N (22) – GOOR

Posted in Release on February 16th, 2014 by D.K.

N, Idee Nummer 22, Titel Goor, vier Tracks auf jeweils einer Seite einer 12inch Vinyl, für 100 Musikliebhaber, Drones für die Ewigkeit. So ungefähr lässt sich das neue N Album kurz umschreiben. Aber dabei wollen wir es natürlich nicht belassen. N (22) – “Goor” ist, nach einer langen Durststrecke, das erste Soloalbum des Dronemusikers seit “Gager” und eine Art Dokumentation einer musikalischen Weiterentwicklung.

Goor

Das aus vier Songs bestehende Album tritt das Erbe des N Klassikers “Prora” an und beschäftigt sich mit den N Stücken, die die Grenzen von Noise, Ambient und Drone aufbrechen und alles miteinander vermengen und zu etwas umformen, was sonst niemand so hinbekommt.

Goor
Der Titeltrack, benannt nach einem Ort in den Niederlanden, der für N und manch einen Anderen für Freundschaft steht, beginnt mit nichts geringerem als einem massiven Drone. Keine Einführung, kein Herantasten. Stellt euch vor, ihr wollt in eine Kirche eintreten und macht das Tor auf, während in der Kirche zehn Orgeln den selben Ton spielen. So in etwa fühlt es sich an, wenn die Nadel Seite A ertönen lässt. 23 Minuten Gedröhne, fast, denn nach einer Viertelstunde überrascht N mit etwas sehr Seltenem. Hörbar angespielte Saiten.

Wehle
Der zweieiige Zwillingsbruder von Goor hält sich ebenfalls nicht zurück, was die Klanglandschaft angeht. Im Hintergrund baut sich hier überraschenderweise eine Art Black-Metal-Gitarrensoundflechte auf, die in Verbindung mit dem Hauptgedröhne des Tracks eine Leichtigkeit einbringt, die den Song schweben lässt.

Blauort
Blauort gibt dem Hörer die Möglichkeit, die Ohren vom vorherigen Rauschen zu entspannen. 10 Minuten glasklare Drones. Entspannen und von den Sounds treiben lassen.

Suedfall
Suedfall ist als Abschluss des Albums perfekt platziert. Denn hier arbeitet N mit melodischen Drones und vibrierenden Sounds, die von tiefem Gedröhne in ein lautes verzerrtes Getose münden, um dann zum Schluss seicht auszuklingen. Da wo N sonst an Wiedererkennungsmelodien spart, ist hier ein Sound zu hören, der nicht nur unter die Haut geht, in die Seele, sondern auch potentiellen Ohrwurmcharakter hat. Natürlich nicht im Sinne eines Popsongs. Einer der besten Tracks als Abschluss des vielleicht besten N Albums seit “Prora”.

Die Tracks sind allesamt aus dem bisherigen Liverepertoire von N und wurden am Stück ohne weitere Bearbeitung (außer dem Mastering von Fear Falls Burning) im Studio neu aufgenommen. “Goor” ist auf Doppelvinyl und digital via Denovali Records erhältlich. Wer vor dem Preis der Platte zurückschreckt, sollte bedenken, dass es sich hierbei um eine limitierte Auflage von 100 Stück handelt. Das Artwork ist wie bei allen anderen N Releases auf hochwertiger, dicker rauher Pappe gedruckt.

N ist übrigens im März zusammen mit [ B O L T ] auf Tour, um u.a. die gemeinsamen Tracks des Kollaborationsalbums live zu präsentieren, das im November auf Midira Records in einer 100er Auflage erschienen und fast ausverkauft ist.

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LIVEBERICHT: DENOVALI LABEL EVENING III

Posted in ontheroad on May 6th, 2012 by D.K.

Teil III der Denovali Label Evening Reihe in der Christuskirche Bochum hat sich diesmal mit den Nordlichtern des europäischen und nordamerikanischen Kontinents beschäftigt und so trafen die Kanadier von Thisquietarmy und Aun auf die Norweger von The Samuel Jackson Five.

thisquietarmy @ denovali label evening 3

THISQUIETARMY
Eric Quach alias Thisquietarmy eröffnet den Abend mit einer geballten Ladung Dronesounds. Fast schon verloren sieht er aus, vor seinem Meer an Effektgeräten, die er um sich aufgebaut hat. Doch das, was er aus seiner Gitarre zaubert, klingt alles andere als verloren. Die Drones sind genauso brachial dronig wie melodiös und nehmen die Zuhörer schnell ein, die begleitenden elektronischen Drums drücken einen in die Kirchenbank. Dann nach fast einer halben Stunde eine Verschnauffphase, in der Quach die Effekte und Verzerrung zurückfährt um eine Ambientfläche aufzubauen, aus der er mit einem seiner griffigeren postrockigen Songs ausbricht und die Zuschauer nochmals davon überzeugt, dass er zur Topliga der kanadischen Experimental-Rocker gehört. Im Gespräch nach dem Konzert beschreibt Eric Quach, dass ihm bewusst ist, dass sich ruhigere Töne besser entfalten würden in der Kirche, er aber nach der langen Anreise so erschöpft war, dass er sich inmitten der lauteren noisigen Dronesounds wohler gefühlt habe.

aun @ denovali label evening 3

AUN
Das Dreigespann um Martin Dumais hat seinen eigenen Altar mit Rechnern und Effekten vor dem Kirchenaltar aufgebaut und präsentiert sich elektronisch ambientlastig. Aun mischen Vocals, Saiteninstrumente und Sounds aus der Konserve miteinander und erzeugen eine kaum greifbare Klanglandschaft. Die Songs verschmelzen ineinander und verwandeln sich live in fast schon andere Tracks, die mit improvisierten Einschüben ein großes Klanggebilde ergeben. Der Kirchenraum bietet sich hier als idealer Klangträger an und so gleiten die Aun-Sounds 45 Minuten lang durch die Christuskirche.

samuel jackson 5 @ denovali label evening 3

THE SAMUEL JACKSON FIVE
Die fünf Norweger von The Samuel Jackson Five haben soundtechnisch so rein gar nichts mit Drone und Ambient am Hut, sondern sind mehr im instrumentalen Rock mit Hang zum Post-Rock unterwegs und so holen sie schon im ersten Song die Zuhörer aus den sphärischen Gefilden ab und nehmen sie mit auf eine treibende Rock-Reise. Zum Glück konzentrieren sich The Samuel Jackson Five nicht rein auf Post-Rock-Rezepte, sondern fügen ihrem Sound verschieden Akzente ein. So heult das Theremin zwischendurch auf oder die Gitarren werden folkig gespielt oder Elektronik wird eingestreut. Die Band hat Spaß am Spielen und ist ständig in Bewegung. Der Drummer nimmt seine Drums auseinander und schmeißt Percussioninstrumente den Altarsockel runter, um damit Sounds zu erzeugen. Und gesungen wird auch noch zwischendurch. Und obwohl die Band nicht so laut spielt, wie sie eigentlich wollte, kommt der vollgepackte Sound der Norweger gut rüber, bei Band und Zuschauer. Eine Zugabe, zwei Zugaben, drei Zugaben…

Alle drei Bands haben derzeit aktuelle Platten auf Denovali Records veröffentlicht und zeigen mal wieder die große Bandbreite des Labels.

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INTERVIEW: BERSARIN QUARTETT

Posted in INTERVIEWS, Release on April 23rd, 2012 by D.K.

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Das Bersarin Quartett ist zurück mit seinem zweiten Album, das einfach nur auf “II” hört. Genau da, wo das erste Album aufgehört hat, macht auch das neue weiter und entführt den Hörer in die melancholische Elektro-Ambient-Welt von Thomas Bücker, der uns für ein kleines Interview passend zur Veröffentlichung ein paar Fragen beantwortet hat.

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Hallo Thomas, nun ist es endlich soweit. Nachdem du deine Fans ein paar Jahre hast warten lassen, steht nun „II“ kurz vor der Veröffentlichung. Was ist seit dem ersten Album passiert?

Eigentlich nicht so viel. Man bastelt weiter vor sich hin … und nach ein paar Jahren ist wieder ein neues Album fertig. Das klingt recht trivial — aber so ist es nun mal … !

Zwischen dem ersten und dem zweiten Album hatte ich das Glück zwei tolle Musiker gefunden zu haben mit denen sich das Bersarin-Quartett-Projekt sehr gut für Live-Konzerte umsetzen lässt — das ist wohl die größte Veränderung. (oder Ergänzung): “Bersarin Quartett — jetzt auch live!”

Konstant geblieben ist allerdings, dass ich weiterhin die Musik alleine produziere. Ich könnte mir den Kompositionsprozess auch nur schwer anders vorstellen.

Kannst du uns was zu der Herangehensweise erzählen, wie deine Songs entstehen? Sammelst du Ideen, improvisierst du, wie genau sieht das Songwriting aus?

Der Arbeitsprozess zu einem fertigen finalen Track kann ganz unterschiedlich ablaufen.

Es kann mit einem Loop beginnen, den ich viele Stunden höre und den Rest drum-rum-bastel. Oder mit einer konkreten Melodie auf dem Keyboard — oder mit Field-Recordings, Film-Atmos … einem Akkord; einer Sampling-Session am Flügel der Stadtbibliothek … oder aufgenommene Sounds im Proberaum – alles an Klängen sammeln und hoffen, dass man es für den richtigen Moment wiederfindet. Ein „Schema F“ gibt es hier eigentlich nicht.

Was für Instrumente hast du auf „II“ genau benutzt?

Im Großen und Ganzen: Meinen Computer und einen Haufen Plug-Ins. (das ist ganz schön traurig entmystifizierend, nicht wahr? — entschuldige bitte!)

Wie würdest du „II“ beschreiben, wenn du Werbung machen solltest für das Album?

»”II” — der Soundtrack, der keinen Film braucht.« — habe ich in einem Review gelesen. Das gefiel mir eigentlich ganz gut!

bersarin quartett live

Du hast ja im letzten Jahr, wie bereits angesprochen, erstmalig auf dem Denovali Label Evening als Band gespielt, als zwei Jungs von den Racquets dich am Bass und an den Drums unterstützt haben. Inwieweit hat das deine Arbeit am neuen Album beeinflusst?

Ich muss gestehen, dass ich beim Album-Produzieren nicht in erster Linie an die Live-Umsetzung denke.

Jetzt wo das “II”-Album fertig ist, versuchen wir drei nun uns gemeinsam an der Live-Umsetzung … — und es ist durchaus Absicht, dass Bersarin Quartett-Konzerte anders rüberkommen als auf dem Album. Meiner Meinung nach ist diese Herangehensweise weitaus spannender als das Album 1:1 für ein Live-Konzert umsetzen zu wollen.

Generell wegen der Beeinflussung: Alle drei machen noch ganz andere Musik in anderen Projekten. Patrick Brakowsky (Gitarre und Bass beim Bersarin Quartett) hat sein eigenes Elektronika-Projekt “Patkow”. Benjamin Kövener (Drummer) hat seine Spielwiese als “Ex-Champion” … und gemeinsam spielen beide noch in ihrer 4-köpfigen “Racquets”-Band, während ich mich weiterhin bei meinem “Jean-Michel”-Projekt mit zeitgenössischer Clubmusik austobe… — dass man sich da untereinander und gegenseitig musikalisch inspiriert und beeinflusst … das passiert sicherlich ganz automatisch, wenn auch unbewusst.

Wie seid ihr drei Musiker eigentlich zusammengekommen?

Das ist wohl das tolle einer etwas kleineren Stadt wie Münster … man läuft sich einfach über den Weg. Auf Parties, im Club… im Rewe. — und auf einmal steht man in einem Proberaum und versucht einfach mal ein paar Sachen …

Lass uns mal über die Songtitel sprechen. Im Gegensatz zu deinen Albumtiteln erzählen die Songtitel immer eine kleine Geschichte. Wie kommst du auf die Titel? Was ist zuerst da, Titel oder Lied?

… das ist unterschiedlich. mal ist die Musik eher da.
… mal bin ich tatsächlich inspiriert von einer Textzeile oder einem Wort…

Vor einiger Zeit habe ich auf einem Last.fm-Profil von einer lieben Person (die sehr viel Bersarin Quartett-Musik hört!) ein Gedicht von Georg Trakl gelesen. Daraufhin habe ich mich
mehr mit seinen Gedichten beschäftigt. Trakls Gedichte strotzen nur so vor bildgewaltiger, klangmalerischer Melancholie. Das gefällt mir sehr. Viele seiner Textzeilen sind Inspirationsquelle für meine „Bersarin Quartett“-Tracks.

„Einsame wandeln still im Sternensaal“ – vor allem diese Textzeile hat für mich eine gewisse zeitlose, lautmalerische Sprengkraft. Dieser Text war zum Beispiel schon eher da als die fertige Musik …

Bei “Alles ist ein Wunder” – als Gegenbeispiel – gab es zuerst die Musik und ich bin auf diese Textzeile des Kybernetikers Heinz v. Förster zufällig beim Hören gestoßen. Das passte meiner Meinung nach perfekt zueinander, da dieser Track in sich viele Makro- und Mikrosounds beinhaltet.

Was für Musik hörst du zurzeit? Hast du einen Tipp für unsere Leser?

Zurzeit: Andy Stott, Demdike Stare… unheimlich düstere, fett, überkomprimiert-dunkle, technoide Soundwände — eigentlich gibt es dafür noch gar keine passende Genrebezeichnung. Das fasziniert mich.

Desweiteren die akutellen Alben von Jacaszek und Pjusk – sehr atmosphärisch-dynamischer Ambient. Tolle Sound-Ästetik.

Steht eine neue Tour an?

Nein. dieses Jahr wohl nicht mehr, aber bestimmt vereinzelte Shows.

Am 31.05. zum Beispiel möchten wir gerne einmal wieder in Münster spielen — es wird in der Blackbox (im Cubanova) stattfinden.

Wohlmöglich spielen wir auch auf dem “Denovali Swingfest” (Essen) im Oktober oder das Krake-Festival (Berlin) im August … (ist aber noch “to be confirmed”, wie es so schön im Show-Business heißt … )

Vielen Dank für den kleinen Einblick in den Bersarin Quartett Kosmos.

“II” ist auf Vinyl, CD und als Download über Denovali Records erhältlich. Der MP3 Shop von Denovali hat übrigens noch eine kleine Bersarin Quartett Überraschung zu bieten.

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PAN & ME

Posted in Release on April 7th, 2012 by D.K.

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Christophe Mevel aus Brest liebt Musik, deswegen ist er nicht nur der Mann hinter dem französischen Label Diesel Combustile, sondern auch Musiker in Bands wie Dale Cooper Quartet und Tank, über die wir bereits berichtet haben. Sein persönlichstes Musikprojekt dürfte aber Pan & Me sein, wo er sich fast im Alleingang verwirklicht und seine Liebe für experimentelle Sounds auslebt.

2011 ist das Debüt “Paal – The Original Motion Picture Soundtrack From The Film” als limitierte CD-R über Diesel Combustile erschienen. Dank der Aufmerksamkeit der beiden Jungs von Denovali Records, was das Wiederveröffentlichen guter Alben angeht,  steht jetzt “Paal” (ohne den Soundtrackbeisatz… ) als hochwertiges Vinyl im Plattenladen.

Wie kann man den Sound von Pan & Me am besten beschreiben? Das frag ich mich schon die ganze Zeit. Mevel vermischt Elektrosounds mit klassischen Instrumenten wie Viola oder Klavier und mischt dem ganzen noch Field Recordings, Gitarren und Saxophon unter. Den Anfang macht “The Lighthouse At Two Lights”, das zunächst mit Streichersounds startet, sich dann aber in ein fast unaufhaltsames Elektronikstück entwickelt. Das kurze “Unalaska” mit Klaviersounds, die sowohl clean als auch schräg klingen. “The Everlasting Fog” mit Saxsamples und coolem Beat, erinnert stark an Mevels Band mit dem Agentennamen aus Twin Peaks. “Bush Leaf Dreaming” ist wunderschön experimentell. Irgendwas wird mit einem Cellobogen bespielt und quietscht vor sich hin, Saiten erklingen und verschwinden wieder, Tastentöne erklingen und verschwinden. Der Song könnte als Horror-Folk durchgehen. Gelungen. “53° 18′ N 167°52′ W” holt den Hörer wieder aus den Tiefen und Abgründen, der zuvor gehörten Sounds und pulsiert mit einem Beat, in dem Streichersamples eine Melodie aufbauen und Instrumenten- und Meeresrauschen eine Soundlandschaft bilden. “The Clearing” wird dominiert von orchestralen Samples und sphärischen Gitarren und schließt das knapp 36minütige Album ab.

Wer auf Dark Jazz, Trip Hop, Drone und Ambient steht, wird hier sicherlich ganz viel Spaß beim Hören haben. “Paal” von Pan & Me ist über Denovali auf Vinyl und CD und auch als Download erhältlich.

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THE EYE OF TIME – IN TON UND BILD

Posted in Release on March 4th, 2012 by D.K.

the eye of time

Vor weit über einem Jahr haben wir euch zum ersten Mal von diesem Mammutwerk berichtet als es hieß, dass das gesamte Ouvre (sowohl bisher selbst- als auch unveröffentlichtes Material) von The Eye Of Time als Boxset über Denovali Records herausgebracht wird. Der Grundgedanke hinter dieser Veröffentlichung war, jedem instrumentalen Elektro-Noise-Industrial-Track von Mark Euvrie alias The Eye Of Time ein eigenes Bild zu widmen, welches das widergibt, was Euvrie beim Schreiben der Songs im Sinn hatte. Dafür musste Euvrie sich mit Thomas von Denovali zusammensetzen und ihm genauestens erklären, was die Songs für ihn bedeuten, also im wahrsten Sinne des Wortes sein Inneres nach außen kehren. Daraufhin hat Thomas für jeden der 20 Tracks eine eigene Grafik erstellt. Das brauchte natürlich seine Zeit. In der Zwischenzeit ist Euvrie auf dem Denovali Swingfest 2010 aufgetreten und hat die Erwartungshaltung auf das Dreifachalbum nochmals gesteigert. Seit Ende Februar ist das selbstbetitelte Werk nun endlich erhältlich.

Um euch ein Bild von der gegenseitigen Wirkung von Bild und Ton zu machen, hier drei Beispiele…

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AfterUs_10_AwayAndLostICryTheError.jpg

Jail_02_TimeHasCome.jpg

Wer die restlichen Motive samt passendem Song sehen und hören möchte, sollte sich zur Denovali Mailorder begeben. The Eye Of Time “Self Titled” ist als 2xCD oder 3xLP samt 30seitigem Booklet erhältlich.

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PETRELS

Posted in Release on January 28th, 2012 by N UND D.K.

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Der Brite Oliver Barrett alias Petrels baut aus einer Unmenge von instrumentalen Schichten, nein, keine eigentlichen Drones, sondern eine Art wortloser Songs ohne Rhythmus. Wo andere durch Schichtung undurchdringliche Monolithen stapeln, die geradezu bedrohlich vor dem Hörer aufragen und tiefe Schatten werfen, sind die Schichten von „Haeligewielle“ eher fein gewebt; mit Luft zum Atmen dazwischen und Ausblick ins Dahinter. Und dem Wissen um Dynamik; wenn beispielsweise in „Canute“, eine gleissende Spitze erreicht wird. Und dem Wissen um überraschende Instrumentierung, wenn in „Concrete“, die ansonsten allgegenwärtigen Gewebe akustischer (oft auch Streicher) und elektrischer Instrumente durch einen Chor abgelöst werden, der dem Stück einen noch menschlicheren Charakter verleiht, noch wärmer und runder, noch organischer als bei den anderen sechs Songs. Wobei es nicht wundern würde, wenn sich herausstellen sollte, dass dieser Chor Oliver Barrett allein ist; ein gewisses (und gesundes) Maß an Versponnenheit schimmert immer wieder zwischen den Zeilen hindurch und lässt „Haeligewielle“ trotz aller Klangereignisse stellenweise auch ganz leicht wirken, jenseits von Soloautismus oder dem Eingepferchtsein in sein eigenes Konzeptkämmerlein…

petrels

Insofern ist „Haeligewielle“ einfach nur ein perfektes Beispiel, was immer wieder aufs neue möglich ist, wenn sich Leute von Vorgaben und Vorbildern lösen und ihr ganz eigenes Ding entwickeln; hier im Fall von Drone / Experiment / Ambient. Völlig klischee- und dabei alles andere als harmlos; Wolf im Schafspelz. Perfekt. (N)

Auf CD und Vinyl über Denovali Records erhältlich.

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Mit der neuen 2-Track EP „All Things In Common“ führt Petrels seinen Soundkosmos fort und setzt genau da an, wo er mit „Haeligewielle“ aufgehört hat. Ein noisiger Beat, Elektrogeflirre in „Thomas Muntzer“, alles verschmilzt allmählich, dann eine Noisewand, die ständig in den Song hereinbricht um sofort wieder zu entschwinden. Die Auflösung des Noiseknotens durch eine Art Mellotron-Cello-Klangfläche. Was Petrels hier wirklich als Instrumentierung vewendet hat, ist nicht wirklich klar. Klar ist, dass der Song unter die Haut geht… besser… fliesst. Die 10 Minuten Laufzeit kommen einem so kurz vor.
Die B Seite „Leonora Christine“ mit orchestralem Anfang, verloren im Hall, schwebend, nicht greifbar und deswegen so unheimlich schön. Dann überraschend der Bruch mit einem Elektroglockenspielbeat und einer filigranen Synthiemelodie. Cooler Beat oder besser gesagt Rhythmus mit Kopfnicktendenzen. Die Streichersounds vom Anfang kommen wieder… Großes Ohrenkino. (D.K.)

„All Things In Common“ gibt es als 10inch Vinyl und als kostenlosen Download. Natürlich auch über Denovali Records.

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THISQUIETARMY

Posted in Release on January 27th, 2012 by N

Thisquietarmy aka Eric Quach aus Kanada. Ein Mann und seine Gitarre (hauptsächlich; + Synth, + Drummachine). Wer thisquietarmy nur von Kollaborationen kennt, zum Beispiel der „Death Valley“ mit Yellow6, der „Meridians“ mit Scott Cortez oder der vor nicht so langer Zeit wiederveröffentlichten „Orange“ mit Aidan Baker, hat die eine Seite von thisquietarmy kennengelernt: die, die Atmosphäre und freies Fließen in den Vordergrund stellt. Stücke entwickelt, die gerade über die lange Laufzeit ihre hypnotische Wirkung aufbauen können. Auf seinen Soloalben dagegen bevorzugt Eric Quach jedoch überraschenderweise oft ein kürzeres, fokussierteres Format; Atmosphäre galore auch hier natürlich, aber gleichzeitig im Arrangement und Aufbau fast so etwas wie Songs, nur das diese meistens ohne Worte, ohne Gesang bleiben.

thisquietarmy_by_Sandrine_Castellan

So auch auf dem „Resurgence“ Album, das als opulentes 6-Panel Digipack mit Bonus-CD und Doppel-LP + 7inch erschienen ist (wobei letztere Version leider das Allem oben gesagten wie zum trotz 19.22 Minuten lange „The Cold Vacancy“ fehlt) und das schon gleich mit dem zweiten Stück, „Revival“, diese spezielle Art des Thisquietarmy „Songs“ par-excellence vorführt: Über treibendem Drum-Programming ein verhaltener wie undurchdringlicher Noise-Teppich, eng gewirkt und darüber wiederkehrende Gitarrenmotive im Wechsel mit Synththemen. Durchaus mit Pop-Appeal (definitiv nicht negativ gemeint, sondern im Sinne von: schöne Melodie, die man auch nachpfeifen könnte). Mich erinnert die Atmosphäre, die diese Art von Komposition bzw. Sound ausstrahlt fast eher an einige französische Vertreter aus dem Wave-Bereich Anfang der 90er wie Mary Goes Round oder Little Nemo.Und, einmal auf dieser Fährte, scheinen(?) auch die freieren, perkussionslosen Stücke diesen Geist zu atmen. Aber bitte nicht falsch verstehen: das sind Assoziationen, hervorgerufen durch Details in Gestus und Sound, kein Revivalvorwurf (obwohl interessanterweise das genau so benannte Stück mit seinem zusätzlich hämmernden Bass ganz besonders in diese Richtung zu zielen scheint).

thisquietarmy resurgence

Auch auffallend: ein paar Motive und Sounds kehren im Laufe von „Resurgence“ immer mal wieder, sorgen für eine Klammer, fassen zusammen und lassen das ganze sehr homogen wirken… und das, ohne das es irgendwann langweilig würde; Hut ab. Das Mixing, die Tatsache, dass auch (Analog-) Synths bisweilen die Regie gegenüber der allmächtigen Gitarre übernehmen und die punktuelle Integration von (Frauen) Vocals tun dazu ihr Übriges…

…und noch etwas zu dem Stück, dass es trotz aller Formaterweiterungen nur auf die Doppel-CD geschafft hat: die gut 19 Minuten von „The Cold Vacancy“ sind so etwas wie eine perfekte Coda: fast 12 Minuten des extrem ruhigen Aufbaus und dann „erst“ die Verdichtung. Und zwar ohne damit (an dieser Stelle: unnötig) die Stimmung des Stücks zu kippen oder kippen zu wollen.
Schlicht ein perfektes Album.

Auf Denovali Records erschienen.

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AUN – PHANTOM GHOST

Posted in Release on December 17th, 2011 by N

Aun, das kanadische Duo um Martin Dumais und Julie Leblanc, im Auftrag der Soundforschung. Schwerpunkt diesmal: Ambient-Shoegaze. Mit hundertfach verschachtelten Gitarren, mit Einsprengseln von fragmentiertem Gesang. Der zwar nicht (um einen denkbaren verwandtschaftlichen Bezug zu nennen) wie bei Elisabeth Frazer von den Cocteau Twins eine Fantasiesprache entwickelt und sich so der Greifbarkeit entzieht, der aber, eben durch die Art seines pointierten Einsatzes und der gleichzeitigen Fokussierung auf einzelne Textmotive in vergleichbarer Weise Instrument wird.

AUN_Phantom Ghost

Schon im Sinne der unmöglich/unwirklichen Greifbarkeit ist „Phantom Ghost“ damit der passende Titel. Und gewinnt im Laufe der Platte in diesem Sinne sogar noch auf einer weiteren Ebene an Bedeutung: Stücke wie „Out Of Mind“ nutzen songähnliche Strukturen und erweitern so ihre Zugänglichkeit (auf einer ihrer Ebenen) für viele; die darauf möglicherweise aufbauende Erwartung, ein Album lang Shoegaze-Pop-Ätherik zu erhalten, wird jedoch (wie ich finde zum Glück) durch die im Laufe der Platte immer unwirklicher erscheinenden Stücke durchkreuzt; dass ein Stück wie (das auch noch ungelistete!) Achte erst in seinen letzten Sekunden einen packenden und wieder einmal die Konsumierbarkeit erleichternden Rhythmus entwickelt, nur um ihn quasi sofort wieder auszublenden, passt unter der Headline des Titels damit wie perfekt.

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Ein Album, das scheinbar immer einen Schritt vor den Hörern ist. Der Versuch es einzuholen, ist mehr als lohnenswert…

Als CD und hochwertiges Vinyl bei Denovali Records erschienen.

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HEIRS AUF DER JAGD

Posted in Release on December 4th, 2011 by D.K.

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Nachdem die Heirs im letzten Jahr mit ihrem Zweitwerk “Fowl” auf Platte und live überzeugen konnten, folgt nun mit “Hunter” der Vorbote für das nächste Album.

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Es hat sich einiges getan bei den Heirs. Zum einen ist Studiomusiker und The Night Terrors Mitglied Miles Brown jetzt auch festes Mitglied in der Grundbesetzung der Heirs und setzt mit seinen Theremine Sounds unverkennbare Akzente in die Klangwelt der restlichen vier Australier. Desweiteren gehen Heirs einen Schritt weiter in ihrem Klangkosmos, der irgendwo zwischen Doom, Dark Wave und alternativem experimentellen Rock ist, und bringen die Leichtigkeit in ihre Schwerfälligkeit. Denn so genial schwerfällig “Hunter”, der Song zur gleichnamigen EP ist, so genial leichtfüssig entwickelt sich der Sound mit den eben angesprochenen Thereminesounds, die zwischendurch wie ein Frauen-Opern-Chor klingen, oder mit Elektronikeinschüben und treibenden Percussions. Der Rest ist das, was Heirs ausmacht: langsam rollender Bass, knüppelharte langsame Drums und noisige Gitarren. “Symptom” beginnt und man könnte denken, man höre grad Neurosis, denn so trocken brechen eigentlich nur Kelly und Von Till in die Hütte ein… nicht mehr, die Heirs können das auch. Natürlich bleibt der Song nicht so, sondern entwickelt sich zu einem unzähmbar rockenden Track, der zum Ende hin eher an Cave In erinnert, um hier nur mal zwei Größen der Szene zu nennen… Apropos Größen, “Never Land” ist der 13minütige Abschluss der EP und im Original von The Sisters Of Mercy. Wer das Original kennt, weiß, dass in der Instrumentierung nicht viel Variation steckt, was die Heirs als Grundlage nehmen um aus dem Song einen instrumentalen Monolithen zu kreieren, der im Bass- und Drumslauf statisch bleibt und sich nah am Original orientiert, während im Hintergrund die Gitarren und die Elektronik einen Noiseteppich ausbreiten. Berauschend.

“Hunter” ist als 10inch und CD auf Denovali Records erschienen und auch als MP3 Download erhältlich.

Unser letztjähriges Interview mit Heirs Gitarren- und Artworkmann Brent Stegemann könnt ihr hier finden…

 

 

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SEPTEMBER IM DEZEMBER

Posted in Release on December 2nd, 2011 by N

“Our Withers Unwrung” von September Malevolence: Völlig unabhängig von der Musik als Komposition: Der Gitarren-Bass-Schlagzeugsound ist so sehr so wie es bei einer solchen Band sein sollte, dass eine Steigerung kaum möglich scheint…

september_malevolence

Wer immer September Malevolence beim 2011er Denovali Swingfest erleben konnte und die melancholisch traurigen Stücke mit ihrem gleichzeitig kraftvollen und spröden Sound genossen hat; hier ist das Album dazu. Post-Rock ohne Langeweile und Vorhersehbarkeit; stattdessen mit Kraft und Melancholie und, ich muss mich wiederholen, einem wirklich perfekten Instrumentalklang. Das September Malevolence dabei nicht “nur” instrumental arbeiten (bereits seit ihrem zweiten Album nicht mehr), macht “Our Withers Unwrung” noch besser; dass sie sich dabei trotzdem lange Instrumentalpassagen erlauben, lässt ein Album entstehen, das eine lebendige Frische ausstrahlt, die Bands dieses Genre nur (noch?) selten zu schaffen in der Lage scheinen… Gut, sicherlich regiert auch bei September Malevolence das Apreggio, aber sie finden neue Wendungen und Architekturen, um daraus ihre Songs zu weben; neue Breaks und (besonders auch im entscheidenden “erst auf den zweiten Blick auffällige”) rhythmische Variationen. Und schaffen es auch noch, dabei wie aus einem Guss zu klingen… Schwer empfohlen, auch für die mit Rock ohne Post, nur mit Lust auf einen Sound, der Knochigkeit und Fleisch zusammenbringt; so wie es sein soll, also.

september_malevolence artwork

Das Album ist in der CD-Version auf A Tendervision Recording erschienen und wird demnächst von Denovali Records auf Vinyl gepresst.

PS: nach so viel Lob auf den Instrumentalklang; hier auch noch Lob für den (Chor) Gesang: hervorragend!

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DIE WEISSE DUNKELHEIT

Posted in Release on November 6th, 2011 by N

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Jason Köhnen ist Teil vom The Killimanjaro Darkjazz Ensemble und The Mount Fuji Doomjazz Corporation und er ist Bong-Ra. Und auch White Darkness.

White Darkness, wie immer man sich diese visuell vorstellen könnte, ist musikalisch die düsterst denkbare Dunkelheit auf einem der düstersten Alben 2011. Fast allein mit dem Schlagzeug als Lead-Instrument (mit einem echten Killer-Ridebecken) und ein paar wenigen Zutaten elektronischer Art plus Piano schleppt sich das Album durch sechs Stücke mit Namen, die genauso unzugänglich klingen wie „toKAGE“ als Musik für den ungeübten Hörer sein muss. Und auch mit den einzelnen Beiträgen von Gastsängerin Rachael Kozak verliert „toKAGE“ nichts von seiner abgrundtief nihilistischen Stimmung; ganz im Gegenteil, die (vermeintliche) Verstärkung der Zugänglichkeit durch diese Art menschliches Element verstärkt nur die musikalische Umsetzung des Grauens, das hier in Tönen abgebildet wird. Nicht mehr nur als in dem stockdunklen Gewölbe um dich herum passierende Musik, sondern als der Teufel direkt an deinem Ohr. Und der Angst, er/sie könnte dich berühren…

Sich so tief auf diese Stimmung einzulassen, dabei so fokussiert vorzugehen, so wenige Mittel einzusetzen und diese nur nuancenhaft zu variieren und daraus ein Album entstehen zu lassen, das trotzdem(?) eine Unvorhersehbarkeit besitzt, die ihresgleichen sucht; eine Sogwirkung par excellence aufbaut, die das Album als Ganzes als eine Art (hyperlangsamen aber unaufhaltsamen) Mahlstrom erscheinen lässt, das ist definitiv eigen. Eigen in einer Art, die das Album unvergleichlich macht. Und perfekt.

Ab sofort über Denovali Records bestellbar.

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DALE COOPER QUARTET – METAMANOIR

Posted in Release on November 1st, 2011 by D.K.

Dale Cooper Quartet and The Dictaphones aus Brest haben vor fünf Jahren einen Dark Jazz Meilenstein namens “Parole de Navarre” veröffentlicht, den Denovali Records letztes Jahr wiederveröffentlicht haben. Im November steht endlich die Veröffentlichung des Nachfolgers “Metamanoir” an.

Wer sich Brest auf der Landkarte anschaut, stellt schnell fest, dass es so die einzige größere Stadt im Nordwesten Frankreichs ist. Gründungsmitglied Christophe Mevel (Gitarre und Effekte) beschreibt seine Heimatstadt als Ort, an dem man nie eben so vorbeikommt, wenn man auf Frankreichs Straßen unterwegs ist. Man muss Brest schon als Ziel haben, um dort mal hinzukommen. So bleiben die Bewohner dieser Stadt am Atlantik meistens unter sich und verarbeiten ihre Gefühle und Gemütszustände gegenüber ihrer Stadt im Idealfall in ihrer Musik, wie es bei Dale Cooper Quartet and The Dictaphones der Fall ist.

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“Metamanoir” startet mit dem smoothen “Une Petit Cellier”, das von Saxophon- und verfremdeten Gitarrensounds getragen wird. Schwerfälliges Atmen einer Frau im Hintergrund und zum Schluß erklingt aus dem Dictaphone eine Frauenstimme “…run away…”, willkommen im düsteren Dark Jazz Kabarett aus Brest. Das 11minütige “Eux Exquis Acrostole” entführt den Hörer weiter in die Welt des Dale Cooper Quartet. Ein schwerfälliger Basslauf, Orgelsounds, Saxophon und zwei Gitarren – die eine klassisch 50er Jahre Noirfilm mäßig, die andere verzerrt und experimentell – und nach vier Minuten setzt männlicher Gesang ein. Auch hier geht es wieder ums Fortlaufen, dann weiblicher Gesang “…you better leave…”, trotz Warnung möchte man bleiben. “Ma Insaisissable Abri”, erneut mit weiblichem Gesang, setzt auf die Kontraste von heller Singstimme und den tiefen, dunklen Blasinstrumentsounds, aus dem Dictaphone erklingen arabisch klingende Gesänge, Maschinengewehrschüsse und Hubschrauberrotoren, politisch(?), gesellschaftskritisch(?), warum nicht. “Le Implacable Gentilhommière” mit seinem Paukenrhythmus und männlichen Vocals, die von einer vom Leben geprägten Frau erzählen… das Ende einer Party wird thematisiert. “Elle Agréable Rendez-Vous de Chasse” mit wortlosen Dam-Dam-Dam-Vocals und gitarrenlastiger Instrumentierung wirkt wie ein hoffnungsvolles Bindeglied in der Geschichte, die das Album erzählt. Es folgt das 13minütige “Mon Tragique Chartreuse”, das mit einer Art Dubbeat überrascht. Der Song wirkt wütend, kurz vor dem Wutausbruch, der nicht stattfindet. Gitarrenschleier kreuzen den Beat, hallender weiblicher Gesang im Hintergrund. Das Ende der Party scheint wohl ein Alptraum zu sein, denn dieses Stück drückt die Stimmung gekonnt runter. Die Gitarrenimprovisationen nehmen zu und es wir noisiger, verstörender, genialer. Der gespenstische Gesang gleitet in den Vordergrund und das Gänsehautfeeling setzt ein. Auf jeden Fall ein Highlight. Mit “La Terrible Palais” kehrt etwas Ruhe und Entspannung ein. Aus einem Ambientstück wächst eine Art Ballade und die Worte “…continue on, alone…” lassen vermuten, das in der erzählten Geschichte nicht alle Beteiligten einem Happy End entgegen gehen. Der Abschluss “Il Mélodieux Manoir” ist ein weißes Rauschen aus dem leise hallend Gesänge und Gitarren erklingen. Distanziert und unnahbar verabschiedet sich die Erzählung vom Hörer… und man wird neugierig auf diese Stadt und ihre Menschen im Nordwesten Frankreichs.

dale cooper quartet & the dictaphones

“Metamanoir” von Dale Cooper Quartet and The Dictaphones erscheint Mitte November über Denovali Records und ist auf CD und hochwertig aufgemachtem Vinyl vorbestellbar.

Die erste Single mit zwei Tracks vom Album könnt ihr hier (via Beko DSL) kostenlos runterladen.

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N & TZESNE

Posted in Release on October 22nd, 2011 by D.K.

Nachdem Denovali Records bereits die Kollaboration von N und Mirko Uhlig Anfang des Jahres veröffentlicht haben, folgt nun die nächste Zusammenarbeit. Diesmal haben N (oder bessser gesagt N[18]) und Tzesne zusammengefunden und das Album Carrissals zusammen eingespielt. Der baskische Soundtüftler Txesus Garate alias Tzesne hat sich mit Hellmut Neidhardt alias N ausgetauscht, oder besser gesagt: die beiden haben ihre Sounds untereinander ausgetauscht, um das Album zusammenzustellen. Das Ergebnis ist ein fulminantes Experimentalalbum bestehend aus acht Stücken, die einerseits dronig sind und den typischen Gitarrensound von N durchschimmern lassen, andererseits viel Raum für Field Recordings und Ambientklänge aus der Feder von Tzesne bieten.

n & tzesne

Freunde intensiver minimalistischer Musik werden an Carrissals Gefallen finden, denn dieses Album nimmt sich genau dafür Zeit. Die erste Platte des Doppelvinylsets setzt mehr auf die Wirkung von Gitarrendrones, die von diversen Soundideen oder Soundcollagen von Tzesne untermalt werden. Nachdem der Hörer dann erstmal eingestimmt und sensibilisiert ist, setzt die zweite Hälfte des Albums auf die Wirkung von Field Recordings, denen sich N mit seinen Gitarrentönen untergliedert.

Ein Soundtrack zu einem Spaziergang durch eine Landschaft, aus der das Foto des Artworks auch stammen könnte. Niemand spricht, man lässt die Natur auf sich wirken, nimmt die Geräusche der Umgebung wahr und stellt sich im Sinn den Score zum gerade Erlebten vor.

Streng limitiert auf 100 Exemplare erscheint Carrissals als transparentes 180g Doppelvinyl und als MP3-Album zum Download über Denovali Records. Wer ein N Konzert besucht, hat eventuell auch die Möglichkeit, eine der limitierten Tour-CDr-Versionen des Albums zu ergattern.

Hier geht es zur N & Mirko Uhlig Rezension…
Hier gibt es mehr Infos zu N und den Zahlen in den Klammern…

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OMEGA MASSIF – KARPATIA

Posted in Release on September 6th, 2011 by N

Schon der erste Ton von „Aura“ hat diesen vertrauten trocken / evil Sound und mit den nächsten kommt diese spezielle Mischung aus brutaler Brachialität, Präzision und Lässigkeit zum tragen, die Omega Massif von vielen, reichlich schablonenhaft arbeitenden Genrekollegen unterscheidet. Plus dieses entscheidende „mehr“ an Ideen für Hookline-Riffing und organisch miteinander verwobene Parts; wenig überraschend, das so bereits der 10 minütige Starter eine spannende Geschichte zu erzählen weiss. Auch bei der Wahl der irgendwie düstere Geschehnisse andeutenden Titelnamen wird die Omega Massif Qualität weitergeführt; das überraschend unter 4 Minuten bleibende „Wölfe“ z.B. ist so sehr eine mögliche und dabei perfekte musikalische Umsetzung eines im Dämmerlicht des Waldes jagenden Rudels… einschließlich Hetzjagd, abwarten, zuschlagen, dass es in der Verbindung Titel und Ton fast bildlich wird. Ungewöhnlich schnell für Omega Massif, möglicherweise, aber kein Bruch in irgend einer Weise.

Omega Massif_Karpatia

Mit „Ursus Arctos“ nehmen Omega Massif scheinbar erstmals Druck heraus, schliessen dann jedoch einen Halbkreis aus Aufbau, Verstärkung und Coda um einen Höhepunkt aus massiven Lärmmonolithen, um ganz am Ende doch noch einmal kurz anzuziehen; perfekte Überleitung zu „Im Karst“, einer zunächst (im positiven Sinne) schwerfälligen Walze, aus der heraus sich nach 2,5 Minuten unvermittelt ihre eigene Hetzjagt entwickelt. „Karpatia“, das Titelstück, neben „Wölfe“ das zweite kurze Stück, baut, und das ist vielleicht neu für Omega Massif, eine Mauer aus Gitarrendrones auf; durch die Rhythmusgruppe jedoch mit der Wirklichkeit geradezu vernagelt. Gleichzeitig fast ätherisch und unglaublich schwer, von den Harmonien und der Verschachtelung der Ebenen mit einem Potential für mindestens die dreifache Länge…

„Steinerne Meer“, der Abschluss, bündelt Endlos-Aufbau, Ausbruch und einen Ausklang, der seinesgleichen sucht zu einem 11-Minuten Monster, dass die Qualität des Albums noch einmal innerhalb eines, kompakten Durchgangs zusammenfasst; näher an perfekt ist schwer vorstellbar.

Omega Massif wissen, was zu tun ist. Und auf was man besser verzichtet. Auf den Punkt und vielschichtig zugleich; innerhalb des Genres kommt man an dem Album kaum vorbei… und wahrscheinlich nicht nur dort.

Als LP, LP mit Spezialcover und CD bei Denovali Records erhältlich. Und „Karpatia“ auch noch auf 7“ mit Ambient-Drone Mix des Titeltracks by Tonmeister Role Wiegner auf der Flip, alle Formate im düster treffenden Artwork von Hummelgrafik.

Omega Massif

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BLUENECK – REPETITIONS

Posted in Release on September 6th, 2011 by N

Skurill schönes Cover mit dem 6-köpfigen HirschenSteinbockReh um eine Platte, die den sehnsüchtigen Gesang von Duncan Attwood in das Zentrum der Songs von Blueneck stellt. Mit Stücken, die mit dem Blick auf eine ferne Erwartung geschrieben scheinen. Eine Erwartung, die (noch?) unerfüllbar, dabei aber fassbar genug ist, die Inspiration für ein Album wie dieses zu liefern. Eines, das auch in seinen lauteren Passagen weniger nach vorn zu treiben scheint, als vielmehr den Horizont aufzureissen, weiter zu machen und so zu versuchen scheint, das Ferne zu erreichen, ohne diesem Ziel eigentlich wirklich näher kommen zu können.

blueneck_repetitions

Fast alle der neun Stücke haben damit dieses starke Moment des Verharrens im Aufbruch, ein Warten auf den Ausbruch… das Zeitempfinden des Hörers wird so an der Nase herumgeführt wie es sonst nur bei loophaften, repetetiven Ambient der Fall ist… man verliert sich fast in den durchgehend sehr transparent orchestrierten Stücken; die Länge einzelner Parts, besonders aber die unendliche Ruhe, fast Gelassenheit, die auch bei den oben beschriebenen Passagen über allem liegt, führt die Stücke vom Songformat in eine freiere Richtung, in der auch der Gesang schließlich zum Instrument wird. Und nur in den Steigerungen den Raum den völlig den eigentlichen Instrumenten überlässt.

In eigenartiger Weise filmisch; dabei eigenartigerweise von einem Gestus vergangener Zeiten berührt; fast wie eine Stimmung aus dem 19. Jahrhundert, aber ins hier und jetzt übertragen.

Erschienen über Denovali Records und genau hier erhältlich.

Blueneck

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