DIE FLAMME VON ERIK K SKODVIN

Posted in Release on June 9th, 2014 by D.K.

Erik K Sodvikn, eine Hälfte von Deaf Center und sonst Solo als Svarte Greiner unterwegs, lässt zum zweiten Mal alle Hüllen fallen und liefert nach “Flare”, dem ersten Album unter seinem echten Namen, jetzt den Nachfolger “Flame”.

Natürlich hat sich wie beim ersten Album das kleine Berliner Label Sonic Pieces dieser Veröffentlichung angenommen und der Musik ein passendes Drumherum verpasst. Kommen wir aber zunächst zum Hörbaren.

“Flame” vereint neun Stücke des Norwegers, die den Musiker von einer neuen Seite zeigen (oder gleich mehreren neuen Seiten). “Shining, Burning” lässt ein Klavier erklingen. Ein Klatsch-Takt kommt aus dem Hintergrund, Gitarrenfeedbacks bauen einen Soundnebel auf, Drumakzente kommen hinzu. So viele Instrumente hat man wohl noch nie gehört bei Herrn Skodvin. Und hat man sich eingegrooved entschwindet der Track auch wieder. “Moving Mistake” klingt nicht nur vom Titel negativ, sondern zieht die Stimmung auch direkt runter, wenn die lauten Drums einem entgegenpumpen und Saiteninstrumente im Hintergrund düstere Flächen aufbereiten. “Reflecting” mit seinem Klavierklimpern und den Streichersounds ist ähnlich düster, aber auch sehr offen zugleich. Bei “Flames” steht die Gitarre im Vordergrund. Ausnahmsweise mal nicht mit Effektgeräten und Werkzeugen bearbeitet. Eine Minute später wabert schon der nächste Track “Red Box Curves” durch die Boxen. Was hier alles wellenartig durch die Boxen gejagt wird ist eigentlich egal, es klingt betörend schön. Ein experimentelles rhythmisches Klangfest. “Corrin Den” wartet mit den Klarinettenklängen von Gareth Davies auf. Field Recordings im Hintergrund, wunderschön verstimmte Gitarrensaiten, bassige Drones, Drums. “Black & Bronze” nimmt sich Zeit und baut Spannung auf, bis nach einer Minute ein Klangteppich aus Klarinette und Drones aufgebaut ist, der von massiven aber minimalistischen Drums geleitet wird. “Cypress Reverb” klingt wie ein Orchester, das nach neuen Grenzen sucht. Der Song verdichtet sich immer weiter, wird lauter, lässt dann wieder los und nach drei Minuten setzt ein seicht hämmernder Percussionsound ein. Monumental. “Drowning, Whistling” schließt das Album mit einem gleitenden Drone ab.

Ein sehr offenes und direktes Album, das nicht nur wegen dem Einsatz verschiedener Instrumente überrascht, sondern auch viele Stile vereint, die man hier nicht erwartet hätte. Das Mastering von Nils Frahm ist hier sehr direkt, so dass man als Hörer mittendrin ist.

“Flame” erscheint auf Sonic Pieces als CD in zwei verschiedenen Versionen und als Doppel Vinyl inklusive dem Erstwerk “Flare”. Die 350 Vinylexemplare sind bereits ausverkauft. Wer ein Exemplar haben möchte, sollte sich also schnell auf die Suche machen und alle bekannten Mailorder und Shops durchsuchen.

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EIN KLANGTRIPTYCHON

Posted in Redaktion on April 27th, 2014 by D.K.

Vor zwei Jahren haben wir euch A-Sun Amissa und Aidan Baker mit Maik Erdas in der Christuskirche Bochum präsentiert. Der Abend hatte einige Überraschungen zu bieten. Neben dem komplett improvisierten Set von Aidan und Maik haben sich zum Abschluss des Abend alle Musiker zusammengetan, um eine gemeinsame Improvisation darzubieten.

Die Aufnahmen dieses Abends sind von Midira Records in Zusammenarbeit mit den Künstlern überarbeitet worden und in einer Serie von drei verschiedenen Releases veröffentlicht worden.

A-Sun Amissa machen den Anfang mit der digitalen EP “Christuskirche Bochum 17.02.12”, die es als kostenlosen Download gibt. Das Set des Trios bestand aus den Tracks ihres Debütalbums und dokumentiert einen der ersten Live-Auftritte der Band. Der erhabene Charakter der langsamen Tracks wird hier durch den Kirchenraumsound weiter untermalt und zeigt wie gut Ambient, Modern Classic und Blues zusammenpassen.

“Cameo” nennt sich das Vermächtnis von Aidan Baker und Maik Erdas. Die Herausforderung, an einem Abend aufeinander zu treffen, einen Soundcheck zu machen und danach eine Stunde gemeinsam mit Gitarre und Drums zu improvisieren, haben die beiden Musiker mit Freude angenommen. “Cameo” ist eine zweiteilige Veröffentlichung. Auf der Vinylversion sind zwei Stücke zu hören, die den Anfang und das Ende des Sets dokumentieren, auf der CD ist das ganze dreigeteilte Liveset zu hören. Der Sound dieses Zusammentreffens wandert zwischen Ambient, Drone, Doom, Kraut- und Spacerock und steigert sich immer weiter zu einer massiven Soundwolke, die auch während des Liveauftrittes die Kirche komplett eingehüllt hat, um dann mit den letzen Drumsounds zu verstummen. “Cameo” ist als LP/CD Set in einer Auflage von 250 Stück erschienen und hier erhältlich.

Digital, Vinyl und CD hatten wir schon, fehlt nur noch ein Tape. Das gibt es von A-Sun Amissa und Aidan Baker. Sie müssen sich sehr wohl gefühlt haben, in der Kirche, auf der Bühne, vor dem Altar, so dass es dazu kam, dass alle Musiker des Abends sich zusammengetan haben, um gemeinsam zu improvisieren. Das Ergebnis ist auf dem selbstbetitelten Tape zu hören. Ein 20minütiges Set, in dem sich minimalistische Streichersounds, Drums und drei Gitarren so grazil vermengen, dass eine ständig anhaltende Spannung entsteht, die dieses Stück ausmacht. Als Bonus gibt es auf der B-Seite ein Set für eine französiche Radioshow von A-Sun Amissa und Aidan Baker. Erschienen in einer Auflage von 99 handnummerierten Tapes in drei verschiedenen Coverfarben.

Ein Klangtriptychon, das sehr zu empfehlen ist.

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WIEDERGEBURTEN

Posted in Release on March 29th, 2014 by D.K.

thisquietarmy war in letzter Zeit sehr fleissig, was das Veröffentlichen und Touren angeht. Eine Nebenerscheinung dieser scheinbaren Überarbeitung ist “Rebirths”, das neue Album des kanadischen Ein-Mann-Drone-Monsters.

rebirths cd

Über die letzten Jahre hat Eric Quach alias thisquietarmy einige Songs geschrieben, die einen sehr starken Wiedererkennungswert haben, Ohrwürmer sozusagen. Das geht nämlich bei experimenteller Musik. Live kommen diese Tracks natürlich auch sehr gut an und wurden daher das ein oder andere Mal gespielt. Resultat ist, dass sich diese Tracks durch das wiederholte Livespiel verändert haben. Anlass genug für Quach, sich ins Heimstudio zu setzen und die Songs in den neuen Versionen nochmal neu einzuspielen.

Aphorismes MMXIV
Ursprünglich auf der Split/Kollaborationsplatte mit Year Of No Light via Consouling Sounds erschienen, nimmt sich thisquietarmy in dieser Version Zeit für das Wesentliche. Auf über 13 Minuten breitet sich eine Dronemelodie aus, die von Drummachine und noisigen Gitarren untermalt wird. Gleichwertig gut, wie das Original. Und überhaupt einer der hervorstechendsten Tracks des Künstlers.

The Pacific Theater MMXIV
Im Original auf “Vessels” via Aurora Borealis erschienen. In der neuen Version noisiger mit großem Fokus auf die Wirkung der wuchtigen Drumsounds. Noisig und rockig zugleich. Hier mag man sich nicht entscheiden, welche Version besser gefallen möchte.

Revival MMXIV
Auf “Resurgence” via Denovali Records schon eine Besonderheit, weil hier ein Basslauf samt fetzigen Drums den Song in eine Art New-Wave-Drone verwandelt. Auch in der neuen Version darf dieses markante Merkmal nicht fehlen. Der Song fällt einfach generell aus dem Rahmen, so auch hier.

The Black Sea MMXIV
Ebenfalls aus dem Vessels Repertoire und ähnlich hervorstechend wie der Opener dieses Albums, zelebriert thisquietarmy auf “The Black Sea” seine Noise-Drone-Landschaften auf über 13 Minuten und unterstreicht, dass er zu den wichtigsten Künstlern dieses Genres gehört. Die neue Version ist eindeutig rauher und ungehaltener. Ein Fest.

Stealth Drone I (Bonus Track)
Auf der japanischen CD Version des Albums via Tokyo Jupiter Records gibt es noch den obligatorischen Bonustrack. Keine Neuaufnahme,  dafür aber sehr passend als Abschluss des Albums, denn hier hat der Hörer Zeit wieder runterzukommen. Es brummt, vibriert, gleitet in den Ohren, einfach nur schön dronig.

“Rebirths” gibt es auf CD via Tokyo Jupiter Records und auf LP via thisquietarmy Records.

Natürlich ist thisquietarmy wieder auf Tour und hat die LP dabei. Hier findet ihr alle Informationen…

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OIKOS

Posted in Release, Tapes on May 26th, 2013 by D.K.

Oikos ist ein spanisches Duo bestehend aus David San Martín und Rafael Femiano, das sich auf experimentelle Synthie- und Dronesounds konzentriert. Wobei das Festlegen auf eine bestimmte Stilrichtung hier fehl am Platz ist.

oikos

“Ecotono” nennt sich das Debüt von Oikos, das 2011 über Utech Records erschienen und mittlerweile nur noch als Download erhältlich ist. Darauf präsentieren sich die beiden Musiker zunächst laut und dronig und zelebrieren mit unterschwelligen Delayrhythmen den Sound, der dieses Duo ausmacht. Die Besonderheit von Oikos ist der Effektreichtum trotz minimalen Effekteinsatzes. Langsam schleichen sich die Drones aus dem Sound von “Ecotono” und die zweite Hälfte des Albums wird zunehmend synthielastiger. Eine Soundreise mit viel Charakter und Liebe zum Handwerk. Den letzten Schliff hat das Album noch durch die saubere und direkte Art des Masterings von James Plotkin erhalten. Wer das Album nicht nur digital genießen möchte, sollte sich mal bei Merzbild informieren, ob noch die Tape Version erhältlich ist.

oikos tape

Mit “Solve Et Coagvla” ist nun der Nachfolger erschienen. Diesmal über Land Of Decay, dem Label der beiden Locrian Gründungsmitglieder Terence Hannum und André Foisy. Das auf limitierte Tapes spezialisierte Label hat dieses Album auf einem C60 Tape verewigt und bietet der Musik den passenden Tonträger. Denn der Nachfolger von “Ecotono” ist viel direkter und rauher im Sound, was auf Kassette besonders gut rüber kommt. Seite A ist mit drei Tracks bestückt, die stilistisch der ersten Hälfte von “Ecotono” ähneln und vor allem durch Drones und gigantische Gitarrenparts überzeugen. Auf “Omniscience” lässt es sich sogar Foisy selbst nicht nehmen, die Gitarrenparts beizusteuern.

Auf Seite B widmen sich Oikos auf den beiden Tracks “Altered” und “Vimana” den eher ausufernden Soundideen und lassen sich Zeit, um eine bedrohliche Klanglandschaft aus Gitarren und Effekten gedeihen zu lassen. Massiv schön.

Ein Album, das sich ins Gedächtnis einbrennt.

Bestellen könnt ihr das Tape direkt über den Land Of Decay Shop.

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