PENDULUM NISUM

Pendulum Nisum nennt sich das Schweizer Duo, das aus Reto Mäder (Ural Umbo) und Mike Reber (Herpes Ö DeLuxe) besteht und auf seinem selbstbetitelten Debüt seine unter die Haut gehende Fusion aus Instrumenten und Field Recordings präsentiert.

PENDULUM NISUM

Den ersten Eindruck vom Album vermittelt das Cover mit einer Photographie von Reto Camenisch, auf der eine im Nebel liegende Felswand zu sehen ist. Nach dem ersten Hörgang setzt das Album dem Hörer eine Art Soundtrack zu diesem Bild in den Sinn. Der Hörer, der Betrachter, der Protagonist, der auf diese Felswand blickt, befindet sich in meinem sinnbildlichen Film in einer Hütte auf dem gegenüberliegenden Felsplateau. Der Einstieg mit “Advance Warning” mit Unwettergeräuschen und (echtem) Wolfsgeheule lässt schon mal eindeutig durchblicken, dass der Aufenthalt in der Hütte kein gemütlicher ist. Drones legen sich über alles und schleichen in das Unterbewusstsein des Hörers. “In A Slow Spiral Up” beginnt mit Hörnern, fast schon so wie ein Aufruf, den neu angebrochenen Tag dort oben auf dem Felsen positiv zu nutzen, doch nur um dann die Stimmung wieder zu kippen und in “The Sacred Temple Behind The Light” dem Protagonisten wieder mit eindringlichen Tastengeklimper und Ambientgetöse das Fürchten beizubringen. “Second Deluge” beendet das Spiel auf der A Seite mit einem orgelähnlichen Soundteppich und weiteren verstörenden Klängen, die sich immer weiter steigern und ineinander übergehen.

PENDULUM_NISUM_2011

Der Film ist noch lange nicht zu Ende, denn auf der B Seite wird die Geschichte weitererzählt. “Infernal Council” lässt Klaviertöne wie aus einer Höhle rumoren, es gesellen sich noisige Sounds dazu, dann sowas wie weiblicher Gesang (der aber in den Credits nicht auftaucht). Mittlerweile scheint die Felswand komplett von Nebel umgeben zu sein und der Protagonist in der Hütte halluziniert vor lauter Einsamkeit wohl schon. “The Aesthetics Of Imperfection” fängt elektronisch an und wird umrahmt von Gepfeife und Geklirre von Geschirr (?). Versucht der einsame Mensch in der Hütte sich zu beschäftigen und gute Laune zu verbreiten? Es bleibt wohl beim Versuch, denn der Song endet mit einem Donnerschlag. Ein wummernder Dronesound in “Without A Contract” wird mit Fliegengesumme gepaart. So viele Fliegen an einer Stelle können nichts Gutes bedeuten. Der Track entfaltet sich mit noisigen Sounds, verzerrten Stimmen und noch intensiverem Gedröhne. Verstörend schön. “Secret Mystic Rites” mit seinen helleren Tönen klingt fast schon wieder positiv, dann eine schnellsprechende Stimme wie über Funk und Glockenschläge. Hat man die Person in der Hütte gefunden und meldet das über Funk? Lebt die Person noch?

Hört euch die Platte selbst an und macht euch euer eigenes Kopfkino.

Das Debüt von Pendulum Nisum ist auf dem Schweizer Label Hinterzimmer Records erschienen und ausschließlich auf Vinyl über den Shop des Labels oder in Deutschland über A-Musik erhältlich.

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