HORSE?

Posted in Release on November 20th, 2011 by M.H.

Horse? (respektive “Horsequestionmark”) nennt sich die fünfköpfige Sludge/Doom/Postcore-Vereinigung aus Karlsruhe, Heidelberg und Essen, die wir euch mit diesem Artikel ans Herz legen möchten. Bereits vor einigen Monaten haben sie ihr “I” betiteltes Debütwerk in absoluter Eigenregie aufgenommen, produziert und veröffentlicht.

Die Aufnahme des Albums erfolgte live im Studio und klingt entsprechend roh, ursprünglich und dadurch eben auch erfreulich frisch und unverbraucht. Das 3-D-Covermotiv, das einen Ausschnitt aus Dürers Apokalyptischen Reitern zeigt, darf durchaus als Verweis auf die Musik verstanden werden, die den bildhaften Vergleich mit einer alles niedertrampelnden Herde Wildpferde nicht zu scheuen braucht. Allerdings geschieht dies zumeist nicht im zügigen Galopp, sondern vielmehr in den gemäßigteren Gangarten, die vereinzelt gar zum nahezu völligen Stillstand tendieren, was die Kompositionen dynamisch und mächtig erscheinen lässt. Beim Gesang setzt das Quintett über weite Strecken auf die leicht heisere Schreivariante, gerne aber auch mal auf das gesprochene Wort oder die harmonische Melodievariante. Abgerundet wird “I” durch überlegt platzierte Soundsamples/-effekte.

Die Band selbst sieht sich in der Tradition von Isis, Cult Of Luna und Neurosis, wobei sie in deren Liga erwartungsgemäß (noch) nicht ganz mitspielen kann. Nichtsdestotrotz hinkt der Vergleich keineswegs, fühlt man sich beim Lauschen der Klänge phasenweise doch durchaus an die genannten Bands erinnert. Und dass ein Debüt noch ein wenig Spielraum nach oben lassen sollte, versteht sich von selbst.

Die Erstauflage der roten CD-R ist auf 100 Exemplare limitiert und kostet inklusive einer schicken 3-D-Brille nur schlanke 7€. Sollten wir euer Interesse geweckt haben, richtet ihr eure Bestellung einfach an horsequestionmark(at)gmx(.)de.

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ZWEI MEINUNGEN ZUR NEUEN BORIS

Posted in Release on March 22nd, 2011 by N UND D.K.

BORIS

BORIS – NEW ALBUM

– MINUS –

Schlimmer als befürchtet oder einfach nur nicht so, wie gedacht/gewünscht/erhofft? Nach der 7inch Serie hatte es ja bereits genug Stimmen gegeben, die ein endgültiges(?) Abdriften in Richtung poppigen Metal vorhersahen. Dass Boris mit „New Album“ aber so viel weiter in diese Richtung und darüber hinaus; auch ganz ohne Metal gehen würden…Gut, rein optisch, dieses Cover mit seiner Fernost-Fantasy-Wet-Dream-Wata-Inszenierung gäbe da auch Stoff zum nachdenken, geht deutlich über die bisherige Japan-Askese/Klarheit bzw. 70ties Bezugnahme hinaus; eine zusätzliche Warnung, maybe. Zwei weitere Warnungen: Keyboards (by Wata), nicht nur gelistet, sondern exzessiv genutzt und ein Gesang von Takeshi, der so klingt, als ob er seit dem letzten Album genau so exzessiv Gesangsunterricht genommen hätte.

Der japanisch betitelte Opener: 80ties-Pop-Metal mit gitarrengedoppelten Gesangslinien plus Melodiesolo und ebensolchen Breaks… Auf „Hope“, zieht dann Wata mit ebenso improved Vocals nach, plus noch mehr „Uhs“ und „Ahs“; Pop in Reinkultur, Streicher als tragendes Gerüst, Keys und 1000 hintergründige Britzeleien dahinter. „Party Boy“, der Abschluss der A-Seite packt folgerichtig auf die gleiche Stimmung den Techno-Beat. „Black Original“ auf Seite 2 fängt dann auch gleich an wie ein Stück von Lady Gaga (das meine ich ganz ernst) und geht im Grunde auch so weiter, allein der Gesang ist in der Tonlage tiefer (=“Lady“ Takeshi).

Die Depressionen, die dies altgedienten Boris Fans bereiten mag (falls diese dieses „New Album“ nicht ohnehin schon weiter vorn an die Wand geschmissen haben) will „Pardon?“ (=Selbstironie?) möglicherweise lindern helfen; fragil, leise, balladesk plus ein Gitarrensolo im Michio Kurihara Stil, das erste Stück des „New Album“, das halbwegs an das bisherige Konzept anknüpft. „Spoon“; Rhythmik, Harmonien, Gesang in Melodie und Geschlecht: Heavy Shoegazing oder auch: My japanisch Bloody Valentine 2011. Siebter Titel, Elektro pur… der Synth-Rhythmus inspiriert… cooles Stück, ich gebe es zu. „Tu, la la“, setzt wieder auf Shoegazersound, ein Schuss mehr Rock/Metal, bei genauerem Nachdenken: Swervedriver, England, Creation-Label, ist hier die passende Referenz; auch in Bezug auf den Gesang. Eine Referenz, die, mit ein bisschen guten Willen, auch für den Abschluss des „New Album“ gilt: „Looprider“, mit englischem Refrain, übrigens.

Mit „New Album“ haben Boris sich völlig in den freien Flug ohne jede Bodenhaftung begeben: Destination wo auch immer sie wollen…oder einfach: das Boris’sche Adaptieren und Aufsaugen von Musikgeschichte bis ins Extrem getrieben und dann auch noch, bezogen auf den Tonträger, extrem dispers… vielleicht ein Experiment für Boris, es klingt nur nicht so für den/die Hörer(in)…

N

boris

+ PLUS +

Ein Keyboardsound wie eine Alarmsirene, das ist der Einstieg in die neue Boris und nach 45 Sekunden geht es los mit poppigem Rock mit der gewissen Boris-Note: die Sirene also als Warnung? Takeshi setzt mit erstaunlich professionell melodiösem Gesang ein. Wau, das hatte ich nicht erwartet, aber was kann man schon von einem neuen Boris Album schon erwarten. Meistens ist ja bei neuen Boris Alben nie das zu erwarten, was auf dem letzten Album zu hören war.

„Hope“ und „Party Boy“, mit genau so professionellem Popgesang von Gitarristin Wata, treiben den Hörer immer weiter in die Popwelt von Boris. Die Songs sind makellos, was bei anderen Bands eher negativ ausfällt, bei Boris aber irgendwie cool ist. „Black Original“ mit Popbeat, Vocoder und nur so ein bissel Gitarre treibt die neue Richtung dann auf die Spitze. Gewagt.

Die Rocksounds mit schrammeliger Gitarre, fettem Bass und knüppeligen Drums fehlen aber nicht ganz. So versöhnt „Spoon“ ein wenig und „Tu La La“ und „Looprider“ als Albumabschluss sind zwar gitarrenpoppig eingängig aber haben einen unwiderstehlichen Charme, dem man sich nicht widersetzen kann. Das Album endet mit den gleichen Sirenentönen, mit denen es auch angefangen hat. Hat was von “das Borismobil” rast mit Blaulicht durch die Anlage…

„New Album“ ist ein typisches Boris Album, denn es gibt keine typischen Boris Alben. Der Gang in die Popwelt ist den drei Japanern gelungen, weil sie dabei ihr Ding durchgezogen haben und sich nicht wie große Grungeikonen in die Hände von noch größeren Popproduzenten begeben haben um sich ein nichtselbstgeschriebenes Album aufschwatzen zu lassen. Hut ab vor so viel Mut. Natürlich hoffe ich, dass das nur ein Besuch im Popkosmos war und Boris irgendwann wieder ein droneviliges Album aufnehmen werden.

D.K.

„New Album“ ist als Vinyl über Daymare Records und als CD über Tearbridge Records als Japan-Only-Release erschienen. Im April wird das amerikanische Sargent House Label zwei internationale Boris Platten gleichzeitig rausbringen. Auf dem n e u e n „Heavy Rocks“ (gleicher Titel und gleiches Artwork wie 2002, aber komplett neues Album) und „Attention Please“ werden einige der Songs dieses Albums vertreten sein.

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CORPOPARASSITA & DYSKINESIA

Posted in Label, Release on July 31st, 2010 by D.K.

Das italienische Label Frohike Records hat die beiden italienischen Bands Corpoparassita und Dyskinesia zusammengeführt und eine limitierte, handgefertigte Split veröffentlicht. Grund genug für uns euch die beiden Bands mal näher vorzustellen.

corpoparassita

Corpoparassita aus Alessandria steuern drei düstere und dronige Ambient Songs bei, die in ihrer langsamen Gangart und eindringlichen Schlichtheit direkt unter die Haut gehen. Die Band besteht bereits seit 2001 und hat mehrere Alben, EPs, Singles und Kollaborationen veröffentlicht. Die Gründungsmitglieder Diego und Guido sind der feste Kern der Band, der je nach Release durch verschiedene Gastmusiker erweitert wird. Das derzeitige Livelineup wird durch zwei weiter Musiker ergänzt. Live besticht die Band nicht nur durch ihre Musik, sondern auch durch ihre skurillen Outfits und Masken. Auf der Bandseite habt ihr die Möglichkeit mehrere Veröffentlichungen von Corpoparassita kostenlos runterzuladen, um euch vom dunklen Ambientsound der Band zu überzeugen.

dyskinesia photo by matilde greci

Dyskinesia sind mit zwei längeren Songs auf der Split vertreten und ergänzen die Atmosphäre der drei Songs von Corpoparassita durch eine ähnliche Songstruktur. Dyskinesia sind jedoch sehr viel lauter und noisiger als ihre Splitpartner. Der Sound der Band ist geprägt von experimentierfreudigen, wortlosen Vocals und Bass- und Gitarrensounds, die sich zu langsam kriechenden Noisewänden vereinen. Die Band hat 2006 als doomiges Instrumental-Stoner Trio angefangen und eine EP veröffentlicht, bis sie dann 2008 zu einem Quintet angewachsen ist und auf ihrem selbst betitelten Debütalbum eine experimentelle Mischung aus Drone, Noise und Doom präsentierte. Die Split mit Corpoparassita ist die aktuellste Veröffentlichung von Dyskinesia. Auf LastFM könnt ihr die beiden ersten Releases komplett anhören und teilweise kostenlos runterladen.

frohike records split artwork

Die 5-Track-Split von Corpoparassita und Dyskinesia ist auf 300 Stück limitiert und kommt in einer aufwendig gestalteten, handgefertigten Verpackung mit Baumwollhülle und Kork-Inlay. Alle Materialien bestehen aus recycelten Stoffen, so auch der Kork. Frohike Records und die Künstler möchten auf die Notwendigkeit von Korkeichenwäldern aufmerksam machen. Kork wird aus der Rinde von Eichen gewonnen, die immer wieder nachwächst. Für den Fall, dass die Korkeiche nicht mehr benötigt wird, weil beispielsweise billigere Plastikkorken bevorzugt werden, würde durch das Fällen von nicht rentablen Korkeichenwäldern der Lebensraum vieler Tiere wegfallen. Also kauft die CD und helft den Bands, dem Label und der Natur.

Hier geht es zum Frohike Records Shop.

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