dem Herrn Garcia musizieren könnten, wenn sie schon Kyuss Material anspielen. Nochmal viele, viele Jahre später ist aus dem Wunschdenken Realität geworden und die drei haben sich zusammen mit Gitarrist Bruno Fevery zusammengetan. Und nun nach dem Lebensbericht zum Livebericht.

Voll ist es vor dem FZW, als wir ankommen. Eine Schlange gemischt aus Jung und Alt, Rockern und Metaltypen. Die Halle ist schnell gefüllt und um 21 Uhr geht das Licht aus und ein Orchester aus der Tube leitet das Ende des jahrelangen Wartens ein. Brant Bjork betritt als erster die Bühne und beginnt das Set hinter den Drums. Die restlichen Kyuss-Söhne kommen auf die Bühne. Nick Olivieri ist kurzfristig ausgefallen und wird durch Scott Reeder ersetzt, der ja nicht weniger Kyuss ist als Nick und mit seinem leuchtenden Bass barfuss vor seinen fetten Amps steht. John Garcia im dunkelroten Hemd, mit Zopf und Sonnenbrille, also genau das Bild, das man erwartet hat. Bruno Fevery als einziger Nicht-Alt-Kyuss-Mann fügt sich gut ins Gesamtbild ein. Das Set ist schwer “Sky Valley”-lastig, “Gardenia” walzt als zweiter Song durch die Reihen, die halbe Halle tobt. Endlich mal die Phrase “Get back… Motherfuckaahhhh…” live hören. Nachdem sich die Band warmgespielt hat, nehmen die Songs einen eigenen Flow an, der auch geprägt ist von Feverys Gitarrenstil. Schon alleine weil er nicht wie Josh Homme durch Bassamps spielt, entwickelt der Sound seiner Gitarre einen eigen Charme. “Freedom Run” beispielsweise groovt verdammt cool und Garcia holt alles aus seiner Stimme raus. Brant Bjork, wie immer gut gelaunt und bis über beide Ohren grinsend, spielt mit Publikum und Drumset und könnte so energetisch wie er da abgeht einen kleinen trommelnden Hasen einer Batteriefirma als Maskottchen ablösen. Sie genießen es wieder zusammenzuspielen und gefeiert zu werden. “One Inch Man” bringt so gut wie alle zum Toben. Einer der Höhepunkte ist auch “El Rodeo” mit seinem fiesen Gedröhne und den eindringlichen “Rodeooooooohhhhhh” Vocals. Wenn man da so steht und die Bässe durch sich fliessen lässt, ist es nicht verwunderlich, dass ich heute auf Drone und Doom Bands stehe. Der junge Mann mit der Karottenhose, der die ganze Zeit stocksteif vor mir steht, wird auch irgendwann vom Groove der Band mitgerissen und fängt an, unkontrolliert mit dem Kopf zu wackeln. Kyuss kriegen sie alle. Und es sind wirklich Kyuss, der Namenszusatz ist hier überflüssig. Das Ganze geht mit Zugabe bis um 23 Uhr, bis der Zirkus die Stadt wieder verlässt. Yeah!

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One Response to “LIVEBERICHT: KYUSS LIVES!”

  1. SonOfKyuss Says:

    Hab Sie zum Glück kurz zuvor in Luxembourg gesehen, sonst hätte ich echt Gewissensbisse nicht in Dormund gewesen zu sein… Uni nervt!

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