LOCRIAN UND SICH UNENDLICH AUFLÖSENDE SOUNDS

Posted in Release on July 24th, 2015 by D.K.

Locrian sind zurück. “Infinite Dissolution” heisst das Werk, das heute erschienen ist. Als vor einigen Wochen das Cover veröffentlicht wurde, hatte ich zunächst Bedenken, denn stilistisch passt das kalte, extrem grafische Kunstwerk von David Altmejd nicht so richtig in die bisherige Diskografie. Der Verdacht lag nah, dass auch die Musik irgendwie in eine andere, nicht so gute Richtung abschweifen könnte. Dann kamen die Hörproben und eine ganzkörperliche Entspannung breitete sich in mir aus, als ich mir die Tracks anhörte.

Natürlich stehen Locrian stilistisch nicht still und packen auch diemal wieder eine Schippe drauf. Was genau den Unterschied zu den Vorgängeralben ausmacht, kann man aber trotzdem nicht genau sagen. Der Sound ist weiterhin ein Monster aus Black-Metal, Synthie, Noise, Power-Electronics und Rock-n-Roll in seiner abstraktesten Art. Allein die Zutatenliste von Soundtüftler Terence Hannum ist beeindruckend: Moog Little Phatty, Moog Minitaur, Moog Source, MicroKorg, Arp Avatar, EDP Wasp und Mellotron M400, um mal das zu benennen, was namentlich benannt werden kann. Hinzu kommen noch diverse Samples und Vocals. Gitarrist Andre Foisy spielt sich mal wieder die Finger wund und springt zwischen Geschrammel und Fingertapping hin und her. Steven Hess ist an den Drums unberechenbar und unnachahmbar, wie eh und je.

Gäste gibt es diesmal auch. Dana Schechter bringt etwas Lap Steel auf “Arc of Extinction” und  “An Index of Air” mit ein und Frau Hannum ergänzt auf dem selben Track und auf “The Great Dying” das Geschrei des Gatten mit harmonischen Vocals. Eine neue “Elegy” Folge gibt es auf dieser Platte leider nicht, dafür gibt es das dreiteilige “KXL I – III”, das über das ganze Album verstreut ist. Die größte Überraschung ist “Heavy Water”, das für Locrian Verhältnisse als Ballade durchgehen kann und synthielastig stark in Richtung der Soloplatten von Hannum geht.

Also hier gibt es nichts zu überlegen. Kaufen und zwar auf Vinyl!

 

 

 

Tags: , , , ,

TECUMSEH – SEVEN

Posted in Release on May 6th, 2015 by D.K.

Wow! Ich dachte schon sowas gibt es nicht mehr. Vor ein paar Jahren hatte ich dieses Gefühl beim ersten Hören von „Orthodoxe Caveman“ von Sunn o))) und bei „Ouroboros Is Broken“ von Earth. Jetzt fühlt es sich wieder so an: Beim Hören von „Seven“.

„Seven“ ist das neue Album der Nordamerikaner von Tecumseh. Ein Trio, das auf minimalistische Drones setzt, die gleichzeitig massiv und fragil sind. Die fünf Stücke der Platte schweben förmlich dank einem gezielten Einsatz von E-Bow Flächen, so dass man sich als Hörer so fühlt wie im Moment eines Traums in dem man denkt zu fallen und dann aufwacht. Die Band erfindet nichts neu, kombiniert aber stilistische Elemente aus Drone und Ambient und schafft so dieses dünne Netz aus Sounds, das trotzdem alles aufhält was sich darin verfängt. Ich als Hörer bin schon im Netz gelandet und kann mich nicht mehr befreien. Ein absolutes Highlight.

Die Aufnahmen zum Album sind in den letzten Jahren entstanden. Niemand geringeres als Mell Dettmer (auch beteiligt an Platten, der zu Beginn genannten Bands) hat die Songs aufgenommen. Das Mastering wurde in die Hände von James Plotkin gegeben, der einen sehr cleanen warmen Sound festgehalten hat, der auf CD sehr gut rüberkommt.

„Seven“ ist via Midira Records erschienen.

Tags: , , , ,

EVAN CAMINITI – MERIDIAN

Posted in Release on May 6th, 2015 by D.K.

Evan Caminiti hat sich selbst und seine Band Barn Owl in eine Art Kokon gepackt. Ausgehend von einer Dark Americana Drone Raupe ist in den letzten Jahren ein experimenteller droniger Synthieschmetterling entstanden, der immer weiter wächst.

„Meridian“ ist die Fortführung des Synthieschritts, den Evan Caminiti begonnen hat. Die letzten beiden Soloalben haben schon gezeigt, dass sich der Amerikaner aus San Francisco an den Reglern sehr wohlfühlt und seine Gitarre anscheinend nicht vermisst. Wir vermissen sie ehrlich gesagt schon, trotzdem ist „Meridian“ im Vergleich zu allen anderen Elektroscheiben der Barn Owl Familie sehr homogen und die neun Stücke haben eine magische Struktur, die den Hörer fesselt. Eine Paarung aus schrilleren Tönen und tiefen Bassläufen macht das Album zu einem Soundtrack für die bevorstehende Zerstörung San Franciscos, auf die Wissenschaftler seit Jahren warten.

Die Aufnahmen sind in den letzten beiden Jahren in San Francisco und New York entstanden und basieren auf Livestücken. Eine kleine Tour ist auch geplant, ob es nach Europa geht, steht noch nicht fest.

„Meridian“ erscheint bei Thrill Jockey Records.

Tags: , , , ,

JAMES WELBURN – HOLD

Posted in Release on April 6th, 2015 by M F

Bedrohlich wälzt sich ein pulsierender, stoischer Basslauf durch Naught, dem ersten Stück von James Welburns erstem Soloalbum “Hold”. Immer neue Frequenzen kommen hinzu und bauen sich zu einer Welle auf, die sich aufstaut, wieder verebbt, und wieder anschwillt, um den Hörer vollkommen gefangen zu nehmen.

Welburn ist ein Londoner, der zwischen Berlin und Norwegen hin und her pendelt, so ähnlich, wie er sich auf Hold zwischen den Eckpfeilern von Drone und Noise bewegt. Sein druckvolles und hypnotisches Bassspiel prägt alle Stücke auf diesem Album, bei dem teilweise vom Schlagzeuger Tony Buck, in dessen Band ‚Transmit’ Welburn auch Bass spielt, unterstützt wird. Der minimale, doch pausenlos nach vorne drängende Vibe auf Hold entwickelt einen geradezu psychedelischen Klang. Welburn ist ein Handarbeiter mit Magie in seinen Fingern, der bereits bei zahllosen Bands und Projekten mitgemischt hat.

Auf dem wunderbaren, hierzulande zu wenig gewürdigtem Label Miasmah Records des norwegischen Allroundtalents Erik Skodvin, der auch für die grafische Gestaltung des Albums verantwortlich zeichnet, veröffentlicht, stellt Hold etwas vollkommen Neues dar: Drone-Musik, die zur Unruhe hin tendiert, zum nervösen Fußwippen. Musik aus einer Höhle, in der die Lava bedrohlich pulsiert.

“Hold” erscheint im Mai via Miasmah Records. Eine erste Hörprobe gibt es hier.

Tags: , , , ,

ANDREA BELFIS STILLLEBEN

Posted in Musik on November 2nd, 2014 by D.K.

“Natura Morta” nennt sich das neue Album von Andrea Belfi, das diese Woche auf Miasmah erscheint. Eine altrosafarbene Hülle (CD/LP) trägt einen dunklen Siebdruck, eine Fotografie von geschnittenen liegenden Blumen, Stillleben oder wie der italienische Begriff es treffender umschreibt “Tote Natur”.

Musikalisch gesehen klingt das Album alles andere als nach toter Natur oder Stillleben. Belfis Hauptwerkzeug, die Drums, kommt hier zur vollen Geltung. Im Gegnesatz zum Vorgängeralbum, auf dem es um das Verfremden von auf den Drums entstandenen Sounds ging, setzt Belfi hier auf cleane direkte Drumsounds. Kompletiert werden die Songs durch sehr akzentuierte Elektronik, die im Prinzip nur das Drumspiel unterlegt. Das Album ist unterteilt in sechs Tracks, klingt aber wie aus einem Guss. Referenzen gibt es sicherlich viele, aber am besten hört man sich die Platte einfach nur an und lässt sie wirken ohne, gleich Vergleiche zu anderen Minimalmusikern zu ziehen. Richtig einordnen lässt sich die Platte eh nicht.

Die Aufnahmen zum Album sind im EMS Studio in Stockholm, im ZKM Museum in Karlsruhe und im Berliner Funkhaus entstanden. Das Mastern hat, wie bei so vielen Miasmah Platten, Nils Frahm übernommen. Ihr könnt die Platte direkt über das Schwesterlabel Sonic Pieces beziehen. Ob CD oder LP? Sieht beides geil aus und kostet gleich viel (bzw. wenig). Eure Wahl.

 

Tags: , , , ,

HER NAME IS CALLA NAVIGIEREN

Posted in Release on April 27th, 2014 by D.K.

Her Name Is Calla haben endlich ein neues Album im Gepäck. Nachdem 2010 “The Quiet Lamb” via Denovali veröffentlicht und hoch gelobt wurde, wurde es in letzter Zeit sehr still um die Band. Einzig Sänger Tom Morris gab einige musikalische Lebenszeichen mit seinen Soloplatten. Nun steht “Navigator” ab dem 5. Mai in den Plattenregalen.

Die Band hat sich nicht nur besetzungstechnisch verändert, sondern präsentiert sich auf “Navigator” vielseitig melancholisch und sehr viel ruhiger als bisher. Das neue Album entfernt sich stilistisch von den Vorgängerveröffentlichungen, was die energetischen Momente im Sound der Band angeht. Das ist schade für diejenigen, die genau diese Energieausbrüche mochten.

“I was on the Back of a Nightingale” eröffent das Album folkig, dann folgt der Bruch mit dem Synthiesound-Track “The Roots Run Deep”. Die Songs erinnern stark an die Soloveröffentlichungen von Morris, auch schon wegen der minimalen Instrumentierung. Erst bei “Ragman Roll” kommt ein Bandgefühl rüber. Der Titeltrack “Navigator” ist der erste Track der Platte, der richtig packt und zum aufmerksamen Zuhören mahnt. Das folgende “Burial” überzeugt durch seine empathischen Vocals. “It Was Flood” ist ein sehr schön ruhig treibender Track, der mit seinem instrumentalen zweiten Part durch die Hörgänge fliesst. Das epische “Dreamlands” beginnt als Akustiktrack, verwandelt sich nach drei Minuten in einen Drone-Track, um sich dann nochmal in einen choralen Track zu verwandeln, der in einer Noisewolke verstummt, um dann wieder ein Akustiktrack zu werden. Schade, dass danach noch ein weiterer Track kommt und hier nicht schon das Finale zelebriert wird.

“Navigator” ist ein melancholisches Winteralbum, das seine Wirkung jetzt kurz vor dem echten Sommer nicht richtig entfalten kann. Man muss sich mit der Platte intensiv befassen, beiläufiges Hören geht nicht, gut drauf sein geht auch nicht…

“Navigator” gibt es via Function Records als CD / LP und als Bonus gibt es noch eine digitale Remix EP dazu, wenn man sich für die Preorder entscheidet.

Tags: , , , ,

WIEDERGEBURTEN

Posted in Release on March 29th, 2014 by D.K.

thisquietarmy war in letzter Zeit sehr fleissig, was das Veröffentlichen und Touren angeht. Eine Nebenerscheinung dieser scheinbaren Überarbeitung ist “Rebirths”, das neue Album des kanadischen Ein-Mann-Drone-Monsters.

rebirths cd

Über die letzten Jahre hat Eric Quach alias thisquietarmy einige Songs geschrieben, die einen sehr starken Wiedererkennungswert haben, Ohrwürmer sozusagen. Das geht nämlich bei experimenteller Musik. Live kommen diese Tracks natürlich auch sehr gut an und wurden daher das ein oder andere Mal gespielt. Resultat ist, dass sich diese Tracks durch das wiederholte Livespiel verändert haben. Anlass genug für Quach, sich ins Heimstudio zu setzen und die Songs in den neuen Versionen nochmal neu einzuspielen.

Aphorismes MMXIV
Ursprünglich auf der Split/Kollaborationsplatte mit Year Of No Light via Consouling Sounds erschienen, nimmt sich thisquietarmy in dieser Version Zeit für das Wesentliche. Auf über 13 Minuten breitet sich eine Dronemelodie aus, die von Drummachine und noisigen Gitarren untermalt wird. Gleichwertig gut, wie das Original. Und überhaupt einer der hervorstechendsten Tracks des Künstlers.

The Pacific Theater MMXIV
Im Original auf “Vessels” via Aurora Borealis erschienen. In der neuen Version noisiger mit großem Fokus auf die Wirkung der wuchtigen Drumsounds. Noisig und rockig zugleich. Hier mag man sich nicht entscheiden, welche Version besser gefallen möchte.

Revival MMXIV
Auf “Resurgence” via Denovali Records schon eine Besonderheit, weil hier ein Basslauf samt fetzigen Drums den Song in eine Art New-Wave-Drone verwandelt. Auch in der neuen Version darf dieses markante Merkmal nicht fehlen. Der Song fällt einfach generell aus dem Rahmen, so auch hier.

The Black Sea MMXIV
Ebenfalls aus dem Vessels Repertoire und ähnlich hervorstechend wie der Opener dieses Albums, zelebriert thisquietarmy auf “The Black Sea” seine Noise-Drone-Landschaften auf über 13 Minuten und unterstreicht, dass er zu den wichtigsten Künstlern dieses Genres gehört. Die neue Version ist eindeutig rauher und ungehaltener. Ein Fest.

Stealth Drone I (Bonus Track)
Auf der japanischen CD Version des Albums via Tokyo Jupiter Records gibt es noch den obligatorischen Bonustrack. Keine Neuaufnahme,  dafür aber sehr passend als Abschluss des Albums, denn hier hat der Hörer Zeit wieder runterzukommen. Es brummt, vibriert, gleitet in den Ohren, einfach nur schön dronig.

“Rebirths” gibt es auf CD via Tokyo Jupiter Records und auf LP via thisquietarmy Records.

Natürlich ist thisquietarmy wieder auf Tour und hat die LP dabei. Hier findet ihr alle Informationen…

Tags: , , , , , ,

CHELSEA WOLFE & RUSSIAN CIRCLES

Posted in ontheroad, Release on October 27th, 2013 by D.K.

Chelsea Wolfe & Russian Circles haben vieles gemeinsam: eine neue Platte bei Sargent House, einen gemeinsamen Song, die Vorliebe Black Metal Elemente in anderen Stilen zu verarbeiten und sicherlich auch einen gemeinamen Tourbus, der die beiden Acts durch Europa und vor allem Deutschland kutschiert. Aber fangen wir langsam an…

Chelsea Wolfe zählt mittlerweile zu den “Frauen mit Gitarre und geiler Stimme”, die gerne mal mit PJ Harvey verglichen werden, zu Recht, teilweise zumindest. Auf “Pain Is Beauty” zelebriert Wolfe die Schönheit von düsteren Herzschmerztracks, ohne dabei ins Dramatische und Belanglose zu entschwinden. Der Opener “Feral Love” ist ein Klassiker aus dem Live-Set von Chelsea Wolfe. Drums, die wie ein schneller elektronischer Beat klingen, legen die Basis für Elektronik und Vocals. Eine Elektro-Indie-Hymne für die Ewigkeit. “We Hit A Wall” ist klassischer instrumentiert, wirkt ähnlich hymnisch und zeigt die Künstlerin von ihrer bekannten Seite. “House Of Metal” lässt verschiedene Stile butterweich verschmelzen und gleitet mit Streichern und hallenden Vocals vor sich her, um in einem unheimlichen aber auch eingängigen Refrain zu münden. “The Warden” überrascht mit seinem Elektrobeat und seiner Aura, die zum Tanzen animiert. “Destruction Makes The World Burn Brighter” bricht dann mit seiner fast punkigen Attitüde die Popaura wieder auf. “Sick” kehrt die elektronische Seite des Albums wieder in den Vordergrund. Der Höhepunkt kommt mit “Reins”, ein Song wie ein Sog. Chelsea singt von der Anziehungskraft, während die Instrumente treiben, treiben, treiben… Es wird akustischer, mit “The Waves Have Come” legt Chelsea Wolfe ein über achtminütiges Epos hin und mit “Lone” wird es intim, was bleibt ist die Sängerin und ihre Gitarre.

Ein Album, das sich seitens der Atmosphäre beim Black Metal bedient, stilistisch aber irgendwo zwischen Indie, Dark Folk, Singer-Songwriter, Elektro und Alternativ anzusiedeln ist. Auf alle Fälle ein Muss.

Wer sich nicht entscheiden kann, ob er Vinyl oder CD haben möchte: Das Doppelvinyl ist sehr schön aufgemacht, das Mastering ist allerdings nicht sehr stark, so dass die Tracks alle sehr leise und nicht druckvoll sind. Die CD-Version ist besonders in der Daymare Recordings Version aus Japan interessant. Hier gibt es die rauhere und intensivere Live-Version von “Feral Love” als Bonus.

Russian Circles spielen schon seit einigen Jahren in einer höheren Liga als andere Bands, die den Stempel Post-Rock aufgedrückt bekommen haben. Als Duo war die Band noch rauh und schön frickelig unterwegs, mit dem letzten Album “Empros” (griechisch für vorwärts) ging es eher nicht vorwärts. Die Songs klangen viel zu durchdacht und gleichmäßig, so dass am Ende des Hörerlebnisses ein Einheitsbrei im Ohr blieb.

“Memorial” zeigt die Band zum Glück wieder von einer anderen Seite. Der Opener “Memoriam” überrascht mit leisen Tönen, die der Band gut stehen. Aus den anderthalb Minuten hätten ruhig fünf werden können. Die folgenden “Deficit” und “1777” sind stampfende Doomnummern, die sich mal im Post Rock, mal im Black Metal bedienen und so eine Klanggewalt entfachen, die zum Mitwackeln animiert. Die eigentlichen Schätze des Albums sind aber die folgenden kurzen Nummern. “Cheyenne” baut und baut und baut sich auf und explodiert dann doch nicht. Was für ein fieses schönes Gefühl. “Burial” beginnt mit schnellen Gitarren und langsamen Drums und entwickelt sich zu einem Black-Metal-Inferno, um dann wieder in prolligen Riffs zu münden. Ach wie fein… “Ethel” erinnert mit seinem flinken Tapping an die alten Russian Circles. “Lebaron” ist ein kleiner Metal-Marsch, der noch mal den Lautstärkepegel der Platte anheizt. Das Ende der Platte gehört der gemeinsamen Nummer von Russian Circles und Chelsea Wolfe. Der Titeltrack ist ein sphärisches Schmuckstück, dem Chelsea mit ihren mystischen hallenden Vocals den nötigen Akzent verleiht. Wenn eine Instrumentalband sich einen Gastsänger heranholt, dann sollte es genau so überraschend klingen wie hier. Kein Proll, der zu Riffs brüllt, wie schon des Öfteren erlebt.

Die Platte erscheint am 1. November. Wer die Band schon aufgegeben hatte, sollte hier mal horchen und einen Kauf riskieren.

Und zu guter Letzt sind die Herrschaften zusammen auf Tour.
Hier die Termine:
31.10.2013 Karlsruhe, Jubez
02.11.2013 Köln, Bürgerhaus Stollwerck
03.11.2013 Hamburg, Logo
10.11.2013 Berlin, C-Club

Tags: , , , , , , ,

KANDODO – K2O

Posted in Release on July 21st, 2013 by D.K.

Im Bereich der experimentellen oder psychedelischen Musik gibt es ja keine Sommerhits. Das Metier wird von anderen Musikstilen bedient.

Das zweite Album von Kandodo namens “K2O” birgt zwar keine Sommerhits, es ist aber auf jeden Fall das perfekte Album für Musikfans, die sommerliche Sounds aus der experimentellen Ecke hören wollen. Das Artwork ist da schon der erste Anhaltspunkt.

Der Opener “Slowah” verbindet verschieden Loops zu einer kleinen Ouvertüre. “Grace and” verbindet Drones mit einem O-Ton, in dem es um Elvis geht – irgendwie unheimlich wie langsam der Sprecher seine Texte aufsagt. “Waves” verbindet Field Recordings von Wellen mit Akustigitarrensounds. Dann folgen die epischen Momente. “Kandy Rock Mountain” stampft mit psychedelischen Gitarrensounds und filigranen Drums 13 Minuten lang durch die Boxen, ohne das man merkt, dass in dieser knappen Viertelstunde eigentlich nicht viel passiert ist. Cool. “July 28th” verbindet Slideguitar und Synthieklänge zu einer Art Sommermantra. Und dann kommt der Abschluss. “Swim Into The Sun” ist wohl der Song zum Covermotiv. Und eins ist klar, der Weg zur Sonne ist sehr lang. 22 Minuten benötigt Kandodo dafür und auch hier braucht er nicht viel, um groovige Momente zu erzeugen. Drums und sich langsam steigernde Gitarrenflächen.  Sehr coole Platte. Auf zur Sonne!

Wie auch das Debut erscheint “K2O” über Thrill Jockey.

Mehr zu Kandodo…

 

Tags: , , , ,

KRAENE

Posted in Release on June 2nd, 2013 by D.K.

Kraene ist eine junge vierköpfige Band aus Leipzig, die diese Tage ihr selbstbetiteltes Debüt veröffentlicht hat. Der Sound der Band ist grob gesagt instrumentaler Post-Rock. Grob gesagt, denn hier steckt viel mehr hinter.

Bass, Gitarre, Drums sind hier die klassischen Instrumente, die zum Einsatz kommen. Darüber hinaus setzen Geigen- und O-Töne aus Filmen besondere Akzente. Der Sound der Band ist rauh und direkt, die Aufnahmen klingen wie ein Livemitschnitt aus dem Studio, was dem Album seinen besonderen Charme verleiht. Fünf Tracks umfasst das Erstwerk der Kraene. Der Opener “E.R.” lässt den Hörer noch im Glauben, öde Post-Rock-Themen zu erwarten, doch dies bewahrheitet sich nicht. Die Einflüsse der Band kommen anscheinend aus allen Ecken der Rockmusik, was zu hören ist. Ebenfalls ist die Spielfreude der vier Leipziger unüberhörbar, und dass die drei energisch dabei sind zeigt schon der Timetable der Platte: im März aufgenommen und im Mai selbst veröffentlicht. Der letzte Track “Alles im Jetzt” überrascht dann nochmal mit seiner epischen Größe. Hier stammen die O-Töne nicht aus einem Film und sogar Vocals in Form von Geschrei funken kurz auf.

Abgerundet wird das ganze Paket durch das gelungene Artwork: Eine schlichte Schwarz-Weiss-Gebirgslandschaft auf einem 300 Gramm-Digipack. Und irgendwo in dieser Landschaft steht ein Mensch, der wie eine winzige Ameise wirkt. Wer den Sound der Band mag, wird sich beim laut Hören sicherlich ähnlich vorkommen.

Ihr wollt die CD bestellen? Einfach eine Mail an Kraene schreiben.

Tags: , , ,

DANIEL MENCHE UND DIE WÖLFE

Posted in Release on May 1st, 2013 by D.K.

Daniel Menche aus Oregon beschäftigt sich mit Sounds aller Art. Seine Arbeiten entstehen, indem er Field Recordings oder andere Soundquellen als Basis verwendet, um daraus seinen eigenen Sound zu modellieren. Er bewegt sich dabei zwischen Ambient und Noise und schafft Klänge, die mal kakophonisch mal melancholisch klingen können. Wer sich mit Menche beschäftigen möchte, sollte also gute Nerven haben.

Auf “Vilké” (in Litauen das Wort für den weiblichen Wolf) beschäftigt sich Menche mit animalischen Soundquellen. Nachdem er auf einem seiner Streifzüge durch die Wälder das Geheule von Wölfen festhalten konnte, hat er sich daran gesetzt, genau diese Sounds zu einem Album umzuformen. Das Resultat ist das viergeteilte Album “Vilké”. Vier Tracks, die allesamt an der 19 Minuten Marke kratzen, nehmen den Hörer mit in die zutiefst gruselige Soundwelt von “Vilké”. Der erste Teil beginnt mit einem brachial lauten Drumming, das allmählich leiser wird und sich im Hintergrund einer elektronisch verfremdeten Noisewand wiederfindet. Die Wölfe sind nicht mehr zu erkennen, dafür sorgt Menche mit Drums, Piano und Gitarren, die ebenfalls nicht direkt zu erkennen sind. Die Sounds der Wölfe hat Menche durch den Rechner gejagt und so verfremdet, dass sie teils choral, teils noisig klingen. Im dritten Teil überlappen sich Drumsounds zu einer Art Black-Metal-Rhythmus-Wolke, die von verfremdeten Wolfsgesängen verschlungen wird. Erst im letzten Teil kann der Hörer auch mal durchatmen und sich auf einzelne Sounds konzentrieren ohne Angst zu haben, von kakophonischen Soundschwaden überrascht zu werden. Die letzten 19 Minuten gleiten vor sich hin und es entsteht eine Art melodisches Rauschen. Unheimlich.

Sige Records hat “Vilké” in Form gebracht und bietet das Album als Doppelvinyl mit Artwork von Faith Coloccia (Mamiffer) an und als limitiertes Tape inklusive einer DVD, auf der Menche mit Hilfe des Artworks von Coloccia ein Video zum Album verewigt hat. Das düstere geheimnisvolle Artwork passt auf jeden Fall sehr gut zum Album und rundet das Gesamtpaket ab.

Tags: , , , , , ,

CAUDAL SPIELEN FÜR DAS ERDHÖRNCHEN

Posted in Release on May 1st, 2013 by D.K.

Oaken Palace Records haben wir euch vor einiger Zeit im Interview vorgestellt, jetzt stehen gleich zwei neue Veröffentlichungen an. Caudal präsentieren mit “Forever In Another World” ihr Debüt und widmen das Album dem europäischen Erdhörnchen.

Caudal ist eine neue Band bestehend aus Aidan Baker (Nadja) an der Gitarre, Gareth Sweeney am Bass und Felipe Salazar an den Drums. Die Zutaten sind simpel, die Machart auch, das Ergebnis mehr als das. Während der Bass und die Drums eine psychedelisch-krautrockige Basis schaffen, untermalt Aidan Baker das Ganze mit seinen typischen Ambientgitarrensounds. “River’s Edge” chilled sich minutenlang ein und nimmt den Hörer mit in diese andere Welt, die der Titel andeutet. Das Coverartwork verleitet einen direkt, ein bestimmtes Bild im Kopf zu haben. “Threever” drückt richtig auf das Rhythmusgaspedal und entpuppt sich als Rocknummer im Psychedelic-Ambient-Fell. “Walrus Tusk Scrimshaw” nimmt das Tempo wieder zurück und die Rhythmuseinheit verzieht sich in den Hintergrund, um Aidans Gitarre mal eine Bühne zu bieten. Schnell merkt man was man die ganze Zeit vermisst hat, denn sobald die Gitarre mal ausbricht und Feedbacks sich ins Gehör schleichen merkt man, dass genau das bisher gefehlt hat. Der Titeltrack mit seinen impulsiven Drumrhythmen und den rollenden Gitarrensounds ist die perfekte “Ich fahr mit einer coolen Karre durch eine coole Gegend”-Nummer, Variationen schleichen sich an, fallen aber kaum auf, bis dann irgendwann eine Wand aus Delaysounds vor einem steht. Das Fazit ist eindeutig: Auf Seite A sucht man nach dem Besonderen von Caudal, auf Seite B findet man es.

Der Deal ist ganz einfach: Ihr kauft die Platte und sobald das Label Gewinne mit dem Verkauf erzielt, geht das Geld an den Naturschutzbund Niederösterreich, der Heimat des Ziesels, besser bekannt als Erdhörnchen.

Zu kaufen gibt es eine der 500 LPs hier…

Tags: , , , , , ,

NADJA GEHEN ES RUHIG AN

Posted in Release on May 1st, 2013 by D.K.

Nach dem massiven, lauten und vor allem rhythmischen “Dagdrøm” folgt nun “Flipper” von Nadja und auch hier geht das Duo wieder neue Wege. Nadja lassen es sich nicht nehmen, ein Album auf Oaken Palace Records einem bestimmten Tier zu widmen. Der Titel verrät hier schon um welches Säugetier es sich dabei handelt.

Ich gebe zu, dass die Assoziation mit dem Wort “Flipper” nicht gerade mit der von Drone und Doom übereinstimmt und so ist der erste Lauschangriff auf die neue Nadja Platte vorgeprägt. “Drown” nennt sich der 10minütige Opener. Gleitender Bass, dezente Drums, minimalistischer Gitarreneinsatz und Aidans fast schon geflüsterte Vocals, veranlassen den Hörer genau hinzuhören, lauter zu machen, sich zu konzentrieren. Das Ende ist ein Crescendo aus klassischen Streichersounds und doomigen Gitarrenwänden. Sehr schön. Die Streichinstrumente werden übrigens von Angela Chan (A-Sun Amissa) und Peter Broderick bedient. “Song For The Sea” beginnt wieder ruhig und überrascht mit einem Refrain, der wie eine Welle aus Vocals, Streichern und den restlichen Instrumenten durch die Lautsprecher gleitet. Man erwartet wieder eine Art Crescendo, doch diesmal ebbt der Song in einer langen Improvisation aus. “Wrapped In Plastic” fängt griffiger an als seine Vorgänger, es herrscht eine Spannung in der Ruhe, die nur von den Violinensounds zurückgenommen wird. Was Aidan Baker singt ist nicht immer klar verständlich und auch dann, wenn man die Worte erfasst, ist der Interpretationsraum groß. Spricht hier das Gewissen eines Meeressäugers? Man hat das Gefühl, das Album nimmt einen mit in die dunklen Tiefen des Meeres. Das Ende des Tracks überzeugt mit bombastischen Basssounds und einem Aufwiegen von Violine und Gitarre. “Hands” ist der instrumentale Abschluss des Albums. Leichte Verzerrung in der Gitarre, fast schon bluesig vorgetragen und der brodelnde Bass von Leah Buckareff.

“Flipper” ist mal wieder kein typisches Doomalbum von Nadja, wer also auf ein neues “Bodycage” wartet, wird eher enttäuscht. Wer der Band aber offen gegenübersteht, wird von diesem unterschwelligen Doomalbum überrascht werden. Die Platte ist zwar ruhig, hat aber diese bestimmte Spannung in sich, die den Hörer fesselt.

Alle Gewinne aus dem Verkauf der 500er Vinylauflage gehen an die Whale and Dolphin Conservation und kommen so bedrohten Meeressäugern zu Gute. Auch unabhängig vom Kauf der Platte lohnt sich ein Besuch der Seite, die auch einen deutschen Ableger hat. Ihr könnt zum Beispiel Patenschaften für Delphine übernehmen.

“Flipper” erscheint Mitte Mai über Oaken Palace Records und kann jetzt schon vorbestellt werden.

Tags: , , , ,

CHELSEA LIGHT MOVING

Posted in Release on April 29th, 2013 by M F

Nach der letztjährigen, rein akustischen, Soloveröffentlichung “Demolished Thoughts” hätte ich von Thurston Moore wohl eher erwartet, dass er weiter in diese Richtung geht. Weit gefehlt – stattdessen legt er nun mit Chelsea Light Moving das erste Album seiner neuen Band vor. Darauf vollzieht er eine Rückkehr zu seinen Punk-Wurzeln, ohne sich je sehr weit von ihnen entfernt zu haben.

chelsea light moving

Die Band besteht aus Moore an Gesang und Gitarre, Keith Wood an der Gitarre, John Moloney am Schlagzeug und Samara Lubelski am Bass. Die drei haben schon an “Demolished Thoughts” mit gearbeitet, so schien es wohl nur sinnvoll, einfach gemeinsam weiter zu machen, nur eben als Band. Dadurch steht nun unweigerlich der Vergleich mit Sonic Youth im Raum, und, ja, tatsächlich sind beide Bands vom Klang her sehr ähnlich. Nur sind bei Chelsea Light Moving die Songs einfacher gestrickt, also eher dichter dran an dem, was Punk-Rock Ende der siebziger Jahre ausmachte. Zwischendurch liest Moore eigene Gedichte, oder erzählt die Lebensgeschichte von Darby Crash nach, der als Sänger und Mastermind von The Germs 1980 ein Album veröffentlichte, das bis heute aus seiner Zeit hervorsticht. Wie ungewöhnlich deren Musik in ihrer Zeit war, ist ausgiebig im Spielfilm “What We Do Is a Secret” nacherzählt worden. The Germs oder Crime, das sind Bands, deren brachialer Sound sich von Anfang an im Schaffen von Thurston Moore niedergeschlagen hat, und von dem er noch immer zehrt. Und eben von experimenteller, freier Musik, wie sie die sechziger Jahre hervorgebracht haben. Wo die Soloalben von Thurston Moore mehr Ausblicke auf eine Welt der schwelgerischen, nichtelektronischen Avantgarde gewesen sind, geht Chelsea Light Moving zurück zu dem, wo Sonic Youth aufhörten.

Das selbstbetitelte Debut von Chelsea Light Moving erscheint diese Woche über Matador Records.

Tags: , , , ,

DUCHAMP

Posted in Release on March 31st, 2013 by D.K.

DuChamp ist eine italienische Musikerin aus Berlin, die sich ganz dem Erschaffen von Dronetracks verschrieben hat. Es gibt viele Beweggründe, warum Musiker von Dronesounds begeistert sind, allerdings ist der Grund von DuChamp ein äußerst außergewöhnlicher: Drones erinnern die Italienerin an ihre Kindheit als ihre Mutter ihr die Haare geföhnt hat, was ihr damals sehr gefiel.

Auf der Suche nach dem perfekten Dronesound, der das Föhnwohlgefühl ihrer Kindheit einfangen kann, hat Duchamp ihr erstes Album “Nar” aufgenommen. Fünf Stücke voller Drones, die aber weitaus mehr sind als einfaches Gedröhne a la Föhn. “Gemini” basiert auf Akkordionsounds, die übereinandergelappt eine warme dronige Fläche ergeben. “Protect me from what I want” überrascht mit Bassläufen, die dem Track eine Struktur verleihen. “A whorship” wird von mantraähnlichen Vocals begleitet. Die Zutaten sind einfach: Gitarre, Bass, Akkordion, ein paar Töne aus dem Keyboard und natürlich eine Reihe an Effekttretminen. Das Ergebnis dieser Föhnsoundsstudie ist eine klanghafte Reise, die auch mal Sonic Youth-ische Sounds hervorbringt, wie im Abschlusstrack “Seisachtheia”. Einen Föhn hört man auf dem Album im großen Ganzen nicht, was das Gehörte aber in keinster Weise abwertet.

Das italienische Label Boring Machines veröffentlicht Anfang April “Nar” auf Vinyl.

Tags: , , , , ,