LIVEBERICHT: HEIRS & ASCETIC

Posted in Aktuell, ontheroad on March 30th, 2013 by D.K.

Es ist mal wieder einer dieser eiskalten Frühlingstage mitten in der Woche, an denen man am liebsten zu Hause bleiben möchte. Doch der innere Schweinehund ist schwächer als die Vorfreude, die Heirs wieder live sehen zu dürfen, und so machen wir uns auf den Weg nach Dortmund zum FZW.

Den Abend eröffnet die lokale Dark-Wave-Band Atomic Neon, die eine ganze Menge Fans mitgebracht hat. The Cure sind hier ganz großes Vorbild, das ist nicht zu überhören. Technisch perfekt, aber die Seele bleibt unberührt. Leider spielen die Damen und Herren aus Essen eine volle Stunde, viel zu lang.

Ascetic ist ein bisher unbekanntes Trio aus Australien, das in der Heimat über OSCL Records, von Heirs Drummer Damien Coward, sein Debüt veröffentlicht hat, das hier zu Lande diesen Monat über Golden Antenna Records rausgekommen ist. Mittlerweile spielt Damien die Drums bei Ascetic, was ja für die gemeinsame Tour mehr als praktisch ist. Der Sound von Ascetic wandert auf Platte in Richtung Post-Wave mit shoegazigem Touch und elektronischen Finessen und erinnert besonders wegen der tiefen monotonen Vocals an eine moderne Version von Joy Division. Live sind Ascetic rauher und rockiger. Bass, Drums und effektbeladene Gitarre und sehr viel Lust am Spielen, das sind Ascetic. Besonders die Tracks, bei denen der Bass wie eine Welle über einen rauscht, beeindrucken einen am meisten.

Es ist Zeit für Heirs. Mittlerweile auch bei Golden Antenna Records und kurz vor der Veröffentlichung des dritten Albums. Das letzte Mal, als wir die Heirs gesehen haben, waren sie zu dritt, weil Gitarrist Ian ausgestiegen war. Mittlerweile ist auch Bassistin Laura ausgestiegen und um so spannender war es an dem Abend zu sehen, wer denn jetzt die Heirs auf der Bühne sind. Die Band betritt die in Nebel verwobene Bühne. Ascetic plus Urgitarrist Brent sind es, naheliegend und ebenfalls doch sehr praktisch. Ein Loop setzt ein und schafft Atmosphäre für den ersten Track. Doch zunächst passiert nichts. Dann fängt ein nervöser Brent an, an seinen Effektgeräten zu fummeln. Notoperation an den Pedalen und Kabeln. Die ganze Band hat sich um das Effektebrett versammelt und versucht die Technik wieder zum Laufen zu bringen. Nebel, Loop, noch mehr Nebel, noch mehr Loop und irgendwann sind wir uns einig, dass ein 30minütiger Loop echt geil ist. Nachdem klar ist, dass mehrere Kabel und zwei Effektgeräte spontan den Geist aufgegeben haben, steht die Technik wieder. Das Loop (der Loop? wie auch immer…) wird abgelöst vom ersten neuen Track. Massiv und flächiger als bisher Gehörtes ist das neue Material. Noise-Doom vom Feinsten und hier bleibt die Seele nicht unberührt. Die Tracks fließen durch die Ohren ins Gemüt. Alte Tracks werden vom Publikum wie Hits gefeiert. Die neuen Musiker am Bass und der zweiten Gitarre verleihen den alten Tracks neue Nuancen. Als Abschluss gibt es “Drain” vom letzten Album in einer noisigen Version, die genau wie der Nebel den Club im FZW einhüllt. Dann ist Schluss. Das können Heirs sehr gut. Schluss machen, dann wenn man es nicht erwartet. Schade aber doch schon schön. Ein kalter Mittwoch, der in Erinnerung bleiben wird.

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LIVEBERICHT: DER AMBIENTFESTIVAL-SAMSTAG

Posted in ontheroad on January 20th, 2013 by D.K.

Das Ambientfestival hat dieses Jahr zum achten Mal seine Pforten in Köln geöffnet. Pforten ist in diesem Fall nicht sinnbildlich gemeint, denn Austragungsort ist die St. Aposteln Kirche am Neumarkt. In anderen Städten wäre diese prächtig ausgeschmückte romanische Basilika “die” Sehenswürdigkeit, in Köln “nur eine” von vielen im Schatten des Doms.

Erster positiver Eindruck ist die lange Schlange an der Abendkasse. Obwohl es wirklich richtig kalt ist, stehen Leute an, um noch eine Karte zu bekommen für den Abend, der im Vorverkauf schon lange ausverkauft war. Wenn Ambient die Massen anzieht, wie in diesem Fall, dann ist das eine gute Sache. Wir treten in die Kirche ein und müssen uns erstmal orientieren. Man tritt vom Seitenschiff ein, dort wo sich das Seitenschiff mit dem Hauptschiff kreuzt ist die Bühne. Das Seitenschiff ist überfüllt mit Gästen, die sitzen, stehen und sogar auf Teppichen liegen. Wir finden einen Platz im Hauptschiff mit dem Chor im Rücken und der Orgel im Blickfeld. Eigentlich der Ort für den Eingang, der gegenüber des Chores liegen müsste. Verwirrend schön.

James Blackshaw eröffnet den Abend mit seiner modernen Art der klassischen Akustikgitarrenmusik. Wie aus dem Off erklingt die zwölfsaitige Akustikgitarre. Blackshaw legt ein beachtliches Tempo vor. Zwischen den Songs dann die Momente, in denen Blackshaw die Gitarre stimmt, die sich so anfühlen als gehörten sie zum Set dazu. Die Musik wird von einer Lichtshow untermalt, bei der Projektionen auf zwei Glaszylinder beinahe den ganzen Kirchenraum ausfüllen. Apropos Kirchenraum: der Sound bewegt sich erstaunlicherweise vor allem seitwärts im Seitenschiff, also in die Breite, wir im Hauptschiff sitzend bekommen den Sound nur mit und sitzen nicht mitten drin. Sehr ungewöhnlich für einen Kirchenraum dieser Art.

Kaum ist Blackshaw von der Bühne betritt Rafael Anton Irisarri die Empore der Kirchenorgel, um sich dort mit einer kleinen Tischlampe an seinem Laptop und seinen Effektgeräten zu positionieren. Wie ein unsichtbares Phantom beginnt er eine Soundcollage aufzubauen. Er ist wirklich das, was im Titel des Festivals steht. Purer Ambient aus Seattle. Die Soundwolke wird immer dichter und scheinbar alles zermürbende Bässe setzen ein, die auf jeden Fall auch das Hauptschiff erreichen und uns als Zuhörer umhüllen. Die Lichtshow ist zurückhaltend und düster, Irisarri ist kein einziges Mal zu sehen, nur wer vorher gesehen hat, wo er sich hingestellt hat, kann seine Konturen erahnen. Was denkt wohl der Orgelmeister, wenn er einen Typen mit Laptop sieht, der sich vor die Orgel gestellt hat um die Kirche zu beschallen?

Nach einer kleinen Pause ist Nils Frahm an der Reihe. Er genießt es hörbar, in Mitten eine Menge von Menschen in einer Kirche zu sitzen, denn er lässt sich Zeit um langsam und bedacht ein paar Worte zu seiner Einladung zu verlieren. Ein Piano und zwei Synthesizer umrahmen Frahm. Eine große Kerze ist die einzige Lichtquelle auf der Bühne. Das Set beginnt mit einer experimentellen Percussion-Loop-Einlage am Piano und wird allmählich immer klassischer, bis dann zum Ende des Sets hin die Pianotöne durch die Effektgeräte gejagt werden und zu langgestreckten verzerrten Drones mutieren. Genialer Sound. Die Kirche trägt den Sound mal wieder in die Breite, was die Bedrohlichkeit der Drones steigert. Für die Zugabe bittet Frahm Irisarri und Blackshaw zum gemeinsamen Improvisieren auf die Bühne.

Ein Abend, ein Festival für die Ewigkeit. Schön, dass es Veranstalter und Kirchen gibt, die sowas ermöglichen.

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LIVEBERICHT: KRAFTWERK IM K20

Posted in ontheroad on January 20th, 2013 by D.K.

Während andere Bands durch Städte touren, touren Kraftwerk in ihrer Heimatstadt Düsseldorf durch acht ihrer Alben. Und Location ist auch noch ein Museum, nicht irgendeins, sondern das K20 im Herzen der Altstadt. Da haben wir nicht lang überlegt und uns direkt mal Tickets gesichert. Unglaublicherweise waren die Konzerte innerhalb von Minuten ausverkauft. Wir haben noch Tickets für das “Techno Pop” Konzert ergattern können.

Im K20 angekommen sind wir zunächst positiv überrascht, was für eine gemischte Truppe an Zuschauern das Konzert besucht. Da wären auf der einen Seite die typischen D´dorf Schnösel und auf der anderen Seite die lässigen jüngeren Leute, die auch vom Outfit her nicht aus der musikalischen Welt zu stammen scheinen, in der sich Kraftwerk bewegen. Es ist verdammt voll und die Halle im K20 füllt sich schnell mit Menschen, die weiße 3D-Brillen tragen. Denn Kraftwerk sind heute 3D, also die Musiker sowieso, aber auch das was hinter ihnen an der Leinwand zu sehen ist. Wie versprochen wird zunächst das gesamte “Techno Pop” Album gespielt, das in den 80ern unter dem Namen “Electric Café” veröffentlicht wurde. “Boing Boom Tschak” und “Musique Non Stop” lassen Kindheitserinnerungen aufkommen. Vor dem Kassettenrecorder sitzend, auf WDR 1 läuft die Schlagerrally, der Finger liegt auf der roten Recordtaste um ja keine Sekunde zu verpassen, wenn die Sounds mit den lustigen Vocals anfangen…

Kraftwerk klingen massiv und die Beats klingen in den Liveversionen sehr modern. Die Halle tut alles, um den Sound perfekt zu transportieren. Stellt man sich seitwärts hin kann man dank der langgestreckten Architektur im hinteren teil der Halle die Beats als Ping-Pong-Hall hören, interessant. Das Album wird abgefeiert und anschließend geht es weiter mit Hits. Autobahn wird begleitet von einer Videoinstallation, in der alte deutsche Autos, wie der Käfer, der Kadett, die Ur-S-Klasse von Mercedes, ein VW-Bus etc. durch die Autobahnlandschaft der ursprünglichen Albumcovers von Autobahn fahren. Sehr cool. “Radioaktivität” geht mit der Zeit und aus Hiroshima wird Fukushima. “Das Model” darf natürlich auch nicht fehlen. Ralf Hütter singt alle Vocals live ein und klingt irgendwie besser als früher. Lustig anzuschauen, wie reifere Männer im Anzug plötzlich anfangen abzutanzen, während sie versuchen ihr Lieblingslied mit dem Smartphone mitzufilmen. Das ist die Magie von Musik. Da hat man doch keine Angst alt zu werden.

Wer die Chance hat diese Band mal live zu sehen, der sollte sie auf jeden Fall nutzen. Und wer denkt, was Kraftwerk mit experimenteller Musik aus den Bereichen wie Drone, Ambient und Shoegaze zu tun hat, der sollte sich mal durch die Kraftwerk Diskografie arbeiten und sich unbedingt die ersten beiden Alben von 1970 und 1972 anhören.

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EIN BUCHSTABE, EIN MANN, EINE GITARRE, EIN TRACK, DREI STÄDTE

Posted in ontheroad, Redaktion on December 23rd, 2012 by D.K.

Hellmut Neidhardt alias N hat auf seinen letzten Konzerten seinen neuen 40minütigen Mammuttrack “Oie Kirr” präsentiert. Es ist Zeit für einen kleinen Erfahrungsbericht. Ein Bericht über das, was man gesehen und gehört hat, und besonders über das, was man gefühlt hat, als man gesehen und gehört hat.

Die Premiere – Christuskirche Bochum

N spielt an diesem Abend mit Dirk Serries in der Christuskirche Bochum. N eröffnet den Abend. Die ersten Töne von “Oie Kirr” erklingen, sie erklingen wie eine Ansage, wie eine Warnung, eine Warnung vor einem Tsunami, eine Warnung, die zu spät kommt, denn es bricht eine gewaltig schallende Noisewand über einen ein und verschwindet sofort wieder um dann sofort wiederzukehren. Was folgt ist eine Flut an Sounds, die durch den ganzen Raum gleiten. Die Klänge kommen von oben, von unten und von den Seiten. Je nach Höhe der Töne. Augen schließen und den Alltag von der Musik ausspülen lassen.

Die Geduldsprobe – Emokeller in Essen

N Emokeller

Von der Kirche geht es in den Keller, denn der Emokeller ist wirklich einer. Niedrige Decken, kahle kalte Wände und ein Raum, der grad mal 20 Quadratmeter Platz bietet für Musiker, Gäste und natürlich die Musik selbst. N spielt an diesem Abend mit O. Zwei Knappe Bandnamen, die besonders auf dem Konzertplakat fein ausschauen. Das Set selbst zeigt, dass der N-Sound in diesem Keller keine Chance hat sich zu entfalten. Ist N zu laut oder zu leise, keine Ahnung, aber der Raum macht mit dem Sound was Tischtennisprofis mit PingPong-Bällen machen. So wird “Oie Kirr” an diesem Abend auch nur halb so lang, wie eigentlich angedacht.

Die dunkle Macht – Kino im Dortmunder U

N Dortmunder U

Aus dem Keller ins Kino. Seitdem das Dortmunder U zu einer Kultur- und Kunststätte mutiert ist, gibt es dort auch ein Kino, ein Kino mit roten Wänden und schwarzen Sitzen. N ist an diesem Abend Teil eines Festivals und steht mit Svarte Greiner und Marsen Jules auf der Bühne, beziehungsweise eröffnet den Abend. Das Kino ist komplett abgedunkelt, nur die Leuchtröhren von N lassen erahnen was auf der Bühne passiert. Eigentlich muss man hier auch nichts sehen. “Oie Kirr” fühlt sich im Kino sehr sehr gut an. Alle einzelnen Sounds sind klar hör- und spürbar, die massiven wellenartigen Sounds wirken genau wie in der Christuskirche Bochum, hören sich aber vollkommen anders an. Hier hat wohl der Kinoarchitekt sehr gut mitgedacht.

“Oie Kirr” ist ein lebendiger Song, der nicht nur verschiedene Variationen durchlebt, weil N ihn immer verschieden spielt, sondern weil er sich Klangräume zu eigen macht und dank seiner epischen Länge viel Zeit hat sich im Raum und im Geist des Hörers zu entfalten.

Und weil das ganze Gequatsche nur halb so schön ist, ohne das Stück gehört zu haben, könnt ihr hier exklusiv den ersten Teil des Tracks aus der Christuskirche Bochum Sesssion im Stream hören. Viel Spass!

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LIVEBERICHT: FEAR FALLS BURNING

Posted in Aktuell, ontheroad on June 4th, 2012 by D.K.

fear falls burning @ paradox tilburg

Vor ein paar Jahren traf ich beim Musikentdecken irgendwie auf Fear Falls Burnings „The Amplifier Drone“. Eine Platte mit einem perfekten Titel, der genau das auf den Punkt bringt, was sich auf der Platte wiederfindet. Gitarrendrones vom Feinsten. Schnell war mir klar, dass ich mich intensiver mit der Arbeit von Dirk Serries alias Fear Falls Burning befassen muss und besonders mit dem, was sich Drone schimpft. Als dann „Frenzy of The Absolute“ über Conspiracy Records veröffentlicht wurde, wurde ich Fan von diesem sympathischen belgischen Musiker, der bereits in den späten 80ern mit VidnaObmana ein Musikkapitel eröffnet hatte, das er Anfang diese Jahrhunderts abgeschlossen hat.

fear falls burning @ paradox tilburg

Am 2. Juni stand dann der Tag an, den man als Fan immer verdrängt hatte, aber trotzdem kommen sah. Das Ende von Fear Falls Burning. Der Jazzclub Paradox in Tilburg öffnete seine Tore, um die Fangemeinde ein letztes Mal Fear Falls Burning live erleben zu lassen. Grund genug eine kleine Reise aus dem Ruhrgebiet anzutreten. In Tilburg angekommen standen wir kurz vor Einlass vor dem Gebäude, das das Paradox beherbergt. Grau und glatt und unscheinbar. Doch nach dem Einlass zeigt sich das wahre Gesicht des Clubs. Ein dunkler gemütlicher kleiner Club mit kleiner verkanteter Bühne, die zu einem Drittel von einem Flügel eingenommen wird. Doch der Flügel spielt heute keine Rolle, sondern das, was daneben aufgebaut ist. Eine „Fear Falls Burning Schaltzentrale“ mit Amp, zwei Koffern voller Effekte, einem Hocker und einer Les Paul, rechts daneben ein Bass ohne Effekte und ganz rechts am Bühnenrand die Drums.

fear falls burning @ paradox tilburg

Langsam füllt sich der Club und viele bekannte Gesichter sind zu sehen. Darunter die Bandkollegen von 3 Seconds of Air und die Chefetagen von Tonefloat und Conspiracy Records. Zeit sich ein schönes Sitzplätzchen zu suchen. Eine Ambientwolke untermalt die Wartezeit, dann um kurz nach neun kommt eine Kunstnebelwolke hinzu und taucht den Club in ein kaltes Grau. Das Licht wird gedimmt und Dirk Serries kommt auf die Bühne und setzt sich vor seine Effektarmaturen und beginnt das Set mit einem typischen Fear falls Burning Drone. Schicht für Schicht steigert sich der Gitarrensound, Ebowschwingungen werden auf die Saiten übertragen, Picking paart sich mit Feedback. Tim Bertilsson setzt sich an die Drums, die auch zuvor ohne sein Beisein durch die Gitarrendrones stetig vibriert haben. Bedächtig und zurückhaltend baut er sein Drumming in den Sound ein. Eine weitere Zeit später steigt Frank Kimenai am Bass ein und die Rhythmusfraktion setzt voll ein. Aus dem filigranen Drumspiel wird ein lautes dynamisches Rhythmusmonster a la Switchblade (der Hauptband von Herrn Bertilsson), das von Kimenai am Bass unterstützt wird. Leider vergeht die Zeit doch ziemlich schnell und das Set kommt beim letzten Lied des neuen Albums an, was auch den Abschluss des Abends besiegeln soll. Der Nihill Sänger Michiel Eikenaar gesellt sich zu den drei Musikern und windet sich zunächst im Fluss der Drones um sein Mikro, bis er dann mit seinen beeindruckenden Black-Metal-Vocals einsetzt. Ab diesem Zeitpunkt steigern sich die vier Musiker immer weiter in ihre Musik. Dirk Serries verdichtet die Gitarrenflächen, Frank Kimenai konzentriert sich, die Bassdosis immer zum rechten Zeitpunkt zu setzen, Bertilsson spielt seine Drums mit seinem speziellen „Lufttakt“, bei dem nicht alle Schläge das Trommelfell erreichen, und Eikenaar schreit sich die Seele aus dem Leib. Dirk Serries steht auf und lässt die letzten Gitarrenklänge verklingen, die restlichen Musiker stellen sich zu ihm. Fear Falls Burning ist zu Grabe getragen.

Zum Glück bleiben die Erinnerung und die Musik.

fear falls burning @ paradox tilburg

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SUM OF R IM RUHRPOTT

Posted in ontheroad on June 2nd, 2012 by D.K.

Sum Of R aus der Schweiz haben sich letzten Samstag auf dem Weg von Bern nach Bochum gemacht, um im Rahmen unseres Experimental Evenings als Headliner in der Christuskirche Bochum zu spielen. Kopf der Band ist Reto Mäder, den wir euch schon mit seinen anderen Projekten Ural Umbo und Pendulum Nisum vorgestellt haben. Zweite Hälfte des aktuellen Sum Of R Lineups ist die Gitarristin Julia Wolf.

reto mäder (sum of r) @ christuskiche bochum

Die beiden Musiker bauen ihr Set direkt vor dem Altarsockel auf, das aus einem kleinen Drumset, alten Amps, Effektgeräten und natürlich der Gitarre von Julia und dem Bass von Reto besteht. Die ersten Probetöne im Kirchenraum zeigen, wie druckvoll das neue Set ist, das sich komplett von den bisherigen Veröffentlichungen auf Utech und Hinterzimmer Records unterscheidet. Es ist warm draußen, es ist Pfingstferienzeit und im Fernsehen läuft der größte Gesangswettbewerb der Welt. In der Christuskirche Bochum eröffnet Clem Leek den Abend mit einem klassischen Set am Flügel, Simon Scott als zweiter Headliner des Abends legt eine Fläche aus Field Recordings und Drones im Kirchenraum aus und dann folgen Sum Of R.

julia wolf (sum of r) @ christuskiche bochum

Reto sitzt vor seinen Effekten, spielt ein Thema auf den hohen Saiten seines Basses ein, loopt das Ganze, steht auf und setzt sich an sein Drumset und die Magie von Sum Of R nimmt ihren Lauf. Reto und Julia bauen einen rhythmisch druckvollen Song auf Basis der Bassmelodie auf und tauchen den Kirchenraum in ihren hypnotischen Doomsound ein. Die Drums hallen im Raum nach, die Gitarre flirrt von der einen Seite des Raums auf die andere. Die Spielweise der Band gleicht live einem Ritual. Am Anfang ist immer der Bass, der die Grundlage legt und geloopt wird und dann mit Drums und energetischen Giatrrenklängen untermalt wird. Ein Ritual, das von den Gästen entweder mit rhythmischen Nicken oder voller Konzentration verfolgt wird. Zum Schluß wird es noisig laut und die Drums und die Gitarre preschen durch alle Ecken des Kirchenraums in die Hörgänge. Das Licht geht aus, es ist düster, es ist bedrohlich, man ist der Gewalt der Musik ausgestzt. Der Kirchenraum, die Geborgenheit der Kirche scheint verloren… dann verstummt die Musik, das Licht geht an, das Set ist vorbei, Sum Of R verbeugen sich. Wir sind zurück in der Realität.

sum of r @ fzw dortmund

Sonntag reisen Sum Of R in die Nachbarschaft nach Dortmund. Sie sind kurzfristig als Support für Wolves In The Throne Room gebucht worden. Aus der Kirche geht es also in den Club des FZW. WITTR ziehen allein wegen ihres finalen Albums eine Menge Leute nach Dortmund und so ist der Club gut gefüllt. Sum Of R haben sich mittig direkt am Bühnenrand aufgebaut. Ein ganz kleiner Kreis Interessierter bildet sich mit kleinem Abstand zur Bühne, als die beiden das Set beginnen. Der Bass bohrt sich durch die Bühne in den Raum, die Gitarre klingt rauh und leicht hallend verzerrt, wie es ja Black Metal Fans gefallen dürfte. Spätestens nachdem Reto den Regler seines Basses runtergedreht, den Ausschalter betätigt, seinen Bass abgestellt und sich an die Drums gesetzt hat, um dem Sound eine Wucht von Rhythmus zu verpassen, haben Sum Of R einige neue Freunde im Publikum. Der Kreis vor der Bühne wird immer größer und das Gequatsche im Hintergrund lässt nach, was aber auch egal ist, weil Sum Of R so laut spielen, dass kein anderer Sound Platz findet im Ohr. Je länger Reto und Julia spielen, desto gewaltiger klingt das, was auf der Bühne passiert. Mittlerweile haben sich auch vier Langhaarige vor der Bühne gefunden, die gemeinsam zum Sound of Sum Of R die Haare tanzen lassen. Sum Of R verbeugen sich…

Zwei überzeugende Abende mit Sum Of R, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Und nur fürs Protokoll: das Set war an beiden Abenden identisch.

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LIVEBERICHT: HALFPLUGGEDFESTIVAL – STATION ROTTSTR5 GALERIE

Posted in ontheroad on May 13th, 2012 by D.K.

Letzte Woche hat das Halfplugged Festival seinen Einstand in Bochum gefeiert. Rund um die neubelebte Rottstraße in Bochum, die in und um Bochum durch ihre Erotikmeile, ein altes gruseliges Hotel und diverse negative Mediennachrichten einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt hat, fanden verschiedene Aktionen statt. Konzerte, DJ-Sets und ein Workshop haben an diversen neugenutzten Ortschaften auf der Rottstraße neue Akzente gesetzt.

Die Rottstraße 5 mit ihrer Galerie und dem Theater ist schon seit einiger Zeit kulturell aktiv und hat im Rahmen des Halfplugged Festivals die interessanteste Station geboten. [Bolt], N und Petrels auf einer Bühne. Die Räumlichkeiten bestehen aus Tonnengewölben, denn es handelt sich hier um eine aktiv genutzte Eisenbahnbrücke. Als wir ankommen spielt eine Band, die noch irgendwie ins Line-Up gerutscht ist. Irgend so ein komisches Zeug, während zwei Personen ihren Ausdruckstanz zum besten geben. Okay… wir warten draußen.

bolt @ halfplugged festival

[BOLT]

Dann ist es endlich soweit. [Bolt] betreten die Bühne. Zwei Musiker aus Bochum und Herne mit zwei Bässen, einem Haufen Effekten und ein bisschen Elektronik aus dem Rechner. Als die beiden ihr Set beginnen wird schnell klar, dass das Tonnengewölbe, das den Raum bildet, ein sehr intensiver Klangträger ist. Die Bässe drücken sich durch die Luft und der Sound wandert förmlich durch die Location. Sehr interessantes Soundgefühl. Das Duo ist live sehr viel intensiver als auf dem Demo, das bisher erschienen ist. Drone vom Feinsten.

Wer [Bolt] verpasst hat oder nochmal sehen möchte, kann dies am 26. Mai in der Christuskirche Bochum tun. Hier treten die beiden im Rahmen des Experimental Evening V auf.

N @ halfplugged festival

N

Hellmut Neidhardt alias N betritt die Bühne, arrangiert sich um seine Effektwiese herum und beginnt sein Set mit einem noisigen Drone. Was N hier aus seiner Gitarre zaubert ist Musik für die Seele, die dank der Architektur auch schnell den Weg in den Körper findet, denn die filigranen Sounds schleichen von allen Seiten des Tonnengwölbes durch Füße, Hände, Magen und sonst wo direkt in einen. Entscheidet man sich für einen Seite des Raums, anstatt in der Mitte zu stehen, wird man mit einer konzentrierten Ladung an Sounds beschallt. Unglaubliche Raumeffekte. Dass dann auch noch jede halbe Stunde Züge über unseren Köpfen brettern und zusätzlich Sounds liefern, ist ein netter passender Nebeneffekt. Das zweite Stück von N beginnt mit einem Arpeggio und verwandelt sich in den darauffolgenden 20 Minuten in ein Meer und Gewitter von dronig-noisigen Sounds. Am Ende ist ist die Hörerseele rein.

petrels @ halfplugged festival

PETRELS

Eigentlicher Headliner ist Petrels, der mit einem Elektronikset versuchen muss, den bisherigen Eindruck der beiden vorherigen Acts zu toppen. Petrels präsentiert Songs aus seinem Debütalbum, die er in einer einzigen Klangmasse präsentiert. Anfänglich noch als Noisewolke, dann immer filigraner. Petrels steht nicht still, sein Körper ist die ganze Zeit in Bewegung, er lebt seine Sounds auf der Bühne. Nach der Mitte des Sets wird der Sound experimenteller und erst als ein Beat einsetzt, ist im Publikum zu sehen, dass die Zuhörer genau auf sowas bei Petrels gewartet haben, etwas woran man sich festhalten kann, mitwippen oder mitstampfen kann. Bei den extrovertierteren Zuhören äußerst sich das Ganze in Ausdruckstanz. Womit sich der Kreis schließt.

Gelungener Abend, mit einem sehr überzeugenden Auftritt von N, der den Headliner etwas im Schatten stehen lässt.

Mehr Fotos vom Halfplugged Festival findet ihr hier…

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LIVEBERICHT: DENOVALI LABEL EVENING III

Posted in ontheroad on May 6th, 2012 by D.K.

Teil III der Denovali Label Evening Reihe in der Christuskirche Bochum hat sich diesmal mit den Nordlichtern des europäischen und nordamerikanischen Kontinents beschäftigt und so trafen die Kanadier von Thisquietarmy und Aun auf die Norweger von The Samuel Jackson Five.

thisquietarmy @ denovali label evening 3

THISQUIETARMY
Eric Quach alias Thisquietarmy eröffnet den Abend mit einer geballten Ladung Dronesounds. Fast schon verloren sieht er aus, vor seinem Meer an Effektgeräten, die er um sich aufgebaut hat. Doch das, was er aus seiner Gitarre zaubert, klingt alles andere als verloren. Die Drones sind genauso brachial dronig wie melodiös und nehmen die Zuhörer schnell ein, die begleitenden elektronischen Drums drücken einen in die Kirchenbank. Dann nach fast einer halben Stunde eine Verschnauffphase, in der Quach die Effekte und Verzerrung zurückfährt um eine Ambientfläche aufzubauen, aus der er mit einem seiner griffigeren postrockigen Songs ausbricht und die Zuschauer nochmals davon überzeugt, dass er zur Topliga der kanadischen Experimental-Rocker gehört. Im Gespräch nach dem Konzert beschreibt Eric Quach, dass ihm bewusst ist, dass sich ruhigere Töne besser entfalten würden in der Kirche, er aber nach der langen Anreise so erschöpft war, dass er sich inmitten der lauteren noisigen Dronesounds wohler gefühlt habe.

aun @ denovali label evening 3

AUN
Das Dreigespann um Martin Dumais hat seinen eigenen Altar mit Rechnern und Effekten vor dem Kirchenaltar aufgebaut und präsentiert sich elektronisch ambientlastig. Aun mischen Vocals, Saiteninstrumente und Sounds aus der Konserve miteinander und erzeugen eine kaum greifbare Klanglandschaft. Die Songs verschmelzen ineinander und verwandeln sich live in fast schon andere Tracks, die mit improvisierten Einschüben ein großes Klanggebilde ergeben. Der Kirchenraum bietet sich hier als idealer Klangträger an und so gleiten die Aun-Sounds 45 Minuten lang durch die Christuskirche.

samuel jackson 5 @ denovali label evening 3

THE SAMUEL JACKSON FIVE
Die fünf Norweger von The Samuel Jackson Five haben soundtechnisch so rein gar nichts mit Drone und Ambient am Hut, sondern sind mehr im instrumentalen Rock mit Hang zum Post-Rock unterwegs und so holen sie schon im ersten Song die Zuhörer aus den sphärischen Gefilden ab und nehmen sie mit auf eine treibende Rock-Reise. Zum Glück konzentrieren sich The Samuel Jackson Five nicht rein auf Post-Rock-Rezepte, sondern fügen ihrem Sound verschieden Akzente ein. So heult das Theremin zwischendurch auf oder die Gitarren werden folkig gespielt oder Elektronik wird eingestreut. Die Band hat Spaß am Spielen und ist ständig in Bewegung. Der Drummer nimmt seine Drums auseinander und schmeißt Percussioninstrumente den Altarsockel runter, um damit Sounds zu erzeugen. Und gesungen wird auch noch zwischendurch. Und obwohl die Band nicht so laut spielt, wie sie eigentlich wollte, kommt der vollgepackte Sound der Norweger gut rüber, bei Band und Zuschauer. Eine Zugabe, zwei Zugaben, drei Zugaben…

Alle drei Bands haben derzeit aktuelle Platten auf Denovali Records veröffentlicht und zeigen mal wieder die große Bandbreite des Labels.

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LIVEBERICHT: FABIO ORSI & N

Posted in ontheroad on December 3rd, 2011 by D.K.

Letzten Samstag hat der November nochmal seine letzten Kräfte mobilisiert und einen fiesen kalten Wind durch das Ruhrgebiet gejagt. Genau die richtige Zeit, ein paar warme Drones und Ambientsounds auf die Hörerschaft loszulassen.

N @ FKT (all rights reserved Cristobal Marquez)

Nach Thisquietarmy und Aidan Baker im Mai durften jetzt Fabio Orsi und N die Räumlichkeiten des FKT in Bochum beschallen. N beginnt den Abend mit einem 25minütigen Gitarren-Monolithen, der mit einem Arpeggio anfängt, das mit langen Pausen voller Stille wiederholt wird, bevor sich eine kleine Melodie und schallende Drones dazugesellen, die das Stück atmosphärisch erweitern. Doch das ist nicht die letzte Steigerung und so entwickelt das Stück zum Ende hin einen fast doomigen Sound, der scheinbar unaufhaltsam durch die Marshallröhre dröhnt. Die Melodien treten in den Hintergrund, verschwinden und was bleibt sind verzerrte Dronewellen. Laut und genial betörend klingt es und als man denkt, man könne diesem Sound ewig zuhören, legt N die Gitarre beiseite, kniet sich zu seinen Effekten und lässt das Stück ausfaden.

Fabio Orsi @ FKT (all rights reserved Cristobal Marquez)

Nach einer kleinen Pause setzt Fabio Orsi die Reise fort, die N begonnen hat. Während N seine Sounds an der Gitarre mit Hilfe von Effekten aufbaut, benutzt Fabio Orsi fünf vorgefertigte Loops, die er durch zwei Rechner jagt und mit Hilfe von Effektgeräten live zusammenführt und verfremdet. Das Ergebnis ist ein elektronisches Ambientgewitter, das aufgrund bestimmter Soundabfolgen eine Art Beat entwickelt, der sich immer weiter steigert. Die Sounds gehen unter die Haut und mit jeder Steigerung und Erweiterung des Songs gerät man tiefer in die Soundwelt von Fabio Orsi. Die Gäste haben entweder die Augen geschlossen oder sitzen grinsend auf ihren Stühlen und lassen sich von den lauten Tönen tragen. Auch Fabio spielt etwas über 25 Minuten bevor das Stück wieder an Dichte abnimmt und in Field Recordings endet. Was die Gäste zu diesem Zeitpunkt nicht wissen: der Abend geht weiter.

Fabio Orsi & N @ FKT (all rights reserved Cristobal Marquez)

Vor der Show haben beide Musiker das Angebot, eine gemeinsame Improvisation zu spielen, mit großem Interesse angenommen. Nach einer weiteren Pause gehen beide auf die Bühne, flüstern sich was zu und beginnen ein gemeinsames Set, basierend auf einer Harmonie aus Field Recordings von Fabio und Ambientsounds aus der Gitarre von N. Das Stück verdichtet sich und die gemeinsam eingebrachten Sounds, die geloopt werden, vereinen sich zu einem fließenden Ambientsound. Nach circa 15 Minuten setzt Fabio an, den Song wieder ausklingen zu lassen, N dagegen steigert seine Gitarrenparts und nachdem Fabio alles ausklingen lässt und N sich wieder in eine Art Soundgeflecht verwoben hat, entscheidet sich Fabio das zu tun, was alle anderen im Raum auch machen: N zuhören. N wird zum Ende hin noch lauter und noisiger als in seinem Soloset, bevor die ehemaligen Büroräumlichkeiten, in denen das FKT wohnt, wieder ihre Ruhe finden.

Ein Abend, drei beeindruckende Sets.

Die Fotos sind von FKT-Mitglied und Profifotograf Cristobal Marquez. Mehr zu seiner Arbeit auf tobalo.de

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LIVEBERICHT: BARN OWL IN KÖLN

Posted in ontheroad on November 28th, 2011 by D.K.

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Montag vor einer Woche. Krass kalt. Köln. Irgendeine Seitenstraße am Ring. Hier steht die Christuskirche. Ein alter evangelischer Kirchenturm und ein unspektakulärer Neubau als Kirchenraum. Der äußere Eindruck bestätigt sich im Innenraum. Ein spartanischer Betonklotz, der eher einer Fabrikhalle ähnelt, als einem Kirchenraum. Ein großes Kreuz an der Wand gegenüber dem Eingang deutet den Altar an. Davor zwei Gitarrenverstärker, Effektgeräte, zwei in Koffer ruhende Gitarren. Das ist die Bühne für das bevorstehende Barn Owl Konzert. Um die angedeutete Bühne sind ein paar Stühle drapiert. Wir nehmen Platz. Krass kalt, immer noch.

barn_owl_jon

Jon Porras und Evan Caminiti betreten ganz in schwarz gekleidet die Bühne, greifen zu ihren Gitarren und beginnen ihr Set. Das Gitarrenspiel wird von diversen Videoprojektionen begleitet, die bis auf einen schwach leuchtenden blauen Strahler die einzige Lichtquelle sind. Die Kälte entschwindet aus dem Körper, denn was Barn Owl da aus ihren Gitarren zaubern klingt so warm, dass es einem ein warmes Gefühl vermittelt. Magisch. Das Set beginnt leise und bluesig-folkig und wird immer experimenteller, droniger und schwerfälliger. Earth und Sunn O))) Fans im Publikum dürften sich gleichermaßen gefreut haben. Besonders das laute Gedröhne entfaltet seine Wirkung in dem hohen klobigen Kirchenraum am besten. Das Publikum, das vor dem Konzert auffällig viel zu bequatschen hatte, schweigt nun bedächtig. Augen schließen und die Dronesounds in sich fließen lassen, oder Projektionen anschauen und die Gitarrensounds zu einem Soundtrack werden lassen. Egal wie man Barn Owl wahrnimmt, die Wirkung ist berauschend. Am Ende wird noch begeistert der Merchstand leergekauft.

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LIVEBERICHT: DENOVALI LABEL EVENING II

Posted in ontheroad on November 5th, 2011 by D.K.

sankt_otten © All rights reserved by Cristóbal Márquez (www.tobalo.de)

Denovali Records sind ja bekannt für eine große Bandbreite experimenteller Bands und das konnte man vorletzten Freitag auch auf dem zweiten Denovali Label Evening erleben, als Sankt Otten zusammen mit Blueneck auftraten.

sankt_otten_© All rights reserved by Cristóbal Márquez (www.tobalo.de)

Sankt Otten eröffnen den Abend mit ihrer „Gottes Synthesizer Show“ ganz in rot – rotes Hemd, roter Tisch und rot beleuchtete Bühne bzw. Altarsockel. Die beiden Sankt Ottener brauchen nicht mehr als Elektrodrums, etwas Elektronik aus dem Rechner und eine Gitarre, um ihre Sounds in den Kirchenraum zu tragen. Sie könnten sich auch das Blade Runner Telekolleg Synthie Score Ensemble nennen, denn genau das sind die Assoziationen, die einem durch den Kopf schwirren, beim Hören der Musik. Die erste Hälfte des Sets ist sehr dynamisch mit großem Drumeinsatz… Actionszenen aus einem futuristischen 70er oder 80er Jahre Film. Stephan Otten hat auf jeden Fall sehr coole Moves drauf, wenn er mit seinen Drumsticks auf die polygonalen Elektrodrumflächen trommelt. Die zweite Hälfte wird zunehmend ruhiger und sphärischer und die Bilder im Kopf zeigen Szenen aus dem All oder Luftaufnahmen aus alten Tierdokus. Sankt Otten fühlen sich in der Synthiesoundwelt pudelwohl, das ist den beiden auf der Bühne anzusehen und es macht Spass zuzuschauen.

blueneck_© All rights reserved by Cristóbal Márquez (www.tobalo.de)

Nach einer kurzen Umbaupause stehen Blueneck auf der Bühne. Fünf Briten gezeichnet von drei Wochen Europatour, die an diesem Abend zu Ende geht. Doch als die ersten Töne erklingen, sind die Musiker vollkommen aufmerksam bei der Sache. Sänger Duncan Attwood legt die Melancholie in den Raum, das Keyboard untermalt die Stimmung und dann, irgendwann kurz bevor man überhaupt daran denken könnte, dass die Musik zu melancholisch oder schnulzig sein könnte, holen die restlichen Musiker den Hörer ab und geleiten einen in eine treibende Instrumentalwelt. Eine gelungene Mischung, die live viel besser zündelt als auf Platte. Die alten und neuen Songs passen live perfekt zusammen und zeigen die große Bandbreite der Band, die sich zwischen experimentellem Alternativ Rock und treibendem Postrock bewegt. Gitarrist und Riese der Band, Rich Sadler, verkündet mehrfach, dass er beeindruckt ist von der Kirche und sein Jeden-Sonntag-In-Die-Kirche-Kindheitstrauma an diesem Abend geheilt worden sei. Blueneck sind generell gut drauf auf der Bühne und legen sich für die letzte Show der Tour ins Zeug. Ergebnis ist großer Jubel, Standing Ovations und ein sehr gut besuchter Merchstand. Selbst die Band liegt sich am Ende des Sets in den Armen. Sänger Duncan beschreibt mir nachher noch seine überwältigenden Gefühle während der Zugabe, als er merkte, dass der nächste Ton, den er auf der Gitarre spielen würde, der letzte der Tour sei. Was würden wir Hörer nur machen, ohne diese Vollblutmusiker…

blueneck_© All rights reserved by Cristóbal Márquez (www.tobalo.de)

Die restlichen Momentaufnahmen von Cristobal Marquez alias Tobalo folgen bald auf unserer PHOTOS Seite.

blueneck_© All rights reserved by Cristóbal Márquez (www.tobalo.de)

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LIVEBERICHT: DER SONNTAG VOM DENOVALI SWINGFEST 2011

Posted in Musik on October 5th, 2011 by D.K.

Nachdem wir Sonntagfrüh verdammt lang gepennt haben, machen wir uns gegen 13 Uhr auf zum letzten Denovali Swingfest Tag.

fragments de la nuit @ denovali swingfest 2011

Les Fragments de la Nuit arrangieren sich gerade auf der Bühne. Von der Instrumentierung vielleicht das ungewöhnlichste Ensemble des Festes, denn Cello, Flügel und zwei Violinen sieht man hier nicht so oft. So ist dann auch das Set der Franzosen sehr klassisch, kann aber wahrscheinlich gerade deswegen auch besonders überzeugen. Am Ende springen die auf dem Boden hockenden Leute auf, um unter Jubel zu applaudieren, überraschend.

kodiak+N @ denovali swingfest 2011

Zwei Schilder vor der Bühne lassen die Gäste wissen, dass auch der Veranstalter die Idee mit den Stühlen vor der Bühne nicht so klasse findet. Coole Sache. Auch cool ist der Soundcheck von Kodiak+N. Die Jungs machen ihre Späßchen und als N alias Hellmut von der Bühne verschwindet und alle schon fertig sind und auf ihn warten, wird er mit großen Beifall Star-like begrüßt, als er wieder auftaucht. Die Kollaboration Kodiak+N ist für das letztjährige Swingfest ins Leben gerufen worden und aus einer Idee ist mittlerweile ein Album geworden, dass die Vier am Sonntag live präsentiert haben. Experimenteller Doom vom Feinsten. Auch wenn die Bandmitglieder sich auf der Bühne selbst nicht gegenseitig hören können (was zu lustigen Gesichtsfragezeichen führt), ist das Set überwältigend. Wer die Möglichkeit hat, die Band auf ihrer derzeitigen Tour zu sehen, sollte sich das nicht entgehen lassen.

her name is calla @ denovali swingfest 2011

Her Name is Calla, auch Swingfest erprobt, setzen auf eine gute Mischung aus Melancholie und Energieausbruch. Die Songauswahl ist gut und kann überzeugen und obwohl ich eigentlich nur mal reinhören wollte, um dann nach hinten zu gehen, bleib ich bis zum Schluss vorne stehen.

tim_hecker soundcheck @ denovali swingfest 2011

Am Sonntag sind die One-Man-Bands in der Unterzahl, dafür ist aber Tim Hecker einer von diesen. Ein sympathischer Kanadier, dieser Herr Hecker. Er baut sein Set auf, das vom Bühnenrand aus wie folgt aussieht: ein Laptop mit überklebtem Leuchtapfel, ganz viele Geräte, aus denen fette Kabel rausragen, und ein Ding mit Tasten, aus dem derbe Basssounds erdröhnen. So derbe, dass Hecker selbst schmunzeln muss, nachdem er die Sounds in der Halle ausprobiert. Leider sind die Denovali Jungs so nett, den Künstlern alle Wünsche zu erfüllen, und so findet das Set von Tim Hecker in völliger Dunkelheit statt. Einzig der Laptopmonitor lässt Heckers Silhouette erscheinen. Schade. Also bleibt einzig und allein die Musik und die ist berauschend. Flächen von Noise- und Ambientsounds gepaart mit extrem unterschwelligen Beats und alles bei einer krassen Lautstärke, die durch den ganzen Körper fließt. Der Mann versteht sein Handwerk.

hauschka @ denovali swingfest 2011

Und weil wir schon bei One-Man-Bands sind folgt Hauschka kurz danach. Wenn man seine Musik auf Platte und den Begriff „Prepared Piano“ hört, denkt man sich so einiges, aber wenn man live sieht, was er da macht, der Hauschka aus D’dorf, dann ist das schon wirklich beeindruckend. Dank einer Videokamera, die das Innenleben des Flügels filmt, ist zu sehen, was Hauschka da macht. Da liegen Rasseln, Kronkorken, Stäbchen, Ebows und Ketten im Flügel und verfremden so den Sound, dass man gar nicht darauf käme, dass das was zu hören ist auf einem klassischen Flügel vorgetragen wird. Auch ein Beutel voller Ping-Pong-Bälle wird im Flügel entleert. Witzig anzusehen und interessant anzuhören. Hauschka muss man live gesehen haben.

Kurz nach 21 Uhr sorgen dann Hidden Orchestra für Stimmung mit ihrem Set bestehend aus zwei Drummern, einem Gitarristen und einer Dame an Elektronik und Violine. Sehr beatlastig und gut gelaunt triphoppen sich die vier Briten durch ihre Stunde Swingfest und besonders Poppy sieht mit ihren Moves hinter der Elektronik aus wie eine hippe DJane in einer angesagten Disco. Ich hab da keinen Bock drauf, denn ich möchte mich seelisch auf Sunn o))) vorbereiten, die ganz sicher nicht gut gelaunt sein werden.

Nach Hidden Orchestra müssen alle Gäste den Saal verlassen, damit Sunn o))) die Bühne umbauen können, um ihren Soundcheck zu machen. Also eher um auszuloten, wie laut sie maximal spielen können, ohne dass die Trommelfelle der Swingfestgemeinschaft zerstört werden.

hidden orchestra @ denovali swingfest 2011

Eigentlich sollten Sunn o))) um 22 Uhr spielen, aber das ist der Zeitpunkt, als der Saal für den Soundcheck geräumt wird. Um Mitternacht dürfen wir dann alle wieder rein. Der Saal steht im Nebel. Sehr schwaches blaues Licht lässt die Amptürme auf der Bühne erahnen. Das Konzert beginnt mit einem typischen Greg Anderson und Stephen O´Malley Droneduell. Im Hintergrund ist noch eine Gestalt an einem Moog Rogue (keine Ahnung wer das war). Natürlich alle in Kutten. Die Arme heben sich bedrohlich im Nebel, um dann in imposanten Posen gen Gitarrensaiten versenkt zu werden. Es dröhnt, es dröhnt laut, gesundheitlich bedenklich laut, aber das muss so sein bei Sunn o))), denn sie wollen eher gespürt als gehört werden. Das ganze Gedröhne dauert eine Stunde, bis dann überraschend Attila Csihar auftaucht und in einem leiseren Gedröhne seine Drone-Predigt in akzentreichem Englisch und mit verschiedenen Stimmen vorträgt. Währenddessen verschwinden Greg und Stephen und kommen eine halbe Stunde später wieder, um Attilas Predigt zu beenden und nochmal eine halbe Stunde noch lauter als am Anfang zu spielen. Zwei Stunden Drone-Oper als großes Finale für das diesjährige Denovali Swingfest. Das geht nach drei Tagen Festival, wo man fast gar nichs verpassen wollte, verdammt in die Knochen. Respekt vor allen, die bis zum Ende durchgehalten haben.

Fazit zum Sonntag: Tim Heckers Sounds haben eine so starke Wirkung gezeigt, körperlich und seelisch, dass der Kanadier mein Highlight des Tages ist. Da müssen sich Sunn o))) leider mit dem zweiten Platz begnügen. Aber ganz knapp.

after sunn o))) @ denovali swingfest 2011

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LIVEBERICHT: NEUROSIS & UFOMAMMUT

Posted in ontheroad on July 31st, 2011 by D.K.

Manche Bands lassen einen immer am langen Arm verhungern, wenn es ums Warten auf neue Platten und Konzerte geht, so auch die Avantgarde-Post-Core-Metal-Doom-Sludge-Rocker von Neurosis. Um so größer ist dann die Freude, wenn die Durststrecke ein Ende hat. Zwar ist das neue Album noch nicht im Kasten, aber die Songs sind geschrieben und die kleine Europatour wird zum Warmspielen und Präsentieren des neuen Materials genutzt. Das FZW in Dortmund ist der Ort des Geschehens. Dort angekommen erwartet uns schon die erste nicht überraschende Tatsache, dass “nur” Ufomammut als Support dabei sind und nicht wie die FZW-Homepage versprach auch Amenra. Egal, dank funktionierendem Netzwerk der Fan-Band-Gemeinde war man ja darauf vorbereitet.

Die Halle füllt sich schnell, nachdem die drei Italiener von Ufomammut den Abend eröffnen. Der Bandname ist hier Programm. Das Ufo steht für das sphärisch-psychedelische und das Mammut für das schwerfällig-doomige im Sound der Band und das stellen die drei eindrucksvoll unter Beweis. Effektverzierte Basstöne, rockige Drums und eine derbe verzerrte Gitarre, die auch ungespielt vor sich her dröhnt. Feine Sache.

neurosis_steve_von_till.JPG

Es folgt eine lange Umbauphase, in der neben der Crew auch immer wieder die Neurosis Bandmitglieder auf der Bühne auftauchen, um an ihren Instrumenten rumzuprobieren. Dann folgt lange nichts und dann doch noch mal ein Soundcheck für Mikros und PA. Und das Ganze streckt sich und streckt sich bis dann plötzlich Neurosis auf die Bühne kommen, kein Spannungsbogen, auf einmal stehen die Fünf da. Wir stehen in der ersten Reihe vor Scott Kelly und die Soundwand des ersten Songs überrollt einen wie eine innere Walze. Die Videoshow im Hintergrund gewohnt düster. Was aber schon am Anfang auffällt und sich durch den ganzen Abend zieht ist, dass vorne die Vocals nicht gut zu hören sind und die Lichtshow irgendwie keine Lichtshow ist, sondern die Band sehr oft in zu hellem Licht steht. Die beiden Frontmänner Scott Kelly und Steve von Till sind schon verdammt eindrucksvoll düster blickende Gestalten. Von Till steht kaum still, verdreht seinen Körper, bangt ständig mit seiner Glatze hin und her. Kelly dagegen steht meist breitbeinig mit der Gitarre so tief wie möglich hängend da. Die restlichen Bandmitglieder halten sich dezent im Hintergrund. Die Setlist überspannt wie gewohnt eine größere Schaffensphase der Band und so dürfen Songs wie “Given To The Rising”, “A Season In The Sky” oder “Belief” nicht fehlen. Aber auch der neue Song “At The Well” ist dabei, der stilistisch da anknüpft, wo das letzte Album aufgehört hat. Je länger das Konzert andauert, desto unruhiger wird die Band. Von Till wackelt immer unkontrollierter, Kelly kickt mit einer Kopfnuss sein Mikro von der Bühne und Noah Landis zerlegt seinen Keyboardständer. Als Abschluss gibt es wie vor drei Jahren in Köln “Through Silver In Blood” mit imposantem Gruppengetrommel. Als wir die Halle verlassen und an die frische Luft kommen, meldet sich auch der Kreislauf, der die Show gar nicht gut fand… aber das gehört nun mal dazu.

neurosis_scott_kelly

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LIVETAGEBUCH: MAMIFFER

Posted in ontheroad on April 22nd, 2011 by D.K.

Mamiffer sind auf Tour, das ist gut , Mamiffer sind auf Europatour, das ist sehr gut, Mamiffer kommen zwei Mal nach NRW, das ist genial.

mamiffer.JPG

 

Erstes Mamiffer Konzert für uns ist das Konzert im Duisburger Steinbruch. Mamiffer spielen als Support für Black Math Horseman, dem Stoner Doom Quintett. Schon das Bühnenbild ist bezeichnend. Links ein Roland Keyboard mit Klavierhocker, es folgen nach rechts diverse Amps, das riesig wirkende Drumset, in der Mitte der Bühne ein weiterer Klavierhocker, der vor einer Reihe von Effektgeräten platziert ist, und auf der rechten Seite ein Koffer voller Gerümpel, Trödel und Schrott.

mamiffer

Die Band betritt die Bühne. Faith Coloccia an den Tasten, Caleb Collins und Tyler Semrick-Palmateer (von der leider nicht mehr musizierenden Hydra Head Band Mare) am Bass und den Drums, Aaron Turner an der Gitarre und den Effekten und Travis Rommeriem bezieht Stellung vor dem ominösen Koffer voller Krempel. Dieser Koffer eröffnet auch das Konzert. Rommeriem kratzt, streicht, klopft und bewegt diverseste  Gegenstände, die er aus dem Koffer zaubert, und erzeugt somit eine Art Live-Field-Recordings, das Klavier (bzw. der Klaviersound aus dem Roland) setzt ein, es folgt die Gitarre. „Iron Water“, der Albumabschluss heute als Opener. Schnell wird klar, dass diese Band ihre Musik lebt. Die Musiker sind aufeinander eingespielt, Faith’s Klavier ist der musikalische Mittelpunkt, an dem sich alle orientieren, gemeinsame Einsätze übernimmt Aaron mit Zählen durch Headbangen. Die Musiker fühlen die Musik, schließen ganz oft die Augen zum Spielen. Alles ist in rotes Licht getaucht. Im Mittelpunkt des Sets steht das neue Album „Mare Decendrii“, das live weniger orchestral, sondern wuchtiger und rauer klingt. Ein gemeinsamer Acapellapart schließt die überzeugende Mamifferpräsentation ab.

Das zweite Mamiffer Konzert steht in Köln an. Schauplatz ist das MTC mitten auf der Zülpicherstraße. Halbe Stunde Parkplatz suchen, volle Straßen, Stress. Dann untertauchen ins MTC, wörtlich, denn es geht eine Treppe runter in einen Keller und der Lärm des abendlichen Kölns erlischt im Sound des MTC. Es läuft ein Mixtape von Aaron Turner, genau wie in Duisburg.

house of low culture

Mamiffer sind heute Headliner. Doch vorab beginnt der Abend mit einem Liveset von House Of Low Culture, dem langjährigen Aaron Turner Projekt, mit ständig wechselnden Kollaboratoren, heute ist es seine Frau Faith Coloccia. Aaron Turner nimmt Platz auf einem Hocker mitten auf der Bühne. Faith setzt sich an den linken Bühnenrand und greift zur Gitarre. Zwei Volumenpedale, ein Loopeffektgerät, ein Modulator und ein Mikro liegen direkt vor Aarons Füßen, der Rest der Effektgeräte ist daneben aufgebaut. Das Set beginnt mit einem fast ohrenbetäubenden hohen Geräusch, das Aaron mit Hilfe von Effekten und einem an einen Verstärker gehaltenen Mikro erzeugt. „Perverted Scripture“ heißt das Stück, das auch auf der Tour-Cassette von Mamiffer und HOLC vertreten ist. Schnell ist klar, dass es Aaron heute nicht um Harmonien geht. Die Gitarre von Aaron dient nur kurz als Instrument für Akkorde, die meiste Zeit dient sie als Grundlage für ein noisiges Gedröhne, das sich durch den ganzen Körper, durch das ganze MTC erstreckt. Immer wieder Noiseausbrüche, Faith legt dezente Akzente mit abstrakten Gitarrenflächen, Aaron greift zum Mikro und untermalt den Sound mit hallendem Gebrülle. Nach einer Viertelstunde dann der Höhepunkt des Sets an einem Punkt, wo alle erzeugten Sounds zusammenfließen, Aaron auf dem Boden hockt, ins Mikro brüllt, sich über die Effekte beugt, er zittert für kurze Momente am ganzen Körper. Aaron lebt und fühlt seine Musik. Gänsehautmomente. Was House Of Low Culture an diesem Abend machen, gleicht der Arbeit eines Steinbildhauers. Während andere Steine nehmen um Häuser zu bauen, erschafft der Steinbildhauer Skulpturen aus eben diesem Stein. So präsentieren auch HOLC keinen Song durch klassisches Spielen von Instrumenten, sondern erschaffen mit Hilfe der Instrumente Klangskulpturen. Live ein echtes Erlebnis.

mamifferk

Dann steht der Auftritt von Mamiffer an. Das Bühnenbild gleicht fast dem in Duisburg. Einziger Unterschied ist, dass das Drumset diesmal am rechten Bühnenrand positioniert ist. Mamiffer spielen das gleiche Set, sind ausgelassen und lassen sich auch nicht vom Gegröle eines besoffenen Gastes irritieren. Während des Sets treffen sich die Blicke von Faith und Aaron, was beide zu einem fetten Grinsen verleitet. Die restliche Zeit sind die Musiker im Mamifferuniversum versunken und bieten den wenigen Gästen, die an diesem Abend ins MTC gefunden haben, eine unvergessliche Stunde.
mamiffer

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LIVE: MOGWAI

Posted in ontheroad on March 20th, 2011 by D.K.

Montagabend, der erste Arbeitstag der Woche ist überstanden. War auch nicht sonderlich schwierig, denn die Vorfreude auf den Abend ist groß. Denn Mogwai spielen in der Live Music Hall in Köln.

mogwai "you´re lionel richie" live

Wir sind pünktlich zum Einlass um 20 Uhr da. Vor dem Eingang eine Schlange und in der Halle gut gefüllt. Es sind mindestens so viele Gäste da, wie in das Stollwerk reinpassen, aus dem das Konzert wegen der hohen Nachfrage verlegt wurde. Erst um 21 Uhr kommt RM Hubbert auf die Bühne. Der Schotte gibt seine instrumentalen Akustikgitarrenstücke zum Besten und untermalt sein Set mit sehr langen Erzählungen zur Entstehung seiner Songs. Eigentlich ganz nett der Typ und seine Musik, aber in einer vollen Halle die auf Mogwai wartet, irgendwie nicht so passend. Warten… ja, das müssen wir noch eine Weile.

Dann, kurz nach 22 Uhr, kommen die fünf Schotten (samt Kele-Okereke-Lookalike-Verstärkung an der Geige) auf die Bühne und fangen sofort mit “White Noise” an. Guter Einstiegssong, nicht zu laut, nicht zu leise. Dann direkt “Rano Pano” als Wachmacher. Leider zu leise, denn man kann den Song auch ohne Ohrstöpsel hören. Danach gehts etwas seichter weiter bis in der Mitte des Sets “San Pedro” wieder die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Als “I´m Jim Morrison, I`m dead”  einsetzt kommt ein überraschendes “Ich-kenn-das-Lied-cool-dass-ihr-das-spielt-Klatschen”. Zu Recht, denn der staubtrockene Basseinsatz in der Hook geht unter die Haut. Highlight ist jedoch “You´re Lionel Richie”, für das der Geigenmann auf die Bühne kommt, um den Sound mit einer dritten Gitarre zu unterstützen. Viel direkter und viel droniger als auf der Platte walzt sich das Lied in die Ohren. Die Lichtshow ist bei diesem Lied besonders hell… ein Lichtblick im wahrsten Sinne des Wortes. Das eigentliche Set endet mit “Bat Cat”, aber natürlich kommen Mogwai für eine Zugabe auf die Bühne. Nachdem während des Sets der Band so einige Spielfehler unterlaufen sind und die Band die erste Zugabe schon zu Beginn verpatzt, sieht sich Stuart Braithwaite in der Pflicht eine Erklärung dazu abzugeben. Die Band habe letzte Nacht die aktuelle Exorzist DVD samt Bonusmaterial geguckt, wo ein echter Exorzismus mitgefilmt wurde. Stuarts Vermutung ist demnach, dass die Band nach dem Filmabend besessen sei und deswegen Fehler mache. Klingt logisch. Das Zugabeset endet mit “Christmas Steps”. Gute Wahl.

Nach gut 90 Minuten ist das Konzert vorbei, wir machen uns auf den Heimweg und nehmen den Lionel-Richie-Ohrwurm mit einem Lächeln mit nach Hause.

Mogwai

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