SVARTE GREINER TRÄGT SCHWARZ

Posted in Release on April 7th, 2013 by D.K.

Erik Skodvin lässt endlich sein Alter Ego Svarte Greiner raus. Es war etwas ruhig um Svarte Greiner, dann kamen wieder Liverauftritte und jetzt steht endlich das dritte vollwertige Album in den Startlöchern.

“Black Tie” ist das erste Svarte Greiner Album, das über Erik Skodvins eigenes Label Miasmah Recordings erscheint. Die technischen Eckdaten sind schnell wiedergegeben: ein 42-minütiges Album, bestehend aus zwei annähernd gleich langen Stücken. Was diese Musik aber ausmacht und was diese Musik mit dem Hörer macht, ist nicht so schnell gesagt.

“Black Tie” ist auch der Titel des ersten Tracks. Im Mittelpunkt steht ein trocken gezupfter Ton auf dem Cello. Bass und Beat zugleich. Einnehmend und überwältigend stoisch. Im Hintergrund bahnen sich Ambientflächen an, die – sobald ein Fokus darauf gelegt werden könnte – wieder verschwinden und neuen Sounds Raum bieten. Ab der zweiten Hälfte des Songs betritt die Verzerrung die Bühne. Der wunderschön trockene Celloton verwandelt sich in etwas, was auch als verzerrtes Klavier durchgehen könnte. Im Hintergrund sind jetzt bissige Cellotöne zu hören, bis kurz vor Ende die Soundkulisse aus der ersten Hälfte des Tracks wieder auftaucht.

Der zweite Track hört auf den Namen “White Noise” und beginnt so, dass der Titel “White Drone” eher zutreffen würde. Ein pulsierend tiefer Drone, gepaart mit einer Soundwand von hellen Tönen, die sich im Hintergrund aufbaut. Dieser Track fliesst, es gibt keine beatähnlichen Brüche, die Sounds sind wie eine Paarung aus Welle und Wind. Irgendwann verschwindet das tiefe Gedröhne und man schwebt inmitten der leichtfüßigen helleren Soundwand. Trauen sollte man dieser Situation nicht, das ist einem schon während des ersten Tracks klar geworden. Und schon greift der tiefe Drone wieder nach einem. Gruselig schön. Im letzten Fünftel wird es noisig, der Sound klingt wie durch eine unendlich lange Röhre gefiltert. Ein Meandern wie ein Sog. Ein Beat wächst aus dem Rauschen…

Eigentlich gibt es keine Stilrichtung, die Svarte Greiners Musik genau beschreiben kann: Horror-Thriller-Ambient-Drone klingt gut.

Ende April führt kein Weg daran vorbei, diese Platte (Vinyl oder CD) in eurem Plattenregal stehen zu haben. Einkaufen könnt ihr bald im Sonic Pieces Shop.

Tags: , , , ,

MACHT PLATZ IM PLATTENREGAL FÜR B/B/S/

Posted in Release on January 6th, 2013 by D.K.

B/B/S/ oder genauer genommen Baker/Belfi/Skodvin/ heisst die neue Supergroup, die sich in Berlin formiert hat, dort wo die drei aus Kanada, Italien und Norwegen stammenden Musiker leben.

Erik Skodvin alias Svarte Greiner hat sich die beiden befreundeten Musiker ins Studio geholt und mit ihnen ein Album und eine 7inch eingespielt, die beide über Skodvins Label Miasmah Recordings veröffentlicht werden.

B/B/S/ – Brick Mask – Das Album

Vier Tracks auf kanpp 40 Minuten in denen sich die drei Musiker gemeinsam ausprobieren. Das Ergebnis ist für jede Diskografie eine musikalische Erweiterung. “Brick” beginnt wie eine heimliche Probe. Leise ertönen die Instrumente. Die Basedrum pumpt in einem sehr eigenwilligen Rhythmus, sphärische Gitarren erklingen. Erst nach fünf Minuten geht das Treiben los. Die Drums müssen nicht mit voller Wucht gespielt werden, lehrt uns Andrea Belfi hier, maximale Dynamik durch minimalen Einsatz und dann gibt es doch noch eine Steigerung. Tribaldrums und schneidende Gitarrenwände. Mehr braucht es nicht. Erik Skodvin an der Gitarre, Aidan Baker am Bass und der Gitarre und Andrea Belfi an den Drums. Eine impulsive Vereinigung. “Brick” geht in “Mask” über und lässt das vorher Erlebte ausklingen. “Mask” ist geprägt von einem sehr eindringlichen Bass und den an Field Recordings erinnernden Drums, die nach einem Intermezzo wieder fulminant zu Einsatz kommen. “Plants” nimmt die bisherige Dynamik nicht auf, sondern treibt im eigenen Rhythmus hin und her und geht letzlich in “Mott” über. “Mott” nimmt sich genau wie der Opener Zeit. Saiten werden am Gitarrenkopf gespielt, Percussion raschelt, Gitarrenkörper erklingen wie Glocken, Gepfeife aus der Reibung von Saite und Cellobogen. Alles summiert sich zu einem Soundwald, in dem man sich sehr wohl fühlt. Und es bleibt nur eine Frage: Warum habt ihr euch nicht früher zusammengetan?

B/B/S/ – Half Moon – Die 7Inch

“Gather Part 1/2” schleicht sich langsam an. Hier ein Gitarrensound, da ein Percussioneinsatz und schon ist der erste Teil vorbei. Der zweite Teil beginnt mit pulsierenden Basstönen und führt den akzentuierten jazzigen Einsatz von Instrumenten fort. Auf der B Seite findet sich “Beam”. Tiefe Tremologitarrensounds, noisiges Aufflimmern und ein sehr subtiler Beat bereiten eine Basis für die zweite Hälfte, in der es nur so brodelt vor Energie. Die kleine Schwester von Brick Mask hat es in sich.

B/B/S/ LIVE?

Wer sich vor Veröffentlichung der Platten ein Bild von der Band machen und die Songs live hören möchte, der sollte unbedingt zum Experimental Evening nach Bochum kommen. Am 25. Januar spielen B/B/S/ in der Christuskirche Bochum. Als Support spielen alle drei Musiker passenderweise kurze Solosets. Mehr Infos zum Termin gibt es hier…

Tags: , , , , , , , , ,

KRENG – GRIMOIRE

Posted in Label, Release on July 7th, 2011 by D.K.

Kreng ist der belgische Musiker Pepijn Caudron, der mit “Grimoire” sein zweites Album über Miasmah Records liefert, das sich am besten als experimentelle, moderne Horror-Klassik Platte zusammenfassen lässt.

kreng grimoire

Weder das Cover noch der Klang des Band- und Albumnamens vermögen hier Freundliches zu verheißen und das ist gut so. “Grimoire” mag die Dunkelheit. Diese Musik bleibt am besten in Erinnerung, wenn man sie nach Sonnenuntergang bei Kerzenlicht hört. Das Album beginnt mit dem subtilen “Karcist” und seinen brodelnden Basstönen, aus deren Gewaber Cellosaiten und Field Recordings herausblinzeln. Ein O-Ton aus einem Film bricht die Soundwand “You don´t belong here… look towards the light” als letzte Warnung für den Hörer, der sich hier in der Dunkelheit verirrt haben mag. Dann nimmt die Soundreise durch Ambient, moderne Klassik, Improvisation, Jazz und Filmmusik ihren Lauf. “Opkropper” mit Percussion (oder zumindest etwas nicht definierbarem, was Beats erzeugt), Cello und Klavier in düsterem Einklang. “Petit Grimoire” anfangs harmonisch, später kakophonisch. Überhaupt scheint bei Kreng das Motto zu gelten: gerne Harmonien, doch nur um sie zu stören und das ein oder andere Mal zu zerstören. “Ballet van de Bloedhoeren” als Highlight an sechster Stelle. Klassisches Cellospiel, das zwischendurch sekundenlang verstummt, und dann zu Ende hin ein Sog aus zähem, in Zeitlupe rückwärts laufendem Cellosound. Gänsehaut fördernd. “Satyriasis” gibt in sieben Minuten ein imaginäre Filmszene wieder, mit Spannungsbögen, die fast alle 20 Sekunden den Atem rauben, bis nach fünf Minuten ein freejazziges Cello, Drums und Field Recordings Poltern ausbricht. Dann das Schweigen in “Konker”, das sich allmählich in Streichersounds auflöst. “Watch the light, keep watching it”, sagt der O-Ton, und das Album endet in einem sekundenlangen immer lauter werdenden Sog aus Rückwärtssounds. Ist am Ende das Licht die Gefahr und der, der schon am Anfang das Album ausgeschaltet hat und nicht in der Dunkelheit geblieben ist, der Irrende? Ganz sicher.

Erik K. Skodvins (Deaf Center) Label Miasmah Recordings ist das perfekte Heim für Krengs Soundkosmos. Dort ist “Grimoire” auf CD und auf Vinyl erhältlich. Letzteres Format auf 400 Stück limitiert und in schwarzer Hülle mit silbernem Cover-Aufdruck.

Tags: , , , , ,

DEAF CENTER

Posted in Release on February 24th, 2011 by D.K.

Deaf Center sind die beiden Norweger Otto A. Totland (Miasmah Quartet) und Erik K. Skodvin (Svarte Greiner). Totland zuständig für Field Recordings und Klavier und Skodvin am Cello und anderen Saiteninstrumenten, das ist die gelungene Kombination, die das dritte Album „Owl Splinters“ zu dem macht, was es ist; Ein eindrucksvolles Drone-Ambient-Klassik-Statement.

deaf center

Die Norweger von Deaf Center sind mit ganz vielen Ideen, aber ohne Plan ins Studio von Nils Frahm nach Berlin gekommen und haben in enger Zusammenarbeit innerhalb von drei Tagen die acht Songs von „Owl Splinters“ eingespielt. Diese Spontanität ist dem energiegeladenen Album anzuhören. „Divided“ bricht mit Cellodrones über den Hörer ein wie eine Wand aus wütenden Hummeln, dann der Kontrast in „Time Spent“ mit ruhigen hohen Klaviertönen. Das aber auch nur, um “New Bginning (Tidal Darkness)” eine noch gewaltigere Vorlage zu bieten. Tiefe Cellotöne gepaart mit tiefen Klavierklängen rollen ohne Vorwarnung laut und basslastig durch die Gehörgänge. Dieses Klanguniversum nimmt einen sofort ein. Schon allein die tiefen Töne der Cellosaiten, dieses erhaben wirkende Gebrumme, wie der Urgroßvater des Drone-Tons an sich. Diese Platte geht unter die Haut.
Das Album fordert den Hörer mit seinen verschiedenen Stimmungen zwischen melancholisch und wütend, wie im Cellostück „Animal Sacrifice“, wo die groben Streichgeräusche des Cellobogens, neben den Tönen selbst, Hauptbestandteil sind und eine Art treibenden Rhythmus in den Hintergrund legen. Gerade hier fällt auf, dass das Album fast live eingespielt wurde. Wer genau hinhört kann jemanden husten hören. Bei den Sessions in Berlin muss wohl die ganze Zeit das Aufnahmegerät mitgelaufen sein. Das Album endet versöhnlich mit Klavierklängen in “Hunted Twice”. Egal, Platte drehen und Nadel wieder auf den äußeren Rand setzen…

DEAF CENTER artwork_owl_spilinters

Mit „Twin“ liegt der limitierten Vinyl-Auflage von „Owl Splinters“ ein Zusatzsilberling bei. Hier gibt Erik K. Skodvin, unter seinem Pseudonym Svarte Greiner, einen 45minütigen Drone-Ambient-Monolithen zum Besten. Eine Dreiviertelstunde Cellogedröhne als eine Art Reprise des Deaf Center Albums, mit dem Unterschied, dass die Atmosphäre hier durchgehend bedrohlich wirkt. Der Evil Twin von “Owl Splinters” sozusagen.

“Owl Splinters” ist genau wie alle anderen Deaf Center Platten bei Type erschienen.

Tags: , , , , , ,