THISQUIETARMY

Posted in Release on January 27th, 2012 by N

Thisquietarmy aka Eric Quach aus Kanada. Ein Mann und seine Gitarre (hauptsächlich; + Synth, + Drummachine). Wer thisquietarmy nur von Kollaborationen kennt, zum Beispiel der „Death Valley“ mit Yellow6, der „Meridians“ mit Scott Cortez oder der vor nicht so langer Zeit wiederveröffentlichten „Orange“ mit Aidan Baker, hat die eine Seite von thisquietarmy kennengelernt: die, die Atmosphäre und freies Fließen in den Vordergrund stellt. Stücke entwickelt, die gerade über die lange Laufzeit ihre hypnotische Wirkung aufbauen können. Auf seinen Soloalben dagegen bevorzugt Eric Quach jedoch überraschenderweise oft ein kürzeres, fokussierteres Format; Atmosphäre galore auch hier natürlich, aber gleichzeitig im Arrangement und Aufbau fast so etwas wie Songs, nur das diese meistens ohne Worte, ohne Gesang bleiben.

thisquietarmy_by_Sandrine_Castellan

So auch auf dem „Resurgence“ Album, das als opulentes 6-Panel Digipack mit Bonus-CD und Doppel-LP + 7inch erschienen ist (wobei letztere Version leider das Allem oben gesagten wie zum trotz 19.22 Minuten lange „The Cold Vacancy“ fehlt) und das schon gleich mit dem zweiten Stück, „Revival“, diese spezielle Art des Thisquietarmy „Songs“ par-excellence vorführt: Über treibendem Drum-Programming ein verhaltener wie undurchdringlicher Noise-Teppich, eng gewirkt und darüber wiederkehrende Gitarrenmotive im Wechsel mit Synththemen. Durchaus mit Pop-Appeal (definitiv nicht negativ gemeint, sondern im Sinne von: schöne Melodie, die man auch nachpfeifen könnte). Mich erinnert die Atmosphäre, die diese Art von Komposition bzw. Sound ausstrahlt fast eher an einige französische Vertreter aus dem Wave-Bereich Anfang der 90er wie Mary Goes Round oder Little Nemo.Und, einmal auf dieser Fährte, scheinen(?) auch die freieren, perkussionslosen Stücke diesen Geist zu atmen. Aber bitte nicht falsch verstehen: das sind Assoziationen, hervorgerufen durch Details in Gestus und Sound, kein Revivalvorwurf (obwohl interessanterweise das genau so benannte Stück mit seinem zusätzlich hämmernden Bass ganz besonders in diese Richtung zu zielen scheint).

thisquietarmy resurgence

Auch auffallend: ein paar Motive und Sounds kehren im Laufe von „Resurgence“ immer mal wieder, sorgen für eine Klammer, fassen zusammen und lassen das ganze sehr homogen wirken… und das, ohne das es irgendwann langweilig würde; Hut ab. Das Mixing, die Tatsache, dass auch (Analog-) Synths bisweilen die Regie gegenüber der allmächtigen Gitarre übernehmen und die punktuelle Integration von (Frauen) Vocals tun dazu ihr Übriges…

…und noch etwas zu dem Stück, dass es trotz aller Formaterweiterungen nur auf die Doppel-CD geschafft hat: die gut 19 Minuten von „The Cold Vacancy“ sind so etwas wie eine perfekte Coda: fast 12 Minuten des extrem ruhigen Aufbaus und dann „erst“ die Verdichtung. Und zwar ohne damit (an dieser Stelle: unnötig) die Stimmung des Stücks zu kippen oder kippen zu wollen.
Schlicht ein perfektes Album.

Auf Denovali Records erschienen.

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BASSES FREQUENCES ZUSAMMENKÜNFTE

Posted in Label, Release on October 22nd, 2011 by D.K.

Das französische Label Basses Frequences veröffentlicht seit einigen Jahren schon experimentelle Musik von Künstlern wie Locrian, Nicholas Szcepanik, Celer oder Nadja. Aber vor allem die Kollaborationen, die auf dem kleinen Ein-Mann-Label erscheinen, haben es uns angetan. Im Folgenden wollen wir euch diese etwas näher vorstellen.

THISQUIETARMY & YELLOW 6

death_valley

Eric Quach (Thisquietarmy) und Jon Attwood (Yellow 6) haben sich 2009 nach einem kanadischen Festival, auf dem beide aufgetreten sind, in Erics Studio in Montreal verzogen und dort eine gemeinsame Session eingespielt und aufgenommen. Das Resultat ist zunächst ein paar Monate liegen geblieben, bevor es dann in die Hände von Fear Falls Burning (Dirk Serries) gegeben wurde, um für eine Vinylveröffentlichung gemastert zu werden. Das Resultat sind die beiden 12inch Platten “Death” und “Valley”, benannt nach der kalifornischen Wüste, die wohl auch der Ideenpool für die eingespielten Songs war. Im Gegensatz zu den Soloveröffentlichungen der beiden Gitarristen sind die sechs Songs auf diesen beiden Platten erstaunlich zurückhaltend und minimalistisch. Niemand drängt sich in den Vordergrund, niemand versucht der Musik sein Label aufzudrücken. “Death” und “Valley” sind zwei beeindruckend intensive Dokumente einer winterlichen Session, in der beide Musiker erschöpft von vorherigen Ereignissen einfach nur zusammen gespielt und dabei einen gemeinsamen Soundfluss gefunden haben. Einfach die Nadel auf das Vinyl setzen, laut aufdrehen und eine Reise durch die Wüste antreten.

AIDAN BAKER & KEVIN MICKA

aidan_baker_and_kevin_micka_green_figures

Ebenfalls 2009 in Montreal entstanden ist die Kollaboration zwischen Aidan Baker (Nadja) und Kevin Micka (Animal Hospital). Auf “Green Figures” ist ein gemeinsamer Auftritt der beiden Musiker zu hören, den Eric Quach glücklicherweise aufgezeichnet hat. Denn die drei Songs aus Aidan Bakers bekannteren Alben “Green & Cold” und “Figures” erfahren durch die Livedrums Begleitung von Kevin Micka eine ganz neue Dynamik und Struktur. Die Songs werden langsam aufgebaut, die Drums fügen sich subtil ein und gehen mit Bakers Loops eine Fusion ein, so dass die Songs ganz neue Facetten erlangen. Eine Liveplatte, die definitiv nicht nur was für Aidan Baker Fans ist, sondern auch für alle die, die auf handgemachte, leicht experimentelle Shoegazersounds stehen.

Als nächste Veröffentlichung steht übrigens die Kollaboration von Yellow6 und Larkian an…

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WENN DIE KÜNSTE ZUSAMMENTREFFEN

Posted in Kunst on August 28th, 2011 by D.K.

Nachdem Aidan Baker und Thisquietarmy Ende Mai ihr erstes Konzert der letzten Europatour im Bochumer FKT gespielt haben, hatte der dort ansässige Fotograf Cristóbal Marquez alias Tobalo die Idee, mit den beiden Musikern eine Fotosession zu machen. Also haben wir die beiden Musiker am nächsten Tag nach dem Frühstück und vor der Abreise zum nächsten Konzert in Frankreich gefragt, ob Sie Interesse hätten. Mit einem fragenden Grinsen im Gesicht stimmten Aidan und Eric zu und kurze Zeit später fanden wir uns im Stadtpark Bochum wieder.

tobalo

Cristóbal hat für die Aufnahmen eine alte Großformatkamera benutzt und für die Motive die beiden Musiker im Stehen, Sitzen und Liegen durch den Park gescheucht. Das Ergebnis sind eine Hand voll Bilder, die vor allem im Original überzeugen. Besonders die obige Aufnahme vereint die Liebe zum Instrument und zur Fotografie zu einem bleibenden Moment. Weitere Eindrücke findet ihr hier.

Wer sich die Fotografien mal in echt anschauen möchte (und das ist besonders zu empfehlen), sollte unbedingt das Atelier von Tobalo im FKT besuchen. Auch eine Investition in verschieden große Abzüge ist möglich, schreibt Tobalo einfach eine Mail für weitere Informationen.

tobalo@work

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LIVEBERICHT: AIDAN BAKER & THISQUIETARMY

Posted in ontheroad on June 13th, 2011 by D.K.

Das FKT in Bochum ist eine Gruppe von bildenden Künstlern, die seit einiger Zeit in einem alten Versicherungsgebäude eine neue Heimat gefunden hat und dort arbeitet und mit diversen Aktionen jegliche Art Kunst an die Leute bringt. Ende Mai stand das erste Konzert im FKT an, mit Aidan Baker und Eric Quach alias Thisquietarmy.

thisquietarmy @ fkt bochum

Ein langer Flur mit vielen Türen, hinter denen sich Ateliers befinden, und in einem dieser Räume steht ein Verstärker, liegen Effektgeräte auf dem Boden und zwei Gitarren ruhen auf zwei Stühlen. Der restliche Raum ist, bis auf ein altes Sofa, ein Waschbecken und einen gruseligen Stromkasten, leer. Eric Quach eröffnet den Abend mit seinem Thisquietarmy Set, das mit Projektionen vom Beamer begleitet wird. Diese sind auch so gut wie die einzige Lichtquelle auf der Bühne. Thisquietarmy möchte an diesem Abend so gar nicht leise sein. Der Sound ist laut, die großen Glasscheiben im Raum knarren. Schnell haben alle Gäste in den Raum gefunden. Sitzen, stehen, liegen und lauschen den Tönen. Quach baut seine Gitarrensounds auf. Sitzt, steht, kniet beim Spielen und ist ständig in Bewegung. Zu den geloopten Sounds kommen Drummachinebeats hinzu und es wird nochmals lauter, dann nach über einer halben Stunde entspannt sich der Sound und Thisquietarmy bewegt sich in Ambientgefilden und gibt dem Hörer Gelegenheit das Gehörte positiv zu verarbeiten.

aidan baker @ fkt bochum

Gut zehn Minuten später greift Aidan Baker zu seiner Gitarre. Baker beginnt sein Set sehr ruhig und minimalistisch und erst nach einigen Minuten bekommen die Gäste, die sich nicht im Raum befinden, mit, dass das Konzert begonnen hat. Aidan Baker improvisiert an diesem Abend, probiert Vieles aus, baut manche Ideen mit Loops aus und experimentiert mit diversen Anspielarten. Was dabei aus der Box erklingt ist eine Wolke aus filigranen Sounds, die durch den Raum gleitet, sogar im Flur des alten Bürogebäudes entwickeln die Sounds ihre ganz eigene durchdringende Dynamik. Baker sitzt im Dunkeln, die einzigen Lichtquellen befinden sich auf der gegenüberliegenden Seite des Raums, dazwischen liegende, sitzende und stehende Hörer. Nach 40 Minuten legt Aidan Baker seine Gitarre zur Seite und verfremdet die letzten Gitarrentöne knieend vor seinen Effektgeräten und lässt somit das Set elektronisch enden, mit einem Sound, der eher an Synthie als an Drone erinnert.

Mehr Konzertfotos vom FKT Fotografen Cristóbal Márquez findet ihr hier. Mehr zu seiner Fotoarbeit findet ihr auf Tobalo.de

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