ARKTIKA

Posted in Release on December 18th, 2010 by D.K.

arktika

Wenn sich eine Band den Namen eines nuklear betriebenen sowjetischen Eisbrechers als Bandnamen aussucht, so geschehen bei Arktika aus Köln, dann ist das eine Ansage. Ende Oktober ist mit “At Zero” das erste Album von Arktika erschienen und es bricht zu Beginn wie ein Eisbrecher durch die Boxen in die Ohren des Hörers. Verdammt, ist das laut… ist der erste Gedanke und das ist auch gut so, denn das können die fünf Rheinländer, laut sein. Was die Band allerdings ausmacht ist nicht die Lautstärke, sondern eine gelungene Mischung aus lauten Sludge und Hardcore Parts mit klagendem Schreigesang und epischen, ruhigeren Instrumentalparts mit filigranen Elektroeinschüben und Samples. So endet das Album auch versöhnlich mit dem ruhigen Titeltrack. Jeder Eisbrecher kommt auch irgendwann ans Ziel.

at_zero_artwork

Die Liebe zu Post-Hardcore Bands wie Envy hat die fünf Musiker von Arktika 2008 zusammengebracht. 2009 folgt das Debütrelease in Form der “Heartwrencher” 12inch LP, auf der zwei 10minütige Songs, als Vorbote für das diesjährige Album “At Zero”, vertreten sind. Beide Releases sind über Narshardaa Records veröffentlicht worden. “At Zero” gibt es als LP und CD. Die “Heartwrencher” EP ist auch noch als altmodisches Tape (lang lebe die Cassette) bei Kreisel-Kreisel Records erhältlich.

heartwrencher lp_artwork

Die Aufnahmen zu beiden Platten sind in der berühmtberüchtigten Tonmeisterei in Oldenburg entstanden, dem Studio, in dem auch Omega Massif oder Kodiak ihre druckvollen Sounds auf Band verewigt haben. Für das vielschichtige Artwork der Platten ist Gitarrist Tim Kockentiedt verantwortlich, der bereits das Cover des letzen Long Distance Calling Longplayers entworfen hat. Die Artworks von Arktika erwecken den Eindruck alter Kupferstiche und bieten dem Auge viele Details, die es zu entdecken gilt. Wer das Artwork in seiner vollen Pracht erleben möchte, sollte unbedingt in die LPs investieren. Ab in den Arktika Shop.

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LIVE: EMOKELLER

Posted in ontheroad on December 4th, 2010 by D.K.

Es ist Mittwoch, das heißt für den Emokeller in Essen endlich wieder ein Konzertabend. Klein, verschachtelt und niedrig ist der Keller im EMO Freizeitzentrum der evangelischen Kirche, das schon seit 1914 besteht, aber trotzdem von Grund auf sympathisch.

Es steht ein Abend mit vier Bands an. Den Anfang machen Kokomo aus dem Ruhrgebiet, die mit ihrem pumpenden Postrocksound schnell die Köpfe der Gäste in Bewegung bringen. Leider ist der Sound viel zu laut für den kleinen Raum und führt dazu, dass nur noch ein Soundbrei die Ohren erreicht. Schade. Die zweite Band, ebenfalls aus dem Revier, ist Sundowning, die mit ihrem kreativen Hardcore die Gäste auch mit fettem Gesang beschallt. Viele Fans haben die Vier dabei, sogar welche, die die Songs mitsingen können. Das Set wird immer aggressiver und nur an einer Stelle humoristisch untermalt, als aus dem Laptop, aus dem Samples erklingen sollten, das typische Windowsgebimmel ertönt.

arktika @ emokeller essen

Nach zwei Ruhrgebietsbands kommen die Kölner von Arktika auf die Bühne. Also mit Bühne ist gemeint, dass es einen kleinen Sockel gibt auf dem das Drumset Platz findet, die beiden Gitarristen, der Bassist und der Sänger stehen sozusagen mitten im Publikum. Was eine wirklich beeindruckende Wirkung hat, wenn die Musiker in rotem Licht direkt vor einem stehen und einem ins Gesicht schreien oder millimetergenau mit dem Gitarrenhals an einem vorbeischwingen. Was noch beeindruckender ist, ist der Sound von Arktika. Trotz des kleinen Raums kommen die langen Songs, mit einer gelungenen Mischung aus epischen Instrumentalparts und treibendem Post-Hardcore mit kraftvollem Screamogesang, überzeugend an.

khuda @ emokeller essen

Mittlerweile ist es schon sehr spät für einen Mittwochabend und das merkt man am immer leerer werdenden Emokeller. Als letzte sind die Gäste aus dem englischen Leeds dran. Das Drum- und Gitarren-Duo Khuda baut zunächst die Bühne in einen Verstärkertotem um und platziert sich direkt davor. Eine Hand voll Gäste und die Bands und Crew sind noch da und die werden fürs Warten auch belohnt. Khuda rocken, irgendwo zwischen Prog-, Psychedelic- und Post-Rock, mit einer frechen eigenständigen Note. Der Drummer haut sich die Seele aus dem Leib, was er wohl nicht zum ersten Mal macht, denn das Drumset ist sichtlich lädiert. Der Gitarrist baut mit Hilfe von Loops Melodien und Rhythmen auf, die er dann immer weiter ausbaut, bis die Songs mit einer Wand aus verschiedenen Gitarrensounds ihr Ende finden. Auch die Unterbrechung des Sets wegen eines defekten Effektgerätes schmälert den positiven Eindruck der Band nicht. Während des letzten Songs trete ich die Heimreise an, es ist kurz vor Eins, es ist kalt, der Schnee knirscht, es ist leise, nur im Hintergrund sind Khuda noch zu hören. Cooler Abend.

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