LIVE: DIE ISLÄNDERIN UND DER JAPANER

Posted in ontheroad on August 26th, 2010 by D.K.

Es gibt Konzertabende, die von Anfang an einen ganz besonderen Charme versprühen. Dienstag war so ein Abend. Im Rahmen des 16. International Symposium on Electronic Art sind die Isländerin Hildur Guðnadóttir und der Japaner Keiichiro Shibuyas zusammen aufgetreten. Vor dem Konzert standen wir im Foyer und haben uns die verschiedenen Leute angeschaut, die zu diesem Konzertabend erschienen waren. Da waren zum einen die nerdigen Festivalbesucher, mit Badge und Laptop bewaffnet, dann die etwas älteren Leute, die sich wohl keine einzige Veranstaltung im Konzerthaus entgehen lassen, und jede Menge Besucher, die wie alternative Rocker aussahen. Interessante Mischung.

hildur & halldorophon

Nachdem der Gong uns in den Konzertsaal bittet, gibt es erstmal einige einführende englische Worte von Stefan, dem ISEA Mitarbeiter, der die beiden Musiker und das Abendprogramm vorstellt.

Hildur Guðnadóttir beginnt den Abend mit einem improvisierten Stück, das sie auf dem Halldorophon spielt, ein Instrument das nach seinem Erfinder Halldór Úlfarsson (auch anwesend) benannt ist. Das Instrument ist eine Art Cello mit integrierter Feedbacktechnologie. Hildur spielt das Halldorophon nur mit den Fingern und erzeugt dabei verschiedene Feedbacktöne durch halten der Saiten. Für das restliche Soloset wechselt Hildur dann zu ihrem klassischen Cello, hinter dem sie sich sichtlich wohler fühlt. Auch hier bleibt aber die Technik nicht aus, denn Hildur Guðnadóttir loopt mit Hilfe eines Laptops bestimmte gespielte Melodien und erweitert somit den Livesound ihres Cellos. Neben Songs ihrer beiden Alben spielt und singt sie auch eine 700 Jahre alte Hymne, die der Legende nach ein sterbender Wikinger auf dem Schlachtfeld geschrieben hat.

hildur & cello

Nach einer kleinen Pause spielt Keiichiro Shibuyas ein sehr experimentelles und jazziges Set am Flügel. Dabei werden die Flügeltöne durch den Rechner gejagt und in verschiedenster Weise im Hintergrund wiedergegeben, gepaart mit elektronischen Sounds ergibt es ein teilweise sehr verstörendes Gesamtbild. Aber das ist ja eine Frage des Gustos.

Anschließend spielen die beiden Musiker einen gemeinsamen Konzertabschluss. Abwechselnd tragen beide von Hildur Guðnadóttir und  Keiichiro Shibuyas geschriebene Songs vor. Hildur wechselt zum Schluß wieder an das Halldorophon und spielt es diesmal mit dem Cellobogen. Nachdem sich die beiden in feinster Klassikkonzertmanier vor dem Publikum verbeugen, gehen sie von der Bühne und hinterlassen die Erinnerung an einen eher ungewöhnlichen Abend, sowohl für uns Rocker, als auch für den gewöhnlichen Konzerthausbesucher.

hildur & keiichiro

Weitere Bilder vom Konzert findet ihr auf unserer PHOTOS Seite.

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ISEA 2010 RUHR

Posted in Aktuell, Kunst, ontheroad on July 17th, 2010 by D.K.

Die ISEA, International Symposium on Electronic Art, findet diese Jahr im Rahmen der Ruhr.2010 zum ersten Mal in Deutschland statt. Austragungsorte des sechszehnten Symposiums sind die Ruhrgebietsstädte Essen, Duisburg und Dortmund. Hauptthema aller Veranstaltungen ist die Präsentation von Entwicklungen im Bereich der elektronischen Kunst.

Das Konzerthaus Dortmund ist im Rahmen des Festivals Austragungsort einiger sehr seltener musikalischer Beiträge. Zwei Abende wollen wir euch besonders empfehlen:

hildur live

Am 24. August treten die Isländerin Hildur Guðnadóttir und der Japaner Keiichiro Shibuyas auf. Hildur Guðnadóttir tritt mit einem Halldorophon auf, das auf einem Violoncello basiert, aber seine Töne durch ein elektroakustisches Feedbacksystem generiert. Guðnadóttir hat letzes Jahr neben der Veröffentlichung ihres zweiten Soloalbums “Without Sinking” auch am letzten Album von Múm und dem bei Conspiracy Records erschienenen Droneprojekt “Strings Of Conciousness & Angel” mitgewirkt. Keiichiro Shibuyas wird hingegen Flügelklänge mit Hilfe von Elektronik live verfremden, im Mittelpunkt steht dabei die Präsentation seines Albums “For Maria”. Der Abend endet mit einem gemeinsamen Auftritt.

fennesz

Am 26. August treten Mudboy aus den USA und Fennesz aus Österreich auf. Letztgenannter darf bei so einem Festival nicht fehlen, denn Christian Fennesz ist schon seit Jahren in der Welt der elektronischen Musik unterwegs. Die Verfremdung von akustischen und elektronischen Gitarrensounds ist eines der Markenzeichen des Wieners. Neben seinen eigenen Platten, wie auf dem letzten Longplayer “Black Sea”, hat Fennesz auch zahlreiche Songs geremixt, unter anderem Tracks von Isis und Nine Inch Nails. Mudboy arbeitet auch mit elektronisch neu zusammengesetzten Instrumenttönen und ist vor allem für das Verfremden von Kirchenorgelsounds bekannt. Er is seit 2000 aktiv und hat diverse Alben zum Beispiel bei Hundebiss Records und Digitalis veröffentlicht.

isea 2010 ruhr

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