VESTALS

Posted in Release on May 30th, 2012 by D.K.

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Vestals ist Lisa McGee, die Drone und Ambient Freunden schon das ein oder andere Mal über den Weg gelaufen sein dürfte. Als Gast bei Barn Owl, bei Jefre Cantu-Ledesma oder als zweite Hälfte von Higuma, dem gemeinsamen Bandprojekt mit Evan Caminiti von eben Barn Owl.

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Jetzt steht nach langer und intensiver Arbeit das erste Soloalbum unter dem Pseudonym Vestals vor der Veröffentlichung. Auf “Forever Falling Towards The Sky” präsentiert sich Lisa McGee sowohl bekannt experimentell mit hallenden Gitarren und noisigen Soundflächen, als auch magisch poporientiert mit Gesangsmelodien, die zum Mitsummen animieren. Der Eröffnungssong “Forever Falling” streut mit seinen verzerrten Gitarrenklängen nur so um sich und der Refrain bietet als Kontrast eingängige Gesangspassagen. Subtile Drums legen einen Rhythmus in den Hintergrund und lassen den Song wie ein rauhes Stück Shoegaze-Pop vor sich hergleiten. “Into Night” kommt betrübter daher, mit ernsthafter vorgetragenen Vocals und auf zwei Ebenen gleitenden Gitarren. Im Vordergrund mit Rhythmus, im Hintergrund als Noisefläche. “Between Worlds” ist ein kurzes Instrumental, scheinbar, denn wer genau hinhört, kann ein Netzt aus wortlosen langgezogenen Vocals wahrnehmen, die eher einer Ambientklanglandschaft ähneln. “Of Ripples” ist episch, episch lang, episch vorgetragene Vocals… Neben einem stetigen Akkord ertönt die Gitarre mit dezenten noisigen Feedbacks, bis dann nach der Hälfte des Songs eine singendes Arpeggio erhallt und den Song schweben lässt. “In Waking Dreams” mit Percussion, schillernden Gitarrensounds und sich wiederholenden Vocals, die einen ganz eigenen Rhythmus entwickeln, erinnert an 90er Jahre Indie- und Shoegazebands, die auf die Magie von noisigen Gitarren und weiblichem Gesang gesetzt haben. Zum Schluss dreht Lisa McGee die Gitarren und die Verzerrung nochmal schön auf und lässt den Hörer in einer Noisewelle ertrinken.

“Forever Falling Towards The Sky” erscheint Mitte Juni über Root Strata auf 300 formschönen Vinylplatten und als Download im handlichen MP3 Format.

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LIVEBERICHT: BARN OWL & JEFRE CANTU-LEDESMA

Posted in ontheroad on June 4th, 2011 by D.K.

Wieder ein Tag, an dem die Christuskirche Bochum ihre Pforten für Freunde experimenteller Gitarrenmusik geöffnet hat. Diesmal standen die Auftritte von Barn Owl und Jefre Cantu-Ledesma an.

barn owl jefre cantu-ledesma

Als die Musiker zum Aufbau und Soundcheck die Kirche betreten, strahlen die Augen von Allen auf. Nachdem sich der Boden vor dem Altar in ein Meer aus Effektgeräten (passender Weise auch eins namens “Cathedral” dabei) verwandelt hat, inspizieren Jon Porras, Evan Caminiti und Jefre Cantu-Ledesma die Kirche und entdecken neben einem Flügel auch die Kirchenorgel für sich. Schnell ist geklärt, ob die beiden Instrumente benutzt werden dürfen und Barn Owl entscheiden sich spontan, die Orgel und den Flügel in ihr Set einzubauen. So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass der Soundcheck etwas wirr abläuft und Orgelgedröhne auf Elektronik von der Bühne trfft… am besten alles gleichzeitig ausprobieren… sehr sympathisch, diese musikalische und räumliche Begeisterung.

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Dann ist es endlich soweit und Jefre Cantu-Ledesma eröffnet zusammnen mit Lisa McGee, als sphärisch wortlose Vocalunterstützerin, den Abend. Die beiden sind in ganz schwaches rotes Licht gehüllt, wollen nicht gesehen, sondern gehört und gespürt werden. Das geschieht auch zweifelsfrei. Jefre legt einen Teppich aus Elektronik, der sich durch die ganze Kirche schleicht. Mit dezenten Gitarrensounds untermalt er das Elektronikonstrukt und Lisa, auf dem Boden hockend, mit dem Gesicht im Mikro versunken, legt ihre Vocals über den Sound. Es hallt, es dröhnt, es quietscht und leider ist nach nicht mal einer halben Stunde schon alles wieder vorbei.

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Nach einer kleinen Pause geht es weiter mit dem Barn Owl Set. Jefre steigt auf die Empore und nimmt Platz an der riesigen Orgel und das Gedröhne der Register beginnt. Das Publikum verstummt, Jon und Evan verharren auf der Bühne und nach gut fünf Minuten Orgeldrones brechen die Gitarren über dem Orgelsound ein und lösen den entstandenen Spannungsbogen auf. Jefre kommt auf die Bühne, setzt sich an den Flügel und unterstützt die Beiden mit improvisierten Tasteneinlagen. Über dem Altar sind die Projektionen von Super 8 Filmaufnahmen des Künstlers John Davis zu sehen, der anlässlich der Barn Owl Tour Videomaterial zusammengestellt hat. Die Projektionen sind der Band so wichtig, dass Robert (der Tourmann im Hintergrund) kurz vor dem Konzert noch losmarschiert, um ein fehlendes Kabel für den Beamer zu kaufen. Das ist Einsatz für die Kunst…

barn owl

Aber zurück zur Musik. Barn Owl präsentieren dem Hörer ein zusammenhängendes Set, das sich zwischen Ambient, Drone und Dark Americana bewegt. Schwierig einzelne Songs hervorzuheben, aber das ist wohl Absicht. Es fühlt sich auf jeden Fall sehr erhaben an, in der Kirche zu sitzen und die vielschichtigen Gitarrenwände auf sich einwirken zu lassen. Evan Caminiti steht entweder in feinsten Rockerposen (die bei ihm – im Kontext des Abends – wirklich cool aussehen) oder kniet vor seinen Effektgeräten. Jon Porras sitzt die ganze Zeit, rockt aber auch im Sitzen genau so cool wie Evan im Stehen. Jefre Cantu-Ledesma verschwindet zwischenzeitlich von der Bühne und taucht wieder mit kleinen schellenden Glocken zwischen den Kirchenbänken auf und schreitet, wie ein orthodoxer Pope beim Gottesdienst, zum Altar. Der Kirchenraum wird an diesem Abend voll ausgenutzt. Knapp eine Stunde spielen Barn Owl und verlassen zufrieden grinsend die Bühne. Die wenigen Leute, die an dem Abend gekommen sind, machen aber genug Lärm, um die beiden von einer Zugabe zu überzeugen. Es folgen zwei weitere Songs, bei denen Jefre sich wieder ans Klavier setzt und Elektronik aus seinem Effekte-Repertoire einbaut. Dann wieder Applaus… dann verstummt die Kirche… und dann… ein unvergessenes Erlebnis mehr für das Langzeitgedächtnis.

Mehr Fotos vom Abend in der Christuskirche Bochum gibt es hier.

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