NEUE LONG DISTANCE CALLING

Das Münster/Dortmund/Berlin-Quintett Long Distance Calling hat sich wohl endgültig des "Post-" Labels entledigt und eine vollständige Hinwendung zum puren, ursprünglichen Instrumentalrock vollzogen. In diesem Genre spielen sie in Deutschland fraglos in einer eigenen Liga, sowohl kommerziell als auch qualitativ, und brauchen auch den internationalen Vergleich in keiner Weise zu scheuen. Nach einem Demo, zwei Alben und einer Split-LP mit Leech, gehen sie nun mit ihrem neusten Werk "Long Distance Calling" an den Start.

Der erste Eindruck offenbart keine Revolution. Bei genauerem Hinhören eröffnen sich jedoch Sounds, die noch breitwandiger daherkommen als bisher und eine erhöhte Riff-Orientierung, die Songs, wie das vorab veröffentlichte "The Figrin D’an Boogie", teilweise gar in dezent psychedelisch spacige Stoner Gefilde driften lässt und Parallelen zu den Eidgenossen Monkey3 offenlegt. Nicht neu, aber immer wieder beachtlich, ist die hohe Songorientierung und die daraus resultierende Eingängigkeit der Kompositionen. Hier hat jede kleine Spielerei, jeder Schlenker und jede Wendung ihre Berechtigung und Bedeutung – die Progressivität ist nicht Selbstzweck, sie ist Teil des großen Ganzen.

Überdies kommt auch Longplayer Nummer drei erwartungsgemäß nicht ohne die bekannten und bewährten Grundzutaten einer jeden LDC Platte aus. Die Band bedient sich im reichen Fundus der Musikgeschichte und fügt das Beste aus den Welten Metal, Rock, Prog und Alternative auf ihre ganz eigene Art neu zusammen. Die elegischen, raumgreifenden Gitarrenmelodien und nicht zuletzt die glasklare Produktion lassen ein vieldimensionales Gesamtbild entstehen, in dem auch kraftvolle Drums und schwere Metal Gitarren wie selbstverständlich ihren Platz finden.

Apropos Metal – nach Peter Dolving (The Haunted) auf "Sattelite Bay" und Jonas Renkse (Katatonia) auf "Avoid The Light" gibt es auch diesmal wieder ein Vokalexperiment mit einem namhaften Metal Shouter. Der Armored Saint und Ex-Anthrax Sänger John Bush bekommt die Gelegenheit, sich mit "Middleville" auf völlig neuem Terrain zu profilieren und macht seine Sache, wie auch schon seine beiden Vorgänger, ausgezeichnet. Gut zu wissen, dass Long Distance Calling auch mit Gesang funktionieren, noch besser zu wissen, dass sie ansonsten ausschließlich ihre Instrumente sprechen lassen, denn das beherrschen sie wie nur wenige andere Bands.

Produziert wurde das Album im Horus Sound Studio in Hannover in Zusammenarbeit mit Benjamin Schäfer. Veröffentlicht wird "Long Distance Calling" als Doppel-LP, CD oder Digitaler Download am 21.02.2011 via Superball Music. Die Limited Edition ist als Bonus mit einer "Live at Roadburn 2010" CD bestückt. Rund um den Veröffentlichungtermin hat die Band einige Livetermine angesetzt, die genauen Daten findet ihr ONTHEROAD.

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