THISQUIETARMY & SYNDROME

Posted in Release on February 16th, 2014 by D.K.

Manchmal denkt man sich aus, wie es klingen würde, wenn zwei geschätzte Solokünstler sich zusammentun würden. In diesem Fall hat sich der Wunschgedanke bewahrheitet, zumindest was die Künstler angeht: Consouling Sounds veröffentlichen die Kollaboration von thisquietarmy & Syndrome.

“The Lonely Planet” heißt das gemeinsame Werk der beiden Experimentalmusiker und überrascht mit einer sehr minimalistischen Zusammenkunft, die genau daraus auch ihre Kraft schöpft. Wo sonst Melodien bei Syndrome auftauchen oder die Drummachine bei thisquietarmy den Takt angibt, ist auf diesem Album der Fokus auf dem Auftürmen von minimalistischen Gitarrensounds.

Der Opener “The Cold Valley” tastet sich langsam heran. Ein seichtes Treiben im Ambienttal. “A River That Never Ends” setzt die Reise fort und tatsächlich lassen die Songtitel Bilder im Kopf entstehen. Der Fluss hat seine Tücken, Strömungen, kleine Wasserfälle, Stellen an denen Boote zerschellen können. Es brodelt, es gibt eine Gefahr, eine unsichtbare Gefahr, die sich nie zeigt, deren Anwesenheit aber zu spüren ist. “A Black Breath Blows In The Sky” führt nicht nur im Titel den Fokus von der Ebene in den Himmel. Ein stark hallender Feedbackloop eröffnet den Track und wird von einem Klangteppich aus dem Hintergrund ummantelt. Ein pulsierendes Soundungetüm. Als Bonus gibt es noch den gemeinsamen Liveauftritt (mit interessantem Publikumsgequatsche), der die Zusammenarbeit für dieses Album iniziiert hat.

Ein sehr gelungenes Album, das mal wieder zeigt, dass Kollaborationen das Spektrum von Künstlern erweitern und der Fanschar immer wieder neue Ansichten aus dem experimentellen Klangkosmos bieten.

Das Album gibt es als Preorder zusammen mit der Split-Vinyl von Syndrome & Black Mare im Consouling Sounds Shop zu kaufen.

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PARALLEL LINES – WHITE FUR /// BLACK CATHEDRAL

Posted in Release on January 14th, 2013 by D.K.

Parallel Lines nennt sich die sporadisch in Erscheinung tretende Band von Eric Quach, dem Mann hinter thisquietarmy. Mit Pascal Asselin an den Drums, Eric Quach an der Gitarre und Ryan Ferguson am Synthesizer erzeugt das Trio psychedelische Tracks, die mal postrockig vorantreiben, aber auch mit langen experimentellen Parts Raum schaffen für Träumereien.

Auf “White Fur /// Black Cathedral” machen Parallel Lines genau das eben beschriebene mit einer Gelassenheit, dass das Zuhören einem ein zufriedenes Grinsen ins Gesicht zaubert. Auf jeweils einer Seite führen “White Fur” und “Black Cathedral” den Hörer durch diverse Klanglandschaften. Gitarre und Drums sind hier für das rhythmische Treiben verantwortlich, während die Synthesizersounds die sphärischen Passagen untermalen. Im Vergleich zu anderen Veröffentlichungen von Parallel Lines, ist hier ein sehr homogenes Zusammenspiel auf Platte gepresst worden. Feine Sache.

“White Fur /// Black Cathedral” ist aus einem Livemitschnitt entstanden, den die Band bei einem Auftritt in der “Christ´s Church Cathedral” in Hamilton Ontario (Kanada) gemacht hat und die erste Veröffentlichung des neuen Labels Oaken Palace Records. Das Label widmet jedes Release einer bedrohten Tierart. Parallel Lines machen den Anfang und haben sich für den Eisbären entschieden. Mehr dazu in unserem Oaken Palace Records Interview…

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INTERVIEW: OAKEN PALACE RECORDS

Posted in INTERVIEWS on January 14th, 2013 by D.K.

Oaken Palace Records ist ein neues Label, das experimentelle Musik mit Umweltschutz vereint und kurz vor der Veröffentlichung seiner ersten Platte steht. Da uns dieses Konzept sehr zusagt, haben wir Labelgründer Sven zum Gespräch gebeten, der inmitten aller Vorbereitungen steckt, das Label mit Sitz in England zu vermarkten.

Dein Label bezeichnest du als „The Green Record Label“, weil alle Gewinne für den Umweltschutz eingesetzt werden. Erzähl uns doch mal bitte wie das Ganze funktioniert?

Gerne, das Ganze funktioniert wie folgt: Nachdem sich eine Band bereit erklärt hat, ein Album über Oaken Palace Records zu veröffentlichen, bitte ich sie im nächsten Schritt, sich für ein Tier zu entscheiden, das auf der Roten Liste gefährdeter Arten aufgeführt ist. Diese Liste wird auf jährlicher Basis von der „International Union for Conservation of Nature and Natural Resources“ (kurz IUCN) veröffentlicht und ist weltweit als die umfangreichste Quelle für den aktuellen Stand des Gefährdung von Tieren und Pflanzen anerkannt.

Die Band widmet ihr Release dem ausgewählten Tier und ich begebe mich daraufhin auf die Suche nach Organisationen und Stiftungen, die sich dem Schutz der jeweiligen Spezies oder ihres Lebensraums verpflichtet haben. Von meiner Liste geeigneter Organisationen wählt die Band dann diejenige aus, die ihr am meisten zusagt. Ich versuche bei der Auswahl so spezifisch wie möglich zu sein, das heißt ich bevorzuge generell Organisationen, die zum Schutz der jeweiligen Spezies gegründet wurden, um sicherzugehen, dass die Spenden auch dort ankommen, wo sie ankommen sollen.

Schließlich werden die Platten produziert und exklusiv über den Oaken Palace Online Shop und die Bands vertrieben. So versuche ich sicherzustellen, dass wirklich alle Gewinne, also alles, was über die Deckung meiner Kosten hinausgeht, dem Tier- und Umweltschutz zu Gute kommen. Die Bands erhalten normalerweise 10% der gepressten Auflage, um ihrerseits Kosten für die Aufnahme und andere Posten zu decken.

Oaken Palace Records wird nicht gefördert und ich bezahle die Produktion der Releases komplett aus meiner eigenen Tasche. Ich hoffe daher, dass das Label auch von den Fans dieselbe positive Resonanz erfährt, die ich momentan schon von den Künstlern bekomme!

Wie kamst du dazu ein Label zu gründen? Heutzutage sterben die ganzen Indie Label fast wie am Laufband aus.

Es war schon immer mein Traum, ein eigenes Label zu gründen. Einerseits finde ich es natürlich etwas besorgniserregend zu sehen, dass selbst relativ große und bekannte Label wie Hydra Head Records heutzutage kaum noch am Markt bestehen können. Andererseits bin ich aber bereit, dieses Risiko einzugehen, da ich denke, dass sich Oaken Palace Records durch seinen speziellen Fokus auf Tier- und Naturschutz von bestehenden Labels abhebt.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich meine Ideale und Ziele hinsichtlich des Erhalts unserer Natur mit vielen Fans von Drone, Psychedelic, und anderen experimentellen Genres teile. Selten trifft man so viele Leute mit einem starken Umweltbewusstsein und alternativen Weltanschauungen wie auf Konzerten und Festivals wie zum Beispiel dem Roadburn – und genau diese Menschen will ich mit meinem Label ansprechen. Ich will damit zum Denken anregen, Aufmerksamkeit erregen und letztendlich auch Vorbild für andere Labels sein. Es müssen ja nicht gleich 100% der Gewinne sein, die gespendet werden – selbst 10% würden schon einen großen Unterschied machen.

Du hast dich bisher auf Drone und Psychedelic Releases spezialisiert. Wo siehst du die Verbindung zwischen Drone und Psychedelic zur Natur?

Aidan Baker, der mit seiner neuen Band Caudal sowie mit Nadja ebenfalls zwei Alben auf Oaken Palace Records veröffentlichen wird, hat vor kurzem in einer sehr persönlichen Reflektion auf sein Dasein als Künstler geschrieben: „I need to create and listen to music to maintain my emotional health“. Ich empfinde genauso – Musik ist ein Zugang zu unseren Emotionen und kann einen starken Effekt auf unser Wohlbefinden haben. Drone und Psychedelic sind für mich persönlich zwei Genres, die einen besonders intensiven Kontakt mit unserer Gefühlswelt ermöglichen und uns helfen können, unsere egoistischen Interessen zu transzendieren.

Was bedeutet Oaken Palace?

Oaken Palace bedeutet frei übersetzt „eichener Palast“ oder „Palast aus Eichen“. Ich gebe zu, dass dieser Ausdruck nicht von mir stammt – er ist mir in Agalloch‘s „She Painted Fire Across The Skyline“ aufgefallen und hat mich emotional stark angesprochen. Die Formulierung reflektiert für mich die Schönheit der Natur und vermittelt Respekt vor unserer Umwelt. Anstatt die Natur als etwas zu begreifen, das „gebändigt“ werden muss und uns zu „dienen“ hat, sollten wir dankbar dafür sein, auf einem Planeten zu leben, der uns mit allem versorgen kann, was wir wirklich zum Leben brauchen, wenn wir es nur richtig anstellen.

Wie kamst du in Kontakt mit Eric Quach und wie kam es dazu, dass er sich für die Parallel Lines Platte für den Eisbären entschieden hat?

Nachdem ich mich entschieden hatte, Oaken Palace Records zu gründen, habe ich eine Reihe von Bands und Künstlern kontaktiert, um zunächst einmal ein wenig Feedback zu meiner Idee zu bekommen und auszutesten, ob solch ein Konzept überhaupt funktionieren kann – schließlich bekommen die Bands zumindest finanziell wenig bis gar nichts. Da ich ein großer Fan von thisquietarmy bin, war auch Eric auf meiner Liste. Er war von Anfang an sehr interessiert und hat sich dann auch vergangenen November bei mir gemeldet und mich gefragt, ob ich am Release des Parallel Lines-Albums interessiert wäre – natürlich habe ich sofort zugesagt!

Insgesamt waren die Antworten auf meine Anfragen sehr positiv, was für mich eine weitere Besonderheit der Underground-Szene deutlich macht: Den Künstlern geht es nicht um Geld, sondern um Musik. Kreativität und Eigensinnigkeit wird nicht dem kommerziellen Erfolg geopfert, sondern fließt in Projekte, die einem höheren Zweck dienen.

polarbear by constantly consuming

Eric und die anderen Bandmitglieder haben sich für Eisbären entschieden, da sie als Kanadier eine besondere Verbindung zu diesem Tier haben. Zusätzlich ist wohl kaum ein anderes Tier so stark vom aktuellen Klimawandel betroffen wie der Eisbär, was ihn als ersten Vertreter in einer hoffentlich langen Reihe von schützenswerten Spezies geradezu prädestiniert.

Wie kann der Käufer einer Platte sicher sein, dass die Gewinne des Labels gespendet werden? Es ist gut vorstellbar, dass es Leute gibt, die das Konzept gut finden aber der Sache sehr skeptisch gegenüberstehen.

Das ist eine sehr gute und berechtigte Frage. Mir liegt es sehr am Herzen, die Verwendung der Gewinne so transparent wie möglich zu gestalten. Zunächst einmal befinde ich mich zur Zeit im Prozess, Oaken Palace Records als gemeinnützige Organisation in England anerkennen zu lassen. Dies unterliegt strengen gesetzlichen Vorlagen und wäre damit ein erstes Qualitätssiegel, auf das Käufer der Releases vertrauen können. Darüber hinaus werde ich die Empfänger der Spenden bitten, mir eine Bestätigung zu senden, die ich dann natürlich auf der Label-Homepage veröffentlichen werde. Ich denke auch darüber nach, einen detaillierten Geschäftsabschluss am Ende jedes Jahres auf meiner Homepage zu veröffentlichen.

Natürlich hängt die Höhe der Spenden stark davon ab, wie viele Platten verkauft werden. Im Optimalfall, wenn also die komplette Auflage verkauft wird, werden aber circa zwei Drittel des Kaufpreises einer jeden Platte gespendet werden. Es liegt also vor allem an den Fans, dieses Projekt so erfolgreich wie möglich zu machen.

Was ist mit der Umweltfreundlichkeit bezogen auf die Produktion der Platten?

Die Platten werden von einer englischen Firma produziert, die nach dem weltweit anerkannten Gold Standard für CO2-neutrale Produktionsprozesse zertifiziert ist und darüber hinaus den Vorgaben des ISO 14001-Standards zum umweltfreundlichen Management folgt. Natürlich ist das Material, aus dem die Platten hergestellt werden, immer noch ein Kunststoff, aber die Produktion erfolgt so umweltfreundlich wie möglich.

parallel lines testpressing

Zusätzlich werden alle Plattenhüllen aus 100% nachhaltigem oder sogar 100% recyceltem Papier hergestellt – je nachdem, ob das Artwork eine Fertigung aus dem etwas raueren, recycelten Material zulässt. In jedem Fall hinterlassen wir damit keinen negativen ökologischen Fußabdruck. Zu guter Letzt werden alle Druckfarben aus ungiftigen, natürlichen Ressourcen gewonnen. Der Besitzer eines Release von Oaken Palace Records kann sich also sicher sein, dass er ein Album in den Händen hält, das den höchsten Umweltstandards entspricht.

Was ist dein Lieblingstier, das unbedingt „besungen“ werden muss?

Mein Lieblingstier ist der Orang-Utan. Ich bin immer wieder begeistert von der Friedlichkeit und Intelligenz dieser Waldbewohner und gleichzeitig äußerst besorgt über ihre Zukunft. Selbst nach optimistischen Schätzungen gibt es nur noch circa 47.000 Orang-Utans weltweit und ihr Lebensraum wird nach wie vor systematisch zerstört. Daher bin ich schon seit Jahren Fördermitglied des BOS („Borneo Orang-Utan Survival“) Deutschland, einer großartigen kleinen Organisation, die verwaiste und verletzte Orang-Utans wieder aufpäppelt und auf die Auswilderung in geschützten Regenwaldgebieten vorbereitet.

Ich selbst habe keinen Einfluss darauf, welches Tier von den teilnehmenden Bands ausgewählt wird, aber ich plane, bald T-Shirts mit dem Oaken Palace Label-Logo drucken zu lassen (natürlich aus 100% ökologischer Baumwolle) und die Gewinne aus deren Verkauf an BOS Deutschland zu spenden.

Was sind die weiteren Pläne für das Label? Gibt es vielleicht Künstler, die du gerne bei dir im Rooster hättest?

Ich bin nun erst einmal sehr gespannt, wie das Label von den Fans angenommen wird. Wenn alles gut läuft, werden nach dem Release des Albums von Parallel Lines noch vier weitere Releases in diesem Jahr folgen, nämlich von Caudal, Nadja, Sylvester Anfang II und Plurals. Das gibt mir einiges zu tun, da ich neben der Arbeit für Oaken Palace Records natürlich auch noch irgendwie Geld verdienen muss. Daher nehme ich zurzeit keine weiteren Bands an, auch wenn es an Interessensbekundungen nicht mangelt.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich bei allen teilnehmenden Bands für ihr Vertrauen und ihre Großzügigkeit zu bedanken. Ebenso bin ich euch sehr dankbar für eure Unterstützung. Nun freue ich mich auf den ersten Release auf Oaken Palace Records und hoffe, dass er den Fans genauso gut gefällt wie mir selbst!

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THISQUIETARMY & YEAR OF NO LIGHT

Posted in Release on October 3rd, 2012 by D.K.

Im Frühling haben Destructure Records eine Vinylplatte veröffentlicht, die zu Recht nach kürzester Zeit ausverkauft war. Denn das Album “Year Of No Light / Thisquietarmy” (Titel, Bands, Motto in einem vereint) ist eine der überragendsten Veröffentlichungen dieses Jahres. Zu schade also alle außen vor zu lassen, die nicht auf diese großen runden altmodischen Abspielmedien stehen. So oder ähnlich muss wohl der Gedankengang der Jungs von Consouling Sounds gewesen sein, denn jetzt steht das Album kurz vor der Veröffentlichung auf CD.

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Die Besonderheit an dieser Kollaboration ist, dass dieses Album dem Hörer ein Gesamtbild des Schaffens der beiden Acts verschafft. Das Album beginnt mit “Vous êtes un nada mort marchant autour du visible” von Year Of No Light. Ein hell schimmerndes Doommetal Epos. Seit dem letzten Album “Ausserwelt” haben YONL einen Sound entwickelt, der sich trotz hallender hochstimmiger Gitarren wie eine Walze durch den Boden frisst, auf dem der Hörer steht. “Une odeur que je capte quand leur yeux explosent” folgt als erstes gemeinsames Lied von YONL & Thisquietarmy. Wer jetzt ein Feuerwerk von Doom, Drone und Postrocksounds erwartet, der wird zunächst enttäuscht. Der Song ist eine ewig brodelnde Masse aus Ambientsounds. Man kann klar raushören, welcher Act gerade die Sounds beisteuert. Allmählich verdichtet sich die Masse der Sounds zu einer Dronewolke. Acht Minuten für die Ewigkeit. Mit “Aphorismes” steuert TQA sein Solostück bei und überrascht mit einem sehr düsteren Grundsound. Minimalistische Drummachinesounds setzen den Rhythmus. Die Gitarre von Eric Quach baut sich vor dem inneren Auge des Hörers auf. Weiblicher Gesang schimmert zwischendurch auf. Der Song klingt bedrohlich und hoffnungsvoll zugleich. Es folgt wieder ein gemeinsames Stück namens “Langue de feu”. Auch hier verzichten die beiden auf eine Bombastinszenierung und führen das fort, was sie begonnen haben, um dann gegen Ende… hört selbst! YONL & TQA zelebrieren die Liebe zum minimalistischen und noisigen Sound. Eine Split-Kollaboration, die in keinem Plattenregal fehlen darf.

Die CD Version von “Year Of No Light / Thisquietarmy” erscheint am 5. Oktober über Consouling Sounds.

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Die beiden Bands sind übrigens auch auf dem diesjährigen Denovali Swingfest und vielleicht auch zusammen auf der Bühne…

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THISQUIETARMY

Posted in Release on January 27th, 2012 by N

Thisquietarmy aka Eric Quach aus Kanada. Ein Mann und seine Gitarre (hauptsächlich; + Synth, + Drummachine). Wer thisquietarmy nur von Kollaborationen kennt, zum Beispiel der „Death Valley“ mit Yellow6, der „Meridians“ mit Scott Cortez oder der vor nicht so langer Zeit wiederveröffentlichten „Orange“ mit Aidan Baker, hat die eine Seite von thisquietarmy kennengelernt: die, die Atmosphäre und freies Fließen in den Vordergrund stellt. Stücke entwickelt, die gerade über die lange Laufzeit ihre hypnotische Wirkung aufbauen können. Auf seinen Soloalben dagegen bevorzugt Eric Quach jedoch überraschenderweise oft ein kürzeres, fokussierteres Format; Atmosphäre galore auch hier natürlich, aber gleichzeitig im Arrangement und Aufbau fast so etwas wie Songs, nur das diese meistens ohne Worte, ohne Gesang bleiben.

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So auch auf dem „Resurgence“ Album, das als opulentes 6-Panel Digipack mit Bonus-CD und Doppel-LP + 7inch erschienen ist (wobei letztere Version leider das Allem oben gesagten wie zum trotz 19.22 Minuten lange „The Cold Vacancy“ fehlt) und das schon gleich mit dem zweiten Stück, „Revival“, diese spezielle Art des Thisquietarmy „Songs“ par-excellence vorführt: Über treibendem Drum-Programming ein verhaltener wie undurchdringlicher Noise-Teppich, eng gewirkt und darüber wiederkehrende Gitarrenmotive im Wechsel mit Synththemen. Durchaus mit Pop-Appeal (definitiv nicht negativ gemeint, sondern im Sinne von: schöne Melodie, die man auch nachpfeifen könnte). Mich erinnert die Atmosphäre, die diese Art von Komposition bzw. Sound ausstrahlt fast eher an einige französische Vertreter aus dem Wave-Bereich Anfang der 90er wie Mary Goes Round oder Little Nemo.Und, einmal auf dieser Fährte, scheinen(?) auch die freieren, perkussionslosen Stücke diesen Geist zu atmen. Aber bitte nicht falsch verstehen: das sind Assoziationen, hervorgerufen durch Details in Gestus und Sound, kein Revivalvorwurf (obwohl interessanterweise das genau so benannte Stück mit seinem zusätzlich hämmernden Bass ganz besonders in diese Richtung zu zielen scheint).

thisquietarmy resurgence

Auch auffallend: ein paar Motive und Sounds kehren im Laufe von „Resurgence“ immer mal wieder, sorgen für eine Klammer, fassen zusammen und lassen das ganze sehr homogen wirken… und das, ohne das es irgendwann langweilig würde; Hut ab. Das Mixing, die Tatsache, dass auch (Analog-) Synths bisweilen die Regie gegenüber der allmächtigen Gitarre übernehmen und die punktuelle Integration von (Frauen) Vocals tun dazu ihr Übriges…

…und noch etwas zu dem Stück, dass es trotz aller Formaterweiterungen nur auf die Doppel-CD geschafft hat: die gut 19 Minuten von „The Cold Vacancy“ sind so etwas wie eine perfekte Coda: fast 12 Minuten des extrem ruhigen Aufbaus und dann „erst“ die Verdichtung. Und zwar ohne damit (an dieser Stelle: unnötig) die Stimmung des Stücks zu kippen oder kippen zu wollen.
Schlicht ein perfektes Album.

Auf Denovali Records erschienen.

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BASSES FREQUENCES ZUSAMMENKÜNFTE

Posted in Label, Release on October 22nd, 2011 by D.K.

Das französische Label Basses Frequences veröffentlicht seit einigen Jahren schon experimentelle Musik von Künstlern wie Locrian, Nicholas Szcepanik, Celer oder Nadja. Aber vor allem die Kollaborationen, die auf dem kleinen Ein-Mann-Label erscheinen, haben es uns angetan. Im Folgenden wollen wir euch diese etwas näher vorstellen.

THISQUIETARMY & YELLOW 6

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Eric Quach (Thisquietarmy) und Jon Attwood (Yellow 6) haben sich 2009 nach einem kanadischen Festival, auf dem beide aufgetreten sind, in Erics Studio in Montreal verzogen und dort eine gemeinsame Session eingespielt und aufgenommen. Das Resultat ist zunächst ein paar Monate liegen geblieben, bevor es dann in die Hände von Fear Falls Burning (Dirk Serries) gegeben wurde, um für eine Vinylveröffentlichung gemastert zu werden. Das Resultat sind die beiden 12inch Platten “Death” und “Valley”, benannt nach der kalifornischen Wüste, die wohl auch der Ideenpool für die eingespielten Songs war. Im Gegensatz zu den Soloveröffentlichungen der beiden Gitarristen sind die sechs Songs auf diesen beiden Platten erstaunlich zurückhaltend und minimalistisch. Niemand drängt sich in den Vordergrund, niemand versucht der Musik sein Label aufzudrücken. “Death” und “Valley” sind zwei beeindruckend intensive Dokumente einer winterlichen Session, in der beide Musiker erschöpft von vorherigen Ereignissen einfach nur zusammen gespielt und dabei einen gemeinsamen Soundfluss gefunden haben. Einfach die Nadel auf das Vinyl setzen, laut aufdrehen und eine Reise durch die Wüste antreten.

AIDAN BAKER & KEVIN MICKA

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Ebenfalls 2009 in Montreal entstanden ist die Kollaboration zwischen Aidan Baker (Nadja) und Kevin Micka (Animal Hospital). Auf “Green Figures” ist ein gemeinsamer Auftritt der beiden Musiker zu hören, den Eric Quach glücklicherweise aufgezeichnet hat. Denn die drei Songs aus Aidan Bakers bekannteren Alben “Green & Cold” und “Figures” erfahren durch die Livedrums Begleitung von Kevin Micka eine ganz neue Dynamik und Struktur. Die Songs werden langsam aufgebaut, die Drums fügen sich subtil ein und gehen mit Bakers Loops eine Fusion ein, so dass die Songs ganz neue Facetten erlangen. Eine Liveplatte, die definitiv nicht nur was für Aidan Baker Fans ist, sondern auch für alle die, die auf handgemachte, leicht experimentelle Shoegazersounds stehen.

Als nächste Veröffentlichung steht übrigens die Kollaboration von Yellow6 und Larkian an…

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WENN DIE KÜNSTE ZUSAMMENTREFFEN

Posted in Kunst on August 28th, 2011 by D.K.

Nachdem Aidan Baker und Thisquietarmy Ende Mai ihr erstes Konzert der letzten Europatour im Bochumer FKT gespielt haben, hatte der dort ansässige Fotograf Cristóbal Marquez alias Tobalo die Idee, mit den beiden Musikern eine Fotosession zu machen. Also haben wir die beiden Musiker am nächsten Tag nach dem Frühstück und vor der Abreise zum nächsten Konzert in Frankreich gefragt, ob Sie Interesse hätten. Mit einem fragenden Grinsen im Gesicht stimmten Aidan und Eric zu und kurze Zeit später fanden wir uns im Stadtpark Bochum wieder.

tobalo

Cristóbal hat für die Aufnahmen eine alte Großformatkamera benutzt und für die Motive die beiden Musiker im Stehen, Sitzen und Liegen durch den Park gescheucht. Das Ergebnis sind eine Hand voll Bilder, die vor allem im Original überzeugen. Besonders die obige Aufnahme vereint die Liebe zum Instrument und zur Fotografie zu einem bleibenden Moment. Weitere Eindrücke findet ihr hier.

Wer sich die Fotografien mal in echt anschauen möchte (und das ist besonders zu empfehlen), sollte unbedingt das Atelier von Tobalo im FKT besuchen. Auch eine Investition in verschieden große Abzüge ist möglich, schreibt Tobalo einfach eine Mail für weitere Informationen.

tobalo@work

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LIVEBERICHT: AIDAN BAKER & THISQUIETARMY

Posted in ontheroad on June 13th, 2011 by D.K.

Das FKT in Bochum ist eine Gruppe von bildenden Künstlern, die seit einiger Zeit in einem alten Versicherungsgebäude eine neue Heimat gefunden hat und dort arbeitet und mit diversen Aktionen jegliche Art Kunst an die Leute bringt. Ende Mai stand das erste Konzert im FKT an, mit Aidan Baker und Eric Quach alias Thisquietarmy.

thisquietarmy @ fkt bochum

Ein langer Flur mit vielen Türen, hinter denen sich Ateliers befinden, und in einem dieser Räume steht ein Verstärker, liegen Effektgeräte auf dem Boden und zwei Gitarren ruhen auf zwei Stühlen. Der restliche Raum ist, bis auf ein altes Sofa, ein Waschbecken und einen gruseligen Stromkasten, leer. Eric Quach eröffnet den Abend mit seinem Thisquietarmy Set, das mit Projektionen vom Beamer begleitet wird. Diese sind auch so gut wie die einzige Lichtquelle auf der Bühne. Thisquietarmy möchte an diesem Abend so gar nicht leise sein. Der Sound ist laut, die großen Glasscheiben im Raum knarren. Schnell haben alle Gäste in den Raum gefunden. Sitzen, stehen, liegen und lauschen den Tönen. Quach baut seine Gitarrensounds auf. Sitzt, steht, kniet beim Spielen und ist ständig in Bewegung. Zu den geloopten Sounds kommen Drummachinebeats hinzu und es wird nochmals lauter, dann nach über einer halben Stunde entspannt sich der Sound und Thisquietarmy bewegt sich in Ambientgefilden und gibt dem Hörer Gelegenheit das Gehörte positiv zu verarbeiten.

aidan baker @ fkt bochum

Gut zehn Minuten später greift Aidan Baker zu seiner Gitarre. Baker beginnt sein Set sehr ruhig und minimalistisch und erst nach einigen Minuten bekommen die Gäste, die sich nicht im Raum befinden, mit, dass das Konzert begonnen hat. Aidan Baker improvisiert an diesem Abend, probiert Vieles aus, baut manche Ideen mit Loops aus und experimentiert mit diversen Anspielarten. Was dabei aus der Box erklingt ist eine Wolke aus filigranen Sounds, die durch den Raum gleitet, sogar im Flur des alten Bürogebäudes entwickeln die Sounds ihre ganz eigene durchdringende Dynamik. Baker sitzt im Dunkeln, die einzigen Lichtquellen befinden sich auf der gegenüberliegenden Seite des Raums, dazwischen liegende, sitzende und stehende Hörer. Nach 40 Minuten legt Aidan Baker seine Gitarre zur Seite und verfremdet die letzten Gitarrentöne knieend vor seinen Effektgeräten und lässt somit das Set elektronisch enden, mit einem Sound, der eher an Synthie als an Drone erinnert.

Mehr Konzertfotos vom FKT Fotografen Cristóbal Márquez findet ihr hier. Mehr zu seiner Fotoarbeit findet ihr auf Tobalo.de

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