A NEW WAVE OF JAZZ

Posted in Label, Release on August 3rd, 2014 by D.K.

A New Wave Of Jazz, so nennt sich das nun zweite Unterlabel von Tonefloat, das unter der künstlerischen Leitung von Dirk Serries geführt wird. Abgesehen von der Frage, ob man noch ein Unterlabel benötigt, klingt das Ganze doch sehr interessant. Dirk Serries als Dronevater mit Hang zum Blues begibt sich in die Hände des Jazz.

New Wave Of Jazz ist mit zwei Veröffentlichungen gestartet. Auf der einen Seite Yodok III, auf der anderen Seite The Void Of Expansion, zwei 12inch Alben in exakt der gleichen Aufmachung. Grauer, matter Karton mit eingestanztem Labeldruck, ein schwarzer Aufkleber, der den Griff zur Platte versperrt und angerissen werden muss. Die Platte schwarz mit weißen Labels und Schreibmaschinendruck. Das soweit die Gemeinsamkeit der physischen Produkte. Auch das hörbare Produkt weist Gemeinsamkeiten auf, denn auf beiden Platten sind Dirk Serries und Tomas Järmyr vertreten.

Yodok III landet als erstes auf dem Plattenteller. Als Fortführung der beiden ersten Yodok Platten, werden hier Tomas Järmyr an den Drums und Kristoffer Lo an der Tuba durch Dirk Serries unterstützt, der die Einladung der beiden Künstler nicht ausschlagen konnte, ein gemeinsames Album aufzunehmen und gemeinsame Shows zu spielen. Die Platte beginnt überraschend Dirk Serries-lastig. Die Gitarre baut eine filigrane Wand aus Drones auf, so wie man es von Microphonics oder Fear Falls Burning gewohnt ist. Die Drums gesellen sich ebenfalls filigran dazu und erst nach 11 Minuten kann man die Tuba wahrnehmen. Dann geht alles sehr schnell, was das Zusammenspiel angeht. Die drei Instrumente winden sich, verwirbeln sich, gelegentliche Aufschreie einzelner Instrumente sind zu vernehmen, alles auf dem Weg zu einem Höhepunkt, der sich anmeldet, der der Spannung den Vortritt lässt, ein Höhepunkt, der schüchtern ist, ein Höhepunkt, der nie kommen wird, weil der Song nach 23 Minuten verstummt, ein Höhepunkt, der nie da war und trotzdem stattfindet.

The Void Of Expansion ist aus der Yodok III Vereinigung entstanden. Kein Nebenprodukt, sondern mehr eine logische Mutation. Gitarre und Drums mit einem Ziel, das wohl beiden Musikern bei Einspielung des Albums nicht bekannt war. Dort wo Yodok III musikalisch aufeinander zugehen, gehen hier die beiden Instrumente scheinbar ein Battle ein. Serries treibt aus seiner Gitarre die noisigsten Drones seiner Karriere hervor und Järmyr steht dem Ganzen in keinster Weise nach und trommelt scheinbar um sein Leben. Dass man hier automatisch an den haarigen lauten Typen aus der Puppensendung denken muss, ist vorprogrammiert.

 

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MICROPHONICS XXI – XXV

Posted in Release on November 24th, 2012 by N

dirk serries

2008 erscheint „Microphonics I-V“; ziemlich unerwartet, mitten in einer Reihe von Fear Falls Burning Releases und Kollaborationen. Und erst nach und nach schält sich heraus, besonders durch Äußerungen von Dirk Serries selbst, dass dieses Projekt, dessen erstes Release sich gegenüber Serries damaligen Hauptprojekt und Nachfolger von vidnaObmana, Fear Falls Burning, durch seinen musikalisch und soundlich minimalistischeren Ansatz sofort unterschieden hat, künftig sein Hauptprojekt sein wird. Musikalisch, trotz nur im Detail unterschiedlichen Instrumentarium, gegenüber Fear Falls Burning daher wie eine Fokussierung, auch mit Blick auf die Tatsache, dass FFB mittlerweile Erweiterungen durch Kollaborationen und zu einer Art (Proto Heavy) Band geworden war. Serries kommentierte diese Entwicklung selbst einmal in der Art, dass FFB eine Art Eigenleben bekommen hat, das sich der vollständigen Kontrolle durch ihn selbst entzieht. Microphonics war daher zu diesem Zeitpunkt möglicherweise genau die Reißleine, die es für ihn zu ziehen galt, um innerhalb seines musikalischen Spielfeldes seine Solo-Identität neu zu definieren. Nur konsequenterweise in diesem Zusammenhang das weitere Statement, dass Microphonics stets Soloprojekt bleiben würde und dann natürlich die spannende Erwartung, wie sich die nächste Platte anhören würde. Statt dessen begibt sich Dirk Serries mit Microphonics auf eine intensive Live-Erprobung, wie um die Tragfähigkeit in der Live-Situation zu testen; aber auch als eine Art Forschungsaufgabe, welche Elemente zum Projekt passen mögen. Und tatsächlich folgen Erweiterungen: die Integration von Arpeggios und soundliche Varianten, die die enge Fokussierung des Debüts Zug um Zug, jedoch immer organisch gewachsen erweitern. Erstaunlich auch, dass die im Zuge dieser umfangreichen Live-Aktivitäten erscheinenden Live-EPs bei all diesen Erweiterungen des Konzepts fast stringent ruhiger werden, meditativ in sich versunken. Auch der Sound sehr intim, rund; fast still. In der Zwischenzeit dann die offizielle Beendigung von FFB mit „Disorder Of Roots“ und die Ankündigung des zweiten Studioalbums von Microphonics für Anfang 2013 via Tonefloat Records.

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„Microphonics XXI-XXV: Mounting Among The Waves, There’s A Light In Vein. The Burden Of Hope Across Thousands Of Rivers“ ist genauso organische Weiterführung wie radikale Neudefinition. Es ist ein Album, das neben der angekündigten luxuriösen Verpackung (2x 10“ + Buch „Cities In Grey“ mit Fotografien von Martina Verhoeven, die mit ihren SW-Aufnahmen die Cover von „Microphonics“ und FFB geprägt hat) vor allem musikalisch, d.h. kompositorisch und soundlich punktet. War das erste Album ein Gespinst flötenhafter Sounds so explodiert „Microphonics XXI-XXV“ geradezu vor den Hörern als ein durch unüberschaubar viele Schichten zusammengesetztes Monster von Album, mit einer durch Lautstärke und Hall perfekt ausbalancierten Tiefenstaffelung. Mit klar erfassbaren ersten Motiven, die im Laufe der Stücke ebenbürtige Partner bekommen, die sich, und auch das ist neu im Hause Microphonics, soundlich deutlich absetzen. Im Gegensatz zu den als intuitiv mit der Gitarre gespielt erkennbaren Motiven stehen damit erstmals auch solche, die wie vielgestaltige Texturen unbekannter Provenienz erscheinen; fast nur noch für Eingeweihte als gitarrenbasiert erkennbar. Und genau die Einführung dieser Texturen und ein völlig ungewohnter Focus auf osszilierende Sounds, Distortion und Fuzz, sowohl in den tragenden Motiven als auch innerhalb dieser Texturen lässt diese Veröffentlichung als ein deutlicherer Schritt in eine neue Richtung erscheinen, als das bei allen Gtarrenprojekten von Serries bisher möglicherweise der Fall war. Der große Zusammenhalt zum bisherigen Werk entsteht dabei weiterhin über das harmonische Verständnis, seine Art Melodien zu entwickeln und gegeneinander zu spielen, harmonische und disharmonischere Wendungen aufeinander treffen zu lassen. Aber auch diese kompositorische Komponente wird mit dem neuen Album erweitert, besitzen die benannten Texturen doch eine harmonische Gradlinigkeit, die besonders im Kontrast zu ruhigeren Motiven des Spiels eine ungeheure Schubkraft entwickelt, ab einem bestimmten Punkt quasi die Kontrolle über die Stücke übernimmt, diese anfängt zu tragen und mit Macht nach vorn zu treiben. Zum Teil entwickeln sich so harmonische Umschlingungen, die die Melodien höher und höher steigen lassen und paradoxerweise trotzdem nie die Grenze des spielbar Möglichen erreichen.

Der Mut, einen neuen Weg zu beschreiten ohne die eigenen Wurzeln und das bisher Erreichte zu ignorieren lässt eine Platte entstehen, die in dieser Form nicht erwartet wurde. Auf eine völlig unerwartete Weise verlässt „Microphonics XXI-XXV“ auf diese Weise die Grenzen der Intimität und öffnet sich hin zu einem gleißenden Himmel neuer Möglichkeiten. Ein Album für 2013, das in seinem Genre schwer zu toppen sein wird. Sehr empfohlen.

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EXPERIMENTAL EVENING VII: THE SLEEP OF REASON & N

Posted in Aktuell, ontheroad on October 1st, 2012 by D.K.

the sleep of reason & N

ACHTUNG!!! WICHTIGE SET-ÄNDERUNG:

Soeben (02.11., 11 Uhr) musste Jon Attwood aus familiären Gründen seine Teilnahme für den 3.11. absagen und ist nach England zurückgereist. Aufgrund dieser kurzfristigen Änderung wird Dirk Serries ein exklusives und einmaliges Solo Set spielen, das unabhängig von seinen Projekten The Sleep Of Reason,  Fear Falls Burning und Microphonics zu betrachten ist. Wir hoffen diese einzigartige Alternative sagt euch zu.

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Am Samstag, den 3. November, stehen drei Musiker auf der Bühne, beziehungsweise vor dem Altar der Christuskirche Bochum, die eines gemeinsam haben: Alle drei erzeugen Ihre Sounds allein mit einer Gitarre und einer Reihe von Effektgeräten.

N

Den Abend eröffnet N mit einem Drone-Noise-Set. Seine Gitarrensounds ähneln in vielen Momenten den Sounds einer Kirchenorgel, sie legen sich übereinander, der Kirchenraum trägt die Töne, lässt sie hallen, verstärkt sie… wer sich in die Kirche setzt und die Sounds auf sich wirken lässt, ist nach wenigen Sekunden dem Sog von N ausgesetzt.

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Änderung: Aufgrund der Absage von Jon Attwood (siehe oben) wird Dirk Serries ein exklusives Solo Set spielen.

Die anderen beiden angesprochenen Musiker sind Jon Attwood und Dirk Serries, die sich zum gemeinsamen Projekt The Sleep Of Reason zusammengetan haben. Zur Veröffentlichung ihrer auf 200 Stück limitierten 3LP Albumsammlung auf Tonefloat Records, sind sie Ende Oktober und November auf Europatour. Dirk Serries hat mit seinem Projekt Fear Falls Burning bleibende Akzente in der Droneszene gesetzt. Jon Attwood ist seit vielen Jahren solo unterwegs und hat schon unzählige Alben veröffentlicht, auf denen er mal experimenteller, mal konventioneller mit seiner Gitarre musiziert. Das gemeinsame Projekt The Sleep Of Reason ist eine auf Platte(n) festgehaltene Dokumentation des gemeinsamen Gitarrenspiels der beiden Musiker. Wer sich durch die Platten durchhört wird Zeuge davon, wie die Sounds der beiden Gitarristen von Mal zu Mal besser aufeinander abgestimmt sind und am Ende eine perfekte Fusion aus bluesigen und experiementellen Sounds ergeben.

Wo:
Christuskirche Bochum, An der Christuskirche 1, 44787 Bochum
Wann:
3. November 2012, 20:00 Uhr Beginn, 19:30 Uhr Einlass
Tickets:
Gibt es hier… und an der Abendkasse

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LIVEBERICHT: FEAR FALLS BURNING

Posted in Aktuell, ontheroad on June 4th, 2012 by D.K.

fear falls burning @ paradox tilburg

Vor ein paar Jahren traf ich beim Musikentdecken irgendwie auf Fear Falls Burnings „The Amplifier Drone“. Eine Platte mit einem perfekten Titel, der genau das auf den Punkt bringt, was sich auf der Platte wiederfindet. Gitarrendrones vom Feinsten. Schnell war mir klar, dass ich mich intensiver mit der Arbeit von Dirk Serries alias Fear Falls Burning befassen muss und besonders mit dem, was sich Drone schimpft. Als dann „Frenzy of The Absolute“ über Conspiracy Records veröffentlicht wurde, wurde ich Fan von diesem sympathischen belgischen Musiker, der bereits in den späten 80ern mit VidnaObmana ein Musikkapitel eröffnet hatte, das er Anfang diese Jahrhunderts abgeschlossen hat.

fear falls burning @ paradox tilburg

Am 2. Juni stand dann der Tag an, den man als Fan immer verdrängt hatte, aber trotzdem kommen sah. Das Ende von Fear Falls Burning. Der Jazzclub Paradox in Tilburg öffnete seine Tore, um die Fangemeinde ein letztes Mal Fear Falls Burning live erleben zu lassen. Grund genug eine kleine Reise aus dem Ruhrgebiet anzutreten. In Tilburg angekommen standen wir kurz vor Einlass vor dem Gebäude, das das Paradox beherbergt. Grau und glatt und unscheinbar. Doch nach dem Einlass zeigt sich das wahre Gesicht des Clubs. Ein dunkler gemütlicher kleiner Club mit kleiner verkanteter Bühne, die zu einem Drittel von einem Flügel eingenommen wird. Doch der Flügel spielt heute keine Rolle, sondern das, was daneben aufgebaut ist. Eine „Fear Falls Burning Schaltzentrale“ mit Amp, zwei Koffern voller Effekte, einem Hocker und einer Les Paul, rechts daneben ein Bass ohne Effekte und ganz rechts am Bühnenrand die Drums.

fear falls burning @ paradox tilburg

Langsam füllt sich der Club und viele bekannte Gesichter sind zu sehen. Darunter die Bandkollegen von 3 Seconds of Air und die Chefetagen von Tonefloat und Conspiracy Records. Zeit sich ein schönes Sitzplätzchen zu suchen. Eine Ambientwolke untermalt die Wartezeit, dann um kurz nach neun kommt eine Kunstnebelwolke hinzu und taucht den Club in ein kaltes Grau. Das Licht wird gedimmt und Dirk Serries kommt auf die Bühne und setzt sich vor seine Effektarmaturen und beginnt das Set mit einem typischen Fear falls Burning Drone. Schicht für Schicht steigert sich der Gitarrensound, Ebowschwingungen werden auf die Saiten übertragen, Picking paart sich mit Feedback. Tim Bertilsson setzt sich an die Drums, die auch zuvor ohne sein Beisein durch die Gitarrendrones stetig vibriert haben. Bedächtig und zurückhaltend baut er sein Drumming in den Sound ein. Eine weitere Zeit später steigt Frank Kimenai am Bass ein und die Rhythmusfraktion setzt voll ein. Aus dem filigranen Drumspiel wird ein lautes dynamisches Rhythmusmonster a la Switchblade (der Hauptband von Herrn Bertilsson), das von Kimenai am Bass unterstützt wird. Leider vergeht die Zeit doch ziemlich schnell und das Set kommt beim letzten Lied des neuen Albums an, was auch den Abschluss des Abends besiegeln soll. Der Nihill Sänger Michiel Eikenaar gesellt sich zu den drei Musikern und windet sich zunächst im Fluss der Drones um sein Mikro, bis er dann mit seinen beeindruckenden Black-Metal-Vocals einsetzt. Ab diesem Zeitpunkt steigern sich die vier Musiker immer weiter in ihre Musik. Dirk Serries verdichtet die Gitarrenflächen, Frank Kimenai konzentriert sich, die Bassdosis immer zum rechten Zeitpunkt zu setzen, Bertilsson spielt seine Drums mit seinem speziellen „Lufttakt“, bei dem nicht alle Schläge das Trommelfell erreichen, und Eikenaar schreit sich die Seele aus dem Leib. Dirk Serries steht auf und lässt die letzten Gitarrenklänge verklingen, die restlichen Musiker stellen sich zu ihm. Fear Falls Burning ist zu Grabe getragen.

Zum Glück bleiben die Erinnerung und die Musik.

fear falls burning @ paradox tilburg

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FEAR FALLS BURNING UND DAS CHAOS DES URSPRUNGS

Posted in Release on April 11th, 2012 by D.K.

Mit “Disorder Of Roots” schließt sich der Kreis für Fear Falls Burning. Nach sieben Jahren des Schaffens beendet Dirk Serries sein Alter Ego und lässt die Angst sprichwörtlich brennend fallen, denn mit diesem Album setzt Serries ein letztes helles Zeichen unter sein Dronesynonym. Dabei hat er sich in den letzten zwei Jahren die Hilfe diverser Musiker ins Studio geholt, um vier Monumente für das Album zu kreieren.

fear falls burning - disorder of roots - artwork

THE ROOTS REBELLION
Der Titel sagt es schon, denn das Album beginnt so, wie Fear Falls Burning begonnen hat, als Dronegewitter aus der Gitarre. Ein Sound legt sich über den nächsten, im Hintergrund entsteht ein vibrierender Sound, der als eine Art Rhythmus den Song trägt. Dann ein Bruch. Die Drums von Phil Petrocelli und der Bass von Frank Kimenai gesellen sich zur Gitarre von Dirk Serries und wandeln den Song komplett um. Das Ende hat begonnen.

VIRTUE OF THE VICIOUS
Drums von Tim Bertilsson setzen ein, die Gitarre baut eine hallende Atmosphäre auf und der Bass von Frank Kimenai fügt sich episodenhaft ein. Der Song wiegt sich ein, indem die Drums und der Bass immer wieder aussetzen und somit einen ganz eigenen Rhythmus erzeugen. Währenddessen fügt sich der Bluesdrone von Serries immer weiter in den Sound ein. Ein fast schon zugängliches Stück Fear Falls Burning.

CHORUS OF DISSOLUTION
Dieser 20-Minüter lässt sich eindeutig Zeit, Zeit, die es braucht um diese Droneoper zu erzählen, die hier vorgetragen wird. An den Drums sitzt diesmal Magnus Lindberg, der hier druckvoll und akzentuiert spielt. Frank Kimenai am Bass fügt sich vorsichtig dem Sound bei, während Dirk Serries seiner Gitarre wieder die feinsten bluesigen Drones und Orgeltöne (oh ja, wie ich diesen Sound liebe, wenn die Gitarre wie eine alte Hammond Orgel röhrt) entlockt, die sich zum Ende hin in eine Ambientlandschaft wandeln und ohne Drums und Bass vor sich hin fließen. Das Ende naht.

I PROVOKE DISORDER
“Ich verursache das Chaos” gesteht uns der Titel des letzten Tracks. Alles fängt mit dem Trio Serries/Bertilsson/Kimenai an. Noch zurückhaltender im Rhythmus und in der Gestaltung von Klanglandschaften. Serries baut keine Loops auf, sondern konzentriert sich auf minimalistische Bluesdrones, die stark an sein anderes Alter Ego Microphonics erinnern. Die Stimmung ist düster und bedrückt, aus dem Hintergrund heraus nähern sich dann endlich die vermissten Droneflächen und nach fünf Minuten setzten überraschend die Vocals von Michiel Eikenaar ein. Die ersten und letzten Vocals in einem Fear Falls Burning Song. Stellt euch ein Biest vor den Toren zur Hölle vor, das in Ketten liegt. Die dickste Kette schnürrt ihm die Kehle zu, aber das Biest will nicht aufhören von sinkenden Schiffen, zerstörerischen Feuern, Gräbern und Tod zu erzählen. Grässlich schön, so klingen die Vocals. Die Dronelandschaften nehmen Überhand und legen sich über den restlichen Sound, um zu Ende hin zu verebben. Das wars. Alles ist gesagt, alles liegt in Flammen, alles zerfällt zu Asche.

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Fear Falls Burning ist tot, lang lebe Microphonics (so suggeriert zumindest der kleine Beisatz im Kleingedruckten des Artworks).

“Disorder Of Roots” ist über Tonefloat Records erschienen und auf Doppel-10-Inch und CD erhältlich.

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DAS FEAR FALLS BURNING FINALE

Posted in Aktuell, ontheroad on January 22nd, 2012 by D.K.

Wer das musikalische Schaffen des belgischen Musikers Dirk Serries verfolgt, weiß, dass dieser Mann über gewisse Zeitspannen bestimmte musikalische Alter Egos in den Mittelpunkt seiner Kreativität gestellt hat. Begonnen hat alles mit VidnaObmana, dann kam im Zuge einer musikalische Weiterentwicklung Fear Falls Burning.

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Unter dem Fear Falls Burning Mantel hat Dirk Serries diverse Drone- und Ambientplatten im Alleingang aufgenommen, die sich auf geloopte Gitarrensounds konzentrieren. Im weiteren Kreativitätsverlauf kamen auch andere Musiker dazu, die das Spektrum des Projekts erweitert haben. Das letzte Studioalbum “Frenzy Of The Absolute” von 2008 beinhaltete dann auch Drums, Percussion und Sounds eines weiteren Gitarristen. Zuletzt erschien Ende 2010 die 7inch Single “Dead of Night”, auf der Dirk Serries von Martina Verhoeven
(3 Seconds Of Air) am Bass begleitet wurde. Nun steht für diesen Sommer die Veröffentlichung des letzten Fear Falls Burning Studioalbums “Disorder Of Roots” auf Tonefloat Records an. Zur Veröffentlichung des Albums wird das einzige und letzte Konzert von Fear Falls Burning am 2. Juni 2012 im Tilburger Paradox stattfinden. Dirk Serries wird hierbei vom Lineup des neuen Albums begleitet, das aus dem Drummer Tim Bertilsson (Switchblade), dem Bassisten Frank Kimenai (Anaphylactic Shock) und dem Sänger Michiel Eikenaar (Nihill, Anaphylactic Shock) besteht.

Karten können hier reserviert werden und liegen dann an der Kasse abholbereit. Jeder Besucher des Konzertes erhält eine 7inch Single, auf der weitere Songs aus der Albumsession vertreten sein werden.

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AKHET

Posted in Release on November 5th, 2011 by D.K.

Die Legende besagt, dass sich drei befreundete Musiker eines Tages im Studio eines Beteiligten trafen und eine Jamsession mit zwei Gitarren und einem Keybord abhielten, das Ganze aufnahmen und dann zur Seite legten und sich anderen Dingen widmeten. Das war 2007 und die drei Protagonisten sind Dirk Serries (Fear Falls Burning), Paul van den Berg (3 Seconds of Air) und Marc Verhaeghen (The Klinik) alias Akhet.

akhet

Tonefloat Records haben jetzt vier Jahre später das gemacht, was man mit so einer Jamsession machen sollte: sie veröffentlicht. Das Ergebnis ist ein selbstbetiteltes Doppelvinyl-Album mit vier epischen Stücken. Was die drei Musiker gemacht haben, gleicht dem, was man von Jazzsessions kennt. Einer fängt was an und die anderen steigen darauf ein. Hier ist es das Keyboard von Marc Verhaeghen, genauer die rhythmischen Synthiesounds, die die Grundlage bilden. Darauf basierend bauen die beiden Gitarristen entweder Soundflächen auf oder unterlegen das Ganze mit verzerrten Bluessounds. Wer jetzt denkt, dass das doch gar nicht gut klingen kann, irrt. Diese spontane Fusion der musikalischen Elemente gibt den Songs eine einzigartige Dynamik, die eine weitere Facette im musikalischen Oeuvre aller Beteiligten aufzeigt. Das Konzept ist simpel, das Artwork auch und der Aufruf auch: Hören!

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DIRK SERRIES – MICROPHONICS XIX

Posted in Release on July 9th, 2011 by D.K.

Live-Alben werden entweder gemocht und gesammelt oder ignoriert und für überflüssig gehalten. Ersteres trifft bei mir zu. Wenn dann auch noch ein Konzert auf Platte gepresst wird, bei dem man selbst dabei war, ist die Freude natürlich um so größer. So geschehen im Fall des Dortmunder Konzerts von Dirk Serries, das jetzt auf Tonefloat erschienen ist.

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Tonefloat veröffentlichen schon seit einiger Zeit ausgewählte Live-Sets von Dirk Serries und liefern jetzt mit “Microphonics XIX” das Set, das Serries am 11. Dezember 2010 im Künstlerhaus Dortmund gespielt hat. Dirk Serries ist dort im Rahmen des Mex-Festivals zusammen mit N im Keller des Gebäudes aufgetreten. Vor den beiden ist die kolumbianische Künstlerin Claudia Robles aufgetreten, die mit Hilfe ihrer Gehirnaktivitäten Sounds erzeugt hat (klingt nicht nur gelesen merkwürdig), und der argentinische Saxophonist Lucio Capece hat im Anschluss sehr experimentelle Sounds mit Hilfe seines Blasinstruments dargeboten. Mit diesen eher merkwürdigen Soundeindrücken als Grundlage, durfte man dann Dirk Serries und N lauschen, die ja im Vergleich zu den beiden anderen einfach nur Gitarre spielen.

Dirk Serries setzte mit den ersten Tönen ein und das vorher erlebte war sofort ausgeblendet (in den Tiefen des Langzeitgedächtnisses vergraben). Genau dieser Teil des Abends ist auf Platte verewigt. “Microphonics XIX” beginnt leise, mit E-Bow getragenen Sounds, dann setzen dezente Pickings ein und die Soundwand wächst langsam an. Die Aufnahmen von Serries geben den Sound des Abends gut wieder. Der notdürftig verputzet Kellerraum mit seinen mächtigen Rohren unter der Decke hat den Sound der Gitarre warm klingend und druckvoll weitergeleitet. Nach wenigen Minuten baut Serries eine geloopte Disharmonie in seinen Sound ein, die das sphärisch schwebende Soundgerüst immer wieder auf den Boden zurückholt, wie bei einem Flieger, der kurz vor dem Abflug den Schub zurücknimmt. Leider ist nach knapp 24 Minuten das Set zu Ende. Doch zum Glück bleibt nicht nur die Erinnerung, sondern auch “Microphonics XIX” auf Vinyl.

Die einseitig bespielte 12inch Platte ist in drei verschiedenen Farben direkt über den Tonefloat Shop erhältlich und genau wie alle anderen Microphonics Vinyl-Live-Sets auf 300 Exemplare limitiert. Und nicht nur für Live-Platten-Fans lohnenswert!

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LIVEBERICHT: MICROPHONICS

Posted in ontheroad on June 4th, 2011 by D.K.

Letzter Montag im Mai. Dieser Tag soll nicht nur wegen seinen 35 Grad im Schatten in Erinnerung bleiben. Im Oberhausener Druckluft steht das Konzert von Microphonics und den japanischen Kultpostrockern Mono an.

Die Bühne ist klein und dementsprechend vollgestellt. Auf der rechten Seite hat Dirk Serries, der Mann hinter Microphonics, sein Set aufgebaut. Ein Koffer mit Effektgeräten, ein Notenheft (in dem eher Texte als Noten stehen), eine schwarze Les Paul und zwei Fender Combos. Diese stehen dem Publikum abgewandt und schnell wird klar, dass das heutige Microphonics Set wohl über die PA erschallen wird. Doch zunächst ist Warten angesagt, das einzige Fenster in der Halle erhellt den Raum noch… dann fängt es an zu dämmern.

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Dirk Serries betritt die Bühne. Sein Blick ist konzentriert und sein Gesicht angespannt, er nimmt Platz auf einem Hocker und greift zur Gitarre. Die grausame Hintergrundmusik verstummt, es ist leise. Dirk Serries fängt an und die Vermutung bewahrheitet sich; der Sound erschallt aus der PA. Ungewöhnlich direkt, laut und dementsprechend präsent beginnt Serries sein Microphonics Set. Wo er sonst ohne PA erst bedächtig leise anfängt und den Hörer in seine Welt einführt, überrascht er an diesem Abend mit einer Gitarrensoundwand, die den Hörer sofort überwältigt. Diese Direktheit ist ungewohnt, steht Microphonics aber recht gut und ist in der Funktion als Monosupport passend. Dirk Serries baut seinen Sound mit Loops auf. Er konzentriert sich an diesem Abend mehr auf das klassische Anspielen der Saiten und setzt nur gelegentlich Akzente mit einem Ebow. Sein Gesicht und sein Blick haben sich mittlerweile entspannt und ihm ist anzusehen, dass er sich inmitten seiner Soundkreation wohlfühlt. Das Publikum wohl auch, denn keiner redet in den ersten Reihen. Ein gutes Zeichen. Kein ruhiger Moment in der Musik, der Sound schreitet voran und die Klangwand baut sich immer weiter auf. Wie lange wird er wohl spielen (?) … geht einem durch den Kopf. Nach einer guten halben Stunde entspannt sich die Soundwand und die Loops werden allmählich zurückgenommen. Genau in dem Moment, in dem man glaubt, es sei gleich vorbei, greift Serries zu seinem Ebow, setzt es auf der tiefsten Seite auf und baut einen tiefen durchdringenden orgelähnlichen Sound auf, der immer lauter und einnehmender wird. Hier ist wahrhaftig Druck in der Luft. Dann plötzlich Stille. Ergreifend.

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Nach dem Set merken wir, dass Dirk Serries seinen langjährigen Tonmann, Ronald Marien, als Unterstützung am Mischpult mit dabei hatte. Gute Arbeit, kann man da nur sagen.

Was folgt sind Mono, eine der besten Postrockbands, die es derzeit gibt. Aber das spielt grad keine Rolle…

Mehr Fotos vom Abend findet ihr hier.

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LIVE: 3 SECONDS OF AIR

Posted in ontheroad on March 27th, 2011 by D.K.

Letzter Freitag im März. Kurzurlaub in Antwerpen. 3 Seconds Of Air laden ein zur Livepremiere ihres neuen Albums “We Are Dust Under The Dying Sun”, das an dem selbigen Tag über Tonefloat Records erscheint.

3 seconds of air

Erstmal das Hotel finden, in dem wir die Nacht nach dem 3 Seconds Of Air Konzert verbringen wollen. Wir sind umgeben von kleinen schmalen Häusern, an jeder Ecke ein Diamantenhändler und auf den Straßen laufen überwiegend orthodoxe Juden in voller Montur rum. Eben noch im altbekannten Ruhrpott und zwei Stunden später in dieser äußerst interessanten anderen Welt gleich um die Ecke.

Nach einem Spaziergang durch die Altstadt machen wir uns dann auf den Luchtbal zu finden, in dem das Konzert stattfinden wird. Das Theater liegt außerhalb des Stadtkerns in einer moderneren Wohngegend mit Hochhäusern und einem großen Park gegenüber einer Industriemeile. Dann dieses dezente verwinkelte Betongebäude, das von außen ausschaut wie eine Sporthalle; der Luchtbal. Krasses Kontrastprogramm zum zuvor erlebten Antwerpen.

dirk serries of 3 seconds of air

Nachdem der Gong erklingt, betreten wir und die knapp 90 anderen Leute, die der Einladung gefolgt sind, den Theatersaal. Dunkelblau und Schwarz, das sind die Farben, die hier zu sehen sind. Auf der großen Bühne mit schwarzem Holzboden sind drei Hocker, drei Amps, zwei Gitarren und ein Bass samt Effektgeräten und Leuchtröhren im Halbkreis angeordnet. Paul Van Der Berg, Martina Verhoeven und Dirk Serries lassen auf sich warten, die Spannung steigt. Einige Zeit später betreten die drei Musiker die Bühne. Die Herren in schwarzen Anzügen, die Dame in einem grauen Kleid. Sie setzen sich, greifen zu ihren Instrumenten und verharren kurz. Martina Verhoeven setzt ein und spielt ihren Fretless-Bass an und gleitet mit ihren Fingern über die Basssaiten. Der Basssound rollt schwerfällig durch die Soundanlage und legt die Basis für den ersten Song. Dirk Serries setzt mit konzentriertem Blick ein und Paul Van Der Berg folgt. Nach einigen Minuten und erzeugten Gitarrenloops löst sich die Spannung bei den Musikern und sie nehmen die Zuhörer mit auf eine Soundreise, die sich zwischen Ambient, Blues und irgendwie auch ein wenig im Jazz bewegt. Die nächsten 50 Minuten sind wir in der Welt dieses kleinen Halbkreises unterwegs, den 3 Seconds Of Air auf der Bühne erschaffen haben. Der Bass walzt voran, die eine Gitarre erzeugt atmosphärische Klanglandschaften, während die andere Gitarre Melodien aufschichtet und sich alles zu einer Skulptur vereint. Inmitten des aufgeschichteten Songs stellt Martina Verhoeven ihren Bass ab und lässt die beiden Herren weiterspielen. Dann steht auch Paul Van Der Berg auf und verschwindet im dunklen Bereich hinter der Bühne. Dirk Serries spielt noch einige Momente weiter bis auch er die Bühne verlässt und uns Zuhörer mit den letzten nachhallenden Loops alleine lässt. Der Sound wird leiser und erlischt. Während die Besucher klatschen kommen die Drei nochmal auf die Bühne und bedanken sich mit zufriedenen Gesichtern bei der Menge und entschwinden dann wieder.

Was für ein Tag, was für eine Fülle an verschiedenen Eindrücken. Ewig in Erinnerung bleibend.

3 seconds of air

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3 SECONDS OF AIR SCHICKEN VORBOTEN

Posted in Release on December 23rd, 2010 by N

Ich gebe es gerne zu: 3 Seconds Of Air gehören zu meinen Lieblingsprojekten von Dirk Serries. Diese spezielle Langsamkeit, dieses Schweben über Grund und dabei trotz allem diese lose Verankerung mit dem Boden durch den unvorhersehbar mäandrierenden Bass. Dazu noch die konzeptuell durchdachte Veröffentlichungs- und Live-Präsentation; das passt und erweitert die musikalische Leistung um zusätzliche Facetten. Und, fast als benötigte dieses auf drei Leuten basierende Konzept trotz aller Verteilung der Lasten mehr Zeit, um diese von eben diesen losgelöste Musik zu entwickeln, herrscht eine strikte Zurückhaltung in Sachen Nachfolgeveröffentlichung.

3_Seconds_of_Air

Und plötzlich fällt dann doch die “Under The Dying Sun” 7inch vom Himmel; nur einseitig bespielt, als „promotional copy“, als eine Art „Flyer“ für das Debütkonzert des kommenden Full-Length-Albums „We Are Dust Under The Dying Sun“ am 25. März 2011 im CC Luchtbal in Antwerpen.

Und? Sie sind es noch, aber sie haben sich entwickelt: focussierter, etwas böser, das umgebende Gelände scheint gefährlicher geworden zu sein. Die im schützenden Raum der Kapelle in Brecht entstandene Transparenz des ersten Albums ist einer Präsenz gewichen, die an den Mauern nagt und sich in den Boden gräbt. 3 Seconds Of Air scheinen gleichsam auf dem Sprung, auf dieser 7inch zumindest. Lauernd. Dabei rauer und erdiger. Nicht mehr so hoch über Boden, statt dessen abwartend im dunklen Raum. Steht ihnen (auch). Die Musik gewinnt dadurch eine unstete Bewegung, die verwirrt und „Under The Dying Sun“ jeder einfachen Nebenbei-Konsumierbarkeit entzieht; und das, ohne in irgendeiner Weise aufgesetzte Noise- oder Disharmonie-Einschübe zu benötigen; einfach aus Andeutungen heraus…was mag das für das Album bedeuten?

Das Album erscheint am 25.03.2011 über Tonefloat Records.

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FEAR FALLS BURNING UND DAS ENDE DER NACHT

Posted in Release on December 16th, 2010 by D.K.

fear falls burning - dead of night

Mit der Single “Dead Of Night” meldet sich Fear Falls Burning aus einer etwas längeren Pause zurück. Hinter dem Projekt steht der Belgier Dirk Serries, der dieses Jahr mit seiner Microphonics Reihe durch Deutschland getourt ist. Die 7inch “Dead Of Night” ist der Vorbote des im nächsten Jahr erscheinenden letzten Albums von Fear Falls Burning und das Bindeglied zwischen den “Frenzy Of The Absolut”-Sessions und den derzeitigen Aufnahmen zum neuen Album, das über Conspiracy Records erscheinen wird.

Seite A nimmt den Hörer schon beim ersten Ton auf eine laute Soundreise bestehend aus verzerrten Drones und klar gespielten Gitarrenmelodien mit. Der Sound brodelt vor sich hin, bis plötzlich der Bass einsetzt. Serries hat sich Martina Verhoeven, besser bekannt als Bassistin von 3 Seconds Of Air und Coverartkünstlerin der meisten Fear Falls Burning Platten, ins Studio geholt. Der tiefe Bass umarmt die Gitarrendrones und fügt sich gleichzeitig in das Gesamtbild ein. Seite B schließt an das Hörerlebnis der ersten Seite an und endet mit einem fulminanten Zusammenspiel aus minimalistischen, aber eindringlichen Bass- und Gitarrenlandschaften, die nach sechs Minuten verstummen und das Ende der Nacht besiegeln. Fear Falls Burning anno 2010 ist minimalistischer, etwas lauter und basslastiger als die Jahre zuvor und macht Lust auf mehr.

“Dead Of Night” ist über Dot Dot Dot Music erschienen und in einer Auflage von 300 Stück als Clear oder Red Splatter Vinyl erhältlich.

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LIVETAGEBUCH: MICROPHONICS & N

Posted in ontheroad on November 8th, 2010 by D.K.

N_slowboy

Unser erster Versuch Microphonics (Dirk Serries) und N (Hellmut Neidhardt) in Düsseldorf im Slowboy zu sehen, wurde leider durch einen fiesen Stau und eine noch fiesere Parksituation vor Ort fast zu Grabe getragen. Beim Parkplatzsuchen haben wir Dirk spielen sehen, denn das Slowboy – Plattenladen, Druckerei und Kunstgallerie in Einem – hat zur Straße hin ein großes Schaufenster. Wirklich mitbekommen haben wir dann aber nur das Ende vom N Auftritt. Für uns war klar, dass wir Microphonics und N in Duisburg „nochmal“ sehen müssen. Gestern war es soweit, Tourabschluss im Djäzz. Pünktlich sind wir diesmal, überpünktlich. Dirk Serries und Hellmut Neidhardt legen grad letzte Hand an, die Instrumente und Verstärker stehen mitten im Raum, davor und dahinter gibt’s Sitzgelegenheiten. Nach einer Weile wird klar, dass heute nicht mehr als zehn Leute zu Gast sein werden.

dirk serries microphonics @ djaezz duisburg

Um kurz nach neun beginnt Dirk Serries mit seinem Microphonics Set. Alle sind leise, die ersten Töne erklingen, Serries legt mit seiner Les Paul einen Sound über den nächsten, baut mit Ebow-Einsatz Soundlandschaften, legt klassisch gespielte Melodien darüber, die den atmosphärischen Songs eine dezente Struktur verleihen. So langsam verschwindet der Alltag aus den Gedanken und die Fantasie formt Bilder von Landschaften aus der Vogelperspektive. Leise schleicht sich nach gut 25 Minuten N auf die Bühne und greift sich seine Gitarre. Serries blendet die letzten Töne langsam aus, N fängt leise an. Hier entstehen die Dronesounds aus einer Delay-Loop-Laut-Leise-Fusion. Wie eine Hammond B3 Orgel in Zeitlupe klingen die bedrohlich walzenden Sounds, die N mit seiner speziellen Volume-Pedal Spielweise erzeugt. Die Fantasien, die hier im Kopf entstehen sind, eindeutig düsterer als bei Microphonics.

microphonics + N @ djaezz duisburg

Kennt jemand das Gefühl, das man in dem kurzen Moment hat, wenn man im Traum fällt und dabei aufwacht? So fühlt es sich auch teilweise während des Konzertes im wachen Zustand an. Unglaubliches Gefühl.

N spielt ähnlich lang wie Dirk Serries, es folgt eine kleine Pause und der zweite Teil, den diesmal N beginnt. Die Sinne sind nach einer knappen Stunde Droneklänge sensibilisiert und so geht der leise eingeleitete Song, der zu einem lauten Soundberg mutiert, direkt unter die Haut. Ein Marshall Verstärker von N trägt nur noch den Schriftzug „shall“, was, wenn es Zufall ist, sehr passend ist. N hat das Djäzz mit seiner passend lauten Beschallung fest im Griff, bis er nach mehreren Minuten den Sound seiner Gitarre immer leiser werdend ausklingen lässt und Dirk Serries die Bühne überlässt. Die Sinnesreise geht weiter mit einem weiteren Microphonics Stück, bei dem Serries bildlich anzusehen ist, dass er seine Musik lebt. Sein Oberkörper windet sich um die Gitarre, er wendet sich dem Verstärker zu, wendet sich wieder ab und verändert dabei den Sound seiner Drones. Es ist ein einzigartiges Wechselspiel von Instrument, Musiker und dem restlichem Equipment. Es ist kurz nach elf, die letzten Sounds verhallen im Raum. Erstmal sitzen bleiben und alles gerade erlebte wirken lassen.

N_djaezz

Schön zu sehen, dass es Musiker gibt, die ihre Musik so leben wie Hellmut Neidhardt und Dirk Serries.

Wir machen die Tür auf, verlassen das Djäzz und sind zurück im Alltag, aber wir nehmen eine musikalische Erinnerung mit, die uns niemand mehr nehmen kann.

Die restlichen Bilder aus Düsseldorf und Duisburg findet ihr auf unserer PHOTOS Seite.

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DIRK SERRIES MICROPHONICS

Posted in ontheroad, Release on October 30th, 2010 by D.K.

microphonics

Microphonics ist ein fortlaufendes Projekt des belgischen Gitarristen Dirk Serries, der besser bekannt sein dürfte als Fear Falls Burning oder Vidna Obmana. Unter seinem echten Namen legt Serries nicht nur die Maske des Künstlernamens ab, sondern zeigt sich auch musikalisch von seiner intimsten und fragilsten Seite. Hinter Microphonics verbergen sich live eingespielte Gitarrensessions, bei denen Serries mit seiner Les Paul allein durch Beihilfe von Fuß- und Ebow-Effekten Ambient-Drone-Monumente erschafft. Es ist die Anziehungskraft von subtilen und simplen Gitarrentönen, die hier beim Hörer gewaltige Wirkung erzeugt.

dirk serries

Einige Sessions sind dank Tonefloat Records auf LP verewigt worden und in limitierter Auflage erhältlich. Auf der Sammlung “Microphonics I – V”, die auch auf CD erhältlich ist, sind die ersten Teile der Serie zu hören. Hier hat Dirk Serries 2008 in Tilburg zum ersten Mal einen Einblick in sein Droneuniversum gewährt.

Seit Anfang Oktober ist mittlerweile “Microphonics XIV” über Tonefloat Records erhältlich. Auf der 12inch LP ist der Auftritt von Dirk Serries vom 4. Juli 2010 im Kinky Club in Gent festgehalten. Wie bei allen Sessions spielt hier der Raum, in dem Serries auftritt, eine wichtige Rolle, denn der Livesound erklingt nicht durch die Soundanlagen der Clubs, sondern nur durch den Fender Verstärker von Serries und wird dort direkt aufgenommen und nicht durch das Soundboard gejagt. Somit nehmen die Aufnahmen auch die Atmosphäre des jeweiligen Raumes auf. In Gent ist Serries beispielsweise vom Holzboden der Bühne begeistert gewesen, weil dieser die tiefen Basstöne seiner Gitarre verstärkt hat. Die Rohfassung des Auftrittes könnt ihr euch auf  Fluid Radio im Stream anhören.

Aktuell ist Dirk Serries mit seiner Microphonics Serie auf Tour und spielt zusammen mit N in diversen deutschen Städten. Wer “Microphonics XIX” live miterleben möchte, sollte unbedingt eines der unten aufgeführten Konzerte besuchen.

microphonics n tour 2010


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LIVE: DIRK SERRIES, AIDAN BAKER & STEVE VON TILL

Posted in ontheroad on July 18th, 2010 by D.K.

Ein gemeinsamer Auftritt der drei Drone, Noise und Shoegaze Gitarrenkünstler Dirk Serries, Aidan Baker und Steve Von Till ist für uns Anlass genug vom Ruhrgebiet aus mal eben nach Tilburg rüberzufahren. Freitag Abend ist es soweit, die Batcave des 013 Popcentrum öffnet um kurz vor 21 Uhr ihre Pforten. Trotz der Riesenkirmes im Ort füllt sich der kleine Club ziemlich schnell. Während Dirk Serries sich pünktlich um neun auf seinen Auftritt vorbereitet, sitzen Leah Buckareff und Aidan Baker an der Bar und Steve Von Till läuft im hinteren Teil des Clubs umher.

dirk serries

Dirk Serries eröffnet den musikalischen Abend mit dem fünfzehnten Teil seiner Microphonics Reihe, den er an diesem Abend zum ersten Mal spielt. Obwohl es zuvor ziemlich laut war, verstummt das Publikum sehr schnell und lauscht den Tönen seiner Les Paul. Nachdem Serries einen Klangteppich mit einem Ebow erzeugt und diesen durch Loops weiter verflechtet, bringt er immer wieder neue Variationen ein und baut innerhalb einer halben Stunde eine fragile Spannung auf, die die Hörer aufmerksam mitverfolgen. Ungewohnt ist, dass der Gitarrensound nicht wie bei seinen anderen Auftritten durch den Verstärker sondern durch die Soundanlage der Batcave kommt. Trotzdem ein ergreifender Einstieg.

aidan baker

Der Umbau findet rasch statt und Aidan Baker baut seine Effekt auf einem kleinen Holztisch auf. Im Gegensatz zu Serries, der bei seiner Performance auf einem Hocker sitzt, steht Baker mit seiner Kramer Gitarre hinter seinem Effekttisch. Aidan Baker spielt filigran und abwechslungsreich und setzt neben diversen elektronischen Effekten auch ein Bottleneck und einen Cellobogen ein. Bakers Songs erzeugen eine Raum füllende Atmosphäre und sind trotz ihrer fragil wirkenden Struktur sehr präsent. Beim letzten Song seines Sets erzeugt er mit Hilfe des Cellobogens eine gewaltige Klangwand, die er mit Einsatz von weiteren Effekten immer weiter aufbauscht bis sie in der Batcave verhallt und die Zuhörer ins Staunen versetzt.

steve von till & harvestman

Nachdem die beiden gespielt haben, baut Steve von Till seine Effektboards auf der Bühne auf. Im Vergleich zu Serries und Baker hat Von Till wirklich viel Equipment zu verstauen und zu arrangieren. So dauert es auch etwas länger, bis alles bereit ist. Um kurz vor elf ist es dann soweit und Steve von Till lädt die Zuhörer auf eine 90minütige Reise im “Spaceship” von Harvestman und Steve Von Till ein. Das Set beginnt sehr Harvestman-lastig und Von Till zeigt sich von seiner experimentierfreudigen Seite. Ein Effekt nach dem anderen wird geloopt, zwischendurch setzt der Neurosis Frontmann einen Ebow ein, den er lässig an einer Kette hängend am Gitarrengurt befestigt hat. Was folgt ist eine gelungene Mischung aus folkigen Steve Von Till Songs und experimentellen Dronestücken seines Harvestman Alteregos. Nach einer Stunde sitzen die ersten drei Reihen vor der Bühne und hören Steve Von Tills Gesangs- und Gitarrendarbietungen zu. Die einen wackeln mit dem Kopf, andere haben die Augen geschlossen und machen gar nichts. Sicher ist, dass es allen gefällt.

Was für ein Abend.

UPDATE: Weitere Bilder findet ihr auf unserer PHOTOS Seite und auf Flickr.

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