Otto A Totland – Pinô

Sonic Pieces hätten für die Veröffentlichung von “Pinô” keinen besseren Zeitpunkt wählen können als den Januar. Die kalte Luft riecht nach Schnee, kahle Bäume strecken ihre Äste in den milchigen Himmel und der Boden ist gefroren. Der Hörer jedoch sitzt im Innern, umgeben von Wärme und weichem Licht – und der Musik von Otto A Totland.

Totland dürfte den meisten als eine Hälfte von Deaf Center bekannt sein, dem Duo, in dem er mit Erik K Skodvin dunkle Ambient Drones erzeugt. In seinem Solodebut fehlen diese düsteren und unheimlichen Töne, sie werden ersetzt durch eine allgegenwärtige Melancholie, die sich mehr oder minder offensichtlich entfaltet. Wie Bodennebel an einem Januarmorgen. Vordergründiger ist jedoch die Wärme seiner Musik, eine Zartheit, die in den Anschlägen der Tasten beginnt und sich in den Melodien wiederfindet.

“open” eröffnet das Album als zaghafte Annäherung, die aus sanften Anschlägen und im Raum verklingenden Tönen besteht. Dem von Pausen getragenen Stück schließt sich “steps” nahtlos an, das tatsächlich den Eindruck forscher Schritte vermittelt. Eine Kaskade von Tönen, voller Zuversicht. Was folgt sind Geschichten, die der Norweger mit Hilfe seines Pianos erzählt, und Gefühle, die er in Musik kleidet. Die Stücke folgen einem eigenen Spannungsbogen: mal spielt Totland eine aufstrebende, fast beschwingte Melodie wie im titelgebenden “pinô”, dann wiederum nimmt er das Tempo zurück wie im zögerlich vorgetragenen “seveen”. Er nutzt Pausen, um Tönen Gewicht zu geben, fügt Zäsuren ein, überrascht mit Dissonanzen und spielt sprudelnde Arpeggios. In “solêr” bildet die Melodie einen Dialog, der zwischen Trauer und Trost wechselt. “north way” beschwört Bilder einer norwegischen Landschaft herauf, schroff und sanft zugleich. “jonas” bildet einen Bruch in der Gesamtheit des Albums, der dumpfe Klang steht im Kontrast zu der hüpfenden Melodie, die an ein Karussell oder eine Spieluhr denken lässt. “closer” hingegen vereint erneut  Melancholie und Hoffnung und bildet einen wunderbaren Abschluss des Albums. Die letzten verklingenden Töne entlassen den Hörer mit positiven Assoziationen.

Mir fällt es schwer, einzelne Favoriten herauszupicken, denn das Album wirkt am besten in seiner Gesamtheit. Die im Berliner Durton Studio von Nils Frahm entstandene Aufnahme zeichnet sich obendrein durch eine intime Atmosphäre aus. Man hört die Anschläge der Tasten, das Treten der Pedale und wie Hämmerchen gegen Saiten schlagen, was teilweise einen perkussiven, fast hypnotischen Effekt hat. Hinzu kommen vereinzelt Hintergundgeräusche.

Dieses sehr persönliche Album von Otto A Totland, das Sonic Pieces im gewohnten Textilcover herausbringt, limitiert auf 450 CDs und 350LPs, ist im labeleigenen Shop jedoch schon ausverkauft. Wer nicht auf die digitale Variante ausweichen möchte, sollte schnell auf die Jagd gehen.

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