LABEL: EMPIRIC RECORDS

Posted in Label on June 30th, 2013 by D.K.

Als Droehnhaus vor einiger Zeit Geschichte wurde, waren wir in der Redaktion schon etwas angeschlagen, denn es gab und gibt nicht so viele deutsche Label, die mit großer Passion experimentelle Musik auf Vinyl veröffentlichen.

empiric records

Nun hat sich Labelgründer Alwin Lorenz ein neues Label aufgebaut: Empiric Records tritt das Erbe von Droehnhaus an und macht genau da weiter, wo das alte Label aufgehört hat. Wie es sich in dieser modernen schnelllebigen Zeit gehört, sind die Vinylveröffentlichungen jetzt auch digital erhältlich.

Drei Releases gibt es mittlerweile, die sich allesamt lohnen, egal ob digital oder als echter Tonträger.

Die erste Veröffentlichung ist “Kindspechlechleber” von Aalfang mit Pferdekopf. Genauso verwirrend wie der Titel ist auch das, was auf den Rillen der Platte zu hören ist. Abstrakte Sounds treffen auf Field Recordings. Nervige Kinderstimmen, verstörende Sounds und abgefahrene Tracknamen versprühen hier ihren ganz eigenen Charme. Mirko Uhlig zeigt hier eindrucksvoll, wie verworren ein Soundkosmos sein kann. Extremst lohnenswert ist die beiliegende CD mit Neubearbeitungen der Vinyltracks. Mehr Ambient, mehr Drone, mehr Musik als auf der schwarzen Scheibe. Wer sich nicht traut, diese Reise entgeltlich zu belohnen, der kann zurzeit auch kostenlos digital reinschnuppern.

Zweites Release ist “Nr2” von EAU-DC. Das Duo hat sein Debüt über Droehnhaus veröffentlicht und damit einige Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Nun legen die beiden nach und bieten auf der Nummer 2 eine Reise durch alle möglichen Variationen elektronischer Musik. Dabei bleibt nichts auf der Strecke: Dubstep, Ambient, Electronica, Jazz und wer weiß was sonst noch die beiden inspiriert hat. Wer auf experimentelle Musik mit ausgeklügelten Beats steht, ist hier genau richtig.

Die dritte Platte ist eine alte Bekannte. Im Juli erscheint die zweite Auflage von “Prora”, dem wohl rauhsten Album von N. Es ist die erste Neuauflage eines N Soloalbums, um so schöner, dass es genau dieses Album ist. Prora geht mit seinen beiden epischen Tracks unter die Haut wie kein anderes Dronealbum. Die Neuauflage kommt mit einem 12seitigen Booklet raus, das weitere Fotografien von Prora beinhaltet, dem Ort, der N zu diesem Album inspiriert hat. “Prora” ist auch das erste N Album, das digital erhältlich ist. Unser Tipp: Lasst die Finger von der digitalen Version und legt euch die Platte zu. Die Sounds entfalten ihren Geist nur analog auf dem Plattenspieler. Ihr habt keinen? Diese Platte ist ein Grund einen zu kaufen.

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AALFANG MIT PFERDEKOPF & DRONAEMENT

Posted in Release on December 31st, 2010 by N

Das eingespielte Team: Mirko „Aalfang mit Pferdekopf“ Uhlig & Marcus „Dronaement“ Obst. Im „Hermit Heaven“. Vorhersehbarkeit ist woanders Zuhause, das gilt mit Blick auf die vorangegangenen Veröffentlichungen, besonders die Teamworks. Und es gilt wegen der Art und Weise der (interessanten) Brüche und (ebensolchen) soundlichen Collagen. Wenn beispielsweise nach 6 1/2 Minuten des bohrend droneartigen Eröffnungsstücks „Ein umgestürzter Hafen: hope is the canvas on that you tallow“ ein katzenmusikartiges Interludium auftaucht. Was das Stück nicht davon abhält, direkt danach wieder (ok; raue) Ambient-Fahrwasser aufzunehmen. Bis zum nächsten Break: gleicher Qualität, versteht sich. Und nicht ohne hintergründige Ergänzungen mannigfaltiger Art. Und gegen Ende der rund 24 Minuten ist der taube Streicher dann natürlich auch wieder da, zum dritten mal. Das Stück wird dadurch auf eine skurrile Art durch sich selbst karikiert; fast in Frage gestellt, bis der Collagencharakter und die surreale Atmosphäre akzeptiert sind. „The conductor is reeling“ verhält sich da bei vergleichbarer Länge etwas moderater, stellt das Fließen in den Vordergrund, zuerst dunkel, dann angeraut durch Signale von irgendwo, bis es sich zum Ende in einer Melodie fängt, deren Schicksal es aber bleibt, in ein Field-Recording abstürzen zu müssen. Einnehmend.

aalfang_mit_pferdekopf_dronaement_hermit_heaven

„Dronabinol“ ist dann, wie der Name (im doppelten sinne) suggeriert, die erste Hilfe für all die, die es durchgehend dronig brauchen, während „Etnographische Kühe“, die Nummer 4, in den Lautäußerungen am Anfang nicht nur an vollständig andere Lebewesen erinnert, sondern auch nichts geringeres darstellt als einen weiteren Par-Force-Ritt durch die skurrile Fantasie der beiden Protagonisten: „Der zitronenfarbige Schnotthobel“ als König des Waldes… die Wertschätzung desselben dargebracht in Form einer Leichenschau… das hat schon Hörspielcharakter. den Abschluss bilden zwei wieder kürzere Stücke, wobei „Suchness/Suchmess“ als industriell/dronige Textur in rituelle Rhythmen aufsteigt bis das letzte Stück den Geiger des Anfangs noch einmal einlädt; zur Freude aller hat er diesmal sogar einen Verzerrer dabei; wir danken Gevatter Hall für seine Fürsorge im weiteren Verlauf und grübeln weiterhin über das Ende…

Mini-DVD-Cover plus Foto-Einleger… und das Coverartwork von Dagmar Flemming täuscht da eine Harmlosigkeit vor; da müsste eigentlich noch irgendwo eine Warnung stehen…

Neugierig geworden? Hörmaterial gibt es bei TOSOM.

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