SINGLETIPP: BORIS SAADE SPLIT

Posted in Release on August 7th, 2011 by N

Tour-Split-7inch; und die dritte Version von „Czechoslovakia“. Und die bei weitem härteste und brutalste: auf der CD des 2011er „Heavy Rocks“ von Boris fast nur so etwas wie eine Andeutung oder ein Excerpt, auf dem Doppel-Vinyl ausgebaut zu einem perfekten Album-Rausschmeisser im Showdown der Kontraste zwischen Atmosphäre und Killershredding, findet „Czechoslovakia“ hier auf dem kleineren Format zu seiner wahren Größe: Boris, improvisations- und Kollaborationserfahren, holen Tourmate und Saade Sänger Tomas Zakopal ans Mikro und dessen (vermutet) tschechischsprachigen Gesang ganz nach vorn. Killer, gerade durch die ungewohnte (und harte) Sprache und durch Tomas Zakopals eher shoutenden Gesang. Heavy, indeed und unverzichtbar.

Boris_Saade

Saade kommen im Gegensatz zu Boris gekonnter Heavyness deutlich garagiger, ruppiger, tendenziell punkig rüber: körnig zerspellter Gitarrensound über trocken galoppierendem Schlagzeug und der Ein-Ton-Gesang in ungewohnter Sprache; auch hier: ganz klar ja.

Erhältlich über das tschechische Label KYEO, wer will auch im Bundle mit dem Saade Debüt. Hier geht es zum Onlineshop.

Tags: , , , ,

LIVEBERICHT: RUSSIAN CIRCLES & BORIS

Posted in ontheroad on July 24th, 2011 by D.K.

Samstagabend von der einen Ecke des Ruhrpotts zur anderen nach Dortmund in das FZW zum Boris & Russian Circles Konzert, das dauert schon ganz schön lang. Im FZW angekommen spielt die Vorband Saade schon ihren letzten Song. Saade kannte ich vorher nicht, aber ein Blick auf die Bühne verrät, dass ein Teil des Gitarre-Drum-Duos der Tourmanager von Bands wie Boris oder Mono ist. Klein ist die Welt.

russian circlesrussian circles

Als erster Headliner treten Russian Circles um kurz nach Acht auf. Das große Drumset (erheblich größer als das dahinter stehende von Boris) steht mittig am vorderen Bühnenrand. Rechts davon der Bassist und links der Gitarrist. Mike Sullivan an der Gitarre ist die treibende Kraft auf der Bühne. Er legt die ersten Loops, die unglaublich präzise sind und die Band nach nur knapp 2 Minuten wie eine Drei-Gitarren-Combo klingen lassen. Der drahtige Dave Turncrantz wirkt hinter seinen großen Drums etwas verloren, doch dass er diese unter Kontrolle hat beweisen die ersten Druckwellen, die schon beim ersten Song das erste Ohnmachtsopfer fordern. Links stehend sieht man dank vorgerückten Drums so gut wie nichts von Bassist Brian Cook und zu hören ist er zu Beginn auch nicht, weil irgendwas am Sound nicht klappt. Trotzdem haben sich die drei schnell warm gespielt und präsentieren ihren instrumentalen Postrock-Meets-Metal-Sound, der nicht umsonst viele Anhänger gefunden hat. Mike rast mit seinen Fingerkuppen über die Gitarrensaiten, Dave haut alles an Rhythmus raus was machbar ist und Brian legt fette Basslinien in den Hintergrund. Rock´n`Roll!

boris

Das Gute an Clubabenden, bei denen im Anschluss eine Party stattfindet, ist die Tatsache, dass alles sehr stark nach Zeitplan geht. Und so ist die Bühne auch schnell für Headliner Nummer 2 hergerichtet. Boris betreten die Bühne und als kleine Überraschung ist der japanische Kultgitarrist Michio Kurihara als vierter Mann dabei. Alle in Schwarz gekleidet, alle cool wie sonstwas. Es geht los mit “Riot Sugar” , “8″ und “Statement”, die vier Japaner rocken, leider ist der Gesang nicht wirklich gut zu hören (vorne zumindest), aber die Show ist trotzdem gut. Atsuo hampelt sich mit seiner Mangafigurfrisur einen an den Drums ab und zieht dabei die skurillsten Grimassen (von wegen Japaner beherrschen sich immer), Wata dagegen spielt ihre Gitarre konzentriert und bewegt nur die Augen und ihren Oberkörper.
boris

“Attention Please” als einziger Beitrag vom neuen, gleichnamigen Album, dann “Window Shopping” vom neuen Heavy Rocks, nicht heavy, sondern cool Bass und Drums lastig, fast schon sowas wie ein gerockter Dancesong (und immer wieder die Frage im Kopf, möchte man wissen was da auf japanisch gesungen wird?). Takeshi wandert auf seinem zweihälsigen Bass-Gitarre-Instrument hin und her, Michio bearbeitet seinen Gitarrensound mit verschiedenen Effekten und legt Soundlandschaften in den Hintergrund. Kurz vor Ende dann mit “1970″ und “Pink” sowas wie Boris-Hits und als Abschluss das epische “Aileron” in der Heavy Rocks Version. Die künstliche Nebelwand verschwindet, die Lichter gehen an.
boris

Tags: , , , , , ,

BORIS IM DOPPELPACK

Posted in Release on June 24th, 2011 by N

Boris_Attention_Please

„Attention Please“ ist nun das zweite neue Album 2011 und hier geht es fast nur noch um Wata: als alleinige Sängerin, als Coverikone und Star des 27-seitigen Bookletts (CD) bzw. Postergirl (LP). Als Asia-Abendkleid-Gothic mit Schleierschal und „Action-Mike“ im Anschlag. Und wenn das Album nicht unter Boris firmieren würde, sondern als Watas erstes Solo-Album beworben würde, ich würde es glauben…

Hier findet ihr die “New Album” Review.

Das Album geht im Vergleich zu „New Album“ eindeutig wieder zurück zu einem homogeneren Band-Sound, bezieht sich diesmal möglicherweise mehr auf Shoegazerhaltungen, lässt dabei den Hard-Rock außen vor, scheut sich auch nicht, im Titelstück, Minimal-Dance-Rhythmik in das Zentrum zu stellen.

Besonders interessant wird es dann natürlich bei den gefürchteten Überschneidungen, die Boris bei Multi-Veröffentlichungen offensichtlich besonders mögen: „Party Boy, auf „New Album“ im Vergleich eins der zurückhaltenderen Stücke erhält auf „Attention Please“ durch die verzerrte Basslinie ein ganz neues Rückgrat und wirkt dadurch entschlackt-fokussierter und auch noch „rockiger“ (im positiven Sinne…). Gleiches gilt für „Hope“: auch hier wird das Streichergewand der „New Album“ Version deutlich heruntergefahren, die Gitarren etwas ruppiger gemixt und fertig ist ein Track zwischen Pop und Shoegaze …gleiches gilt nahezu auch für das ebenfalls auf beiden Platten befindliche „Spoon“.

Insgesamt also eine Platte, die die Rock / Drone / Experimental Adepten nicht zufrieden stellen wird, die aber auch für diese deutlich besser zu ertragen sein sollte als „New Album“. Und für alle anderen möglicherweise einfach ein gutes Album einer guten Band…?
Boris_Heavy_Rocks_2011

Boris beziehen sich auf Album Nummer 3 “Heavy Rocks” ganz explizit auf ihr 2002 Album „Heavy Rocks“ und zeigen das rein äußerlich durch ein identisches Cover Artwork, in der 2011er Version (im Gegensatz zum orangenen 2002er Vorgänger) ganz in lila (und wieder mit den schicken Klarlack-Aufdruckungen; erst recht schick bei der Doppel-LP-Version). Natürlich (obwohl: in Bezug auf Boris sollte dieses „natürlich“ ggf. besser mit einem Fragezeichen versehen werden) ist dieses aktuelle „Heavy Rocks“ keine Neueinspielung der alten Tracks, sondern ein wirklich neues Album (mit der kleinen Einschränkung, dass sowohl „Tu, La La“ als auch „Jackson Head“ bereits auf „New Album“ veröffentlicht wurden…).

Boris wollen mit „Heavy Rocks“ (angeblich) auch ihren Status als Band in Bezug auf Heavy-Musik wiederherstellen / erneuern / bestätigen: die Platte ist heavy, keine Frage, aber wer aus solchen Äußerungen heraus erwartet, ein Album extremer Härte, möglicherweise nihilistischer Düsternis und / oder voll ohren- (wenn nicht menschen-)verachtenden Noise zu bekommen, der ist besser gleich gewarnt: der metallige Opener, „Riot Sugar“, das über 12 Minuten lange, zwischen Fast-Stille und brutalem Noise pendelnde (und dabei auch noch höchst melodiöse) Center-Piece „Missing Pieces“ und das ebenso die 12 Minuten brechende, tiefe Bass / Gitarren-Doombögen schiebende „Aileron“ erfüllen solche Erwartungen vielleicht am ehesten; die weiteren Stücke setzen mehr auf einen kompakten Bandsound mit guter Härte, auch mal punkig, jedoch zum Teil durchaus auch ganz ohne Hard-Rock / Metal-Appeal: „Jackson Head“, auf „New Album“ synthgetriebener Elektrokracher, (hier im nahezu gleichen Arrangement was die Abfolge der Parts betrifft) als rockig / punkiger (von der Haltung, nicht dem Sound) Semi-Hit; auch „Tu, La La“ streift alle Verzuckerungen der „New Album“ Version ab und reinkarniert shoegazerlastig mit Chorgesang über ruppigeren Gitarren…

Auf der Doppel-LP „Missing Pieces“ und „Czechoslovakia“ in erweiterten Versionen, was beiden gut, im Fall von „Czechoslovakia“ sogar sehr gut steht. Leider kann dafür die Pressqualität bei den sehr stillen Parts von „Missing Pieces“ nicht wirklich mithalten, während das Artwork auf der Vinyl Version natürlich erst den Raum eingeräumt bekommt, der dieser Art von Gestaltung zusteht.

Tags: , , , ,

ZWEI MEINUNGEN ZUR NEUEN BORIS

Posted in Release on March 22nd, 2011 by N UND D.K.

BORIS

BORIS – NEW ALBUM

- MINUS -

Schlimmer als befürchtet oder einfach nur nicht so, wie gedacht/gewünscht/erhofft? Nach der 7inch Serie hatte es ja bereits genug Stimmen gegeben, die ein endgültiges(?) Abdriften in Richtung poppigen Metal vorhersahen. Dass Boris mit „New Album“ aber so viel weiter in diese Richtung und darüber hinaus; auch ganz ohne Metal gehen würden…Gut, rein optisch, dieses Cover mit seiner Fernost-Fantasy-Wet-Dream-Wata-Inszenierung gäbe da auch Stoff zum nachdenken, geht deutlich über die bisherige Japan-Askese/Klarheit bzw. 70ties Bezugnahme hinaus; eine zusätzliche Warnung, maybe. Zwei weitere Warnungen: Keyboards (by Wata), nicht nur gelistet, sondern exzessiv genutzt und ein Gesang von Takeshi, der so klingt, als ob er seit dem letzten Album genau so exzessiv Gesangsunterricht genommen hätte.

Der japanisch betitelte Opener: 80ties-Pop-Metal mit gitarrengedoppelten Gesangslinien plus Melodiesolo und ebensolchen Breaks… Auf „Hope“, zieht dann Wata mit ebenso improved Vocals nach, plus noch mehr „Uhs“ und „Ahs“; Pop in Reinkultur, Streicher als tragendes Gerüst, Keys und 1000 hintergründige Britzeleien dahinter. „Party Boy“, der Abschluss der A-Seite packt folgerichtig auf die gleiche Stimmung den Techno-Beat. „Black Original“ auf Seite 2 fängt dann auch gleich an wie ein Stück von Lady Gaga (das meine ich ganz ernst) und geht im Grunde auch so weiter, allein der Gesang ist in der Tonlage tiefer (=“Lady“ Takeshi).

Die Depressionen, die dies altgedienten Boris Fans bereiten mag (falls diese dieses „New Album“ nicht ohnehin schon weiter vorn an die Wand geschmissen haben) will „Pardon?“ (=Selbstironie?) möglicherweise lindern helfen; fragil, leise, balladesk plus ein Gitarrensolo im Michio Kurihara Stil, das erste Stück des „New Album“, das halbwegs an das bisherige Konzept anknüpft. „Spoon“; Rhythmik, Harmonien, Gesang in Melodie und Geschlecht: Heavy Shoegazing oder auch: My japanisch Bloody Valentine 2011. Siebter Titel, Elektro pur… der Synth-Rhythmus inspiriert… cooles Stück, ich gebe es zu. „Tu, la la“, setzt wieder auf Shoegazersound, ein Schuss mehr Rock/Metal, bei genauerem Nachdenken: Swervedriver, England, Creation-Label, ist hier die passende Referenz; auch in Bezug auf den Gesang. Eine Referenz, die, mit ein bisschen guten Willen, auch für den Abschluss des „New Album“ gilt: „Looprider“, mit englischem Refrain, übrigens.

Mit „New Album“ haben Boris sich völlig in den freien Flug ohne jede Bodenhaftung begeben: Destination wo auch immer sie wollen…oder einfach: das Boris’sche Adaptieren und Aufsaugen von Musikgeschichte bis ins Extrem getrieben und dann auch noch, bezogen auf den Tonträger, extrem dispers… vielleicht ein Experiment für Boris, es klingt nur nicht so für den/die Hörer(in)…

N

boris

+ PLUS +

Ein Keyboardsound wie eine Alarmsirene, das ist der Einstieg in die neue Boris und nach 45 Sekunden geht es los mit poppigem Rock mit der gewissen Boris-Note: die Sirene also als Warnung? Takeshi setzt mit erstaunlich professionell melodiösem Gesang ein. Wau, das hatte ich nicht erwartet, aber was kann man schon von einem neuen Boris Album schon erwarten. Meistens ist ja bei neuen Boris Alben nie das zu erwarten, was auf dem letzten Album zu hören war.

„Hope“ und „Party Boy“, mit genau so professionellem Popgesang von Gitarristin Wata, treiben den Hörer immer weiter in die Popwelt von Boris. Die Songs sind makellos, was bei anderen Bands eher negativ ausfällt, bei Boris aber irgendwie cool ist. „Black Original“ mit Popbeat, Vocoder und nur so ein bissel Gitarre treibt die neue Richtung dann auf die Spitze. Gewagt.

Die Rocksounds mit schrammeliger Gitarre, fettem Bass und knüppeligen Drums fehlen aber nicht ganz. So versöhnt „Spoon“ ein wenig und „Tu La La“ und „Looprider“ als Albumabschluss sind zwar gitarrenpoppig eingängig aber haben einen unwiderstehlichen Charme, dem man sich nicht widersetzen kann. Das Album endet mit den gleichen Sirenentönen, mit denen es auch angefangen hat. Hat was von “das Borismobil” rast mit Blaulicht durch die Anlage…

„New Album“ ist ein typisches Boris Album, denn es gibt keine typischen Boris Alben. Der Gang in die Popwelt ist den drei Japanern gelungen, weil sie dabei ihr Ding durchgezogen haben und sich nicht wie große Grungeikonen in die Hände von noch größeren Popproduzenten begeben haben um sich ein nichtselbstgeschriebenes Album aufschwatzen zu lassen. Hut ab vor so viel Mut. Natürlich hoffe ich, dass das nur ein Besuch im Popkosmos war und Boris irgendwann wieder ein droneviliges Album aufnehmen werden.

D.K.

„New Album“ ist als Vinyl über Daymare Records und als CD über Tearbridge Records als Japan-Only-Release erschienen. Im April wird das amerikanische Sargent House Label zwei internationale Boris Platten gleichzeitig rausbringen. Auf dem n e u e n „Heavy Rocks“ (gleicher Titel und gleiches Artwork wie 2002, aber komplett neues Album) und „Attention Please“ werden einige der Songs dieses Albums vertreten sein.

Tags: , , , , ,

METAL SWIM

Posted in Release, Sampler on September 26th, 2010 by D.K.

Metal Swim cover

Der amerikanische Erwachsenensender [adult swim], der vor einigen Jahren mit dem unzensierten Übertragen von japanischen Animes begonnen hat und mittlerweile weltweit bekannt ist für Serien wie Robot Chicken, hat seit einigen Tagen ein ganz besonderes Angebot auf seiner Seite. In Zusammenarbeit mit Scion Audio Visual hat der Sender die Musikcompilation “Metal Swim” veröffentlicht. Darauf sind 16 rare oder unveröffentlichte Songs diverser Metalbands vertreten. Ganz besondere Leckerbissen dürften die Hydra Head Records “Vinyl Songs” sein, wie beispielsweise “The Pliable Foe” von Isis und deren Split mit Melvins, oder die 7inch Version von “Inch Above Sand” von Pelican und “Dethroned” von Jesu von der bald erscheinenden Doppel-Vinyl-EP “Heart Ache/Dethroned”.

Ach ja, der Download der Kompilation ist natürlich kostenlos. Yeah, Daumen hoch für die böse Katze.

Tags: , , , , , , , , , , ,