PRSZR ÜBEN DRUCK AUS

Posted in Release on January 6th, 2013 by D.K.

PRSZR, Pressure ausgesprochen, nennt sich die Vereinigung von HATI und Pure. Auf “Equilirium” ist das Ergebnis zu hören, das über Hinterzimmer Records veröffentlicht worden ist.

prszr

2009 innerhalb von drei Tagen in Reichenau aufgenommen, 2011 von Pure abgemischt und 2012 von Rashad Becker gemastert und dann letztendlich in Bern veröffentlicht. Soviel zur Chronik des Albums. Das Album besteht aus fünf Stücken, die es in sich haben. Das Duo HATI, zuständig für alles rund um Percussion, und Pure an den elektronischen Gerätschaften lassen in “I” zunächst sich wiederholende Sounds eine Art Rhythmus aufbauen. Basslastige Klänge, Percussion im Hintergrund, Gongakzente und das ewig bedrohlich brodelnde Elektronikgewitter, das nicht ausbrechen möchte, lassen den Hörer 14:35 Minuten lang erstarren vor Spannung. Hallende High Hats (?) eröffnen “II”, dann kommen die Beats wie zu schnell schlagende Herzen, Gongs gesellen sich dazu, ein elektronisches Rauschen rundet alles ab. Was ist das eigentlich für eine Stilrichtung, denkt man sich. Percussion-Ambient? “III” überrollt einen mit schrägen Sounds und Blasinstrumenten (zumindest klingt es wie eine Trompete), vollkommen unerwartet ist man hier einer nicht beugsamen Masse an Sounds ausgesetzt. Skippen oder weiterhören, weiterhören natürlich… erstaunlich wie schnell die Ohren Ordnung ins Chaos bringen. “IV” anderes Chaos, weniger noisig. “V” holt alles an Tiefen und Höhen raus, was ein Instrument hergibt, das mit Schlägeln gespielt wird. Es wummert, kein Sound für Kopfhörer, der Song braucht Raum. Schnelles Trommeln auf etwas, das an Steeldrums erinnert. Eine rhythmisch abgestimmte Noisewand kommt aus dem Nichts und nach minutenlangem Zusammenspiel entwickelt der Sound auch durch das immer stärkere Hallen eine sehr betörende Wirkung. Allmählich lassen die Soundwände nach und “V” vibriert vor sich hin, während im tiefsten Hintergrund die letzte Percussiondonner zu hören sind.

Kein Album um gute Laune zu verbreiten. Aber das hat hier sicherleich keiner vorgehabt. Wer mal hören möchte wie bedrohlich Percussioninstrumente mit minimalisischer Elektronikuntermalung klingen können, ist hier genau richtig.

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EXPERIMENTAL EVENING V

Posted in Aktuell, ontheroad on May 1st, 2012 by D.K.

LINE-UP ÄNDERUNG:
Krankheitsbedingt müssen [BOLT] ihren Auftritt leider absagen. Der Abend wird am Samstag von Clem Leek aus Engalnd eröffnet.

Experimental Evening V @Christuskirche Bochum 26 Mai 2012

Bevor die Sonne ganz durch die Wolkendecke bricht und Sommerlaune verbreitet, möchten wir euch einen Konzertabend präsentieren, der euch in düstere und melancholische Klangwelten entführt, die unter die Haut gehen. Der “Experimental Evening V” konzentriert sich diesmal ganz auf den europäischen Kontinent und zieht einen Bogen von England über Deutschland bis in die Schweiz, denn am 26. Mai erwarten euch Sum Of R aus der Schweiz, Simon Scott aus England und [Bolt] aus Deutschland in der Christuskirche Bochum.

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Sum Of R aus Bern, das sind live Reto Mäder (Ural Umbo) und Julia Wolf. Wer die anderen Bands von Reto Mäder kennt, zu denen Ural Umbo, Pendulum Nisum oder RM 74 gehören, der kann sich schon irgendwie vorstellen, was einen erwartet. Dem Rest sei gesagt, dass hier ein Blick in die Weiten von Ambient, Drone, Noise und Doom gewährt wird. Bei Sum Of R geht es nicht um oberflächliches Songschreiben, sondern um die Tiefenwirkung der einzelnen Sounds, die hier zusammengetragen werden. Bisher ist eine EP auf Hinterzimmer Records erschienen, die schon lange ausverkauft ist, und das selbstbetitelte Debütalbum, das über Utech Records in Amerika veröffentlicht wurde. Bass, Gitarre, Drums und eine Vielzahl anderer Soundquellen bringen noisige Dronesongs hervor, die immer mit einer Melodie (mal eindeutig, mal subtil) gepaart den Hörer einnehmen. Für das Konzert in der Kirche haben sich Sum Of R ein spezielles Set ausgedacht, das mit dem “Schwergewicht auf Kontrasten von ganz leisen, choralen Songs bis zu extrem schweren, schleppenden Stücken”(Reto Mäder) auf euch wartet.

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Simon Scott aus Cambridge macht nach seiner Definition “Electroacoustic Soundscape Compositions” und das ist auch eine treffende Beschreibung für diesen Ambientkünstler, der zuletzt sein Album “Bunny” über Miasmah Records veröffentlicht hat. Sein Interesse gilt dem musikalischen Zusammenspiel von Natur und Technik, Field Recordings und Studioaufnahmen, Geräuschen und Gitarre. Für sein neues Album “Below Sea Level”, das Ende Mai über 12k Records erscheint, hat er sich mit selbstgebauten Aufnahmegeräten in die sogenannten Fenlands nördlich von Cambridge begeben. Ein Sumpfgebiet oder Niedermoor, das unterhalb des Meeresspiegels liegt und nur von Natur bewohnt ist. Der perfekte Ort für Field Recordings. Zurück im Studio hat Simon Scott sieben Stücke geschrieben, die den Field Recordings viel Raum geben und mit subtilen Gitarrensounds und Elektronik erweitert werden. Das ganze Projekt ist in Form eines Buches festgehalten worden, das mit dem Album erscheint. Darin enthalten sind Texte, Skizzen und Fotos, die auch für die Liveshow als Projektionen verwendet werden. Wer da nicht neugierig wird…

Update: Für den einzigen Deutschlandtermin seiner aktuellen Tour, hat Simon Scott ein spezielles Set vorbereitet und wird von  Clem Leek begleitet.

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Clem Leek ist ebenfalls ein britischer Musiker und spingt an diesem Abend für [BOLT] ein. Die Musik von Clem Leek lässt sich am besten als minimalistisches Ohrkino bezeichnen. Egal ob er sich ans Klavier setzt, zur Gitarre greift oder mit Field Recordings experimentiert, es klingt immer minimalistisch auf den Punkt gebracht. Clem Leek führt den Hörer sowohl durch moderne klassische Stücke, als auch durch Ambientlandschaften. Eine Klangfusion, wie gemacht für einen Kirchenraum.

Samstag, 26. Mai 2012
Christuskirche Bochum
Einlass: 19:00 Uhr
Beginn: 20:00 Uhr
Tickets:  hier und an der Abendkasse

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LUBOMYR MELNYK

Posted in Release on December 11th, 2011 by D.K.

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Lubomyr Melnyk ist ein kanadischer Pianist mit ukrainischen Wurzeln (und um das mal ganz international zu gestalten: geboren ist er in München), der in den späten 70ern eine eigene Art des Pianospielens entwickelt hat. Die sogenannte “Continuous Music” zeichnet sich durch schnelles Tastenspiel und sich wiederholende Klangfolgen aus. Melnyk hält angeblich den Rekord für das Spielen der meisten Noten innerhalb einer Stunde.

Mit “The Voice Of Trees” veröffentlichen die Schweizer von Hinterzimmer Records eine Aufnahmen aus dem Jahr 1983, die es bisher nur als CD-R Release gab. Das zweigeteilte “Continuous Music for 2 Pianos and 3 Tubas” ist für eine Tanzaufführung in Lyon geschrieben worden und weil Melnyk niemanden finden konnte, der das Stück so spielen kann wie er, hat er den ersten Teil auf Tape aufgenommen und den zweiten Teil dann live darüber gespielt. Die Tubaparts hat Melvyn Poore beigesteuert, die ebenfalls getaped wurden. Das Ergebnis ist ein Fluss aus schnell gespielten Pianomelodien, die von tiefen Tubaklängen untermalt werden. Man kann sich nicht entscheiden, ob das Gehörte minimalistisch genannt werden kann oder nicht, denn was Melnyk da am Piano zaubert ist zwar musikalisch reduziert, technisch jedoch an der obersten Grenze des live Umsetzbaren. Wer sich die Platte anhört wird staunen. Übrigens hört man dem Album nicht an, dass die Aufnahmen fast 30 Jahre alt sind.

Hinterzimmer Records haben dieses Stück Musikgeschichte in eine schöne Hülle aus dicker naturfarbener Pappe gepackt und sich für das Artwork und Layout die Hilfe von Keith Utech (Utech Records) von Daniel Menche geholt.

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PENDULUM NISUM

Posted in Release on November 19th, 2011 by D.K.

Pendulum Nisum nennt sich das Schweizer Duo, das aus Reto Mäder (Ural Umbo) und Mike Reber (Herpes Ö DeLuxe) besteht und auf seinem selbstbetitelten Debüt seine unter die Haut gehende Fusion aus Instrumenten und Field Recordings präsentiert.

PENDULUM NISUM

Den ersten Eindruck vom Album vermittelt das Cover mit einer Photographie von Reto Camenisch, auf der eine im Nebel liegende Felswand zu sehen ist. Nach dem ersten Hörgang setzt das Album dem Hörer eine Art Soundtrack zu diesem Bild in den Sinn. Der Hörer, der Betrachter, der Protagonist, der auf diese Felswand blickt, befindet sich in meinem sinnbildlichen Film in einer Hütte auf dem gegenüberliegenden Felsplateau. Der Einstieg mit “Advance Warning” mit Unwettergeräuschen und (echtem) Wolfsgeheule lässt schon mal eindeutig durchblicken, dass der Aufenthalt in der Hütte kein gemütlicher ist. Drones legen sich über alles und schleichen in das Unterbewusstsein des Hörers. “In A Slow Spiral Up” beginnt mit Hörnern, fast schon so wie ein Aufruf, den neu angebrochenen Tag dort oben auf dem Felsen positiv zu nutzen, doch nur um dann die Stimmung wieder zu kippen und in “The Sacred Temple Behind The Light” dem Protagonisten wieder mit eindringlichen Tastengeklimper und Ambientgetöse das Fürchten beizubringen. “Second Deluge” beendet das Spiel auf der A Seite mit einem orgelähnlichen Soundteppich und weiteren verstörenden Klängen, die sich immer weiter steigern und ineinander übergehen.

PENDULUM_NISUM_2011

Der Film ist noch lange nicht zu Ende, denn auf der B Seite wird die Geschichte weitererzählt. “Infernal Council” lässt Klaviertöne wie aus einer Höhle rumoren, es gesellen sich noisige Sounds dazu, dann sowas wie weiblicher Gesang (der aber in den Credits nicht auftaucht). Mittlerweile scheint die Felswand komplett von Nebel umgeben zu sein und der Protagonist in der Hütte halluziniert vor lauter Einsamkeit wohl schon. “The Aesthetics Of Imperfection” fängt elektronisch an und wird umrahmt von Gepfeife und Geklirre von Geschirr (?). Versucht der einsame Mensch in der Hütte sich zu beschäftigen und gute Laune zu verbreiten? Es bleibt wohl beim Versuch, denn der Song endet mit einem Donnerschlag. Ein wummernder Dronesound in “Without A Contract” wird mit Fliegengesumme gepaart. So viele Fliegen an einer Stelle können nichts Gutes bedeuten. Der Track entfaltet sich mit noisigen Sounds, verzerrten Stimmen und noch intensiverem Gedröhne. Verstörend schön. “Secret Mystic Rites” mit seinen helleren Tönen klingt fast schon wieder positiv, dann eine schnellsprechende Stimme wie über Funk und Glockenschläge. Hat man die Person in der Hütte gefunden und meldet das über Funk? Lebt die Person noch?

Hört euch die Platte selbst an und macht euch euer eigenes Kopfkino.

Das Debüt von Pendulum Nisum ist auf dem Schweizer Label Hinterzimmer Records erschienen und ausschließlich auf Vinyl über den Shop des Labels oder in Deutschland über A-Musik erhältlich.

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