BERICHT: ONLY LOVERS LEFT ALIVE PREMIERE

Posted in Kunst, Musikfilm, Release on December 22nd, 2013 by D.K.

Zu Weihnachten kommt Only Lovers Left Alive ins Kino. Sehr passend, denn der neue Film von Jim Jarmusch erzählt die Geschichte von drei Vampiren, die unter uns Menschen leben und uns als Zombies sehen. Einzig unseren Wissenschaftlern und Musikern gilt ihr Respekt.

only lovers left alive

Anfang Dezember feierte der Film seine Weltpremiere in Köln, wo er auch in Teilen produziert wurde. Zur Feier des Tages gab es neben dem Film auch einen anschließenden Konzertabend mit Künstlern des Soundtracks. So kam es dann auch, dass Filmfreaks auf Musikfreaks trafen, was das Erlebnis nochmal interessanter machte. Ja ja, Vorurteile, aber es stimmt ja wirklich, manchmal. Filmstudenten und die, die sich für welche halten, sind manchmal doch etwas auffälliger in ihrer Ausdrucksweise. Wahrscheinlich sagen die das Gleiche über uns Liebhaber experimenteller Musik. Doch da kommt Jarmusch ins Spiel. In seinem Vampirfilm geht es halt nicht nur um den Film, sondern auch um die Liebe zur experimentellen Musik und darum, dass ein guter Musiker nicht unbedingt ein Weltstar sein muss. Jim Jarmusch hat ja vor einiger Zeit “Blut geleckt”, als er begann für Soundtracks zur Gitarre zu greifen und dann letztendlich sogar zusammen mit Josef van Wissem Platten aufgenommen hat (siehe Review). Für OLLA hat Jarmusch seine Band aus dem “The Limits Of Control” Soundtrack wiederbelebt und von Bad Rabbit in Sqürl umbenannt. Experimentelle folkige Dronesounds stehen hier im Mittelpunkt und werden auch im Film mehr als zelebriert.

Ich wette, dass die mürrischen Sounds und das Gelächter im Publikum nicht von Musikfans kamen, aber wer weiß… Jarmusch setzt in OLLA einfach mal alles um, worauf er grad Lust hat. Vampire, Musik und Wortwitz.

Nachdem der Film gezeigt wurde, wurden die Gäste in einen benachbarten Club geführt. Grablichter leiteten uns zum Ort des Geschehens. In der Konzertvenue gab es als Überraschung einen Auszug aus dem bald erscheinenden Soundtrack auf schwarzem 180 Gramm Vinyl mit schwarzem Cover ohne Text (Spoiler: direkter Bezug zu einer Filmszene). Der Laden ist natürlich voll, denn die Premiere ist ausverkauft. Jozef van Wissem eröffnet den Abend mit seiner Laute, was ein ziemlich skurriles Bild ergibt, denn er und seine Laute kommen nicht gegen die gefühlt 500 quatschenden Premieregäste an (da wären wir wieder beim Thema Film- vs. Musikfan). White Hills sind lauter, gequatscht wird trotzdem. Sind wohl alle gekommen, weil Sqürl mit Jim Jarmusch spielen werden…

Ein sehr skurriler Abend, passend zur Welt, die von Jim Jarmusch präsentiert wurde.

Ein Kinobesuch und Kauf des Soundtracks lohnt sich auf jeden Fall.

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LIVEBERICHT: AIDAN BAKER UND DIE JAPANER

Posted in ontheroad on September 29th, 2012 by D.K.

Wenn Aidan Baker für ein Konzert nach Köln kommt, dann ist es uns auch egal ob Montag ist, wir fahren hin. So geschehen am letzten Montag. Denn der Stadtgarten Köln ist der Austragungsort einer Konzertreihe namens “Broken Sound”

Chikashi Miyama eröffnet den Abend mit seinem selbstgebauten Synthesizer, der auf Bewegungen reagiert und ähnlich einem Theremin Geräusche von sich gibt. Wo das Theremin eher dazu geeignet ist, das Star Trek Theme nachzuspielen, gehts bei Chikashi Miyama mehr um fiese Noisetöne. Diese werden erzeugt, indem der Musiker sich mit seinen Händen über den Synthesizer beugt und rumfuchtelt. Ehrlich gesagt hab ich keine blassen Schimmer, was er da gemacht hat. Es sah skurril aus und hörte sich ziemlich abgefahren an.

aidan baker

Aidan Baker hat eine eigene kleine Bühne aufgebaut bekommen, die links von der normalen Bühne des Stadtgartenkonzertsaals steht. Ein quadratischer Tisch, auf dem die Effektgerätschaften ruhen, ziert das Bühnenbild. Aidan greift sich seine Gitarre und beginnt eine elektronische Klangwand aufzubauen. Die Gitarre scheint gar nicht da zu sein, nur die Regler der Effekte sind hier klanggebend. Aber so sieht es ja oft aus bei Aidan Baker und doch erzeugt er alle Sounds auf seiner Gitarre. Bottleneck, Tonband, Cellobogen… alles kommt zum Einsatz, um einen 40minütigen Song in den Montagabend zu entsenden. Der Sound ist filigran und steigert sich nicht durch Masse, sondern durch eine geschickte Verpflechtung von Klängen. Ein Ohrgasmus.

Ach ja, wo wir bei Ohrgasmus sind. Als nächstes treten Contagious Orgasm auf der gegenüberliegenden Seite des Raums auf, also noch eine Bühne. Aber was kann denn schon nach Aidan Baker mithalten…

Wer sich jetzt ärgert, dass er Aidan Baker verpasst hat, dem sei ein Blick auf unsere ONTHEROAD Seite empfohlen.

Mehr Fotos von Aidan Baker gibt es hier…

aidan baker

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STEPHAN MATHIEU

Posted in ontheroad, Release on November 19th, 2011 by D.K.

stephan mathieu_live

Stephan Mathieu aus Saarbrücken ist Musiker, der Ambientsound erschafft, genauer gesagt Musikkünstler, der Audio-Installationen kreiert, denn er benutzt für seine Sounds alte Instrumente, die er unkonventionell spielt, oder alte Widergabegeräte wie das Grammofon, um damit Sounds zu verfremden.

stephan mathieu_grammofone

Letzteres hat Stephan Mathieu letzten Donnerstag live in der Aula der Kunsthochschule für Medien live vorgeführt. Stephan Mathieu umgeben von vier Grammofonen und einem Laptop sowie einem kleinen Mischpult. Was folgt klingt so surreal, wie es auch ausgesehen hat. Mathieu begibt sich in wohl überlegten langsamen Bewegungsabläufen zu den Grammofonen, legt dort alte 78RPM Platten aus den 1910er, 20ern und 30ern auf, dreht an der Kurbel und lässt die Sounds der Platten durch seinen Rechner laufen, wo sie mit Hilfe von Spektralanalyse und Konvolution transformiert werden. Und auch wenn man überhaupt keinen Schimmer davon hat, was er da mit den Sounds macht, zählt das Ergebnis und das sind warme, minimalistische Ambientflüsse. Anstatt eine kratzige Bluesplatte oder ein Klassikkonzert von Händel zu hören, ertönt sowas wie die Seele dieser Musik. Stephan Mathieu führt zwei Stücke auf, die Bewegungsabläufe sitzen, sein Gesicht strahlt Konzentration aus, die Aula ist still und als das Set zu Ende ist, ist sekundenlang nichts zu hören, bis die Zuhörer aus ihrer Traumwelt gleiten, um den Künstler mit Jubel einen Dank für dieses Erlebnis auszusprechen.

Auf Platte genauso berauschend wie in der Live Performance. Wer neugierig geworden ist, sollte sich unbedingt folgende Veröffentlichungen anschaffen:

stephan mathieu_a_static_place

“A Static Place” auf 12K Records und

stephan mathieu_remain

das Schwesterrelease “Remain” auf Line Records.

stephan mathieu_to_describe_georg_washinton_bridge

Sowie “To Describe George Washington Bridge” als 10inch Vinyl auf Dekorder Records.

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LIVEBERICHT: THE ASCENT OF EVEREST

Posted in ontheroad on October 19th, 2011 by D.K.

the ascent of everest live in oberhausen

Montag, der wohl unpassendste Tag, um sich abends nach dem ersten Arbeitstag der Woche zu motivieren ein Konzert zu besuchen. Zum Glück schaff ich es, denn The Ascent Of Everest haben in Oberhausen im Druckluft gespielt und das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Im Druckluft angekommen bestätigt sich die Montagstheorie, denn die handverlesene Anzahl an Besuchern ist schon schade.

the ascent of everest live in oberhausen

The Ascent Of Everest lassen sich Zeit und kommen gegen 21:30 Uhr auf die Bühne, die sich sehr schnell füllt, denn die Band besteht heute aus sieben Musikern. Zwei Gitarren, Bass, Cello, Violine, Drums und Percussion. Das Set beginnt mit einem lauten dynamischen Song, der von tiefen Cellotönen und kraftvollen Drums getragen wird. Gelungener Einstieg, der die Müdigkeit des Tages schnell vergehen lässt. Im Hintergrund laufen Videoprojektionen, die ich mir aber gar nicht genau anschaue, denn auf der Bühne passiert so viel, das man sich nicht entgehen lassen möchte. Die Cellistin sitzt in der Mitte der Bühne und wird umrahmt von den restlichen stehenden Musikern (außer dem Drummer). Der Sänger und Gitarrist haucht den Songs, die sich irgendwo zwischen GYBE und Sigur Ros einreihen lassen, die individuelle Seele ein, wenn er mit seiner tiefen Klangfarbe in der Stimme die Vocals beisteuert. Überhaupt ist der Einklang von Vocals, klassischen und rockigen Instrumenten erstaunlich präzise und klingt live noch intensiver als auf Platte. Das Set ist geschickt abwechslungsreich, mal dynamisch-explosiv, mal experimentell-ruhig, und es werden ein paar neue Songs präsentiert, die teils melancholischer, teils aggresiver sind als das bisherige Material. Das Konzert dauert weit über eine Stunde und The Ascent Of Everest können vollkommen überzeugen. Wenn der Aufstieg auf den Everest sich so anfühlt wie die live gespielte Musik dieser Band, dann sollte man echt mal überlegen mit dem Bergsteigen anzufangen…

the ascent of everest live in oberhausen

Wer die Chance hat einen der verbleibenden Termine wahrzunehmen, sollte unbedingt hingehen. Die restlichen Daten findet ihr hier auf unserer ONTHEROAD Seite.

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LIVEBERICHT: DER SAMSTAG VOM DENOVALI SWINGFEST 2011

Posted in ontheroad on October 4th, 2011 by D.K.

Der Freitag hat schon die Messlatte hoch angesetzt, also ist die Vorfreude auf Tag Zwo sehr groß gewesen. Also auf in die Weststadthalle, unserem Drei-Tage-Ersatzwohnzimmer.

Petrels aus England eröffnet den Denovali Swingfest Samstag. Eingesprungen für Crëvecœur und uns nicht bekannt, lassen wir uns überraschen. Nach den ersten Tönen, die aus seinem Laptop schallen und die live auf der Bühne manipuliert werden, ist klar, der kann was. Als Petrels dann „Concrete“ spielt, springt der Funke endgültig über. Ein englischer Männerchor im Loop, untermalt mit Ambientflächen, die sich langsam steigern. Genial.

Nadja @ Denovali Swingfest 2011

Dann kommt wieder ein skurriler Moment, als vor dem Nadja Auftritt einige Leute sich Stühle schnappen und direkt vor der Bühne drei Stuhlreihen aufbauen. Drone-Doom im Sitzen, so so, na ja! Nadja betreten die Bühne und platzieren sich in ihrer typischen Haltung um den Effektgerätetisch. Aidan zum Publikum, Leah dem Publikum abgewandt. Nadja bauen ihre Sounds langsam auf und füllen die Halle mit ihrem speziellen Doomsound aus. Laut sind sie und sie werden immer lauter. Der Abschluß mit „Bungled and Botched“ ist mein Gänsehautmoment des Festivals. Um eine eingängige Melodie herum bauen Nadja ein Gewitter aus Drones und Noiseelementen auf, das wirklich beeindruckend ist. Danach hab ich keine Lust, mir die gut gelaunten Polen von Contemporary Noise Sextet anzuschauen und leg mich auf die Wiese vor der Halle. Waren gut, ist nach dem Konzert überall zu hören.

contemporary noise sextet @ denovali swingfest 2011

Dale Cooper Quartet and The Dictaphones sind als nächste dran. Die vier Franzosen, also genauer gesagt die drei Franzosen und ihr irischer Gastsänger, machen es sich auf der Bühne gemütlich und rücken ganz nah zum Publikum hin. Sounds und Beats aus dem Kasten werden mit zwei Gitarren untermalt, Christophe bearbeitet seine Gitarre eher experimentell mit Werkzeug, Cellobogen und sonst was, Yannick dagegen sorgt für die Struktur der Songs. Düstere improvisierte Musik zwischen Jazz und Rock. Die Vocals im 80er Wavestil passen gut zur Musik und machen die Vorfreude auf das bald erscheinende zweite Album noch größer.

dale cooper quartet @ denovali swingfest 2011

Jefre Cantu-Ledesma und Paul Clipson (nur in Form seines Videos anwesend) gestalten den Abend zur Primetime mit einer gelungenen Mischung aus Noise und Ambient und den besten Visuals des Festivals. Clipsons Film zeigt Stillleben, in denen Licht und Schatten eine große Rolle spielen. Das Set ist kurz, aber in Erinnerung bleibend.

Die Swingfestveteranen von Omega Massif legen wie erwartet ein trockenes, lautes Doom-Sludge-Brett hin und präsentieren neben den gewohnten Songs wie „Unter Null“ auch neue Songs von „Karpatia“. Die erste Reihe füllt sich schnell mit langhaarigen Kopfwacklern und der Rest in der Halle steht auch nicht still. Kultaktion bei Omega Massif Swingfestauftritten sind natürlich auch die prolligen Zwischenrufe, die auch dieses Jahr nicht fehlen dürfen.

omega massif @ denovali swingfest 2011

Der Samstagabend wird von The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble beendet. Die Band mit den meisten Bandmitgliedern des Swingfestes sieht auf der Bühne schon ziemlich beeindruckend aus. Das Darkjazzset wird mit zwei Projektionen untermalt, die Schwarzweißausschnitte von Filmen zeigen. Besonders die Songs, in denen auch gesungen wird, hinterlassen einen Wow-Eindruck. Posaune, Cello, Gitarre und Elektronik schaffen eine ganz eigene Atmosphäre. Die Niederländer überzeugen dieses Jahr auf jeden Fall mehr als im Jahr zuvor und entlassen uns zufrieden in die Nacht.

Fazit zum Samstag: Obwohl ich Nadja schon öfter gesehen habe, ist das kanadische Duo der absolute Höhepunkt des Tages, weil Lautstärke, Sound und Licht hier ein wirklich optimales Gesamterlebnis geboten haben. An dieser Stelle noch ein Riesenlob an Christoph von „The ´79 Sound”, der für den Swingfestsound zuständig war.

kilimanjaro darkjazz ensemble @ denovali swingfest 2011

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LIVEBERICHT: KYUSS LIVES!

Posted in ontheroad on August 6th, 2011 by D.K.

kyuss_lives_live

Kyuss, die Desertrocklegende aus den 90er Jahren, wiedervereint zu Kyuss Lives, um durch die Welt zu touren und die Musikgemeinde daran zu erinnern, wer den tiefgestimmten Bluesmetalsound salonfähig gemacht hat. Ich weiß noch genau, wie ich auf Kyuss gestoßen bin: Es war eine Sendung namens “Wah Wah” auf dem ersten deutschen Musiksender, der ebenfalls in den Neunzigern ins Leben gerufen wurde. Da lief dann dieses braunstichige, mysteriöse Video von “Demon Cleaner”, in dem eine tiefe Soundwalze auf den filigranen Gesang von John Garcia traf. Ab in den Plattenladen, damals noch ein gut sortierter Teil im bergischen Elektonikmarkt, und sofort “Sky Valley” gekauft. Nach dem ersten Hören war klar, dass “Demon Cleaner” nicht der repräsentativste Song der Band war, denn markantes Merkmal des Kyusssounds waren nicht nur die basslastigen Saiteninstrumentklänge, sondern auch Garcias Reibeisenstimme. Ein Album später war plötzlich Schluss und was einem blieb, waren vier Alben und eine sehr gelungene Raritätenbestofplatte. Viele, viele Jahre später spielten dann Brant Bjork und Nick Olivieri ihre Solosets in der Bochumer Matrix und überraschten das Publikum mit einer gemeinsamen Zugabe, bei der sie Kyusssongs im neuen Gewand präsentierten. Da ging mir durch den Kopf, dass die Herrschaften doch eigentlich mal wieder mit dem Herrn Garcia musizieren könnten, wenn sie schon Kyuss Material anspielen. Nochmal viele, viele Jahre später ist aus dem Wunschdenken Realität geworden und die drei haben sich zusammen mit Gitarrist Bruno Fevery zusammengetan. Und nun nach dem Lebensbericht zum Livebericht.

Voll ist es vor dem FZW, als wir ankommen. Eine Schlange gemischt aus Jung und Alt, Rockern und Metaltypen. Die Halle ist schnell gefüllt und um 21 Uhr geht das Licht aus und ein Orchester aus der Tube leitet das Ende des jahrelangen Wartens ein. Brant Bjork betritt als erster die Bühne und beginnt das Set hinter den Drums. Die restlichen Kyuss-Söhne kommen auf die Bühne. Nick Olivieri ist kurzfristig ausgefallen und wird durch Scott Reeder ersetzt, der ja nicht weniger Kyuss ist als Nick und mit seinem leuchtenden Bass barfuss vor seinen fetten Amps steht. John Garcia im dunkelroten Hemd, mit Zopf und Sonnenbrille, also genau das Bild, das man erwartet hat. Bruno Fevery als einziger Nicht-Alt-Kyuss-Mann fügt sich gut ins Gesamtbild ein. Das Set ist schwer “Sky Valley”-lastig, “Gardenia” walzt als zweiter Song durch die Reihen, die halbe Halle tobt. Endlich mal die Phrase “Get back… Motherfuckaahhhh…” live hören. Nachdem sich die Band warmgespielt hat, nehmen die Songs einen eigenen Flow an, der auch geprägt ist von Feverys Gitarrenstil. Schon alleine weil er nicht wie Josh Homme durch Bassamps spielt, entwickelt der Sound seiner Gitarre einen eigen Charme. “Freedom Run” beispielsweise groovt verdammt cool und Garcia holt alles aus seiner Stimme raus. Brant Bjork, wie immer gut gelaunt und bis über beide Ohren grinsend, spielt mit Publikum und Drumset und könnte so energetisch wie er da abgeht einen kleinen trommelnden Hasen einer Batteriefirma als Maskottchen ablösen. Sie genießen es wieder zusammenzuspielen und gefeiert zu werden. “One Inch Man” bringt so gut wie alle zum Toben. Einer der Höhepunkte ist auch “El Rodeo” mit seinem fiesen Gedröhne und den eindringlichen “Rodeooooooohhhhhh” Vocals. Wenn man da so steht und die Bässe durch sich fliessen lässt, ist es nicht verwunderlich, dass ich heute auf Drone und Doom Bands stehe. Der junge Mann mit der Karottenhose, der die ganze Zeit stocksteif vor mir steht, wird auch irgendwann vom Groove der Band mitgerissen und fängt an, unkontrolliert mit dem Kopf zu wackeln. Kyuss kriegen sie alle. Und es sind wirklich Kyuss, der Namenszusatz ist hier überflüssig. Das Ganze geht mit Zugabe bis um 23 Uhr, bis der Zirkus die Stadt wieder verlässt. Yeah!

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LIVEBERICHT: RUSSIAN CIRCLES & BORIS

Posted in ontheroad on July 24th, 2011 by D.K.

Samstagabend von der einen Ecke des Ruhrpotts zur anderen nach Dortmund in das FZW zum Boris & Russian Circles Konzert, das dauert schon ganz schön lang. Im FZW angekommen spielt die Vorband Saade schon ihren letzten Song. Saade kannte ich vorher nicht, aber ein Blick auf die Bühne verrät, dass ein Teil des Gitarre-Drum-Duos der Tourmanager von Bands wie Boris oder Mono ist. Klein ist die Welt.

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Als erster Headliner treten Russian Circles um kurz nach Acht auf. Das große Drumset (erheblich größer als das dahinter stehende von Boris) steht mittig am vorderen Bühnenrand. Rechts davon der Bassist und links der Gitarrist. Mike Sullivan an der Gitarre ist die treibende Kraft auf der Bühne. Er legt die ersten Loops, die unglaublich präzise sind und die Band nach nur knapp 2 Minuten wie eine Drei-Gitarren-Combo klingen lassen. Der drahtige Dave Turncrantz wirkt hinter seinen großen Drums etwas verloren, doch dass er diese unter Kontrolle hat beweisen die ersten Druckwellen, die schon beim ersten Song das erste Ohnmachtsopfer fordern. Links stehend sieht man dank vorgerückten Drums so gut wie nichts von Bassist Brian Cook und zu hören ist er zu Beginn auch nicht, weil irgendwas am Sound nicht klappt. Trotzdem haben sich die drei schnell warm gespielt und präsentieren ihren instrumentalen Postrock-Meets-Metal-Sound, der nicht umsonst viele Anhänger gefunden hat. Mike rast mit seinen Fingerkuppen über die Gitarrensaiten, Dave haut alles an Rhythmus raus was machbar ist und Brian legt fette Basslinien in den Hintergrund. Rock´n`Roll!

boris

Das Gute an Clubabenden, bei denen im Anschluss eine Party stattfindet, ist die Tatsache, dass alles sehr stark nach Zeitplan geht. Und so ist die Bühne auch schnell für Headliner Nummer 2 hergerichtet. Boris betreten die Bühne und als kleine Überraschung ist der japanische Kultgitarrist Michio Kurihara als vierter Mann dabei. Alle in Schwarz gekleidet, alle cool wie sonstwas. Es geht los mit “Riot Sugar” , “8″ und “Statement”, die vier Japaner rocken, leider ist der Gesang nicht wirklich gut zu hören (vorne zumindest), aber die Show ist trotzdem gut. Atsuo hampelt sich mit seiner Mangafigurfrisur einen an den Drums ab und zieht dabei die skurillsten Grimassen (von wegen Japaner beherrschen sich immer), Wata dagegen spielt ihre Gitarre konzentriert und bewegt nur die Augen und ihren Oberkörper.
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“Attention Please” als einziger Beitrag vom neuen, gleichnamigen Album, dann “Window Shopping” vom neuen Heavy Rocks, nicht heavy, sondern cool Bass und Drums lastig, fast schon sowas wie ein gerockter Dancesong (und immer wieder die Frage im Kopf, möchte man wissen was da auf japanisch gesungen wird?). Takeshi wandert auf seinem zweihälsigen Bass-Gitarre-Instrument hin und her, Michio bearbeitet seinen Gitarrensound mit verschiedenen Effekten und legt Soundlandschaften in den Hintergrund. Kurz vor Ende dann mit “1970″ und “Pink” sowas wie Boris-Hits und als Abschluss das epische “Aileron” in der Heavy Rocks Version. Die künstliche Nebelwand verschwindet, die Lichter gehen an.
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LIVEBERICHT: RED SPAROWES

Posted in ontheroad on July 23rd, 2011 by D.K.

Red Sparowes waren endlich wieder auf Tour und auch endlich wieder im Gebäude 9 in Köln. Diese Kombination weckt nette Erinnerungen an das Konzert, das die Herrschaften vor ein paar Jahren am gleichen Ort gegeben haben. Damals haben Tephra den Abend würdig eröffnet, für dieses Mal stand keine Vorband an.

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Erste Überraschung am Abend ist die recht übersichtliche Zahl an Besuchern (hier mal der Wink mit dem Zaunpfahl an alle, die kommen wollten aber zu faul waren…). Zweite Überraschung ist die dann doch vorhandene Vorband, die eigentlich keine ist, sondern nur Dreifünftel der Red Sparowes. Genauer gesagt, die neue Gitarristin Emma Ruth Rundle, begleitet von Bryant Clifford Meyer an der Gitarre und Greg Burns an der Steel Guitar. Die drei geben einen epischen Song zum Besten, der vor allem durch seine eingängigen Melodien und den Gesang von Emma überzeugt. Das wars. Die drei verschwinden wieder hinter der Bühne.

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Dann kurze Zeit später kommen alle fünf Red Sparowes auf die Bühne und das Bandset beginnt. Druckvolle Drums, drei Gitarren, Steel Guitar und/oder Bass blasen die Luft aus der Halle und Luft ist an diesem warmen, schwülen Tag wünschenswert, aber egal, der Sound lässt vergessen, dass man auch atmen soll. Ich spare mir mal, die ellenlangen Titel der gespielten Songs zu nennen, auf alle Fälle sind die treibenden rockigen Songs aus dem ganzen Repertoire der Band vertreten, ruhig wird es während des Sets nur zwischendurch, wenn zwischen den gewohnten Tönen Imrovisationen eingebaut werden, die weitere Spannungsbögen in den Sound miteinbringen. Was nicht fehlen darf, ist die visuelle Untermalung in Form von Videoprojektionen. Diese fangen polemisch an und durchwandern während des Konzertes Wissenschaften, Kunst, Momentaufnahmen und sonstige eindrucksvoll auf Film festgehaltene Situationen. Immer passend zum dargebotenen Sound. Sogar eine Zugabe von zwei Songs gibt es, die mit einer Dankesrede von Bryant Clifford Meyer eingeleitet wird. Sehr sympathisch, der Ex-Isis-Keyboarder-Gitarrist. Sehr sympathisch diese Red Sparowes.

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LIVEBERICHT: N, BERSARIN QUARTETT & DALE COOPER QUARTET

Posted in ontheroad on June 14th, 2011 by D.K.

Letzten Freitag hat der erste Denovali Label Evening in der Christuskirche Bochum stattgefunden und zum einen die Zeit bis zum diesjährigen Denovali Swingfest verkürzt und zum anderen eindrucksvoll bewiesen, was im Herbst erwartet werden kann.

“Diese Soundwand hat mich live umgehauen” (Zitat Gast zu N)

N eröffnet den Abend um kurz nach Acht mit seinem Drone-Ambient-Set. N hat sich am rechten Bühnenrand vor dem Altarsockel platziert und fängt an, die Hörer mit leisen, lang anhaltenden Tönen in seine Welt zu entführen. Der Sound wird lauter und allmählich wächst der Sound durch Loops und andere Effekte. Die Herangehensweise von N wirkt an diesem Abend sehr orchestral. Der Sound wächst immer weiter an und nach einer Viertelstunde brechen erst die Dronesounds über die Kirche herein, die man schon die ganze Zeit erwartet. Auch hier wächst die Soundwand weiter an, in deren Hintergrund immer wieder eine Art Melodie durchschimmert. Dann endet nach 23 Minuten der erste Song mit einem leisen Dröhnen, was direkt zum zweiten Stück führt, das von der aktuellen Denovali Platte “Gager” stammt. Auch hier wieder das Anwachsen des Sounds zu einem den ganzen Kirchenraum einnehmenden Gedröhne. Der perfekte Einstieg für diesen Abend.
N

“Das sind ja nur drei” (Zitat mehrerer Gäste zum Bersarin Quartett)

Um kurz nach Neun kommen dann Bersarin Quartett auf die Bühne. Heute nicht nur als Soloprojekt von Thomas Bücker, sondern erstmalig als dreiköpfige Band mit Drummer und Bassist von der Münsteraner Band Racquets. Die Drei sind auf dem Altarsockel platziert und gut sichtbar, hörbar sind sie auf alle Fälle. Denn der fette Bass, das noch fettere Drumset und die Elektronikabteilung von Bücker verstehen sich gut mit der Akustik der Kirche. Leider ist der Anteil der echten Instrumente im Vergleich zur Elektronik geringer, dafür wirken die Momente, in denen die Drums voll zum Einsatz kommen oder der Bass den Rhythmus angibt, um so eindrucksvoller. Im großen Ganzen überzeugt das Bersarin Quartett bei seiner Livepremiere als Band vollkommen. Standing Ovations und lauter Jubel sprechen da ganz für sich.

bersarin quartett

“Wer von denen ist denn Dale Cooper ?” (Zitat Gast zum Dale Cooper Quartet)

Es ist schon kurz vor Elf. Das Licht in der Kirche wird gedimmt. Nur ein warmes gelbes Licht erhellt die Fläche vor dem Altarsockel, wo sich die vier Franzosen von Dale Cooper Quartet & The Dictaphones platziert haben. Zwei Gitarristen, ein Cellist und ein Mann an der Elektronik. Das Cello setzt ein, aus der Elektronikecke knallt ein subtiler, aber sehr eindringlicher Bassloop in die Kirche und sofort ist klar, dass hier was Besonderes folgt. Nichts mit stimmungsvoller Melancholie wie bei Bersarin, sondern düstere Soundtrackatmosphäre à la Film Noir. Die Gitarren untermalen den bassigen Sound, die eine eher klassisch bluesig gespielt, die andere experimentell-freestylig, teils mit Schraubenzieher und Cellobogen. Zwischen den Songs werden Cheap Radio Sounds im 60er Jahre Stil eingebaut. Die Franzosen überzeugen durch ein Set, das sich vollkommen von den Studioaufnahmen unterscheidet, viel düsterer und weniger jazzig ist und vom improvisierten Gitarrenspiel in Verbindung mit den vorgegebenen Elektroniksounds lebt. Behutsam bauen Dale Cooper Spannungsbögen auf, die erst kurz vor Schluss aufgelöst werden, und um Mitternacht mit einer erneuten 60er Radio Einlage enden. Nicht alle Gäste haben durchgehalten, aber die, die geblieben sind, sehen zufrieden aus.

dale cooper quartet and the dictaphones

Update: Mehr Denovali Label Evening Fotos von tobalo.de und constantly-consuming.com findet ihr in unserer PHOTOS Rubrik.

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LIVEBERICHT: BARN OWL & JEFRE CANTU-LEDESMA

Posted in ontheroad on June 4th, 2011 by D.K.

Wieder ein Tag, an dem die Christuskirche Bochum ihre Pforten für Freunde experimenteller Gitarrenmusik geöffnet hat. Diesmal standen die Auftritte von Barn Owl und Jefre Cantu-Ledesma an.

barn owl jefre cantu-ledesma

Als die Musiker zum Aufbau und Soundcheck die Kirche betreten, strahlen die Augen von Allen auf. Nachdem sich der Boden vor dem Altar in ein Meer aus Effektgeräten (passender Weise auch eins namens “Cathedral” dabei) verwandelt hat, inspizieren Jon Porras, Evan Caminiti und Jefre Cantu-Ledesma die Kirche und entdecken neben einem Flügel auch die Kirchenorgel für sich. Schnell ist geklärt, ob die beiden Instrumente benutzt werden dürfen und Barn Owl entscheiden sich spontan, die Orgel und den Flügel in ihr Set einzubauen. So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass der Soundcheck etwas wirr abläuft und Orgelgedröhne auf Elektronik von der Bühne trfft… am besten alles gleichzeitig ausprobieren… sehr sympathisch, diese musikalische und räumliche Begeisterung.

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Dann ist es endlich soweit und Jefre Cantu-Ledesma eröffnet zusammnen mit Lisa McGee, als sphärisch wortlose Vocalunterstützerin, den Abend. Die beiden sind in ganz schwaches rotes Licht gehüllt, wollen nicht gesehen, sondern gehört und gespürt werden. Das geschieht auch zweifelsfrei. Jefre legt einen Teppich aus Elektronik, der sich durch die ganze Kirche schleicht. Mit dezenten Gitarrensounds untermalt er das Elektronikonstrukt und Lisa, auf dem Boden hockend, mit dem Gesicht im Mikro versunken, legt ihre Vocals über den Sound. Es hallt, es dröhnt, es quietscht und leider ist nach nicht mal einer halben Stunde schon alles wieder vorbei.

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Nach einer kleinen Pause geht es weiter mit dem Barn Owl Set. Jefre steigt auf die Empore und nimmt Platz an der riesigen Orgel und das Gedröhne der Register beginnt. Das Publikum verstummt, Jon und Evan verharren auf der Bühne und nach gut fünf Minuten Orgeldrones brechen die Gitarren über dem Orgelsound ein und lösen den entstandenen Spannungsbogen auf. Jefre kommt auf die Bühne, setzt sich an den Flügel und unterstützt die Beiden mit improvisierten Tasteneinlagen. Über dem Altar sind die Projektionen von Super 8 Filmaufnahmen des Künstlers John Davis zu sehen, der anlässlich der Barn Owl Tour Videomaterial zusammengestellt hat. Die Projektionen sind der Band so wichtig, dass Robert (der Tourmann im Hintergrund) kurz vor dem Konzert noch losmarschiert, um ein fehlendes Kabel für den Beamer zu kaufen. Das ist Einsatz für die Kunst…

barn owl

Aber zurück zur Musik. Barn Owl präsentieren dem Hörer ein zusammenhängendes Set, das sich zwischen Ambient, Drone und Dark Americana bewegt. Schwierig einzelne Songs hervorzuheben, aber das ist wohl Absicht. Es fühlt sich auf jeden Fall sehr erhaben an, in der Kirche zu sitzen und die vielschichtigen Gitarrenwände auf sich einwirken zu lassen. Evan Caminiti steht entweder in feinsten Rockerposen (die bei ihm – im Kontext des Abends – wirklich cool aussehen) oder kniet vor seinen Effektgeräten. Jon Porras sitzt die ganze Zeit, rockt aber auch im Sitzen genau so cool wie Evan im Stehen. Jefre Cantu-Ledesma verschwindet zwischenzeitlich von der Bühne und taucht wieder mit kleinen schellenden Glocken zwischen den Kirchenbänken auf und schreitet, wie ein orthodoxer Pope beim Gottesdienst, zum Altar. Der Kirchenraum wird an diesem Abend voll ausgenutzt. Knapp eine Stunde spielen Barn Owl und verlassen zufrieden grinsend die Bühne. Die wenigen Leute, die an dem Abend gekommen sind, machen aber genug Lärm, um die beiden von einer Zugabe zu überzeugen. Es folgen zwei weitere Songs, bei denen Jefre sich wieder ans Klavier setzt und Elektronik aus seinem Effekte-Repertoire einbaut. Dann wieder Applaus… dann verstummt die Kirche… und dann… ein unvergessenes Erlebnis mehr für das Langzeitgedächtnis.

Mehr Fotos vom Abend in der Christuskirche Bochum gibt es hier.

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LIVEBERICHT: MICROPHONICS

Posted in ontheroad on June 4th, 2011 by D.K.

Letzter Montag im Mai. Dieser Tag soll nicht nur wegen seinen 35 Grad im Schatten in Erinnerung bleiben. Im Oberhausener Druckluft steht das Konzert von Microphonics und den japanischen Kultpostrockern Mono an.

Die Bühne ist klein und dementsprechend vollgestellt. Auf der rechten Seite hat Dirk Serries, der Mann hinter Microphonics, sein Set aufgebaut. Ein Koffer mit Effektgeräten, ein Notenheft (in dem eher Texte als Noten stehen), eine schwarze Les Paul und zwei Fender Combos. Diese stehen dem Publikum abgewandt und schnell wird klar, dass das heutige Microphonics Set wohl über die PA erschallen wird. Doch zunächst ist Warten angesagt, das einzige Fenster in der Halle erhellt den Raum noch… dann fängt es an zu dämmern.

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Dirk Serries betritt die Bühne. Sein Blick ist konzentriert und sein Gesicht angespannt, er nimmt Platz auf einem Hocker und greift zur Gitarre. Die grausame Hintergrundmusik verstummt, es ist leise. Dirk Serries fängt an und die Vermutung bewahrheitet sich; der Sound erschallt aus der PA. Ungewöhnlich direkt, laut und dementsprechend präsent beginnt Serries sein Microphonics Set. Wo er sonst ohne PA erst bedächtig leise anfängt und den Hörer in seine Welt einführt, überrascht er an diesem Abend mit einer Gitarrensoundwand, die den Hörer sofort überwältigt. Diese Direktheit ist ungewohnt, steht Microphonics aber recht gut und ist in der Funktion als Monosupport passend. Dirk Serries baut seinen Sound mit Loops auf. Er konzentriert sich an diesem Abend mehr auf das klassische Anspielen der Saiten und setzt nur gelegentlich Akzente mit einem Ebow. Sein Gesicht und sein Blick haben sich mittlerweile entspannt und ihm ist anzusehen, dass er sich inmitten seiner Soundkreation wohlfühlt. Das Publikum wohl auch, denn keiner redet in den ersten Reihen. Ein gutes Zeichen. Kein ruhiger Moment in der Musik, der Sound schreitet voran und die Klangwand baut sich immer weiter auf. Wie lange wird er wohl spielen (?) … geht einem durch den Kopf. Nach einer guten halben Stunde entspannt sich die Soundwand und die Loops werden allmählich zurückgenommen. Genau in dem Moment, in dem man glaubt, es sei gleich vorbei, greift Serries zu seinem Ebow, setzt es auf der tiefsten Seite auf und baut einen tiefen durchdringenden orgelähnlichen Sound auf, der immer lauter und einnehmender wird. Hier ist wahrhaftig Druck in der Luft. Dann plötzlich Stille. Ergreifend.

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Nach dem Set merken wir, dass Dirk Serries seinen langjährigen Tonmann, Ronald Marien, als Unterstützung am Mischpult mit dabei hatte. Gute Arbeit, kann man da nur sagen.

Was folgt sind Mono, eine der besten Postrockbands, die es derzeit gibt. Aber das spielt grad keine Rolle…

Mehr Fotos vom Abend findet ihr hier.

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LIVE: NADJA & GALENA

Posted in ontheroad on April 17th, 2011 by D.K.

Nadja & Galena machen auf ihrer gemeinsamen Tour halt im AZ Mülheim. Riesengroße alte Fabrikhallen mit hohen Decken, verwinkelten Räume und einem Konzertsaal, dessen alte Funktion schwer erkennbar ist. Ein stählerner Pfahl mitten im Raum, Stahlringe an den Wänden, Kopfsteinpflasterboden und Ziegelwände. Die Bühne ist hoch und im Raum sind alte Polstermöbel platziert.

GALENA

Die lokale Band Moloch eröffnet den Abend mit Ambientgebrumme und Beamerprojektionen. Dann folgt der mit Spannung erwartetet Auftritt von Galena aus Oakland. Ein Mann an den Reglern, der andere an der Gitarre. Was hektisch beginnt entpuppt sich im Verlauf des Sets zu einer gelungenen Mischung aus Noise, Black Metal und experimentellem Drone. Galena schaffen es immer nah der Grenze zum extrem experimentellen Sound Spannung und Druck aufzubauen und halten somit die Aufmerksamkeit der Zuhörer, die vor der Bühne oder auf den Sofas sitzen. Der Applaus am Ende zeigt, dass Galena überzeugen konnten.

NADJA

Nadja folgen wenig später. Sie platzieren sich in der dunkelsten Ecke der Bühne. Leah Buckareff mit dem Rücken zum Publikum, Aidan Baker dem Publikum zugewandt. Aidan trommelt auf dem Gitarrenkörper und legt einen wummernden Sound als Basis, dann setzt das Gitarrenspiel ein und der Bass walzt sich durch den Hintergrund. Nadja nehmen das Publikum mit auf eine Dronereise. Genau wie einen Monat zuvor in Bochum spielen Nadja ein zusammenhängendes Set, in dem ein Song in den nächsten Song übergeht. Gegen Ende kommen Cellobogen zum Einsatz, die dem Set eine weitere Soundvariation verleihen. Es wird lauter, ein Soundloop legt sich über den nächsten, bis sich irgendwann der Berg aus Tönen zu einem ruhigen Tal wandelt und in Stille übergeht. Diese Reise treten wir gerne wieder an.

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