NOVELLER UND DAS EISZEITLICHE SCHIMMERN

Sarah Lipstate alias Noveller veröffentlicht nicht mal ein Jahr nach ihrem letzten Album “Desert Fires” den Nachfolger “Glacial Glow”. Die beiden Elemente Feuer und Eis in den Titeln der Alben lassen schon vermuten, dass hier ein Zusammenspiel von Gegensätzen vorliegt. Doch wer bei “Glacial Glow” ein kaltes Album erwartet, der irrt.

noveller glacial glow

Noveller konzentriert sich auch auf “Glacial Glow” wieder auf den Sound ihrer Gitarre in Kombination mit elektronischen und diversen anderen Effekten, wendet sich aber mehr dem bluesigen Geist der Gitarre zu. “Entering” als kurze Einführung zeigt erstaunlich eingängige Arrangements. “Glacial Wave” dann als erster vollwertiger Track überrascht mit seiner melancholischen Ruhe und der Aufschichtung von hellen sowie tiefen Sounds. Kein Noisegewitter, sondern Gitarrenmelodien, die unter die Haut gehen. Die nächsten beide Stücke sind dann wieder etwas experimenteller und so treffen geloopte Sounds auf unkonventionell gespielte Gitarrensaiten. “Alone Star” ist wohl das bluesigste Stück Musik, das Noveller bisher geschrieben hat, und so treffen hier rauhe, fette Gitarrenarpeggios auf Hintergrundgesurre. Das Highlight der Platte. Und immer noch vermisst man die Kälte, es ist eher das eiszeitliche Schimmern, das die Sonne verspricht. Denn die Songs sind trotz ihrer Melancholie hoffnungsvoll. Das warme Mastering von James Plotkin mag da sicherlich seinen Teil zu beitragen. “Waxwing” bringt kurz vor Ende dann nochmal die scheinbar ununterdrückbare experimentelle Note, um dann “Ends” den Abschluss zu überlassen. Die erste Hälfte des Liedes ist Akkordgeprägt, die Zweite minimalistisch zurückhaltend und so erlischt das Schimmern mit Ebowklängen allmählich. Wer Noveller kennt, wird überrascht sein. Wer sie nicht kennt, der sollte sich das Album unbedingt anhören.

noveller

“Glacial Glow”ist über Sarah Lipstates eigenem Label Saffron Recordings und Weird Forest auf CD und Vinyl erschienen und direkt über die Homepage von Noveller erhältlich. Wer die Platte im Stream anhören oder nur downloaden möchte, kann das auf Bandcamp machen.

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