PLATTEN

AN DIESER STELLE FINDET IHR IN UNREGELMÄSSIGEN ABSTÄNDEN PLATTENREVIEWS, IMMER DANN WENN WIR DENKEN, ES SOLLTE AN DIESE PLATTE ERINNERT WERDEN…

 

AIDAN BAKER – RICTUS

Aidan_Baker_Rictus

Rictus compiliert vier frühere CD-R Veröffentlichungen zu einem Rerelease im „Gathering Blue“-Style Digipack Cover. Dank des typischen Aidan Baker Sounds in Reinform auf allen vier Stücken („Ciatrice“, Dreamland Recordings / 2003; „Blauserk“, The Locus Of Assemblage / 2004; „The Taste Of Summer On Your Skin“, Taâlem / 2004 + 2005; „Fragile Movements In Slow Motion“, Universal Tongue / 2008) funktioniert „Rictus“ nicht nur als Compilation, sondern als (scheinbar) zusammenhängendes Album; wer diese Stücke noch nicht hat oder wessen CD-R-Versionen in Sachen Haltbarkeit zweifelhaft werden, dem sei „Rictus“ daher rückhaltlos empfohlen.

Aus meiner Sicht besonders herausragend der Abschluss mit „Fragile Movements In Slow Motion“; eines der ruhigsten, wenn nicht sogar das ruhigste Stück, das Aidan Baker bisher veröffentlicht hat: ein tiefes Fließen von Bassfrequenzen (laut den Liner-Notes aber allein mit der Gitarre erzeugt) von geradezu meditativer Kraft. Perfekt.

Erschienen auf dem norwegischen Label Ohm Records.

N, 06. Juli 2011

 

MARCH – MARCH

March

Draußen scheint verlockend die Sonne, aber es ist viel zu warm zum rausgehen, eigentlich viel zu warm für fast alles außer herumliegen und träge irgendwas zu trinken zu holen… Zumindest „When I See You“ und „Try Not To Hide“, die beiden Opener von March, transportieren diese Stimmung musikalisch perfekt; der sehnsüchtig / träge gezogene Gesang über transparenten Singer-Songwriter, analog-akustisch / digital-elektrisch Backing… „Structures And Layers“, (und auch eine mögliche Kurzcharakterisierung für March’ Musik, die auf den ersten Blick ganz handgemacht akustisch klingt, in Wirklichkeit aber genau so stark von einer Vielzahl kleinster Details elektronischen Ursprungs lebt. „Nur“ das diese so harmonisch eingebettet sind, dass alles ganz selbstverständlich wirkt…) zieht rhythmisch ein wenig an; …der Versuch, aus der Hitze auszubrechen… Aber keine Angst, schon „You Left“ greift wieder stärker die ruhig träge Gesamtstimmung auf… „Deny Me“, dann mein Lieblingsbeispiel für traumwandlerische Sicherheit im Umgang mit der Verwebung der Ebenen: unbedingt auch mal über Kopfhörer probieren, wie am Ende plötzlich das Tremolo das Stück in die Unwirklichkeit schiebt… perfekt. „Wintertime“ tatsächlich ein wenig außerhalb der allumfassenden Sommerträgheit der Platte; „Go To Sleep“, ganz im Gegenteil zum eigenen Titel wieder lebendiger, treibend und „Find Your Spain“ der harmonische Abschluss…

Dass diese 9 Stücke über einen Zeitraum von 5 Jahren eingespielt wurden, ist bei der Homogenität der Platte fast unglaublich… Zeugt möglicherweise aber auch einfach nur von March’ eigener Konzepttreue und dem Sinn für Abwechslung im Zusammenhang. Denn: auch wenn alles wie aus einem Guss scheint: Abwechslung bieten die einzelnen Stücke genug. Das merkt man nicht sofort, dafür später um so mehr.

Schickes Cover mit einem Bild von Erik E. im Gesamtdesign von Carl Glover von Aleph. Erschienen bei Tonefloat Records.

N, 13. Juni 2011

 

TEPHRA – TEMPEL

tephra tempel

Tephra, die Band mit den (mindestens) zwei Identitäten, das wird schon nach knapp 1 Minute und 50 Sekunden klar: Postrockicker (Uptempo) Auftakt, sich selbst umspielende Apreggios in transparenten, eher luftigen Sound und dann der Killerbreak in den doomigen Metal (plus ebensolchen Gesang). Auf “Chains And Pounding Hooves” dann mit fast maschinell inspirierter Rhythmik und einem Vorwärtstreiben auch durch die Harmonien und besonders den Gesang; ohne das extreme Ausloten der Facetten des Vorgängerstücks… “Agra” dagegen ganz im Focus eines Postrock / Mathrock Rhythmus (fast Shellac inspiriert) als Träger eines verlorenen Instrumental-Themas. Und auch hier: Uptempo, nach vorn, kein Verharren, kein Zurückschauen… Erst recht auf dem folgenden Stück, das in seiner Art den Vorgänger mit seinen Mitteln fast fortzusetzen scheint, dabei den Gesang in den Vordergrund stellt und alles gnadenlos niederrennt… Halt: niederzurennen scheint: nach knapp zweieinhalb Minuten das Auflösen in eine harmonische Öffnung, aufgefangen durch laid-back Rhythmik; mit einer Gitarrenlinie zwischen Solo und Instrumentalthema als Ablöser des Gesangs und dann dessen Wiederkehr im Wechselspiel mit einem instrumentalen Ritt über Riffs und Sololinien… wiederum Par Force…

Aber: das erstmalige Innehalten im alles niederwalzenden Killerlauf ist doch auch so etwas wie der Auftakt, den folgenden vier Stücken insgesamt etwas mehr Luft zu lassen, ein stärkerer Bezug auf eine Atmosphäre zwischen Ausbruch und Abwarten; steht Tephra auch gut… keine Frage. Und am Ende (mit ein bisschen Fantasie) sogar der Bezug auf Harmonien außerhalb des gewohnten Kulturkreises… gekonnt!

Tempel ist auf Golden Antenna Records erschienen.

N, 17. April 2011

 

THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE – SELF TITLED (REISSUE)

TKDE SELF TITLED REISSUE

Rerelease des 2006 auf Planet MU erschienenen Debuts. Und, nochmal zur Erinnerung, The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble sind das sonnigere Alter Ego der The Mount Fuji Doomjazz Corporation. Wobei sonnig vielleicht doch etwas zu hoch gegriffen ist: trippige/trip hoppige Atmosphäre; wenn The Mount Fuji Doomjazz Corporation für zähfliessende (positiv gemeint) Improvisation steht, konzentriert sich The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble auf fassbarere Strukturen, rhythmisch bestimmt.

Und deutlich kürzere Stücke, wiederkehrende (und als solche erkennbare) Themen; dem Zusatz „Jazz“ im Namen durch Sound und Spielhaltung, wie z.B. bei „Rivers of Congo“, durchaus auch mal stärker entsprechend: kontrabassähnlicher Lauf, offenes Schlagzeugspiel, organisch verzahnt und dazu eine soundlich fast retromässig im Hintergrund ablaufende Bläserimprovisation… Aber The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble besitzt auch deutlich experimentellere Seiten, wenn „Solomon’s Curse“, zunächst wie eine ruhige Fortsetzung des Vorgängertracks klingt und dann in eine düster verhallte Experimental-Improvisation fällt… „Amygdhala“, dagegen wie ein Zwischenspiel eines Horrorfilm-Soundtracks mit nur zwei Tönen als die die Spannung hochhaltende Mikromelodie. Die im Kontext größte Überraschung: „Vegas“ mit einem dichten Teppich programmierter Beats und darüber stattfindender, extrem verhallter (und möglicherweise ebenso programmierter oder zumindest extrem bearbeiteter) Schichten mit Melodiefetzen, Ansätzen von Themen, etc… Fast schon aus der Platte herausfallend, durch den durchgehenden Sound und die spezielle Art des Halleinsatzes, der (neben Anderem) beide Inkarnationen der Band zu verbinden scheint aber auch hier wiederum im Zusammenhang verankert.

Hit: „Pearls for Swine“, mit seinem  zwischen Moll und Dur wechselnden Streicherloop und den Noise Einschüben über schiebender Rhythmik…

Erhältlich auf CD und LP bei Denovali Records.

N, 08. März 2011

 

THISQUIETARMY + YELLOW6 – DEATH

thisquietarmy_Yellow6_Death

Zusammen aufgenommen an einem Tag in Montreal, Teil 1 eines zweiteiligen Releases; hier „Sand“, „Furnace“ und „Salt“ als Teil der ersten 12“. Und, wenn zwei sonst solo arbeitende Gitarristen, wie Thisquietarmy und Yellow6, aus dem gleichen Genre sich zusammentun, fällt es oft schwer, zu benennen, wer von beiden für welche Aspekte verantwortlich zeichnet (und nicht selten ist das offensichtlich Logische dann doch der Irrweg). Ich wage es trotzdem; vermute, dass Eric Quach (Thisquietarmy) auf „Sand“ für die wellenartig schlingernden Drones zuständig war, während Jon Attwood (Yellow6) die Single-Note-Atmospherics beisteuerte. Ein Stück fast zeitloser Dimension, wieder einmal. Und durch die tonal und produktionstechnisch raueren Schichten im Untergrund fast naturhaft lebendig…

Mit (vermutet) der gleichen Rollenverteilung, aber völlig gegensätzlicher Abmischung „Furnace“, lange in einer Zwischenwelt verharrend und schließlich mit fast wie eine Orchestrierung aus Trompeten anmutenden Drones eine schwarz/weiße Götterdämmerung heraufbeschwörend, die nur durch die Auslaufrille (im letzten Moment) vor einem Übergriff auf die Hörer gehindert werden kann. „Salt“, der Abschluss, allein über die gesamte zweite Seite der 12“, eine Art Lautmalerei einer vielschichtigen Landkarte, die selbst noch das darunter abbilden will (und kann): jeder zuerst gehörte Ton hat Unmengen von Brüdern und Schwestern, in Erdlöchern versteckt, die darauf warten, entdeckt zu werden. Aschfahle Brüder und Schwestern, mit geisterhaften Absichten, Irrlichter.

Beim französischen Label Basses Frequences erschienen.

N, 04. Februar 2011

 

TIM HECKER – APONDALIFA

timhecker_apondalifa

Möglicherweise als Vorbote des kommenden Kranky-Albums veröffentlicht Tim Hecker mit „Apondalifa“ seine erste 7“ überhaupt. Auf dem australischen Label ROOM40.

7“ + Tim Hecker? Gut, „Pareidolia“ auf der Visitenkarten-CD auf Twisted Knister, da musste sich Tim Hecker auch schon auf ein paar Minuten beschränken; hier, auf der 7“, hat er sogar noch ein paar mehr, da beide Seiten für das Stück genutzt werden. Mit 1x abrupter Stop und 1x (gnädigerweise?) Infade… Leicht zwiespältig, derartiges, vielleicht auch deshalb(?) kommt mit der 7“ ein kostenloser Download als MP3 und da ist das Stück dann in voller Länge zu hören.

„Apondalifa“ zeigt Tim Hecker ein weiteres Mal von seiner aufwühlenderen Seite: ein sich windendes Stück vielschichtiger Layerkonstruktion aus Noise, Melodie, Atmosphäre und Entwicklung / Dynamik; genau so, wie man es von Tim Hecker gewohnt ist. Also ein weiteres Mal Stagnation auf hohem Niveau? Vielleicht sogar das. Vielleicht aber auch einfach das Folgen des eigenen Wegs. Und solange dieser derartige Gefilde quert, solange gilt es zu folgen. Wir werden sehen (+hören), welche Berge am Horizont liegen. Wenn er diesen erreicht hat. Bis dahin: sehr schöne 7“.

N, 23. Dezember 2010

 

 

INVISIBLE ELEPHANT – THE LIGHTS GO OUT

invisible elephant - the lights go out

Hinter Invisible Elephant verbirgt sich ein englisches Ein-Mann-Projekt, was man der Debütplatte “The Lights Go Out” wahrlich nicht anhört. Denn dieses shoegazige Psychedelic-Folk Erstlingswerk bietet dem Hörer die verschiedensten Höreindrücke, die Invisible Elephant mit verschiedenen Instrumenten zu einem homogenen Gesamtwerk vereint. Die Grundstimmung des Albums passt zur derzeitigen Jahreszeit. Kalt und verschneit ist es draussen und die Musik ist mit ihren hallenden Sounds und den verzerrten Vocals der passende Soundtrack dazu. Wer Folkrock mag, der durch experimentelle und laute Momente bereichert wird, der sollte sich Invisible Elephant mal anhören.

Das Album “The Light Go Out” könnt ihr auf der Bandcamp Seite von Invisible Elephant kostenlos runterladen oder noch besser als limitierte CD mit zwei Bonus Tracks bei Sonic Reverie bestellen.

D.K., 05. Dezember 2010

 

TO BURY A GHOST – THE HURT KINGDOM

To Bury A Ghost - The Hurt Kingdom

To Bury A Ghost ist eine junge Band aus England. Das Trio aus East Midlands veröffentlicht diese Tage seine Debüt EP “The Hurt Kingdom”, auf der die drei Musiker mit Einsatz von Drums, Bass, Piano und Gitarre eine gelungene melancholische Mischung aus Alternative und zugänglichem Art-Rock präsentieren. Dank Jonathan Stolbers Stimme liegen Bezüge zu Muse nahe. Wären Muse nicht zu einer Stadionband mutiert, würden sie wahrscheinlich so klingen wie To Bury A Ghost. Das eher ruhige Album hat Russ Russell, sonst für Bands wie Dimmu Borgir oder Napalm Death im Studio tätig, aufgenommen und produziert.

“The Hurt Kingdom” könnt ihr direkt über den Onlineshop von To Bury A Ghost bestellen.

D.K., 21. November 2010

 

KINGDOM – HEMELTRAAN

kingdom - hemeltraan

“Hemeltraan” nennt sich die zweite Veröffentlichung von Kingdom aus Belgien. Das Nebenprojekt aus der Church of Ra Familie bewegt sich stilistisch in den Grenzbereichen von Ambient, Drone und Doom Metal. Der Opener “.Altema” ist ein schleichendes Ambientstück, in dem sich wortloser Gesang und Gitarrensounds zu einem bedrohlich wummernden Song entwickeln. Das folgende “.Ruina.Where Men Go To Die” dagegen ist eine treibende, fast eingängige instrumentale Sludgenummer. “.A Quiet” baut sich wie der Opener aus der Stille auf und mündet im befreiend lauten “.The Rivers Rage”, in dem sich sakral anmutender Gesang gegen eine doomige Gitarren- und Basswand durchsetzen muss. Mit den Worten “oh lord, have mercy” wird um Gnade erbeten, die nach der Soundgewalt der Instrumente wohl nicht zu erwarten ist. Mit “.Elude”, einem Stück in dem alle Elemente von Kingdom zusammetreffen, endet das Album und hinterlässt trotz seiner Kürze einen bleibenden Eindruck.

Das düstere Artwork, dass einen Altarausschnitt zeigt, unterstützt die sakral und bedrohlich wirkende Atmosphäre des Albums. Für das Mastering hat die Band Billy Anderson bauftragt, der bereits an Meilensteinen wie “Houdini” von den Melvins Hand angelegt hat.

“Hemeltraan” ist über Hypertension Records erschienen und hier im Lande beispielsweise über Denovali Records erhältlich.

D.K., 26. Juni 2010

 

THREE STEPS TO THE OCEAN – UNTIL TODAY BECOMES YESTERDAY

Die Mailänder Three Steps To The Ocean lassen sich Zeit auf ihrem ersten Album “Until Today Becomes Yesterday”. Von den sechs rein instrumentalen Kompositionen überschreiten vier die Sieben-Minuten-Marke und beziehen ihre Spannung und Dynamik aus dem bewährten Wechselspiel zwischen lauten und leisen Momenten. Die geschickt integrierten Synthesizer Sounds unterstreichen zudem die melancholisch-dramatische Stimmung der Songs. Außerdem versteht es das Quartett perfekt, an den entscheidenden Stellen die nötige doomige Härte in ihren Postrock einfließen zu lassen, was dazu führt, dass über die gesamte Albumlänge keinerlei Monotonie aufkommt. Von uns gibt es dafür definitiv eine dicke Kaufempfehlung!

Auf CD erschien “Until Today Becomes Yesterday” bereits im Oktober 2009 über das italienische Label Frohike Records, die 12” Colored Vinyl Version, von der Band für Mitte 2010 angekündigt, wird via KNVBIRecords/Robotic Empire veröffentlicht werden.

M.H., 04. Juni 2010

 

NADJA – AUTOPERGAMENE

nadja autopergamene

Autopergamene von Nadja, von Essence Music bereits vor gefühlten zwei Jahren angekündigt, ist jetzt endlich erhältlich. Das Warten hat sich jedoch mehr als gelohnt. Nadja zelebrieren hier auf drei Tracks aufgeteilt eine Stunde lang den Sound, mit dem sie bekannt wurden. Hier dröhnen der Bass von Leah Buckareff und die Gitarre von Aidan Baker im Einklang. Auch nach mittlerweile weit über 20 Veröffentlichungen weiß das kanadische Duo mit seinen Klanglandschaften zu überzeugen. Natürlich haben Nadja auch auf diesem Album soundtechnisch Besonderheiten eingebaut, denn es bleibt nicht nur beim Bass- und Gitarren-Einsatz. Für den letzten Feinschliff hat die Band James Plotkin beauftragt. Wer immer noch nicht neugierig geworden ist und zögert, sich das Album zuzulegen, sollte einen Blick auf die Special Edition werfen. Hier kommt das Album in einer handgemachten Box, mit neu abgemischter DTS 5.1 Version und zusätzlichem Remix und einer Live CD-R. Desweiteren liegen ein 16 seitiges Booklet und mehrere hochwertige Kunstdrucke bei. Wer jetzt noch Kaufzweifel hat ist selbst schuld.

Beide Versionen von Autopergamene sind direkt über das brasilianische Label Essence Music beziehbar.

D.K., 19. Mai 2010

 

GRAILS – BLACK TAR PROPHECIES VOL. 4

grails black tar 4 artwork

Mit dem vierten Teil ihrer Black Tar Prophecies versorgen uns die Grails mit einer weiteren EP und verkürzen die Wartezeit auf ihr lang erwartetes nächstes Album. Fünf Songs in 20 Minuten erwarten den Hörer. Zwei eher experimentelle Stücke, zwei ungewöhnlich Klavier lastige Dreiminüter und das acht Minuten lange, groovig treibende Rockstück “Self-Hypnosis”, das eindeutig das Herzstück der EP abbildet. Mit Timba Harris von den Secret Chiefs 3 haben sich die Grails auch erstmalig prominente Hilfe für die Stringeinlagen der Platte eingeholt. Im Vergleich zu den ersten drei Teilen überzeugt Black Tar Prophecies Vol. 4 nicht durchgehend. Für Fans und Sammler auf jeden Fall ein Muss.

Black Tar Prophecies Vol. 4 ist über Important Records erschienen und als LP (in verschiedenen Farben) und limitierte Picture Disc erhältlich.

D.K. , 19. Mai 2010

 

GUNS OF BRIXTON – CAP ADARE

guns_of_brixton artwork

Die vier Franzosen von Guns Of Brixton liefern auf ihrem dritten Album “Cap Adare” eine gelungene Mischung aus Hardcore, Alternative und Dubrock. Der Dubrocksound ist dabei die Grundlage für alle weiteren Variationen auf “Cap Adare” und so gibt der Songtitel “Dub´s Not Dead” scheinbar auch das Motto des Albums an. Die zehn Tracks überraschen nicht nur durch die Vielfalt der musikalischen Einflüsse sondern auch durch abwechslungsreiche Strukturen, Samples und Gesangseinlagen. Der siebeneinhalbminütige Abschlusssong “Ajoute l´enfer” fährt beispielsweise alle Stärken der Platte auf und entwickelt sich vom Emo-Rocker hin zum groovigen Dub-Beat mit weiblichem Gesang und findet als Hardcore-Track mit männlichen Screams ein Ende. Hörenswert!

“Cap Adare” ist bei uns im Lande über Aentitainment Records erschienen und hier erhältlich.

D.K., 01. Mai 2010

 

FOREST SWORDS – DAGGER PATHS

FOREST SWORDS

Soulgesang Samples, Trip Hop Beats, diverse Loops, fetter Bass und hallende Folk-Gitarren miteinander verbinden? Klingt bestimmt nicht gut!? Doch, im Fall von Forest Swords Debüt 12inch “Dagger Paths” verschmelzen genau diese verschiedenen Elemente zu einem einzigartigen Sound. Das Liverpooler Ein-Mann-Projekt Forest Swords präsentiert sich mit sechs clever produzierten Songs, die durch ihre hallende Lo-Fi Aura eine besondere Atmosphäre entwickeln. Jeder Song überrascht mit neuen Elementen aus den verschiedensten Stilrichtung, einzig die folkigen Gitarrensounds, die dronige Hintergrunduntermalung und der zwischendurch einsetzende Bass verbinden die einzelnen Songs zu einem großen Ganzen.

“Dagger Paths” ist beim New Yorker Label Olde English Spelling Bee erschienen und ist inklusive MP3 Download über den OESB Shoppe erhältlich. In Europa ist die Platte unter anderem bei Volcanic Tongue zu haben.

D.K., 22. März 2010

 

MOUSE ON THE KEYS – SEZESSION

MouseOnTheKeys_Sezession

42 Sekunden lassen Mouse On The Keys einem Zeit um sich zu überlegen, welche Richtung ihre Debüt-EP “Sezession” einschlägt. Danach geht alles ganz schnell. Ein Klavierton jagt den nächsten, die Drums preschen voran und gelegentliche Saxophoneinlagen geben den Ton an. Dabei bewegt sich der Sound dieser japanischen Band eindeutig in Jazz-Gefilden, wobei die Songstrukturen stark erahnen lassen, dass die Bandmitglieder aus dem Post-Rock-Bereich stammen. Die kurzen Songs sind trotz ihrer Jazzlastigkeit sehr strukturiert und prägnant. Die knapp 20minütige Platte ist daher auch was für Hörer, die eher keinen Jazz hören. Definitiv eine Bereicherung für jede Plattensammlung.

Die bereits 2007 über Machu Picchu Industrias erschienene EP ist jetzt als limitierte europäische Erstauflage bei Denovali Records erhältlich. Ihr könnt zwischen CD und limitierter LP (inklusive CD) wählen.

D.K. , 14. Februar 2010

 

AFFORMANCE – A GLIMPSE TO THE DAYS THAT PASS

artwork

“A Glimpse To The Days That Pass” von der Athener Band Afformance ist nicht nur ihr Debütalbum sondern auch eine Art Sammlung ihrer gesamten Schaffensphase als Band. Auf dem Album sind acht instrumentale Tracks vertreten, welche die Band von 2004 bis 2008 in Griechenland, den Niederlanden und in der Schweiz aufgenommen hat. Stilistisch sind Afformance im Post-Rock anzusiedeln, den sie aber mit rotzigen Metallriffs und vielen anderen Einflüssen zu individualisieren wissen. Der Song “A Tide Before The Flickering Sun” baut sich beispielsweise in knapp 10 Minuten mit seinen sich aufschichtenden Melodien zu einem Ohrwurm auf. Bei “Do” dagegen überrascht der einsetzende weibliche Gesang, der sich genau wie die Sounds der Instrumente bis zum Ende hin steigert. Im großen Ganzen bietet das Album abwechslungsreichen Post-Rock und ist schon alleine wegen seinem einzigartigen Artwork eine Anschaffung wert. Jedes der 500 Exemplare ist ein Unikat, das die Band in Handarbeit koloriert hat.

Das Album ist über das griechische Label Catch The Soap Productions erschienen. Ihr könnt die CD aber auch direkt über die Bandseite via Paypal bestellen.

D.K., 05. Februar 2010

 

BLACK PYRAMID - BLACK PYRAMID

bp.jpg

Was die drei Jungs aus Northhampton, Massachusetts dem geneigten Hörer von treibenden und staubtrockenen Grooves hier vorsetzen, ist erschreckend souverän und aller Ehren wert. Gut, textlich ist das wahrlich nicht thinking man’s metal – geschenkt. Zumal sich die Okkultlyrik nahtlos in die düstere und grummelnde Gesamtatmosphäre der Platte einfügt, ohne auch nur ansatzweise befremdlich zu wirken. Mit fast unverschämter Lässigkeit und Simplizität walzt und schleppt sich die schwarze Pyramide durch sandigen Boden, spart nicht an großartigen Melodien, minimalen Prog-Elementen und hervorragendem Songwriting. Das Trio beruft sich in seiner Selbstauskunft auf Größen wie Sleep, Electric Wizard, High on Fire, Black Sabbath oder Pentagram. Das darf so stehen bleiben. 9 Songs, um sich knappe 50 Minuten lang mit einem verliebten Grinsen an die Wand bügeln zu lassen.

Über Meteor City könnt ihr euch den Silberling von Black Pyramid besorgen –  eine der besten neuen Doom-/Stoner-Bands. Mehr davon!

J.K., 20. Januar 2010

 

AMENRA – AFTERLIFE

Amenra, eigentlich im Sludge und Post-Hardcore beheimatet, überraschen auf ihrer neuesten Veröffentlichung mit drei experimentellen Akustik-Songs. Dass die CD Version auf insgesamt sechs Titel kommt, liegt daran, dass die Tracks hier zusätzlich noch in einer alternativen Form dargeboten werden. Die Songs sind durchgehend eher langsam, schleppend und behäbig gehalten und verbreiten eine schwermütige und melancholische Stimmung. Clean-melodischer Gesang prägt den Sound, wobei die Texte teilweise nur gesprochen werden. Die Instrumentierung ist sehr dezent und beschränkt sich auf akustische Gitarren unterlegt mit zurückhaltendem Schlagzeugspiel. Man darf hoffen, dass die Belgier zukünftig weitere Ausflüge in genrefremde Gefilde wagen werden.

Ordern könnt ihr “Afterlife” auf Vinyl als limitierte Picture 10” oder im CD Format hier.

M.H., 18. Dezember 2009

 

SEVEN NAUTICAL MILES – EVERY OCEAN REVERSED

l_1a2218592ad104b0e147e21fee7a28ca-300x300.jpg

Mit Cult of Lunas Magnus Lindberg hinter den Reglern, während Pierre Johansson von Breach für das Artwork verantwortlich zeichnete, debütierten die sechs Schweden Seven Nautical Milesbereits im September 2008 mit ihrem Werk „Every Ocean Reversed“, das sie auf Augenhöhe positioniert mit den bekannten Größen des Post-Metal und des Post-Rock, ohne bloße Epigonen zu sein. In sechs treibenden epischen Tracks, alle weit über acht Minuten dauernd, werden Melancholie, Sentiment und Aggression auf- und wieder abgebaut, untermalt von dem eindringlichen Gesang eines Mathias Öystilä, der sich oftmals die Seele aus dem Leib schreit, sich sogleich aber auch zurücknehmen kann wie in dem vor Traurigkeit nur so strotzenden „Our Eyes“. Ganz gleich welcher musikalischen Schubladen man sich bei Seven Nautical Miles bedienen mag, seien es Doom, Sludge, Ambient, Post-Metal oder -Rock: Anhänger genannter Stilrichtungen werden mit „Every Ocean Reversed“ ihre helle Freude haben.

Beziehen könnt ihr das Werküber Sound Devastation Records.

J.K., 03. Dezember 2009

 

ADOLF PLAYS THE JAZZ – DIRTY WATERS

dirty_waters_artwork

Vorab sei gesagt, dass diese Band aus Griechenland mit ihrem Namen weder politische Intentionen hegt noch die Stilrichtung angibt. „Dirty Waters“ ist bereits die achte Veröffentlichung von Adolf Plays The Jazz und ihr bisher homogenstes Album. Die instrumentale Platte fängt rockig an und zeigt, dass sich die Athener im Indie-, Alternative- und Postrockbereich wohl fühlen. Doch „Dirty Waters“ wird von Song zu Song immer experimenteller und endet mit dem 12minütigen „Drive“, bei dem sich die Band alle Zeit nimmt ihren facettenreichen Sound zu entfalten. „Dirty Waters“ ist das bisher am besten funktionierende Adolf Plays The Jazz Album, weil die verschiedenen Tracks aufeinander abgestimmt sind und als ein Ganzes sehr gut funktionieren.

„Dirty Waters“ und alle anderen Releases der Band sind auf ihrer Seite kostenlos erhältlich.

D.K., 28. November 2009

 

BLUENECK – THE FALLEN HOST

blueneck_the_fallen_host.jpg

Mit “The Fallen Host” liefern Blueneck aus Bristol ein ausgereiftes zweites Album ab, auf dem sie den Sound ihres Debüts “Scars Of The Midwest” weiter ausgearbeitet haben. Neben Bass, Gitarre und Drums geben Streich- und Tasteninstrumente den Songs einen ganz eigenen Charakter, der Blueneck von gängigen Alternative Sounds wegführt. Beginnend mit “(Depart From Me, You Who Are Cursed)” versetzen Blueneck den Hörer mit ruhigen, gleitenden Klängen in eine schwerelose Lage und fangen ihn immer wieder mit einsetzenden Drums und sich steigernden Rhythmen auf. Duncan Attwoods Gesang nimmt erst in der zweiten Hälfte des Albums eine tragende Rolle ein, bis es beim letzten Track “Revelations” zur wortwörtlichen Offenbarung kommt und alle Stärken der Platte fulminant zusammengetragen werden. Würden wir hier Punkte vergeben für die Platten, gäbe es eindeutig die volle Punktzahl. Definitiv eine der besten Platten des Jahres 2009!

Die europäische LP/CD Version von “The Fallen Host” erscheint Mitte November bei Denovali Records.

D.K., 02. November 2009

 

 

ALTAR OF PLAGUES – WHITE TOMB


 

Mit „White Tomb“, ihrem Debüt Album, liefern die Iren Altar of Plagues ein sehr modernes und innovatives Werk ab. Die Musik der Band ist sehr vielschichtig und fügt verschiedenste Stilrichtungen zu einer homogenen Einheit zusammen. Epische Black Metal Parts, die teilweise Vergleiche mit Wolves In The Throne Room nahe legen, wechseln sich ab mit ausufernden, ruhigen Passagen. In diesen werden Ambient, Doom und Postrock Elemente sehr harmonisch miteinander verwoben und erzeugen eine bedrohliche und bedrückende Stimmung. Auf einzelne Songs einzugehen erübrigt sich, da das Album nur in seiner Gesamtheit seine volle Größe entfaltet.

Erschienen ist „White Tomb“ bei Profund Lore Records. Zusätzlich ist eine limitierte Vinyl Edition via Deviant Records erhältlich.

M.H., 31. Oktober 2009

 

LATITUDES – AGONIST

latitudes agonist

Latitudes aus England machen schwerfällige, schwerelose und schwer melancholische Musik. Der Sound der Band zeichnet sich durch seine verschiedenen Elemente aus Alternative-, Post-Rock und Metal aus, die auf eine äußerst passende Art und Weise zusammengführt werden. Einige Songs werden zudem von sehr fragilen Vocals untermalt, die die schwerfälligen Tracks in eine melancholische und schwerelose Ebene heben.

Ihr könnt die CD bei Shelsmusic vorbestellen.

D.K., 01. Oktober 2009

 

OM – CONFERENCE LIVE


Bei diesem Album des Duos aus Oakland handelt es sich um die Live Version ihres „Conference of the Birds“ Werkes aus dem Jahre 2006. Aufgenommen 2008 bei einem Auftritt in New York, entfalten die beiden Songs „At Giza“ und „Flight of the Eagle“ noch mehr Dynamik als schon auf der jeweiligen Studioversion. Al Cisneros’ eigenwilliger, hypnotisch-psychedelischer Gesang, sein markantes Bassspiel und Emil Amos’ groovebetontes Schlagzeugspiel harmonieren perfekt und die im Original bereits überlangen Songs werden hier nochmals um einige Minuten in die Länge gezogen, so dass man als Freund minimalistischer, authentischer Stoner/Doom Sounds bestens bedient wird.

Veröffentlicht wurde die Platte über Important Records, ist aber auch über Denovali Records erhältlich.

M.H., 29. September 2009

 

NADJA – UNDER THE JAGUAR SUN

nadja - under the jaguar sun

Nach mehreren EPs, Kollaborationen, Splits und einem Cover-Album ist nun ein neues Full-Length Album des kanadischen Duos erschienen, das es in zwei Versionen gibt. Bisher ist die Doppel-CD Version erschienen. Auf der Einen sind die lauteren dronigen Parts und auf der Anderen die ruhigeren Ambient Sounds zu hören. Somit ist dem Hörer selbst überlassen, wie er das Album hören mag; ob ruhiger, lauter oder im Mix aus beidem. Die bald folgende Vinyl Version dagegen kommt als fertiger Mix raus.

Den Vinyl Mix könnt ihr auf Nadjas LastFM Seite hören.

Die CD Version ist bei Beta-lactam Ring Records erschienen.

Kaufen könnt ihr die CD unter anderem bei Denovali Records.

D.K., 12. September 2009

 

NADJA – BELLES BETES

nadja - belles betes

Neben “Under The Jaguar Sun” ist auch dieses “Schöne Biest” bei Beta-lactam Ring Records erschienen. Nadja interpretieren hier Aidan Baker Songs. Aidan Baker covert sich selbst? Doch beim Hören der Songs wird klar, dass es Sinn macht. Es sind vor Allem die zugänglicheren Titel Bakers die hier im Nadja Soundkleid eine ganz andere düstere Wirkung erzeugen. Bakers dezenter Gesang, die in Effekten versunkene Gitarre und der brodelnde Bass wandeln die harmlosen schönen Originale in bedrohlich dronende Biester.

Die LP Version ist bereits bei Beta-lactam Ring Records erschienen und ist auch bei Denovali Records erhältlich.

Die CD Version wird etwas später erscheinen und bietet neben einem eigenen Artwork auch noch zwei weitere Aidan Baker Cover.

D.K., 12. September 2009