LIVERBERICHT: CHELSEA WOLFE IN ARNHEIM

Müsste ich Chelsea Wolfe mit einem Wort beschreiben, wäre es ambivalent: in ihrer elfenhaften Stimme schwingt die Unschuld einer männerfressenden Gottesanbeterin mit. Auch der Konzertabend war ambivalent, aber beginnen wir am Anfang.

Eröffnet wird der Abend mit Indiepop der niederländischen Band houses. Danach wird die Bühne von der Ein-Mann-Armee Zero absolu beherrscht. Inmitten diverser Instrumente, einem Multieffektgerät und einer Loopstation baut der Franzose vielschichtige Stücke auf und kommt beim Wechsel zwischen Gitarre, Bass, Keyboard und Pedalen ganz schön ins Schwitzen. Das erste Stück trifft das Publikum mit voller Wucht. Leider wird das Folgende immer mehr eine Vorführung von Fertigkeiten und weniger mitreißend. Die Kombination verschiedener Stile, die immer wieder auch bekannte Motive enthält, zeigt, dass Zero absolu handwerklich einiges drauf hat. Jedoch sind nicht nur die Loops repetitiv, sondern auch das Konzept – und somit über die Länge nicht aufregend genug.

In der letzten Umbaupause wird aus der sowieso hohen Bühne schließlich eine Bastion, als die Monitorboxen am Rand aufgebaut werden. Die dazwischen platzierten Kerzen wirken verloren und nichts erinnert an die erhabene Atmosphäre, die wir in Aachen erleben durften. Wieder beginnt Chelsea Wolfe ihr Set mit Akustikgitarre und in Begleitung von Violinistin und Keyboarder. Die fragile Musik muss allerdings gegen die lautstark im Hintergrund geführten Gespräche ankämpfen. Auch die Unmutsbekundungen der Musikerin und Gezische aus dem Publikum ändern daran nichts. Nach vier Stücken überlässt Chelsea Wolfe die Bühne sichtlich genervt den anderen beiden und verschwindet Backstage, während das melancholische Interludium aus Violine und Synthiesounds die angespannte Stimmung musikalisch aufgreift.

Als die Violinistin die Bühne verlässt, kommen Drummer und Gitarrist hinzu, das Keyboard wird gegen den Bass getauscht und Chelsea Wolfe greift statt zur akustischen Westerngitarre zur Fender. Der Sound gewinnt an Druck. Wer je daran gezweifelt hat, dass Musik Emotionen transportiert, wird durch die nun verarbeitete Wut eines Besseren belehrt. Wann immer möglich wendet Chelsea Wolfe sich vom Publikum ab. Ein neben uns stehender Gast lässt sich weder davon noch von eindeutigen Gesten davon abhalten, durchgängig zu filmen. Erst als er während “Movie Screen” direkt von Chelsea Wolfe angesprochen wird, hört er auf; aus dem Konzept gebracht ist die Sängerin dennoch. Schließlich endet das Set, das kürzer war als in Aachen, nach dem sehr lauten “Pale on Pale”. Wider Erwarten kehren die Musiker für eine Zugabe zurück: das gecoverte “Echo” wird mit aller Härte dem Publikum entgegengeschleudert. Auf dem Weg zurück sind wir uns einig – Chelsea Wolfe und ihre Band waren großartig, alles andere leider nicht.

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2 Responses to “LIVERBERICHT: CHELSEA WOLFE IN ARNHEIM”

  1. Hans van der Velden Says:

    Typical Dutch behaviour. Sorry the both of you had to endure this.
    Better luck next time. Hope to see you soon!
    Have a nice weekend.

    Hans

  2. D.K. Says:

    BUT the people in Nijmegen and Utrecht are great concert listeners.

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