SHIVERS

Posted in Release on June 9th, 2014 by D.K.

Shivers nennt sich die neue Experimentalsupergruppe, die aus Gareth Davis an der Bassklarinette, Leo Fabriek an den Drums und Rutger Zuydervelt an der Elektronik besteht.

Das selbstbetitelte Debüt, das nach einem Meilenstein von David Cronenberg benannt wurde, ist eine intensive Reise durch die düsteren Welten des Unterbewusstseins, nicht nur weil Cronenberg als Inspiration diente.

“Ash” beginnt wie ein harmloser Jazzsong, um dann binnen Sekunden sein wahres Ich zu zeigen. Ein Ungetüm aus ausbrechenden Sounds und vertrackten Drums. Die Klarinette dient hier als Basis für ein elektronisches Verfremdungsfeuerwerk ohne Gleichen. Wie ein Ungetüm, das in Fesseln liegt und immer wieder versucht auszubrechen und dabei die Wärter verletzt. “Otomo” greift diese Atmosphäre auf, ist aber in sich eher jazzig als noisig. “Rabid” fängt mit einem Noisegewitter an, um sich dann in einen sehr coolen Balkan-Groover zu verwandeln. Das kurze “Brood” überrascht mit seinen klaren Synthiedrones. “Spacek” nimmt die Synthiethematik auf und baut sich langsam zu einem Tribaltrack auf. Der einzige Song, bei dem die Gedanken auch mal schwinden können. “Replicant” vereint das, was die vorherigen Tracks gezeigt haben: Noise, Jazz, Powerelectronics und Synthiesounds mit einer dicken Prise europäischer Folklore.

Ein absolut biestiges und kreatives Muss-Album, das Nils Frahm in Berlin mastern durfte. Erscheint passenderweise auf Miasmah Records und gesellt sich dort in eine Diskografie ein, die nur so vor experimenteller Energie trotzt.

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DIE GEHEIMEN PHOTOGRAPHIEN

Posted in Release on February 10th, 2013 by D.K.

Alvin Karpis war in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts Staatsfeind Nummer Eins in den USA und saß nach seiner Ergreifung in Alcatraz ein. Als er wieder freikam, lebte er die letzten Jahre seines Lebens in Spanien. Dort widmete er sich einem neuen Hobby: der Photographie. Zurück in der Jetztzeit ersteigert der Filmemacher Mike Hoolboom einige dieser Photographien bei einer Onlineauktion und beginnt damit einen Film zusammenzustellen, in dem langsame Blenden die Bilder zeigen und somit eine Geschichte erzählt wird. Was hat das mit Musik zu tun? Ganz einfach: Machinefabriek liefert den opulent minimalistischen Soundtrack dazu.

Auf “Secret Photographs” präsentiert sich Machinefabriek von seiner reinsten Seite als Musiker. “Part One (black and white)” (benannt nach den Episoden des Films) ist eine 20-minütige Offenbarung für Freunde experimenteller Musik. Wer auf Ambient steht, wird diesen Track sofort ins Herz schließen, denn hier geht es nur darum, Soundflächen wahrzunehme und zu spüren wie sie sich langsam entwickeln. Einfach perfekt. “Part Two (colour)” setzt den Fokus auf pure Gitarrensounds, noch langsamer gespielt als bei Earth enfalten die Klänge eine anziehende warme Aura, die durch das Beifügen von Effekten weiter untermalt wird. Ein halbstündiges Stück Musikgeschichte, das man sich nicht entgehen lassen sollte. “Part Three (black and white)” hat nichts mit dem ersten Stück zu tun, sondern setzt die Reise durch den Minimalismus weiter fort. Hier konzentriert sich Machinefabriek wieder auf das Erschaffen einer Ambientlandschaft, die durchzogen ist von Droneflächen. Definitiv eines der herausragendsten Alben von Machinefabriek.

Die Fotos von Alvin Karpis schmücken auch das Artwork des Albums und haben ihren ganz eigenen Charme. Das Coverartwork mit der Dame, die mit einem Lederhandschuh bekleidet einen Scheibenabzieher in Szene setzt, zeigt das sehr eigenwillige ästhetische Empfinden von Karpis. Die Fotos zeigen Szenen, erzählen Geschichten von dem was passiert, passiert ist, passieren wird oder passieren könnte.

“Secret Photographs” ist über Important Records erschienen.

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CHRIS DOOKS & MACHINEFABRIEK – THE ESKDALEMUIR HARMONIUM

Posted in Release on December 2nd, 2012 by D.K.

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“The Eskdalemuir Harmonium” nennt sich die Zusammenarbeit von Chris Dooks und Rutger Zuydervelt alias Machinefabriek, die eine Art Hommage an den Zerfall des Harmoniums ist. Genauer gesagt des Zerfalls zweier Miller und Estey Organ Company Harmonien in einem alten schottischen Landhaus in Eskdalemuir.

Ursprünglich startete das Projekt von Chris Dooks als eine Art Universitätsprojekt. Angelehnt an Arbeiten wie zum Beispiel der von Stefan Betke, der seine musikalische Karriere mit einem beschädigten Waldorf 4 Pole Filter begann und einzigartige Sounds erzeugte, die aus der Beschädigung des Filters resultierten. Um das Projekt von der akademischen in die musikalische Richtung zu lenken, holte sich Dooks Rutger Zuydervelt hinzu. Das Resultat ist ein Album, das die Arbeit der beiden eindrucksvoll dokumentiert.

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Drei der vier Songs sind aus Aufnahmen entstanden, die mit diversen Mikrofonen im Landhaus festgehalten wurden. Dabei wurden nicht nur die Sounds der Harmonien dokumentiert, sondern auch Klänge, die sich vor Ort offenbarten. Abgerundet wird das Werk durch das Einbinden eines Radiointerviews mit der Tochter des Landhausbesitzers, die sehr bildlich von den Begebenheiten des Ortes und Launen des Vaters berichtet.

Das ansehnliche Artwork inklusive rotem Vinyl und Download ist über das kanadische Label Komino Records erschienen.

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MACHINEFABRIEK – STROOMTOON

Posted in Musik on July 11th, 2012 by D.K.

Rutger Zuydervelt aus den Niederlanden ist Machinefabriek. Seit fast einem Jahrzehnt beschäftigt er sich nunmehr mit elektronischen Sounds, Field Recordings und manipulierten Gitarrenklängen und erfindet sich dabei immer wieder aufs Neue,  sowohl solo als auch in diversen Zusammenarbeiten mit anderen namhaften Experimentalmusikern.

stroomtoon

An dieser Stelle wollen wir euch sein aktuelles Album “Stroomtoon” vorstellen, das Machinefabriek mit Hilfe von einem Korg Monotron, Field Recordings, Radiosounds, Effektgeräten und einem analogen Tongenerator aufgenommen hat. Das Ergebnis sind fünf elektronische Songs, die mit ihrer anziehenden Kälte direkt überzeugen. Das 18-minütige “Eén” eröffnet das Album wie eine Art schleichender Sirenensound, lullt den Hörer unterschwellig ein und taucht ihn immer weiter in diese von Elektronik umgebene Welt. “Twee” zirpt vor sich her und legt die Grundlage für ein Elektroriff, das wie ein sehr schweres Metal klingt, das unter Wasser gegen etwas anderes schweres trifft. “Drie” dagegen klingt wie ein Sonar, das den Rhythmus vorgibt, während Field Recordings seinen Weg kreuzen. “Vier” konzentriert sich auf den Ton. Der Ton als Welle. Der Ton als Träger, von Informationen und Gefühlen und von Strom. Der Stromton halt. Ein minimalistisches Kraftstück und Highlight des Albums. “Vijf” setzt Akzente, ist basslastig, klingt bedrohlich und erhaben und überrascht zum Ende mit einem Beat. “Stroomtoon” ist die perfekte Demonstration minimalistischer Elektroniksounds mit großer Wirkung.

“Stroomtoon” ist über das französische Label Nuun Records erschienen und auch als Download über die Bandcamp Seite von Machinefabriek erhältlich. Investiert in eines der beiden Formate, es lohnt sich.

Machinefabriek_Michel Mees

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