BORIS IM DOPPELPACK

Posted in Release on June 24th, 2011 by N

Boris_Attention_Please

„Attention Please“ ist nun das zweite neue Album 2011 und hier geht es fast nur noch um Wata: als alleinige Sängerin, als Coverikone und Star des 27-seitigen Bookletts (CD) bzw. Postergirl (LP). Als Asia-Abendkleid-Gothic mit Schleierschal und „Action-Mike“ im Anschlag. Und wenn das Album nicht unter Boris firmieren würde, sondern als Watas erstes Solo-Album beworben würde, ich würde es glauben…

Hier findet ihr die “New Album” Review.

Das Album geht im Vergleich zu „New Album“ eindeutig wieder zurück zu einem homogeneren Band-Sound, bezieht sich diesmal möglicherweise mehr auf Shoegazerhaltungen, lässt dabei den Hard-Rock außen vor, scheut sich auch nicht, im Titelstück, Minimal-Dance-Rhythmik in das Zentrum zu stellen.

Besonders interessant wird es dann natürlich bei den gefürchteten Überschneidungen, die Boris bei Multi-Veröffentlichungen offensichtlich besonders mögen: „Party Boy, auf „New Album“ im Vergleich eins der zurückhaltenderen Stücke erhält auf „Attention Please“ durch die verzerrte Basslinie ein ganz neues Rückgrat und wirkt dadurch entschlackt-fokussierter und auch noch „rockiger“ (im positiven Sinne…). Gleiches gilt für „Hope“: auch hier wird das Streichergewand der „New Album“ Version deutlich heruntergefahren, die Gitarren etwas ruppiger gemixt und fertig ist ein Track zwischen Pop und Shoegaze …gleiches gilt nahezu auch für das ebenfalls auf beiden Platten befindliche „Spoon“.

Insgesamt also eine Platte, die die Rock / Drone / Experimental Adepten nicht zufrieden stellen wird, die aber auch für diese deutlich besser zu ertragen sein sollte als „New Album“. Und für alle anderen möglicherweise einfach ein gutes Album einer guten Band…?
Boris_Heavy_Rocks_2011

Boris beziehen sich auf Album Nummer 3 “Heavy Rocks” ganz explizit auf ihr 2002 Album „Heavy Rocks“ und zeigen das rein äußerlich durch ein identisches Cover Artwork, in der 2011er Version (im Gegensatz zum orangenen 2002er Vorgänger) ganz in lila (und wieder mit den schicken Klarlack-Aufdruckungen; erst recht schick bei der Doppel-LP-Version). Natürlich (obwohl: in Bezug auf Boris sollte dieses „natürlich“ ggf. besser mit einem Fragezeichen versehen werden) ist dieses aktuelle „Heavy Rocks“ keine Neueinspielung der alten Tracks, sondern ein wirklich neues Album (mit der kleinen Einschränkung, dass sowohl „Tu, La La“ als auch „Jackson Head“ bereits auf „New Album“ veröffentlicht wurden…).

Boris wollen mit „Heavy Rocks“ (angeblich) auch ihren Status als Band in Bezug auf Heavy-Musik wiederherstellen / erneuern / bestätigen: die Platte ist heavy, keine Frage, aber wer aus solchen Äußerungen heraus erwartet, ein Album extremer Härte, möglicherweise nihilistischer Düsternis und / oder voll ohren- (wenn nicht menschen-)verachtenden Noise zu bekommen, der ist besser gleich gewarnt: der metallige Opener, „Riot Sugar“, das über 12 Minuten lange, zwischen Fast-Stille und brutalem Noise pendelnde (und dabei auch noch höchst melodiöse) Center-Piece „Missing Pieces“ und das ebenso die 12 Minuten brechende, tiefe Bass / Gitarren-Doombögen schiebende „Aileron“ erfüllen solche Erwartungen vielleicht am ehesten; die weiteren Stücke setzen mehr auf einen kompakten Bandsound mit guter Härte, auch mal punkig, jedoch zum Teil durchaus auch ganz ohne Hard-Rock / Metal-Appeal: „Jackson Head“, auf „New Album“ synthgetriebener Elektrokracher, (hier im nahezu gleichen Arrangement was die Abfolge der Parts betrifft) als rockig / punkiger (von der Haltung, nicht dem Sound) Semi-Hit; auch „Tu, La La“ streift alle Verzuckerungen der „New Album“ Version ab und reinkarniert shoegazerlastig mit Chorgesang über ruppigeren Gitarren…

Auf der Doppel-LP „Missing Pieces“ und „Czechoslovakia“ in erweiterten Versionen, was beiden gut, im Fall von „Czechoslovakia“ sogar sehr gut steht. Leider kann dafür die Pressqualität bei den sehr stillen Parts von „Missing Pieces“ nicht wirklich mithalten, während das Artwork auf der Vinyl Version natürlich erst den Raum eingeräumt bekommt, der dieser Art von Gestaltung zusteht.

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