LIVEBERICHT: HEIRS & ASCETIC

Posted in Aktuell, ontheroad on March 30th, 2013 by D.K.

Es ist mal wieder einer dieser eiskalten Frühlingstage mitten in der Woche, an denen man am liebsten zu Hause bleiben möchte. Doch der innere Schweinehund ist schwächer als die Vorfreude, die Heirs wieder live sehen zu dürfen, und so machen wir uns auf den Weg nach Dortmund zum FZW.

Den Abend eröffnet die lokale Dark-Wave-Band Atomic Neon, die eine ganze Menge Fans mitgebracht hat. The Cure sind hier ganz großes Vorbild, das ist nicht zu überhören. Technisch perfekt, aber die Seele bleibt unberührt. Leider spielen die Damen und Herren aus Essen eine volle Stunde, viel zu lang.

Ascetic ist ein bisher unbekanntes Trio aus Australien, das in der Heimat über OSCL Records, von Heirs Drummer Damien Coward, sein Debüt veröffentlicht hat, das hier zu Lande diesen Monat über Golden Antenna Records rausgekommen ist. Mittlerweile spielt Damien die Drums bei Ascetic, was ja für die gemeinsame Tour mehr als praktisch ist. Der Sound von Ascetic wandert auf Platte in Richtung Post-Wave mit shoegazigem Touch und elektronischen Finessen und erinnert besonders wegen der tiefen monotonen Vocals an eine moderne Version von Joy Division. Live sind Ascetic rauher und rockiger. Bass, Drums und effektbeladene Gitarre und sehr viel Lust am Spielen, das sind Ascetic. Besonders die Tracks, bei denen der Bass wie eine Welle über einen rauscht, beeindrucken einen am meisten.

Es ist Zeit für Heirs. Mittlerweile auch bei Golden Antenna Records und kurz vor der Veröffentlichung des dritten Albums. Das letzte Mal, als wir die Heirs gesehen haben, waren sie zu dritt, weil Gitarrist Ian ausgestiegen war. Mittlerweile ist auch Bassistin Laura ausgestiegen und um so spannender war es an dem Abend zu sehen, wer denn jetzt die Heirs auf der Bühne sind. Die Band betritt die in Nebel verwobene Bühne. Ascetic plus Urgitarrist Brent sind es, naheliegend und ebenfalls doch sehr praktisch. Ein Loop setzt ein und schafft Atmosphäre für den ersten Track. Doch zunächst passiert nichts. Dann fängt ein nervöser Brent an, an seinen Effektgeräten zu fummeln. Notoperation an den Pedalen und Kabeln. Die ganze Band hat sich um das Effektebrett versammelt und versucht die Technik wieder zum Laufen zu bringen. Nebel, Loop, noch mehr Nebel, noch mehr Loop und irgendwann sind wir uns einig, dass ein 30minütiger Loop echt geil ist. Nachdem klar ist, dass mehrere Kabel und zwei Effektgeräte spontan den Geist aufgegeben haben, steht die Technik wieder. Das Loop (der Loop? wie auch immer…) wird abgelöst vom ersten neuen Track. Massiv und flächiger als bisher Gehörtes ist das neue Material. Noise-Doom vom Feinsten und hier bleibt die Seele nicht unberührt. Die Tracks fließen durch die Ohren ins Gemüt. Alte Tracks werden vom Publikum wie Hits gefeiert. Die neuen Musiker am Bass und der zweiten Gitarre verleihen den alten Tracks neue Nuancen. Als Abschluss gibt es “Drain” vom letzten Album in einer noisigen Version, die genau wie der Nebel den Club im FZW einhüllt. Dann ist Schluss. Das können Heirs sehr gut. Schluss machen, dann wenn man es nicht erwartet. Schade aber doch schon schön. Ein kalter Mittwoch, der in Erinnerung bleiben wird.

Tags: , , , , , ,

LIVETIPP: SCOTT KELLY & N

Posted in Aktuell, ontheroad on December 9th, 2012 by D.K.

scott_Kelly_N.jpg

Für alle, die es auf unserer ONTHEROAD-Seite übersehen haben könnten:

Am Dienstag ist es soweit. Scott Kelly ist endlich wieder zu Besuch in der Dortmunder Pauluskirche. Wer die letzten beiden Male dabei war, muss hier sicherlich nicht überzeugt werden. Alle anderen sollten eigentlich auch nicht überzeugt werden müssen… Der Abend wird von N eröffnet. Es wartet also ein Abend mit massiven Gitarrendrones und massiven Vocals auf euch.

Dienstag zeitig Feierabend machen und ab nach Dortmund, geht früh los.

Tickets gibt es auch im Vorverkauf und zwar genau hier…

scott kelly in der pauluskirche dortmund

Tags: , , , , , ,

LIVEBERICHT: KYUSS LIVES!

Posted in ontheroad on August 6th, 2011 by D.K.

kyuss_lives_live

Kyuss, die Desertrocklegende aus den 90er Jahren, wiedervereint zu Kyuss Lives, um durch die Welt zu touren und die Musikgemeinde daran zu erinnern, wer den tiefgestimmten Bluesmetalsound salonfähig gemacht hat. Ich weiß noch genau, wie ich auf Kyuss gestoßen bin: Es war eine Sendung namens “Wah Wah” auf dem ersten deutschen Musiksender, der ebenfalls in den Neunzigern ins Leben gerufen wurde. Da lief dann dieses braunstichige, mysteriöse Video von “Demon Cleaner”, in dem eine tiefe Soundwalze auf den filigranen Gesang von John Garcia traf. Ab in den Plattenladen, damals noch ein gut sortierter Teil im bergischen Elektonikmarkt, und sofort “Sky Valley” gekauft. Nach dem ersten Hören war klar, dass “Demon Cleaner” nicht der repräsentativste Song der Band war, denn markantes Merkmal des Kyusssounds waren nicht nur die basslastigen Saiteninstrumentklänge, sondern auch Garcias Reibeisenstimme. Ein Album später war plötzlich Schluss und was einem blieb, waren vier Alben und eine sehr gelungene Raritätenbestofplatte. Viele, viele Jahre später spielten dann Brant Bjork und Nick Olivieri ihre Solosets in der Bochumer Matrix und überraschten das Publikum mit einer gemeinsamen Zugabe, bei der sie Kyusssongs im neuen Gewand präsentierten. Da ging mir durch den Kopf, dass die Herrschaften doch eigentlich mal wieder mit dem Herrn Garcia musizieren könnten, wenn sie schon Kyuss Material anspielen. Nochmal viele, viele Jahre später ist aus dem Wunschdenken Realität geworden und die drei haben sich zusammen mit Gitarrist Bruno Fevery zusammengetan. Und nun nach dem Lebensbericht zum Livebericht.

Voll ist es vor dem FZW, als wir ankommen. Eine Schlange gemischt aus Jung und Alt, Rockern und Metaltypen. Die Halle ist schnell gefüllt und um 21 Uhr geht das Licht aus und ein Orchester aus der Tube leitet das Ende des jahrelangen Wartens ein. Brant Bjork betritt als erster die Bühne und beginnt das Set hinter den Drums. Die restlichen Kyuss-Söhne kommen auf die Bühne. Nick Olivieri ist kurzfristig ausgefallen und wird durch Scott Reeder ersetzt, der ja nicht weniger Kyuss ist als Nick und mit seinem leuchtenden Bass barfuss vor seinen fetten Amps steht. John Garcia im dunkelroten Hemd, mit Zopf und Sonnenbrille, also genau das Bild, das man erwartet hat. Bruno Fevery als einziger Nicht-Alt-Kyuss-Mann fügt sich gut ins Gesamtbild ein. Das Set ist schwer “Sky Valley”-lastig, “Gardenia” walzt als zweiter Song durch die Reihen, die halbe Halle tobt. Endlich mal die Phrase “Get back… Motherfuckaahhhh…” live hören. Nachdem sich die Band warmgespielt hat, nehmen die Songs einen eigenen Flow an, der auch geprägt ist von Feverys Gitarrenstil. Schon alleine weil er nicht wie Josh Homme durch Bassamps spielt, entwickelt der Sound seiner Gitarre einen eigen Charme. “Freedom Run” beispielsweise groovt verdammt cool und Garcia holt alles aus seiner Stimme raus. Brant Bjork, wie immer gut gelaunt und bis über beide Ohren grinsend, spielt mit Publikum und Drumset und könnte so energetisch wie er da abgeht einen kleinen trommelnden Hasen einer Batteriefirma als Maskottchen ablösen. Sie genießen es wieder zusammenzuspielen und gefeiert zu werden. “One Inch Man” bringt so gut wie alle zum Toben. Einer der Höhepunkte ist auch “El Rodeo” mit seinem fiesen Gedröhne und den eindringlichen “Rodeooooooohhhhhh” Vocals. Wenn man da so steht und die Bässe durch sich fliessen lässt, ist es nicht verwunderlich, dass ich heute auf Drone und Doom Bands stehe. Der junge Mann mit der Karottenhose, der die ganze Zeit stocksteif vor mir steht, wird auch irgendwann vom Groove der Band mitgerissen und fängt an, unkontrolliert mit dem Kopf zu wackeln. Kyuss kriegen sie alle. Und es sind wirklich Kyuss, der Namenszusatz ist hier überflüssig. Das Ganze geht mit Zugabe bis um 23 Uhr, bis der Zirkus die Stadt wieder verlässt. Yeah!

kyuss_lives_live

Tags: , , , ,

LIVEBERICHT: NEUROSIS & UFOMAMMUT

Posted in ontheroad on July 31st, 2011 by D.K.

Manche Bands lassen einen immer am langen Arm verhungern, wenn es ums Warten auf neue Platten und Konzerte geht, so auch die Avantgarde-Post-Core-Metal-Doom-Sludge-Rocker von Neurosis. Um so größer ist dann die Freude, wenn die Durststrecke ein Ende hat. Zwar ist das neue Album noch nicht im Kasten, aber die Songs sind geschrieben und die kleine Europatour wird zum Warmspielen und Präsentieren des neuen Materials genutzt. Das FZW in Dortmund ist der Ort des Geschehens. Dort angekommen erwartet uns schon die erste nicht überraschende Tatsache, dass “nur” Ufomammut als Support dabei sind und nicht wie die FZW-Homepage versprach auch Amenra. Egal, dank funktionierendem Netzwerk der Fan-Band-Gemeinde war man ja darauf vorbereitet.

Die Halle füllt sich schnell, nachdem die drei Italiener von Ufomammut den Abend eröffnen. Der Bandname ist hier Programm. Das Ufo steht für das sphärisch-psychedelische und das Mammut für das schwerfällig-doomige im Sound der Band und das stellen die drei eindrucksvoll unter Beweis. Effektverzierte Basstöne, rockige Drums und eine derbe verzerrte Gitarre, die auch ungespielt vor sich her dröhnt. Feine Sache.

neurosis_steve_von_till.JPG

Es folgt eine lange Umbauphase, in der neben der Crew auch immer wieder die Neurosis Bandmitglieder auf der Bühne auftauchen, um an ihren Instrumenten rumzuprobieren. Dann folgt lange nichts und dann doch noch mal ein Soundcheck für Mikros und PA. Und das Ganze streckt sich und streckt sich bis dann plötzlich Neurosis auf die Bühne kommen, kein Spannungsbogen, auf einmal stehen die Fünf da. Wir stehen in der ersten Reihe vor Scott Kelly und die Soundwand des ersten Songs überrollt einen wie eine innere Walze. Die Videoshow im Hintergrund gewohnt düster. Was aber schon am Anfang auffällt und sich durch den ganzen Abend zieht ist, dass vorne die Vocals nicht gut zu hören sind und die Lichtshow irgendwie keine Lichtshow ist, sondern die Band sehr oft in zu hellem Licht steht. Die beiden Frontmänner Scott Kelly und Steve von Till sind schon verdammt eindrucksvoll düster blickende Gestalten. Von Till steht kaum still, verdreht seinen Körper, bangt ständig mit seiner Glatze hin und her. Kelly dagegen steht meist breitbeinig mit der Gitarre so tief wie möglich hängend da. Die restlichen Bandmitglieder halten sich dezent im Hintergrund. Die Setlist überspannt wie gewohnt eine größere Schaffensphase der Band und so dürfen Songs wie “Given To The Rising”, “A Season In The Sky” oder “Belief” nicht fehlen. Aber auch der neue Song “At The Well” ist dabei, der stilistisch da anknüpft, wo das letzte Album aufgehört hat. Je länger das Konzert andauert, desto unruhiger wird die Band. Von Till wackelt immer unkontrollierter, Kelly kickt mit einer Kopfnuss sein Mikro von der Bühne und Noah Landis zerlegt seinen Keyboardständer. Als Abschluss gibt es wie vor drei Jahren in Köln “Through Silver In Blood” mit imposantem Gruppengetrommel. Als wir die Halle verlassen und an die frische Luft kommen, meldet sich auch der Kreislauf, der die Show gar nicht gut fand… aber das gehört nun mal dazu.

neurosis_scott_kelly

Tags: , , , ,

LIVEBERICHT: RUSSIAN CIRCLES & BORIS

Posted in ontheroad on July 24th, 2011 by D.K.

Samstagabend von der einen Ecke des Ruhrpotts zur anderen nach Dortmund in das FZW zum Boris & Russian Circles Konzert, das dauert schon ganz schön lang. Im FZW angekommen spielt die Vorband Saade schon ihren letzten Song. Saade kannte ich vorher nicht, aber ein Blick auf die Bühne verrät, dass ein Teil des Gitarre-Drum-Duos der Tourmanager von Bands wie Boris oder Mono ist. Klein ist die Welt.

russian circlesrussian circles

Als erster Headliner treten Russian Circles um kurz nach Acht auf. Das große Drumset (erheblich größer als das dahinter stehende von Boris) steht mittig am vorderen Bühnenrand. Rechts davon der Bassist und links der Gitarrist. Mike Sullivan an der Gitarre ist die treibende Kraft auf der Bühne. Er legt die ersten Loops, die unglaublich präzise sind und die Band nach nur knapp 2 Minuten wie eine Drei-Gitarren-Combo klingen lassen. Der drahtige Dave Turncrantz wirkt hinter seinen großen Drums etwas verloren, doch dass er diese unter Kontrolle hat beweisen die ersten Druckwellen, die schon beim ersten Song das erste Ohnmachtsopfer fordern. Links stehend sieht man dank vorgerückten Drums so gut wie nichts von Bassist Brian Cook und zu hören ist er zu Beginn auch nicht, weil irgendwas am Sound nicht klappt. Trotzdem haben sich die drei schnell warm gespielt und präsentieren ihren instrumentalen Postrock-Meets-Metal-Sound, der nicht umsonst viele Anhänger gefunden hat. Mike rast mit seinen Fingerkuppen über die Gitarrensaiten, Dave haut alles an Rhythmus raus was machbar ist und Brian legt fette Basslinien in den Hintergrund. Rock´n`Roll!

boris

Das Gute an Clubabenden, bei denen im Anschluss eine Party stattfindet, ist die Tatsache, dass alles sehr stark nach Zeitplan geht. Und so ist die Bühne auch schnell für Headliner Nummer 2 hergerichtet. Boris betreten die Bühne und als kleine Überraschung ist der japanische Kultgitarrist Michio Kurihara als vierter Mann dabei. Alle in Schwarz gekleidet, alle cool wie sonstwas. Es geht los mit “Riot Sugar” , “8″ und “Statement”, die vier Japaner rocken, leider ist der Gesang nicht wirklich gut zu hören (vorne zumindest), aber die Show ist trotzdem gut. Atsuo hampelt sich mit seiner Mangafigurfrisur einen an den Drums ab und zieht dabei die skurillsten Grimassen (von wegen Japaner beherrschen sich immer), Wata dagegen spielt ihre Gitarre konzentriert und bewegt nur die Augen und ihren Oberkörper.
boris

“Attention Please” als einziger Beitrag vom neuen, gleichnamigen Album, dann “Window Shopping” vom neuen Heavy Rocks, nicht heavy, sondern cool Bass und Drums lastig, fast schon sowas wie ein gerockter Dancesong (und immer wieder die Frage im Kopf, möchte man wissen was da auf japanisch gesungen wird?). Takeshi wandert auf seinem zweihälsigen Bass-Gitarre-Instrument hin und her, Michio bearbeitet seinen Gitarrensound mit verschiedenen Effekten und legt Soundlandschaften in den Hintergrund. Kurz vor Ende dann mit “1970″ und “Pink” sowas wie Boris-Hits und als Abschluss das epische “Aileron” in der Heavy Rocks Version. Die künstliche Nebelwand verschwindet, die Lichter gehen an.
boris

Tags: , , , , , ,

MULTER – BERGE IM BUNKER

Posted in Kunst, Release on April 10th, 2011 by D.K.

[Multer], das sind Hellmut Neidhardt und Mal Hoeschen aus Dortmund. Multer gibt es seit Ende der 90er Jahre, schon immer zu zweit, zwischendurch auch mal zu dritt. [Multer] bewegen sich in den Zwischenwelten von Elektronik und Ambient und zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich nie auf einen typischen Sound festlegen. Experimentierfreudigkeit, ohne den Faden zu verlieren, ist hier das Motto.

multer artwork

Lange war es ruhig um [Multer], Mal Hoeschen hat zwischenzeitlich das Label Genesungswerk, das zusammen mit [Multer] ins Leben gerufen wurde, weitergeführt und Hellmut Neidhardt ist seit einigen Jahren mit seinen epischen Gitarren-Drones unter dem Künstlernamen N unterwegs.

bergeimbunker

Mit „Berge im Bunker“ geben [Multer] endlich wieder ein Lebenszeichen. Zunächst einmal das Eindruck schindende Artwork. Zwei dicke graue Pappen, an drei Seiten aneinandergetackert, und dazwischen ein Silberling mit zwei Songs. Ursprünglich als musikalische Untermalung eines Ausstellungsraumes der Ausstellung „Berge im Bunker“ von Barbara Meisner geschrieben, haben [Multer] sich des 18minütigen Songmaterials angenommen und es für das 36minütige Album überarbeitet.

multer artwork

Eine Gitarrenmelodie erklingt im ersten Song “Pionierpflanzen”, um direkt wieder im Nichts zu verklingen. Sekundenlang passiert nichts. Dann erneut dieselben Gitarrenklänge. Nach jeder Wiederholung weitet sich der Hall zum Ende der Melodie aus und nach einigen Wiederholungen ist man als Hörer an den Rhythmus gewöhnt und wird immer weiter in die Soundwelt von Multer entführt. Ein Gongton gesellt sich zur Gitarre, dann Minuten später auch Fieldrecordings aus dem Strassenverkehr. [Multer] haben Zeit, [Multer] lassen sich Zeit, [Multer] geben uns Zeit, die Musik zu hören, zu spüren, zu erfahren. “Pionierpflanzen” geht in “Erinnerungsflöze” fließend über, ist sozusagen ein Song, der in zwei Segmente unterteilt ist. Jetzt setzt auch ein minimalistischer Orgelton ein, der die bisherigen Soundcollagen untermalt. Eine dramaturgische Steigerung erfährt “Erinnerungsflöze” durch immer lauter werdende Fieldrecordings von industriellem Gehämmer. Am Ende bleibt das, womit das Album begonnen hat. Der im Nichts verhallende Gitarrenton.

multer artwork

Berge im Bunker ist in einer Auflage von 200 Silberlingen auf dem belgischen Label Consouling Sounds erschienen.

Tags: , , , , , ,

LIVE: AIDAN BAKER & RIVULETS

Posted in ontheroad on March 9th, 2011 by N UND D.K.

Freitagabend, Feierabend, ab nach Dortmund ins Subrosa, denn
Aidan Baker
und Rivulets treten dort auf. Die letzten Konzerte in der Umgebung des Subrosa waren echt gut, wie Scott Kelly in der Pauluskirche oder Dirk Serries und N im Keller des Künstlerhauses. Erwartungen also groß.

aidan baker

Im Subrosa angekommen wird schnell klar, das hier ist ein ganz normaler Freitagabend im Subrosa. Freier Eintritt, Lonely Hearts Club Party, Stammgäste und Aidan Baker und Rivulets und ein paar Fans der beiden sind auch mit dabei. Merchstand ist ein abgedeckter Fußballkicker, Aidan sitzt in der Ecke und schaut sich das Ganze mit einem vom Bart verdeckten Grinsen an. Irgendwann, nach vielen schmachtvollen Balladen aus dem Off, darf er dann auch auf die Bühne. Das bemerken allerdings nicht viele der Gäste. Aidan Baker hat grad angefangen einen Loop als Hintergrunduntermalung aufzubauen, da hört man zwei hochsympathische Frauen laut und gehaltvoll quatschen: „und schmeckt es dir?“- „ja, aber es ist heiß“…

Okay, unsere einzige Chance ist es, uns zwei Barhocker zu schnappen, uns direkt vor Aidan zu setzen und uns auf die Musik zu konzentrieren. Aidan Baker hat an diesem Abend eine zwölfsaitige Akustikgitarre dabei, die er mit einem tragbaren Tonabnehmer an sein Effektboard angeschlossen hat. Er spielt Stücke von seiner neuen Drone-Folk Platte „Only Stories“, aber auch altbekannte Lieder aus seinem Songs-Mit-Vocals-Oeuvre. Baker schafft die Gradwanderung zwischen folkig und dronig-experimentell, so dass die Songs die ganze Zeit unter Spannung stehen, genau wie die Akustikgitarre, die sich immer wieder mit Feedbackeinschüben meldet, was das Konzert aber nicht negativ beeinflusst. Höhepunkt ist dann das Loopauftürmen gegen Ende des Sets. Aidan Baker baut mit dem Cellobogen, mit einem Bottleneck und diversen Effekten eine Soundwand auf, die nach einigen Minuten im zufriedenen Geklatsche der wenigen anwesenden Fans verstummt.

aidan baker

Also: eigentlich ein wirklich schönes Konzert; oder besser: das hätte ein wirklich schönes Konzert sein können, wenn die Umgebung (und hier ist einfach mal gemeint: die anderen Anwesenden) es zugelassen hätten. Es scheint nicht wirklich zu funktionieren, Konzerte mit freiem Eintritt anzubieten, die Gefahr, dass (zu viele) Leute dieses Angebot dann nur als (wenn überhaupt) willkommene Tapete begreifen und ansonsten normales Kneipenverhalten an den Tag legen (d.h. quatschen bis wer auch immer kommt), die ist mehr als realistisch. Und das besonders dann, wenn die Bühnenlautstärke nicht so richtig Bühne sein darf (wegen der Nachbarn, ganz genau…).

Interessant dann der Gleichmut, mit dem Aidan Baker das hingenommen hat; während andere Künstler in einer solchen Situation auch schon mal gern den einen oder anderen bösen Blick ins Publikum werfen oder ihren Set ein wenig abkürzen, blieb Aidan Baker ganz auf seine Musik konzentriert, geradezu versunken, eins mit dem Drone…

Rivulets, auch ein Mann, eine (Elektro-)Gitarre, eine Stimme, dann mit deutlich extrovertierterer Bühnenhaltung; vielleicht auch ein bisschen genervt von dem bis auf ein paar Ausnahmen im groß gleichgültigen Publikum zuvor: Blickkontakt zum Publikum, Bewegung auf der Bühne statt sitzen… Aber, um ehrlich zu sein: an diesem Abend waren die Ignoranten in der Überzahl, und bevor diese es überhaupt bemerkt hatten, dass es da etwas jenseits von Konserve zu hören (und sehen) gab, war das Doppelkonzert auch schon zu Ende…

rivulets

Mehr Fotos von Aidan Baker im Subrosa findet ihr hier.

Tags: , , ,

LIVE: BRANT BJORK & THE BROS

Posted in ontheroad on April 17th, 2010 by D.K.

brant bjork and the bros @ piano in dortmund

Gestern war es endlich wieder so weit. Brant Bjork und seine Brüder spielen live im Ruhrgebiet. Erstmalig im Dortmunder Musiktheater Piano, das als Veranstaltungsort an sich “ein echt komischen Laden ist”, um das mal mit den Worten eines Einheimischen zu sagen. Inmitten einer Wohngegend auf der Lütgendortmunderstraße steht dieses denkmalgeschützte Gebäude, das einst eine Bäckerei und ein Gasthaus beinhaltete. Rein geht es durch eine typische Eckkneipe, vorbei an der Theke, vorbei an einem Kicker- und Billard-Raum und nochmal vorbei an den Toiletten und schon ist man im Konzertsaal. Nicht ganz. Die Tür ist noch zu, denn es wird noch munter Sound gecheckt. Der Vorraum füllt sich mit den Konzertbesuchern. Es ist eine bunte Mischung aus jungen Leuten, langhaarigen Jeans-Jacken-Trägern und der etwas älteren Leder-Jacken-Fraktion.

Nachdem der Soundcheck beendet ist beginnt endlich der Einlass und wir betreten den alten Jugendstilsaal des ehemaligen Gasthauses. Es dauert auch nicht lange und die drei Australier von Ahkmed betreten die Bühne und geben ein kurzes aber überzeugendes Post-Stoner-Rock-Set zum Besten. Nicht nur wegen des singenden Drummers ein beeindruckendes Erlebnis. Danach geht es leider nicht so überzeugend weiter, denn die drei Acid-Rocker von Vibravoid spielen viel zu lange und viel zu experimentierfreudig. Muss man mögen, wir tun es nicht.

brant bjork live

Zwei Stunden nach offiziellem Konzertabendbeginn betreten Brant Bjork und seine drei Bros die Bühne. Mit einem lauten “Freaks Of Nature” werden die Ohren der Hörer erstmal für den Rest des Abends konditioniert, denn es geht groovig, laut, lässig und vor allem rockig weiter. Der Boogieman des Stoner-Rock und seine Bros spielen sich durch eine gelungene Mischung aus alten und neuen Songs und zeigen sich in Höchstform. Nach zehn knackig kurzen Songs kniet Brant Bjork auf dem Boden und stimmt seine Gitarre nach, denn es folgt das derb tief gespielte “Lazy Bones / Automatic Fantastic” vom Debüt “Jalamanta”. Die Freude ist nicht nur dem Publikum ins Gesicht geschrieben, denn auch der Chef persönlich (siehe Foto) hat Spass an der Sache. Das Set ist vorbei, die Band verlässt die Bühne. Aber unter stadionhaftem Jubel kommen die Vier nochmal auf die Bühne. Brant Bjork ruft seinem Bassisten “Chiefs…Big Chiefs” zu und die Zugabe beginnt mit einem extra langen “Too Many Chiefs…Not Enough Indians”. Nachdem die erste Zugabe fertig ist und die Band wieder die Bühne verlässt und das Publikum immer noch jubelt folgt natürlich eine weitere Zugabe, denn Brant Bjork & The Bros sind cool und rocken bis um Mitternacht. Yeah!!!

Mehr Fotos aus dem Piano gibt es auf unserer PHOTOS Seite.

Tags: , , , , ,

LIVE: MONO IN DORTMUND

Posted in ontheroad on March 24th, 2010 by D.K.

mono live im fzw dortmund

Es ist egal wie oft man die Japaner von Mono live gesehen hat, die Freude ist immer so als wäre es das erste Mal. So war es auch gestern auf dem Weg nach Dortmund ins FZW. Eines von zwei Deutschlandkonzerten auf der aktuellen Europatour und wir sind dabei.

Kom, die leider ausfallen, werden kurzfristig durch Teamforest ersetzt, welche versuchen die wartenden Gäste in ihre Ambientwälder zu entführen. Allerdings fehlt den beiden Teamforests eine gewisse Bühnenpräsenz und so geht die Musik etwas unter, genauso wie die beiden auf der Bühne hinter ihren Laptops sitzend untergehen. Schade.

Nach einer Umbaupause setzen die ersten Streichertöne vom Band ein und langsam erahnt man, dass gleich die vier Japaner kommen werden. So ist es auch und Mono betreten die Bühne, greifen zu ihren Instrumenten und die ersten Töne von “Ashes in The Snow” erklingen. Der Sound ist überzeugend und so werden auch die letzten sich unterhaltenden Besucher im Publikum still. Die Dramaturgie der einzelnen Songs ist ergreifend, schon allein den beiden Gitarristen beim Spielen zuzuschauen versetzt einen in pures Staunen. Beim Übersong “Yearning” erreicht das Konzert seinen Höhepunkt. Hier sind alle Stärken von Mono vereint und so treffen ruhige Gitarrenparts, sich steigernde Melodien und noisige Ausbrüche zusammen. Wackelnde Köpfe, geschlossene Augen und andächtiges auf die Bühne Blicken seitens des Publikums sprechen für sich. Danke Mono!

setlist mono fzw dortmund

Mehr Fotos vom Konzert findet ihr auf unserer PHOTOS Seite.

Tags: , , , ,

LIVE: LICHENS & OM

Posted in ontheroad on February 5th, 2010 by D.K.

Die Freude war groß als wir erfahren hatten, dass Om zusammen mit Lichens im FZW in Dortmund auftreten werden. Dementsprechend hoch waren aber auch unsere Erwartungen. Gestern war es dann endlich soweit. Im FZW angekommen lächelt uns Robert Lowe alias Lichens am Merchstand entgegen. Ein sehr sympathischer Mann, der ungefragt den Sound seiner zum Verkauf präsentierten Platten so gut beschreibt, dass ein Kauf unumgänglich ist.

lichens live in  dortmund

Nach einer kleinen Wartephase füllt sich der Club im FZW und Herr Lowe nimmt mit einem Tee in der Hand auf der Bühne platz, umgeben von Gitarre, Mikro und Effektgerätschaften. Was folgt ist eine Looping Reise vom Feinsten. Lowe setzt mit der Gitarre ein, deren Sounds sich über einen Loopingeffekt stetig wiederholen. Nachdem die Gitarre ihre Soundfläche ausgebreitet hat, greift Lowe in aller Ruhe zum Mikro und fängt an Zwitschergeräusche zu loopen, die nach kurzer Zeit mit den Gitarrenloops verschmelzen. Das sympathische Gesicht vom Merchstand verwandelt sich auf der Bühne zu einer Grimasse. Lichens scheint wie in Ekstase, er fügt dem Sound ständig neue wörterlose Vocals hinzu, mal mit hoher, mal mit tiefer Stimme. Seine Augen sind verdreht, seine Hand verkrampft. Nach ungefähr 20 Minuten hallt der Song aus und Lichens verlässt die Bühne. Überzeugend!!!

om live in dortmund

Nach einer kurzen Pause betreten Al Cisneros, Emil Amos und Robert Lowe die Bühne. Da sind sie, nun Om in ihrer aktuellen “God Is Good” Besetzung. Cisneros setzt mit seinem Bass ein, Amos folgt mit den Drums und Lowe kümmert sich um die Percussion und alle weiteren Backing Sounds. Anfänglich hinkt der Basssound etwas hinterher, doch das legt sich schnell. Die Band scheint in Höchstform, der hyperaktive Amos schmettert ein unglaubliches Drumspiel hin und Cisneros Finger fegen über die Basssaiten, so dass man gar nicht mehr aus dem Staunen kommt. Beim Singen starrt Al Cisneros in die Luft und wirkt wie jemand, dessen Körper von einem fremden Wesen eingenommen wurde, das zum Publikum spricht. Die Setlist bietet eine gute Mischung von den groovigen Nummern des aktuellen Albums bis zu den älteren Mammutwerken wie “At Giza”. Nach knappen 45 Minuten haben sich Om durch das Set gespielt und verlassen die Bühne. Doch die Zugabe lässt nicht auf sich warten und Cisneros und Amos kommen nochmal auf die Bühne und spielen eine besonders laute Zugabe, bei der Cisneros einzigartiger Basssound besonders zur Geltung kommt. Genial!!!

Mehr Bilder vom Konzert gibt es auf unserer PHOTOS Seite.

Tags: , , , , , ,