AIDAN BAKER LÄSST DIE FRAUEN SINGEN

Posted in INTERVIEWS, Release on April 12th, 2013 by D.K.

Aidan Baker ist ein fleißiger Musiker, der mittlerweile eine Diskografie im dreistelligen Bereich hat. Was bei anderen Musikern in der Belanglosigkeit endet, führt bei Aidan Baker zu stetigen Weiterentwicklungen in dessen Soundkosmos. Letztes Jahr überraschte Baker mit einem Album, auf dem gleich ein Dutzend bekannter Drummer spielte, dann wenig später ließ er mehrere Gitarristen seine Stücke einspielen und nun steht mit “Already Drowning” ein Album vor der Veröffentlichung, auf dem jeder Track von jeweils einer Sängerin (ein Track auch im Duett zweier Vocalistinnen) eingesungen wurde.

Thematisch geht es bei “Already Drowning” um die verschiedensten Mythen & Sagen rund um weibliche Fabelwesen aus dem Wasser. Das Artwork ziert eine Meerjungfrau (“Der seltene Fang” von Ernst Herter, fotografiert von Aidan Baker), die Songs zieren die Stimmen der Sängerinnen, die die Lyriks von Aidan Baker vortragen und teilweise auch in ihre eigenen Sprachen übersetzt haben. Musikalisch fällt die Platte schon allein wegen der opulenten Instrumentierung aus dem bekannten Schema. Baker spielt natürlich das Meiste selbst, Streich- und Blasinstrumente sind von Gastmusikern beigesteuert und Leah Buckareff von Nadja legt ein paar Akkordiontöne nieder. Die Platte folgt stilistisch keiner bestimmten Linie, sondern hat eher eine alles zusammenhaltende Atmosphere, ähnlich wie “Laughing Stock” von Talk Talk, das eine überraschende Reise zwischen Slowcore und Post-Rock bietet. Eigentlich ist alles zwischen Jazz, Blues und Drone auf “Already Drowning” vertreten.

already drowning

Wir haben mit Aidan Baker über seine Gastsängerinnen gesprochen und ihn gefragt, ob er sich noch daran erinnert, wie er mit den Damen zusammengekommen ist:

Clara Engel – “Already Drowning” – Bluesig und jazzig zugleich.
Clara and I first met 5 or 6 years ago when we worked together briefly at a bookstore in Toronto. We have since played a number of shows together in Toronto. Clara also sang and played guitar on my piece “Liminoid” performed and recorded live at The Music Gallery in Toronto in 2009.

Jessica Bailiff – “30 Days/30 Nights” – Streicher und treibende Gitarren- und Drumsounds.
I have listened to Jessica’s music for a number of years, as well as her partner Boduf Songs (with whom I collaborated for the Infinite Light Ltd. project), although I have yet to meet either of them in person. I got in touch with her through a mutual friend at Brainwashed.com to ask whether she would be interested in contributing to Already Drowning.

Maude Oswald & Valérie Niederoest – “Mélusine” – Unheimlich doppelstimmiger Sirenengesang mit improvisierter Instrumentierung.
I met Maude and Valérie after seeing their band Toboggan play in Berlin in 2009 and I really liked their music. I particularly liked the way they sang together, so asked them to do a duet on Already Drowning.

Joanna Kupnicka – “Mein Zwilling, Mein Verlorener” – Akustikgitarre und deutsche Lyrics. Folkig und ein bisschen skurril.
I wanted one of the songs on Already Drowning to be in German to represent my current home of Berlin and my identity as an ex-pat Berliner. Joanna was recommended to me by our mutual friend Stefan, co-owner of the Berlin record shop Bis Auf’s Messer. Joanna’s vocals with her band The Cold Hand have a bit of a Berliner cabaret feel, so that added (to my mind, at least) a bit of a historical connection to the Berlin music scene, beyond just the German-language lyrics.

Geneviève Castrée – “Tout Juste Sous La Surface, Je Guette” – Die perfekte Melange aus erhabenen Melodien und eigenwilligem französischsprachigem Gesang. Ein heimliches Highlight mit ergreifendem Refrain.
I first met Geneviève when she and her partner Phil Elvrum (Mount Eerie) came to see Nadja play in Seattle in 2009. Geneviève gave us a copy of her Ô Paon album “Courses” which I liked a lot. I also wanted to have a song on Already Drowning in French to reflect my Canadian background (Geneviève is also Canadian, although she lives in the US at the moment). This may not be readily apparent, but the lyrics of this song take some imagery from the Margaret Atwood poem ‘This Is A Photography Of Me’ which is something of a classic Canadian poem that everyone has to study in school. This poem also deals with drowning, which is something of a recurring theme within Canadian literature…so this song has a lot to do with Canadian identity…

Liz Hysen – “Ice” – Artrockiges Epos , mit einer einnehmenden Klimax.
I have known Liz the longest of all the singers on this album. We first met some time in the late 90s when the band I was playing with at that time (short-lived and long relegated to obscurity) opened for Liz’s band Picastro. We have since played a lot of shows together, toured together a few times in Europe, and released a semi-collaborative split album “Fool, Redeemer” (Broken Spine) together in 2011. Many times when we were touring together, I would play guitar in the band, but I had never had Liz sing on my music, so that was something I felt was missing from our musical relationship.

Carla Bozulich – “Lorelei” – Wie ein Selbstgespräch in einer Bar, in der ein schmierige Mariachiband im Hintergrund sitzt und Songs probt. Rauh und verwegen.
I discovered Carla’s band The Geraldine Fibbers in the early 90s and have since followed her work with her various projects. Carla’s contributions to Already Drowning were done via filesharing and we didn’t meet in person until 2010 when Evangelista performed in Berlin. She lived in Berlin for awhile last year, so we were able to play collaboratively together in person a few times, including one live performance opening for the Italian band Father Murphy.

Already Drowning erscheint über Gizeh Records und ist auf Vinyl, CD oder als Download vorbestellbar.

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INTERVIEW: OAKEN PALACE RECORDS

Posted in INTERVIEWS on January 14th, 2013 by D.K.

Oaken Palace Records ist ein neues Label, das experimentelle Musik mit Umweltschutz vereint und kurz vor der Veröffentlichung seiner ersten Platte steht. Da uns dieses Konzept sehr zusagt, haben wir Labelgründer Sven zum Gespräch gebeten, der inmitten aller Vorbereitungen steckt, das Label mit Sitz in England zu vermarkten.

Dein Label bezeichnest du als „The Green Record Label“, weil alle Gewinne für den Umweltschutz eingesetzt werden. Erzähl uns doch mal bitte wie das Ganze funktioniert?

Gerne, das Ganze funktioniert wie folgt: Nachdem sich eine Band bereit erklärt hat, ein Album über Oaken Palace Records zu veröffentlichen, bitte ich sie im nächsten Schritt, sich für ein Tier zu entscheiden, das auf der Roten Liste gefährdeter Arten aufgeführt ist. Diese Liste wird auf jährlicher Basis von der „International Union for Conservation of Nature and Natural Resources“ (kurz IUCN) veröffentlicht und ist weltweit als die umfangreichste Quelle für den aktuellen Stand des Gefährdung von Tieren und Pflanzen anerkannt.

Die Band widmet ihr Release dem ausgewählten Tier und ich begebe mich daraufhin auf die Suche nach Organisationen und Stiftungen, die sich dem Schutz der jeweiligen Spezies oder ihres Lebensraums verpflichtet haben. Von meiner Liste geeigneter Organisationen wählt die Band dann diejenige aus, die ihr am meisten zusagt. Ich versuche bei der Auswahl so spezifisch wie möglich zu sein, das heißt ich bevorzuge generell Organisationen, die zum Schutz der jeweiligen Spezies gegründet wurden, um sicherzugehen, dass die Spenden auch dort ankommen, wo sie ankommen sollen.

Schließlich werden die Platten produziert und exklusiv über den Oaken Palace Online Shop und die Bands vertrieben. So versuche ich sicherzustellen, dass wirklich alle Gewinne, also alles, was über die Deckung meiner Kosten hinausgeht, dem Tier- und Umweltschutz zu Gute kommen. Die Bands erhalten normalerweise 10% der gepressten Auflage, um ihrerseits Kosten für die Aufnahme und andere Posten zu decken.

Oaken Palace Records wird nicht gefördert und ich bezahle die Produktion der Releases komplett aus meiner eigenen Tasche. Ich hoffe daher, dass das Label auch von den Fans dieselbe positive Resonanz erfährt, die ich momentan schon von den Künstlern bekomme!

Wie kamst du dazu ein Label zu gründen? Heutzutage sterben die ganzen Indie Label fast wie am Laufband aus.

Es war schon immer mein Traum, ein eigenes Label zu gründen. Einerseits finde ich es natürlich etwas besorgniserregend zu sehen, dass selbst relativ große und bekannte Label wie Hydra Head Records heutzutage kaum noch am Markt bestehen können. Andererseits bin ich aber bereit, dieses Risiko einzugehen, da ich denke, dass sich Oaken Palace Records durch seinen speziellen Fokus auf Tier- und Naturschutz von bestehenden Labels abhebt.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich meine Ideale und Ziele hinsichtlich des Erhalts unserer Natur mit vielen Fans von Drone, Psychedelic, und anderen experimentellen Genres teile. Selten trifft man so viele Leute mit einem starken Umweltbewusstsein und alternativen Weltanschauungen wie auf Konzerten und Festivals wie zum Beispiel dem Roadburn – und genau diese Menschen will ich mit meinem Label ansprechen. Ich will damit zum Denken anregen, Aufmerksamkeit erregen und letztendlich auch Vorbild für andere Labels sein. Es müssen ja nicht gleich 100% der Gewinne sein, die gespendet werden – selbst 10% würden schon einen großen Unterschied machen.

Du hast dich bisher auf Drone und Psychedelic Releases spezialisiert. Wo siehst du die Verbindung zwischen Drone und Psychedelic zur Natur?

Aidan Baker, der mit seiner neuen Band Caudal sowie mit Nadja ebenfalls zwei Alben auf Oaken Palace Records veröffentlichen wird, hat vor kurzem in einer sehr persönlichen Reflektion auf sein Dasein als Künstler geschrieben: „I need to create and listen to music to maintain my emotional health“. Ich empfinde genauso – Musik ist ein Zugang zu unseren Emotionen und kann einen starken Effekt auf unser Wohlbefinden haben. Drone und Psychedelic sind für mich persönlich zwei Genres, die einen besonders intensiven Kontakt mit unserer Gefühlswelt ermöglichen und uns helfen können, unsere egoistischen Interessen zu transzendieren.

Was bedeutet Oaken Palace?

Oaken Palace bedeutet frei übersetzt „eichener Palast“ oder „Palast aus Eichen“. Ich gebe zu, dass dieser Ausdruck nicht von mir stammt – er ist mir in Agalloch‘s „She Painted Fire Across The Skyline“ aufgefallen und hat mich emotional stark angesprochen. Die Formulierung reflektiert für mich die Schönheit der Natur und vermittelt Respekt vor unserer Umwelt. Anstatt die Natur als etwas zu begreifen, das „gebändigt“ werden muss und uns zu „dienen“ hat, sollten wir dankbar dafür sein, auf einem Planeten zu leben, der uns mit allem versorgen kann, was wir wirklich zum Leben brauchen, wenn wir es nur richtig anstellen.

Wie kamst du in Kontakt mit Eric Quach und wie kam es dazu, dass er sich für die Parallel Lines Platte für den Eisbären entschieden hat?

Nachdem ich mich entschieden hatte, Oaken Palace Records zu gründen, habe ich eine Reihe von Bands und Künstlern kontaktiert, um zunächst einmal ein wenig Feedback zu meiner Idee zu bekommen und auszutesten, ob solch ein Konzept überhaupt funktionieren kann – schließlich bekommen die Bands zumindest finanziell wenig bis gar nichts. Da ich ein großer Fan von thisquietarmy bin, war auch Eric auf meiner Liste. Er war von Anfang an sehr interessiert und hat sich dann auch vergangenen November bei mir gemeldet und mich gefragt, ob ich am Release des Parallel Lines-Albums interessiert wäre – natürlich habe ich sofort zugesagt!

Insgesamt waren die Antworten auf meine Anfragen sehr positiv, was für mich eine weitere Besonderheit der Underground-Szene deutlich macht: Den Künstlern geht es nicht um Geld, sondern um Musik. Kreativität und Eigensinnigkeit wird nicht dem kommerziellen Erfolg geopfert, sondern fließt in Projekte, die einem höheren Zweck dienen.

polarbear by constantly consuming

Eric und die anderen Bandmitglieder haben sich für Eisbären entschieden, da sie als Kanadier eine besondere Verbindung zu diesem Tier haben. Zusätzlich ist wohl kaum ein anderes Tier so stark vom aktuellen Klimawandel betroffen wie der Eisbär, was ihn als ersten Vertreter in einer hoffentlich langen Reihe von schützenswerten Spezies geradezu prädestiniert.

Wie kann der Käufer einer Platte sicher sein, dass die Gewinne des Labels gespendet werden? Es ist gut vorstellbar, dass es Leute gibt, die das Konzept gut finden aber der Sache sehr skeptisch gegenüberstehen.

Das ist eine sehr gute und berechtigte Frage. Mir liegt es sehr am Herzen, die Verwendung der Gewinne so transparent wie möglich zu gestalten. Zunächst einmal befinde ich mich zur Zeit im Prozess, Oaken Palace Records als gemeinnützige Organisation in England anerkennen zu lassen. Dies unterliegt strengen gesetzlichen Vorlagen und wäre damit ein erstes Qualitätssiegel, auf das Käufer der Releases vertrauen können. Darüber hinaus werde ich die Empfänger der Spenden bitten, mir eine Bestätigung zu senden, die ich dann natürlich auf der Label-Homepage veröffentlichen werde. Ich denke auch darüber nach, einen detaillierten Geschäftsabschluss am Ende jedes Jahres auf meiner Homepage zu veröffentlichen.

Natürlich hängt die Höhe der Spenden stark davon ab, wie viele Platten verkauft werden. Im Optimalfall, wenn also die komplette Auflage verkauft wird, werden aber circa zwei Drittel des Kaufpreises einer jeden Platte gespendet werden. Es liegt also vor allem an den Fans, dieses Projekt so erfolgreich wie möglich zu machen.

Was ist mit der Umweltfreundlichkeit bezogen auf die Produktion der Platten?

Die Platten werden von einer englischen Firma produziert, die nach dem weltweit anerkannten Gold Standard für CO2-neutrale Produktionsprozesse zertifiziert ist und darüber hinaus den Vorgaben des ISO 14001-Standards zum umweltfreundlichen Management folgt. Natürlich ist das Material, aus dem die Platten hergestellt werden, immer noch ein Kunststoff, aber die Produktion erfolgt so umweltfreundlich wie möglich.

parallel lines testpressing

Zusätzlich werden alle Plattenhüllen aus 100% nachhaltigem oder sogar 100% recyceltem Papier hergestellt – je nachdem, ob das Artwork eine Fertigung aus dem etwas raueren, recycelten Material zulässt. In jedem Fall hinterlassen wir damit keinen negativen ökologischen Fußabdruck. Zu guter Letzt werden alle Druckfarben aus ungiftigen, natürlichen Ressourcen gewonnen. Der Besitzer eines Release von Oaken Palace Records kann sich also sicher sein, dass er ein Album in den Händen hält, das den höchsten Umweltstandards entspricht.

Was ist dein Lieblingstier, das unbedingt „besungen“ werden muss?

Mein Lieblingstier ist der Orang-Utan. Ich bin immer wieder begeistert von der Friedlichkeit und Intelligenz dieser Waldbewohner und gleichzeitig äußerst besorgt über ihre Zukunft. Selbst nach optimistischen Schätzungen gibt es nur noch circa 47.000 Orang-Utans weltweit und ihr Lebensraum wird nach wie vor systematisch zerstört. Daher bin ich schon seit Jahren Fördermitglied des BOS („Borneo Orang-Utan Survival“) Deutschland, einer großartigen kleinen Organisation, die verwaiste und verletzte Orang-Utans wieder aufpäppelt und auf die Auswilderung in geschützten Regenwaldgebieten vorbereitet.

Ich selbst habe keinen Einfluss darauf, welches Tier von den teilnehmenden Bands ausgewählt wird, aber ich plane, bald T-Shirts mit dem Oaken Palace Label-Logo drucken zu lassen (natürlich aus 100% ökologischer Baumwolle) und die Gewinne aus deren Verkauf an BOS Deutschland zu spenden.

Was sind die weiteren Pläne für das Label? Gibt es vielleicht Künstler, die du gerne bei dir im Rooster hättest?

Ich bin nun erst einmal sehr gespannt, wie das Label von den Fans angenommen wird. Wenn alles gut läuft, werden nach dem Release des Albums von Parallel Lines noch vier weitere Releases in diesem Jahr folgen, nämlich von Caudal, Nadja, Sylvester Anfang II und Plurals. Das gibt mir einiges zu tun, da ich neben der Arbeit für Oaken Palace Records natürlich auch noch irgendwie Geld verdienen muss. Daher nehme ich zurzeit keine weiteren Bands an, auch wenn es an Interessensbekundungen nicht mangelt.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich bei allen teilnehmenden Bands für ihr Vertrauen und ihre Großzügigkeit zu bedanken. Ebenso bin ich euch sehr dankbar für eure Unterstützung. Nun freue ich mich auf den ersten Release auf Oaken Palace Records und hoffe, dass er den Fans genauso gut gefällt wie mir selbst!

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RE-INTER-VIEW: BOLT – INKLUSIVE SONGPREMIERE

Posted in INTERVIEWS, Release on June 10th, 2012 by D.K.

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Vor ein paar Monaten haben wir euch das deutsche Bassduo [BOLT] vorgestellt, das uns mit seinem massiven Demo überzeugt hat. Nun steht das erste Album vor der Veröffentlichung. Aentitainment Records hat vier Songs auf 100 12inch Platten verewigt und in ein handgemachtes Artwork mit minimalistisch aufwendigem Design, inklusive handgebeiztem “Holz-Bolt”, gepackt.

[BOLT] haben ihr zweites Album auf “(02)” getauft und nehmen den Hörer mit auf eine Reise durch schwerfällige Dronelandschaften, geprägt durch den Einsatz der beiden Hauptinstrumente: zwei Bässe.
Das Album beginnt mit dem 11-minütigen “[03]”, minimalistisch gestrickt und genau deswegen so wirkungsvoll. Die Bässe dröhnen mit ihrer sehr präsenten Verzerrung direkt am Anschlag. Im Hintergrund legt sich eine noisige Gitarrenwolke nieder (gleich mehr dazu) und spätestens nach fünf Minuten hat sich der Song ins Hörergedächtsnis gegraben. Das kurze “[09]” täuscht dem Hörer zunächst ein Riff, eine Melodie vor, um dann lässig vor sich herzudröhnen, herrlich. Schade, Seite A ist vorbei. Die B Seite schnell auflegen und abwarten, was passiert. Synthiesounds? Was ist denn hier los? Man will doch Bässe hören… aber hört euch einfach mal den exklusiven Stream von “[02]” an…

Den Abschluss macht “[05]” was auch schon auf dem Demo zu finden war und für das Album neu aufgenommen wurde. Wie der Opener legen die Bässe hier eine Lage auf die nächste Lage und bauen ein epischen Dronewerk auf, das überraschend endet.

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Wir haben uns mit Thomas, der einen Hälfte von [BOLT], unterhalten und ein paar Infos zum neuen Album eingeholt:

Was ist die Geschichte hinter eurer Platte? Wo ist sie entstanden? Wie ist sie entstanden? Wie habt ihr aufgenommen?

Die Geschichte fängt schon bei unserer Demo-EP ( 0 1 ) an, die wir bei Chris (Aentitainment Records) im Home-Studio eingespielt haben. Das Ergebnis war schon ein guter Schritt in die richtige Richtung und so entstand schnell die Idee, dass Ganze weiterzuführen. Chris hat uns dann in sein Label aufgenommen und wir haben umgehend mit den Aufnahmen zu ( 0 2 ) begonnen. Die Songs standen soweit schon im Großen und Ganzen, doch wir haben sie hier und da nochmal überarbeitet und an den Sounds gebastelt. Alle Songs, die auf ( 0 1 ) und ( 0 2 ) zu hören sind, haben wir bei Andi im Wohnzimmer geschrieben und Demo-mäßig aufgenommen, um die Riff- und Songideen festzuhalten. Seit Januar haben wir nun auch einen Proberaum, in dem nun neue Sachen entstehen. Aufnehmen werden wir wohl weiterhin bei Chris, aber evtl. auch mal in einem richtigen Studio, wenn es die finanzielle Situation zulässt.

Eure Songs haben ja genau wie auf dem Demo keinen Namen, sondern nur Nummern. Was ist der Hintergrund?

Das Grundkonzept ist, dass es bei uns keine Worte und somit Ausdrücke und Bedeutungen gibt – wir heißen ja auch eigentlich nicht [ B O L T ], sondern schlicht ███████. Und da es weder Gesang noch Sprachsamples gibt, verbinden wir selber mit den Liedern keine Worte oder dergleichen. Daher tragen die Songs einfach durchnummerierte Ziffern in eckigen Klammern und die Platten das Gleiche in runden Klammern. Es ist der Versuch, die Musik ganz und gar für sich stehen zu lassen.

Warum nur vier Songs und warum gerade die Vier?

Unsere Lieder sind ja meist recht lang und da von Anfang an klar war, dass wir eine Schallplatte und keine CD-Version herstellen lassen wollen, waren wir stark an die mögliche Spielzeit gebunden. Auf eine CD hätten wir evtl. noch 2, 3 Stücke mehr gepackt, aber so wie es jetzt ist, finden wir es rund und stimmig. Die Songauswahl haben wir erst Band-intern und dann noch in Rücksprache mit Chris gemacht, wobei wir uns da recht schnell einig waren.

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Auf der Platte sind mehr als nur zwei Bässe zu hören? Hattet ihr Gäste?

Mehr als zwei Bässe sind bei unseren aufgenommen Songs meist zu hören, denn wir spielen verschiedene Riffs doppelt und dreifach ein – darüber hinaus gibt es ein paar Overdubs und Soundsamples. Um den Gesamtsound aber hier und da noch zu verfeinern, haben wir 3 Freunde eingeladen und mit ihnen an den Songs geschraubt – Katrin am Piano bei [ 0 5 ] war ja schon auf der Demo-Version zu hören, Dominik (normalerweise Sänger und Gitarrist bei Domingo) ist ein guter Freund von uns und wir wollten seine Keyboard-Ideen gerne einbinden und haben an [ 0 2 ] viel rumprobiert und Seppo (ex-Kodiak Gitarrist) haben wir irgendwann mal kennengelernt und dann war schnell klar, dass wir ihn und sein Songwriting gerne mit unserem Gedröhne kombinieren würden, woraus dann [ 0 3 ] entstand. So ist ( 0 2 ) zwar ganz klar eine Bass-lastige Platte geworden, jedoch gibt es hier und da dann auch mal höhere Frequenzen und andere Sounds zu hören.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit den anderen Musikern?

Katrin und Dominik kennen wir schon länger und die Idee zur Zusammenarbeit kam uns schon beim Schreiben der Songs. Dann haben wir mit den beiden am jeweiligen Stück gearbeitet und das Ganze eingespielt. Seppo haben wir einfach mal angefragt und da ihm unsere Demo-EP sehr gut gefallen hat, war er sofort dabei und hat seine Gitarre samt Effektpedale eingepackt. Diese Art von Song-bezogener Zusammenarbeit gefällt uns sehr gut, denn so bleiben wir beide die Grundbesetzung der Band und trotzdem hat man Variationsmöglichkeiten bei Sound und Arrangement.

Was gibt es denn zum beeindruckend minimalistischen Artwork zu berichten?

Das Ganze fügt sich natürlich in das Grundkonzept der Band – keine überflüssigen Worte, Bildchen oder so. Wir haben 1, 2 Ideen durchgespielt und dann entschieden, dass es so wie es nun daherkommt aussehen und recht viel D.I.Y.-Sachen beinhalten soll. Wir haben gebastelt, gesammelt, gesägt, gefärbt und und und. Wenn man die Schallplatte in der Hand hat, dann wird sich zeigen, was wir an Eigenarbeit reingesteckt haben und hoffentlich gefällt es dem Käufer dann auch so gut wie uns. Es war auf jeden Fall sehr viel Arbeit, aber es hat sich gelohnt. Generell werden wir wohl auch bei kommenden Platten D.I.Y.-Dinge einfließen lassen, nur haben wir jetzt auch Erfahrungswerte und wissen, was wie schwer und kompliziert ist. Wir finden es aber schon wichtig, dass man bei kleinen Auflagen die Möglichkeit nutzt und jeder einzelnen Schallplatte etwas Eigenes und Einmaliges gibt.

Vielen Dank Thomas, für diesen kleinen Einblick Hinter die Kulissen der [BOLT]-Fabrik… ehm █████-Fabrik.

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RE-INTER-VIEW: AIDAN BAKER – THE SPECTRUM OF DISTRACTION

Posted in INTERVIEWS, Kunst, Release on December 10th, 2011 by D.K.

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Aidan Baker hat uns dieses Jahr nicht nur mehrfach mit Konzerten, sondern auch mit einigen Soloplatten beglückt, was im nächsten Jahr nicht anders sein soll. Im Januar veröffentlichen Robotic Empire das Doppelalbum “The Spectrum Of Distraction”. Darauf vertreten sind 96 Tracks, an denen 18 Drummer beteiligt sind. Schon alleine diese Info ist etwas, wo man zweimal hinschaut, um zu realisieren das es stimmt, was die Augen da gelesen haben.

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Kommen wir zu den Details dieses zweistündigen Werks, für das Aidan Baker befreundete Drummer aus aller Welt gefragt hat, ob sie Interesse hätten, ihm Drum- und Percussiontracks zu schicken, die er für sein Album verwenden kann. An dieser Stelle ist ein munteres Namedropping sicherlich angebracht. So finden sich neben den Drumkünsten von Aidan Baker selbst noch folgende 17 Drummer auf den beiden Platten wieder:

Richard Baker (ARC), Andrew Crawshaw (The Silent Ones), Alessandro Curvaia (Shora), Bruno Dorella (OvO), David Dunnett (Man Meets Bear), Thor Harris (Swans), Steven Hess (Locrian, Ural Umbo), Kevin Micka (Animal Hospital), Mac McNeilly (The Jesus Lizard), Ted Parsons (Godflesh, Jesu, Killing Joke), Phil Petrocelli (Jesu), Simon Scott (Slowdive), Geoff Summers (Batillus), Jakob Thiesen (Nadja, Whisper Room), Brandon Miguel Valdivia (Picastro), Victor Cirone (Solokünstler) und Hamish Walker (Kerretta).

Aidan Baker hat den erhaltenen Tracks seine Gitarren- und Bassspuren hinzugefügt und hatte am Ende genug Material für weitaus mehr als zwei Alben. Hier kommt das Xenochrony-Verfahren ins Spiel, das Frank Zappa geprägt hat. Dabei werden instrumentale Parts aus einem Track in einem anderen verarbeitet und so hat Aidan Baker seine Sets in 96 Versatzstücke aufgeteilt und auf zwei CDs verewigt. Der Hörer kann selbst entscheiden, ob er die beiden Platten durchhört oder auf “Shuffle” oder “Random” klickt oder die beiden Platten in digitaler Form zusammenmischt. Egal für welche Hörart man sich entscheidet, die Klangreise ist höhrenswert. Viele Gitarrenparts klingen typisch Baker-isch, die meisten Songs jedoch zeigen Aidan Baker von ganz neuen Seiten. Mal mit jazzigem Bass, mal mit eingängig postrockigen Gitarrenmelodien, mal mit Metalriffs, mal psychedelisch, mal bluesig, mal synthiekrautrockig, ja sogar poppig klingt er auch mal zwischendurch. Und das Gute ist, man kann sich seine Lieblingspassagen des Albums als Song-Mutanten selbst zusammenstellen, indem man die Tracks einprogrammiert, die einem besonders gut gefallen. Die Tracks sind zwischen 10 Sekunden und 7 Minuten lang und von James Plotkin so abgemischt, dass die Übergänge sauber ineinander greifen (vorausgesetzt die Heimanlage macht das ganze mit, ansonsten funktioniert es in digitaler Form auf alle Fälle).

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Bei so einer Albumidee sind bei uns Fragen aufgekommen. Grund genug mit Aidan Baker ein kleines Interview zu führen:

Aidan, tell us about the very beginning of the idea creating „The Spectrum of Distraction“ with recordings from 18 different drummers.

I wanted to try something big — a large scale project — that would take advantage, challenge, and/or make fun of technology (ipods, random/shuffle feature) and the way people now listen to music.

When did you decide to split the tracks and how did you approach to split them?

Some times there were obvious beginning/end points within the tracks — other times the edits were quite random. This also depended on what the various drummers gave me to work with; sometimes I received just short loops, while others sent more flowing tracks that were more shapeable into songs.

Can you give us your own definition about „Xenochrony“?

Random juxtaposition of independently recorded tracks. I had initially intended The Spectrum of Distraction to strictly adhere to this, but as I received material from the various drummers, I thought it would be more interesting (or perhaps just listenable) to approach randomness within the album/songs itself, rather than the instrumentation.

Was there a special release of Frank Zappa that inspired you to use the xenochrony-technique?

“Rubber Shirt” on Sheik Yerbouti is a specific example of xenochrony that I always liked. I more specifically took inspiration from Shut Up ‘N’ Play Yer Guitar, though, which is an album made up of guitar solos edited out from other songs and performances. I’ve never really been a big fan of Zappa’s songs and silly lyrics, but I do like his instrumental work.

How did you write your guitar and bass parts. Did you first listen to the received Drumtracks or did you already have sounds that fitted with the drumparts?

I listened to the drum tracks and recorded parts along with them. Again depending on what I received from the drummer in question, this could either be abstract, improvisational material or more structured song-like material.

Which Drumtrack was the most difficult to play guitar and bass to it?

Perhaps Brandon Valdivia’s or Victor Cirone’s drums. Both their contributions were quite dense and free-form in a sort of abstract jazz kind of way, which made finding patterns or specific rhythms to play along to challenging.

What about the artwork of Matt Smith. Which information did you give to Matt for creating the artwork?

The only information I gave Matt was that the song titles took their names from the “Choose Your Own Adventure” book series. I don’t know if these were published in Europe, but they were a children’s book series that had alternate storylines and endings, depending on which pages you chose to read. Matt was also a fan of these books and familiar with their fairly specific design and aesthetic, so used that as something of a template for his artwork.

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“The Spectrum Of Distraction” erscheint Mitte Januar über Robotic Empire und wird einen Downloadcode für die kompletten uneditierten Sessions/Songs beinhalten.

Und um nochmal auf den Anfang des Artikels zurückzukommen, auch im nächsten Jahr geht Aidan Baker auf Tour. Wir präsentieren euch die Show am 17. Februar in der Christuskirche Bochum, bei der Aidan Baker einen Special Guest auf der Bühne haben wird…

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INTERVIEW: SYNDROME

Posted in INTERVIEWS, Release on September 4th, 2011 by D.K.

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Syndrome ist das Soloprojekt des Amenra-Gitarristen Mathieu Vandekerckhove. Mit “Floating Veins” hat er vor ein paar Wochen sein Debüt über das belgische Label Consouling Sounds veröffentlicht. Die fünf darauf enthaltenen Instrumantalstücke bewegen sich zwischen Ambient, Drone, Doom und Postrock. Gitarrenwände, Gitarrenlandschaften und unter die Haut gehende Spannungsbögen treffen auf energetische Drums und im Titeltrack sogar auf fabelwesenartige weibliche Vocals. Das Mastering hat Billy Anderson übernommen, der schon für Neurosis an den Reglern stand.

Wir haben Mathieu ein paar Fragen zu seiner Soloarbeit gestellt und ein paar aufschlußreiche Antworten bekommen, aber lest selbst:

Tell us a little bit about the incitement behind Syndrome. How did this project of yours begin?

Syndrome started out very naturally. About 7 years ago I started experimenting with recording music at home. I wasn’t planning to ever release this at all. I did it just for myself. It had a soothing effect on me, like meditation. It allowed me to transfer negative energy into positive energy.

„Floating Veins“ found a home at Consouling Sounds. How did you meet up with the label guys?

Colin (Amenra) put me in touch with Consouling Sounds. I already knew the label from the Aidan Baker/Nadja releases. Consouling Sounds feels like the perfect label for Syndrome. My music fits in really well with the rest of the artist roster and the people who run it work hard. I’m truly overjoyed about them signing me.

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There is a change of musical approach between „Project 1“ (DVD) and „Floating Veins“. The music moves from improvised Ambient to more complex arranged songs. How did this change happen?

I made Project 1 in cooperation with my girlfriend Tine Guns, who is a video artist. She showed me the images and those inspired me. For Floating Veins I deliberately opted to have separate songs instead of one track, as each song is a different memory for me.

Your artwork and your visuals are strongly connected to nature. What is the connection to the music?

Nature to me means equilibrium, freedom, beauty, inspiration… these are things I want the audience to experience through the artwork and visuals.

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Is there a single track on „Floating Veins“ that has a bigger significance than the others? If so, which song is it and why?

Each and every one of the songs means a great deal to me, but if I had to pick one, I’d choose Wolf. I wrote that song after my son Wolf was born. I tried to turn the feeling I was experiencing at the time and the moment itself into a song.

You recorded the album last year at home in Gent. How did you work out the songs? Did you collect different ideas, or did you already have a concept in mind?

There wasn’t really pre planned concept or idea. I consider Syndrome to be kind of like my photo album, but instead of pictures I use music from different moments, different feelings… For the album it took me over a year to collect all the different pieces. What I’m feeling when I’m writing a song guides me. Each song represents a different memory.

Will you come to Germany to play live?

I hope so. If they book me.

Your record is very short and leaves the listener curious and hungry for more! Are there any near future plans for a follow up release?

Definitely, there’ll be a new album out on Consouling Sounds next year and at the beginning of November 2011 I’m planning to do a week of touring Europe (first week of november) with Sequences and Monotonos.

I’m also working on Syndrome Collective, which is a theatrical performance in which we experiment with light, sound, video and screens. The premier for this will be on December 2nd at the Next festival in the city theatre of Kortrijk.

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INTERVIEW: SANKT OTTEN

Posted in INTERVIEWS on August 1st, 2011 by D.K.

Mit “Gottes Synthesizer” steht seit einigen Tagen das neue Sankt Otten Album in den Plattenläden kaufbereit. Was den Hörer erwartet ist eine Reise durch die Welt von Synthiesounds, die mal kurios, mal schwerfällig, mal munter, mal altbacken klingen und den musikalischen Horizont von Denovali Records mal wieder erweitern. Wir haben uns auch auf die für unsere Verhältnisse fremde Musik eingelassen und sind positiv überrascht. Grund genug Stephan Otten (Drummer und Soundtüftler des Duos) mal ein paar Fragen zu stellen, die uns beschäftigt haben.

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Seitdem ihr 2009 bei Denovali Records unter Vertrag seid, habt ihr jährlich neue Veröffentlichungen rausgebracht. Ziemlich viel für eure Verhältnisse. Wie kommt es dazu?
Bei den Denovali-Jungs etwas rauszubringen, macht ja auch besonders viel Spaß. Was Artwork etc. angeht, lassen die sich ja nicht lumpen. Da kann man es ja selbst kaum abwarten ein neues Album in Händen zu halten. Das letzte Album MORGEN WIEDER LUSTIG ist ja doch schon fast 2 Jahre alt. Da wollten wir schnellstens mal einen Longplayer nachlegen. Dieses mal auch als Vinyl Doppel-Album im Klappcover. Ein Traum!

„Gottes Synthesizer“ widmet sich, wie der Titel auch verspricht, sehr stark dem Synthiesound. Was hat eure Arbeit so geprägt, dass ihr euch so stark auf dieses Kultinstrument der 70er und 80er konzentriert habt?
Wir haben uns in letzter Zeit viel mit den Pioneeren der deutschen elektronischen Musik beschäftigt. Das ist ein wunderbares Terrain, bei dem man viel Neues entdecken kann.
Wir treffen uns regelmäßig bei einem Freund in seinem klassisch eingerichteten, holzvertäfeltem Partykeller und lauschen Schallplatten. Der hat eine große Krautrock-Plattensammlung und da gibt es immer viel zu hören und auch zu lachen. Das sich Treffen zum gemeinsamen Musikhören ist ja auch etwas aus der Mode geraten. Wir lassen hier die 70er in jeder Hinsicht wieder aufleben.

Was für Künstler würdet ihr unseren Lesern empfehlen, die sich bisher noch nie mit Synthiesounds beschäftigt haben und durch euch auf den Geschmack gekommen sind?
Also, ich würde zur vorsichtigen Kontaktaufnahme ASHRA’s NEW AGE OF EARTH (1976) oder HARALD GROSSKOPF’s SYNTHESIST (1980) empfehlen. Man braucht schon etwas Zeit sich hierauf einzulassen, aber es lohnt sich wirklich. Mein Tipp, unbedingt mit Kopfhörer antesten. Wirkt auch ohne Drogen!

Nach dem ersten Hören der Platte habe ich mich in eine Filmkulisse der 70er gebeamt gefühlt. Was für ein Fantasiefilm lief in euren Köpfen, als das Album entstand?
Mir kommt da der Sci-Fi-Klassiker WESTWORLD in den Sinn. Ein technische Welt, die sich verselbstständigt und dann außer Kontrolle gerät. Das könnte passen, aber zum Glück haben wir unsere Computer noch im Griff.

Wie geht ihr generell vor, wenn ihr Songs schreibt. Bringt ihr beide eure eigenen Ideen mit ins Studio oder entstehen die Songs aus gemeinsamen Sessions?
Ich bereite meistens grobe Songgerüste aus Schlagzeug und Melodielinien vor und suche dann stundenlang passende Synthklänge hierzu zusammen. Oli verfeinert diese Basis dann und spielt Gitarren hierzu ein.

Wie kommt ihr auf den Titel „Gottes Synthesizer“? In Kombination mit eurem Bandnamen klingt das schon sehr… verdächtig!
Wir haben ein Faible für Songtitel mit klerikalem Anstrich (Es ist nicht alles Gott was glänzt / Wir sind Deine Propheten / Auf Sünde folgt Strafe), was bei dem Bandnamen ja naheliegend ist. Was aber in keiner Weise mit einer besonderen Sympathie mit der christlichen Kirche zu tun hat. Oli jobt nebenbei als Hausmeister in einer Kirche, so etwas muss ja Folgen haben …

Wenn wir schon beim Thema sind: Was erwartet die Besucher unseres zweiten „Denovali Label Evening“ in der Christuskirche Bochum, bei dem ihr mit dabei seid?
Wir freuen und schon besonders, dass wir zu diesem Abend in die Christuskirche eingeladen wurden. Es gibt wohl kaum eine bessere Location für ein Sankt Otten Konzert.
Wir waren beim letzten Denovali Abend mit Bersarin Quartett, N und Dale Cooper zum ersten Mail dort, und waren hin und weg von der Kirche.
Wir werden uns für diesen Abend ein besonderes Set überlegen. Es wird auch eines der ersten Konzerte sein, bei dem Stücke vom neuen Album gespielt werden.
Wir werden dort mit Blueneck spielen. Schön, die dann auch mal wieder live zu sehen.

Wer von euch denkt sich die Songtitel aus? Fallen euch die Wortspiele ein nachdem ihr den jeweiligen Song geschrieben?
Die Titel stammen von mir. Manchmal gibt es den Titel schon vorher, aber es kommt auch vor, dass wir erst nur einen Arbeitstitel haben, der dann später verfeinert wird.

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Das Artwork eurer neuen Platte ist im Vergleich zu euren anderen Releases weniger distanziert und sachlich geradlinig. Das grimmig schauende Kind nimmt ja förmlich Kontakt auf mit dem Betrachter. Was ist der Hintergrund zu diesem Artworkwandel?
Wir haben da keine festgefahrene Richtung bei unseren Artworks. Auf das Titelbild des Albums bin ich durch Zufall im Netz gestoßen. Es ist vom spanischen Maler Salustiano. Der malt fast ausschließlich rot gekleidete Menschen auf knallrotem Hintergrund. Ich habe mich sofort in seine Bilder verliebt und gedacht, dass die perfekt zu unserer Musik passen würden. Wir sind wirklich stolz, dass das geklappt hat. Das Artwork ist eine herrliche Symbiose aus einer unschuldigen Niedlichkeit und einer leichten Bedrohlichkeit, und das passt wirklich gut zur Musik.

Wie haben Salustiano und Sankt Otten eigentlich zusammengefunden?
Nach längere Recherche konnte ich Ihn persönlich kontaktieren und er war sofort von der Idee angetan, Bilder von sich für ein Album-Artwork herzugeben.

Habt ihr Salustiano gesagt wie das Album heißen wird und was ihr euch so vorstellt, oder hat er euch von sich aus Arbeiten gegeben, unter denen ihr was ausgesucht habt?
Ich habe ihm Musik von uns geschickt, die er mochte. Wir hatten dann aus einem Ausstellungskatalog von ihm ein paar Bilder ausgewählt. Er hat uns dann Fotos der Bilder geschickt. Die Öl-Gemälde sind im Original gerne mal 3-4 Meter groß und in den Museen und Galerien der Welt verteilt. Der Albumtitel stand damals aber noch nicht fest. Wir haben ihm dann später alle Artworks zur Freigabe geschickt, die dann alle ohne Probleme abgesegnet wurden. Vor ein paar Tagen hatte sich bei mir der Macher des spanischen Jean Michel Jarre Fanclubs gemeldet. Der ist zufällig ein Bekannter von Salustiano. Da schließt sich der Kreis wieder!

Wo führt es Sankt Otten als nächstes hin?
Das können wir erst sagen, wenn das nächste Album fertig ist. Wir machen da keinen Masterplan im Voraus. Es gibt ein paar Ideen, ein komplettes, beat-freies Ambient-Album zu machen, oder auch Kooperationen mit Helden des Krautrock sind angedacht. Verraten wird da aber noch nichts. Wir werden in den nächsten Tagen ein Häuschen mieten, Sessions machen, ein paar Fragmente für Zukünftiges zusammentragen.

Wir sind gespannt. Danke Stefan!

“Gottes Synthesizer” ist in wirklich beeindruckenden Farben auf Vinyl und natürlich auch auf CD über Denovali Records erhältlich.

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INTERVIEW: ABSENT WITHOUT LEAVE

Posted in INTERVIEWS, Release on January 16th, 2011 by D.K.

Mit “Faded Photographs” liefert der Athener George Mastrokostas alias Absent Without Leave sein bisher ambitioniertestes Album, mit acht ausgefeilten Instrumentalstücken, die sich mal postrockig, mal shoegazig oder zurückhaltend ambientig ins Unterbewusstsein schleichen und einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

absent without leave

Für die Fertigstellung des neuen Albums “Faded Photographs” hat sich Absent Without Leave die Hilfe einiger befreundeter Musiker eingeholt. Genauer gesagt wirken zehn weitere Musiker aus insgesamt acht Ländern mit, unter anderem Port-Royal aus Italien, Alexandr Vatagin (Tupolev) aus Wien und Olafur Josephsson (Stafreann Hakon) aus Reykjavik. Port-Royal durften sogar letzte Hand anlegen und sind fürs Mastering verantwortlich.

Das Album ist über Sound in Silence, dem eigenen Label von Mastrokostas, auf CD erschienen und in einer Auflage von 500 Stück, in einem sehenswerten 4-Panel-Digipack mit individuellen Covern, hier erhältlich. Hörproben gibt es auf Soundcloud.

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Wir haben uns  mit George Mastrokostas unterhalten und Interessantes zu den Arbeiten an “Faded Photographs” und einigen weiteren Themen erfahren:

How did you come up with the idea to record an album with the help of different other musicians?
I know all the guys who contributed to the album for years now and with about half of them we had collaborated again in the past for releases or gigs. I always wanted to collaborate with them again, or for the first time with some of them, so when I started working on my new album I thought it was a good idea to call all of them to contribute something to it. It was a pleasant surprise for me that all of them liked this idea and were willing to help me with this album.

Most of your previous releases are written and arranged by yourself. How did you work this time?
This time I recorded the first ideas for each track and then I sent them to the other musicians, telling them how I imagine the track and what I want them to add on it or just letting free to add whatever they like. After they recorded their parts, they sent me back the files and I added the final touches and did the mixing of the album. It was a really creative process to work this way and the contribution of each musician is so valuable for the final result. Each one has added his trademark sound on the tracks he plays without disturbing the overall sound of the album that is still Absent Without Leave and this is because we all have the same aesthetics.

The album is mastered by Port-Royal. What did the guys say to you after listening to the completed tracks?
Port-Royal are really good friends and great musicians too so it’s always a pleasure to work with them. Though they didn’t had so much free time because their tour and other jobs they were still so kind to accept not only to play on two tracks of Faded Photographs but also to do the mastering of it. They enjoyed the completed tracks and I think they are absolutely satisfied with the final result as all the other musicians too.

Tell us a little bit about being an alternative musician in Greece.
It’s not very easy to be an alternative musician of shoegaze/post-rock/ambient in Greece as the people who like that kind of music here are very few and even fewer are the independent record labels, venues, magazines etc.
That’s the main reason I always work with foreign labels for my releases.

Is there any Greek band or musician, you like to introduce to our readers?
You should check Coti K., in my opinion one of the best composers and producers in Greece.
I really enjoyed his latest album called Onda.

Obviously, you are a very creative person, what´s up next?
Sometime in next months I will release a new ep which will be out exclusively on 12” vinyl by Three:Four Records.

Hopefully soon I will record some music as my contribution to the next Wixel album, called Musical Soup, including many other artists like Peter Broderick (Efterklang), Boris Snauwaert (Haruki), Pieter Van Dessel (Plastic Operator) and more. Moreover sometime in 2011 I will start working on a collaboration ep, that has been a thought for years now, with my friend Anne of Building Castles Out Of Matchsticks and I’m also planning some more eps (solo, collaborations, splits…) so any offers from labels for future releases are always welcomed.

What about touring? Will you come to Germany?
I’m planning to book a tour around Europe in April-May so I hope that I will manage to come to Germany too. If anyone is interested in booking an Absent Without Leave show or can help out in any way, please get in touch at geezertek@yahoo.gr

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INTERVIEW: CECILIA::EYES

Posted in INTERVIEWS on December 19th, 2010 by D.K.

Für instrumentale Musik war das so langsam auslaufende Jahr mal wieder ein Gutes. Natürlich sind es sehr viele Bands und es kommen noch mehr dazu. Grund genug, sich eine der unbekannteren Bands mal zur Brust zu nehmen, um sie euch ans Herz zu legen, denn Cecilia::Eyes aus Belgien sind es nicht Wert, in der Postrockmasse unterzugehen.

cecilia::eyes

Cecilia::Eyes haben sich 2004 erstmals zusammengefunden und bereits 2005 ihre erste EP “Echoes From The Attic” veröffentlicht. 2007 folgte das erste Album “Mountain Tops Are Sometimes Closer To The Moon” und dieses Jahr der Nachfolger “Here Dead We Lie”. Alle drei Platten sind über das Brüsseler Label Depot214 erschienen und auch dort erhältlich.

“Here Dead We Lie” vereint alle Stärken der ersten beiden Veröffentlichungen zu einem homogenen langsam gespielten Album, das mit kleinen Noiseausbrüchen und Vocaleinlagen zu überraschen weiß. Wir haben die beiden Gitarristen Christophe und Gauthier und den Bassmann Pascal zum aktuellen Album und zum zurückliegenden und kommenden Jahr befragt:

This year is quiet over. Your album “Here dead we lie” is out since april and you were on the road to promote it. Tell us a little bit about your experience as instrumental band in 2010.
Christophe:
It was a really exciting year. We discovered many bands on the road, we made our first major trip abroad “as a band” and we received very positive reviews about our second album “Here Dead We Lie”.
But I think what is mostly very encouraging is to realize that we are becoming known to the four corners of the globe with an unconventional and rather dark album.

“Here dead we lie” has a very unique aura and pace. What about the writing process? Did you collect different ideas, or did you just improvise together in the studio?
Gauthier:
We did found interesting to have a global theme (the war and all its consequences), it makes everything (the songs, the packaging, the artwork…) more consistent, and gives the entire work a more powerful impact. We decided from the start of the composition work to have this theme in mind and it was like background atmosphere that led the feelings we wanted to express through our tracks, a kind of rainy, dark, and helpless mood…

here dead we lie artwork

Is there any difference in your songwriting since your first EP back in 2005?
Pascal:
Things are more or less the same but i think we are now more conscious of the way we want to give to our music, and, of course, the arrival of Gauthier brings us a lot of new possibilities. For the tracks you can find on our first EP “Echoes from the attic”, it was the beginning of a new story for us. We have begun to play instrumental music because we don’t have any singer. But the result of our work satisfied us a lot and we decided to pursue in this way. “Mountaintops” is our true first album. It’s a real workteam. For “Here Dead we Lie”, our wish was to make something darker and this album is the first one composed at five. Each album is an important step in our history.

How did you come up with the idea using samples between your songs?
Gauthier:
I have always used my computer in my past musical project, it offers tons of possibilities. The fact that I came as the fifth member of the band brings me the possibility to try some things with cecilia::eyes, and everybody did like the results, it often creates interesting dark or sad atmosphere wich is really well fitting our music…

If you had to describe your music as a painting, what would it look like?
Christophe:
It would be a surrealist painting midway between Salvador Dali and Hieronymus Bosch (The Garden of Delights), with a touch of HR Giger, for the dark, sad and cold side of our work.

The postrock scene in Belgium is quiet unknown in Germany. Are there many people listening to music like yours? Any bands you like to recommend?
Pascal:
The postrock scene in Belgium is quite unknown… in Belgium too! But despite that, it’s a real scene with a lot of people that love this kind of music. People in the North part of belgium (Dutch speaking) are more open-minded and some events are really interesting like dunk!festival in Zottegem.

Gauthier: The pop rock scene in Belgium is huge, there are lots of bands and some are well known (dEUs, Ghinzu, Arid, Girls in Hawaï, Sharko, K’s Choice…) Regarding the post rock scene it is even more difficult to cross the frontiers and we try to do that with the second album…

cecilia::eyes

Any plans for 2011? Maybe a tour through Germany?
Pascal:
It will be a real pleasure to play in Germany but it’s also difficult because music is not our work, only a passion! We are all working during the week and have family and so, have to manage correctly our travel.

Gauthier: Do not hesitate to contact us for a gig, we always try to answer and to be the most available as possible, even if, as Pascal said, it is not easy for a non professional band like us.

Christophe: We are currently working on the compositions of the next album (planned for 2012). We’ll play in Brussels on 15.01.2011 for the second time with iLiKETRAiNS (UK) and we’ll be at DUNK!FESTIVAL on 24.04.2011 (Belgium) with EF, Caspian, Her Name is Calla, …

We would be delighted to come to Germany!

Thanks for all & have a tremendous holiday!!!

Thank you, too.

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