KRAENE

Posted in Release on June 2nd, 2013 by D.K.

Kraene ist eine junge vierköpfige Band aus Leipzig, die diese Tage ihr selbstbetiteltes Debüt veröffentlicht hat. Der Sound der Band ist grob gesagt instrumentaler Post-Rock. Grob gesagt, denn hier steckt viel mehr hinter.

Bass, Gitarre, Drums sind hier die klassischen Instrumente, die zum Einsatz kommen. Darüber hinaus setzen Geigen- und O-Töne aus Filmen besondere Akzente. Der Sound der Band ist rauh und direkt, die Aufnahmen klingen wie ein Livemitschnitt aus dem Studio, was dem Album seinen besonderen Charme verleiht. Fünf Tracks umfasst das Erstwerk der Kraene. Der Opener “E.R.” lässt den Hörer noch im Glauben, öde Post-Rock-Themen zu erwarten, doch dies bewahrheitet sich nicht. Die Einflüsse der Band kommen anscheinend aus allen Ecken der Rockmusik, was zu hören ist. Ebenfalls ist die Spielfreude der vier Leipziger unüberhörbar, und dass die drei energisch dabei sind zeigt schon der Timetable der Platte: im März aufgenommen und im Mai selbst veröffentlicht. Der letzte Track “Alles im Jetzt” überrascht dann nochmal mit seiner epischen Größe. Hier stammen die O-Töne nicht aus einem Film und sogar Vocals in Form von Geschrei funken kurz auf.

Abgerundet wird das ganze Paket durch das gelungene Artwork: Eine schlichte Schwarz-Weiss-Gebirgslandschaft auf einem 300 Gramm-Digipack. Und irgendwo in dieser Landschaft steht ein Mensch, der wie eine winzige Ameise wirkt. Wer den Sound der Band mag, wird sich beim laut Hören sicherlich ähnlich vorkommen.

Ihr wollt die CD bestellen? Einfach eine Mail an Kraene schreiben.

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DANIEL MENCHE UND DIE WÖLFE

Posted in Release on May 1st, 2013 by D.K.

Daniel Menche aus Oregon beschäftigt sich mit Sounds aller Art. Seine Arbeiten entstehen, indem er Field Recordings oder andere Soundquellen als Basis verwendet, um daraus seinen eigenen Sound zu modellieren. Er bewegt sich dabei zwischen Ambient und Noise und schafft Klänge, die mal kakophonisch mal melancholisch klingen können. Wer sich mit Menche beschäftigen möchte, sollte also gute Nerven haben.

Auf “Vilké” (in Litauen das Wort für den weiblichen Wolf) beschäftigt sich Menche mit animalischen Soundquellen. Nachdem er auf einem seiner Streifzüge durch die Wälder das Geheule von Wölfen festhalten konnte, hat er sich daran gesetzt, genau diese Sounds zu einem Album umzuformen. Das Resultat ist das viergeteilte Album “Vilké”. Vier Tracks, die allesamt an der 19 Minuten Marke kratzen, nehmen den Hörer mit in die zutiefst gruselige Soundwelt von “Vilké”. Der erste Teil beginnt mit einem brachial lauten Drumming, das allmählich leiser wird und sich im Hintergrund einer elektronisch verfremdeten Noisewand wiederfindet. Die Wölfe sind nicht mehr zu erkennen, dafür sorgt Menche mit Drums, Piano und Gitarren, die ebenfalls nicht direkt zu erkennen sind. Die Sounds der Wölfe hat Menche durch den Rechner gejagt und so verfremdet, dass sie teils choral, teils noisig klingen. Im dritten Teil überlappen sich Drumsounds zu einer Art Black-Metal-Rhythmus-Wolke, die von verfremdeten Wolfsgesängen verschlungen wird. Erst im letzten Teil kann der Hörer auch mal durchatmen und sich auf einzelne Sounds konzentrieren ohne Angst zu haben, von kakophonischen Soundschwaden überrascht zu werden. Die letzten 19 Minuten gleiten vor sich hin und es entsteht eine Art melodisches Rauschen. Unheimlich.

Sige Records hat “Vilké” in Form gebracht und bietet das Album als Doppelvinyl mit Artwork von Faith Coloccia (Mamiffer) an und als limitiertes Tape inklusive einer DVD, auf der Menche mit Hilfe des Artworks von Coloccia ein Video zum Album verewigt hat. Das düstere geheimnisvolle Artwork passt auf jeden Fall sehr gut zum Album und rundet das Gesamtpaket ab.

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CAUDAL SPIELEN FÜR DAS ERDHÖRNCHEN

Posted in Release on May 1st, 2013 by D.K.

Oaken Palace Records haben wir euch vor einiger Zeit im Interview vorgestellt, jetzt stehen gleich zwei neue Veröffentlichungen an. Caudal präsentieren mit “Forever In Another World” ihr Debüt und widmen das Album dem europäischen Erdhörnchen.

Caudal ist eine neue Band bestehend aus Aidan Baker (Nadja) an der Gitarre, Gareth Sweeney am Bass und Felipe Salazar an den Drums. Die Zutaten sind simpel, die Machart auch, das Ergebnis mehr als das. Während der Bass und die Drums eine psychedelisch-krautrockige Basis schaffen, untermalt Aidan Baker das Ganze mit seinen typischen Ambientgitarrensounds. “River’s Edge” chilled sich minutenlang ein und nimmt den Hörer mit in diese andere Welt, die der Titel andeutet. Das Coverartwork verleitet einen direkt, ein bestimmtes Bild im Kopf zu haben. “Threever” drückt richtig auf das Rhythmusgaspedal und entpuppt sich als Rocknummer im Psychedelic-Ambient-Fell. “Walrus Tusk Scrimshaw” nimmt das Tempo wieder zurück und die Rhythmuseinheit verzieht sich in den Hintergrund, um Aidans Gitarre mal eine Bühne zu bieten. Schnell merkt man was man die ganze Zeit vermisst hat, denn sobald die Gitarre mal ausbricht und Feedbacks sich ins Gehör schleichen merkt man, dass genau das bisher gefehlt hat. Der Titeltrack mit seinen impulsiven Drumrhythmen und den rollenden Gitarrensounds ist die perfekte “Ich fahr mit einer coolen Karre durch eine coole Gegend”-Nummer, Variationen schleichen sich an, fallen aber kaum auf, bis dann irgendwann eine Wand aus Delaysounds vor einem steht. Das Fazit ist eindeutig: Auf Seite A sucht man nach dem Besonderen von Caudal, auf Seite B findet man es.

Der Deal ist ganz einfach: Ihr kauft die Platte und sobald das Label Gewinne mit dem Verkauf erzielt, geht das Geld an den Naturschutzbund Niederösterreich, der Heimat des Ziesels, besser bekannt als Erdhörnchen.

Zu kaufen gibt es eine der 500 LPs hier…

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NADJA GEHEN ES RUHIG AN

Posted in Release on May 1st, 2013 by D.K.

Nach dem massiven, lauten und vor allem rhythmischen “Dagdrøm” folgt nun “Flipper” von Nadja und auch hier geht das Duo wieder neue Wege. Nadja lassen es sich nicht nehmen, ein Album auf Oaken Palace Records einem bestimmten Tier zu widmen. Der Titel verrät hier schon um welches Säugetier es sich dabei handelt.

Ich gebe zu, dass die Assoziation mit dem Wort “Flipper” nicht gerade mit der von Drone und Doom übereinstimmt und so ist der erste Lauschangriff auf die neue Nadja Platte vorgeprägt. “Drown” nennt sich der 10minütige Opener. Gleitender Bass, dezente Drums, minimalistischer Gitarreneinsatz und Aidans fast schon geflüsterte Vocals, veranlassen den Hörer genau hinzuhören, lauter zu machen, sich zu konzentrieren. Das Ende ist ein Crescendo aus klassischen Streichersounds und doomigen Gitarrenwänden. Sehr schön. Die Streichinstrumente werden übrigens von Angela Chan (A-Sun Amissa) und Peter Broderick bedient. “Song For The Sea” beginnt wieder ruhig und überrascht mit einem Refrain, der wie eine Welle aus Vocals, Streichern und den restlichen Instrumenten durch die Lautsprecher gleitet. Man erwartet wieder eine Art Crescendo, doch diesmal ebbt der Song in einer langen Improvisation aus. “Wrapped In Plastic” fängt griffiger an als seine Vorgänger, es herrscht eine Spannung in der Ruhe, die nur von den Violinensounds zurückgenommen wird. Was Aidan Baker singt ist nicht immer klar verständlich und auch dann, wenn man die Worte erfasst, ist der Interpretationsraum groß. Spricht hier das Gewissen eines Meeressäugers? Man hat das Gefühl, das Album nimmt einen mit in die dunklen Tiefen des Meeres. Das Ende des Tracks überzeugt mit bombastischen Basssounds und einem Aufwiegen von Violine und Gitarre. “Hands” ist der instrumentale Abschluss des Albums. Leichte Verzerrung in der Gitarre, fast schon bluesig vorgetragen und der brodelnde Bass von Leah Buckareff.

“Flipper” ist mal wieder kein typisches Doomalbum von Nadja, wer also auf ein neues “Bodycage” wartet, wird eher enttäuscht. Wer der Band aber offen gegenübersteht, wird von diesem unterschwelligen Doomalbum überrascht werden. Die Platte ist zwar ruhig, hat aber diese bestimmte Spannung in sich, die den Hörer fesselt.

Alle Gewinne aus dem Verkauf der 500er Vinylauflage gehen an die Whale and Dolphin Conservation und kommen so bedrohten Meeressäugern zu Gute. Auch unabhängig vom Kauf der Platte lohnt sich ein Besuch der Seite, die auch einen deutschen Ableger hat. Ihr könnt zum Beispiel Patenschaften für Delphine übernehmen.

“Flipper” erscheint Mitte Mai über Oaken Palace Records und kann jetzt schon vorbestellt werden.

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CHELSEA LIGHT MOVING

Posted in Release on April 29th, 2013 by M F

Nach der letztjährigen, rein akustischen, Soloveröffentlichung “Demolished Thoughts” hätte ich von Thurston Moore wohl eher erwartet, dass er weiter in diese Richtung geht. Weit gefehlt – stattdessen legt er nun mit Chelsea Light Moving das erste Album seiner neuen Band vor. Darauf vollzieht er eine Rückkehr zu seinen Punk-Wurzeln, ohne sich je sehr weit von ihnen entfernt zu haben.

chelsea light moving

Die Band besteht aus Moore an Gesang und Gitarre, Keith Wood an der Gitarre, John Moloney am Schlagzeug und Samara Lubelski am Bass. Die drei haben schon an “Demolished Thoughts” mit gearbeitet, so schien es wohl nur sinnvoll, einfach gemeinsam weiter zu machen, nur eben als Band. Dadurch steht nun unweigerlich der Vergleich mit Sonic Youth im Raum, und, ja, tatsächlich sind beide Bands vom Klang her sehr ähnlich. Nur sind bei Chelsea Light Moving die Songs einfacher gestrickt, also eher dichter dran an dem, was Punk-Rock Ende der siebziger Jahre ausmachte. Zwischendurch liest Moore eigene Gedichte, oder erzählt die Lebensgeschichte von Darby Crash nach, der als Sänger und Mastermind von The Germs 1980 ein Album veröffentlichte, das bis heute aus seiner Zeit hervorsticht. Wie ungewöhnlich deren Musik in ihrer Zeit war, ist ausgiebig im Spielfilm “What We Do Is a Secret” nacherzählt worden. The Germs oder Crime, das sind Bands, deren brachialer Sound sich von Anfang an im Schaffen von Thurston Moore niedergeschlagen hat, und von dem er noch immer zehrt. Und eben von experimenteller, freier Musik, wie sie die sechziger Jahre hervorgebracht haben. Wo die Soloalben von Thurston Moore mehr Ausblicke auf eine Welt der schwelgerischen, nichtelektronischen Avantgarde gewesen sind, geht Chelsea Light Moving zurück zu dem, wo Sonic Youth aufhörten.

Das selbstbetitelte Debut von Chelsea Light Moving erscheint diese Woche über Matador Records.

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DUCHAMP

Posted in Release on March 31st, 2013 by D.K.

DuChamp ist eine italienische Musikerin aus Berlin, die sich ganz dem Erschaffen von Dronetracks verschrieben hat. Es gibt viele Beweggründe, warum Musiker von Dronesounds begeistert sind, allerdings ist der Grund von DuChamp ein äußerst außergewöhnlicher: Drones erinnern die Italienerin an ihre Kindheit als ihre Mutter ihr die Haare geföhnt hat, was ihr damals sehr gefiel.

Auf der Suche nach dem perfekten Dronesound, der das Föhnwohlgefühl ihrer Kindheit einfangen kann, hat Duchamp ihr erstes Album “Nar” aufgenommen. Fünf Stücke voller Drones, die aber weitaus mehr sind als einfaches Gedröhne a la Föhn. “Gemini” basiert auf Akkordionsounds, die übereinandergelappt eine warme dronige Fläche ergeben. “Protect me from what I want” überrascht mit Bassläufen, die dem Track eine Struktur verleihen. “A whorship” wird von mantraähnlichen Vocals begleitet. Die Zutaten sind einfach: Gitarre, Bass, Akkordion, ein paar Töne aus dem Keyboard und natürlich eine Reihe an Effekttretminen. Das Ergebnis dieser Föhnsoundsstudie ist eine klanghafte Reise, die auch mal Sonic Youth-ische Sounds hervorbringt, wie im Abschlusstrack “Seisachtheia”. Einen Föhn hört man auf dem Album im großen Ganzen nicht, was das Gehörte aber in keinster Weise abwertet.

Das italienische Label Boring Machines veröffentlicht Anfang April “Nar” auf Vinyl.

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DIE GEHEIMEN PHOTOGRAPHIEN

Posted in Release on February 10th, 2013 by D.K.

Alvin Karpis war in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts Staatsfeind Nummer Eins in den USA und saß nach seiner Ergreifung in Alcatraz ein. Als er wieder freikam, lebte er die letzten Jahre seines Lebens in Spanien. Dort widmete er sich einem neuen Hobby: der Photographie. Zurück in der Jetztzeit ersteigert der Filmemacher Mike Hoolboom einige dieser Photographien bei einer Onlineauktion und beginnt damit einen Film zusammenzustellen, in dem langsame Blenden die Bilder zeigen und somit eine Geschichte erzählt wird. Was hat das mit Musik zu tun? Ganz einfach: Machinefabriek liefert den opulent minimalistischen Soundtrack dazu.

Auf “Secret Photographs” präsentiert sich Machinefabriek von seiner reinsten Seite als Musiker. “Part One (black and white)” (benannt nach den Episoden des Films) ist eine 20-minütige Offenbarung für Freunde experimenteller Musik. Wer auf Ambient steht, wird diesen Track sofort ins Herz schließen, denn hier geht es nur darum, Soundflächen wahrzunehme und zu spüren wie sie sich langsam entwickeln. Einfach perfekt. “Part Two (colour)” setzt den Fokus auf pure Gitarrensounds, noch langsamer gespielt als bei Earth enfalten die Klänge eine anziehende warme Aura, die durch das Beifügen von Effekten weiter untermalt wird. Ein halbstündiges Stück Musikgeschichte, das man sich nicht entgehen lassen sollte. “Part Three (black and white)” hat nichts mit dem ersten Stück zu tun, sondern setzt die Reise durch den Minimalismus weiter fort. Hier konzentriert sich Machinefabriek wieder auf das Erschaffen einer Ambientlandschaft, die durchzogen ist von Droneflächen. Definitiv eines der herausragendsten Alben von Machinefabriek.

Die Fotos von Alvin Karpis schmücken auch das Artwork des Albums und haben ihren ganz eigenen Charme. Das Coverartwork mit der Dame, die mit einem Lederhandschuh bekleidet einen Scheibenabzieher in Szene setzt, zeigt das sehr eigenwillige ästhetische Empfinden von Karpis. Die Fotos zeigen Szenen, erzählen Geschichten von dem was passiert, passiert ist, passieren wird oder passieren könnte.

“Secret Photographs” ist über Important Records erschienen.

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TETUAN

Posted in Release on February 10th, 2013 by D.K.

Tetuan sind uns auf italienisch vorgestellt worden. Kann man machen. Wir haben zwar nur verstanden, dass es sich um ein Trio handelt, das psychedelischen Noise-Rock macht, aber das reicht ja auch. Den Rest erledigt die Musik.

“Qayin” nennt sich das neue Album von Tetuan, auf dem sich die Band aggressiv und rotzig präsentiert. Aber hier reicht die Beschreibung “psychedelischer Noise-Rock” bei weitem nicht aus. Die acht Tracks sind zwar in der Grundstimmung noisig, allerdings bringen die drei Musiker verschiedene Elemente ein, die den Soundkosmos erweitern. Besonders die Stellen, in denen die Band orientalische Ansätze einbringt, geben dem Album einen besonderen Charme. Der Sound ist überraschend klar und präzise produziert, was der Musik den letzten Schliff gibt. Basis sind Bass, Gitarre und Schlagzeug, die durch Percussion, Elektronik und Flöte ergänzt werden. Klingt interessant? Hört rein!

Wer Lust hat sich dieses äußerst lebendige Album anzuschaffen, kann dies ab dem 23. Februar via Brigadisco tun.

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PRSZR ÜBEN DRUCK AUS

Posted in Release on January 6th, 2013 by D.K.

PRSZR, Pressure ausgesprochen, nennt sich die Vereinigung von HATI und Pure. Auf “Equilirium” ist das Ergebnis zu hören, das über Hinterzimmer Records veröffentlicht worden ist.

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2009 innerhalb von drei Tagen in Reichenau aufgenommen, 2011 von Pure abgemischt und 2012 von Rashad Becker gemastert und dann letztendlich in Bern veröffentlicht. Soviel zur Chronik des Albums. Das Album besteht aus fünf Stücken, die es in sich haben. Das Duo HATI, zuständig für alles rund um Percussion, und Pure an den elektronischen Gerätschaften lassen in “I” zunächst sich wiederholende Sounds eine Art Rhythmus aufbauen. Basslastige Klänge, Percussion im Hintergrund, Gongakzente und das ewig bedrohlich brodelnde Elektronikgewitter, das nicht ausbrechen möchte, lassen den Hörer 14:35 Minuten lang erstarren vor Spannung. Hallende High Hats (?) eröffnen “II”, dann kommen die Beats wie zu schnell schlagende Herzen, Gongs gesellen sich dazu, ein elektronisches Rauschen rundet alles ab. Was ist das eigentlich für eine Stilrichtung, denkt man sich. Percussion-Ambient? “III” überrollt einen mit schrägen Sounds und Blasinstrumenten (zumindest klingt es wie eine Trompete), vollkommen unerwartet ist man hier einer nicht beugsamen Masse an Sounds ausgesetzt. Skippen oder weiterhören, weiterhören natürlich… erstaunlich wie schnell die Ohren Ordnung ins Chaos bringen. “IV” anderes Chaos, weniger noisig. “V” holt alles an Tiefen und Höhen raus, was ein Instrument hergibt, das mit Schlägeln gespielt wird. Es wummert, kein Sound für Kopfhörer, der Song braucht Raum. Schnelles Trommeln auf etwas, das an Steeldrums erinnert. Eine rhythmisch abgestimmte Noisewand kommt aus dem Nichts und nach minutenlangem Zusammenspiel entwickelt der Sound auch durch das immer stärkere Hallen eine sehr betörende Wirkung. Allmählich lassen die Soundwände nach und “V” vibriert vor sich hin, während im tiefsten Hintergrund die letzte Percussiondonner zu hören sind.

Kein Album um gute Laune zu verbreiten. Aber das hat hier sicherleich keiner vorgehabt. Wer mal hören möchte wie bedrohlich Percussioninstrumente mit minimalisischer Elektronikuntermalung klingen können, ist hier genau richtig.

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TAYLOR DEUPREE

Posted in Release on January 6th, 2013 by D.K.

Taylor Deupree ist Grafikdesigner und Fotograf, Labelchef von 12k, er macht Mastering für diverse experimentelle Acts und vor allem ist er Musiker. Sein neues Album “Faint” ist über sein Label  12k erschienen und in der Masse der vielen Ambientalben, die derzeit veröffentlicht werden, ein wahres Schmuckstück.

Wie ein Kaminfeuer, vor dem man sitzt, sich entspannt und in den Flammen Formen und Figuren entdeckt, so ist auch “Faint”. “Negative Snow” eröffnet das Album mit seinen vielschichtigen Sounds. Taylor Deupree bedeckt hier jede mögliche Soundebene, so dass über Kopfhörer und über Surroundsoundanlagen überall was zu hören ist. Minimalismus mal anders. Es kratzt wie auf einer alten Schellackplatte, elektronische Sounds flimmern, es knistert. Ja dieser Schnee ist negativ, nicht kalt sondern warm. “Dreams Of Stairs” führt das ganze fort. “Thaw” klingt erhabener und schwebender als die vorherigen Songs, ist aber genau so warmherzig in Richtug Gemüt des Hörers unterwegs. Sie fehlt eigentlich nicht, aber sobald sie zwischen den bisher beschriebenen Sounds in “Shutter” erscheint, klingt der Sound noch viel greifbarer: die Gitarre. “Sundown” ist der perfekte Ausstieg. Inmitten der Field Recordings erklingt eine Ambientmelodie, die. ohne ein einziges Mal in ihrer Wiederholung langweilig zu wirken, sich bis zum Ende durchzieht und von einem seichten weißen Rauschen verschluckt wird.

Passend zur Musik hat Taylor Deupree auch Fotografien für das Artwork und Booklet bearbeitet. Die Fotos sind genau wie die Musik mehrschichtig bearbeitet und sehen teilweise auch so aus, als ob sie kurz ins Kaminfeuer gehalten wurden…

Wer etwas tiefer in die Tasche greifen möchte, beziehungsweise seine Investition vertiefen möchte, sollte sich unbedingt das limitierte Boxset zulegen. Hier gibt es die Fotos aus dem Booklet als Fotodrucke und eine zusätzliche CD mit dem 38minütigen “Thaw (Reprise)”.

 

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LAWRENCE ENGLISH – FOR / NOT FOR JOHN CAGE

Posted in Kunst, Release on October 28th, 2012 by D.K.

Lawrence English gehört zu den interessantesten Ambientmusikern und Künstlern Australiens und hat schon mehrere hochgelobte Platten veröffentlicht. “For / Not For John Cage” heißt sein neues beeindruckend introvertiertes Album.

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2011 hatte Lawrence English die Idee, das Werk von John Cage mit einer Art Homage zu ehren und stieß bei seinen Recherchen auf den einzigen Film, den Cage gedreht hat. “One11″ ist ein 90minütiger Schwarz-Weiss-Film, der sich auf das Lichtspiel von Schweinwerferprojektionen in Verbindung mit einer Musikaufführung beschränkt. Hier setzte Lawrence English an und schuf zusammen mit dem Videokünstler Scott Morrison “One11 (refocused)”. Im Zuge der Arbeiten an dieser Neuinszenierung der John Cage Idee, sind einige weitere Songs entstanden. Die einen direkt, die anderen indirekt von der Arbeit John Cages beeinflusst.

Das Ergebnis sind acht subtile Ambienttracks, die so unnahbar wie ein Geist erscheinen. Trotzdem versprühen sie alle eine angenehme Wärme und erzeugen durch diese Vermengung unterschiedlicher Eindrücke eine intensive Anziehungskraft. Wer diese Platte auflegt, der muss sich Zeit nehmen zuzuhören. Die Belohnung folgt unmittelbar…

“For / Not For John Cage” ist in einer 500er Auflage über L-NE erschienen. Wer die CD oder den Lossless Download direkt über L_NE Shop bestellt erhält einen 15minütigen Bonustrack… und auch der lohnt sich.

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MENACE RUINE – ALIGHT IN ASHES

Posted in Release on October 14th, 2012 by D.K.

Das kanadische Duo Menace Ruine bestehend aus S. de la Moth und Geneviéve ist seit einigen Jahren in der Welt experimenteller Musik unterwegs und zeichnet sich durch seinen eigenwilligen Mix aus Neo-Folk, Drone und Noise aus. Dabei fließen immer wieder auch andere Stilrichtungen ein, so dass kein Genre eine zutreffende Beschreibung bieten könnte.

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Auf “Alight In Ashes” setzen die beiden Kanadier auf eine Art mittelalterlichen Synthie-Dronesound. Der Anfang mit “Set Water To Flames” ist hallig-noisig, drumlos, mit Vocalakzenten, es folgt ein subtiler Drummachine-Sound und eine abschließende Noisewand. Dabei wird nie der Blick auf Struktur und Melodie außer Acht gelassen. “Salamandra” steigt mit einem Sound ein, der einem verzerrten Spinett gleicht, das im Hintergrund von einer Hammondorgel unterstützt wird. Dabei ist hier nur ein Synthesizer am Werk. Geneviéves Vocals legen sich schwungvoll über den Sound. Die Stimme scheint wie aus einer anderen Welt. “Burnt Offerings” treibt und treibt und treibt… “Arsenikon (faded in dicord)” konzentriert sich auf chorale Vocals, was dem Sound etwas sakrales verleiht. “Disease Of Fear” erinnert soundtechnisch wieder an verzerrte altertümliche Streichinstrumente. Der eigenwilligen Stimme kann man von Song zu Song immer mehr abgewinnen. “Cup Of Oblivion” hat den erhabensten Sound aller Songs. Der Sound marschiert, schreitet langsam und bietet dem Hörer Raum für mittelalterliche Phantasien. Hätte es im Mittelalter Metal gegeben, Menace Ruine hätten ihn erfunden.

Sige Records veröffentlicht Mitte Oktober “Alight in Ashes” in einer 400er Auflage auf handnummeriertem Doppel-Vinyl. Wer das Album auf CD haben möchte, kann dies via Profound Lore bestellen.

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THISQUIETARMY & YEAR OF NO LIGHT

Posted in Release on October 3rd, 2012 by D.K.

Im Frühling haben Destructure Records eine Vinylplatte veröffentlicht, die zu Recht nach kürzester Zeit ausverkauft war. Denn das Album “Year Of No Light / Thisquietarmy” (Titel, Bands, Motto in einem vereint) ist eine der überragendsten Veröffentlichungen dieses Jahres. Zu schade also alle außen vor zu lassen, die nicht auf diese großen runden altmodischen Abspielmedien stehen. So oder ähnlich muss wohl der Gedankengang der Jungs von Consouling Sounds gewesen sein, denn jetzt steht das Album kurz vor der Veröffentlichung auf CD.

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Die Besonderheit an dieser Kollaboration ist, dass dieses Album dem Hörer ein Gesamtbild des Schaffens der beiden Acts verschafft. Das Album beginnt mit “Vous êtes un nada mort marchant autour du visible” von Year Of No Light. Ein hell schimmerndes Doommetal Epos. Seit dem letzten Album “Ausserwelt” haben YONL einen Sound entwickelt, der sich trotz hallender hochstimmiger Gitarren wie eine Walze durch den Boden frisst, auf dem der Hörer steht. “Une odeur que je capte quand leur yeux explosent” folgt als erstes gemeinsames Lied von YONL & Thisquietarmy. Wer jetzt ein Feuerwerk von Doom, Drone und Postrocksounds erwartet, der wird zunächst enttäuscht. Der Song ist eine ewig brodelnde Masse aus Ambientsounds. Man kann klar raushören, welcher Act gerade die Sounds beisteuert. Allmählich verdichtet sich die Masse der Sounds zu einer Dronewolke. Acht Minuten für die Ewigkeit. Mit “Aphorismes” steuert TQA sein Solostück bei und überrascht mit einem sehr düsteren Grundsound. Minimalistische Drummachinesounds setzen den Rhythmus. Die Gitarre von Eric Quach baut sich vor dem inneren Auge des Hörers auf. Weiblicher Gesang schimmert zwischendurch auf. Der Song klingt bedrohlich und hoffnungsvoll zugleich. Es folgt wieder ein gemeinsames Stück namens “Langue de feu”. Auch hier verzichten die beiden auf eine Bombastinszenierung und führen das fort, was sie begonnen haben, um dann gegen Ende… hört selbst! YONL & TQA zelebrieren die Liebe zum minimalistischen und noisigen Sound. Eine Split-Kollaboration, die in keinem Plattenregal fehlen darf.

Die CD Version von “Year Of No Light / Thisquietarmy” erscheint am 5. Oktober über Consouling Sounds.

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Die beiden Bands sind übrigens auch auf dem diesjährigen Denovali Swingfest und vielleicht auch zusammen auf der Bühne…

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GUNS OF BRIXTON – INLANDSIS

Posted in Release on October 3rd, 2012 by D.K.

Dieses Album kann man wenden und drehen wie man möchte, es will nicht so richtig in eine Schublade passen. Guns Of Brixton vereinen auf ihrem neuen Album “Inlandsis” Post-Rock, Progressive Rock, Emo, Hardcore und radiotaugliche Rocksounds. Der Dub Rock Stempel scheint abgewaschen.

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Das Album beginnt mit dem rein postrockigen “Hibakusha”, getragen von E-Bow-Melodien. “Du bist mir vollkommen egal” setzt diese Linie fort. “Il Ne Restera Que Des Silhouettes” bricht dann das Postrockschema auf und es wird hardcoriger. Ab hier beginnt dann ein Hin und Her der Einflüsse. Alles gut vereint, so dass die Platte ihren eigenen Touch bekommt. Höhepunkt ist der achte Song “Alger”, der zu Beginn vor sich hertreibt, während ein Franzose mit tiefer rauher Stimme und typischem französischen Wortgestöhne irgendetwas erzählt (mein Französisch ist leider nicht mehr zu gebrauchen, außer fürs Brötchen kaufen). “Alger” erfährt dann aber nach vier Minuten eine Wendung und mutiert zu einem fetten Rocker mit weiblichen Vocals in der Strophe und männlichem Schreigesang im Refrain.

“Inlandsis” ist über AENTITAINMENT Records erschienen. Wer auf Postrock steht, wird hier sicherlich Spass beim Hören haben, alle anderen sollten zumindest mal ein Ohr riskieren.

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TRETET EIN IN DEN JODIS TEMPEL

Posted in Release on September 30th, 2012 by D.K.

Wer sich traut auf die andere Seite des schwarzen Vorhangs zu treten, wird mit einer Wucht von Jenseitsrock beschallt… Aber lasst uns am Anfang beginnen. Jodis haben ihr lang angekündigtes zweites Album “Black Curtain” fertiggestellt. Das Debüt “Secret House” hat vor drei Jahren bereits alle Register gezogen, “Black Curtain” führt dies fort.

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Aaron Turner an den Vocals und Effekten, Tim Wyskida an den Drums und Percussion und James Plotkin an der Gitarre. Allein diese Info sollte jedem Freund experimenteller Musik signalisieren, dass hier etwas zusammengekommen ist, was einfach überzeugen muss.

Der 11minütige Opener “Broken Ground” reißt einem förmlich den Boden unter den Füßen weg, wenn die Gitarre von Plotkin einsetzt und sich wie eine bedrohliche Welle vor einem aufbaut. Turner setzt mit den Vocals ein und Wyskida setzt gezielte Akzente an den Drums. Der Opener greift den Sound des Debütalbums auf. “Silent Temple” ist rockiger als man es erwarten würde. Aaron Turners Vocals zeigen neue Facetten, die überzeugen. Wie eine Aufforderung dem zu glauben, was die drei hier beschwören. Ja, ich glaube und vertraue Jodis. “Red Bough” lässt sich Zeit. Die Gitarre in ihrer übertreffend minimalistischen Soungestaltung legt den Weg frei. Turner singt überraschend deutlich und sogar die Lyrics aller Songs sind im Booklet abgebildet. Wer genau hinhört, nimmt auch die Stimme von Faith Coloccia wahr. Der Track entwickelt sich zu einem progressiven Epos. Das kurze “Corridor” ist das heimliche Highlight mit verdammtem Gänsehautfaktor. Es hallt und alles kommt einem so unnahbar und erhaben vor. “Awful Feast” überrascht mit einem Acapellaabschluss. Der Schluss gehört “Beggar´s Hand”, dem Song mit der schwerfälligsten Instrumentierung. Die Gitarre gräbt sich hier tief durch die Lautsprecher und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Massiver Minimalismus.

Im Vergleich zum Vorgänger ist “Black Curtain” sehr viel strukturierter, die Vocals sind bis auf einen kurzen Moment durchgehend klar gesungen, das Zusammenspiel aller Elemente ist hier stärker aufeinander abgestimmt. Beide Platten sind ein Muss für die Plattensammlung, ich kann mich nicht entscheiden, welche besser ist.

“Black Curtain” erscheint auf CD und LP via Hydra Head Records und überrascht neben einer unterschiedlichen Reihenfolge der Tracks auch mit zwei verschiedenen Versionen des Abschlusssongs “Beggar´s Hand”.

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