LIEBESTOD

Posted in Release on December 22nd, 2013 by D.K.

Wagner würde sich bestimmt freuen, wenn er ein Highlander oder Vampir wäre, noch leben würde und mitbekäme, dass das neue Album des polnischen Experimentalmusikers und Komponisten Stefan Wesolowski mit “Liebestod” betitelt wurde.

Als letzte Rezension des Jahres wollen wir euch dieses Album, das über Important Records erscheint, ans Herz legen. Auf “Liebestod” bringt Wesolowski Sounds zusammen, die zusammen gehören. Field Recordings treffen auf Elektronik, Elektronik trifft auf Klassik und alles vereint sich zu dieser unter die Haut gehenden Symbiose. “Ostinato” fängt den Hörer mit sich wiederholenden Streichermotiven auf. Es gesellen sich immer mehr Instrumente dazu, die aber nichts Neues miteinbringen, sondern stringent die Vielfältigkeit des Minimalistischen zelebrieren. Man möchte zum Ende hin einfach wieder die 1 drücken, anstatt das Album weiterzuhören. Aber das Weiterhören lohnt sich. Klavier, knisternde Field Recordings (was auch immer das ist), Streicher, Bläser – auch “What The Thunder Said” hinterlässt Gänsehaut. Die Aufnahmen an sich sind auch sehr liebevoll, denn man kann sogar das Luftschnappen der Bläser hören. “Route” überrascht mit einem elektronischen Beat, der als Untermalung für die Brassklänge dient, und sobald das Klavier im gleichen Takt einsetzt, wirkt der Beat plötzlich nicht mehr elektronisch, sondern wie ein Teil des Klassikensembles. Der Titeltrack hat eine unheimliche Aura, die durch einen sehr präsenten Streichersound und gesprochene Vocals (deutsch – aber mit sehr coolem Akzent) getragen wird. “Tacet” hat von der ersten Sekunde an eine Stimmung, die dem Hörer sagt: “Es ist ernst – hör zu – schlimmes könnte passieren”. Das Klavier klingt wie von Geisterhand gespielt, eine Noisewand aus – weiß der Geier was – baut sich auf, Hörner sorgen für den Bass. Keine Hoffnung. Der Liebestod ist die Lösung? “Hand im Haar” schließt das Sounderlebnis ab und wendet nochmal die Stimmung. Fast erschöpft wirken die Instrumente in dem Track, aber es schimmert Hoffnung durch den Sound.

Das Album wurde im alten Rathaus von Danzig aufgenommen. Mit Holz verkleidete Wände und hohe Decken werden ein Teil des Sounderlebnisses, werden ein Teil der Musik. An dieser Stelle kann ich nur sagen: Kaufen!

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AUSTRALISCHE WIEGENLIEDER

Posted in Release on March 2nd, 2013 by D.K.

Der Australier Lawrence English ist einer dieser experimentellen Musiker, die zu jeder Tageszeit am liebsten Musik machen würden. So kommt es einem zumindest vor, wenn man die Entstehunggeschichte zu “Lonely Women’s Club” hört. Das Album ist im Juli 2011 entstanden, als sich English zwischen 23 und 4 Uhr Nachts um seine neugeborene Tochter gekümmert hat.

Die Aufnahmen zu “Lonely Women’s Club” sind allesamt auf einer Elka 30 Orgel entstanden und wurden nur minimal gemastert. Minimal ist hier auch das richtige Stichwort, denn diese Platte brilliert mit einem sehr anziehenden minimalistischen Soundkosmos. Seite A besteht aus dem zweigeteilten “Cigarette Burn”, Seite B aus dem zweigeteilten Titeltrack. Seite A konzentriert sich auf tiefere Töne, Seite B auf höhere. Auf “Lonely Women’s Club” geht es um die Masse als Sound, es geht um die Wirkung der Vibration, die von der Orgel ausgeht. English bietet dem Hörer keine Melodien, sondern Flächen. Jeder Milimeter Vinyl, über den die Nadel fährt, entlockt den Boxen eine breite Soundwand, die unter die Haut geht.

“Lonely Women’s Club” erscheint in einer 500er Vinyl Auflage über Important Records.

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DIE GEHEIMEN PHOTOGRAPHIEN

Posted in Release on February 10th, 2013 by D.K.

Alvin Karpis war in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts Staatsfeind Nummer Eins in den USA und saß nach seiner Ergreifung in Alcatraz ein. Als er wieder freikam, lebte er die letzten Jahre seines Lebens in Spanien. Dort widmete er sich einem neuen Hobby: der Photographie. Zurück in der Jetztzeit ersteigert der Filmemacher Mike Hoolboom einige dieser Photographien bei einer Onlineauktion und beginnt damit einen Film zusammenzustellen, in dem langsame Blenden die Bilder zeigen und somit eine Geschichte erzählt wird. Was hat das mit Musik zu tun? Ganz einfach: Machinefabriek liefert den opulent minimalistischen Soundtrack dazu.

Auf “Secret Photographs” präsentiert sich Machinefabriek von seiner reinsten Seite als Musiker. “Part One (black and white)” (benannt nach den Episoden des Films) ist eine 20-minütige Offenbarung für Freunde experimenteller Musik. Wer auf Ambient steht, wird diesen Track sofort ins Herz schließen, denn hier geht es nur darum, Soundflächen wahrzunehme und zu spüren wie sie sich langsam entwickeln. Einfach perfekt. “Part Two (colour)” setzt den Fokus auf pure Gitarrensounds, noch langsamer gespielt als bei Earth enfalten die Klänge eine anziehende warme Aura, die durch das Beifügen von Effekten weiter untermalt wird. Ein halbstündiges Stück Musikgeschichte, das man sich nicht entgehen lassen sollte. “Part Three (black and white)” hat nichts mit dem ersten Stück zu tun, sondern setzt die Reise durch den Minimalismus weiter fort. Hier konzentriert sich Machinefabriek wieder auf das Erschaffen einer Ambientlandschaft, die durchzogen ist von Droneflächen. Definitiv eines der herausragendsten Alben von Machinefabriek.

Die Fotos von Alvin Karpis schmücken auch das Artwork des Albums und haben ihren ganz eigenen Charme. Das Coverartwork mit der Dame, die mit einem Lederhandschuh bekleidet einen Scheibenabzieher in Szene setzt, zeigt das sehr eigenwillige ästhetische Empfinden von Karpis. Die Fotos zeigen Szenen, erzählen Geschichten von dem was passiert, passiert ist, passieren wird oder passieren könnte.

“Secret Photographs” ist über Important Records erschienen.

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DUANE PITRE FORDERT AUF ZUM FREI FÜHLEN

Posted in Release on June 24th, 2012 by D.K.

feel free lp

Duane Pitre ist in der Minimalistische-Gitarrenklängeszene ein Begriff und hat sich mit der ein oder anderen Veröffentlichung einen Namen gemacht, nachdem er seine Karriere als professioneller Skateboarder für die Musik beendet hat. Auf den ersten Blick erscheint dieser Zusammenhang merkwürdig…

Im letzten Jahr hat sich Duane Pitre mit dem Komponieren von Orchesterstücken befasst und so kam es zu der Idee für “Feel Free”, dem aktuellen Album, das über Important Records erschienen ist. Grundidee ist auf Basis von bestimmten vorgegebenen Gitarren- und Elektroniksounds eine Komposition entstehen zu lassen. Dafür hat sich das Duane Pitre Sextet (Jim Altieri – Violine, Shannon Fields – Hackbrett, James Ilgenfritz – Contrabass, Jessie Marino – Cello, Jesse Sparhawk – Harfe) in die Berge von Woodstock verzogen und frei nach dem Prinzip Chaos und Ordnung die musikalische Vorlage von Duane Pitre untermalt und interpretiert. Pitre selbst hat den restlichen fünf Musikern gemäß dem Albumtitel freien Lauf gelassen, die Komposition so zu interpretieren, wie sie es für richtig erachten. Das Ergebnis ist ein fünfgeteiltes Stück, das dem Hörer zunächst die Vorlage von Pitre bietet und dann allmählich anfängt sich durch das Beifügen der klassischen Instrumente in ein orchestrales klassisches experimentelles Werk zu verwandeln, das zum Schluß in einer Soundwelle mündet. Streichersounds, die ineinander fließen und auch dem Hörer das Gefühl geben frei zu sein, so wie ein Skater, der gerade mit seinem Board einen Sprung gewagt hat, der ihm einen Adrenalinschub gegeben hat.

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Passend zur Albumveröffentlichung von “Feel Free” ist auch ein Skateboard im Artworkdesign erschienen. Die nichtorchestrale Version von “Feel Free” ist übrigens ebenfalls auf Important Records erschienen und findet sich auf der Eleh / Duane Pitre Split LP wieder.

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FRÜHJAHRSPUTZ BEI NADJA

Posted in Release on February 12th, 2012 by D.K.

Zugegeben, die Überschrift ist irreführend, aber zutreffend, denn auf “Excision” vereinen Nadja bisher nur auf Vinyl erhältliche Songs und seltene Songs von limitierten CD-Auflagen auf einem Doppel-CD-Album, um auch der Fanschaft bestimmte Songs nahe zu bringen, die immer noch denkt, dass Vinyl sterben wird und sich deshalb eine Anschaffung eines Plattenspielers nicht lohnt.

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Nachdem Important Records schon eine Raritätensammlung von Aidan Baker auf der Doppel CD “I Wish Too, To Be Absorbed” veröffentlicht hat, folgt nun die Nadja Sammlung “Excision”. “Jornada Del Muerto” eröffnet das Album fulminant und stammt von der Trintiy CD, die über das Bremer Label Die Stadt Musik veröffentlicht wurde und neben diesem Song jeweils einen Aidan Baker und Leah Buckareff Solosong enthält. Genauso verhält es sich mit “Perichoresis”, das auf der von Important Records veröffentlichten LP “Trinitarium” erstmals zu finden war. “Spahn” stammt von der Vinyl Split “Tümpisa” von Accident Prone Records und zeigt die große Bandbreite der Band zwischen Ambient, Drone, Doom, Metal und Shoegaze in einem Song. “Kriplyana” ist ebenfalls ein Split-Song, diesmal von Fario Records, episch, schön, Nadja halt.

Es geht weiter auf der zweiten CD. Opener ist “Autosomal (Version 2)” von der Vinyl Version des Kultalbums “Bodycage”, 2007 auf Equation Records als 12inch erschienen. Ausufernde Drones, trockene Drummachinesounds und derbe Bassläufe. Dann “Kitsune (Fox Drone)”, von der Nadja/Kodiak Split auf Denovali, mit seinen unterschwelligen Droneflächen, die langsam das Gemüt des Hörers einnehmen. “Autosomal (Version 3)” folgt… und dann das auch in dieser Zusammenstellung ungwöhnliche Stück “Clinging To The Edge Of The Sky”, das ohne jegliche Verzerrung auskommt und sowas wie Nadja Unplugged ist. Im Original als einzelner Song auf einer 12inch über Vendetta/Adaigo830 erschienen.

nadja by paste sniffer

“Excision” ist das perfekte Nadja Album für alle die, die keinen Bock haben, viel Geld auszugeben, für alle, die einfach alles haben wollen von Nadja und für alle die, die auf Vinyl verzichten müssen/können/wollen… Fakt ist, dass diese Sammlung trotz der Zerrupftheit einiger Songs (die vollkommen aus dem eigentlichen Kontext entrückt sind) einen ganz eigenen Fluss hat.

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JOZEF VAN WISSEM & JIM JARMUSCH

Posted in Musik on February 4th, 2012 by D.K.

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Jim Jarmusch, der Mann, der Bill Murray und Tilda Swinton mit Sunn O))), Boris und Earth im Film zusammengeführt hat, traut sich jetzt erstmalig auch als Musiker, ein Full Length Album zu veröffentlichen. Zusammen mit dem niederländischen Lautespieler Jozef van Wissem hat er “Concerning The Entrance Into Eternity” aufgenommen, nachdem Jarmusch bereits auf der letzten Platte von van Wissem zu Gast war und anscheinend musikalisches Blut geleckt hat.

Auf “Concerning The Entrance Into Eternity” kommen klassische Lautentöne von Jozef van Wissem mit E-Gitarrensounds von Jim Jarmusch zusammen. Grundgerüst ist immer der auf der Laute gespielte Song, der untermalt wird von Gedröhne und Feedback aus der Gitarre von Jarmusch. Hier trifft Handwerk auf Freistil und das ist genau der Grund, warum dieses Album so interessant ist. Jim Jarmusches Berühmtheit hilft natürlich die Aufmerksamkeit auf diese Platte zu lenken, doch unabhängig davon ist diese Fusion aus noisigem Gitarrengedröhne und klassischen Lautenmelodien mutig, selten und ungewöhnlich gut. Besonders da, wo Jim Jarmusch mit seiner Gitarre weiter in den Vordergrund kommt, wie bei “The Sun of the Natural World is Pure Fire”, geht das Zusammenspiel der beiden Saitenspieler unter die Haut. Auf dem letzetn Stück der Platte überlässt Jim Jarmusch van Wissem die Instrumentierung und gibt sich als Redner…

Das Album erscheint über das amerikanische Label Important Records auf CD (mit Bonustrack) und LP und ist auch im Shop von Jozef van Wissem erhältlich.

jozef van wissem & jim jarmusch

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PORTRAITS

Posted in Release on December 11th, 2011 by D.K.

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Ein unscheinbarer Bandname, ein unscheinbares Cover von einem weißen Punkt auf einem Stück Stoff. Das, was aber hinter dem selbstbetitelten Debüt von Portraits steckt, ist eine Supergroup bestehend aus Jefre Cantu-Ledesma und Maxwell Croy vom Root Strata Label, Evan Caminiti und Jon Porras von Barn Owl, Lisa McGee von Higuma, Gregg Kowalsky und Marielle Jakobsons von Date Palms, Steven Dye und Tony Cross (die bei Tarentel mitgespielt haben) und Michel Elrod, der bei Barn Owl und Date Palms Tambura gespielt hat.

Portaits vereinen auf drei Songs in 40 Minuten ihr musikalisches Können und zelebrieren den psychedelischen Flächendrone. Denn der 20minütige Opener “D” breitet sich so schmeichelhaft fließend aus, dass es eine Freude ist, den Musikern bei ihrer minimalistischen Herangehensweise zuzuhören. Portraits brauchen keine klassischen Songstrukturen um zu überzeugen, sondern umhüllen den Hörer mit gleitenden Klängen aus verschiedenen Instrumenten, die sich zu einem gemeinsamen Surren vereinen. “SA” setzt genau da an, nutzt aber diesmal die Vocals der Beteiligten um eine Soundfläche zu erzeugen. Das Finale mit dem 12minütigen “Gong” setzt auf dunklere Töne

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Das Debüt von Portraits erscheint Ende Januar als Vinyl über das amerikanische Label Important Records.

Hier schonmal ein Livemitschnitt, für den ersten Eindruck.

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RIVULETS

Posted in Release on December 11th, 2011 by D.K.

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Rivulets ist der amerikanische Singer-Songwriter Nathan Amundson, der passend zur Jahreszeit sein neues Album “We´re Fucked” veröffentlicht hat.

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“We´re Fucked” ist das vierte Full-Length-Album von Rivulets und beinhaltet 13 Balladen oder balladeske Songs. Die Musik wird wie im Opener “Interstate” meist von Akustikgitarre und der zerbrechlich klingenden Stimme von Nathan getragen. Die Vocals werden so intensiv vorgetragen, dass keine Zweifel bestehen, dass hier jemand seine Seele auf der Zunge trägt. “No Talking” zeigt die zweite Seite des Albums. Rivulets als Band mit Gitarre, Bass und Drums. Zuerst steht das Wort und dann wird alles untermalt mit einem instrumentalen druckvollen Ende. Sehr gelungene Songstruktur. “The Road” hat den wohl eingängigste Refrain des Albums und auch wenn die Texte dieses Albums eher in die Richtung Herz- und Weltschmerz gehen, kommt so gut wie nie das Gefühl auf, dass hier jemand Schnulzen vorträgt. Der Albumtitel ist ein Dokument dafür, wie sich Nathan Amundson während der Aufnahmen gefühlt hat, und es freut einen, dass es nicht “We´re Happy” heisst. “Sheep Among Wolves” ist mit seinen sechseinhalb Minuten der längste Beitrag der Platte, mit Akustikgitarre, Percussion und Bass wird der Hörer hier sicher durch das Wolfsrudel geführt. “Change in Your Heart” ist nach ein paar Durchläufen mein kleiner Favorit. Tiefe, leicht verzerrte Gitarre, Amundsons leidende Stimme und ein kleines instrumentales episches Ende. Manchmal reichen auch zweieinhalb Minuten um alles auszudrücken.

“We´re Fucked” ist Ende November über Important Records erschienen.

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GRAILS

Posted in ontheroad, Release on February 17th, 2010 by D.K.

grails

Es gibt neues von den Grails. Nachdem sie im letzten Jahr die Arbeit am neuen Longplayer aufgenommen haben, der in der zweiten Jahreshälfte 2010 erscheinen soll, kommt im April Teil 4 der “Black Tar Prophecies” raus. Die EP wird über Important Records veröffentlicht und beinhaltet 5 neue Songs, die laut Band wie ein Mix “of Satanic backmasking tape collage and ultra-melancholy Italian suspense shit” klingen. Mit Timba Harris von den Secret Chiefs haben sich die Grails zudem prominente Hilfe ins Studio geholt, um den Songs der EP und des neuen Albums den passenden Streichersound zu verleihen.

“Black Tar Prophecies Vol. 4” erscheint zunächst als limitierte 1500er Vinyl Auflage, wovon 500 Exemplare als Picture Disc (siehe Foto) gepresst werden. Zusätzlich erscheinen über Important Records die ersten 3 Teile der “Black Tar Prophecies” zum ersten Mal zusammen auf Vinyl.

Grails kommen auch für zwei Termine nach Deutschland. Mehr auf unserer ONTHEROAD Seite.

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