LIVERBERICHT: CHELSEA WOLFE IN ARNHEIM

Posted in ontheroad on May 17th, 2013 by C.C.

Müsste ich Chelsea Wolfe mit einem Wort beschreiben, wäre es ambivalent: in ihrer elfenhaften Stimme schwingt die Unschuld einer männerfressenden Gottesanbeterin mit. Auch der Konzertabend war ambivalent, aber beginnen wir am Anfang.

Eröffnet wird der Abend mit Indiepop der niederländischen Band houses. Danach wird die Bühne von der Ein-Mann-Armee Zero absolu beherrscht. Inmitten diverser Instrumente, einem Multieffektgerät und einer Loopstation baut der Franzose vielschichtige Stücke auf und kommt beim Wechsel zwischen Gitarre, Bass, Keyboard und Pedalen ganz schön ins Schwitzen. Das erste Stück trifft das Publikum mit voller Wucht. Leider wird das Folgende immer mehr eine Vorführung von Fertigkeiten und weniger mitreißend. Die Kombination verschiedener Stile, die immer wieder auch bekannte Motive enthält, zeigt, dass Zero absolu handwerklich einiges drauf hat. Jedoch sind nicht nur die Loops repetitiv, sondern auch das Konzept – und somit über die Länge nicht aufregend genug.

In der letzten Umbaupause wird aus der sowieso hohen Bühne schließlich eine Bastion, als die Monitorboxen am Rand aufgebaut werden. Die dazwischen platzierten Kerzen wirken verloren und nichts erinnert an die erhabene Atmosphäre, die wir in Aachen erleben durften. Wieder beginnt Chelsea Wolfe ihr Set mit Akustikgitarre und in Begleitung von Violinistin und Keyboarder. Die fragile Musik muss allerdings gegen die lautstark im Hintergrund geführten Gespräche ankämpfen. Auch die Unmutsbekundungen der Musikerin und Gezische aus dem Publikum ändern daran nichts. Nach vier Stücken überlässt Chelsea Wolfe die Bühne sichtlich genervt den anderen beiden und verschwindet Backstage, während das melancholische Interludium aus Violine und Synthiesounds die angespannte Stimmung musikalisch aufgreift.

Als die Violinistin die Bühne verlässt, kommen Drummer und Gitarrist hinzu, das Keyboard wird gegen den Bass getauscht und Chelsea Wolfe greift statt zur akustischen Westerngitarre zur Fender. Der Sound gewinnt an Druck. Wer je daran gezweifelt hat, dass Musik Emotionen transportiert, wird durch die nun verarbeitete Wut eines Besseren belehrt. Wann immer möglich wendet Chelsea Wolfe sich vom Publikum ab. Ein neben uns stehender Gast lässt sich weder davon noch von eindeutigen Gesten davon abhalten, durchgängig zu filmen. Erst als er während “Movie Screen” direkt von Chelsea Wolfe angesprochen wird, hört er auf; aus dem Konzept gebracht ist die Sängerin dennoch. Schließlich endet das Set, das kürzer war als in Aachen, nach dem sehr lauten “Pale on Pale”. Wider Erwarten kehren die Musiker für eine Zugabe zurück: das gecoverte “Echo” wird mit aller Härte dem Publikum entgegengeschleudert. Auf dem Weg zurück sind wir uns einig – Chelsea Wolfe und ihre Band waren großartig, alles andere leider nicht.

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LIVEBERICHT: O & CHELSEA WOLFE IN AACHEN

Posted in ontheroad on May 9th, 2013 by D.K.

Es ist der erste Sonntag in diesem Jahr, den man als warm und sommerlich bezeichnen kann. Wir sind auf dem Weg nach Aachen. Chelsea Wolfe hat ihre aktuelle Europatour angetreten und tritt an diesem Abend zusammen mit O im Musikbunker Aachen auf.

Der Musikbunker ist wie ein Fremdkörper in dieser sehr alten Stadt, die auf Denkmalpflege und ein schönes Auftreten achtet. Irgendwo zwischen Alt- und Neubauten und einem Sportplatz steht dieser lange hässliche Betonbunker, der netterweise auch als Musikstätte benutzt werden darf. Einmal eingetreten verlässt man den Sommertag und tritt ein in eine Betongruft, keine Fenster, wenig Licht. Es geht zunächst einmal nach unten und dann um zig Ecken zur Venue. Auf dem Weg dorthin kommt einem schon der Rauch der Nebelmaschine entgegen.

O eröffnen den Abend mit ihrem Doom-Post-Rock. Die kleine Bühne ist vollgestellt mit Effekten und Musikern und der Raum füllt sich schnell mit den Klängen der Band, die teilweise aus Aachen stammt. Das Set beginnt leise, Bögen werden über Gitarren- und Basssaiten gestrichen, die Drums werden mit Paukenschlegeln gespielt und allmählich baut sich eine Atmosphäre auf, die typisch ist für diese Band. O funktionieren Live viel besser als auf Platte, denn die Aura des O-Sounds ist nur live greif- und fühlbar. Gegen Ende des Sets werden die Laut-Leise-Passagen etwas zu stark ausgereizt, aber das Gesamtbild hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Der Umbau läuft sehr schnell ab. Das neue Bühnenbild ist spartanischer als bei O. Es stehen Kerzen an den Rändern. Vor den Drums stehen die beiden Gitarren von Chelsea Wolfe. Eine dunkelbraune Westerngitarre von Gibson und eine fast schwarze Jaguar E-Gitarre von Fender. Wolfe trägt ein schwarzes Kleid, über ihren Schultern liegt ein schwarzer Schleier, die Haare sind hochgesteckt und die Augen tiefschwarz geschminkt. Gespenstisch attraktiv. Das Set beginnt akustisch mit Chelsea, ihrer Violinistin und dem Keyboarder. Nur Gitarre, Violine, dezente Synthiesounds und die mit Hall versetzte Stimme von Chelsea Wolfe. Sehr intim und emotional.

Dann geht die Violinisten und die restliche Band kommt auf die Bühne. Gitarrist, Drummer und Bassist/Keyboarder positionieren sich, Chelsea greift zur E-Gitarre und das Folk-Doom-Gewitter nimmt seinen Lauf. Die Mischung aus verzerrten Gitarren, treibenden Drums, dezenter Elektronik und der filigranen und zugleich kraftvollen Stimme von Chelsea Wolfe ist einzigartig. Wolfe singt meist mit geschlossenen Augen, öffnet sie diese scheinen ihre Blicke unheimlich verträumt und gleichermaßen fokussiert. Die Songauswahl konzentriert sich vor Allem auf das Überalbum “Apokalypsis”. Zum Ende hin wird das Set immer lauter und man verfällt immer mehr dieser dunklen Sirene auf der Bühne. Nach einer Stunde ist das Set vorbei, nein, eine Zugabe, laut mit dröhnenden tiefen Gitarrensounds und dann ist wirklich Schluß. Schade.

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HANS & DER CLUB OF GOOR

Posted in Aktuell, ontheroad on April 8th, 2013 by D.K.

Hans und seine Frau Mieke sind große Musikliebhaber. Dabei haben sie nicht nur einen sehr guten Musikgeschmack, sondern setzen sich auch dafür ein, Drone- und Ambientmusikern eine Bühne zu bieten. Bühne ist in diesem Fall das kleine Wohnzimmer der beiden im niederländischen Goor.

Hans hatte uns schon seit Langem zu einem seiner “Evening of Harmonics And Nonadaptive Sounds” eingeladen, gestern hatten wir endlich Gelegenheit dabei zu sein, denn ein Abend mit StringStrang und unserem Lieblingsbassduo [BOLT] stand an. Die Reise nach Goor führt über sehr viel Flachland, vorbei an riesigen Windrädern und kleinen deutschen Ortschaften, deren Namen teilweise sehr ulkig klingen. Dann irgendwann hat man die Grenze passiert und Goor taucht auf. Ein typisches kleines niederländisches Städtchen, in dem sich scheinbar jeder beim Vornamen kennt. Besonders imposant ist die rotgestrichene Tankstelle des Ortes, die den Namen “Firezone” trägt. Bei Hans und Mieke angekommen werden wir erstmal herzlichst begrüßt und das nicht nur von den Gastgebern, sondern auch von den Gästen, die aus Deutschland und den Niederlanden angereist sind um die Künstler zu sehen. Der Spielort ist ein kleines verkantetes Wohnzimmer mit Kamin und großen Fenstern. Die kleine Ecke gehört den Musikern, die größere den Zuschauern.

StringStrang ist der niederländische Künstlername von Jan Kees Helms (bekannt für seine Videokunst), an diesem Abend als Dronegitarrist unterwegs. Das Set besteht aus einem langen Stück, in dem nahezu alle gängigen Effektgeräte samt Field Recordings eingebaut werden. Das Set ist gut, allerdings wirkt es auch sehr überladen und man kommt als Zuhörer nicht dazu, sich auf eine Soundlinie einzulassen.

[BOLT] gehört die zweite Hälfte des Abends. Nach einer kleinen Ansage von Hans inklusive Bedenken zur Lautstärke zweier Bässe, legen die beiden los. Wir haben es uns auf der Couch gemütlich gemacht und haben sowohl die Musiker als auch die anderen Gäste im Blick. Der Sound ist perfekt. Man mag es kaum glauben, aber die Heimanlage von Hans schafft es in Kombination mit den Amps von [BOLT] einen warmen Sound in den Raum zu legen, der wirklich fesselt. Das Duo spielt filigraner als sonst und setzt den Fokus auf weniger noisige Tracks. Die Gesichter im Publikum sprechen für sich. Von zufriedenem Grinsen bis konzentriertem Beobachten ist alles dabei.

Sichert euch für den nächsten Termin einen Platz im Wohnzimmer, es lohnt sich. Wir halten euch auf dem Laufenden.

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LIVEBERICHT: DENOVALI SWINGFEST 2012

Posted in Denovali Swingfest 2012, ontheroad on October 11th, 2012 by D.K.

Letztes Wochenende hat endlich wieder das Denovali Swingfest stattgefunden. Auch dieses Jahr in der Weststadthalle in Essen. Auch dieses Jahr waren wir natürlich dabei und möchten unsere Impressionen mit euch teilen.

Freitag – Penispanik

Freitag haben wir das gleiche Problem, wie viele andere auch: Arbeit. So kommen wir erst an, während Philip Jeck spielt. Ein älterer Herr sitzt an einem Tisch, der überfüllt ist mit Spielzeug, das Musik erzeugen kann. Ein kleiner tragbarer Plattenspieler, Smartphone, Synthesizer und diverses andere Zeug und irgendwie kommt alles zum Einsatz. Gegen Ende des Sets ist die Soundwolke etwas zu dicht, aber was solls, im großen Ganzen echt beachtlich. Oneirogen alias Mario Diaz de Leon ist als nächster dran. Auch er hat einen Tisch mit Effekten, doch hier gehts in eine andere Richtung. Der New Yorker baut verdammt fette Elektronikwände auf und untermalt das ganze mit live eingespielten Gitarrensounds. Dabei kreuzen sich Metal und Elektronik in einer Weise, die hundert Prozent unter die Haut geht.

a dead forest index @ denovali swingfest 2012

heirs @ denovali swingfest 2012

Es folgt klassische Instrumentierung. Das Duo A Dead Forest Index mit Gitarre und Drums ist stilistisch zwischen Folk, Indie und Rock unterwegs. Besonders die kreativen Drums wissen zu überzeugen. Der Sänger windet sich mit spannend ausschauenden Posen um sein Mikro, singt mal ohne, mal mit Effekten. Sogar eine Art Hit wird gespielt, denn als die Band einen Song vom Swingfest Sampler spielt jubelt die Menge. Als nächstes ist die Band dran, auf die wir uns an diesem Tag am meisten gefreut haben, die Heirs aus Australien. Überraschenderweise nur zu dritt, denn der Thereminehühne und der zweite Gitarrist fehlen. Soundtechnisch ist das Trio noch rauher als in der Quintettformation. Die drei schließen an diesem Abend ihre Europatour ab und sind sehr spielfreudig. Besonders Gitarrist Brent scheint wie von einer Hornisse gestochen. Die Mitte des Bühnenbilds ziert ein großer leuchtender Penis, im Hintergrund läuft Lava über die Leinwand. Heirs sind massiv. Nach noch nicht mal 40 Minuten wird das Bühnenbild zerlegt und die Heirs verschwinden. Schade. Der Abschluss des Abends gehört A Winged Victory For The Sullen. Leider ist das, woran wir uns am meisten erinnern, der zickige Gitarrist, der lieber seinen Soundtechniker anschnauzt als auf der Bühne mit Gitarrensounds zu überzeugen. Na ja, der Cellosound ist fett.

Samstag – Schnurrbartparade

An diesem Tag gibts keinen Grund zu spät zu kommen oder überhaupt nicht zu kommen, so sind wir und viele andere Leute schon zu Beginn da. Es geht los mit The Pirate Ship Quintet, die ja schon letztes Jahr dabei sein sollten. Das Quintett weiß zu überzeugen und bietet den Hörern seine Interpretation von Post-Rock. Guter Einstieg. Eric Quach alias Thisquietarmy, umhüllt von rotem Licht, dröhnt das Publikum mit verdammt lauten Drones zu. Besonders “Aphorismes” von der gemeinsamen Platte mit Year Of No Light presst sich ins Gedächtnis. Year Of No Light sind dann auch als nächstes dran und setzen dem bisherigen Eindruck ein I-Tüpfelchen auf. Allein dieses Bild auf der Bühne, mit sieben Franzosen, von denen die meisten einen dunklen Schnurrbart tragen, ist auch ohne Musik beeindruckend. Vom ersten bis zum letzen Ton ist hier alles perfekt. Der Sound ist trocken und bombastisch. Allein die perfekte Aufteilung unter den Musikern und der zeitweilige Einsatz zweier Drumsets macht diesen Auftritt zum absoluten Highlight.

thisquietarmy @ denovali swingfest 2012

year of no light @ denovali swingfest 2012

Greg Haines muss im Anschluss die Gemüter wieder beruhigen, um die Aufmerksamkeit für sich beanspruchen zu können. Das tut er auch mit einem langen ersten Part, in dem er nur am Piano spielt. Erst zum Ende hin werden Effekte vom Rechner aus benutzt, um die Sounds des Flügels zu verfremden. Es folgen die beiden Publikumslieblinge Blueneck und Bersarin Quartett. Blueneck überraschen die Gäste und Veranstalter mit einer ungeplanten Kollaboration mit Carlos Cipa am Flügel, Bersarin Quartett überrascht mit Lichtlosigkeit. Kein Bühnenlicht, denn die Musik ist der Soundtrack zu einem imaginären Film im Kopf des Zuhörers. In unseren Köpfen dröhnen immer noch Year Of No Light. Als Betthupferl gibt es noch ein Elektronik-Jazz-Techno-Set vom Moritz von Oswald Trio. Leider nicht unsere Baustelle.

Sonntag – Fingerperfektion

Sonntag um 13 Uhr wieder am Start zu sein ist nicht Jedermanns Sache. Diejenigen, die es schaffen, werden mit einem Set von N belohnt. N spielt erstmalig nicht nur über seine Gitarrenamps, sondern auch über ein Bassamp. Das Resultat sind dichte noisige Gitarrendrones, die allesamt auf der Bühne entstehen, denn N benutzt nichts vorgefertigtes, sondern baut die Sounds mit den Fingern an der Gitarre und den Füßen an den Effekten live auf. N ist laut, sehr laut, das ist schön. Als Abschluss gibt es eine laute Version von “Suedfall”, dem Song von unserer HOME Compilation. Switchblade sind in den Startlöchern und spielen direkt nach N. Auf der Leinwand ist Zerstörung zu sehen und das Duo legt einen Soundtrack aus doomigen Gitarrensounds und vertrackten Drums darüber. Auch ein Gastsänger darf nicht fehlen, denn es gibt auch was vom neuen Album zu hören. Ein düsterer Soundsog.

N @ denovali swingfest 2012

switchblade @ denovali swingfest 2012

Um nach diesen beiden Acts mit handgemachter Musik als Laptopkünstler zu überzeugen, muss eine fette Soundwand her, und so taucht Saffronkeira aus Italien die Halle in seine elektronischen Beats. Er überzeugt besonders an den Stellen, an denen Ambientsounds den Hintergrund zu den langsamen Beats bilden. Wir gehen was essen, kommen wieder und werden von Freunden darauf aufmerksam gemacht, dass das was derzeit läuft uns eventuell nicht zusagen würde. Und ja es stimmt, Kammerflimmer Kollektief mit ihrer Art von Jazz sind nicht so ganz unser Fall. Carlos Cipa, der sich schon bei Blueneck gezeigt hat, kann dagegen mit seinen kurzen klassisch angehauchten Klavierstücken doch schon überzeugen. Allein die Geschwindigkeit, mit der seine Finger über die Tasten gleiten, ist zum Hut ziehen. Leider ist dann für uns auch schon Schluss und wir machen uns auf den Heimweg.

Als Resumee können wir uns einfach nur verneigen vor dem, was Denovali Records und alle fleißigen Helfer auf die Beine gestellt haben. Gerne wieder, im nächsten Jahr, dann hoffentlich wieder 100% unseren Geschmack treffend, wie die Jahre zuvor.

Wie fandet ihr das Festival? Schreibt uns einen Kommentar!

PS: Die restlichen Momentaufnahmen werden wir in den nächsten Tagen online stellen…

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LIVEBERICHT: FEAR FALLS BURNING

Posted in Aktuell, ontheroad on June 4th, 2012 by D.K.

fear falls burning @ paradox tilburg

Vor ein paar Jahren traf ich beim Musikentdecken irgendwie auf Fear Falls Burnings „The Amplifier Drone“. Eine Platte mit einem perfekten Titel, der genau das auf den Punkt bringt, was sich auf der Platte wiederfindet. Gitarrendrones vom Feinsten. Schnell war mir klar, dass ich mich intensiver mit der Arbeit von Dirk Serries alias Fear Falls Burning befassen muss und besonders mit dem, was sich Drone schimpft. Als dann „Frenzy of The Absolute“ über Conspiracy Records veröffentlicht wurde, wurde ich Fan von diesem sympathischen belgischen Musiker, der bereits in den späten 80ern mit VidnaObmana ein Musikkapitel eröffnet hatte, das er Anfang diese Jahrhunderts abgeschlossen hat.

fear falls burning @ paradox tilburg

Am 2. Juni stand dann der Tag an, den man als Fan immer verdrängt hatte, aber trotzdem kommen sah. Das Ende von Fear Falls Burning. Der Jazzclub Paradox in Tilburg öffnete seine Tore, um die Fangemeinde ein letztes Mal Fear Falls Burning live erleben zu lassen. Grund genug eine kleine Reise aus dem Ruhrgebiet anzutreten. In Tilburg angekommen standen wir kurz vor Einlass vor dem Gebäude, das das Paradox beherbergt. Grau und glatt und unscheinbar. Doch nach dem Einlass zeigt sich das wahre Gesicht des Clubs. Ein dunkler gemütlicher kleiner Club mit kleiner verkanteter Bühne, die zu einem Drittel von einem Flügel eingenommen wird. Doch der Flügel spielt heute keine Rolle, sondern das, was daneben aufgebaut ist. Eine „Fear Falls Burning Schaltzentrale“ mit Amp, zwei Koffern voller Effekte, einem Hocker und einer Les Paul, rechts daneben ein Bass ohne Effekte und ganz rechts am Bühnenrand die Drums.

fear falls burning @ paradox tilburg

Langsam füllt sich der Club und viele bekannte Gesichter sind zu sehen. Darunter die Bandkollegen von 3 Seconds of Air und die Chefetagen von Tonefloat und Conspiracy Records. Zeit sich ein schönes Sitzplätzchen zu suchen. Eine Ambientwolke untermalt die Wartezeit, dann um kurz nach neun kommt eine Kunstnebelwolke hinzu und taucht den Club in ein kaltes Grau. Das Licht wird gedimmt und Dirk Serries kommt auf die Bühne und setzt sich vor seine Effektarmaturen und beginnt das Set mit einem typischen Fear falls Burning Drone. Schicht für Schicht steigert sich der Gitarrensound, Ebowschwingungen werden auf die Saiten übertragen, Picking paart sich mit Feedback. Tim Bertilsson setzt sich an die Drums, die auch zuvor ohne sein Beisein durch die Gitarrendrones stetig vibriert haben. Bedächtig und zurückhaltend baut er sein Drumming in den Sound ein. Eine weitere Zeit später steigt Frank Kimenai am Bass ein und die Rhythmusfraktion setzt voll ein. Aus dem filigranen Drumspiel wird ein lautes dynamisches Rhythmusmonster a la Switchblade (der Hauptband von Herrn Bertilsson), das von Kimenai am Bass unterstützt wird. Leider vergeht die Zeit doch ziemlich schnell und das Set kommt beim letzten Lied des neuen Albums an, was auch den Abschluss des Abends besiegeln soll. Der Nihill Sänger Michiel Eikenaar gesellt sich zu den drei Musikern und windet sich zunächst im Fluss der Drones um sein Mikro, bis er dann mit seinen beeindruckenden Black-Metal-Vocals einsetzt. Ab diesem Zeitpunkt steigern sich die vier Musiker immer weiter in ihre Musik. Dirk Serries verdichtet die Gitarrenflächen, Frank Kimenai konzentriert sich, die Bassdosis immer zum rechten Zeitpunkt zu setzen, Bertilsson spielt seine Drums mit seinem speziellen „Lufttakt“, bei dem nicht alle Schläge das Trommelfell erreichen, und Eikenaar schreit sich die Seele aus dem Leib. Dirk Serries steht auf und lässt die letzten Gitarrenklänge verklingen, die restlichen Musiker stellen sich zu ihm. Fear Falls Burning ist zu Grabe getragen.

Zum Glück bleiben die Erinnerung und die Musik.

fear falls burning @ paradox tilburg

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LIVEBERICHT: AIDAN BAKER + MAIK (KODIAK) & A-SUN AMISSA

Posted in ontheroad on February 20th, 2012 by D.K.

Es ist Freitag. Freitag nach Altweiberdonnerstag, kalt, grau. Aidan Baker und A-Sun Amissa sind grad auf Tour und auf der Reise von Hamburg nach Bochum. Leicht ermüdet kommen die vier Musiker nachmittags in Bochum an und betreten die Christuskirche Bochum über den Hintereingang. Als A-Sun Amissa dann erstmalig in den Kirchenraum treten, weicht die Müdigkeit aus den Gesichtern einem schlichtem „Nice“ gepaart mit einem Lächeln. An diesem Abend treffen Aidan Baker und Maik von Kodiak zum ersten Mal zusammen, um gemeinsam zu improvisieren. Der Soundcheck ist das erste Zusammentreffen auf der Bühne, die beiden besprechen sich kurz und legen auch gleich los und es klingt gut, sehr gut. Aber später mehr dazu… Auch A-Sun Amissa sind von der Improvisationssession sehr angetan und äußern in einem Beisatz, dass man zum Schluss auch gemeinsam spielen könnte. Warum nicht?! Plan steht. Die Sonne geht unter, das blaue Licht auf dem Platz des europäischen Versprechens vor der Christuskirche geht an. Viele Interessierte kommen um zu sehen, was an diesem Abend auf der Bühne passieren wird.

a_sun_amissa @ christuskirche bochum

A-Sun Amissa eröffnen den Abend. Die drei Briten aus Leeds sitzen mittig im Halbkreis vor dem Altarsockel. In der Mitte Angela Chang mit ihrer Violine, an den Seiten Richard Knox und Owen Pegg an fast identischen Gitarren und vor den drei Musikern eine Herde von Effektgeräten. A-Sun Amissa erzeugen Spannungsbögen ohne diese aufzulösen, der Sound legt sich immer weiter aus im Kirchenraum, dann greift eine der Gitarren eine Melodie auf und führt diese fort, bis sich die anderen beiden Instrumente dazugesellen und den Sound wieder in etwas nicht greifbares, nur spürbares wandeln. Auf jeden Fall was für Fans von Sounds mit offenem Ende, ohne Auflösung, ohne gewaltige Klimax aber mit viel Zeit für warme sich entfaltende Sounds.

aidan baker_and_maik from kodiak @ christuskirche bochum

Nach einer kurzen Umbaupause kommen Aidan Baker und Maik auf die „Bühne“ und platzieren sich vor dem Altar auf dem Altarsockel. Wer Aidan Baker schon mal live gesehen hat, dem wird sicherlich aufgefallen sein, dass er meistens sitzt oder hinter einem Tisch mit Effektgeräten steht. An diesem Abend aber steht er ohne Tisch, in reinster Rockerpose, aber dieser Abend ist ja auch ein außergewöhnlicher Baker Abend, denn Maik von Kodiak sitzt direkt neben Aidan hinter seinem Schlagzeug. Das Set beginnt, Aidan Baker baut Loops auf, während Maik subtile Trommelsounds mit Paukenschlägeln unterlegt. Alles wächst zusammen und so langsam kommt Rhythmus ins Spiel. Maiks Trommelspiel bricht immer weiter aus, Aidan Bakers Gitarre setzt immer weitere Sounds in den Kirchenraum und irgendwann haben sich die beiden eingespielt und einen Sound geschaffen, der zum Mitwippen animiert. Dann nehmen die Sounds wieder ab und es folgt eine ruhige experimentellere Passage, bis dann das Netz aus Klängen wieder zunimmt, die Paukenschlägel ungedämpften Sticks weichen, Aidan zum Cellobogen greift und seiner Gitarre einige derbe, leicht verzerrte Streichtöne entlockt und sich die beiden Musiker gegenseitig antreiben, um ihr Set auf einen Höhepunkt zu treiben. Als der Höhepunkt erreicht ist, löst Aidan Baker das Geflecht aus Loops auf und Maik setzt den letzten hallenden Gitarrensounds die letzten Akzente auf bis Alles verstummt. Gelungenes Zusammentreffen.

Als Abschluß folgt ein drittes Set mit allen fünf Musikern des Abends. Alle platzieren sich so wie in den vorherigen Sets und bauen eine Dronelandschaft auf, die mit Viola-Einschüben und experimentellen Gitarrenausbrüchen bestückt ist. Der perfekte Ausklang für diesen Abend.

aidan, maik, angela, owen, rich @ christuskirche bochum

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