LIVEBERICHT: MICROPHONICS

Letzter Montag im Mai. Dieser Tag soll nicht nur wegen seinen 35 Grad im Schatten in Erinnerung bleiben. Im Oberhausener Druckluft steht das Konzert von Microphonics und den japanischen Kultpostrockern Mono an.

Die Bühne ist klein und dementsprechend vollgestellt. Auf der rechten Seite hat Dirk Serries, der Mann hinter Microphonics, sein Set aufgebaut. Ein Koffer mit Effektgeräten, ein Notenheft (in dem eher Texte als Noten stehen), eine schwarze Les Paul und zwei Fender Combos. Diese stehen dem Publikum abgewandt und schnell wird klar, dass das heutige Microphonics Set wohl über die PA erschallen wird. Doch zunächst ist Warten angesagt, das einzige Fenster in der Halle erhellt den Raum noch… dann fängt es an zu dämmern.

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Dirk Serries betritt die Bühne. Sein Blick ist konzentriert und sein Gesicht angespannt, er nimmt Platz auf einem Hocker und greift zur Gitarre. Die grausame Hintergrundmusik verstummt, es ist leise. Dirk Serries fängt an und die Vermutung bewahrheitet sich; der Sound erschallt aus der PA. Ungewöhnlich direkt, laut und dementsprechend präsent beginnt Serries sein Microphonics Set. Wo er sonst ohne PA erst bedächtig leise anfängt und den Hörer in seine Welt einführt, überrascht er an diesem Abend mit einer Gitarrensoundwand, die den Hörer sofort überwältigt. Diese Direktheit ist ungewohnt, steht Microphonics aber recht gut und ist in der Funktion als Monosupport passend. Dirk Serries baut seinen Sound mit Loops auf. Er konzentriert sich an diesem Abend mehr auf das klassische Anspielen der Saiten und setzt nur gelegentlich Akzente mit einem Ebow. Sein Gesicht und sein Blick haben sich mittlerweile entspannt und ihm ist anzusehen, dass er sich inmitten seiner Soundkreation wohlfühlt. Das Publikum wohl auch, denn keiner redet in den ersten Reihen. Ein gutes Zeichen. Kein ruhiger Moment in der Musik, der Sound schreitet voran und die Klangwand baut sich immer weiter auf. Wie lange wird er wohl spielen (?) … geht einem durch den Kopf. Nach einer guten halben Stunde entspannt sich die Soundwand und die Loops werden allmählich zurückgenommen. Genau in dem Moment, in dem man glaubt, es sei gleich vorbei, greift Serries zu seinem Ebow, setzt es auf der tiefsten Seite auf und baut einen tiefen durchdringenden orgelähnlichen Sound auf, der immer lauter und einnehmender wird. Hier ist wahrhaftig Druck in der Luft. Dann plötzlich Stille. Ergreifend.

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Nach dem Set merken wir, dass Dirk Serries seinen langjährigen Tonmann, Ronald Marien, als Unterstützung am Mischpult mit dabei hatte. Gute Arbeit, kann man da nur sagen.

Was folgt sind Mono, eine der besten Postrockbands, die es derzeit gibt. Aber das spielt grad keine Rolle…

Mehr Fotos vom Abend findet ihr hier.

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