LIVEBERICHT: O & CHELSEA WOLFE IN AACHEN

Es ist der erste Sonntag in diesem Jahr, den man als warm und sommerlich bezeichnen kann. Wir sind auf dem Weg nach Aachen. Chelsea Wolfe hat ihre aktuelle Europatour angetreten und tritt an diesem Abend zusammen mit O im Musikbunker Aachen auf.

Der Musikbunker ist wie ein Fremdkörper in dieser sehr alten Stadt, die auf Denkmalpflege und ein schönes Auftreten achtet. Irgendwo zwischen Alt- und Neubauten und einem Sportplatz steht dieser lange hässliche Betonbunker, der netterweise auch als Musikstätte benutzt werden darf. Einmal eingetreten verlässt man den Sommertag und tritt ein in eine Betongruft, keine Fenster, wenig Licht. Es geht zunächst einmal nach unten und dann um zig Ecken zur Venue. Auf dem Weg dorthin kommt einem schon der Rauch der Nebelmaschine entgegen.

O eröffnen den Abend mit ihrem Doom-Post-Rock. Die kleine Bühne ist vollgestellt mit Effekten und Musikern und der Raum füllt sich schnell mit den Klängen der Band, die teilweise aus Aachen stammt. Das Set beginnt leise, Bögen werden über Gitarren- und Basssaiten gestrichen, die Drums werden mit Paukenschlegeln gespielt und allmählich baut sich eine Atmosphäre auf, die typisch ist für diese Band. O funktionieren Live viel besser als auf Platte, denn die Aura des O-Sounds ist nur live greif- und fühlbar. Gegen Ende des Sets werden die Laut-Leise-Passagen etwas zu stark ausgereizt, aber das Gesamtbild hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Der Umbau läuft sehr schnell ab. Das neue Bühnenbild ist spartanischer als bei O. Es stehen Kerzen an den Rändern. Vor den Drums stehen die beiden Gitarren von Chelsea Wolfe. Eine dunkelbraune Westerngitarre von Gibson und eine fast schwarze Jaguar E-Gitarre von Fender. Wolfe trägt ein schwarzes Kleid, über ihren Schultern liegt ein schwarzer Schleier, die Haare sind hochgesteckt und die Augen tiefschwarz geschminkt. Gespenstisch attraktiv. Das Set beginnt akustisch mit Chelsea, ihrer Violinistin und dem Keyboarder. Nur Gitarre, Violine, dezente Synthiesounds und die mit Hall versetzte Stimme von Chelsea Wolfe. Sehr intim und emotional.

Dann geht die Violinisten und die restliche Band kommt auf die Bühne. Gitarrist, Drummer und Bassist/Keyboarder positionieren sich, Chelsea greift zur E-Gitarre und das Folk-Doom-Gewitter nimmt seinen Lauf. Die Mischung aus verzerrten Gitarren, treibenden Drums, dezenter Elektronik und der filigranen und zugleich kraftvollen Stimme von Chelsea Wolfe ist einzigartig. Wolfe singt meist mit geschlossenen Augen, öffnet sie diese scheinen ihre Blicke unheimlich verträumt und gleichermaßen fokussiert. Die Songauswahl konzentriert sich vor Allem auf das Überalbum “Apokalypsis”. Zum Ende hin wird das Set immer lauter und man verfällt immer mehr dieser dunklen Sirene auf der Bühne. Nach einer Stunde ist das Set vorbei, nein, eine Zugabe, laut mit dröhnenden tiefen Gitarrensounds und dann ist wirklich Schluß. Schade.

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