TARA JANE O`NEIL

Posted in Release on August 3rd, 2014 by M F

Von ihren wilden, teils lärmigen Anfängen in Bands wie Rodan, Retsin und Sonora Pine hat sich Tara Jane O’Neil mittlerweile recht weit entfernt. Zwar hat sie keine Angst, ihre elektrische Gitarre auch mal in die Dissonanz driften zu lassen, doch widmet sie sich auf ihren eigenen Alben vor allem einer Erkundung der Stille. Als Songschreiberin arbeitet O’Neil gerne mit Lücken und Auslassungen, die sie melodisch zu feinen Gewebeskizzen verspinnt.

Nun also “Where Shine New Lights”. Auf ihren bisherigen Home-Recordings neigte die Multi-Instrumentalistin eher zu schwelgerischen Arrangements. Neuerdings arbeitet sie eher sparsam, beinahe karg, und vermeidet Überlängen. Gesang und Gitarre dominieren, doch im engen Zusammenspiel mit Geigen, Vibraphon, Perkussion oder elektrischem Klavier. Gerade die mehrfach übereinander gesungenen Gesangsspuren fallen auf. Nun hat TJO, wie sie sich selber gerne nennt, keine aufregende Gesangsstimme, doch kennt sie ihre Schwächen und weiß, durch Beifügung und Weglassung Atmosphäre entstehen zu lassen. Als ganzes wirkt dieses Album wie eine Reihe von Schattenzeichnungen von Bäumen in Wind.

“Where Shine New Lights” ist über Kranky erschienen.

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TIM HECKER LÄSST DAS PIANO STERBEN

Posted in Release on February 8th, 2011 by D.K.

Die Bezeichnung “Sound Artist” ist das wohl passendste Wortgebilde, um die musikalische Arbeit von Tim Hecker aus Montreal in Worte zu fassen. Seit fast zehn Jahren veröffentlicht Hecker unter seinem Namen Platten, die sich im Bereich von Ambient, Drone und minimalistischen Elektroniksounds bewegen. Grundlage sind immer Aufnahmen echter Instrumente, die Hecker im Nachgang überarbeitet.

tim hecker bei den aufnahmen in der isländischen kirche

Diesen Monat steht sein neues Album “Ravedeath, 1972” vor der Veröffentlichung. Im Sommer 2010 hat sich Tim Hecker zusammen mit Ben Frost und Paul Corley in eine Kirche im isländischen Reykjavik begeben, um dort das Album an einem Tag einzuspielen. Die dortige Kirchenorgel ist das Hauptinstrument auf “Ravedeath, 1972” und wird unter anderem von Pianoaufnahmen aus der Kirche untermalt. Das Endresultat hat James Plotkin gemastert.

Das Cover von “Ravedeath, 1972” zeigt eine Gruppe von Menschen, die kurz davor sind, ein weißes Piano von einem Flachdach zu werfen. Genauer gesagt ist es eine Studentengruppe, die 1972 erstmals diese Aktion durchgeführt hat, die bis heute Bestand hat und sich zu einem regelmäßigen Ritual entwickelt hat. Tim Hecker hat das Foto bei Recherchen gefunden, abfotografiert und als Motiv für sein fertiggestelltes Album verwendet.

tim hecker ravedeath, 1972

Stellen wir uns vor, das Piano, das auf der Fotografie zu sehen ist, habe eine Seele und das Album wäre der Soundtrack, der das wiedergibt, was dem Piano vom Wurf bis zum Aufprall widerfährt. Alles beginnt mit “The Piano Drop”, einem kurzen, lauten Song, in dem sich eine Noise- und eine Synthieschicht mit Tremoloeffekt gegeneinander aufwiegen. Der Moment der Aufregung, bevor die Studenten das Piano fallen lassen. Dann der Moment des Loslassens. Das dreiteilige “In The Fog” setzt mit einem warmen langsamen Orgelsound ein. Ab hier läuft alles in Zeitlupe und der Fall des Pianos verlangsamt sich. Tim Hecker schafft hier Korridore und Räume von Ambientsounds, Delay- und Loopkonstrukte bilden unterschwellige Beats. Mal schimmert ein Piano durch, mal ein verzerrtes Saiteninstrument. Das Album endet mit dem dreigeteilten “In The Air”, das zunächst leise und melancholisch anfängt und sich zu einer Aufschichtung von Sounds auftürmt. Das Ende des Films naht: der Aufprall des Pianos steht bevor. Dann in “In The Air III” die Erlösung. Der Song baut auf eine Pianomelodie auf, die immer weiter verfremdet wird. Hall entzieht dem Pianosound den Boden, den Halt… es schwebt. Das Piano ist schon längst auf dem Boden aufgekommen und seine Seele entschwindet, der Song wird langsam ausgeblendet. Es ist vorbei.

Wer sich diesen Film auch mal “anhören” möchte, sollte sich “Ravedeath, 1972” unbedingt zulegen. Das Album erscheint Mitte Februar auf CD und LP über Kranky Records.

tim hecker bei den aufnahmen zu

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LICHENS

Posted in Release on February 7th, 2010 by D.K.

In Anbetracht des überzeugenden Lichens Auftrittes vor dem Om Konzert in Dortmund am letzten Donnerstag wollen wir euch das Werk dieses außergewöhnlichen Künstlers etwas näher bringen.

LICHENS

Hinter Lichens verbirgt sich das Soloprojekt von Robert Aiki Aubrey Lowe aus Chicago. Fernab der musikalischen Aktivitäten seiner Bands 90 Day Men und Singer lässt sich Lowe unter dem Alias Lichens Zeit für experimentelle Musik, die sich zwischen Drone, Ambient, Noise aber auch Blues bewegt. Lichens verflechtet auf der einen Seite Gitarrensounds und abstrakte Vocals durch Looping zu komplexen, homogenen Songs, auf der anderen Seite schafft er es auch allein durch minimalistisches Gitarrenspiel größtmögliche Effekte zu erzielen.

Das Debüt “The Psychic Nature Of Being” von 2005, das aus einem improvisierten Set besteht, und sein Nachfolger “Omns”, beide bei Kranky erschienen, geben die musikalische Bandbreite von Lichens am besten wieder und sind ein empfehlenswerter Einstig. Die Kollaborationen mit der deutschen Band Cloudland Canyon und White/Light aus Chicago, beide über Holy Mountain veröffentlicht, zeigen zudem wie gut sich Lichens Sounds mit der Musik anderer Künstler vereinen lassen. Besonders die “White/Lichens” betitelte Zusammenarbeit mit White/Light, die sich mit Dämonen der Ars Goetia beschäftigt, weiß durch Einsatz von Gitarrendrones, befremdlichen Vocals und Klaviereinlagen zu überzeugen und bietet dem Hörer den passenden Soundtrack zu den Dämonenschriften.

Über Hoss Records und Three Four Records sind weiterhin zwei Splits erschienen. Darüber hinaus solltet ihr die Augen aufhalten, denn Lichens hat einige Alben und Eps im limitierten CD-R Format selbst veröffentlicht.

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