LIVETAGEBUCH: MICROPHONICS & N

N_slowboy

Unser erster Versuch Microphonics (Dirk Serries) und N (Hellmut Neidhardt) in Düsseldorf im Slowboy zu sehen, wurde leider durch einen fiesen Stau und eine noch fiesere Parksituation vor Ort fast zu Grabe getragen. Beim Parkplatzsuchen haben wir Dirk spielen sehen, denn das Slowboy – Plattenladen, Druckerei und Kunstgallerie in Einem – hat zur Straße hin ein großes Schaufenster. Wirklich mitbekommen haben wir dann aber nur das Ende vom N Auftritt. Für uns war klar, dass wir Microphonics und N in Duisburg „nochmal“ sehen müssen. Gestern war es soweit, Tourabschluss im Djäzz. Pünktlich sind wir diesmal, überpünktlich. Dirk Serries und Hellmut Neidhardt legen grad letzte Hand an, die Instrumente und Verstärker stehen mitten im Raum, davor und dahinter gibt’s Sitzgelegenheiten. Nach einer Weile wird klar, dass heute nicht mehr als zehn Leute zu Gast sein werden.

dirk serries microphonics @ djaezz duisburg

Um kurz nach neun beginnt Dirk Serries mit seinem Microphonics Set. Alle sind leise, die ersten Töne erklingen, Serries legt mit seiner Les Paul einen Sound über den nächsten, baut mit Ebow-Einsatz Soundlandschaften, legt klassisch gespielte Melodien darüber, die den atmosphärischen Songs eine dezente Struktur verleihen. So langsam verschwindet der Alltag aus den Gedanken und die Fantasie formt Bilder von Landschaften aus der Vogelperspektive. Leise schleicht sich nach gut 25 Minuten N auf die Bühne und greift sich seine Gitarre. Serries blendet die letzten Töne langsam aus, N fängt leise an. Hier entstehen die Dronesounds aus einer Delay-Loop-Laut-Leise-Fusion. Wie eine Hammond B3 Orgel in Zeitlupe klingen die bedrohlich walzenden Sounds, die N mit seiner speziellen Volume-Pedal Spielweise erzeugt. Die Fantasien, die hier im Kopf entstehen sind, eindeutig düsterer als bei Microphonics.

microphonics + N @ djaezz duisburg

Kennt jemand das Gefühl, das man in dem kurzen Moment hat, wenn man im Traum fällt und dabei aufwacht? So fühlt es sich auch teilweise während des Konzertes im wachen Zustand an. Unglaubliches Gefühl.

N spielt ähnlich lang wie Dirk Serries, es folgt eine kleine Pause und der zweite Teil, den diesmal N beginnt. Die Sinne sind nach einer knappen Stunde Droneklänge sensibilisiert und so geht der leise eingeleitete Song, der zu einem lauten Soundberg mutiert, direkt unter die Haut. Ein Marshall Verstärker von N trägt nur noch den Schriftzug „shall“, was, wenn es Zufall ist, sehr passend ist. N hat das Djäzz mit seiner passend lauten Beschallung fest im Griff, bis er nach mehreren Minuten den Sound seiner Gitarre immer leiser werdend ausklingen lässt und Dirk Serries die Bühne überlässt. Die Sinnesreise geht weiter mit einem weiteren Microphonics Stück, bei dem Serries bildlich anzusehen ist, dass er seine Musik lebt. Sein Oberkörper windet sich um die Gitarre, er wendet sich dem Verstärker zu, wendet sich wieder ab und verändert dabei den Sound seiner Drones. Es ist ein einzigartiges Wechselspiel von Instrument, Musiker und dem restlichem Equipment. Es ist kurz nach elf, die letzten Sounds verhallen im Raum. Erstmal sitzen bleiben und alles gerade erlebte wirken lassen.

N_djaezz

Schön zu sehen, dass es Musiker gibt, die ihre Musik so leben wie Hellmut Neidhardt und Dirk Serries.

Wir machen die Tür auf, verlassen das Djäzz und sind zurück im Alltag, aber wir nehmen eine musikalische Erinnerung mit, die uns niemand mehr nehmen kann.

Die restlichen Bilder aus Düsseldorf und Duisburg findet ihr auf unserer PHOTOS Seite.

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One Response to “LIVETAGEBUCH: MICROPHONICS & N”

  1. November 7th 2010 « a gathering of all projects / experiments Says:

    […] Read the report at Post-Rock.de […]

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